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Song des Tages: Angie McMahon – „Pasta“


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Mal eben eine kleine Aufzählung: Gang Of Youth, Courtney Barnett, The Jezabels, Nick Murphy (fka. Chet Faker), Middle Kids, King Gizzard & The Lizard Wizard, Moaning Lisa, Tame Impala, Amyl and the Sniffers, Tash Sultana, Polish Club, Ziggy Alberts, West Thebarton… Was haben all diese gemeinsam? Na? Allesamt tolle Bands und/oder KünstlerINNEN aus dem Land, wo die Kängurus springen und Aborigines links und rechts des Uluru (aka. Ayers Rock) ihre Bumerangs werfen. Die hierzulande vereinzelt – bislang noch – einem kleinen Publikum etwas sagen mögen (von manchen war auf ANEWFRIEND sogar bereits zu lesen, von anderen wird wohl noch zu lesen sein), in jedem Fall jedoch den ein oder anderen Hörversuch wert sind. Fakt ist: die australische Musikszene ist seit Crowded House, Natalie Imbruglia, Angus & Julia Stone oder den Go-Betweens keineswegs stehen geblieben, oder mit dem großen Nick Cave ins nasskalte koloniale Mutterland entschwunden…

Der eine bestimmte Musikerin fehlt auf obiger Liste definitiv noch: Angie McMahon. Klingelt’s noch nicht? Macht nix.

In ihrem Heimatland ist die Newcomerin aus Melbourne jedoch schon längst mehr als ein flüsterleiser Geheimtipp. Bereits ihre ersten, 2017 beziehungsweise 2018 veröffentlichten Singles „Slow Mover“ und „Missing Me“ sowie die darauf folgenden Songs „Keeping Time“ und „Pasta“ mauserten sich in der Indie-Szene von „Down Under“ zu kleinen Erfolgen. Egal, ob es in ihrer Heimat um Nominierungen zum „Song des Jahres“ (bei den australischen APRA-Awards) oder als „Breakout Artist of the Year“ (der australischen Vereinigung unabhängiger Plattenfirmen AIR) ging – die Experten hatten die Mittzwanzigerin durchweg auf dem Zettel, das Publikum sang alsbald fleißig mit. Das blieb natürlich auch den Kennern außerhalb des Kontinents nicht verborgen. Bald schon war Angie McMahon als Support von Größen wie Father John Misty, Angus & Julia Stone, den Pixies, Mumford & Sons oder auch The Shins unterwegs, spielte Headliner-Shows auf der ganzen Welt sowie auf mehreren Festivals – wie etwa dem diesjährigen South by Southwest Festival (SXSW) in Austin, Texas, bei dem sie „Mr. Country Pothead“ himself, Willie Nelson, sogar für einen Liveaufrtitt auf seine Ranch einlud (leider ist nicht überliefert, ob good ol‘ Willie dem Ehrengast denn auch einige Blunts reichte). Keine Frage: Mittlerweile zählt Angie McMahon zu den freshsten Indie-Musikexporten Australiens.

5056167115168.jpgUnd so hatte man ihr im Juli erschienenes Debütalbum natürlich mit Spannung erwartet. Mit jeder Menge Demos im Gepäck, die sie im Laufe der letzten Jahre in ihrem Schlafzimmer aufgenommen hatte, zog sich McMahon, die Bruce Springsteen, Adele, Angel Olsen, Nick Cave und Leonard Cohen zu ihren größten Inspiratoren zählt (während früher im Elternhaus auch Bob Dylans oder Johnny Cash liefen), zusammen mit dem Co-Produzenten und Bassisten Alex O’Gorman in ein angemietetes Landanwesen unweit ihrer Heimatstadt zurück. Dort ging dann alles ganz schnell. Gerade mal eine Woche sollen die Aufnahmen zu „Salt“ gedauert haben. Kann man mal so machen.

