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Konzerttipp: Mogwai – Live im Gothic Theatre, Denver, 2006


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Wenn es um meine liebste Post-Rock-Band aller Zeiten geht, dann liegen Mogwai seit eh und je sanft und sicher in den Top 3. Punkt.

Und da habe ich die Bonuspunkte, die das Quartett durch seine schottische Herkunft (proudly Glasgow born and raised – aye, Sir!) oder durch seine Namensgebung (benannt nach den flauschigen Horrortierchen aus „Gremlins“ – beide Filmteile gehören seit Kindheitstagen zu meinen All-Time-Favs) inne hat, noch gar nicht mit eingerechnet. Fakt ist, dass  Stuart Braithwaite (Gitarre, sporadischer Gesang), Barry Burns (Gitarre, Piano, Synthesizer, darf ab und an auch mal ans Mikro), Dominic Aitchison (Bass) und Martin Bulloch (Schlagzeug) sowohl auf Platte als auch – gerade – live und auf Bühnenbrettern ohne viele Worte eine emotionale Wucht entfesseln, dass es einem – oder zumindest: mir – nicht selten die Gedankengänge frei die Beine weg bläst.

TRR291_MOGWAI_ECS_cover_hi-res_1500x1500px_640xNoch schöner ist, dass die Die-Hard-Celtic-Glasgow-Fans vor wenigen Tagen mit ihrem nunmehr neunten Studiowerk „Every Country’s Sun“ eine Rückkehr nach Maß gefeiert haben, nachdem mich Stuart Braithwaite und Co. mit allem, was da nach dem 2008er Werk „The Hawk Is Howling“ erschien, ein wenig verloren hatten, und auch nach über zwanzig Bandjahren beweisen, dass man vornehmlich instrumentalen Post-Rock durchaus spannend und emotional mitreißend gestalten kann.

Da Mogwai auch und vor allem eine Live-Band sind, sollten sich alle Interessierten, nebst dem ersten, 2010 erschienenen Live-Album „Special Moves“ (für das die Band im Jahr zuvor eine Show in der Music Hall of Williamsburg im New Yorker Stadtteil Brooklyn mitschnitt), auch die ein oder andere Live-Show aus der langen Karriere der Glaswegians zu Gemüte führen.

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Meine persönliche Empfehlung ist – nebst einer 2001 in Dallas, TX mitgeschnittenen Show (hier zu finden) – eine Aufnahme des Gastspiels von Mogwai im Gothic Theatre von Denver, CO vom 3. Mai 2006. Der Sound: superbe Soundboard-Qualität, die auch für ein höchst offiziell veröffentlichtes Live-Album herhalten könnte – eine professioneller aufgenommen und abgemischte Live-Show findet man sonst nirgends im Netz (und zudem noch als kostenfreier Download). Die Setlist: eine bunte Mischung aus frühen Sachen bis hin zum bis dato neusten Werk Mr. Beast„. Über 90 Minuten feinster Post-Rock. Und am Ende der 23-minütigen Schlussnummer „My Father My King“ dröhnen die Ohren. So soll’s sein.

Die 2006er Show aus Denver findet man hier (via archive.org).

All jenen, die bisher weniger mit der Diskografie sowie dem Schaffen von Mogwai vertraut sein sollten, sei außerdem die immerhin 3 CDs starke, 2015 (zum 20. Bandgeburtstag) erschienene Retrospektive „Central Belters“ ans Hörerherz gelegt.

 

 

Wer zum Ton auch gern bewegte Bilder hat, der findet hier zwei relativ aktuelle Live-Show-Mitschnitte der Rock-Schotten:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Frightened Rabbit – „The Hearts Song“


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Dass – allen Misserfolgen der letzten Jahre (oder besser: Jahrzehnte) zum Trotz – der ein oder andere schottische Musiker ein großer Anhänger der nationalen Vereine ist, dürfte nicht erst seit Mogwai hinlänglich bekannt sein (die Postrocker gelten als große Fans von Celtic Glasgow, und haben vor einiger Zeit auch den Score zu „Zidane“, der Dokumentation über den Zinedine selben Namens, geliefert).

