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Song des Tages: Neufundland – „Halt dich an deiner Liebe fest“


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Foto: Stefan Braunbarth / Promo

Als junge Band steht man ja heutzutage vor der durchaus spannenden Frage, wie man denn gedenkt, den Sprung ins „große Haifischbecken Musikgeschäft“ zu wagen (so man denn überhaupt die seltene Gelegenheit bekommt, sein schönes Hobby ins Lohnenswert-geschäftliche zu ziehen). Soll man authentisch bleiben, oder sich Trend und Zeitgeist anpassen? Soll man alles aus eigener Hand betreiben, oder sich einem Musikmanagement anvertrauen?

Die Kölner Band Neufundland etwa hat sich – die Frage nach der Authentizität lassen wir mal außen vor, da darf sich jeder gern selbst ein Bild machen – dafür entschieden, dass Landstreicher Booking fortan alles abseits der Bühnenbretter und Studiotüren für sie regeln solle. Keine schlechte Wahl wohl, schließlich hat die Berliner Agentur aktuell so ziemlich alles und beinahe jeden angesagten deutschsprachigen Alternative-Namen in ihrer Kartei: Casper, AnnenMayKantereit, Adam Angst, Kraftklub, Prinz Pi, Captain Planet, K.I.Z, Faber, aber auch internationale Indie-Größen wie We Were Promised Jetpacks, Keaton Henson, Woodkid, The Twilight Sad oder Ron Sexsmith. Eine gute, angesagte Adresse für Neufundland also. Und schenkt man dem artsy-fartsy Optischen Glauben, so lässt sich der 2013 gegründete Fünfer auch gut auf den stylischen Seiten von Intro, Spex, Musikexpress und Co. ablichten…

Halt, stopp! Geht’s hier etwa um Mode? Was ist bitte mit der Musik?

268x0wNun, da hat sich seit der Veröffentlichung ihrer selbstbetitelten Debüt-EP vor zwei Jahren so einiges getan. Damals noch mischten Neufundland verhaltenen Indierock mit kleinen elektronischen Experimenten, was manchmal an Mikroboy, viel öfter an den Pop-Charme von Die Höchste Eisenbahn erinnerte. Diesem Stil bleibt die Band zwar auch auf dem in wenigen Tagen erscheinenden Debütalbum „Wir werden niemals fertig sein“ grundlegend treu, denkt ihre neuen, gemeinsam mit Produzent Tim Tautorat (u.a. AnnenMayKantereit, Olli Schulz, Turbostaat) entstandenen Stücke jedoch weitaus größer und fordernder als noch 2015. Ob man die „kantigen, eigenständigen Sounds“, diese zwölf Mal „krachenden Indie-Rock, der sich nicht am Puls der Zeit bewegen, sondern abarbeiten will“ (Pressetext) ist wohl auch eine Frage der eigenen – gefühlten – Juvenilität…

Zweifellos anders gedacht und gelungen ist Neufundlands bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Version des Ton Steine Scherben-Klassikers „Halt dich an deiner Liebe fest„. Anstatt eine simple Covervariante am Piano aufzunehmen, entzieht sich die Band mit zwei Sängern, welcher zu allem Überfluss auch noch jeweils Fabian heißen, geschickt dem direkten Vergleich mit dem ewig großen Rio Reiser (oder der ebenfalls recht bekannten Neuinterpretation durch Freundeskreis) und transportiert den Evergreen mit zackigen Gitarren ins Melancholisch-düstere. Zudem sorgte Martin Lamberty, seines Zeichens Haus-und-Hof-Fotograf von AnnenMayKantereit und mittlerweile so etwas wie das „fünfte Bandmitglied“, mit seinem in stylischem Schwarz-weiß gehaltenen Musikvideo, in dem der Songtext von Dolmetscherin Laura M. Schwengber in Gebärdensprache dargestellt wird, für den optischen Zeitgeist.

Kann man so machen.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Klez.e – „Mauern“


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Ja sicher, Tobias Siebert ist mir – vor allem durch sein jüngstes Solo-Projekt And The Golden Choir, dessen Debüt „Another Half Life“ 2015 erschien, aber auch als Produzent für so viele deutsche Bands und Künstler wie Slut, Marcus Wiebusch, Enno Bunger, Mikroboy, Herrenmagazin, Phillip Boa and the Voodooclub, Kettcar oder Sport – freilich ein Begriff. Auch, dass der Mann mal in einer Band namens Klez.e aktiv war, wusste ich natürlich. Mit deren drei Alben – das letzte, „Vom Feuer der Gaben„, erschien 2009 – habe ich mich allerdings nie beschäftigt.

Nun, sollte ich wohl mal tun, denn der Song „Mauern“, mit dem sich Siebert und seine Mannen nach siebenjähriger Auszeit zurückmelden, verspricht Großes. Und rennt bei mir mit seinen Referenzen zum 1989 veröffentlichten The-Cure-Meilenstein „Disintegration“ offene Türen ein. Monolithische Rhythmen, Schwermut, Melancholie – all das klingt wohl nicht von ungefähr wie eine tiefe Verneigung vor Robert Smith und Co., denn auch das dazugehörige, im Januar 2017 erscheinende neue Klez.e-Album „Desintegration“ trägt seine Inspiration ebenso offen zur Schau wie Tobias Sieberts neuerdings zum Goth-Wuschel toupierte Haarpracht… Als wenn es auf ewig ein grauer Wintertag im letzten Jahr der seligen Achtziger wäre. Bonjour Tristesse.

