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Song des Tages: Miley Cyrus with Jimmy Fallon & The Roots – „We Can’t Stop“ (a cappella)


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Okay, Hose runter und die Tatsache auf den Tisch: Ich liebe Popmusik! (Uff! Jetzt ist’s raus, manch einer hat’s aber wohl schon länger geahnt…)

So verpasst mir schon seit einigen Tagen Meghan Trainors „All About The Bass“ heftigste Bootyshaker, die sich, mal mehr, mal weniger freiwillig, mit Taylor Swifts „Shake It Off“ oder „Blank Space“ (von selbiger Mademoiselle) abwechseln. Ähnlicher Fall liegt auch bei der A cappella-Variante vom Miley Cyrus-Liedchen „We Can’t Stop“, vorgetragen gemeinsam mit dem stets auf vitalen Late Night-Talk spezialisierten US-Talk-Host (ja, ich weiß – immer diese schlimmen Anglizismen!) Jimmy Fallon und seiner nicht minder tollen Haus-und-Hof-Kapelle The Roots, vor. Und: Klar sind all das Songs, die den jeweiligen Künstlerinnen höchst fachmännisch – und unter vorheriger stundenlanger Auswertung sämtlicher zutreffender Marktmechanismen, man darf und will ja im heutigen Raubtierkäfig Musikbiz nix dem Teufel Zufall überlassen! – auf den von Personal Coaches durchtrainierten, hochdotiert versicherten Jungfrauenleib geschrieben wurden. Dabei ist weder wichtig, ob dieses Stück dreieinhalbminütiger Einweg-Pop in, sagen wir, fünf Jahren noch irgendeine Form von Relevanz haben wird (geschweige denn in sechs Monaten). Sehen wir’s ein: Heutzutage ist nichts so vergänglich wie das Entertainment der tumben breiten Masse. Und bist du (also: das bemitleidenswerte Männlein oder Weiblein im Scheinwerferlicht) erst einmal raus aus den Spotlights, den Klatschmagazinen mit ihren großlettrigen Schlagzeilen über vermeintliche Nichtigkeiten, den Köpfen der *hust* „Öffentlichkeit, dann bist du… raus. In Zeiten, in denen praktisch jeder jederzeit Zugriff auf jeden Art von Information hat (okay, in Ländern wie China oder Nordkorea etwa, die sich noch standhaft gegen dieses Untier namens „Internet“ wehren, wird’s schon schwieriger), 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche jegliche Info über selbst- wie fremdberufene Stars und Sternchen ergooglen (Anglizismen, pah!) kann, ist eben nicht nur wichtig, welche aktuelle Single ein so bemitleidenswert seit Jahr und Tag in der Disney- und Popmaschinerie gefangenes Starlett wie Miley Cyrus gerade „draußen“ hat, sondern auch, welchen letzten Skandal, Fehltritt oder kalkuliert (?) eingefädelten Fauxpas das ach so aufmüpfige Anfangszwanziger-Popkücken fabriziert. Der „Fan“ wünscht sich eben nicht nur, wie damals im selig analogen 20. Jahrhundert, den Bravo-Starschnitt für übers Kinderbett im Jugendzimmer, sondern eine sofortige Allround-Info über den oder die Angehimmelte – wer da nicht mithält (oder mitspielen will), der riskiert, alsbald in der Versenkung zu landen…

