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„Hey Ho, Let’s Go!“ – Biffy Clyro – live im Ramones Museum, Berlin… das Akustik-Konzert im Stream


Biffy Clyro im Ramones Museum, Berlin

Biffy Clyro?!? Ramones Museum?!? Aber hallo! – Regelmäßige Leser dieses bescheidenen Blogs werden wissen, dass hier von Beiden bereits die Schreibe war (und alle anderen dürfen’s gern hier oder hier nachlesen). Am 23. Januar machten „Mon the Biff“ einen kleinen Zwischenstopp auf ihrer Promo-Tour zum neuen Album „Opposites„, um nach 2009 dem ersten und weltweit einzigen Museum zu Ehren der legendären Pop-Punker Joey, Dee Dee, Johnny und Marky Ramone erneut einen Besuch abzustatten. Und alle, die – sei es nun aufgrund des wahrlich begrenzten Platzes, oder einfach, weil sie nicht rechtzeitig in der deutschen Hauptstadt sein konnten – nicht bei diesem kleinen Akustik-Gig dabei sein konnten, haben nun hier die Gelegenheit, die gut 30-minütige Show des schottischen Trios am beinternetteten Bildschirm mitzuverfolgen…

 

 

Die Setlist des Abends:

1.  Stingin‘ Belle

2.  Biblical

3.  The Rain

4.  Black Chandelier

5.  Opposite

6.  God & Satan

7.  Mountains

8.  Many Of Horror

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche


Ein weiteres hervorragendes Jahr für schottische (Lieblings)Bands? Kürzlich berichtete ANEWFRIEND noch über das Album und die ihm vorausgegangene „Black Chandelier EP“, nun ist es das aktuelle „Album der Woche“… 

 

Biffy Clyro – Opposites (2013)

Biffy Clyro - Opposites (Cover)-erschienen bei 14th Floor/Warner-

Biffy Clyro haben ein Problem. Ihre Anhängerschaft teilt sich mittlerweile in zwei Lager, die sich wohl spinnefeind sein dürften. Zum Einen sind da jene, die dem aus dem schottischen Kaff Kilmarnock stammenden Trio aus Simon Neil (Gesang, Gitarre) und dem Zwillingsduo James und Ben Johnston (Bass beziehungsweise Schlagzeug) seit ihrem ersten, 2002 veröffentlichten Album „Blackened Sky“ die Treue halten, sich in den Moshpits zu den Haken schlagenden Rhythmen die Nasen blutig tanzen und jede Textzeile auf Gedeih und Verderb aus tiefstem Herzen bierselig mitgröhlen. Und andererseits sind da nun jene, die sich in die Massen der mittlerweile bespielten 15.000er-Hallen mischen, „Biffy“ nur anhand der – nichtsdestotrotz noch immer exzellenten – Singles aus den Formatradiostationen, wie „Many Of Horror“ oder „Mountains“, kennen (oder von den ZDF-Berichterstattungen im Zuge der letzte Fussball-WM in Südafrika, welche stets mit dem Intro von „That Golden Rule“ unterlegt waren) und bei jedem Mal, wenn ihnen der „ach soooo süße“, stilvoll und im Übermaß tätowierte Frontmann oberkörperfrei entgegen rutscht, spitze Schreie ausstoßen. „Mon The Biff!“ vs. Trendgefolgschaft.

Biffy Clyro (Promo #1)