Nun haben sich wohl auch Frightened Rabbit geoutet. Das Quintett aus dem schottischen Selkirk hat aus besonderem Anlass Hector Nicols „The Hearts Song“ gecovert. Damit will die Indie-Folk-Band das Tynecastle-Stadion des Heart of Midlothian F.C. nahe Edinburgh ehren, das nach 103-jährigem Bestehen abgerissen werden muss. „The Hearts Song“ ist das traditionelle Vereinslied der 1874 gegründeten Scottish-Premiership-Fußballmannschaft, die Neuinterpretation von Frightened Rabbit macht daraus eine emotionsgeladene Folkrock-Hymne, während das dazugehörige Musikvideo Bilder des Stadions und alte Aufnahmen von Spielen des ansässigen Clubs zeigt.

Zuletzt hatten Frontmann Scott Hutchison und seine Bandmates mit „Fields Of Wheat“ eine Single als Reaktion auf die Wahlen in Großbritannien veröffentlicht.

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Caspian Sea Monster


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Fotos: Facebook

„Bereits vor mehr als fünf Jahren schmiedeten Musiker von Playfellow, Calaveras und Might Sink Ships Pläne eines neuen Bandprojektes, das auf den Namen Caspian Sea Monster hört und lange Zeit nur im Proberaum existierte. Nun endlich veröffentlicht das Quartett sein selbstbetiteltes Debütalbum. Sieben wundervoll atmosphärische Postrocknummern auf CD und LP gepresst und über Stargazer Records veröffentlicht. Nicht erst vor fünf Jahren, als sich die Musiker von Caspian Sea Monster zum ersten Mal zusammen rotteten, gab es schon so eine kleine Chemnitzer Bandkommune: Playfellow, Calaveras, Radar, Neon Blocks, Dollys Meat, Suralin, Might Sink Ships, Volt usw. Chemnitz ist nicht groß und man lief sich ständig über den Weg, teilte sich Proberäume oder spielte gemeinsam Konzerte. Jeder verstand sich mit jedem, man tauschte sich aus und es entstanden einige Nebenprojekte. Dass es bei Caspian Sea Monster ganze fünf Jahre dauerte, bis das selbstbetitelte Debütalbum fertig gestellt wurde, ist der Tatsache geschuldet, dass man zunächst erstmal sporadisch Musik machte. Schließlich galt die Band ja noch als Nebenprojekt von Toni Niemeier (Gitarre und Gesang – Playfellow), André Dettmann (Bass, Keys – Playfellow), Marc Ebert (Gitarre, Bass und Gesang – Might Sink Ships) und Tom Müller (Drums – Calaveras). Erst nach und nach festigten sich die sieben mindestens 5-minütigen Songs ihres Debütalbums, die zum Teil erst im Studio fertig geschrieben wurden. Caspian Sea Monster kreieren epischen Postrock mit Gesang und bieten genug Fläche, um sich komplett fallen zu lassen und in den Klangteppichen zu versinken. Tolles Debüt und große Empfehlung für Postrock-Fans.“

Soweit der offizielle, durchaus informative Pressetext.

Und der regelmäßige Vorbeisurfer auf diesen digitalen Seiten mag sich – zurecht – fragen: Chemnitz, die x-te? Karl-Marx-Stadt, echt – schon wieder? Japp. Denn obwohl das beschauliche sächsische Städtchen von einer internationalen Kulturmetropole á la New York City, London, Paris oder meinetwegen Berlin in etwa so weit entfernt ist wie Frauke Petry vom Bau eines Flüchtlingsheims, weist Chemnitz eine beachtliche Dichte an durchaus interessanten neuen Bands auf – und das nicht erst seit gestern…

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Neues Beispiel: Caspian Sea Monster. Allein schon der Name, den die vier Herren, welche in etwa eine All-Star-Truppe von Chemnitz‘ Finest darstellen (Might Sink Ships! Playfellow! Da fehlen eigentlich nur noch Kraftklub…), ihrem neusten musikalischen Baby gegeben haben: benannt nach einem russischen Fluggerät, das erstmals über dem kaspischen Meer gesichtet wurde – technoide Null-Aussage, die zur Mystik verführt. Oder Caspian: eine amerikanische Post-Rock-Band, die 2003 in Beverly, Massachusetts gegründet wurde, und sich, mit nunmehr vier Alben im Gepäck, auch diesseits des Atlantiks einen Namen erspielt hat – der klangliche Verweis bis nach Sachsen könnte ferner liegen. Und trotzdem klingt das, was Caspian Sea Monster da in knapp 55 Minuten fabrizieren, verdammt eigen.

