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Song des Tages: Kettcar – „Landungsbrücken raus“ (live)


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Die Band betritt die Bühne, die Menge tobt, hebt die Gläser (oder eben Bierbecher): Kettcar stoßen auf die vergangenen zwei Jahre an. „…und das geht so„, nach dem 2010 veröffentlichten „Fliegende Bauten“ das zweite Live-Album der fünfköpfigen Indierock-Band, setzt einen Schlussstrich hinter den erfolgreichsten Release-Zirkel der 18-jährigen Bandgeschichte und entlässt die Hamburger zunächst und demnächst wieder in eine wohlverdiente gemeinsame Kreativpause. „Wir haben schlicht und einfach gesehen, wie gut uns das letztes Mal getan hat“, wie die Band zu ihrem Entschluss schreibt. Vor dieser Auszeit touren Marcus Wiebusch und Mannen natürlich im kommenden Jahr noch ein vorerst letztes Mal durch Deutschland. Und das geht so…

Als „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ im warmen August 2017 erschien, füllten Kettcar nach fünf Jahren Pause einmal mehr, einmal öfter das große unpolitische Loch im deutschsprachigen Allen-gefallen-bloß-nirgendwo-anecken-Pop-Zyklus, das sich in der letzten Dekade nach und nach aufgetan hatte. Die klare Haltung des dazugehörigen (fünften) Albums „Ich vs. Wir“ und die nahezu cineastische Auseinandersetzung mit komplexen politischen Sachverhalten traf zielgenau den Zeitgeist zwischen Ost und West, zwischen Flüchtlingswelle und tumbem AfD-Proteslertum. Klare Sache: Für genau diesen Sound und diese Botschaften gab es eine Zielgruppe. Kein Wunder also, dass die Band in den folgenden Monaten ihre bislang größten Konzerte spielen durfte, die dann – erfreulicherweise – auch noch nahezu ausnahmslos Ausverkauf vermeldeten. Diese gelungene Wiedergeburt feiert man nun mit (s)einem fast zwei Banddekaden umspannendem Quasi-Best-Of-Live-Album. Ebenjenes hört auf den simplen Titel „…und das geht so“ – wie sollte es auch sonst sein, schließlich nutzt Frontmann Wiebusch diese vier Worte ein ums andere Mal, um die Songs zu starten – und folgt der simplen Formel, an der sich auch die Konzerte der Band seit eh und je orientieren: No Bullshit, Leute. Was zählt, ist die Musik.

717nbCc0ywL._SY355_Ohne Frage: Kettcar und deren Kunst, die bei der songschreiberischen Klasse beginnt und nie wichtige Botschaften außer Acht lässt, stehen auf „…und das geht so“ ganz klar im Vordergrund. Nur für wenige Passagen gibt Marcus Wiebusch den Gesangspart an die meist textsichere Menge weiter, die das neu entstandene Vakuum stets mit Freuden füllt. Ansonsten lauscht der Zuhörer 21 Songs und gut eineinhalb Stunden lang vorrangig der Band, die fantastisch klingt und jede ihrer kreativen Schaffensphasen abarbeitet. Die fetten Passagen – die Ausbrüche von „Money Left to Burn“, „Kein Außen mehr“, „Landungsbrücken raus“ oder das von Wiebuschs 2014 erschienenem Solo-Debüt „Konfetti“ stammende „Der Tag wird kommen“ – knallen so, wie es sich gehört, schließlich kommen gerade Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff aus der deutschen Punk-Szene, spielten sich vor Kettcar in legendären Szene-Bands wie …But Alive oder Rantanplan die Ärsche in kleinen Indie-Schuppen wund. Und auch die ruhigen Momente wie beim Pärchen-Kuschel-Favoriten „Balu“ oder dem ruhigen Outro von „Den Revolver entsichern“ können sich voll entfalten. Das liegt gerade auch an einem dreiköpfigen Bläser-Ensemble (Philip Sindy an Trompete und Flügelhorn, Sebastian Borkowski an Tenor-Saxophon und Altflöte sowie Jason Liebert an der Posaune), das das Hamburger Quintett mit im Gepäck haben und das den Kettcar-Sound passend zur Feierlichkeit im Bombast aufgehen lässt.

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Punkten Kettcar bereits mit ihrem reinen Fokus auf das Wesentliche, so lassen natürlich seit jeher auch die vielen kleinen Ansagen und Anekdoten die Band in charismatisch-sympathischen Licht erscheinen. Die reichen von ernst gemeinten menschlichen Politik-Kampfansagen („Humanismus ist nicht verhandelbar“) über etwas durch den Wind wirkende Danksagungen Bustorffs bis hin zu Erzählungen von der Esso-Tankestelle an der heimatlichen Reeperbahn sowie vergangenen Auseinandersetzungen mit Major-Label-Angestellten („Wir machen, was wir wollen!“). Das bodenständige Image Kettcars, deren Veröffentlichung ihres Debütalbums „Du und wieviel von deinen Freunden“ anno 2002 auch den Startschluss zum bis heute erfolgreichen Indie-Label Grand Hotel Van Cleef gab, verfestigt sich dadurch nur weiter. Da darf man freilich auch mal ausgiebig auf die eigene Hochphase anstoßen und den vergangenen Jahren mit einem formidabel tönendem Live-Album die Krone aufsetzen. Dass die Platte vor allem als kleines Dankeschön an alle Fans der Band gedacht ist, die von den Studioalben des Indierock-Quintettes nicht genug bekommen (und wohl hier auf hohem Niveau bemängeln werden, dass eine Song-Großtat wie das Niels Frevert-Duett „Am Tisch“ hier fehlt), geht natürlich völlig in Ordnung, beweisen Kettcar hier doch einmal mehr eindrucksvoll, dass sich Humor und Ernsthaftigkeit, satte Akkorde und erhobene Zeigefinger keineswegs im Weg stehen müssen.