Ebenfalls beliebt: das Denken in Schubladen™. So ist Miss Cyrus die Freche, die Aufmüpfige, die nahezu Unberechenbare, die immer mal wieder blank zieht (neulich wieder, für einen kompletten Kalander – Schreck lass‘ nach!), das Twerken (ein Tanzstil, deren Namen ältere Semester wohl nicht mal auszusprechen in der Lange sein dürften) auf Preisverleiungsbühnen populär macht, leicht bekleidet auf Abrissbirnen herumturnt („Wrecking Ball“, Sie erinnern sich?), ihrem Managerstab durch so crazy Dinge wie Skydiving schlaflose Nächte bereitet oder sich mit ihrer derzeitigen Lieblingskapelle The Flaming Lips (von denen ihre anvisierte Zielgruppe wohl noch nie gehört haben mag) verbündet, um sich gemeinschaftlich tätowieren zu lassen (Aufmüpfig! Unberechenbar!) oder – auf Albumlänge! – Songs der Beatles zu covern, was sich hernach anhört – Sie ahnten es wohl schon – wie ein fachmännischer vollzogener LSD-Trip. Anders hingegen Taylor Swift, nur drei Jahre älter als Cyrus und – gefühlt – keinen Tag kürzer im Unterhaltungsgeschäft vertreten: Bei der geradezu role-model-haft gertenschlanken Blondine passt jeder Handschlag, jedes Augenklimpern, jede Songveröffentlichung derart perfekt, dass man sich ernsthaft fragt, ob das „All American Girl“ mehr Songschreiber oder Marketingberater zu ihrem Stab zählt. Facebook, Instagram, Youtube und Pipapo – Miss Swift ist auf allen Kanälen zuhause, sprengt Klickzahlen und Verkaufsrekorde (aktuell mit ihrem im vergangenen Oktober erschienenen fünften Studioalbum „1989“), und wohl kaum ein US-amerikanischer Twentysomething würde es ablehnen, diese allzeit adrett gekleidete Jungdame seinen Eltern vorzustellen. Da bedarf es schon grobschlächtiger argumentativer Verrenkungen, um der 25-Jährigen einen Skandal anzudichten (und dieser – das Engagieren von schwarzen Tänzerinnen für das Musikvideo – ist definitiv keiner)… Wie es am Ende hinter den Fassaden von Cyrus und Swift aussieht, spielt dabei keine allzu große Rolle, denn so lange das Denken in Schwarz und Weiß, Böse und Gut, Good und Bad Girl, Ying und Yang funktioniert – sowohl für die Künstler(innen) selbst, die sich in diese Schablonen hinein pressen (lassen) müssen, als auch für die unter Entertainment-ADS leidende Masse -, wird niemand lauthals „Verrat!“ schreien (nun gut, Femen vielleicht – aber die barbusigen Demonstrantinnen tun dies ja aus Prinzip)…

Wo waren wir, übrigens? Ach ja: Ich liebe Popmusik! „Wrecking Ball“! „Chandelier“! „All About The Bass“! „Shake It Off“! „Blank Space“! – Alles großartige Popsongs mit satten Melodien, schnittigen Refrains und tollen Hooklines, die so und für sich hervorragend stehen können, bei denen es eben keiner Degustation des kompletten Albums bedarf (Ich schwöre, die dazugehörigen Alben von Cyrus, Swift und Co. haben ich nienimmernicht gehört!). Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt –  die Songs mit Ohrwurmgarantie™ kriegt der nichtsahnende Proband höchstens durch den Genuss eines anderen Popstandards wieder aus dem Gehörgang (insofern er den gefällig-schönen Dreineinhalbminüter da nicht schlummern lassen möchte). Und: Ja, auch ich kriege beim Surfen durchs weltweite Netz zwangsläufig all die Geschichten und Skandale und Neuigkeiten um die Pop-Sternchen mit. Wer will denn schon den steinigen argumentativen Weg des Albummarketings gehen (und – schlimmstenfalls –  nichtssagendes, plakatives Textgut als tiefschürfende Sozialkritik verkaufen), wenn es ein Paar blank gezogener – entschuldigen Sie meine Wortwahl! – Titten auch tut? (Außerdem ist es doch heutzutage selbst in der Politik dasselbe, wo auch keine Partei mehr ernsthaft versucht, dem potentiellen Wähler das eigene verschworbelte, dieses und jenes versprechende Wahlprogramm irgendwie näher zu bringen, und lieber gleich alles auf eine MerkelSteinmeierTrittin-artige Person herunter bricht, dass es eine wahre Freude sein mag, darüber philosophische Verweisabhandlungen ins Mittelalter zu verfassen.) Erwischt? Siehste! Noch heute gilt, und für alle Zeit: „There’s no business like show business“. Darauf einen kleinen Ohrwurm™! Na denn: Auf den Pop… Prost… los!

 

 

Rock and Roll.

