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Song des Tages: Suggested Friends – „The Apocalypse (it’s just a day away)“


Ich weiß ja nicht wie’s bei euch so ausschaut, aber bei mir selbst laufen beim Hören neuer Musik nicht selten assoziative Bilder vorm inneren Auge ab. Die Songs von Suggested Friends etwa tönen, als hätten Belle & Sebastian sich mit (den frühen) Tegan & Sara auf ein Tässchen Tee getroffen, dabei alte Mike Oldfield-Platten gehört und daraufhin – eventuell wurde dem Heißgetränk ja ein kleiner Schuss Starkalkoholisches beigemischt, dann wär’s eine waschechte Schnapsidee – beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Manch anderer mag auch vermuten, dass hier das kreative Kaffeepulver angesagter Künstlerrinnen von Phoebe Bridgers über Lucy Dacus bis hin zu Anna Burch in gekonnter Barista-Manier durch einen feinen Riot-Grrrl-Filter gelaufen sein mag… Geht’s zu weit? Nevermind.

Die vierköpfige Band aus London verbindet auf ihrem zweiten, bereits im Oktober 2019 erschienenen Album „Turtle Taxi“ old-schoolig schrammeligen Indie Rock mit zuckersüßem, (im besten Sinne) klebrigem Indie Pop. Obendrein kann Sängerin Faith stimmlich so einige Höhen und Tiefen abdecken und singt gern mehrstimmig-melodieselig mit den restlichen Bandmitgliedern um die Wette. Klar, das mag im Gegensatz zu den teils schroffen, krachig-punkigen Gitarren (von denen das 2017er Debüt noch einige mehr zu bieten hatte) an mancher Stelle ein wenig gewöhnungsbedürftig daher poltern. Dennoch bilden kleine, verspielte Ums-Eck-Hits wie „Pretty Soon Your Grave Will Be A Landfill“ (was für ein Titel!) oder das Titelstück „Turtle Taxi“ (ja, es laufen Schildkröten durch das schräg-sympathische DIY-Video, im Musikvideo zu „For Jokes“ gibt’s sogar Katzen!) einen interessanten Kontrast zum fast schon kitschigen „Blooms“.

Dieser Kontrast ist es unterm Strich auch, der dafür sorgt, dass „Turtle Taxi“ nicht das 23. hübsche Indie-Album aus der an hübschen Indie-Alben ohnehin nicht armen UK-Musik-Szene ist, sondern tatsächlich das Potential dazu besitzt, sich in den Gehörgängen festzusetzen. Das und das Händchen der Band, einfühlsam-persönliche Texte über (queere) Beziehungen, Kapitalismus, Politik, Traumabewältigung und die banalen Absurditäten des Tagtäglichen zu schreiben. Denn immerhin geben die vier Indie-Musiker*innen von Suggested Friends gern Auskunft über ihre queeren Identitäten, ohne allzu lang um den heißen Gender-Brei herum zu tänzeln – das deutet bereits die Beschreibung ihrer Band auf Facebook an: „small choir of mostly lesbians“. Freunde der Muncie Girls oder The Beths sollten hier in jedem Fall das ein oder andere Ohr riskieren!

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ex:Re – „Where The Time Went“ (with 12 Ensemble)


Foto: Promo / Maria Kochiashvili

Über zwei Jahre ist es her, dass Elena Tonra mit ihrem ersten Solo-Album unter dem Namen Ex:Re im ungefilterten Monolog das Ende einer Beziehung rekapitulierte und allen geneigten Hörern (und Hörerinnen) zehn wunderschöne, sanft-melancholische Tränenzieher irgendwo im nachtschweren Electro-Pop-Spannungsfeld servierte. Seitdem jedoch herrschte Funkstille – auch bei ihrer eigentlichen Hauptband Daughter. Umso überraschender kam nun die Ankündigung, dass bereits am morgigen Freitag ein (digitales) Album mit Live-Aufnahmen der Kollaboration zwischen der Daughter-Frontfrau, der klassischen Komponistin Josephine Stephenson und dem 12 Ensemble, einem renommierten String Ensemble, erscheinen wird.

