Schlagwort-Archive: Meinung

Vom langsamen Tod der Indie-Szene – Offene Worte von Wolfgang Müller


wolfgangmuxxller-presse-01-copyright-hans-starck

Foto: Promo / Hans Starck

Dass es um den kreativen Broterwerb gerade kleinerer Indie-Künstler und -Bands (also alles, was nicht wie U2, Coldplay, Beyoncé und Konsorten Stadien und Arenen füllen kann) nicht eben zum Besten bestellt ist, habe ich hier auf ANEWFRIEND über die Jahre, wie ich denke, bereits oft erwähnt (oft genug kann man solch einen Missstand freilich leider nicht ansprechen), und in den letzten Monaten auch offene Worte von Ex-Spaceman-Spiff Hannes Wittmer sowie von Refused-Frontschreihals Dennis Lyxzén an anderer Stelle im Wortlaut wiedergegeben.

Das möchte ich nun – oft genug gibt es, wie erwähnt, nie – im Fall von Wolfgang Müller tun. Denn obwohl sich der Hamburger Liedermacher in den vergangenen gut zehn Jahren mit nunmehr sechs Studioalben (zuletzt erschien im April „Die sicherste Art zu reisen„) einen formidablen Erste-Reihe-Platz bei der stetig wachsenden Hörerschaft sowie Playlist-Einsätze irgendwo zwischen Gisbert zu Knyphausen, Niels Frevert, Erdmöbel, Tom Liwa oder Element Of Crime erspielt hat, und auch von dem ein oder anderen (oft genug kritischen) Platten-Rezensenten mit mildem Lob bedacht wurde, kann der 43-jährige Musiker by passion auch nach über einer Dekade im Musikgeschäft immer schlechter als rechter vom schönsten Hobby der Welt leben. Und hat gerade deshalb gestern via Facebook in offenen Worten etwas berechtigten Dampf abgelassen. Darüber, dass immer mehr kleinere, unbekanntere Künstler einen „echten“ Broterwerbsjob benötigen, um sich das Musikmachen als Hobby – angefangen von Albumaufnahmen bis hin zum Touren – überhaupt leisten zu können. Dass eine Handvoll Plattenfirmen-Riesen ihre kleinere Konkurrenz gnadenlos kaputt schluckt und danach den Markt unter sich aufteilt. Dass das Album von der Kunstform immer mehr zum kostenfreien Werbe-Gimmick für Tourneen (welche wiederum – neben dem Merchendise bei ebenjener – einem guten Teil der Künstler die eigentliche Kohle sichern) verkommt. Dass Musik-Streaming dem Hörer zwar die Musik jederzeit und überall verfügbar machen kann, dem (gerade kleineren) Künstler jedoch kaum Moneten aufs Girokonto spült. Alles wahre Worte. Und da haben wir noch nicht mal vom langsamen Tod der (Musik-)Printmedien angefangen, denn immerhin musste mit der „SPEX“ (nach immerhin 40 Jahren, und nach anderen kaum weniger renommierten Blättern wie „NME“, „Intro“ und Co.) vor wenigen Tagen das nächste prominente Print-Musikheft die bedruckten Segel streichen… – Das alles sind Vorgänge, die auch dem hartgesottensten Liebhaber gehaltvoller Musik zu denken geben sollten. Leider.

 

Hier Wolfgang Müllers Meinung im Wortlaut:

Desiree Klaeukens hat neulich schon mal einen großen Post darüber gemacht, dass es für Musiker im mittleren Erfolgssegment mittlerweile unmöglich ist, von ihrer Musik zu leben. Ich kann das leider nur bestätigen. Ich bin über die Jahre ja eher bekannter geworden (wenn auch nicht gerade berühmt), aber anders als bei allen anderen Veröffentlichungen vorher konnte ich das letzte Album trotz vieler toller Kritiken, toller Konzerte und teilweise immerhin 5-stelligen Plays bei Spotify nicht ins Plus hieven. Nicht mal ansatzweise. Wenn man nicht im Segment der komplett austauschbaren Indie-Schlager-Mugge unterwegs ist, ist es mittlerweile nahezu aussichtslos, ein gut produziertes Album zu refinanzieren. Und das liegt nicht daran, dass man so unbekannt (oder unfähig) ist, sondern daran, dass kein Mensch mehr Tonträger kauft und von 0,001 Cent pro Play bei den Streamingdiensten kein Mensch irgendwas verdient (tatsächlich ja nicht mal die Streamingdienste – Spotify macht seit Gründung Verlust). Besonders handgemachte Singer/Songwriter Musik war ja nun noch nie der Superseller, aber es war möglich als mittelmäßig erfolgreicher Künstler mit einer Band auf Tour zu sein und ein Album zu machen und dafür genug Geld zu bekommen. Das geht nicht mehr. Pascal Finkenauer hat sein neues, großartiges Album nun auf Soundcloud veröffentlicht: https://soundcloud.com/…/se…/pascal-finkenauer-lichter-sehen . Ein wirklich tolles Stück Musik, mit Herz und Liebe und Können gemacht, und so wie es aussieht wird das auch bei mir und vielen anderen die ich kenne der Weg sein. Hannes Wittmer will sein neues Album gleich ganz verschenken ohne über ein Label oder Streamingportale zu gehen, um dieses System der totalen Ausbeutung nicht auch noch zu unterstützen. Ich finde die Idee des Streamings gut und toll, aber wenn keiner dafür auch nur ansatzweise das bezahlt was er früher für CDs ausgegeben hat, kann man sich an 5 Fingern ausrechnen, dass der Musiker de facto kein oder minimal Geld bekommt. Es ist eine implizite Erpressung aller Musikschaffenden, ihre Musik zu verschenken, weil man sonst überhaupt nicht mehr gehört wird. Ich habe auch aktuell keine Idee wie das korrigiert werden kann, aber die Auswirkungen werden sehr bald sehr deutlich spürbar sein. Die letzten 5 Jahre war das Musikbussiness noch wie ein Jumbo-Jet dem der Sprit ausgegangen ist, aber eben noch schön ruhig dahinsegelte und nicht abstürzte weswegen alle glaubten, ist ja gar nicht so schlimm. Jetzt nähern wir uns langsam dem Boden und merken dass der Gashebel nicht mehr funktioniert. Mainstream-Acts werden das noch halbwegs überstehen, aber alles was unbekannter ist, von Nachwuchsbands gar nicht zu reden, wird sich nur noch in kleinen Nischen rumdrücken können oder eben versuchen wie früher die Musik an der Ecke auf Tapes verkaufen. Oder verschwinden. Hört euch das neue Finkenauer Album. Die Texte sind nicht zum mitgrölen und die Hookline ist kein Schlägertyp, aber es ist tiefe, wunderschöne Musik, die einen Eindruck davon vermittelt, wo und wie man in Zukunft vielleicht nur noch Musik von so tollen Künstlern hören kann.“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Support your local artist! – Dennis Lyxzéns Worte zur aktuellen Lage der Musikwelt


42202107_10160709889020167_8128302225601593344_n

Foto: Facebook

Nicht erst seit bis ins nächste Valhalla höchst funky tönenden und im Text – Populismus hin oder her – wohl auf ewig relevanten Evergreens wie „Capitalism Stole My Virginity“ oder „Communist Moon“ sowie Album-Meilensteinen wie „The Shape Of Punk To Come“ ist Dennis Lyxzén die wohl coolste pro-kommunistische linke Socke im Musikgeschäft (oder zumindest im Dreieck zwischen Lappland, Lettland und Legoland). Isso, verdammt.

Und da der seit eh und je verdammt umtriebige Frontmann von Kapellen wie Refused, The (International) Noise Conspiracy, The Lost Patrol Band oder INVSN, der nebenbei, mit „Ny Våg„, auch noch ein Punk-Rock-Plattenlabel betreibt, bereits etliche Lenze im Musikgeschäft auf dem schwedischen Buckel hat, darf man getrost jede der vielen Zeilen, die der mittlerweile 46-jährige Punkrock- und Hardcore-Verteran da vor einigen Tagen via Facebook vom Stapel ließ, glauben. Denn schließlich erinnert Dennis Lyxzén noch einmal jede und jeden, der oder dem Musik und bestimmte (vor allem kleinere) Künstler wirklich am Musikherzen liegen, noch einmal daran, worum es geht: „Go to their shows. Buy their merch and their records. Tell your friends about them. Like their social media pages.“ Denn gerade Künstler und Bands, welche eben nicht die „dicke Asche“ von den großen Plattenlabels, die mittlerweile einen Großteil des internationalen Musikmarktes unter sich aufteilen, zugeschustert bekommen, sind eben nicht auf Streams (welche ohnehin nur vergleichsweise kleines Geld einbringen) angewiesen, sondern auf den möglichst direkten Support. Wahre, weise gebrüllte Worte, mein oller Schweden-Punker!