 

 

— Kettcar live 2020 —

25.01. – Braunschweig, Staatstheater
26.01. – Düsseldorf, Stahlwerk
27.01. – Nürnberg, Z-Bau
28.01. – München, Muffathalle
29.01. – Mannheim, Capitol
30.01. – Dresden, Schlachthof
31.01. – Bremen, Pier 2
01.02. – Lübeck, MuK

 

Rock and Roll.

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„Stay positive!“ – The Hold Steady verschenken formidable Live-Mitschnitte


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Das letzte letzte (sechste) Studioalbum „Teeth Dreams“ mag zwar bereits gute vier Jahre alt sein, untätig waren The Hold Steady in der Zwischenzeit allerdings kaum.

Denn wenn die US-Alternative-Heartland-Rocker nicht gerade kreuz und quer durch die heimatlichen Vereinigten Staaten getourt sind, hat das seit jeher hörbar an Bruce Springsteens Kumpelgeste geschulte Sechsergespann aus Brooklyn, New York in den vergangenen Monaten mit der ein oder anderen Single-Veröffentlichung (welche zusammen genommen wohl auch eine EP hergeben würden) oder den Reissues älterer Diskografie-Glanzlichter auf sich aufmerksam gemacht. Und darüber hinaus haben Frontmann Craig Finn und (Wieder-)Keyboarder Franz Nicolay ja noch immer Solo-Karrieren am Laufen (Finn etwa stellte im März 2017 sein drittes Soloalbum „We All Want The Same Things“ in die lokalen wie digitalen Plattenläden)… Ganz klare Sache: faule Tage auf der heimischen Couch sehen anders aus.

Und da Weihnachten naht und auch Craig Finn (Gesang, Gitarre), Tad Kubler (Gitarre), Galen Polivka (Bass), Bobby Drake (Schlagzeug), Franz Nicolay (Keyboard) und Steve Selvidge (Gitarre) wissen, dass Geben immer noch glücklicher macht als Nehmen, verschenken The Hold Steady aktuell via Bandcamp zwei Mitschnitte ihrer Live-Shows aus den vergangenen Jahren: einen Auftritt in der Thalia Hall in Chicago, Illinois im Juni 2017 sowie einen im Union Transfer in Philadelphia, Pennsylvania im Juli 2018. Wer zugreifen mag, sollte wohl allerdings schnell sein, denn die Band erwähnt, dass diese großzügige „Pay what you want“-Geste zunächst lediglich für „a limited time“ gilt… 🤟

 

„We’ve had a blast throughout 2018 doing these long weekends of shows – our first shows in London since 2014, Constructive Summer in Philly/NJ, San Francisco and Toronto; extended Constructive Summer with some beer fests in Chicago and Minneapolis; and, of course, finishing up last weekend at Brooklyn Bowl in New York for Massive Nights III.

Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. (…) Enjoy reliving it!

This will be available pay-as-you want for only a limited time. We’ll have some more surprises in the coming weeks and months and if you choose to download these recordings, the money will go towards continuing to record and release as many of the live events as possible and any additional funds will go to the K+L Guardian Foundation.

Thanks for listening, thanks for understanding and Stay Positive! Happy Holidays and see you in 2019!“

 

„Whether you realize it or not, we’re recording these shows so we can share the memories with you. This is the first set of live recordings to celebrate — the first night in Philadelphia at Union Transfer.

Philly in July was a true highlight. It’s always been a fun place to play for us, and Union Transfer is really an incredible club. We remember a great atmosphere in the club that night, and we met a bunch of cool people before and after the shows. Enjoy reliving it!“

 

„Chicago has always had a special place in our hearts, it’s been the site of some incredibly memorable THS shows: the live recordings at Metro on the Art Brut Tour, Randolph Street Block Party, Hideout Block Party, our first show ever with Bobby Drake at Schubas, and most recently the Goose Island Fest. So we were excited to be at Thalia Hall June 2017 to kick off a big Chicago weekend. We also had a few tricks up our sleeves: some special Chicago guests for a Chicago encore, and a marriage proposal between two of our long time fans. Chicago (especially in the summer) is a one of my favorite places to play, and this show got a great weekend off on the right foot. – CF“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: K’s Choice – „Killing Dragons“ (choir version – live at the Ancienne Belgique)