4250137215037Das fängt bereits bei Toni Niemeiers Gesang an, welcher dem ein oder anderen Freund deutschen Indierocks bereits von Playfellow bekannt vorkommen dürfte. Eine sehr eigene Stimme hat der Mann, der im „wahren Leben“ – das mag kein Punkrock sein, aber irgendwo müssen die Brötchen ja herkommen – einem Job an der TU Chemnitz nachgeht (das Internet vergisst nichts). Klar. Ein Gesangsorgan, das vor allem bei seiner Hauptband an manch einer Stelle an einen wie Radioheads Thom Yorke mit angenehmem Tremolo und mächtig Emphase und Drama erinnert. Nicht die schlechteste Referenz? Sicher. Aber eben auch: mächtig Geschmacksache. Und die Gitarren: Lassen sich massig Zeit, bis die Schlagzeug-Bass-Rhythmusfraktion gemeinsam mit dem Keyboard das musikalisch-atmosphärische Fundament errichtet hat (nur eines der sieben Stücke des Debütalbums bleibt knapp unterhalb der Fünf-Minuten-Marke), um schlussendlich mit gekonnten Licks um Berge aus Effektgeräten zu flirren, brettern und steigen. Post-Rock, Baby! Damit der Hörer bei all der klanglichen Reizüberflutung nicht gleich vom Stuhl kippt, baut die Band jedoch immer wieder melancholische Ruhephasen in ihre Songs ein: hier mal eine Akustische („Spinning Wheel“), da eine weite Synthie-Fläche, dort ein paar elektronische Experimente („Parts“). Im feinen „The Trembling“ meint man gar ein Banjo zu hören! So ganz mögen sich Caspian Sea Monster nie festlegen, wählen im finalen „Into Dust“ etwa einen beinahe klassisch nervösen Alternative-Rock-Abgang.

Als Ganzes lassen sich, bei all dem Geplucker, den Soundwänden und dem Gitarrengegniedel, die unvermeidlichen Pink Floyd zwar nie so ganz von der Hand weisen (und die ein oder andere Platte der britischen Progrock-Götter hat sicher jeder der vier Chemnitzer im heimischen Plattenschrank stehen), jedoch haben an vielen Stellen auch andere Brüder im Geiste, wie Mogwai, Maybeshewill, Jeniferever, Steaming Satellites oder iLiKETRAiNS, den Fuss auf dem mentalen Effektpedal. Zwar mag nicht jede Minute des Debütalbums fesseln, aber wer bitte hätte ein Werk, das durchaus internationale Reife besitzt und fast wie aus einem geproggten Post-Rock-Guss daher schwebt, im piefigen Chemnitz verortet? Bedrohlich, schräg, entspannt, klassisch – aber auch: irgendwie anders und mit viel Dynamik, Facettenreichtum und Spielfreude im Schlepptau. Chapeau.

 

 

Via Bandcamp kann das Album gestreamt und erstanden werden…

 

…während man via YouTube den ein oder anderen Live-Mitschnitt…

 

oder ein Interview mit Teilen der Band findet:

 

Rock and Roll.

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Philosophieren mit „Gremlins“


Humor + philosophisches Gedankenspiel + einer meiner absoluten Lieblingsfilme = genau mein Ding.

Und wer’s nicht auf Anhieb versteht, der darf gern ein, zwei Momente länger drüber sinnieren und/oder sich den ersten sowie zweiten Teil von „Gremlins“ (von 1984 beziehungsweise 1990 – beide gibt’s hier auf Blu-ray für kleines Geld) geben. Immer noch klasse Filme, wenn ihr mich fragt…

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(gefunden bei Facebook)

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


There Will Be Fireworks – The Dark, Dark Bright (2013)

There Will Be Fireworks - The Dark, Dark Bright (Cover)-erschienen bei Comets & Cartwheels-

