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Song des Tages: Azure Ray – „November“


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Tegan and Sara? First Aid Kit? Indigo Girls? Nope. Das tollste All-Female-Duo im Indie-Musikbizz sind und bleiben Azure Ray – selbst, wenn Saddle Creeks Vorzeige-Sirenen bereits seit fünf langen Jahren – die EP „As Above So Below“ erschien 2012 – nichts mehr von sich haben hören lassen…

Denn noch immer eignen sich die vier zwischen 2001 und 2010 in die gut sortierten Plattenläden gestellten Azure Ray-Alben perfekt, um Jahresanfänge und Jahresenden einzuläuten. Einen besseren Soundtrack für jene Momente, wenn alles aus einem langen (Winter)Schlaf erwacht oder sich – so langsam, jedoch sicher – wieder in selbigen begibt, als die von Maria Taylor und Orenda Fink meisterhaft in scheinbarer Slow-Motion verfassten und in wunderbarer Melancholie gebadeten Songs kann es kaum geben… Einwände? Sag‘ ich doch!

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Maria Taylor – „If Only“


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Momente, in denen man merkt, dass man so langsam aber sicher alt wird: man bleibt an einem Samstagabend gern mal lieber zuhause auf der Couch, man findet immer mehr graue Haare an vielen Stellen des eigenen Haupthaars, man wird sich bewusst, dass Maria Taylor – einst die süßlich betörende Hälfte der „Saddle Creek“-Sirenen Azure Ray – mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder ist.

Ja was hab‘ ich damals, in meinen Zwanzigern, noch im Stillen für die aus Birmingham, Alabama stammende Musikerin geschwärmt! Gut, war ja auch nicht schwer, immerhin hatte sowohl ihre damalige Hauptband Azure Ray, die Taylor gemeinsam mit Orenda Fink bildete, als auch ihr damaliges Label „Saddle Creek“ ordentlich Indie-Cred in petto. Zudem bandelte sie damals mit keinem Geringeren als Conor „Bright Eyes“ Oberst an, man durfte also heimlich ein stückweit neidisch auf ihn sein und ihr sowohl zu ihrem ausgezeichneten Männer- als auch Musikgeschmack gratulieren.

1476477555276All das ist freilich längst Geschichte – sowohl Azure Ray, deren letzte Veröffentlichung, die „As Above So Below“ EP, auch schon wieder vier Jahre zurückliegt (das letzte Album „Drawing Down The Moon“ gar ganze sechs), als auch die Liaison mit Oberst. Mittlerweile hat Maria Taylor ihre Zelte mit Mann und Nachwuchs im sonnigen Kalifornien aufgeschlagen und stellt nun, am 9. Dezember, ihr bereits sechstes Soloalbum „In The Next Life“ in die Plattenläden. Und trotzdem ist bereits bei der ersten Single „If Only“ fast alles so wie damals zu Anfang der Nuller-Jahre, als „Saddle Creek“ das wohl tollste Indie-Label der Welt war und Bands wie Bright Eyes oder Azure Ray noch ein echter Geheimtipp… Kein Wunder, schließlich bekam Taylor beim Song stimmliche Unterstützung von Conor Oberst höchstselbst, mit dem sie noch immer gut befreundet ist. Dazu Maria Taylors stets über allem zu schweben scheinende Stimme, welche ohnehin alterslos wirkt.

„This video was directed by one of my favorite photographers, Liz Bretz“, gab Taylor unlängst in einem „Billboard“-Interview zu Protokoll. „I wanted the video to reflect my lives within my life. I wanted it to tie in my past and present with a dream like quality. Having the desert setting was important because while writing this record, Joshua Tree became my favorite place to clear my mind… and at the same time inspire new songs.“ Gegen Ende des neuen Musikvideos sind auch Duettpartner Oberst sowie Taylors Mann und ihre zwei Kinder zu sehen.

Überhaupt holte sich die mittlerweile 40-Jährige für ihr neustes Album, welches erstmals auf ihrem eigenen Label „Flower Moon Records“ und in Deutschland passenderweise bei den feinen Leuten von „Grand Hotel Van Cleef“ erscheint, viel (männliche) Unterstützung an Bord und ins Studio: Singer/Songwriter Nick Freitas saß auf dem Produzentenstuhl, während ihr – nebst dem bereits erwähnten Conor Oberst – viele befreundete Musiker wie Joshua Radin, Jake Bellows (Neva Dinova), Louis Schefano (Remy Zero, Suspicious Light) oder Morgan Nagler (Whispertown) unter die Arme griffen. „I kept asking myself, ‚If I die tomorrow, what would I want my last record to say?'“ – eine existenzielle Frage, welche durchaus auf ein feines neues Album hoffen lässt. Und selbst, wenn man selbst merklich älter geworden ist – Maria Taylors Stimme klingt beinahe noch immer wie damals, als ein kleines Label aus Omaha, Nebraska noch die halbe Indie-Welt mit der tollsten Musik versorgte…