Herausgekommen sind elf Songs, die eine ziemlich große Bandbreite abdecken – von zarten, geradezu flüsternden Bedroom-Balladen bis hin zu schlagkräftig rumpelndem Indie Rock ist quasi alles dabei. Man sollte die Platte zwar mehrmals hören, damit sie sich in ihrer ganzen Finesse erschliesst. Gibt man „Salt“, diesem Sammelsurium voller wie beiläufig indierockender Intimität, Schmerz und Wut, eine echte Chance, wird man jedoch belohnt. Denn die vielversprechende Musikerin mit der herrlich rauen Stimme zeigt, dass sie – aller Juvenilität zum Trotz – eine gute Storytellerin ist. Eine, die in ihren Texten die mal beiläufigen, mal brutalen Lektionen behandelt, die das Leben ihr bislang erteilt hat. Eine, die mal schnoddrig, mal verletzlich klingt, die sich jedoch stets aus einer melancholischen Introspektion heraus zu speisen scheint. Romanzen und Beziehungen werden genauso verhandelt wie weibliche Selbstermächtigung, Brathähnchen und Pasta, denn, wie sie selbst meint: „Humor ist wichtig beim Schreiben.“ Wer Referenzen braucht: Man denke sich eine Jam-Session mit Lucy Dacus, Julien Baker und Angel Olsen, nachdem das Trio sich kreuz und quer durch das Oeuvre des „Boss“ gehört hat…

Zu den Glanzlichtern gehören hier – neben den bereits bekannten Singles – sicherlich das bluesige „Push“, welches sich mittels einer komplexen Struktur vom zarten musikalischen Streicheln zum fast brutalen Getöse aufbäumt, während zwischen den Extremen alle Nuance leidenschaftlich ausgelebt werden und dann auch noch Zeit bleibt für einen melodischen, mitreißenden Höhepunkt. Oder auch das kraftvolle „And I Am A Woman“, das auch inhaltlich eine große persönliche Bedeutung für die Künstlerin aus Melbourne hat. Sie meint: „Heutzutage gibt es all diese Dinge, die uns unsere Gesellschaft über unsere Körper, Freiräume, Entscheidungen, Gefühle oder Sicherheit erzählen will. Dinge, die wir hinterfragen und vergessen und besser machen sollten. Dieser Song begann als hitzige Konversation. Doch ich musste ihn allein zu Ende bringen und in Musik verwandeln, denn mir war nicht danach, zu reden – mir war nach Schreien zumute. Ich wollte, dass das Verletztsein offensichtlich wird.“

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „Pasta“ zu sehen, über welches sie sagt: Sie sei beim Dreh krank gewesen – und habe daher sich nur sich selbst gespielt…

 

„My bedroom is a disaster
My dog has got kidney failure (failure)
I’ve been sitting at the bar too much
Kissing people in my head
And saying rubbish things I should not have said

And they’re building things outside my window
Everywhere I look there’s signposts (signposts)
I just sit in my house making noise for fun
And I’m not moving much or proving much to anyone

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I’m feeling tired

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I spend so much time eating pasta
Although I’m probably allergic and other people seem to move so much faster

I wonder why I’m feeling lonely
When there’s plenty of ways to be alone
I guess I spent all of yesterday on my phone

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And I’m feeling tired

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while

Now I am simultaneously on top of someone’s pedestal and also underneath someone else’s shoe
Oh isn’t it a shame about the view
Can anybody climb aboard this structure I have made to wrap myself around the promise that there is room
Oh isn’t it a shame about the view

I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost
I’ve been lost for a while
And now I’m feeling tired…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Alex St Joan – „Kick And Rise“ (Småll Sessions)


Photo- @kensio_

Foto: @kensio_ / Facebook

„If St. Vincent, The Cranberries and James Blake got together in an underwater cave with a drum machine, a mellotron orchestra and a synthetic saxophone quartet, it might sound something like this.“

Was sich im erstem Moment wie eine an den Indiepop-Haaren herab gesponnene Umschreibung liest, macht – als Hilfestellung zur Einordnung der Songs von Alexia Peniguel – durchaus Sinn. Denn wenn die aus Melbourne, Australien stammende und seit 2004 in Berlin lebende Multi-instrumentalistin, Produzentin und Songschreiberin nicht gerade (scheinbar) in die verquere Melodienwelt einer Laurie Anderson eintaucht, um diese dann – anhand von Keyboard-, Gitarren- oder Vocal-Loops – mit dem Timbre einer Chanteuse der 90er Jahre zu paaren, klingt Peniguel, die als A Seated Craft bereits zwei Alben veröffentlicht hat (2011 und 2015 war das), unter dem neusten Moniker Alex St Joan im Herbst eine erste EP in die Plattenläden stellen wird und in den vergangenen Monaten bereits als Support-Act für ähnliche Künstlerinnen wie Kat Frankie, Bryde oder PHIA auf hiesigen Konzertbühnen stand, tatsächlich nach einer ominös mäandernden Schnittmenge irgendwo zwischen St. Vincent und James Blake. Indiepop mit nokturner Schlagseite…

 

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Tash Sultana


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Wer an einem geschäftigen Wochenendnachmittag durch die Fußgängerzone einer beinahe x-beliebigen Großstadt schlendert, dem werden – vor allem im Sommer – eventuell all die Straßenmusiker ins Auge fallen (oder, besser: zu Ohren kommen), die sich an fast jeder Ecke für etwas Kleingeld die Seele aus dem Leib spielen. Und natürlich klingen nicht alle von ihnen beeindruckend, sodass man dem einen Nachwuchs-Dylan oder der anderen Aushilfs-Adele gern zum Besuch einer Musikschule oder zu etwas mehr Gesangsunterricht raten würde… Und doch gehört schon eine Menge Chuzpe und Selbstbewusstsein dazu, um sein Talent in aller Öffentlichkeit zu präsentieren, während die Chancen, es doch eines Tages zu etwas mehr als einem Hut voll Kleingeld zu bringen, gerade in der heutigen Zeit mehr schlecht als recht stehen…

Aber es gibt auch Beispiele von ehemaligen „Buskern“ (der englische Begriff für jene Straßenmusikanten), die es auf die großen Bühnen geschafft haben. Man denke nur an Tracy Chapman. Oder an Damien Rice, welcher wiederum einen gewissen Ed Sheeran dazu ermutigte, selbst zur Akustischen zu greifen und sein Glück als Kleingeldprinz in den Londoner Subway-Stationen zu versuchen. Hierzulande dürften AnnenMayKantereit wohl so ziemlich jeder Person mit Studentenausweis und diesseits der Dreißig ein Begriff sein – schon gewusst, dass die vier jungen Herren vor gar nicht mal so langer Zeit in den Fußgängerzonen Kölns für Schunkelstimmung gesorgt haben?

Und gerade im Fall von AnnenMayKantereit dürften wohl die sozialen Netzwerke – also Facebook, YouTube und Co. – einen guten Teil zum sich viral rasch mehrenden Bekanntheitsgrad beigetragen haben…

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Nun, wenn man so will, dann ist Natasha „Tash“ Sultana – zumindest in diesem Belang – die australische Version von Henning May und seinen drei Bandkumpanen, denn auch die 22-jährige Multiinstrumentalistin spielte sich als wortwörtliche „One-Man-Band“ über Jahre hinweg in den Straßen, Clubs und Bars im sonnigen Melbourne die Finger an ihrer Elektrischen wund, um sich eine kleine Fanbase zu erarbeiten. Also schnappte sich Sultana, der das Musikmachen einst half, eine drogenbedingte Psychose zu überwinden, eine Kamera, filmte fortan einen Teil ihrer eigenen Stücke als „Live Bedroom Recordings“ in den vier Wänden ihrer kleinen Aussie-Bude ab und stellte die in stylischem Schwarz-weiß gehaltenen DIY-Ergebnisse bei YouTube ein. Kein schlechter Schachzug, denn alsbald erhielt die selbsternannte „Loopstationistin“, deren Songs scheinbar spielend zwischen Electronic Indie, Folk, verspieltem Jazz, Reggae, toughem Rock und zartem Soul changieren, eine Anfrage einer Melbourner Managementagentur für aufstrebende lokale Musiker, die Sultana gern unter Vertrag nehmen wollte. Der Rest der Geschichte liest sich zusammenfasend ebenso rasant, wie der Newcomerin die zurückliegenden Monate im Gründe vorgekommen sein dürften: die erste EP, „Notion„, erschien im September 2016, während Sultana von ihrem neuen Management auf eine erste kleinere Welttournee mit Konzerten in ganz Australien, in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Neuseeland geschickt wurde und in der Heimat, im November 2016, den „2016 Unearthed Artist J Award“ des bekannten australischen Radiosenders Triple J gewann, der auch die beiden Singles „Jungle“ und „Notion“ in den „Triple J Hottest 100, 2016“ platzierteDass die Musikerin, die laut eigenen Aussagen ihre Inspiration von Musikern wie Jimi Hendrix, Erykah Badu, Bob Marley, Led Zeppelin, alt-J oder Phil Collins bezieht, ihre steig wachsende Hörerschaft in diesem Jahr mit neuen Songs an der kurzen Leine hielt (lediglich die Singles „Murder To The Mind“ und „Mystik“ gab es digital auf die Lauscher), dürfte damit zusammen hängen, dass die Dame, deren zur Improvisation neigende Herangehensweise ans Musikalische dezent an Indie-Größen wie Ani DiFranco erinnert, für eine erste – ausverkaufte – US-Tour, erneute Europa-Shows, etliche Festival-Auftritte rund um den Globus jettete, um 2017 schließlich mit einigen Stadien- und Arenenkonzerten in Australien im November und Dezember – passend betitelt als „Homecoming Tour“ – zum Abschluss zu bringen.

Fortsetzung? Folgt, definitiv…

 

Hier kann man sich anhand der Songs von Tash Sultanas „Live Bedroom Recordings“…

 

…dem Musikvideo ihrer 2017er Single „Murder To The Mind“…

 

…einem TED-Talk, welchen die Multiinstrumentalistin im April 2016 an der University of Melbourne hielt (und freilich auch ein paar Stücke spielte)…

 

…sowie einer „Tiny Desk Concert“-Live-Session (vom April 2017) vom vielfältigen Können Sultanas überzeugen:

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Ben Abraham


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Tagsüber Drehbuchschreiber und Unterhalter für Kinder im Krankenhaus (Patch-Adams-Style, Baby!), abends kleinere musikalische Auftritte bei Fundraiser-Shows. Was sich liest wie der beinahe ideale Stoff für eine Indie-Hollywood-Komödie, war für lange Zeit das Leben von Ben Abraham.

Und da all das doch herzlich wenig Rock-n-Roll-Spirit besaß, musste sich das aus dem australischen Melbourne stammende Multitalent schon andere Wege suchen, um über den kleinsten Kontinent der Erde hinaus Gehör zu bekommen. Doch Abraham, dem das musikalische Rüstzeug als Sohn eines ehemaligen indonesischen Popstars quasi in die Wiege gelegt wurde (und der im Teenageralter bereits erste Erfahrungen als mehr oder minder professioneller Musiker sammeln konnte), hatte eine Idee: 2011 stellte er ein „To Sara, From Ben“ betiteltes, zweieinhalbminütiges Video via Youtube online, um ebenso direkt wie charmant eines seiner Idole zu erreichen: die US-amerikanische, Grammy-nominierte Musikerin Sara Bareilles („Love Song“, „King Of Anything“), die Abraham im Video unumwunden „Sara B / Won’t You come and sing a song with me?“ fragte. Und tatsächlich hatte er damit Erfolg: Bareilles meldete sich, nachdem Fans ihr einen Link des Videos schickten, tatsächlich bei Abraham, beide traten gemeinsam auf und gaben unter anderem den Bruce-Springsteen-Gassenhauer „I’m On Fire“ zum Besten. Mehr sogar: So ist Sara Bareilles nun auch auf Ben Abrahams Debütalbum „Sirens“ zu hören (beim Duett „This Is On Me“).benabrahamsirens

Erschien ebenjenes Debütwerk im März noch als Alleingang (also im Selbstvertrieb) in Australien, so stattete das Label Secretly Canadian (unter anderem Heimat von Antony and the Johnsons, The War On Drugs oder Damien Jurado) Abraham schon kurze Zeit später mit einem Plattenvertrag aus, der es möglich macht, dass „Sirens“ im Juni nun auch in Deutschland erscheint. Wäre auch zu schade gewesen, wenn es die Songs kaum über Down Under hinaus geschafft hätten…

Denn in der Tat haben die 13 Stücke von „Sirens“ etwas Weltumarmendes an sich. Das kann freilich an Ben Abrahams Stimme liegen, die der von Elbow-Frontmann Guy Garvey, der ja umVerkumpelungsgesten ebenfalls nicht verlegen ist, in vielen Momenten zum Verwechseln ähnlich klingt (und damit fast automatisch auch der des jungen Peter Gabriel). Oder an der Thematik, der sich der australische Vollbartträger verschrieben hat: die Liebe in allen ihren Facetten. Freilich mögen hier die Klischees gleich ums Eck herumlungern, und an manch einer Stelle (etwa in „Songbird“) wird’s ob des Schmalz-Schmelzes arg gefühlig (was ja auch den letzten Elbow-Werken nicht abzusprechen war), aber schön anzuhören ist’s durch den ruhigen Fluss aus Akustischer und/oder Pianoinstrumentierung in jedem Fall. Etwa, wenn in „To Love Someone“ sachte Bläser die Regie übernehmen, während Abraham davon singt, alle Mauern fallen und die Liebe zuzulassen („Some will say you need to find the common men who share your mind / Where others say to hide yourself, protect your iD9cYR9vheart above all else / And we all like to find our place with who is right or wrong / But to love someone, when you love someone / That’s where you belong“). Oder das reduzierte „Home“, welches vom Reisen, vom Vermissen und von einem Zuhause handelt, das man immerzu mit sich trägt. Wirklich beliebig sind da nur wenige der 50 Minuten. Und fürs verträumte Auskurieren des Wochenendkaters an einem Sonntagmorgen soll’s allemal genügen – eventuell ja als Untermalung einer Indie-Hollywood-Komödie…

 

 

Hörproben gibt’s – Youtube sei Dank – zuhauf:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Phia – „15 Step“


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Radiohead-Coverversionen gibt es ja wie Sand am Meer – meine eigene kleine digitale Sammlung der gelungensten Neuinterpretationen der Songs von Thom Yorke und Co. durch andere Künstler, die ich mir über die Jahre zusammengestellt habe, umfasst etwa knapp 80 Beiträge (und da habe ich bereits aussortiert und nicht einmal allzu tief im weltweiten Netz – bei Youtube und Konsorten – gegraben!). Trotzdem sticht die Variante von „15 Step“ – im Original vom siebenten, 2007 erschienenen Radiohead-Werk „In Rainbows“ -, die die aktuell in Berlin beheimatete Indie-Musikerin Phia kürzlich auf hungrige Hörerohren los ließ, für Momente heraus…

Phia… wer?

Phia singt mit eindringlich schöner, zarter Stimme und spielt Kalimba, ein in der traditionellen afrikanischen Musik beheimatetes Lamellophon. Wenn sie die Bühne allein mit dem kleinen hölzernen Kasten in ihren Händen betritt, kann man sich kaum vorstellen, welchen vielschichtigen Klangkosmos Sophia „Phia“ Exiner damit erwachsen zu lassen vermag. Doch sobald sie beginnt, ins Mikrofon zu beatboxen oder die kleinen metallischen Stäbe der Kalimba zu zupfen, wird das Ausmaß dessen, was einen erwartet, zunehmend deutlicher…

Ursprünglich aus dem australischen Melbourne stammend, zog Exiner 2011 nach Berlin und tauchte dort tiefer in die DIY/Folk/Electronic-Musikszene ein. Mit ihrer neuen Großstadtheimat als Basis bespielte sie in der Vergangenheit bereits – oft gemeinsam mit ihrem Mitmusiker Josh Teicher an der Gitarre – einige Festivals überall in Europa, wie das diesjährigen Fusion Festival in Mecklenburg, sowie unter anderem als Support von Stealing Sheep oder Yukon Blonde. Wer unbedingt Vergleiche benötigt, der denke gern an eine kaum weniger trendige Schwester von Leslie Feist und Annie „St. Vincent“ Clark.

 

Phias Version des Radiohead-Stücks „15 Step“, das in der Neubearbeitung der Newcomerin im Zweifel sogar noch ein klein wenig großartiger wird, kann man sich hier in Ton…

…und (Bewegt)Bild zu Gemüte führen…

…und sich bei Gefallen hier kostenfrei aufs heimische Abspielgerät laden.

 

Und wer mehr von Phia hören mag, für den gibt es hier ihre „Live in Berlin EP“ im Stream:

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Chet Faker


Chet Faker

Manchmal ist die Wahrheit so banal und simpel, dass man sich am Ende am liebsten seiner eigene Geschichte zusammen gebastelt und zurecht gebogen hätte…

Man nehme nur einmal diesen Künstlernamen: Chet Faker. Geil, oder? Da ließe sich etwa zusammenspinnen, dass die Mutter dieses Herren in den sündigen Siebzigern einmal eine Affäre mit dem legendären, Rauschmitteln nicht eben abgeneigten Jazzmusiker Chesney Henry Baker Jr., wohl besser bekannt als Chet Baker, gehabt haben mag, und dass der Spross eben dieser Liaison sich nun aufgeschwungen hat, es seinem verstorbenen Vater gleich zu tun und ebenfalls Musiker zu werden – mit dem Erzeuger als augenzwinkernde coole Hommage im Alias. Nein, wohl alles (h)ausgemachter Hirnsalat, die Realität mag’s leider banal: Hinter dem Pseudonym „Chet Faker“ versteckt sich lediglich der Australier Nicholas „Nick“ James Murphy, der bereits in seinen musikalischen Anfängen feststellte, dass es einen Musiker gleichen Namens (also: Nick Murphy) gab, und sich, um Verwechslungen von vornherein aus dem Weg zu gehen, eben dieses feine Künstlernamenwortspiel ausdachte. Dabei führt einen der Name nicht einmal auf die falsche Assoziationsfährte. Denn der 24-jährige Murphy komponiert seine Stücke ähnlich frei und im Raum schwebend wie im Jazz…