Post Rock – ein weit gefasster Begriff, der beinahe alles und am Ende meist gar nichts bedeuten mag. Klar: „Rock“! Aber „Post“? „Post“-was, zur Hölle? Bei dem ein oder anderen tun sich sicherlich schon Bilder auf… Bilder, von vereinsamten jungen Männern, die wahlweise auf einem Hochhausdach oder im verranzten Proberaumkeller zusammen stehen, gemeinsam beflissen Gitarrenspur über Gitarrenspur über Bassspur über Schlagzeuglinien über Gesangsspuren legen, um sich am Ende in ihnen zu suhlen. Für den einen ist’s das emotionale Non-Plus-Ultra, für den anderen grausamste Langeweile. Dieses Konzept führen etwa die Schotten von Mogwai seit Jahrzehnten zur, von der weltweiten, ach so auf Indietum bedachten Fanschar umjubelt, gen Perfektion. Überhaupt: Schottland! Wie bereits im Januar des vergangenen Jahres in einer der ersten Reviews überhaupt auf ANEWFRIEND erwähnt, ist das Land im Norden Großbritanniens nicht eben arm an tollen Rockbands und Singer/Songwritern. Das bewiesen, bebe Mogwai, in den vergangenen Jahren etwa We Were Promised Jetpacks, The Xcerts, The Twilight Sad, Malcolm Middleton (Ex-Arab Strap!), The Unwinding Hours oder My Latest Novel, während sich Frightened Rabbit oder Biffy Clyro – nicht nur in meiner Gunst – verdientermaßen als Platzhirsche hin zu Major Deals und größeren Arenen aufschwangen. Das Schöne dabei: Der böse Teufel Plattenfirma schaffte es bei keinem der Genannten, ihnen die Qualität und das Herz auszutreiben. Und doch gelang es einer Band, die weder einen Booking Agent noch einen Plattenvertrag besaß, meinen musikalischen Verstand über Jahre hinweg von ihrem selbstbetitelten Debütalbum einzunehmen: There Will Be Fireworks.

There Will Be Fireworks at The Buff Club, 2010; Photo © Fiona McKinlay

There Will Be Fireworks at The Buff Club, 2010; Photo © Fiona McKinlay

Keine Frage: Das aus Glasgow stammende Quintett, welches damals noch ein Quartett war, besaß Qualitäten, die ihnen selbst im dicht besiedelten Terrain des Post Rocks allerlei gefühlte Alleinstellungsmerkmale zusicherten. Ihre Songs waren mal nackt, puristisch und schutzlos der Akustischen ausgeliefert, nur um sich darauf – Nomen est omen! – wie ein befreiendes rockistisches Feuerwerk gen Nachthimmel aufzuschwingen. Dazu ließ Sänger und Gitarrist Nicholas „Nicky“ McManus Textzeilen in feistem schottischen Akzent auf den Hörer los, auf deren Wucht man so selten gefasst war. Keines der dreizehn Stücke des 2009 im Eigenvertrieb veröffentlichten „There Will Be Fireworks“ enttäuschte. Mehr noch: Wer sich auf das Album als Gesamtwerk wirklich und wahrhaftig einließ, den ließ es so schnell nicht mehr los. Und das in einer Zeit, in der nicht wenige Künstler das Langspielerformat längst abgeschrieben und zugunsten des schnellen One-Hit-Wonder-Single-Euros ad acta gelegt haben…

Befeuert von der Energie des Zusammenspiels wollte die Band natürlich auch gleich nachlegen, sagte bereits 2010 in Interviews, dass man am Nachfolger arbeite. Doch bis auf die ebenfalls sehr gelungene, im Dezember 2011 veröffentlichte „Because, Because“ EP, welche mit ihren vier neuen Stücken den Appetit auf ein neues Album nur noch stärker werden ließ, passierte lange Zeit: nichts. Die Gründe hierfür mögen wahrlich zu banal und alltäglich sein, um ins Bild des alles beiseite schiebenden Musikers zu passen: Der Großteil der Band sagte jobbedingt dem Glasgower Backsteineinheitsgrau Lebewohl und zog in alle Ecken und Enden der britischen Inseln – der Broterwerbsalltag hatte die Twentysomethings von There Will Be Fireworks, hatte Nicholas McManus, David Madden, Adam Ketterer, Stuart Dobbie und Gibran Farrah eingeholt. Gemeinsame Proben entwickelten sich daraufhin zum logistischen Wagnis, gemeinsame Tourneen schienen – spontan angesetzte einzelne Gigs mal außen vor – beinahe ausgeschlossen, und für die immer wieder verschobenen und lediglich bruchstückhaft vorangetriebenen Aufnahmen von neuen Stücken in professionellem Rahmen musste schlicht und ergreifend – wir erinnern uns: hinter der Band stand weder ein Management noch eine Plattenfirma! – erst einmal das mühsam ersparte Kleingeld zusammengekratzt werden. Doch die Hoffnung blieb. Und im Nachgang ruhte wohl ein großer Brocken davon im Herzen von Frontmann McManus, der als Einziger in der alten Heimatstadt zurück blieb, um vom Fenster seines Apartments auf den Glasgower Hafen zu blicken…