Und obwohl die 31-jährige britische Musikerin mit Ex:Re noch immer ihr „Solo-Ding“ verwirklicht, ist „Ex:Re with 12 Ensemble“ ein durch und durch gemeinschaftliches Produkt: So zeichnete sich Fabian Prynn, der Produzent und Schlagzeuger des Ex:Re-Debütalbums, für die Aufnahmen verantwortlich, welche am 30. November 2019 im Londoner Kings Place entstanden. Josephine Stephenson begleitete Tonra auf dem Piano, integrierte das 12-köpfige Streich-Ensemble gekonnt in die emotionalen Songs und erschuf so eine Brücke zwischen klassischer und kontemporärer Musik. Das Ergebnis besticht durch seine subtile Dynamik, die Elenas Worte exponiert und an Bedeutung gewinnen lässt, konträre Melodien oder detailverliebte Änderungen an Harmonien, welche die Songs wachsen lassen. Die vorliegende Live-Umsetzung des Studioalbums ist dabei ein nur allzu logischer Schritt, denn nachdem Stephenson Elena „Ex:Re“ Tonra über ein Jahr auf Tour begleitete und ihre Songs in- und auswendig kannte, existierten die Blaupausen der Arrangements bereits in ihrem Kopf und mussten quasi nur noch an das 12 Ensemble übergeben werden. Wunderschön, einmal mehr.

Einen ersten Eindruck von „Ex:Re with 12 Ensemble“ kann man sich anhand des Videos zum Album-Opener „Where The Time Went“ verschaffen:

Rock and Roll.

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Song des Tages: dodie – „She“


YouTuber(in) und Musikschaffene(r) in einem Satz? Da dürfte einen zumindest in Deutschland schnell das nackte Grauen überfallen – man denke nur an Pop-Ohrwurm gewordene Verbrechen wie etwa Bianca „BibisBeautyPalace“ Claßens „How It Is (wap bap…)„… Nee, lass‘ mal lieber. Influencer-Püppi, bleib‘ bei deinen digitalen Leisten.

Bei Dorothy Miranda „dodie“ Clark sieht die Welt jedoch ganz anders aus. Vor beinahe zehn Jahren veröffentlichte die damals 16-Jährige Britin, von der 2019 bereits auf ANEWFRIEND zu lesen war, ihren ersten Song „Rain“ auf YouTube. Mittlerweile ist sie 25 und konnte sich über die Jahre eine beachtliche Fangemeinde erspielen: annähernd zwei Millionen Subscriber bei YouTube, fast ebensoviele Follower bei Instagram. Wohl auch dank ihrer digitalen Reichweite erreichte dodie anno 2017 mit ihrer zweiten EP „You“ ohne großartige Promotion irgendwelcher alter weißer Plattenlabelherren sogar Platz 6 der britischen Albumcharts und verkaufte auch ihre ersten Deutschland-Shows Monate im Voraus bis aufs letzte Ticket aus. Chapeau!

Wenig verwunderlich also, dass dieses Do-it-Yourself-Wunderkind mit den stets etwas traurig dreinschauenden Augen, das sich trotzdem „hauptberuflich“ ihrem YouTube-Channel widmet(e), auch mit der dritten, 2019 veröffentlichten EP “Human” für den ein oder anderen Internet-Begeisterungssturm sorgen konnte. Während “Monster” noch locker-flockig über blubbernde Elektro-Töne Indie-flaniert, um dann in hymnische Chöre aufzubrechen, setzen “Not What I Meant” und das Titelstück auf Streicher und sanfte Töne. Es zeigt sich: Die vielseitige Künstlerin aus London beherrscht mit ihrer warmen Stimme beide Spielarten aus dem Effeff. Irgendwo im Indie-Metier spielt sich dodie mal eben unbekümmerte, aber dennoch bewegende Songs von der juvenilen Seele, die dennoch über durchaus faszinierende Tiefen verfügen. So wird im tollen “She” eine wahrlich herzzereißende – wahlweise gleichgeschlechtliche oder platonische – Geschichte erzählt, “If I’m Being Honest” ist eines dieser ganz und gar unpeinlichen Liebeslieder, die passende Wörter für diesen unbeschreiblichen Zustand finden, “Burned Out” vertont wiederum das Anhimmeln einer unerreichbaren Person. Und all das vor den zartesten Harmonien und den sanftesten Tönen. Ja, so klingen die Zwanziger.