 
 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Die Sonne – „Für alle“


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Foto: Sibylle Mall

Dass Die Sonne vor dem im vergangenen August veröffentlichten selbstbetitelten Albumdebüt noch Wolke hießen – geschenkt. Dass die heute erscheinende neue Single „Für alle“ mal keine tiefgreifenden Botschaften vermittelt – ebenso: geschenkt. Manchmal muss man eben über selten dämliche Bandnamen hinweg sehen und im Kleinen suchen, um etwas Universelles zu finden…

Und überhaupt könnte man zuerst denken, dass man es bei Oliver Minck und Benedikt Filleböck mit zwei Hobbymeteorologen zu tun hat. Denn das Duo, das zwischen 2005 und noch nicht all zu langer Zeit als Wolke deutsche Clubbühnen bespielte, macht nun, mit Boris Rogowski (E-Gitarre), Roland Münchow (Bass) und Claus Schulte (Schlagzeug) zur vollwertigen Band vergrößert, als Die Sonne das, was man beim Heimatlabel der Band, Tapete Records, seit Jahr und Tag bereits zuhauf findet: gute deutschsprachige Indiepopmusik. Wer beim Hören an Labelmates wie Erdmöbel oder Die Höchste Eisenbahn denken muss, liegt schon irgendwie richtig. Die fragile Tragik, mit der Sänger Oliver Minck noch in vielen Songs des Debütalbums ins Innenleben der bundesdeutschen Seelenheils geleuchtet hat, geht „Für alle“ jedoch – zumindest vordergründig – ab. Stattdessen zeigt sich die neuste Dreieinhalb-Minuten-Single der Kölner Formation – um mal beim Meteorologischen zu bleiben – komplett wolkenfrei. Schön auch, dass die Band fürs Musikvideo so einige Kollegen gewinnen konnte, die man etwa bei gemeinsamen Touren kennen gelernt hat (etwa Maria Taylor, ihres Zeichens 50 Prozent des US-Indiepop-Duos Azure Ray) oder mit denen man sich gar einen Platz bei Tapete Records teilt (der schwedische Singer/Songwriter Kristofer Åström). Möge Die Sonne „Für alle“ scheinen…

 

 

Rock and Roll.

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Viele Namen in Nacht und Nebel – Ben Lees „Mixtape“-Album mit Ben Folds, Zooey Deschanel, Nina Persson, Neil Finn…


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Das Schöne an Nacht-und-Nebel-Aktionen ist ja, dass niemand mit ihnen rechnet.

So auch im Falle von Ben Lee. Der australische Singer/Songwriter mag hierzulande trotz seiner zahlreichen sehr gelungen Alben, die er seit Mitte der Neunziger veröffentlicht hat, nach wie vor ein quasi unbeschriebenes Blatt und nur den Wenigsten bekannt sein (von daher wird auch kaum jemanden interessieren, dass sein neues Album „Love Is The Greatest Rebellion“ im Mai diesen Jahres erscheinen soll). Und doch hat der Musiker von „Down Under“ nun für eine kleine Überraschung gesorgt: ein namenhaft besetztes „Mixtape-Album“, das er vor wenigen Tagen über Nacht via Bandcamp ins Netz stellte…

Eigentlich begann das „Mixtape“-Projekt als kleines Experiment, wie Ben Lee selbst anmerkt. Er schrieb Songs auf bestimmte Stimmen zugeschnitten und lud schließlich die betreffenden Künstler ein, um die jeweiligen Stücke einzusingen. So entstand eine Platte mit befreundeten Künstlern wie Zooey Deschanel, Ben Folds (mit ihm und Ben Kweller nahm Lee 2003 die – wie passend – „The Ben EP“ auf), Eels-Frontmann E, John-Lennon-Sohn Sean, Maria Taylor und Orenda Fink von Azure Ray, Cardigans-Chanteuse Nina Persson oder Neil Finn.

Das Beste: Im Grunde „verschenkt“ der Musiker das komplette elf Songs starke „Mixtape“-Album. Ben Lee bittet lediglich um eine Spende von (zumindest) einem Dollar für sein Werk. Das Geld soll der von ihm unterstützten Inkarri Cultural Organization zugute kommen.

 

 

Hier könnt ihr das gesamte „Mixtape“-Album im Stream hören:

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow (2012)

„Blonde On Blonde“ von Bob Dylan, „Sea Change“ von Beck,  „Album Of The Year“ von The Good Life, „Love Is Hell“ von Ryan Adams, „O“ von Damien Rice – die Liste großer, tränenschwerer  Trennungsalben ist lang. Kristofer Åström fügt nun mit seinem nunmehr neunten Soloalbum (plus vier EPs) namens „From Eagle To Sparrow“ ein weiteres hinzu.

