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Song des Tages: Slow Pulp – „At It Again“


Foto: Promo / Rachel Cabitt

Mal eine These, die durchaus Sinn ergibt: Die im vergangenen Jahr für ihre kreative Umtriebigkeit sowie ihr fulminantes zweites Album „Punisher“ zurecht allerorten gefeierte Phoebe Bridgers hat ihren mittlerweile recht genreprägenden, halb geflüsterten Gesangsstil keineswegs entwickelt, um eine eigene Klangästhetik zu begründen, sondern schlichtweg aus der schnöden Notwendigkeit einer hellhörigen Wohnung mit dünnen Wänden heraus, in der sie ihre ersten eigenen Songs schrieb und aufnahm. Dennoch erschien diese Art des Vortrages wohl stilistisch so attraktiv, dass sich nun bereits eine halbe Generation junger Elevinnen auf ebendiesen Stil beruft. Emily Massey, die 2017 als potentielle Frontfrau zu dem bis dahin als befreundetes All-Male-Trio existierenden Slow Pulp aus Madison, Wisconsin (früher) beziehungsweise Chicago, Illinois (heute) stieß, scheint zu jener Halbgeneration zu gehören – bis hin zu der Tatsache, dass sie nicht nur den Flüster-Stil, sondern auch den ein oder anderen Kniff in der Harmonieführung von jener mit 26 Lenzen selbst ja noch jungen Vorreiterin übernommen zu haben scheint.

So singt Emily Massey denn auch den Löwenanteil der ansprechend konstruierten, organischen Indie-Rock-meets-Dream-Pop-Songs, die sich auf Slow Pulps im vergangenen Oktober erschienenen Debütalbum „Moveys“ befinden. Der Titel der Platte ist ein Neologismus, der sich auf die Entstehungsgeschichte der Songs, Rastlosigkeit und Veränderung der Band bezieht. Doch bei dieser „klassischen“ Rollenverteilung mit einer Dame am Mikro und den Herren am Instrumentarium bleibt es nicht, denn das Newcomer-Quartett sucht sich und ihren Bandsound zum einen noch, zum anderen zwang ein Krankheitsfall in Emilys Familie während der Corona-Lockdown-Phase die junge US-Indie-Band, welche bereits zuvor – nach der Diagnose von Massey mit Lyme-Borreliose und chronischem Drüsenfieber – ein Album mit einigem an Material verworfen hatte, zu einer unfreiwilligen zeitweisen Trennung. Die in Chicago verbliebenen Jungs – Henry Stoehr (Gitarre), Alexander Leeds (Bass) und Theodore Mathews (Schlagzeug) – nutzten diesen nicht eben vorteilhaften Wink des Schicksals, um den Rest der Debüt-LP kurzerhand im Testosteron-Alleingang fertig zu stellen. Wohl auch deshalb werden zwei stilistisch eher in Alternative-Rock-Gefilde gehüpfte Stücke kurzerhand von Bassist Alexander Leeds gesungen, wohl auch deshalb findet man auf dem Nachfolger der 2019 veröffentlichten „Big Day EP“ nicht nur Anklänge an die seligen Neunzigerjahre und Alternative-Größen wie Slowdive und Sonic Youth, sondern auch Ausflüge in Alt.Country und Indie Folk sowie das ein oder andere eigenwillig tönende Instrumental, das scheinbar recht wenig mit dem Rest des Albums zu tun hat. Trotzdem lässt das knapp 30-minütige Endergebnis mit Highlights wie „Falling Apart„, „Idaho„, „Track“ oder „At It Again“ durchaus positiv aufhorchen und sei nicht nur allen Freunden der jüngsten Großtaten von Phoebe Bridgers ans Hörerherz gelegt, sondern auch all jenen, die auf in Indie Rock und Dream Pop beheimatete Kleinode stehen.

Empfehlenswert ist auch die „Live on KEXP at Home“-Session der Band:

Rock and Roll.

