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Zu kurz gekommen – Teil 14


…But Alive – Nicht zynisch werden?! (1995)

-erschienen bei Weird System-

Wir haben uns entschieden / So wie die meisten / Fürs Rattenrennen / Und fürs Eigenheim leisten / Du blickst herab / Mit diesem Wissen was los ist...“ Liedermacher Niels Frevert sitzt 2008 im von Rotwein getränkten, überaus selbstreflexiven Kettcar-Song „Am Tisch“ in einer stylish-schicken Altbauwohnung und schaut zu seinem Freund Marcus Wiebusch hinüber, dem kauzig-arroganten grumpy old leftie, der seit jeher wohl alles immerzu besser wusste. Doch jener Wiebusch hadert Sekunden später selbst mit sich: „Ein Toast / Auf das Leben / Das Glück / Nur ich, ich komm‘ nicht mehr mit / Mit dem Leben / Dem Glück…“ Die Klarheit der Jugend, hinfortgerissen im Taumel der immergleichen Tagesroutinen. Nicht nur Niels, auch Marcus ist jetzt Teil jener Kraft, die stets Gutes will, aber oft gar nichts schafft: den Linksliberalen.

Dreizehn Jahre vor dem „Tisch“ sind die Fronten wesentlich klarer: „Die Feigheit hat einen Namen, linksliberal„, rotzt der Hamburger Wiebusch, damals vergleichsweise juvenile 26 Jahre jung, mit seiner ersten echten Band ..But Alive auf „Natalie“ vom zweiten Album „Nicht zynisch werden?!“ seine Wut in die Welt – und er hat in den Neunzigern eine Menge davon. Bereits beim Opener „Nennt es wie ihr wollt“ widmet sich der stets latent sprechsingende Frontmann dem Ausverkauf der eigenen (Punk-)Szene. Einem Ausverkauf, der eben im Alter – zumindest für die Glücklichen, die Sesshaften, die Spießigen – doch zum Eigenheim führt. Als Fundament dient ihm der wie aus einem Guss gespielte Mix aus melodischen Punk-Rock-Refrains und tempiwechselnden Metal-Attacken, der …But Alive während ihrer acht Bandjahre so unverkennbar machte.

Ähnlich wild fliegt „Aus und vorbei“ vorbei: Loriot-Zitat, Ska-Off-Beats, brutale Riffs und das nötige Pathos im Refrain – „Ein Hype, ein Star, ein Schuss – und dann C&A und Schluss“ – reichen Wiebusch für seine Abrechnung mit dem Generation X-Framing durch die Mehrheitsgesellschaft. Wie ein Chirurg zerlegt er den aufgedrückten Brand in der ersten Strophe: „Zuerst war alles nur ein Buch / Und jeder wusste, wer wir sind / Nur wir leider nicht…“ Das erwähnte „Buch“? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl „Generation X“ von Douglas Coupland, welches den sogenannten „Baby-Boomern“ zwar ein einprägsames Label aufdrückte, dafür jedoch recht wenig Lebenshinweise mit auf den Weg gab. Wiebusch steht damit im Geiste der Boxhamsters, die sich vier Jahre zuvor auf „Zu klein“ ebenfalls gegen die Ausweglosigkeit wehren: „Wir hatten nie ‚No Future‘ und glaubten an die Zeit...“

Überhaupt hadert der Kopf von …But Alive in jenen jungen Jahren – im Gegensatz zur späteren Weinprobe im gediegenen Eigenheim – weniger mit sich, sondern nimmt es mit der Szene, der Gesellschaft, mit alten Freunden wie neuen Feinden zeitgleich auf. Stets mit Schaum vorm Mund, und immer in der Überzeugung, zu wissen, was los ist. Auf dem 1993er Debüt „Für uns nicht“ schlägt er lyrisch noch ungestüm – und deutlich wilder – um sich. Der obligatorische Anti-Nazi-Song „Nur Idioten brauchen Führer“ sorgt im Kampf der Neunziger gegen die rechten Glatzen für Zusammenhalt bei bedrohten Konzerten, „Für immer 16“ interpretiert Peter Maffays „Ich möchte nie erwachsen sein“ und Alphavilles „Forever Young“ auf Punkig-Hanseatisch, in „Ohnmacht“ sprengt er 1991 als Terrorist Bayer und Hoechst in die Luft.