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Made of Bricks – Musikikonen als LEGO-Makeovers


Lego Beatles

Vielleicht noch Barbie, Ken und ihre Puppenschwestern, die Spielzeugeisenbahn und – natürlich – die guten alten Holzklötzer – ansonsten ist wohl kaum ein Spielzeug derart auf beständiges Klassikertum getrimmt wie die bunte, vielfältige Klötzer- und Männchenarmee von LEGO. Nicht umsonst verzeichnet das 1932 gegründete dänische Plastikbausteinimperium, dessen Name sich – vorsichtig, der Klugscheißermodus ist aktiviert! – aus der Abkürzung des dänischen „leg godt“ (deutsch: „spiel gut“) ergibt, seit einigen Jahren Rekordgewinne (2013 konnte man gut 820 Millionen Euro an Ertrag verbuchen) und -produktionszahlen (46 Milliarden neue Steine wurden allein im vergangenen Jahr hergestellt). Längst bietet der Spielzeughersteller – neben dem gewohnten Sortiment aus Piratenschatzinseln, Feuerwehstationen oder Ritterburgen – auch umfassende Produktpaletten zu Filmklassikern wie „Star Wars“, „Ghostbusters“ oder „Zurück in die Zukunft“ an, und selbst der wohl berühmtesten gelben Zeichentrickfamilie der Welt, den „Simpsons“, spendierte LEGO kürzlich eine Sonderedition ihres Eigenheims in der 742, Evergreen Terrace, welche Fans für schlappe 200 Euro käuflich erwerben können. Und wer kann es dem Spielwarenkrösus verdenken, dass die kindliche Zielgruppe nun auch – freilich höchst erfolgreich und samt den Eltern und Großeltern – in die Kinos gelotst wird, um auch diese Grauzone der Vermarktung gewinnbringend zu schließen…

Dass mittlerweile auch der ein oder andere Musikverrückte an den bunten Plastiksteinchen Gefallen gefunden hat (oder sich bei deren Anblick vielmehr irgendwann zurück in seine unbeschwert fantasievolle Kindheit zurück geträumt hat), dürfte wohl den meisten von euch längst unter die Augen gekommen sein – etwa durch die vor einiger Zeit veröffentlichten Plattencovernachbildungen des britischen Künstlers Aaron Savage, der für seine in kindlicher Manier entstandenen Plastikkopien lediglich LEGO-Steine und -Männchen benutzte. Doch auch in den Zeiten des Twitterhochs ebbt der Hype um das „Apple der Spielzeuge“ (Zitat focus.de von vor wenigen Tagen) nicht ab. Stattdessen geht der malaiische Künstler Adly Syairi Ramly, der sich selbst als „Musik- und Spielzeug-Junkie“ bezeichnet, gestaltungstechnisch sogar noch ein klein wenig weiter und hat sich die ein oder andere Größe aus dem rock- und popmusikalischen Bereich vorgenommen, um diesen ein kleines „LEGO-Makeover“ zukommen zu lassen… für manch ein Spielzeug ist man(n) wohl nie zu alt. Na denn: leg godt!

 

Hier hat ANEWFRIEND einige von Aaron Savage und anderen Künstlern nachgestellte – und teils weltbekannte – Coverartworks, bei denen wohl keines passender erscheint als Kate Nashs Debütalbum „Made Of Bricks“…

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…und die kürzlich erschienenen Bandkonterfeits von Adly Syairi Ramly für euch zusammengetragen:

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(alle Bilder dieser Galerie: Adly Syairi Ramly)

 

Und als kleiner Nachschlag dürfen die derzeit omnipräsente Miley Cyrus und ihre „Abrissbirne“ natürlich nicht fehlen:

 

 

Rock and Roll.

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…und dann einfach mal die Schauze halten! – Musikvideos ohne Musik


LevelsWie würden Musikvideos klingen, wenn man das jeweils titelgebende Musikstück klangheimlich ausschalten und stattdessen den tatsächlichen Hintergrundgeräuschen des jeweiligen Settings lauschen würde? Eigenartige Idee? So isses…

Das hielt Mario Wienerroither jedoch keinesfalls ab, dem Vorbild der YouTube-Comedy Seite „CollegeHumor“, bei denen wohl diese Grundidee ihren Anfang nahm, zu folgen und sich, nachdem „CollegeHumor“ im vergangenen Jahr bereits Songs wie Miley Cyrus‘ „We Can’t Stop“ den musikalischen Saft abdrehte, nun dem ein oder anderen eigenen Favoriten zu widmen. Und so erfahren wir endlich, dass die White Stripes im Clip zu „The Hardest Button To Button“ auch nur trotzig-blöd auf ihrem Instrumentarium durch die Stadt kloppen während Jamiroquai oder The Prodigys Frontteufelchen Keith Flint so ganz ohne den Ton zum Bild noch um Einiges lächerlicher wirken als so schon. Oder wie hätte Nirvanas Ewigkeitsriffer „Smells Like Teen Spirit“ oder Queens putzige Crossdresser-Nummer „I Want To Break Free“ völlig musikfrei geklungen? Mein klarer Favorit ist jedoch das um die Noten betrogene Rihanna-meets-Sharika-Duett „Can’t Remember To Forget“, bei dem die beiden Grazien sich auf quietschenden Lattenrosten räkeln, die Bettlaken schütteln und höchst geräuschvoll durch die Bude robben… Amüsant, auf jeden Fall!