Schon jetzt hat dodie, deren Debütalbum „Build A Problem“ am 5. März erscheinen wird, ihren eigenen Stil gefunden, der zwar keine neuen musikalischen Welten erfindet, jedoch durchaus mit ausgefallenen Songtexten und bewegenden Melodie-Führungen zu überzeugen weiß. Wunderbar, dass nicht nur junge (und junggebliebene) Freunde von irgendwelchen YouTube-Channels etwas von diesem Ausnahme-Talent mitbekommen dürfen. Denn in der (welt)weiten Musik ist sicher noch ein warmes Plätzchen zwischen musikalischen Nachbarinnen wie Kate Nash oder Soko für eine wie dodie frei…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Another Sky – „Fell In Love With The City“


Aonther-Sky

In dem deutschen Jugendmagazin „NEON“ gab es einmal eine Rubrik mit dem Titel „In was für einer Welt leben wir eigentlich“. Meist ging es darin um Begebenheiten oder Themen, die zu schaurig schienen, um wahr sein zu können. Heute gibt es sowohl die Rubrik als auch das Heft, dessen Print-Ausgabe vor zwei Jahren eingestellt wurde, nicht mehr, der Titel würde sich jedoch recht formidabel als erste passende Charakterisierung des Londoner Indie-meets-Post-Rock-Quartetts Another Sky eignen.

artwork-440x440Die Band um Sängerin Catrin Vincent spielt auf ihrem unlängst erschienenen Debütalbum „I Slept On The Floor“ mit einer Wucht, die vergleichbar ist mit dem, was einst das „NEON“-Magazin als Zeitgeschehen in Worte zu fassen versuchte. In der düstren Single „Avalanche“ sinniert Vincent etwa über Polizeigewalt, Rassismus, toxische Männlichkeit und Sexismus, wie sie sich an nahezu jeder Straßenecke ereignen (können), ohne dass etwas dagegen unternommen wird: „A man shot dead while the world slept / The killer free, the police said“. Dazu marschiert die Band aus Sängerin Catrin Vincent, Gitarrist Jack Gilbert, Bassistin Naomi Le Dune und Schlagzeuger Max Doohan mit elektrisierenden, nicht selten schreddernden Gitarren im Takt, Vincent skandiert im Refrain immer wieder: „When you hold them to account, they’ll spit you out“ – wenn du sie zur Rechenschaft ziehst, spucken sie dich aus.

Das Besondere ist jedoch nicht nur die Energie, mit der Another Sky, die während ihrer Studienzeit an der Goldsmiths University in London zusammen fanden, hier irgendwo zwischen Alt-J, Talk Talk, Foals oder Bon Iver auftreten, sondern vor allem Catrin Vincents wandelbar-besondere Stimme: zwischen tief, brechend und rau, zwischen schillernd und in hohen Tonlagen, zwischen sanft und aggressiv. Das britische Musikmagazin NME beschrieb ihren Gesang als etwas, das mit nichts vergleichbar sei, die VISIONS lässt dieser „an Nico genauso wie an Kate Bush oder Mark Hollis denken“. Laut einer Pressemitteilung nerve es die Sängerin, dass ihre androgyne Stimme stets ein Thema sei, denn einige Fans würden sich seit ihren ersten Auftritten im Jahr 2017 fragen, ob sich hinter dem tiefen Gesang tatsächlich eine Frau verberge. Was noch begünstigt wird durch die Tatsache, dass Another Sky bei Konzerten gern mit Licht und Schatten spielen und so aus der Ferne oft nur schemenhaft zu erkennen sind. „Die Leute gingen von unseren Konzerten nach Hause und fragten sich, ob der Sänger eine Frau oder ein Mann gewesen sei. Ich frage mich, warum das wichtig ist. Ich wollte, dass die Band ein Spiegel ist, der die Dunkelheit auf sich selbst zurück spiegelt. Und ich denke mich in dieser Dunkelheit wiedergefunden zu haben“, so Vincent (mit der man hier ein aktuelles Interview lesen kann).

„This album is about only understanding a place once you’ve left it…“ (Catrin Vincent)

Laut Gilbert soll der Debüt-Langspieler ein „Tagebuch“ sein, Vincent beschreibt sie als eine „Reise von der Jugend ins junge Erwachsenenalter“. In dem elektronisch unterfütterten Song „Life Was Coming In Through The Blinds“ etwa geht es um die Überblendung eines traumatischen Früher ins Heute, etwa wenn das Quartett darüber sinniert, dass man sich einmal ein Zuhause gewünscht habe, in dem es einem besser gehen möge als in der Schule. Das sich zu tänzelndem Hi-Hat-Beats und Gitarren zu einer wahren Wall of Sound aufbäumende „Brave Face“ erzählt vom Ende einer Leibe, das feine „Fell In Love With The City“ handelt ebenso von juvenilen Liebeskummer wie dem ersten intensiven Sich-verlieren in der Hektik der Großstadt: „I fell in love with the city / As I fell out of love with you“. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn das nicht Jedem oder Jeder irgendwann so erginge?