Schaut man sich heute, etwa drei Dekaden später, den Text von „Ohnmacht“ noch einmal genauer an, wandert man schnell in Gedanken über die Brücke ins Camp der Letzten Generation und fragt sich, warum die Generationskolleg*innen der „Generation X“ seinerzeit nicht mehr getan haben: „Oh, seht uns an, wir stehen vor den Trümmern dieser Zivilisation / Ein paar clevere Affen erfanden das Rad / Hier kommt die letzte Generation / Die noch ein bisschen menschenwürdig leben kann / Die Gräber stehen bereit„, und später: „Erzählt mir nichts von Recht und Ordnung / Wenn irgendeiner hier Amok läuft / Wenn morgen Regionen zu Wüsten werden und halb Indien ersäuft.“ Die Weitsicht, die Aktualität dieser Zeilen ist erstaunlich, sollte jedoch vor allem zu denken geben.

Andererseits sieht Wiebusch jedoch selbst die Machtlosigkeit solcher, stets vor allem von Parolen getriebener Musik und distanziert sich bereits zu …But Alive-Zeiten von jener naiv-zornigen Anfangsphase: „Ich habe Musik mit 16, 17, 18 tatsächlich als Waffe gesehen (…) Wenn ich singe: ‚Ohnmacht, ich spreng‘ euch alle weg!‘, dann ist das meine Meinung, und ich will, dass das alle anderen auch so sehen (…) Einen Song wie ‚Ohnmacht‘ wird es von mir nie wieder geben.“ Ebenso kontrovers dürfte Wiebusch rückblickend den Song „Ich möchte Ilona Christen die Brille von der Nase schlagen„, der 1997 zunächst auf der Split-7″ mit der kanadischen Hardcore-Band I Spy und später auf dem dritten Album „Bis jetzt ging alles gut…“ erschien, sehen, schließlich wird dort TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers in einer Textzeile als „Quotenhure“ bezeichnet. Das brachte der Band bereits damals – lange vor Internet-Shitstorms, #MeToo und Co. – den Vorwurf des Sexismus ein – die Kritik mag, Punkszene hin oder her – berechtigt gewesen sein, der Vorwurf könnte bei einem wie Wiebusch, der sich später bei jeder sich bietenden Gelegenheit für Homosexuelle, für Flüchtlinge oder Frauen- wie Tierrechte stark machte, jedoch falscher kaum sein.

Musikalisch jedoch überzeugen die 1991 gegründeten Hamburger von …But Alive von Anfang an und fanden schnell eine komplett eigene Szenennische zwischen Hafenstraße und Hamburger Schule. Hardcore Punk, Rap, Ska, Metal und Indie Rock …forming like Voltron. Hagen van de Viven zelebriert an der Leadgitarre, Marcus Wiebusch sorgt als Nachwuchs-James Hetfield an der zweiten Klampfe für eine Punk-untypische, mächtige Soundwand. Schlagzeuger Frank Tirado-Rosales (der Wiebusch später zu Kettcar folgen und selbigen bis 2010 treu bleiben wird) baut immer wieder Breaks und Grooves ein, die den biertrunkenen Kopf zwischen Headbangen, Nicken und Schütteln ganz wuschig werden lassen. Nur am Bass wechseln sich, ebenfalls verdammt Metallica-like, die Bandkollegen häufig ab. Es gibt und gab keine andere Punk-Rock-Band, die so klang wie …But Alive, und kein zweites deutschsprachiges Album fasst das Leben der Neunziger wohlmöglich so prägnant und nachhaltig in Worte wie „Nicht zynisch werden?!“ Steile Thesen? Genau. Aber, vor allem was letzteren Punkt betrifft, eine begründete, denn in den 15 Songs (zählt man den feinen Akustikgitarren-Hidden Track „Betroffen aufessen“ mit) kanalisiert Marcus Wiebusch seinen angestaunten Hunger, der Welt zu erzählen, was zur Hölle los ist, ohne ihr jedoch von oben herab zu predigen, was sie tun soll. Und: Er findet hier erstmals wirklich zu seinem noch später bei Kettcar so unnachahmlichen Stil aus Punchlines und Poesie, aus Parole und Meta-Ebene. In den Zwei-bis-drei-Minuten-Punk-Tiraden verdichtet er seine Gedanken so stark, dass ihm meist nur eine Zeile genügt, um eine ganze Generation – dieses Mal würdig – zu beschreiben.