 

Hier gibt’s alle durch Wienerroither bearbeiteten Musikvideos in der Playlist:

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2013 – Teil 5


Dylan

Virales Marketing“ dürfte auch 2013 einen immens hohen Stellenwert bei der Veröffentlichung und Vermarktung von Musik, TV-Shows und Kinofilmen eingenommen haben, schließlich ist das reine Produkt längst nicht mehr gut genug für den nach wie vor gern zur kostenlosen Variante greifenden Konsumenten, der im Großteil nach wie vor freilich dem schnellen Download oder Stream (ich werfe einfach das derzeit populäre Stichwort „Redtube“ in die Runde) näher steht als der Bezahlvariante – „der Preis ist heiß“ und der „Geiz“ noch immer… *hust* „geil“.

Natürlich sind das alles alte Hüte, denen die Musikindustrie bereits seit Jahren nachjagt wie der gebrechliche Hase dem mal „Napster“, mal „Megaupload“, mal „iTunes Store“ (wenn man so will das schwarze Bezahlschaf der digitalen Familie) genannten Igel. Nie jedoch wurde bislang von den im Gros offenbar noch immer reichlich weltfremden und technikfeindlichen Anzug tragenden Herren in den Plattenlabelmajorchefetagen ein Weg gefunden, um die Zielgruppen mit den an den Mann (respektive: an die Frau) zu bringenden Waren (sprich: dem musikalischen Produkt als solches) zu versöhnen. Das pure, schnöde Plastik zieht eben längst nicht mehr. Und unter der potentiellen Käuferschicht „U25“ soll es in der Tat nicht wenige geben, die noch nie für die Musik, die sie tagtäglich in rauen Mengen auf ihren iPods, iPhones oderwasauchimmer durch die Weltgeschichte tragen, bezahlt haben… Schönes neues Digitaldilemma.

Hier kommt also wieder das „virale Marketing“ ins kommerzielle Spiel. Kurz gefasst, könnte man die Losung „Willst du gelten, so mach‘ dich nicht selten!“ ins Feld führen. Egal, ob es sich nun um eine Band, einen Musikkünstler (flash -künstlerin), einen anstehenden Kinostart oder irgendein mehr oder minder großes TV-Ereignis drehte, so hieß es, im Gespräch zu sein und da gefällst zu bleiben – am besten auf allen Kanälen, von den einschlägigen TV-Formaten über die digitalen Nachrichtenportale bis hin zu Facebook oder Twitter. Beste Beispiele dürften – in musikalischer Hinsicht – wohl aktuell Künstlerinnen wie Lady Gaga oder Miley Cyrus sein.

Lady Gaga & Miley Cyrus bei den 2013er VMAs (Fotos: Jeff Kravitz/FilmMagic for MTV; Kevin Mazur/WireImage for MTV)

Lady Gaga & Miley Cyrus bei den 2013er VMAs (Fotos: Jeff Kravitz/FilmMagic for MTV; Kevin Mazur/WireImage for MTV)

Die eine (Madame La Gaga) zelebrierte ja bereits in der Vergangenheit sowohl Tourneestarts wie Albumveröffentlichung mit allem Tamtam und großen, très arty konstruierten Presserundfahrten, während derer sie etwa kürzlich in Unterwäsche und angeklebten Schnäuzer auf die eigens eingerichtete Pressebühne des Berliner Technoclubs Berghain stolzierte (gut, da ist man von Frau Germanotta und ihren Fleischkleidauftritten freilich längst andere Kaliber gewohnt), um ihr neustes Albumwerk „Artpop“ zu bewerben. Hauptsache, es wirkt so herrlich überhöht und künstlich wie einst Andy Warhol. Hauptsache, man erkennt vor all der skurrilen Artyness kaum mehr den Menschen hinter der Maskerade. Denn nackt – auch das wissen wir seit diesem Jahr Dank der Künstlerin Marina Abramovic – sieht selbst (oder: gerade?) eine durch und durch künstlich zusammengeklaubte Figur wie die Gaga nur eins aus: höchst gewöhnlich und blass.