Ganz unabhängig vom Bandoutput – sprich: den Songs – muss man der Band zugute halten, dass dieser Erfolg nicht von heute auf morgen kam. Seit ihrer Gründung Mitte der Neunziger (damals war etwa Simon Neil gerade einmal fünfzehn!) hat sich das Dreiergespann alles redlich erarbeitet, sich den Arsch auf Ochsentouren hier und jenseits des Atlantiks abgespielt, mehr als einmal den Anheizer für „größere Bands“ (etwa 2007 für Bloc Party) gegeben und ist von Album zu Album organisch gewachsen. Und alle, die noch immer mäkeln, Jahr um Jahr und Platte um Platte den harten, grobschlächtigen Sound der Anfangstage (beziehungsweise der ersten Veröffentlichungen) mehr vermissen, haben eins nicht verstanden: zu all dem, was Biffy Clyro im Jahr 2013 ausmacht – den Pathos, die große Geste, die allumfassende Umarmung, die herzliche Übertreibung -, wollten Neil und die Johnstons schon immer – man höre sich nur das Titelstück „Blackened Sky“ vom Debüt an. Doch Biffy Clyro sind nicht Coldplay, haben keine Hollywoodsternchen geehelicht und auch keine Gastauftritte von Rihanna oder Kylie Minogue nötig. Klar, auch bei ihren Konzerten fangen sie das Publikum ein (respektive: auf), lassen Funken sprühen und Konfetti regnen (ein eindrucksvoller Beweis ist das fulminante Livealbum „Revolutions//Live at Wembley„, das in der CD&DVD-Combo Biffys Livequalitäten untermauert). Doch ganz Schotten, haben sie sich bis heute ihre Natürlichkeit bewahrt, sind sich nicht für „kleinere“ Interviews oder spontane akustische Radiosessions zu schade. Und: auch Biffy Clyro mussten vor nicht all zu langer Zeit der Bandbiografie ein dunkles Kapitel hinzufügen, denn ein heftiges – und mittlerweile wohl zum Glück überstandenes – Alkoholproblem von Schlagzeuger Ben Johnston hätte der Band beinahe den Gnadenstoß verpasst.

Biffy Clyro (Promo #3)

Und so ist es kaum verwunderlich, dass auch „Opposites„, das neue, sechste Album der Schotten – Nummer drei nach dem 2007 erschienenen Major Label-Debüt „Puzzle“ – in den Texten reichlich düstere Töne anschlägt. Und doch zieht die Band viele neue Seiten auf: zum ersten Mal trauten sich Biffy Clyro an das Medium „Doppelalbum“ heran – was nur konsequent erscheint, da die Band im Zuge früherer Veröffentlichung ebenso viel Material aufgenommen hatte, und Simon Neil nach eigenen Aussagen diesmal ganze „46 neue Stücke“ parat hatte. Dabei wurde nicht wild durcheinander gewürfelt, sondern strikt nach Inhalt getrennt: Seite eins – „The Sand At The Core Of Our Bones“ betitelt – sei aus einem „pessimistischerem Blickwinkel“ heraus verfasst und von persönlichen Ängsten und negativen Erfahrungen getrieben, während Seite zwei – „The Land At The End Of Our Toes“ – von der Hoffnung auf eine positivere Zukunft handele. Um diese Unterschiede klar heraus zu stellen, bedarf es bei Biffy schon einem Blick auf die Texte, die sich in den ersten elf Stücken – das jeweils titelgebende Instrumental am Ende mitgerechnet – in der Tat sehr selbstzweifelnd geben. So singt Neil etwa im streichergetragenen Midtempo-Song „You are the loneliest person that I’ve ever known“ und gibt die Liebste in aller Liebe frei: „Take care of the ones that you love / Baby I’m leaving here / You need to be with somebody else / I can’t stop bleeding here / Can you suture my wounds?“, während „The Thaw“ in seinem Innersten vor der steten Erwartungshaltung des Publikums zittert („Can’t you entertain us all? /…/  Tonight we have all shared the same space / Has anything become of it?“). Seite zwei gibt sich da weitaus angriffslustiger und selbstbewusster, egal, ob man(n) sich nun, wie in „Spanish Radio“, auf einem Roadtrip durch die mexikanische Einöde befindet („Your crown don’t fit, so vacate the throne /…/ Hey, you can be lost at the same time as being found“), trotzig mit den Hufen scharrt („I’d rather kiss the ground than kiss a starless sky“ – „Skylight“) oder sich mit den Bandkameraden in „Victory Over The Sun“ zum finalen Kampf gegen den Rest der Welt verbrüdert („I’d die anytime for you / Would you die for me? /…/ This is happening because of you / Stay special brother you stay true /…/ We’re fighting on, listen to your heart and sing“). Dass der Abschlusssong „Picture A Knife Fight“ mit den Worten „I wouldn’t listen to her, she’ll only break your heart“ beginnt oder der Einsicht „We’ve got to stick together“ endet, sagt am Ende viel aus.