Wer gebraucht wird, ist nicht frei / Wer braucht, wird niemals frei sein“ und „Ganz egal, welchen Weg wir wählen / Nur die Momente sind es, die zählen.“ Für die Außenwirkung mag da ein baumlanger angepisster Punk am Mikro stehen, im Herzen jedoch sitzt hier ein Rapper, so sehr und hervorragend wie etwa bei „Weißt nur was du nicht willst“ kluge Punchlines mit diversen Schichten und Ebenen mit den melodischen Leads und dicken Midtempo-Grooves harmonieren. Weitere Beispiele gefällig? „Und zwischen den Verträgen / Sucht jeder das Leben“ („Überall„) oder „Nichts ist brutaler als Moral / Die nur sich selbst genügt“ („Lasst es ihre Entscheidung sein„). Wiebusch verkopft hier (noch) nicht, textet nicht zur reinen Selbstgefälligkeit, sondern bleibt mit beiden Füßen auf der dreckigen Straße.

Für die Kleinkinder der Achtziger, die nur allzu gern und aus lauter Trägheit vom Gartenzaun aus die Welt verändern wollen, sind Bands wie …But Alive Mitte der Neunziger die Stimme der Vernunft und Menschlichkeit. Eine Stimme, der im AJZ alle folgen konnten, die den ganzen rechtskonservativen, heute verdammt AfD-nahen CDU-Dreck der Neunziger genauso ablehnten wie den dogmatischen DDR-Schwachsinn der KPD-Deppen und die abgrenzenden Political Correctness-Pamphlete der Autonomen. Denn „nichts ist schwarz-weiß“ und wenn du vergisst, wo du herkommst, wirst du dich selbst verlieren. Wiebusch wusste das und setzt seine Kraft auf die Liebe: „Es kommt nur auf dich und mich an / Und dann ist der Rest der Welt dran“ („1 + 1= 3„) und ganz besonders im wohl schönsten Refrain des Albums: „Mich interessiert nicht, was du weißt / Sondern nur, woran du glaubst / Mich interessiert nicht, was du hast / Sondern nur, was du brauchst“ („Keine Gegensätze„).

„Nicht zynisch werden?!“ mag zwar kein allumfassender Meilenstein sein, ist jedoch mit seiner Kompaktheit und dem zwischen den Rumpel-Rhythmen sorgsam versteckten Pop-Appeal eines der lyrisch größten deutschsprachigen Alben der Neunziger, stetig vibrierend zwischen dem naiven Hunger der Jugend und der wachsenden Selbsterkenntnis eines Dichters und Denkers. In jenen Zeiten profitieren neben …But Alive auch die Ska-Kollegen von Rantanplan und Slime für ihr Opus Magnum „Schweineherbst“ von Wiebuschs Einfluss.

Dennoch ist die Weiterentwicklung – oder besser: das Erwachsenwerden – freilich weder lyrisch noch musikalisch aufzuhalten. Bereits beim dritten, zwei Jahre darauf erscheinenden …But Alive-Album „Bis jetzt ging alles gut…“ schleichen sich Indie-Rock-Anleihen zwischen Wiebuschs immer kryptischere und verschnörkeltere Zeilen und bilden beim vierten und finalen 1999er Werk „Hallo Endophin“ bereits des Rudels Kern. Ein Jahrtausend endet, und mit ihm auch …But Alive und deren Traum vom Kampf für Punk-Rock-Ideale. Der Weg für Kettcar, der Weg in die Linksliberalität, die Altbauwohnung und ins vermeintliche Glück war frei. Dass Marcus Wiebusch für die Veröffentlichung des Kettcar-Debüts „Du und wieviel von deinen Freunden„, welches damals keinen Vertrieb fand, gemeinsam mit Kettcar-Bassist Reimer Bustorff und dem damaligen Tomte-Frontmann Thees Uhlmann mit Grand Hotel Van Cleef ein eigenes Label aus der Taufe hebt, das auch heute, dreißig Jahre später, noch bestens floriert? Ist eine andere Geschichte (die jedoch vor allem beweist, dass man den Punker im Herzen nie so ganz gehen lassen sollte)…

Wenn es noch so bitter ist: Was bleibt, ist die Erkenntnis / Im Falschen nichts richtig, ob im Nehmen oder Geben / Dass wir alle nur eine Lüge leben / Und es muss mehr als das hier geben…“ („Natalie„)

Rock and Roll.