Die andere (Cyrus) setzt einfach auf das pure Anti-Image, auf die kontrollierte Destruktion des öffentlichen Bildes des einstigen Disney-Püppchens „Hannah Montana“. Und: es wirkt! Mittlerweile sollte selbst dem klatschfeindlichsten ZDF-Geronten (No offense, liebe Rentenbezieher, falls Sie soeben via Google über diesen Blog gestolpert sein sollten!) bekannt sein, dass das brave Girlie, welches noch vor wenigen Jahren als keusches Antlitz von den rosafarbenen Shirts und Frühstücksdosen vieler kleiner Mädchen griente, längst passé ist. Nein, das 2013er Miley-Update ist WILD, UNZÄHMBAR, SEXY und FREI! Und egal, ob die inzwischen 21-Jährige im Laufe des Jahres mit ihrem mittlerweile veritabel ikonographierten Powackler – so zu sehen bei den diesjährigen VMAs – selbst Mittelpunktkünstlern wie dem „Blurred Lines“-Smasher Robin Thicke (der bekam das Ganze denn auch aus nächster Nähe mit), Justin Timberlake, Katy Perry oder Lady Gaga (da ist sie wieder!) die Show stahl, sich mit der bei jeder Gelegenheit schräg heraus gereckten Zunge als irres Pophühnchen stilisierte oder im Musikvideo zum Hit „Wrecking Ball“ mal halbnackt über Bauschutt turnte oder gleich – komplett im preiswerten Evakostüm – den Ritt auf der Abrissbirne wagte (und damit auch die ein oder andere Parodie billigend in Kauf nahm) – La Cyrus war im Gespräch, die einst so süße Miley war 2013 stets für ein kleines, nebensächliches Skandälchen zu haben. All das diente freilich keinem Selbstzweck, sondern sollte den Weg für Cyrus‘ neueste Platte „Bangerz“ ebnen. Und die konnte als mediokres Popundwegwerfprodukt erwartetermaßen kaum mit all der pop-pop-populären Öffentlichkeitsarbeit ihrer Interpretin mithalten…

(Den kompletten Gegenentwurf zu beiden Vermarktungswegen lieferte übrigens keine Geringere als Jay Z’s bessere Hälfte Beyoncé erst vor wenigen tagen, als sie ihr neustes, selbstbetiteltes Werk komplett ohne jegliche Vorankündigung oder Bewerbung als Nacht-und-Neblaktion – zunächst –  exklusiv über den iTunes Store zum Kauf anbot. Und das auch nicht als schnödes Vierzehn-Song-Album, sondern als „interaktives Packages“ inklusive nicht weniger als achtzehn dazugehöriger Musikvideos… Wenn man so mag: antivirales Marketing in Reinstform. Und auch das schlug für ein, zwei Tage weltweit hohe Öffentlichkeitswellen…)

Wie zur Facebook’schen Statusmeldungshölle kommt nun also jemand wie Bob Dylan in diese Liste? Natürlich könnte man zunächst annehmen, dass „His Bobness“ es gar nicht (mehr) nötig habe, so etwas wie moderne Vermarktungsstrategien überhaupt in die Planungen seines Managements einfließen zu lassen, immerhin zählt seine Hörerschicht im Gros (!) zu den Menschen weit über der „Ü30“ – zu jenen also, von denen man annehmen dürfte, dass sie Musiktauschbörsen, iTunes Charts und Twitter höchstens aus den sprudelnden Erzählungen der Enkel kennen. Nun, ganz so scheint dem dann doch nicht zu sein…