Wer die letzten Alben „Puzzle“ oder „Only Revolutions“ (2009 erschienen) kennt und mochte, der wird sich – die Instrumentierung betreffend – auch auf „Opposites“ schnell heimisch fühlen, denn auch 2013 agieren Biffy Clyro nach einem ähnlichen Muster: fette, Haken wie ein wildes Kaninchen schlagende Gitarrenbreaks, dicke Rhythmusfraktion, ruhige Bridges, hymnische, gegen Ende explodierende Refrains. Erfreulich ist jedoch, dass sie die neuen Songs mit ausreichend Neuerungen und Abwechslungsreichtum garnieren, um bei über 80 Minuten Spieldauer der Langeweile entgegenzuwirken. So bauen sie, wie etwa in „Biblical“ eine wahre Wand aus Streichern auf, wagen in „A Girl And His Hat“ oder „The Fog“ einen zarten Flirt mit Achtziger-Jahre-Elektro, walzen in letzterem in bester Post-Rock-Brecher-Manier alles nieder (wozu wohl auch Ex-Oceansize-Kopf Mike Vennart beigetragen haben dürfte, der immer öfter an der Seite des Trios anzutreffen ist), bitten in „Spanish Radio“ eine Mariachi-Band mit Bläsern und spanischen Gitarren ins Studio oder bauen „Skylight“ auf ein Akustikgitarrenintro, zum dem sich im Verlauf noch ein sporadisches Piano, Sythesizer  und ein elektronischer Überbau gesellen. Noch mehr? Natürlich! „Pocket“ ist der leichtfüßigste Uptempo-Sonntagvormittags-Singalong, den die Foo Fighters nie geschrieben haben. „Trumpet Or Tap“ ist ein leicht irrer Bigband-Blues, bei dem einfach alles stimmt: die Gitarren, der Orchestereinsatz, der groß aufspielende Refrain, die explosive Steigerung am Ende. „The Thaw“ beginnt im Midtempo-Bereich, bevor Streicher den Song in höchste Höhen tragen. „Picture A Knife Fight“ wartet mit Orgeln auf, „Sounds Like Balloons“ mit einer Zither, während „Stingin‘ Belle“ das potentiell längste Dudelsacksolo der Rockgeschichte in petto hat. Und immer wieder: Streicher, Streicher, Streicher! Die beiden Instrumentalstücke fungieren als Kammermusikbindeglied („The Sand At The Core Of Our Bones“) beziehungsweise Gitarrenrausschmeißer („The Land At The End Of Our Toes“), bei welchem – gefühlt – tausende Gitarren nach und nach „Bis zum nächsten Mal“ zu sagen scheinen.

Biffy Clyro (Promo #2)

Natürlich wird das von Garth “GGGarth” Richardson produzierte „Opposites“ es auch diesmal nicht allen recht machen können. Natürlich gibt es auch 2013 jene, die Simon Neils dezent schwülstige Lyrik und Metaphorik aus tausenden „Baby“’s und dem steten Kräftemessen zwischen Aufgabe und Kampfansage, zwischen Teufel und Engel, zwischen Nihilismus und Katholizismus am liebsten den Allerwertesten zeigen würden. Wer jedoch vor beherzt rockendem Pathos, Bombast und Opulenz nicht zurückschreckt, den sammelt „Opposites“ auf dem Weg gern auf. Denn Biffy Clyro sind nicht Muse, machen nicht deren Fehler, sich im kalten Herzen der Künstlichkeit vor allem selbst zu feiern. Und obwohl Vergleiche wie etwa zum – kürzlich übrigens in großer Aufmachung wiederveröffentlichten – Monumentalwerk „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ der Smashing Pumpkins natürlich nett gemeinter Irrsinn sind, sind Biffy Clyro auch mit ihrem sechsten Album eine Band für Jedermann. „Mon The Biff“ vs. Trendgefolgschaft? Unentschieden – im positivsten Sinn. Denn Biffy Clyro haben zu viel Herz, um sich hierüber den Kopf zu zerbrechen. Und noch immer massig Potential. Und in der Tat höchstens ein Luxusproblem.

 

Hier kann man sich noch einmal die Videos zu den ersten beiden Singles „Black Chandelier“…

 

…und „Stingin‘ Belle“ zu Gemüte führen…

 

…ebenso wie zu den eingangs erwähnten Songs „That Golden Rule“…

 

…oder „Mountains“:

 

Eines meiner Lieblingsstücke? „Folding Stars“, welches Simon Neil für seine verstorbene Mutter schrieb. Hier in der Gänsehaut-Liveversion aus der Wembley Arena:

 

Rock and Roll.

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