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Song des Tages: BRUTUS – „Victoria“


Foto: Promo / Eva Vlonk

Gut drei Jahre hat sich das belgische Trio Zeit gelassen, nun werfen BRUTUS immer mehr vielversprechende Songschatten ihres dritten Langspielers voraus. Der neuste hört auf den Titel „Victoria“ und ist nach „Liar“ und „Dust“ bereits der dritte Appetithappen vom kommenden, am 21. Oktober erscheinenden Album „Unison Life„.

Sängerin Stefanie Mannaerts verrät, worum es in der neuen Single geht: „‚Victoria‘ handelt vom Älterwerden. Man weiß, dass das Erwachsenenleben hinter der Ecke lauert, aber man hat keine Angst vor dem, was kommt, weil wir alle gemeinsam untergehen werden.“ Zudem enthält ‚Victoria“ die Zeile „This is our unison life, my friend / This is the end“, welche Bassist Peter Mulders dazu inspirierte, „Unison Life“ als Titel für den Nachfolger des 2019er Langspielers „Nest“ vorzuschlagen. Peter verrät: „‚Victoria‘ hat sich für uns immer nostalgisch angefühlt. Zurück zu den alten BRUTUS-Tagen! Das Gitarrenriff gibt es schon seit 2013, aber erst jetzt erstrahlt es in einem kompletten Song. Was als ruhigerer Song mit normaler Songstruktur gesehen werden kann, hat sich für uns als großer Schritt herausgestellt. Wir können uns nicht hinter Effekten, Tempowechseln, Shouts oder Blasts verstecken.“

Für das Musikvideo zu ‚Victoria“, welches musikalisch einmal mehr mit gebündelter Intensität aufwartet und in seinen viereinhalb Minuten zwischen Post Rock, Progressive Rock, Alternative Rock und Post Hardcore pendelt, reisten BRUTUS mit Regisseur Jonas Hollevoet durchs heimische Belgien, um für das Visuelle das nostalgische Gleichgewicht zwischen Jung und Alt, Alleinsein und Zusammensein zu suchen. Zu sehen sind die Bandmitglieder (und einige Gäste), wie sie Schilder mit einzelnen Textzeilen an Orten hochhalten, an denen die Menschen einfach nur im Moment leben. Die Reaktion des Publikums um sie herum ist durchweg faszinierend: einige schauen neugierig zu, andere ignorieren sie völlig, und gelegentlich gibt es Gruppen, die verzweifelt versuchen, an der Aktion teilzunehmen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sarah King – „War Pigs“


Obwohl tatsächlich nie als Single veröffentlicht, ist „War Pigs“ einer der ikonischsten Songs von Black Sabbath – und für manche gar einer der besten Metal-Songs überhaupt. Kein Wunder also, dass das Stück seit Erscheinen im Jahr 1970 (auf dem Album „Paranoid„) von zahlreichen Bands und Künstlern von Faith No More über Cake oder First Aid Kit bis hin zu The Dresden Dolls gecovert wurde.

Eine der neusten – und wohl zweifellos bislang ungewöhnlichsten – Interpretationen stammt von Sarah King. Und anstatt den Song ähnlich rabiat zum Besten zu geben wie seinerzeit Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward, entschied sich die Roots-Rock-Singer/Songwriterin aus Vermont, mal eben beinahe alles zu ignorieren, was „War Pigs“ seit einem halben Jahrhundert so unverwechselbar, so unverkennbar macht. Stattdessen stellt sich die US-Musikerin den Song als etwas vor, das Folk-Hippies vom Greenwich Village bis hinüber nach San Francisco wohl in den Sechzigerjahren veröffentlicht hätten: einen Anti-Kriegs-Protestsong.