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Umso erstaunlicher ist es bei all diesen banalen Unwegsamkeiten, durch deren kleinere Brüdern schon größere Bands die kreativen Segel streichen mussten, dass nun mit „The Dark, Dark Bright“ nach beinahe vier langen Jahren des Wartens tatsächlich Album Nummer zwei erscheint. Und doch hat die Band Dank ihrer selbstbetitelten Einstandsvisitenkarte so einiges zu verlieren. Sollte sich die qualitative Fallhöhe von „There Will Be Fireworks“ also als musikalisches Vabanque-Spiel erweisen? Nicht nur ich stellte mir wohl noch vor wenigen Tagen diese Frage…

Zunächst einmal legt „And Our Hearts Did Beat“, das Eröffnungsstück von „The Dark, Dark Bright“, gewohnt los, steigt man doch, wie schon beim Debüt, mit einem Spoken-Word-Intro, für dessen Gedichtvortrag (dieses stammt übrigens von Iain Chrichton Smith) die Band ihren ehemaligen Englischlehrer (!) gewinnen konnte, ins Album ein. „And our hearts did beat / Oh, they pounded loudly / And we didn’t speak / We just… stared / Not a word, just silence / Struck upon our tongues“ singt Frontmann Nicky McManus, nur von seiner Akustischen begleitet, bevor sich erstmals das größte Plus dieses Album erhebt: der Streicherreigen. Der legt denn auch schon im folgenden „River“ ordentlich los, während ein warmes Gitarrenfeedbackmeer mäandert und das Schlagzeug selig bummert wie weiland auf Sigur Rós’ Meisterwerk „Takk…“. Doch There Will Be Fireworks wären wohl nicht sie selbst, ließen sie das Stück ewig weiter in Elegien schwelgen. Die Gitarren brechen aus, brechen sich frei, nach oben, unten, links und rechts. Und McManus erhebt erstmals das zarte Stimmchen, fleht und schreit, bis man als Nicht-Schotte (hach, dieser Akzent!) nicht mehr zwischen Text und Lautmalerei zu unterscheiden vermag… Und es ist… so schön! Natürlich fehlen auch auf Album Nummer zwei nicht die melancholischen Balladen, welche sich mal einzelne Streicher zur Rechten stellen („Roots“), mal nur von diesen Saiten gehalten werden („Ash Wednesday“) – oder eben gleich als dezent country’eskes Akustikgitarrenmantra á la The Frames („Lay Me Down“ – da hat man auch gleich den Songtitel gemein) oder als wundersam nacktes Kleinod („Your House Was Aglow“). Dazwischen lotet die Band neue Horizonte in ihrer noch recht jungen Bandhistorie aus. „Youngblood“ etwa ist ein beschwingter, von Mandolinen und Percussion angetriebener „Hoppipolla“-Doppelgänger, der von den süßen Wonnen der Jugend kündet, und es sich leistet, nach etwa drei Minuten lauthals zu explorieren. „So Stay Close“ treibt mit seiner von einer einsamen Trompete begonnenen und beschlossenen Mischung aus Wehmut und rockistischer Euphorie die emotionale Katharsis beinahe auf die Spitze – da wirkt die Akustikgitarrenpassage gen Ende gleich doppelt schwer: „But the blood, it keeps on flowing / And the wind, it returns its song“. Hartnäckiges Kopfnicken lässt sich zum Schlagzeugbeat des großartigen Nachthimmelstürmers „Here Is Where“ wohl kaum vermeiden, während McManus und seine Mannen sich Fernweh antrainieren – und dabei Heimat und Vergangenheit näher und näher kommen. „South Street“ biegt – gerade im Firework’schen Sinne – mit ungemein poppigen Melodiebögen um die Ecke, lässt das Schlagzeug Kilometergeld kassieren, während Gitarren- und Synthesizerspuren den Song weiter nach vorn spülen und McManus imbrünstig Zeile um Zeile ausspuckt: „The sky can fall tonight / For all I care / On South Street / I will be there“. Der sanft anschwellende Piano-Fünfminüter „Elder And Oak“ zieht seine Bandschleifen am Firmament der Erinnerungen („And they carried you home / Did you think you’d stay long? / Are you waiting, waiting, waiting / For something to drink or smoke? / Does it ever keep you up at night?“), holt Anlauf und legt sich in den Gitarrenwind – ohne Rücksicht auf den nächsten Morgen. Zum Schluss schaut McManus beim beschaulichen Lullabye „The Good Days“ noch einmal traumversunken auf die Heimatstadt, diese Kulisse so vieler Erinnerungen, von so manchem zerbrochenem Traum und so vielen Nächten ohne Schlaf – und stellt doch nur fest, dass auch er sich nicht gegen Gezeiten und den Wandel der Zeit stellen kann: „This used to be my city / This used to be my town / Now everyone’s a stranger /…/ This used to be my dear green place…“