Wie anders als mit der Begründung eines kleinen Marketingschachzuges ist es zu erklären, dass ein Jahrzehnte junger Evergreen namens „Like A Rolling Stone“ nun – 48 Lenze nach seiner Veröffentlichung auf dem Album „Highway 61 Revisited“ – ein amtliches Musikvideo erhält? Und dann nicht einfach eines mit einer schnöde dahin gerotzten Kameradarbietung des Künstlers selbst (was bei Dylan keineswegs verwundern würde). Nein, „Like A Rolling Stone“, seines Zeichens wohl noch immer Bob Dylans größter Hit, bekommt man im Jahr 2013 als interaktives Mitmachvideo zu sehen! Da darf sich der internetzaffine Zuschauer nun durch 16 eigens kreierte „Fernsehkanäle“ zappen, um darauf festzustellen, dass alle „Protagonisten“ Dylans Stück lippensynchron mitträllern. Hat was, in der Tat… Und „His Bobness“, dieser ewige Heilige des Songwritertums, dem das so gelungen interaktive Musikvideo freilich bei der vitalen Vermarktung der jüngst erschienenen, mehr als 40 Silberscheiben schweren Werkschau „The Complete Album Collection, Vol. 1“ zuträglich sein wird, hat bewiesen, dass vielleicht der ein oder andere seiner Hörer, jedoch nicht er zum alten Technikfeindeisen gehört…

Once upon a time you dressed so fine
You threw the bums a dime in your prime, didn’t you?
People’d call, say, „Beware doll, you’re bound to fall“
You thought they were all kiddin‘ you
You used to laugh about
Everybody that was hangin‘ out
Now you don’t talk so loud
Now you don’t seem so proud
About having to be scrounging for your next meal.

How does it feel
How does it feel
To be without a home
Like a complete unknown
Like a rolling stone?

 

Hier gibt es einen kleinen „Appetittrailer“ zum inaktiven Musikvideo von „Like A Rolling Stone“ (das freilich über diese eigene Seite angesehen, bearbeitet und durchzappt werden kann)…

 

…sowie einen Beitrag zur Entstehung des Videos, inklusive einem Interview mit dem Regisseur/Macher Vania Heymann:

 

Rock and Roll.

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John Lennon und die Arctic Monkeys… – Eine visuelle Ode an das Bandshirt


Hätte DAS gepasst? - John Lennon bekennt sich zu den Arctic Monkeys...

Die Geschichte des Bandshirts ist beinahe so alt wie die Popmusik selbst…

Als der Hard Rock in den Sechzigern und Siebzigern seinen Höhepunkt erlebte, begannen immer mehr Künstler und Bands, T-Shirts mit ihrem Logo und/oder mehr oder minder gelungenen und geschmackssicheren Grafiken an ihren Merchandiseständen anzupreisen. Ihre Die-Hard-Fans nahmen das Angebot nicht selten dankbar an, erstanden ein Andenken an das soeben erlebte Konzert und liefen fortan mit fast religiöser Verehrung für ihre Lieblingsband Werbung – die Litfasssäule mit Brust und aus Fleisch und Blut war geboren, wenn man so will…

Dass eine so simple wie erfolgreiche und beidseitig glücklich machende Idee nicht eben im kommerziellen Sande versickern würde, dürfte klar sein. Über die Jahrzehnte wurde das Bandshirt mehr und mehr zum Usus und kleinsten wie einfachsten gemeinsamen Nenner des schnellsten Ausdrucks der Vorlieben und Interessen. Heutzutage kann man von so ziemlich jedem Künstler und jeder noch so unbekannten Band ein Stoffleibchen erstehen, sei es nun über deren Homepage, über Kataloge, ebay – oder, wie damals, direkt am Konzert-Merchandisestand…

Der brasilianische Visual Arts-Künstler Butcher Billy geht da noch einen kleinen Schritt weiter und hat den Idolen heutiger Künstler die Bandlogo-Shirts der Emporkömmlinge übergestreift. Da stellen sich denn auch gleich mehrere Fragen: Hätte John Lennon allen Ernstes die Arctic Monkeys gemocht? Hätte man tatsächlich Joy Division und Interpol gleichzeitig gebraucht? Kupfert Ex-Disney-Girlie Miley Cyrus letztendlich nicht nur bei Kiss-Langzunge Gene Simmons ab? Hätten die Foo Fighters auch ohne Kurt Cobains Ableben zum Karrierekick angesetzt? Und: Wie hoch war der Einfluss von Glamgott David Bowie auf Nirvana wirklich? Nichts Genaues weiß man nicht, interessant anzusehen ist Butcher Billys „Zurück in die Zukunft“ gedachte Verbeugung vor der Historie des Bandshirts allemal…

 

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Alle Bilder: Butcher Billy

 

Mehr zum Künstler selbst gibt’s auf dessen Red Bubble– und Society6-Seiten.