So lässt Sarah King etwa das bekannte sludgy anmutende Intro komplett weg und beginnt direkt mit den Textzeilen „Generals gathered in their masses / Just like witches at black masses“, während ihre einsame Akustikgitarre abwechselnd den Platz von Bill Wards Schlagzeug sowie den Saiteninstrumenten von Tony Iommi und Geezer Butler einnimmt. Auch „Luke’s Wall“, das Outro, ist in ihrer Version verschwunden. Das spontan innerhalb von zwanzig Minuten live im Studio eingespielte Ergebnis lenkt so die Aufmerksamkeit des Hörers auf den berühmten Anti-Kriegs-Zeilen des Songs, welche klar und deutlich jene Leute aus Politik, Wirtschaft und Co. verurteilen, die anderen zwar den Krieg erklären, aber selbst nicht kämpfen. So wird „War Pigs“ fünfzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung vom Metal-Banger zum gleichsam düstren wie klassischen Protestsong…

Rock and Roll.

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Song des Tages: BRUTUS – „Cemetery“ (live in Ghent)


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Gute Nachrichten von Belgiens zweifellos bester Krawall-Band: BRUTUS haben mit einem Mitschnitt von „Cemetery“ ihr Livealbum „Live in Ghent“ angekündigt. Nachdem Stefanie Mannaerts, Peter Mulders und Stijn Vanhoegaerden – wie so viele andere Bands und Künstler auch – ihre Tourpläne für das laufende Jahr aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen verwerfen mussten, konserviert das belgische Post Hardcore-Metal-Trio mit seiner im Mai 2019 aufgenommenen Show in der Handelsbeurs-Halle in Ghent ihre konzentrierte Live-Atmosphäre auch für die Zeit während des Konzertstopps.

7019@400Nach „Fire“ und „Sugar Dragon„, die BRUTUS‘ Live-Präsenz mal von immersiver Atmosphäre, mal von entfesselten Russian Circles-Gitarren und dem heiseren Keifen von Sängerin und Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts dominiert zeigten, ist „Cemetery“ bereits die dritte geteilte Aufnahme aus dem nun für den 23. Oktober angekündigten Livealbum, welches 13 Songs aus ihren beiden Alben „Burst“ und „Nest“ versammelt.

„Als die Welt da draußen Anfang März in den Lockdown ging, konnten wir ein Jahr Live-Musik sich vor unseren Augen in Luft auflösen sehen“, erklärt Mannaerts. „Auf Tour gehen, Festivals spielen, Bands anschauen, das alles war mit einem Mal weg. Das war schwer für uns, es war schwer für alle, die mit Live-Musik zu tun haben. Als Gegenmaßnahme nahmen wir uns etwas Zeit, auf unsere bisherige Arbeit zurückzuschauen und haben Material von alten Shows zusammengetragen. Das war schmerzhaft und heilsam zugleich. Dann stolperten wir über unsere Show im Handelsbeurs in Ghent vom Mai 2019. Ein Konzert in unserer Heimatstadt, das wir vor unseren Freunden und Verwandten komplett auf Film festhielten, nachdem wir von einer langen Zeit auf Tour zurückgekommen waren. Wir wissen, dass es nur eine Aufnahme ist und nicht einmal ansatzweise an das echte Gefühl rankommt, das wir auf der Bühne hatten, oder an die Energie, die uns Menge im Raum zurückgab, aber beinahe ein Jahr später sind wir absolut stolz auf diese Show, wenn wir zurückblicken.“

Zum nostalgischen Hintergrund des Albums passt auch das Cover-Artwork von „Live in Ghent“, das den Stiefsohn von Bassist Peter Mulders beim Verfassen einer Setlist für die aufgezeichnete Show zeigt. Und so ganz müssen übrigens aktuell weder BRUTUS noch ihre Fans auf Live-Erlebnisse vor der Bühne verzichten, denn diesen Monat wagte sich die Band als eine der ersten an erste Konzerte in pandemiekonformer Konzeption, die vor einem sitzenden Publikum à 400 und 100 Besuchern in den belgischen Städten Antwerpen und Oostende stattfinden konnten…

 

 

Rock and Roll.

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„Hail Santa!“ – Die Socken rocken Weihnachten


Immortal-Christmas

Nichts schreit lauter nach Weihnachten als Sockenpuppen und… Black Metal? Höchste Zeit also für „SockPuppetParody„, um mit ihrer neusten Idee von „Unsterblichen Weihnachten“ zurückzukehren.

Die neueste Ausgabe des Sockenpuppen-treffen-auf-Musikklassiker-YouTube-Kanals (von dem bereits vor gut einem Jahr auf ANEWFRIEND die Schreibe war) bietet eine neue Sichtweise auf die Geschichte von Frosty the Snowman, die heavy, rachsüchtig und düster daher kommt, wenn die Metal-Fußüberzieher von „Immortal Christmas“ an einem Schneemann-Bauwettbewerb teilnehmen – und die Konkurrenz schlußendlich auf höchst metallische Art und Weise schachmatt bangen…

a2045326607_16Denn als „Frostbite the Snowman“ von den anderen Teilnehmern des Wettbewerbs verspottet wird, gießt das nur noch mehr Öl ins Zorn-Feuer des Kältekugelmanns. Wie in der neuen Feiertagsparodie zu Frostbites Geschichte zu lesen ist: „There may have been a conjuring / That birthed Frostbite’s disdain / For his scream dawned an avalanche / That consumed all in its wake.

Am Ende krönt der – natürlich metal-affine – Weihnachtsmann Frostbite zum Gewinner, während „Immortal Christmas“ den Sieg mit einem hart-aber-herzlichen „Hail Santa!“ begrüßen – passt schon, wenn man bedenkt, dass Santa und Satan nur einen kleinen Buchstabendreher voneinander entfernt winken…

(Übrigens: Wenn ihr die dezent abgedrehte Version dieses Weihnachtsklassikers mögt, findet ihr die Audioversion der Geschichte von „Frostbite the Snowman“ via Bandcamp.)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lissie – „Mother“


Lissie

Ich behaupte mal: Wer den Danzig-Gassenhauer „Mother“ nicht kennt, der (oder die) hat in seligen Jugendtagen wohl nie in irgendeiner gottverlassenen Indie-Disko versucht, das juvenil wallende Haupthaar im mit pubertären Schweiß benässten Heavy-Metal-Headbanger-Moshpit zu schütteln. Kennste einfach, den nun auch schon wieder mehr als drei stolze Jahrzehnte jungen Song – so man denn dem ein oder anderen mittelharten Saitenlaut nicht abgeneigt ist…

Danzig_-_Mother_single_coverSollte übrigens – etwa bei der nächsten Kneipenquiz-Runde oder bei spätabendlichen Musiknerd-Fachsimpeleien – ebenjenes „Mother“ zur Sprache kommen, so gebe ich euch hiermit ein, zwei Fakten rund um den nimmermüden Danzig-Hit mit an die Hand, mit welchen ihr im Zweifel glänzen könnt… Alrighty?

So nahm die US-Heavy-Metal-Band um Frontmann Glenn Danzig das Stück anno 1988 gemeinsam mit der heutigen Musikproduzenten-Koryphäe Rick Rubin (der sich damals viel für musikalische „Randphänomene“ wie Hip Hop oder Metal interessierte)  für deren im selben Jahr veröffentlichtes selbstbetiteltes Debütwerk auf – allerdings ohne die feste Absicht, damit einen Dekaden überdauernden Genre-Klassiker zu liefern. Glenn Danzig gab 1994 Folgendes über die Entstehung Preis: „I remember calling Rick Rubin in the middle of the night and telling him that I wrote an incredible song – probably the best song I’d ever written. It was the song I always wanted to write. The first time we played it, people went crazy. But I never wrote that song to make it a hit – I never wrote that way, and I still don’t. I write songs so that they say something and do something, and if people like them, great – and if they don’t, they don’t.“