Zwölf Lieder haben Catrin Vincent und ihre Bandmates zubereitet, die sich diesen Fragen und absolut zeitgeistigen Themen immer neu widmen – mal elektronisch und mit dezenten Vocoder-Effekten wie Imogen Heap, mal mit psychedelischen, mal post-punkigen Anstrichen, mal postrockig bis experimentell-verspielt, wie etwa Mogwai oder Arcade Fire. Und auch, wenn nicht jeder Moment memorabel erscheint, so überzeugen Another Sky mit ihrer rätselhaften Schönheit und ihrer beharrlichen Wucht.

 

 

„I fell in love with the city
As I fell out of love with you
I fell in love with the city
As I fell out of love with you

Stranger’s faces, holding their breath
I can see yours in all of theirs
In the windows, lives I don’t know
I feel like I’ve lived all of them

I fell in love with the city
As I fell out of love with you
I fell in love with the city
As I fell out of love with you

In all the world, home was you
Four walls and an empty room
In all the world, home is here
Out of your arms, home’s in me

I fell in love with the city
As I fell out of love with you
I fell in love with the city
As I fell out of love with you“

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: SAULT – „UNTITLED (Black Is)“


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Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch weiße Polizisten gehen die Proteste gegen Rassismus – mal mehr, mal weniger öffentlichkeitswirksam – weltweit weiter. Auch am 19.06., am sogenannten „Juneteenth„, dem Tag, an dem an das Ende der Sklaverei der afroamerikanischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten erinnert wird, zog es in den US of A landesweit Menschen auf die Straßen. Und: Genau an diesem Tag veröffentlichte die britische Band SAULT völlig überraschend ihr nächstes Album mit dem Titel „UNTITLED (Black Is)“. Zeitlos und doch so verdammt relevant. Ein Protestalbum, welches leider perfekt in diese Zeit passt…

We present our first ‘UNTITLED’ album to mark a moment in time where we as Black People, and of Black Origin are fighting for our lives. RIP George Floyd and all those who have suffered from police brutality and systemic racism. Change is happening… We are focused. SAULT x

Um die noch recht frische Band aus London ranken sich seit jeher ein paar Banksy-würdige Mysterien. Ihre Veröffentlichungen erscheinen aus dem Nichts (wie etwa im vergangenen Jahr gleich zwei Werke titels „5“ und „7„), Hintergrundinformationen existieren kaum und öffentliche Auftritte gibt es –  zumindest bisher – nicht. Aus den Credits der Songs ist jedoch zu erfahren, dass sowohl Dean „Inflo“ Josiah (unter anderem Produzent für Little Simz, Jungle oder The Kooks) als auch Sängerin Cleopatra „Cleo Sol“ Nikolic ihre Finger im Spiel haben.  So veröffentlichten SAULT ihr neuestes Werk einmal mehr ohne Vorankündigung als Free Download auf ihrer Website sowie via Bandcamp. Auf dem Album sind auch die aus Chicago stammende Rapperin Melisa „Kid Sister“ Young, Soul-Musiker Michael Kiwanuka oder die Poetry-Künstlerin Laurette Josiah vertreten.

Das Cover der Platte ziert eine schwarze, in die Luft gereckte Faust auf pechschwarzem Grund – das Artwork ist bewusst minimalistisch gehalten und sagt doch eigentlich alles. Musikalisch bekommt man eine gleichsam vielfältige wie reduzierte Mischung afroamerikanischer Musikstile zu hören: Soul, Afrofunk, Motown, Gospel, R&B, DooWop, Hip Hop und Spoken Word-Interludes, an mancher Stelle klingen gar New Wave, Post Punk, Dub oder Trip Hop an. Außerdem ungewöhnlich: Mitte Juni spielte DJ Gilles Peterson „UNTITLED (Black Is)“ in seiner BBC-Radiosendung, noch bevor es irgendwo sonst zu hören war. Und zwar – allein das spricht bereits Bände und geschah vorher nur ein einziges Mal – komplett. Als den „ersten Klassiker der Ära der ,Neuen Realität“ bezeichnete die DJ-Koryphäe für schwarze Musik das Album vorab auf seinem Twitter-Account.