Dabei ist die Welt im Album-Opener „For You“, welches durch Rhythmik und Mundharmonika-Begleitung an Bob Dylan erinnert, zwar von (Selbst)Zweifeln geprägt, aber scheinbar noch halbwegs in Ordnung: „How come you are staying with me? / How come you’re still here? / Am I the one that you can stand? / The only one you need?“. Doch schon im darauf folgenden „Queen Of Sorrow“ ist die Dame weg und es Åström selbst, der die Scherben der gescheiterten Beziehung und seines gebrochenen Herzens aufkehren muss: „Dear father, sweet sister / Mother, I still miss her / … / Is it worth to keep dreaming? / If the world will soon fall to pieces“. Nachdem der 38-jährige Schwede bei den Vorgängern „Sinkadus“ (2009) und „RainawayTown“ (2007) noch (s)eine Begleitband im Rücken hatte, nahm er nun „From Eagle To Sparrow“, bis auf kleinere Ausnahmen wie „Full Moon“, ein Fernduett mit Sandle Creek-Darling Maria Taylor, oder das sacht vorwärts stampfende „Taser Gun“, komplett allein auf – die sprichwörtliche Gesundschrumpfung „vom Adler zum Spatzen“ war wohl nötig. Insgesamt sucht Åström in den zwölf Songs weniger nach dem Warum – schließlich hat er bereits auf dem 2001 erschienen „Northern Blues“ eine ganz ähnliche Lebenssituation vertont – sondern mehr nach Wegen, um aus dem Seelentief mit möglichst wenigen Schrammen wieder heraus zu kommen. Klar hätte er es von Vornherein besser wissen sollen („I’m always looking for the heartbreaker to call my own / I’ve been waiting for the homewrecker to throw her stones“ – aus „Strong & Tall“), doch der hoffnungslose Romantiker („I’m a lover, I’m a fighter / I’m keeping my head above water“ – aus „Queen Of Sorrow“) kann halt nicht anders und befürchtet, dass er, allen Ablenkungsversuchen und Widrigkeiten zum Trotz, doch wieder vor der Tür der ehemals Angebeteten enden wird („Come summer, come standing outside your door“). Und klar weiß gerade Åström aus eigener Erfahrung, dass die eben geleckten Wunden irgendwann wieder heilen… Bleibt nur zu klären, wann („Your heart is torn / When will you come back?“).

„From Eagle To Sparrow“ ist beileibe kein weinerliches Album. In allen Songs steckt, neben all der Sentimentalität und Melancholie, auch ein großer Brocken Hoffnung auf einen Lichtstrahl am Ende des Herzeleidtunnels. „From Eagle To Sparrow“ ist ein tolles Singer/Songwriter-Album, Åströms wohl bestes Werk seit „Loupita“ (2004) und in seiner Gesamtheit auch eine Verneigung vor einem der großartigen Herzschmerz-Musiker aller Zeiten: Elliott Smith. Denn genau wie dieser schafft es Kristofer Åström, den Hörer mit einfachen Mitteln (sprich: meist nur mit Hilfe einer Akustikgitarre) zu fesseln und zu emotionalisieren. Beim Song „Can You Imagine?“ wagt der Schwede dann sogar wieder einen gesellschaftskritischen Blick vor die eigene Haustür, um im abschließenden „Forget About It“ den Seelenunrat zum Müll zu bringen. „Kopf hoch und Arsch in den Sattel“ sangen Jupiter Jones einst, was die schlussendliche Botschaft von Åströms neustem Werk treffend umreißt. Weiter geht es immer, den Weg muss jeder für sich selbst wählen. Bis dahin: Fick dich, Herzschmerz!
 
Hier könnt ihr euch den Song „Strong & Tall“ anhören:

 

Im März ist Kristofer Åström auf Deutschland-Tournee. Hier die Daten:
 
11.03.2012 Hamburg / Kunst
12.03.2012 Hannover / Mephisto
13.03.2012 Göttingen / Apex
14.03.2012 Bielefeld / Fallendem
15.03.2012 Bremen / Tower
16.03.2012 Lingen / Alter Schlachthof
17.03.2012 Köln / Gebäude 9
18.03.2012 Dortmund / FZW
19.03.2012 Saarbrücken / Garage
20.03.2012 Wiesbaden / Schlachthof
21.03.2012 Karlsruhe / Jupes
22.03.2012 Luzern (CH) / Schuur
23.03.2012 Freiburg / White Rabbit
24.03.2012 Konstanz / Kulturladen
25.03.2012 München / Ampere
26.03.2012 Nürnberg / Hirsch
27.03.2012 Halle / Objekt 5
28.03.2012 Dresden / Beatpol
29.03.2012 Berlin / Comet
30.03.2012 Greifswald / Cafe Koeppen
31.03.2012 Flensburg / Volksbad

 
Rock and Roll.

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