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Pearl Jam – Sirens & ein Kurzfilm zum neuen Album „Lightning Bolt“

pearl jam - sirens

Wenn die eigene Lieblingsband ein neues Album veröffentlicht, dann ist es – Blog hin oder her – durchaus gestattet, ein gutes Stück der oft genug vorhandenen kritischen Haltung über Bord zu werfen und sich einfach mal der hemmungslos überbordenden Vorfreude hinzugeben… Zumindest sieht’s momentan so bei Pearl Jam und mir aus.

Wie bereits bekannt erscheint in gut zwei Wochen mit „Lightning Bolt“ Album Nummer zehn der ewig relevanten Grunge-Dinos. Nachdem die Band bereits das forsche „Mind Your Manners“ ins freudige Netzrund schickte, bekommt man nun mit „Sirens“ einen zweiten Song zu hören. Das Stück aus der Feder von Gitarrist Mike McCready ist zwar vergleichsweise ruhig geraten, aber – hach – irgendwie auch auf wunderbare Weise einfach… schön. Und wer mosert, dass das Video lediglich eine unspektakuläre Band-Performance im Gegenlicht zeigt, den darf ich gern daran erinnern, dass wir in diesem Punkt eine bandinterne Revolution im Kleinen erleben. Denn scheinbar haben Pearl Jam auch hier ein wenig Altersmilde walten lassen und zeigen sich, nach „Mind Your Manners“, bereits zum zweiten Mal in Folge selbst in einem Clip, nachdem man in den Neunzigern noch jegliche Zutraulichkeit den Medien gegenüber verweigerte…

Wer ein wenig mehr über „Lightning Bolt“ erfahren möchte, bekommt im neuen, knapp neunminütigen Kurzfilm (welcher, wie das Musikvideo zu „Sirens“ auch, von Musikregisseur Danny Clinch stammt) ein paar mehr Einsichten in die Inspirationen, Pearl Jams politisches wie soziales Bewusstsein, das Bandgefüge und den Zusammenhang zwischen Surfen und Songschreiben.

 

 

 

 

Junip – Walking Lightly

junip - walking lightly

Geradezu leichtfüßig und meditativ kommt „Walking Lightly“, die neue Single vom schwedischen Trio Junip, daher. Dass das dazugehörige selbstbetitelte Album durchaus große Qualitäten besitzt, weiß der regelmäßige Leser dieses Blogs natürlich. Trotzdem stehen diese von Regisseur Fredrik Egerstrand in Szene gesetzten Bilder der Band um Ausnahmestimme José González ausgezeichnet: Wald und Wiese, die Dämmerung kurz vor der Düsternis, schaler Lichtschein, Nebel. Die Band legt vor den Augen von Fuchs und Hase einen intimen Vortrag hin und bleibt am Ende in rot umleuchteter Fauna zurück…

 

 

 

Foals – Out Of The Woods

foals - out of the woods

A propos „Wald“, a propos „dem treuen Leser bekannt“: Das Unterholz trägt auch „Out Of The Woods“, seines Zeichens die nächste Auskopplung aus dem aktuellen, Anfang des Jahres erschienenen Foals-Album „Holy Fire„, im Namen. Doch wo bei Junip noch Ruhe und Gelassenheit herrschten, wartet hier auf die Protagonistin, welche auf ihren Wegen durchs triste Hochhauseinerlei auch Foals-Sänger Yannis Philippakis begegnet, am Ende eine vermeintlich böse Überraschung…

Übrigens: Wer nach drei bislang erschienenen Studioalben bereits auf eine neue Veröffentlichung des englischen Quintetts wartet, dem sei der ab Ende Oktober in den Regalen stehende Konzertfilm „Live at the Royal Albert Hall“ ans Hörerherz gelegt (den kurzen Trailer gibt’s ebenfalls hier und heute!)…

 

 

 

 

Arcade Fire – Reflektor

arcade fire - reflektor

Kaum eine Band hat in den letzten Jahrzehnten derart eindeutig ebenso Kritiker wie Hörer (also: die eigentlichen Endverbraucher) von der eigenen Qualität überzeugen können wie die Kanadier von Arcade Fire.  Mehr noch: Eventuell kam der kommerzielle Durchbruch gerade weil man sich bei all den tollen, eingängigen Melodien stets einen Schuss Kunst – in der Art, wie sie beflissene Hochschulabsolventen definieren würden – und Künstlichkeit bewahrt hat…