Noch viel spannender sind jedoch die Themen, mit denen sich SAULT auf dem Album beschäftigen. Sie bieten dem Hörer einen Einblick in ein Leben voll von systematischem Rassismus und Polizeigewalt. Schließlich dürften beide Band-Köpfe wissen, wovon sie reden: Sängerin Cleo Sol hat jamaikanische, serbische und spanische Wurzeln, Produzent Inflo ist schwarz. In den Songs thematisieren sie die permanente Angst, den immanenten Stress, unter denen Farbige (also nur nicht Schwarze, sondern etwa auch Hispanics) in den US of A – und freilich nicht nur da – stehen. Weil sie bei jeder Polizeikontrolle immer mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Weil zunächst einmal ihre Hautfarbe gesehen wird, selten der Mensch dahinter. Man spürt die Wut, die Angst, Trauer, all diese Ungerechtigkeit – und doch bleibt am Ende die Hoffnung auf eine bessere, eine friedvollere Welt bestehen.

Wildfires“ positioniert sich dabei als das Herzstück des Albums und dürfte mit Zeilen wie „We all know it was murder“ schon jetzt einer der eindringlichsten Songs des Jahres sein. Ein berührendes, beat-getriebenes Soul-Statement, dem jede(r) sein (oder ihr)  Gehör schenken sollte. Anderswo, in „Hard Life„, einem schwermütigem Track mit schleppenden TripHop-Beats und wummerndem Bass, heißt es „Everyday feels like a battle“. In „Bow“ gibt Michael Kiwanuka mal nicht den zugänglichen Soul-Folkie, sondern chantet über einen Afro-Beat. Er, dessen Eltern einst aus Uganda nach London flohen, zählt so einige afrikanische Länder und Städte auf und fordert am Ende: „We got rights!“„Wir haben Rechte!“„Don’t Shoot Guns Down“, ein Aufschrei im gleichnamigen Song, ist unterlegt von Polizeisirenen sowie Sprechchören bei einer Demonstration. Und dazwischen immer wieder poetische Momente wie in „Black Is„: Spoken Word meets Gospel, und in den Lyrics heißt es „Black is beautiful / Black is excellent, too / In me, in you“. Der Band gelingt dabei das Kunststück, niemals bitter zu klingen, sondern ein stolzes Statement schwarzer Selbstbestimmung zu formulieren. This generation cares. 

All diesen formidabel-löblichen Aktionismus mal außen vor, bleibt natürlich zu hoffen, dass das Thema nicht wieder in den Hintergrund tritt, bis der nächste sinnlose, rassistisch motivierte Todesfall die Medien erreicht, da die öffentliche Aufmerksamkeitsspanne bei so vielen wichtigen Themen leider immer recht kurz ist (und Dank unserer digitalen Reizüberflutung immer kürzer gerät). Jeder Mensch sollte versuchen sich daran zu beteiligen, die Missstände weiter auszuräumen und Rassismus weiter zu bekämpfen. Sich selbst hinterfragen, weiterbilden, andere sensibilisieren. Change is happening? Let’s hope so.

SAULT haben dazu mit „UNTITLED (Black Is)“, das in digitaler Form gratis angeboten wird und  auch als Vinyl vorbestellt werden kann (die Einnahmen sollen an Charity-Organisationen gehen), auf jeden Fall einen bedeutsamen Teil beigetragen – weniger als Musik schaffende Band, sondern vielmehr als Dokumentaristen und Chronisten. Ein wichtiges Album für diese wegweisende Zeit…

 

 

Rock and Roll.

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Ein weltbekannter Zebrastreifen im März 2020…


Wenn schon frische Luft schnappen, dann doch bitte mit ausreichend Sicherheitsabstand:

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Vielmehr dürfte es beim (sowie um den) bekanntesten Zebrastreifen der Welt, der auch auf ANEWFRIEND bereits an der ein oder anderen Stelle zu sehen war, aktuell jedoch so aussehen (im Zweifel kann man’s auch mit Live-Bildern checken):

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(beide Bilder: gefunden bei Facebook)

 

In diesem Sinne: Mal wieder „Abbey Road“ hören – und das in jedermanns Sinne am besten zuhause!

#StayTheFuckHome

 

 

Rock and Roll.

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