 

Hier Lyxzéns komplette, sympathisch-direkte Brandrede im Wortlaut:

„WARNING! WARNING! WARNING!
Rant incoming. 
I usually don’t rant that much on social media but here’s one for you.
I’ve been playing music for a long time now and I’ve been privileged enough to be able to do this more or less for a living for the past 20 years. I’ve travelled the world, meet amazing people and created some music that I can be really proud of.

However; every year that goes by it gets harder and harder to what we are doing as an independent artists/musicians. 
The musical landscape has changed immensely the last 10 years. Some things have been for the better and some things definitely for the worse.

With diminishing record sales and a clickbait economy comes a slew of problems.
Everyone needs to tour cause that’s how we are supposed to make any type of money. But with everyone on tour it’s actually harder to get shows and the fees have gone down the last couple of years due to this. 
Record-labels are less prone to work with smaller acts and the independent labels don’t have enough power or economy to push artist the way they used to.
So for every year the margins for people like us keep shrinking. Making it harder for bands like INVSN to tour and to record and to actually be a band.

And yeah; it’s not about the money, it’s never been.
But we need cash to be able to tour, to be able to record music. Most of the people in INVSN have full-time jobs and we still manage to do about 100 shows per record.

Another one of the more frustrating aspect of this is that you as an artist has to become your own press outlet. Through social media we can reach each other and communicate but it has also lead to the realization that this is how your music reaches people. Specially if you are a smaller artist.
We have to rely on the kindness or stranger to be heard. We have to rely on people following us on social media to get people to come to the shows. 
Which can be amazing but also frustrating. Most people don’t ‚like‘ posts with tour-dates or new releases. 

So what am I getting at here: Well, if you’re like me and you love music, independent music, alternative music, creative music with ideas then we really need to step up our game in supporting bands and artists that we like.
If you are into a band there’s a bunch of things that you can do to support them:
Go to their shows.
Buy their merch and their records.
Tell your friends about them.
Like their social media pages.
Like their social media posts. With the strange algorithms that facebook and Instagram has it is imperative that you actually like the posts not only scroll by them. The more people like a post the more it spreads and the bigger the chances are that someone outside of an already established fanbase will discover the band.
Be open and curious about new music and new bands.

And I also get it. Not every band or project is to everyones liking. Some people are comfortable with letting music be a nostalgia type deal but for some of us this is life and death.
This is everything for some of us!
I am grateful beyond words for the chances I’ve been give and I will never ever take this for granted but at the end of the day I need you more then you need me! 🙂

Thanks for reading this and here’s some bands and artist that you should check out and support
Bad Nerve, FÖLLAKZOID, Laura Carbone, Le Butcherettes, YOUTH CODE, Hilda Heller, The Hanged Man, Pale Honey, Honungsvägen, Zola Jesus, The Soft Moon, ACTORS, Agent Side Grinder, TRUE MOON, Anna von Hausswolff, Dolce, COLD CAVE, Les Big Byrd, War On Women, Chelsea Wolfe, Sa Fi, The Coathangers, Mattias Alkberg, Vanligt FolkACID BLOOD Umeå, Katohjärta The dumbfucks Trepaneringsritualen, Rome Is Not A Town , Josefin Öhrn + The Liberation, and so much more!!!“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Warum ich meine Musik verschenke“ – offene Worte von Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer


image

Foto: von der Homepage

Dem regelmäßigen Leser von und auf ANEWFRIEND dürfte Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer durch den ein oder anderen Post und Song hier wie da ein musikalischer Begriff sein.