 
„Früher, da im Osten
Wollte ich im Wedding sein
Und heute soll das enden
Ich ließ mich von euch blenden…“

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Mikroboy – „Niemals bereit“


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Foto: Arne Landwehr / Promo

Irgendwie bezeichnend, dass die vier Herren von Mikroboy nun ausgerechnet „Niemals bereit“ ein Musikvideo spendieren…

Und als sich Michi Ludes, Kai-Steffen Müller, Tobias Normann und Felix Mannherz im April nach fünfjähriger Albumveröffentlichungsabstinenz zurück gemeldet haben, kam es einem fast so vor, als würde einem ein ehemaliger Klassenkamerad nach Jahren der Funkstille wieder einmal ein Lebenszeichen von sich senden. Denn seit dem letzten, 2011 erschienenen zweiten Album „Eine Frage der Zeit“ hat sich Einiges in der deutschen (Indie-)Musiklandschaft getan, die ja aktuell – so schreibt der (digitale) Blätterwald – eher steil auf nerdig-noisigen Postpunk von Bands wie Isolation Berlin, Die Nerven oder Messer geht. Da wirken Mikroboy freilich auch mit Album Nummer drei, „Leicht*hust* leicht aus der Zeit und den Trends gefallen, stehen die vier Herren doch eher für „Indie-Rock emotionaler Färbung“ (Zitat Intro), welcher dezent an US-Midwestern-Popcore der Duftmarke Get Up Kids erinnert, während textlich stellenweise ein in sich gekehrter Marcus Wiebusch (Kettcar) oder die Verschrobenheit von Deniz Jaspersen (Herrenmagazin) durchschimmern. Also eher gitarrene Kleinstadt-Melancholie statt Rumble in the Großstadtjungle. Gerade deshalb, weil es keine Revolte anzetteln, niemanden auf die Barrikaden bringen, sondern einfach nur sein und wirken und gefallen möchte, darf man über ein so flüchtiges, ein im Moment schönes Werk wie „Leicht“ froh sein.

005323089_500Doch leider ist mit „Leicht“ auch für Mikroboy das Ende eines Weges erreicht, wie sie zeitgleich zur Veröffentlichung des neuen Albums auf Facebook mitteilten:

„Mit dieser Platte und der anstehenden Tour verabschieden wir uns in ewiger Dankbarkeit von euch und davon, eine aktive Band zu sein. Das Leben schreit nach dieser Entscheidung. Wir haben uns mit ‚Leicht‘ den Traum verwirklicht, die EINE Platte zu veröffentlichen, die wir schon immer machen wollten. Ohne Filter, ohne Einflüsse von Aussen und ohne Druck. Ein Anachronismus vielleicht, aber dennoch die Verwirklichung dessen, was wir schon immer machen wollten. Wir sind erwachsen geworden und haben unsere Geschichte erzählt.“

Heißt: Nach der Veröffentlichung von Platte Nummer drei, nach den Abschiedskonzerten im Mai (das letzte wird am 31.5. in Heidelberg stattfinden) ist Schluss. Dass das Ende des Einen auch den Startschuss für etwas Neues bedeuten kann, erzählen Mikroboy in ihrer wohl letzten Single „Niemals bereit“, die vom Ende einer Beziehung berichtet, und davon, dass man hofft, dass aus dem Schmerz, den man gerade noch so stark spürt, irgendwann wieder ein gutes, ein schönes Gefühl wächst. Auch wenn der Weg dorthin alles andere als leicht wird… Wie bezeichnend.

Macht’s gut, Mikroboy.

 

 

„Zum letzten Schritt nehm ich dich mit
Und die Getränke gehen auf mich
Wir haben das Schlimmste überstanden
Und ich freu mich für dich
Denn nur weil du wirklich los lässt
Darfst du alles behalten
Darfst deine Freunde, deine Träume
Sorgsam pflegen und verwalten
Und die Liebe, die so hell schien
Und jetzt alles überschattet
Wird verschwinden wie das Krebsgeschwür
das wir beide in uns hatten bis zum Schluss

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit

Ich laufe matt durch diese Stadt
Und die Farben kommen zurück
Der erste Schreck ist weg und niemand ist gestorben, zum Glück
Doch je mehr du dich entfernst
Spannt sich das Band, das uns verbindet
Und schleudert dich unweigerlich wieder zurück

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit

Ich will nicht mehr suchen
Nach einem höheren Sinn
Und ich will nicht schlauer tun
Als ich eigentlich bin
Und ich will ‚Ich liebe dich‘ sagen ohne Scham
Und ich will einschlafen in deinen Armen

Doch wenn nur die Zeit die Wunden heilt
Müssten wir hundert Jahre alt sein
Unsere Herzen wären aus Stein
Doch ich würd immer noch schreien wenn du meins berührst
Und wir quälen uns durch die Jahre
Und wir tun uns schrecklich leid
Doch egal wie viel Zeit, wir wären niemals bereit“

 

Rock and Roll.

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