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Song des Tages #2: Garbage – „No Horses“


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Okay, mal ehrlich: Wer von euch hat Garbage vermisst, etwa in der etwas längeren Veröffentlichungspause zwischen den Alben „Bleed Like Me“ (2005 erschienen) und „Not Your Kind Of People“ (von 2012)? Geschweige denn, überhaupt mitbekommen, dass die Alternative-Rocker aus dem US-amerikanischen Madison, Wisconsin wirklich mal für ein paar Jahre nicht gemeinsam auf irgendwelchen Konzertbühnen gestanden haben? Eben.

Und obwohl Shirley Manson und ihre drei „Jungs“ (darunter auch „Nevermind“-Produzent Butch Vig, der sich bei Garbage ganz galant hinterm Schlagzeug aufhält) ihre erfolgreichen Heydays in den seligen Neunzigern und mit Indie-Hits wie „Only Happy When It Rains“, „Milk“, „Push It“, „I Think I’m Paranoid“, „The Trick Is To Keep Breathing“ oder dem Bond-Song „The World Is Not Enough“ (zum Film gleichen Titels) hatten, ist es doch schön, auch heute noch ab und an von der seit 1993 bestehenden Band zu hören, etwa mit dem im vergangenen Jahr erschienenen sechsten Album „Strange Little Birds„.

51sPQ2Y7vLL._SS500Dass Garbage nicht knietief im Neunziger-Revival-Zeitgeist versackt sind, sondern durchaus zeitgemäß klingen können, beweisen die Vier etwa mit der neusten Single „No Horses“: Frontfrau Shirley Manson, die auch mit ihren 50 Lenzen noch beachtlich zeitlos-toughe Traumfrau-Qualitäten vorzuweisen hat, tritt im Musikvideo mit roter Mähne im Rotkäppchen-Look in Erscheinung und wäscht ihren Bandmates in Anlehnung an den Sohn Gottes die Füße, bevor Video-Regissuer Scott Stuckey diese Szenerie von fast schon anmutiger Unschuld mit Bildern realer Protestmärsche (etwa dem des „Women’s March“)  sowie etlicher Aufstände und Gewaltszenarien konterkariert: “There will be no cops / just men with guns…” Apocalypse now.

 

 

„They’ll love you too
They’ll love you too
They’ll love you too
They’ll love you too
They’ll come to you
They’ll come to you
They’ll come to you
They’ll come to you too

They’ll worship you
They’ll worship you
They’ll worship you
They’ll worship you too
They’ll use you too (they’ll use you too)
They’ll lie to you (they’ll lie to you)
They’ll steal from you (they’ll steal from you)
They’ll sell you too (they’ll sell you too)
They’ll turn on you
They’ll come for you
They’ll hurt you too
They’ll get to you too

And there will be no apologies
And no more security
There will be no cops
Just men with guns
In their shiny black uniforms
And their big black boots
With their shiny black batons
And their sleek black cars
With their fingers on the trigger
With their fingers on the trigger
With their fingers on the trigger
And their skeleton keys

And there will be no marches
There will be no impurity
No more TV
And no more cavalcades

And no more horses, no horses
There’ll be no horses, no more motorcades

There’s a sky full of tears
A sky full of tears
There’s a sky full of tears
There’s a sky full of tears
I’ve been awake all night (been awake all night)
And the sun don’t shine (and the sun don’t shine)
And the night’s so long (and the night’s so long)
And the moon is in shock (the moon is in shock)
And all the lovers turn cops
And all the lovers turn cops
Oh all the lovers turn cops
Oh all the lovers turn cops

And no more horses, no horses
There’ll be no horses, no more motorcades
No more horses, no horses
There’ll be no horses, no more motorcades

There’s nothing to grieve
There’s nothing to lose
There’s nothing to hide
There’s nothing to grow
There’s nothing, nothing, nothing, nothing
This is the apocalypse
This is the apocalypse
This is the apocalypse
That killed the horses

Shhhhhhh!“

 

Rock and Roll.

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