Nach einer längeren musikalischen Pause (das bislang letzte Spaceman-Spiff-Werk „Endlich Nichts“ erschien 2014) sowie dem kürzlichen Entschluss, fortan nicht mehr unter dem Calvin-and-Hobbes-Pseudonym, sondern unter seinem richtigen Namen Musik machen zu wollen, hat Wittmer sich nun zu einem – zumindest aus künstlerischer Sicht – weitaus radikaleren Schritt entschlossen und gestern – sowohl via Facebook als auch über seine neue Homepage – die unten stehenden Zeilen mit der Welt geteilt. Ein mutiger Schritt, wie ich selbst finde. Und: ein absolut ehrlicher, konsequenter. Als Singer/Songwriter mit Botschaft und Sendungsbewusstsein hat man’s in Deutschland heutzutage (eventuell sogar im globalen Musikgeschäft) ohnehin schwer – vom „Leben von der Musik“ mal ganz zu schweigen… Von daher: Chapeau, Herr Wittmer! Ich ziehe mein Basecap und werde natürlich weiter unterstützend berichten…

 

„UM KEINEN PREIS – WARUM ICH MEINE MUSIK VERSCHENKE

Hallo ihr lieben Menschen,

ich habe mich dazu entschlossen, mein nächstes Album zu verschenken. Es wird also weder im Handel, noch bei den gängigen Streaming- und Downloadplattformen zur Verfügung stehen. Zusätzlich möchte ich auch meine Konzerte (soweit möglich) auf Pay-What-You-Want-Basis spielen. Es ist für mich sowas wie eine Radikalkur von der Musikwirtschaft, ihren Mechanismen und Widersprüchen.

Als „Indie-Musiker“ hatte ich immer das Gefühl mit meinem Beruf in einer Blase, relativ abseits der großen Konzerne, existieren zu können. Bei genauerer Betrachtung stellt sich das leider als eine ziemlich naive Vorstellung heraus. Sobald ich eine Platte veröffentliche, verdienen Firmen, mit denen ich, zumindest beruflich, eigentlich möglichst wenig zu tun haben möchte, Geld mit meiner Musik. Amazon, Apple, Google, Eventim, Spotify und co. freuen sich mit mir über verkaufte Tickets, Streams, Downloads und CDs. Sogar das Majorlabel Sony Music hat im letzten Jahr den digitalen Indie-Vertrieb finetunes aufgekauft und macht seitdem zusätzlich auch mit Spaceman Spiff und hunderten weiteren deutschen Indie-Musiker*Innen und Bands Profite.

Die Strukturen in der Musikindustrie sind keinen Deut besser als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Monopole werden angestrebt, die Konkurrenz an allen Ecken und Enden aufgekauft. Man macht sich unabdingbar und kann im Idealfall als Zwischenhändler überall mitverdienen. Auch die kleinen, sympathischen Labels sind dazu gezwungen, entweder mit den Methoden der „Großen“ zu arbeiten oder eben früher oder später dicht zu machen.

Ich will mit meiner Musik kein Teil davon sein … oder zumindest nicht mehr.

Aber warum dann gleich alles verschenken?
Nunja … die Kritik an der Musikwirtschaft ist eigentlich nur die Spitze des Eisberges. Es würde den Rahmen sprengen jetzt auf alles einzugehen, was mir dabei so durch den Kopf geht und ich werde euch in den kommenden Monaten immer mal wieder im Blog Gedanken und Erklärungen nachliefern. Wahrscheinlich ist unschwer zu überlesen, dass ich mich in letzter Zeit nicht unbedingt durch die Kategorie „Romantische Komödien“ bei Netflix geguckt habe (jedenfalls nicht durchgehend). Mich hat vor allem beschäftigt, was der entfesselte Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken mit unserer Gesellschaft anstellt.

In Zeiten der Digitalisierung werden wir rund um die Uhr als wirtschaftliche Einheiten gesehen. Algorithmen stufen uns ein und ballern uns mit der entsprechenden Werbung zu, während wir selbst in unseren Köpfen immer mehr wie genau die Konsumenten denken, als die wir auch gesehen werden. Wir „investieren“ in Freundschaften und Beziehungen, bewerten alles nach Kosten und Nutzen, wägen ab, nicht selten zwischen unserem Gewissen und dem Preis, den wir bereit sind zu zahlen.

Ich möchte versuchen, davon ein Stück weg zu kommen und euch gerne kein Produkt anbieten … kein Preisschild, keinen Kaufvertrag, kein Crowdfunding, keine Ticketgebühren, keinen exklusiven Content.