Und: „Mother“ ist nicht etwa ein pommesgabelnes, düsteres Tribute an Glenn Allen „Danzig“ Anzalones werte Frau Mama, sondern tatsächlich Tipper Gore gewidmet. Diese – ihres Zeichens (damalige) Ehefrau des späteren demokratischen US-Vize-Präsidenten Al Gore – sorgte, ausgelöst in einem Moment elterlich-konservativer Erschrockenheit, als sie ihre Tochter dabei „erwischte“, als diese den Prince-Song „Darling Nikki“ hörte, Mitte der Achtziger dafür, dass bestimmte Alben und Singles, die Songs mit (nach ihrem Verständnis) explizit nicht jugendfreien Inhalten enthielten, mit dem berüchtigten „Parental Advisory„-Sticker „gebrandmarkt“ wurden. Dass sich ebenjene „Auszeichnung“ (mit „Preisträgern“, deren Liste nicht nur bereits erwähnten Prince, sondern wenig später auch Frank Zappa, Mötley Crüe, Madonna, AC/DC, Black Sabbath oder gar Cyndi Lauper umfasste) im Laufe der Zeit zu einem zusätzlichen Kaufanreiz gerade unter Heranwachsenden entwickelte? War wohl von Tipper Gore und dem unter anderem von ihr zum „Schutz“ der Jugend ins Leben gerufenen „Parents Music Resource Center“ kaum so beabsichtigt – aber wohl auch abzusehen, schließlich tönen verbotene Früchte schon immer besonders verlockend… Wenig verwunderlich war ebenso, dass sich Al Gore und seine Frau mit diesem Versuch, der US-Musikkultur ihren Spießer-Stempel aufzudrücken, nicht eben beliebt beim lärmenden Heavy-Metal-Lederkuttenträger Glenn Danzig machten. So erzählte dieser Jahre später in einem Interview„Al Gore wanted to tell people what they could listen to and what they couldn’t…it was basically coming down to the idea that he wouldn’t let anybody record any music that he didn’t think you should be doing. There was going to be an organization that would tell you what you could and couldn’t record. And certainly if you couldn’t record it, you couldn’t put it out. It was really fascist.“

81t1VULK1JL._SS500_Wie jeder waschechte Evergreen wurde „Mother“ im Laufe der Jahre natürlich auch von zig Künstlern und Bands aus ebenso vielen Genres gecovert – die Liste reicht von Sleater-Kinney über Ryan Adams, Tim McIlrath (Rise Against), Coheed and Cambria, Motionless In White, Umphrey’s McGee, Wye Oak, Kristofer Åström, Brass Against oder die deutschen Spaß-Metaller von J.B.O. (die unter dem Decknamen „Glenn Leipzig“ mit „Mudder“ 2005 eine semi-witzige sächsische Variante veröffentlichten) bis hin zu Elisabeth Corrin „Lissie“ Maurus. Die US-Indie-Folkrockerin, die davor mit Coverversionen von Metallicas „Nothing Else Matters“ oder Lady Gagas „Bad Romance“ ja bereits hörbar unter Beweis gestellt hatte, dass ein Landei aus dem US-amerikanischen Mittleren Westen durchaus etwas davon versteht, ordentlich zu rrrrrocken, nahm 2014 für ihre (zweite) Coversong-EP „Cryin‘ To You“ ebenfalls eine zwar recht am Danzig’schen Original gehaltene, jedoch durchaus amtlich saitenschwingende Variante von „Mother“ auf…

 

 

„Mother
Tell your children not to walk my way
Tell your children not to hear my words
What they mean
What they say

Mother
Mother
Can you keep them in the dark for life
Can you hide them from the waiting world

Oh mother
Father
Gonna take you daughter out tonight
Gonna show her my world

Oh father
Not about to see your light
But if you wanna find hell with me
I can show you what it’s like
Till your bleeding
Not about to see your light
And if you wanna find hell with me

I can show you what it’s
Mother
Tell your children not to hold my hand
Tell your children not to understand

Oh mother
Father
Do you wanna bang heads with me
Do you wanna feel everything

Oh father
Not about to see your light
And if you wanna find hell with me
I can show you what it’s like
Till your bleeding
Not about to see your light
And if you wanna find hell with me
I can show you what it’s

Yeah
Not about to see your light
But if you wanna find hell with me
I can show you what it’s like
Till your bleeding
Not about to see your light
And if you wanna find hell with me
I can show you what it’s like
Mother
Yeah…“

 

Rock and Roll.

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