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Mit „The Dark, Dark Bright“ ist There Will be Fireworks zweifelsohne ein über alle Maßen würdiger Nachfolger zum vier Jahre jungen Debütalbum gelungen. Mehr sogar: War „There Will Be Fireworks“ noch träumerisch und ungestüm, rau und schroff, nebelverhangen und mannshoch emotional, kommt Album Nummer zwei nun aufgeräumter und definierter daher. Denn wo der Erstling sich vor lauter jugendlichem Sturm-und-Drängertum kaum noch zügeln konnte, bieten There Will Be Fireworks, die auch dieses Mal gemeinsam mit Produzent Marshall Craigmyle in den Old Mill Studios von Strathaven aufnahmen, nun ein gestraffteres Update ihrer Selbst auf, das freilich nicht die eigenen Vorzüge über Bord wirft, dafür jedoch strafft und bündelt, und zuweilen auch die elegischen Streicherharmonien dominieren lässt. Das kommt sowohl den musikalischen wie lyrischen Ebenen des Albums zugute, denn wie könnte man die Laut-Leise-Dynamik, die Texte, die beständig zwischen Besinnlichkeit und „Fuck off“-Attitüde, zwischen Lieben und Hassen pendeln, besser kontrastieren als mit klassischen Elementen, die sich gekonnt und vervollkommnend ins klangliche Bandkonstrukt einfügen. Und noch immer schaffen es There Will Be Fireworks, einem – vor allem wohl während dieser Herbst- und Wintertage – ein sanft melancholisches Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Und noch immer bildet die Band kleine Kathedralen der Janusköpfigkeit, die nicht selten gen Ende zum Himmel gejagt werden. „The Dark, Dark Bright“ ist, wenn man so will, ein Album über die Vergänglichkeit, über das Erwachsenwerden und das Zurückblicken. Ein Album, das im Gros – und frei nach der Oasis-Weisheit „Don’t look back in anger“ – mehr auf die melancholische Milde gestimmt ist als auf die ausschließende Auf-die-Zwölf (und so Sigur Rós näher steht als den Landsmännern von Mogwai). Und: Post Rock hin oder her – wer sich „The Dark, Dark Bright“ voll und ganz hingibt, der hat hier einen der heißesten Kandidaten für’s Album des Jahres. Und einen für die nächsten vier Jahre. Diese Schotten, immer wieder…

„The growing up happened too fast / You can’t remember last summer / The way that she laughed..“ („Roots“)

„You’ve been drinking quitetly tonight / Trying to take the edge off the dark, dark bright…“ („Youngblood“)

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Hier können noch einmal die Vorgänger – das selbstbetitelte Debütalbum (2009) und die „Because, Because“ EP (2011) – in Gänze gehört werden…

…während man sich hier das gelungene Musikvideo zu „Youngblood“ anschauen…

 

…und hier den Song „Roots“ – in der Album- und der Sessions-Variante – hören kann:

 

In jedem Fall gebe ich euch allen – besonders in diesem Fall, da es sich bei There Will Be Fireworks seit Jahren um eine meiner engsten Herzensbands handelt – die Bitte mit auf den Weg, der Band, ob nun als Tonträger (das Debüt ist aktuell vergriffen, dafür kann beim aktuellen Werk zugeschlagen werden!) oder als digitaler Download (gibt’s bei Amazon oder iTunes), den ein oder anderen übrigen Euro für ihre jahrelangen Mühen zukommen zu lassen… Danke, von Herzen.

 

Rock and Roll.

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