Mir ist bewusst, dass ich mich von der Welt, wie sie gerade nunmal ist, nicht abkoppeln kann und auch den Kapitalismus werde ich wohl nicht stürzen (jedenfalls nicht in absehbarer Zeit). Ich kann aber aus meiner Lebenswirklichkeit heraus aktiv werden und eine Alternative ausprobieren. Dieser Gedanke fühlt sich befreiend an und scheint mir auch wirksamer zu sein, als mich nur über das Bestehende zu beschweren oder eine konsumkritische Platte aufzunehmen, die man sich dann bei Media Markt kaufen kann.

Wenn ihr mir dabei helfen möchtet, weil ihr mein Experiment gut findet, weil euch die Musik etwas bedeutet oder ihr eh noch ein schlechtes Gewissen habt, nachdem ihr damals die Spaceman Spiff-CD von eurem Kumpel gebrannt habt, könnt ihr das gerne auf der Homepage unter „Unterstützen“ tun.

So oder so freue ich mich übers Zuhören. Als kleine Vorschau hab ich in der Kategorie „Album“ meine allererste Demoaufnahme von „Fragen“ online gestellt, dem Opener der kommenden Platte.

Danke!

Euer

Hannes“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Gleichberechtigung vs. Gerechtigkeit – und die Macht des Bildes


Im Internet nichts Neues. Bilder haben noch immer die beinahe uneingeschränkte Macht, ihre Betrachter zu sensibilisieren, zu emotionalisieren – und so das Meinungsbild des Betrachtenden geschickt in die eine oder andere Richtung lenken zu können. Ein kleiner, fieser Enkeltrick, den Machthaber, Politiker, religiöse Führer, die „ach so bösen Medien“ (eure „Lügenkresse“ könnt ihr denn mal schön selbst mampfen) oder neuerdings auch diese selbstberufenen „Influencer“ seit eh und je anwenden, um dir ihre Meinung zu bilden…

Ich möchte das Thema auch keineswegs weitschweifend ausbauen, sondern euch das Ganze einfach einmal anhand eines Beispiels versinnbildlichen.

Man nehme folgende Illustration, gegen deren Kernaussage – Was zur Hölle bedeuten denn Begrifflichkeiten wie „Gleichberechtigung“ oder „Gerechtigkeit“ und wie schaut’s denn in der „Realität“ aus? – kaum etwas zu sagen ist. Und trotzdem kann man auch hier Meinung gewieft bilden. Etwa anhand von – zugegebenermaßen ausbaufähigen -Photoshop-Fähigkeiten, die die „Realität“ alsdann mit „Der Reiche baut sich einen gemütlichen Stuhl und sagt der Mittelklasse, sie solle sich um die Ärmeren kümmern“ beschreibt.

DaAkr5TW0AIRp5z

(via)

Joa, kann man so machen.

Wer jedoch die Google-Bildersuche für nur ein, zwei mehr Freizeitminuten bemüht, der stößt schnell aufs Originalbild.

EqualityEquityRealityLiberation

(via)

Dessen Illustration der „Realität“ kommt zwar – auch ohne dogmatisch festgezimmerten Untertext – beinahe aufs selbe Urteil, lässt dem Ganzen mit dem vierten Bild der „Liberation“ („Befreiung“), in der der Zaun fallen und allen eine faire Chance zuteil werden darf, noch einen positiven Schluss folgen…

Was will uns der pappnasige Autor also sagen? Im Grunde nur, dass man nicht jedem Bild, jedem Foto und jedem fix zusammen geschusterten Facebook- oder Twitter-Post ad hoc seinen vollsten Glauben schenken sollte. Lieber noch einmal Googlen, sich parallel informieren, hinterfragen. Nicht mit rotäugig-starrer Paranoia, jedoch mit gesundem Menschenverstand. Denn gut informiert lebt sich’s gleich viel leichter…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

So viel mehr als nur „Zombie“ – Dolores O’Riordan ist tot.


dolores

Foto: Getty Images

Das neue Jahr ist erst gut zwei Wochen jung und hält bereits für all jene, die in den seligen Neunzigern mit Rockmusik aufgewachsen sind, die erste echte Scheißnachricht bereit: Dolores O’Riordan ist tot.