Da wundert es kaum, dass aktuell ein riesiger Bohei um den Nachfolger zum vor drei Jahren erschienenen und völlig zurecht mit massig Preisen dekorierten „The Suburbs“ gemacht wird: geheimnisvolle Graffitis zu Werbezwecken an Metropolen-Häuserwänden rund um den Globus, nicht weniger kryptische Twitter-Kurzformel, ein munteres Rätselraten um namenhafte potentielle Gastbeiträge, Albumtitel und Setlists… Ob „Reflektor“, Album Nummer vier von Win Butler, Régine Chassagne & Co., all die Aufregung wert ist, erfahren wir am 25. Oktober. Hier gibt’s schon einmal das Titelstück nebst würdevollem Schwarz-weiß-Video, für das kein Geringerer als Kultfotograf und Gelegenheitsregisseur Anton Corbijn die Verantwortung hinter den Kameras übernahm. Und: Ist im Stück da nicht irgendwo David Bowie zu hören? Arcade Fire bleiben rätselhaft…

„Just a reflection of a reflection of a reflection of a reflection of a reflection / But I see you on the other side / We all got things to hide…“

 

 

 

Sun Kil Moon – Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes

kozelek

Wenn man aktuell wohl „Produktivität“ in Wikipedia nachschlägt, so könnte es gut sein, dass man unter der Entsprechung im musikalischen Sinn ein Foto von Mark Kozelek wiederfindet. Immerhin hat der ehemalige Red House Panters-Frontmann in diesem Jahr bereits drei Studioalben – das Soloalbum „Like Rats“, die fantastische Zusammenarbeit mit The Album Lear-Kopf Jimmy LaValle, „Perils From The Sea„, und zuletzt das ebenfalls tolle, gemeinsam mit Desertshore zustande gebrachte „Mark Kozelek & Desertshore“ – sowie etliche Livealben in die digitalen wie haptischen Plattenregale gestellt. Dabei kam jedoch seine derzeitige Quasi-Stammband Sun Kil Moon zu kurz, liegt doch deren letztes Album „Among The Leaves“ bereits über ein Jahr zurück (es erschien im Mai 2012 – im derzeitigen Kozelek’schen Veröffentlichungsrhythmus beinahe eine halbe Ewigkeit).

Das holt der umtriebige 46-jährige US-Songwriter nun nach und hat für Anfang 2014 mit „Benji“ Sun Kil Moon-Album Nummer sechs in Aussicht gestellt, zu welchem unter anderem Sonic Youth-Schlagzeuger Steve Shelley, Will Oldham (aka. Bonnie ‚Prince‘ Billy), Owen Ashworth (Casiotone For The Painfully Alone) und Jen Wood (Postal Service) musikalische Gastbeiträge geben werden. Mit dem ungewohnt spröden, unterschwellig aggressiven „Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes“ gibt es hier bereits einen kleinen Vorgeschmack auf „Benji“…

 

 

 

Haim – Wrecking Ball

haim - live lounge

Gut, Miley Cyrus‘ Fremdschäm-Moment bei den VMAs ist ausreichend diskutiert worden, ihr Musikvideo zu „Wrecking Ball“ hat für nicht weniger pikierte Blicke und massig Nachahmer gesorgt – wenn man heutzutage als ehemaliger Disney-Star noch für Imagewechsel und Aufmerksamkeit sorgen möchte, dann muss man schon All In gehen, wie’s scheint… (siehe auch: Lindsey „Exzess“ Lohan. siehe auch: Britney „It’s Britney, bitch!“ Spears. siehe auch: Xtina „Latina-Rollmops“ Aguilera.)

Die drei jungen Rockhühner von Haim, die mit ihrem Debütalbum „Days Are Gone“ zufälligerweise auch ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ stellen, haben das wohl derzeit – und auch in Zukunft – kaum nötig. Trotzdem haben sie sich im Rahmen ihres Besuchs bei der Radioshow des BBC-Senders Radio 1 nicht nehmen lassen, den Miley Cyrus-Gassenhauer „Wrecking Ball“ von der Nudisten-Abrissbirne zu kratzen und das Stück in eine amtliche Rocknummer verwandelt…

 

 

 

Rock and Roll.

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