Chet Faker #2Für erste Furore sorgte er allerdings mit einer Coverversion: 2011 stellte Murphy seine Interpretation des Neunziger-Jahre-Evergreens „No Diggity“ (im Original von Backstreet und Dr. Dre) ins Internet – und löste damit in den musikalischen Blogsphäre eine wahre – wenn auch kleine – Welle der Begeisterung aus. Das E-Piano perlt über simple Funksprünge und umspielt „Location Samples“ (so nennt zumindest der Künstler selbst seine Field Recordings aus Stadt und Land), während Chet Faker süßlich darüber croont: „I like the way you work it/ No diggity, I got to bag it up, bag it up…“. Einen ähnlichen Klangkosmos erspielt sich auch die im vergangenen Jahr erschienene Debüt-EP „Thinking In Textures„: Murphy sammelt Stilmittel aus R&B oder Soul zusammen, vermengt diese mit Beats, Samples oder zarten Industrial-Einflüssen und schüttelt diese Mixtur zu einem höchst zeitgemäßen Cocktail durch, der als Einheit auch in einer Lounge-Bar, irgendwo zwischen Burial, James Blake, Frank Ocean, Flying Lotus, Thom Yorke (der Solo-Yorke, nicht der Radiohead- oder Atoms For Peace-Yorke!) oder alten Motown, nicht unangenehm auffallen würde. Und obwohl den sieben Songs der immerhin knapp 30 Minuten langen EP wohl Vieles näher länge als sich nach Aufmerksamkeit zu drängen, blieben Chet Fakers Qualitäten auch in der australischen Musikszene nicht verborgen. So gewann Murphy 2012 den Preis als „Breakthrough Artist of the Year“ sowie den „Independent Records Award“, während seine gemeinsam mit DJ-Kumpel Flume (aka. DJ Harley Streten) veröffentlichte Single „Left Alone“ die Charts ordentlich aufmischte. Lupenreine Popqualitäten hat Murphys Musik dabei kaum, eher schmiegt sie sich wie ein Tagtraum an die Gehörgänge – so lange, bis man mehr will vom zurückgelehnten Electronica-Crooner aus der Vier-Millionen-Einwohner-Metropole Melbourne. So lange, bis man zu Songs wie „I’m Into You“ oder „Cigarettes And Chocolate“ süchtig lächelt in den grauen Winterhimmel blickt. Immer noch besser, als sich wie Chet Baker für immer aus dem Fenster eines Amsterdamer Hotels zu verabschieden…

 

 

Soeben ist mit der Drei-Track-Single „Drop The Game“ / „What About Us“ / „This Song Is…“, welche man als „Lockjaw EP“ finden kann, das nächste Kollaborationsergebnis des sympathischen Bartträger-Aussies mit seinem Elektro-DJ-Kumpel Flume erschienen. Und während man noch immer auf den ersten Solo-Langspieler warten muss (wer die australische Mentalität kennt, der weiß, dass das bei all der Laid-Backness schon mal etwas länger dauern dürfte…), kann man sich die Zeit mit der hervorragenden „Live Sessions EP“ (gibt’s hier für lau, umme und kostenlos!) vertreiben, bei deren drei Stücken – dem Burial-Cover „Archangel“, dem EP-Verteter „Love And Feeling“ und der famosen Backstreet-Interpretation „No Diggity“ – Chet Faker und seine Buddies beweisen, dass deren Musik auch im live bespielten Bandkonstrukt so einiges kann…

 

 

Noch nicht genug? Dann gibt’s hier noch die Musikvideos zu „Terms And Conditions“…

 

…der erfolgreichen Flume-Kollabo „Left Alone“…

 

…und der neuen Single „Drop The Game“, bei welcher Flume bekannt ebenso mitmischte:

 

Und wen die Worte des Künstlers selbst interessieren, der findet bei den Kollegen des „Noisey – music by Vice“-Internetportals ein mit Nick „Chet Faker“ Murphy geführtes Interview vom Juli diesen Jahres, in welchem der Australier – natürlich ganz entspannt – mehr über Inspirationen, Freundeskreis und Pläne erzählt.

 

Rock and Roll.

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