Dolores O’Riordan? Ja, die Frontdame von den Cranberries. Freilich denkt man nun zuerst an deren zwar guten, jedoch auch echt fiesen Ohrwurm „Zombie“. An das dazugehörige Musikvideo, welches innerhalb von fünf Minuten all die Schrecken des Nordirlandkonflikts auf den visuellen Punkt bringt. An die für nicht wenig Hummeltittchen sorgende Version des Songs bei MTV Unplugged, mitgeschnitten am Valentinstag 1995 in der Academy Of Music in Brooklyn, New York. Natürlich wurde die Band aus dem irischen Limerick vor allem mit und wegen diesem Stück berühmt und bekannt, eventuell noch wegen „Linger“ oder „Ode To My Family“ (letzteres ist ebenso wie „Zombie“ auf dem 1994 erschienenen zweiten Album „No Need To Argue“ zu finden, welches sich bis heute mehr als 16 Millionen Mal weltweit verkaufte). Aber speziell für mich  war O’Riordan, waren die Cranberries so viel mehr als diese zwei, drei einprägsamen Songs…

Klar, man konnte die Stimme der zierlichen Frontfrau anstrengend, nervtötend und – to put it simplescheiße finden (und wer in den kommenden Tagen Umschreibungen wie „Rockröhre“ oder „Powerfrau“ in irgendeinem Nachruf findet, darf gern ein paar Euronen fürs Phrasenschwein einfordern). Man konnte dem Anfang der Neunziger ins Leben gerufenen Rock-Quartett gut und gern ebenso deren nicht selten prätentiöse Herangehensweise ans Musikalische zur Last legen wie die Tatsache, spätestens nach dem 1999 erschienenen vierten Werk „Bury The Hatchet“ den eigenen kreativen Zenit merklich überreizt zu haben (der Titel des nächsten, zwei Jahre darauf in die Regale gestellte Albums „Wake Up And Smell The Coffee“ darf gern symptomatisch für dessen Null-und-nichtig-Aussagekraft stehen und heutzutage nur noch von Eingeschlafene-Füsse-Bands wie Coldplay getoppt werden). Dass Dolores O’Riordan es einige Jahre, nachdem sich die Cranberries zwischenzeitlich auflösten, mit einem ersten, halbwegs gelungenen Solo-Album namens „Are You Listening?(sic!) versuchte? Dass die Band 2012 mit dem sechsten Werk „Roses“ ein kaum bemerktes Comeback versuchte und erst im vergangenen Jahr auf „Something Else“ – nennt es mangelnde Kreativität, nennt es „die Nostalgiewelle reiten“, nennt es Geldschneiderei – einige ihrer *hust* „größten Hits“ als Akustikversionen neu interpretierte? Hat man am Rande registriert, und sich irgendwie auch gefreut, dass O’Riordan und ihre drei nicht mehr ganz jungen Jungs (Noel und Mike Hogan sowie Fergal Lawler) immer wieder einen Neuanlauf wagten.

Klar, irgendwie waren sowohl Dolores O’Riordan als auch die Cranberries standfeste Relikte der Neunzigerjahre-Rockszene. Wegen „Zombie“. Wegen Nordirland. Aber auch wegen so viel anderer tolle Stücke, von denen mir spontan „I Just Shot John Lennon„, „Animal Instinct„, „Salvation„, „Promises„, „Ridiculous Thoughts“ oder „Yeats‘ Grave“ in den Sinn kommen.

Als ich vor wenigen Minuten von Dolores O’Riordans überraschendem Tod im Alter von 46 Jahren las, musste ich an all jene Momente meiner Jugend denken, die ein alter Freund – zwei Dumme, eine Erinnerung – nur wenige Sekunden darauf via Facebook – und in Anspielung auf das ewig tolle Titelstück von „No Need To Argue “ – wie folgt auf den Punkt brachte:

„Jedes Treffen in deinem Elternhaus begann mit diesem Song auf der endgeilen Anlage deines Vaters (mit Kirchensound versteht sich). ‚Ich brauche meine Medizin‘ sagte ich immer. Kacke und nu isse nich mehr. Mir dreht sich der Quirl im Magen.“

Ganz klar: Wir alle werden älter, und – ähnlich wie ich mich bei der Nachricht vom Tod Chris Cornells gefühlt habe – sagen unserer Jugend mit jeder dieser Noten ein ums andere Mal Adieu. Eine Träne im Anschlag, die Faust bleibt erhoben. Danke für heilige juvenile Momente, Dolores. Du irische Sirene. Du Rockröhre. Du Powerfrau. Mach’s gut, verdammt.

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: