Schlagwort-Archive: Metallica

Sunday Listen: Shel – „Enter Sandman“


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Da hör her: von Metallicas stolze 25 Lenze jungem „Black Album„-Gassenhauer „Enter Sandman“ gibt es jetzt auch eine Folkpop-Version. Die vierköpfige Geschwisterband Shel aus dem US-amerikanischen Colorado veröffentlichte unlängst ein Video mit ihrer Version des Metal-Klassikers, und Sängerin Eva Holbrook erklärte: „Als ich zum ersten Mal den Text von ‚Enter Sandman‘ las, habe ich mich verliebt, und als es um den obligatorischen Coversong für unser neues Album ging, dachten wir, dass zu den Lyrics eine dezentere und unheimlichere Atmosphäre passen würde. Als wir ‚Enter Sandman‘ aufnahmen, betete ich zu den Rockgöttern, dass ich dafür, dass ich den Text zu einem Metallica-Song flüstern würde, nicht tot umfallen würde, oder auf mysteriöse Art und Weise einen elektrischen Schock bekommen würde. Ich habe überlebt und kann sagen, dass mich die Poesie dieses Stücks echt umhaut.“ Das wird Frontmann James Hetfield, der wohl nicht allzu oft Lorbeeren für seine Texte empfangen darf, wohlmöglich gern lesen…

Und überhaupt geben Shel dem ursprünglich recht derben Metalsong eine ganz eigene, neue Atmosphäre mit auf den Weg – eine, die eben mehr nach dem Titel des Stücks klingt und „Enter Sandman“ knapp drei Minuten lang mit einer untergründig bedrohlichen Wiegenlied-Aura umwickelt. Denn mal süße Träume…

 

(Mehr zu Shel, der ungewöhnlichen Coverversion und dem dazugehörigen neuen Album der Band gibt es hier zu lesen…)

 

Rock and Roll.

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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Metallica – „Turn The Page“


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Anders als vielleicht bei vielen anderen war mein bewusster Erstkontakt mit Metallica nicht der mit jener Trash Metal-Frühphase in den Achtzigern, als sich die LA-Metalheads um Frontmann James Hatfield und den dauerhaft vorlauten Schlagzeuger Lars Ulrich mit Klassikern wie „Master Of Puppets“, „For Whom The Bell Tolls“ oder „One“ (anno 1988 auch die Single zu ihrem ersten MTV-Musikvideo, für welches sie – einerseits ganz und gar Metal-Rebellen, andererseits sicherlich auch sozialkritisch – Szenen aus dem Antikriegsfilm „Johnny zieht in den Krieg“ verwendeten) mehr und mehr in die großen Stadien dies- wie jenseits des Atlantiks spielten. Und: Nein, auch das berüchtigte „schwarze (selbstbetitelte) Album“, das die Band beinahe poplastig präsentierte, einfach, weil zwischen dem Opener „Enter Sandman“ und dem kuschelrockenden Feuerzeugschwenker-Evergreen „Nothing Else Matters“ einfach nur Hit auf Hit, Klassiker auf Klassiker folgt, habe ich bei dessen Veröffentlichung im Jahr 1991 nicht wahrgenommen. Einfacher Grund: ich war zu jung (im August 1991, als „Metallica“ das Licht der Plattenläden erblickte, gerade einmal knapp acht Jahre). Und auch wenn mir jetzt ein Großteil der Metallica-Fanbasis Asche übers Haupthaar kippen wird: Bis heute sind „Load“ und „ReLoad“ meine liebsten Metallica-Alben. Zwar portraitiert jenes 1996 beziehungsweise 1997 erschienene Albumdoppel die vierköpfige Rockband als im Inneren zwar höchst dysfunktionale Gruppierung (siehe auch die 2004 erschienene ausschweifende Musikdoku „Some Kind Of Monster“, welche Metallica und ihre Probleme untereinander ausschweifend wie eine Therapiesitzung dokumentiert), aber dennoch tut es vor allem eines: verdammt nochmal rocken! Freilich wurden in den insgesamt 27 (!) Songs die Metal- und Bay-Area-Trash-Verweise zugunsten poppiger Melodien zurückgefahren (was erwähnten Fans der True-Metal-Alben der Achtziger sauer aufstieß). Aber bei Stücken wie „The House Jack Built“, „Until It Sleeps“, „Bleeding Me“ (von „Load“), „Fuel“, „The Memory Remains“ (mit einem Gastauftritt der legendären Grand Dame Marianne Faithfull) oder „The Unforgiven II“ (von „ReLoad“) geht mir noch heute ab und an das Herz auf. Legendär ebenso, für mich: „Mama Said“, eine beinahe schon zarte Lagerfeuernummer mit Akustikgitarre (!) – wenn das kein mutiger Stilwandel war, was sonst? Wenn ich heute Bilder der Band aus eben jener Zeit sehe, muss ich immer wieder daran zurückdenken, wie traurig mein damals bester Kumpel und ich waren, als der damalige Bassist Jason Newsted, welcher 1986 nach dem Unfalltod des sagenumwobenen Ursprungsbassisten Cliff Burton zur Band stieß und danach vom heutigen Saitenzupfberseker Robert Trujillo ersetzt wurde, 2000 die Band verließ…

Garage_Inc_(album)Doch zurück zu meinem persönlichen Erstkontakt mit Metallica. Denn den hatte ich ausgerechnet mit einer Coverversion: „Turn The Page“, im Original ein feiner, anno 1973 veröffentlichter Country-Schunkler des all American Countryrock-Singer/Songwriters Bob Seger. Metallica machten aus der Nummer, in welcher Seger über das Für und Wider des stets unsteten Tourlebens eines (Rock-)Musikers schreibt, einen höchst charismatischen derben Klopper (freilich nicht mal Metal-lastig, aber ich mit meinen damals zart pubertären 15 Jahren empfand es so). Toll auch und vor allem: das dazugehörige Musikvideo des sowieso für Qualitätsmaterial bekannten schwedischen Regisseurs Jonas Åkerlund (u.a. auch Musikvideos für Moby, Madonna, The Prodidys „Smack My Bitch Up“, The Smashing Pumpkins, Lady Gagas „Paparazzi“ oder Rammstein, aber auch Filme wie „Spun“ oder „Horsemen“), in welchem dieser das Umherziehen des Musikers auf das harte Leben einer alleinerziehenden Mutter (gespielt von der Pornodarstellerin Ginger Lynn), die sich mit Jobs in schäbigen Table-Dance-Bars und gar auf dem Straßenstrich herumschlägt, um sich und ihr Kind, das währenddessen nächtelang in heruntergekommenen Motels auf die Mutter wartet, durchzubringen. Klar dass MTV das Musikvideo damals aufgrund der recht realistischen, ungeschönten Darstellungen von Sex und Gewalt nicht ausstrahlen wollte… Mich hatten Metallica mit dieser Mischung aus einem tollen Stück ein noch tolleres zu machen, diesen Melodien, dieser Art des Rocks, ihrer provokanten Form der Sozialkritik zumindest im Sack. Das dazugehörige Album „Garage Inc.„, auf dem sich nur noch mehr tolle Coverversionen von Bands wie Black Sabbath, Nick Cave and the Bad Seeds, Lynyrd Skynyrd oder Queen befanden, ließ ich mir nach dessen Erscheinen im November 1998 von Oma (!) zu Weihnachten schenken. Der Rest sind Geschichten. Der Rest ist Geschichte…

 

 

 

Rock and Roll.

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It’s not a perfect day… – Lou Reed ist tot.


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Wie der US-amerikanische „Rolling Stone“ vor wenigen Minuten vermelden musste, ist Lou Reed, einer der letzten großen Rock’n’Roll-Rocker, heute im Alter von 71 Jahren verstorben.

Reed, der seit jeher – sowohl unter Musikerkollegen als auch unter Journalisten – einen Ruf als durchaus streitbarer Zeitgenosse inne hatte, erlangte in den sechziger Jahren Weltruhm, als er gemeinsam mit John Cale, Sterling Morrison und Angus MacLise (der bald schon von Maureen Tucker ersetzt wurde) die Avantgarde-Rockgruppe The Velvet Underground gründete. Bereits deren von keinem Geringen als Andy Warhol produziertes Debütalbum „The Velvet Underground & Nico“ gilt mit seinem ikonographischen Bananencover sowie Songs wie „Sunday Morning“, „I’m Waiting For The Man“, „Femme Fatale“ oder „Venus In Furs“, bei denen sich Reed die Gesangsparts mit der deutschstämmigen Künstlerin Nico teilte und diese als Kontraste zu nicht selten verstörenden Instrumentalteilen setzte, auch heute noch als Meilenstein der Musikhistorie.

Lou Reed (4. v.l.) als Teil von The Velvet Underground, mit Nico und Andy Warhol (1. u. 2. v.l.)

Lou Reed (4. v.l.) als Teil von The Velvet Underground, mit Nico und Andy Warhol (1. u. 2. v.l.)

Nach der Trennung von The Velvet Underground startete Lou Reed Anfang der Siebziger seine Solokarriere, in deren Verlauf er sowohl zeitgemäße Glam-Rock-Alben (das von David Bowie produzierte „Transformer“ aus dem Jahr 1972) als auch sozialkritische Werke („Berlin„, ein Jahr darauf erschienen, handelt von der gescheiterten Liebesbeziehung zweier Junkies in der damals geteilten deutschen Stadt), Produktionen, welche sich der Hochgeistigkeit zuwandten („The Raven“ von 2003, auf dem er, mithilfe von anderen Künstlern wie David Bowie, Laurie Anderson, Willem Defoe oder Antony, Edgar Allen Poe vertonte) und Kollaborationen (zuletzt das mäßig gelungene „Lulu“ gemeinsam mit Metallica) veröffentlichte.

Nach der Kollaboration mit Metallica im Jahr 2011 sowie einer Tour im vergangenen Jahr, welche ihn im Juni auch noch einmal nach Berlin führte, war es ruhiger im Lou Reed, dessen letztes Soloalbum „Hudson River Wind Meditations“ 2007 erschien, geworden. Gemeinsam mit seiner Frau, der Performance-Künstlerin Laurie Anderson, lebte er in New York City. Ob sein Tod aus einer Lebertransplantation im April 2013 resultierte, ist bislang unbekannt.

Sein stets abseitiger Gitarrensound, seine unvergleichlich markante Stimme, seine vor Bitterkeit und – nicht selten – Zynismus nur so triefenden Texte – all das machte Lou Reed, der 1996 als Teil von The Velvet Underground in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, bereits zu Lebzeiten zur launischen Legende.

Mach’s gut Lou, Du letzte griesgrämig große Rockdiva Deiner Art.

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Schamlose Charme-Attacke in Folkrock – Neues Lissie-Video zu „Shameless“


Lissie

Machen wir uns mal nix vor: Suchte man in den letzten drei Jahren nach zupackendem Folkrock mit derbem Gespür für poppige Melodien, mit hohem Sucht- und Ohrwurmfaktor und prägnanter weiblicher Stimme, dann kam man eigentlich an einer gewissen Elisabeth Maurus kaum vorbei. Besser bekannt als Lissie machte diese zuerst einer immer weiter wachsenden Hörerschar beinahe drei Jahre lang mit vereinzelten EP-Veröffentlichungen (die erste, selbstbetitelte EP erschien 2007) den Mund wässrig, um 2010 endlich ihr Debütalbum „Catching A Tiger“ in die Regale zu stellen. Die darauf enthaltenen zwölf Stücke, welche unter der Ägide von Produzent Jacquire King (unter anderem Modest Mouse, Kings Of Leon, Norah Jones, Tom Waits) entstanden,  gingen einerseits die in den Anfangstagen eingeschlagenen Folkpfade weiter, geleiteten die Harmonien der 30-Jährigen aus Illinois jedoch auch soweit in Richtung Pop, als dass Stücke wie die Singles „When I’m Alone“ oder „Cuckoo“ in ihrer sonnigen Unbeschwertheit eher positiv als unpassend negativ in den Playlists der US-Formatradios aufgefallen wären – irgendwo zwischen Taylor Swift und Fleetwood Mac, während man in Gedanken mit offenem Verdeck roadtrippend die Lissie 2013kalifornische Küste entlangfährt… Und Lissie? Genoss den stetigen Erfolg (Gold für „Catching A Tiger“ im UK, Platz 5 in den „US Billboard Folk Album Charts“), ging auf weltweite Tournee – und bewies, dass sie zwar jede Auszeichnung mit aufrichtiger Dankbarkeit mitnehmen würde, jedoch noch immer ihren eigenen Kopf und ihre eigenen Vorstellungen hatte. Außerdem bewies sie mit dem 2011 veröffentlichten Livealbum „Live at Shepherd’s Bush Empire“ (inklusive des London-Konzerts auf DVD), dass eben jenes Livespielen, bei dem sie und ihre Band den Stücken noch Einiges mehr an „Eiern“ und Drive verliehen, ihre wahre Stärke ist…

Nun kehrt Lissie mit der Single „Shameless“, die erneut nah an der Ohrwurmobergrenze früherer Stücke anschlägt und thematisch kleine, feine Breitseiten auf den Habitus der heutigen Medienlandschaft abfeuert, aus ihrer kurzen Kreativpause zurück. Das dazugehörige – zweite – Album soll in Kürze folgen, und wird zumindest meine sommerlichen Autofahrten auch in diesem Jahr akustisch veredeln…

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Hier gibt’s das aktuelle und offizielle Video zu „Shameless“…

 

…das „Lyric Video“ zum Song…

 

…sowie Bild und Ton zur 23-minütigen „Live in The Current Studios“-Session, welche Lissie kürzlich gespielt hat:

 

Wem das alles noch immer nicht ausreicht, der bekommt hier Lissies Version des Kid Cudi-Songs „Pursuit Of Happiness“…

 

…sowie ihre nicht weniger famose Neuinterpretation des Metallica-Klassikers „Nothing Else Matters“ auf die Ohren:

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 22


ANEWFRIEND hat wieder vier Filme für euch: drei davon sind Volltreffer, vor einem wird gewarnt…

 

„In ihrem Haus“ (2012)

In ihrem Haus (Plakat)Der frustrierte Französischlehrer Germain (Fabrice Luchini) gibt seiner Klasse die Aufgabe, einen Essay über das verganene Wochenende zu schreiben. Die Ergebnisse sind für den Pädagogen einmal mehr uninspiriert und mehr als enttäuschend, doch ein Werk sticht aus der Masse der Mittelmäßigkeit hervor: Der Aufsatz des introvertierten Claude (Ernst Umhauer), ein stiller Charakter, der sich bislang stets zurückhaltend in die letzte Reihe des Klassenzimmers verzogen hat. Der Junge schreibt, dass er es am Wochenende geschafft habe, seinen Mitschüler Raphael in dessen Haus zum Lernen zu besuchen – ein Umstand, den er schon lange beabsichtigt hatte. Mit einem hohen Maße an Beobachtungsvermögen und auch einem starken Hang zum Voyeurismus schafft es Claude, Germain mit seinem Text in den Bann zu ziehen. Selbst dessen Ehefrau Jeanne (Kristin Scott Thomas) ist vom Talent des Jugendlichen überzeugt. Gemeinsam wollen sie Claude so gut es geht fördern, doch die Aufforderung zur Fortsetzung des Aufsatzes scheint unvorhersehbare Ereignisse ins Rollen zu bringen…

„In ihrem Haus“ (Originaltitel: „Dans la maison“), der neuste Film des französischen Qualitätsregisseurs François Ozon („Swimming Pool“, „8 Frauen“), ist ein feines, kleines Kammerspiel, in dem schon bald die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Puppe und Puppenspieler zu verschwimmen scheinen, und dessen Ende nur Verlierer kennt. Spannend? Ungemein!

 

 

„Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (2013)

Stirb langsam 5 (Plakat)Wieso? Wieso habe ich 98 Minuten meines Lebens für diesen Film verschwendet?

Wieso? Wieso rasseln Hollywood-Regisseure (hier: John Moore) auch zwanzig (!) Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs (Und: ja, das neuste „Stirb langsam“-Machwerk spielt in der Obama’schen Gegenwart!) noch Drehbuchhandlungen á la „Böser, dummer Russe vs. guter, idealistischer Ami“ herunter?

Wieso? Wieso kann man dann nicht wenigstens die Dialoge etwas humoriger – und weniger platt! – gestalten?

Wieso? Wieso tut sich Bruce Willis den fünften Leinwandausflug als New Yorker Bulle John „Schweinebacke“ McClane noch an? Wieso kann nicht wenigstens er, der ja hin und wieder (zuletzt etwa im tollen „Looper“) richtig tolle Rollen spielt, in Würde altern? Was soll’s – dann packe ich ihn eben in die „Eigentlich First Class-Schauspieler, die nur noch Mist abliefern“-Schublade, in der bereits seine Kumpels Liam Neeson, Denzel Washingston und Samuel L. Jackson friedlich schlummern und auf die nächste Karrierekiller-Rolle warten. Und. Schaue. Nicht. Mehr. Rein.

Wieso? Wieso sollte ich hier mehr zum Film schreiben? Die Story ist dünn, steckt voller logischer Trugschlüsse, und hetzt seine Darsteller mit Plattitüden im Gepäck fröhlich ballernd zwischen Moskau und Tschernobyl hin und her. Zwar habe ich keinesfalls etwas gegen gute Popcorn-Action-Unterhaltung, aber das hier ist einfach ein auf Zelluloid gebanntes Ärgernis! Gebt mir bitte eine Leinwand, auf die ich meine Fäkalien schmieren kann! – Das hätte zumindest irgendwo eine künstlerische Rechtfertigung, und sähe besser aus als dieser Film…

 

 

„Mission To Lars“ (2012)

Mission to Lars (Plakat)Tom Spicer hat im Grunde nur einen Wunsch: er möchte Lars Ulrich, den Schlagzeuger seiner Lieblingsband Metallica, treffen. Und was für „normale“ Menschen bereits ein kleines Ding der Unmöglichkeit darstellen dürfte, scheint bei Tom – zumindest theoretisch – ausgeschlossen. Denn Tom leidet am Fragiles-X-Syndrom, einer Erbkrankheit und starken Behinderung, welche zu Sprachstörungen, Lernschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefiziten führt. Doch zum seinem Glück versprechen ihm seine Geschwister Kate und Will, ihn bei der Erfüllung seines größten Traums zu unterstützen. Gemeinsam, und mit einer Kamera bewaffnet, machen sie sich aus dem englischen Bristol auf ins weit entfernte Kalifornien. Dort wird Kate und Will schnell klar, dass sie noch weniger über die Behinderungen und Eigenarten ihres großen Bruders wussten als befürchtet, denn Tom hat panische Angst vor lauter Musik (!) und Menschenmengen. Und sagt plötzlich, dass er Lars – nach 20 Jahren des Bettelns – nun gar nicht mehr treffen möchte…

Mission To Lars“ begleitet einen autistischen Heavy Metal-Fan bei der Erfüllung seines Traums, und seine Geschwister dabei, einen Menschen kennen zu lernen, der zwar auf dem Papier ihr großer Bruder sein mag, den sie jedoch bislang kaum kannten. Heraus kommt die etwas andere Variante einer Musikdokumentation, und ist ebenso kurzweilig wie herzerwärmend.

 

 

„Warm Bodies“ (2013)

Warm Bodies (Plakat)R (Nicholas Hoult) ist wohl das, was man in den Neunzigern als „Slacker“, sprich: als nutzlosen Tagträumer und Herumtreiber, bezeichnete. Nichtstuend schleicht er über die Flure des heimischen Flughafens, hängt seinen wirren Gedanken nach, und lebt minimalistisch von einem Tag in den nächsten. Doch wer sich jetzt bereits ein vorgefertigtes Bild in den Kopf gesetzt haben mag, sollte dieses schnellstens wieder verwerfen, denn R ist ein Zombie! Ein Untoter, der sich weder an seinen vollständigen Namen noch an den Grund, aus dem er zum Zombie wurde, erinnern kann. Er ist ein Wesen, das weder schläft noch träumt, und sich von Fleisch und Gehirn der wenigen überlebenden Menschen ernährt. Die haben sich hinter einer hohen Mauer verbarrikadiert, und harren in ständiger Angst der kommenden Dinge. Doch eines Tages trifft R das menschliche Mädchen Julie (Teresa Palmer), und plötzlich weiß er nicht, wie ihm geschieht. Will er sie töten, sie gar fressen? Nein, er will sie beschützen! Was ist nur mit ihm los? Und was zur Hölle ist dieses warme Gefühl, das da plötzlich in ihm zu lodern beginnt? Auch Julie merkt schnell, dass R anders ist als die anderen Zombies…

Der Trailer zu „Warm Bodies“ ließ schon vor einiger Zeit erkennen und hoffen, dass der Film von Regisseur Jonathan Levine, welcher auf dem gleichnamigen Roman von Isaac Marion basiert, eine äußerst unterhaltsame und abwechslungsreiche Zombie-Komödie abgeben würde – und dass trotz der Tatsache, dass auch in diesem Genre Filme wie „Shaun Of The Dead“ oder „Zombieland“ die Messlatte nicht eben niedrig angesetzt haben. Doch alles in allem wird der Zuschauer während der 97 Minuten nicht enttäuscht und darf sich in diesem launigen Mix aus Semi-Splatter, Komödie und Teenie-Schnulze, bei der die Tatsache, dass das Hauptdarstellerpaar frappierend an die „Twilight“-Vampire Bella und Edward erinnert, wohl keine spitzfindige Zufälligkeit darstellt, prima unterhalten lassen. Dickes Plus: Charaktermime John Malkovich gibt hier den verwirrten Zombie-Gegenspieler und eifersüchtigen Vater. Der Zombie, mein Liebhaber? Romeo und Julia treffen sich nach der Apokalypse, und zum Hauptgang des Candlelight Dinners darf am Hirn geknabbert werden… Wohl bekomm’s!

 

 

Rock and Roll.

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