KC - AB

Fast genau ein Jahr ist es nun her, seit zum bislang letzten Mal von K’s Choice hier auf ANEWFRIEND zu lesen (und hören) war. Höchste Zeit also, sich die belgischen Poprocker wieder ins Gedächtnis zu rufen…

Groß vorstellen muss man die ursprünglich aus Antwerpen stammende Band um das Geschwisterpaar Sarah und Gert Bettens wohl kaum noch (andernfalls findet ihr hier die ein oder andere Info), immerhin haben K’s Choice mittlerweile – mit der ein oder anderen Unterbrechung, die sich wohl zwangsläufig ergibt, wenn die beiden Bandköpfe seit einigen Jahren auf unterschiedlichen Kontinenten leben – ein Vierteljahrhundert auf dem musikalischen Buckel. Und auch wenn in all dieser Zeit Alben wie „Paradise In Me„, „Cocoon Crash„, „Almost Happy“ oder zuletzt, 2015 „The Phantom Cowboy“ außerhalb der Benelux-Länder höchstens in Kennerkreisen für mehr als Mitnicker-Gourierungen gesorgt haben (was reichlich schade ist), so dürfte doch fest stehen, dass K’s Choice und deren Backkatalog, dem die Band im vergangenen Jahr zum 25-jährigen Jubiläum die fein zusammengestellte Werkschau „25“ spendierte, zurecht über jeglichen Zweifel erhaben sind. Und wer’s nicht glauben mag, der höre…

K's Choice - Live At the Ancienne Belgique (2CD)Außerdem sind Sarah, Gert und Co. eine recht exquisite Live-Band. Auch das bewiesen sie all jenen, die noch nicht die Gelegenheit hatten, eines ihrer Konzerte zu besuchen, 2001 mit einem Live-Album. Und da jenes bereits mehr als 15 Lenze alt ist, bringen K’s Choice den geneigten Fan – und auch all jene, die’s noch werden wollen – auch da auf den neusten Stand: Heute erschien – zumindest digital und in Benelux – das neue Live-Album „Live at the Ancienne Belgique„, welches die Band anlässlich ihrer „25th Anniversary Tour“ am 13. December 2017 im Brüsseler Konzert-Venue Ancienne Belgique mitschnitt. Zu hören gibt es – natürlich – einen bunten Querschnitt durch das musikalische Schaffen von Sarah, Gert und Mannen seit 1992, fast jedes der bislang acht Alben ist mit Songs wie  „Believe“, „Cocoon Crash“, „Not An Addict“, „Everything For Free“, „Almost Happy“, „Another Year“ oder „Private Revolution“ vertreten. Dass Fan-Favoriten wie „The Ballad Of Lea & Paul“ oder das seit jeher Gänsehaut erzeugende „Shadowman“ auf einer Jubiläumstour mit dabei sind? Für die Band wohl Ehrensache…

Besonders toll ist K’s Choice, von denen man mit Fug und Recht behaupten kann, eine der tollsten Frontfrauenstimmen im Rockzirkus in ihren Reihen zu haben, jedoch der Abschluss des ganze 22 Stücke starken Live-Albums: A cappella und nur von einem Chor sowie den anwesenden Zuschauern geben Sarah und Gert Bettens sowie Keyboarder Reinout Swinnen den Song „Killing Dragons“ (im Original vom 2010 erschienenen Album „Echo Mountain„) zum Besten. Und da ist sie wieder, die Gänsehaut… Allein dafür muss man diese Band lieben.

 

(Ganz ähnlich arrangierten K’s Choice kürzlich übrigens auch den Band-Klassiker „Not An Addict“…)

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Nada Surf – Live at the Neptune Theatre (2015)

nada_surf_neptune_art-erschienen als Download/Mardev Records-

Live-Alben sind freilich ein Thema für sich. Nicht jede gute Band bringt auch auf Bühnenbrettern die Präsenz, die Qualität, welche sie zweifelsohne in den mehr oder minder gewohnten, heimeligen Studioräumlichkeiten besitzen mag, rüber. Und: Nicht jede (sehr) gute Liveband bringt – so merkwürdig das erscheinen mag – auch automatisch ein gutes Livedokument zustande. (Neues Beispiel: „Live in Paris“ des Black Rebel Motorcycle Club, deren Abmischung – sorry, aber es ist leider so – einfach hundsmiseral ist – eventuell entschädigt da ja die beiliegende DVD…)

Nada Surf früher...

Nada Surf früher…

Nun spiel(t)en Nada Surf bislang weder in der einen noch in der anderen Liga ein allzu große tragende Rolle. Man könnte auch sagen: Seit seiner Gründung in New York Anfang der Neunziger flog das Trio um Matthew Caws (Gesang, Gitarre), Ira Elliot (Schlagzeug) und Daniel Lorca (Bass) immer knapp unter dem Radar der breiten Masse hindurch. Natürlich konnte die Band damit in Indie-Gefilden ganz gut leben, konnte bislang insgesamt sieben Platten aufnehmen (die letzte, „The Stars Are Indifferent To Astronomy„, erschien 2012), manch eine sogar mit Produzenten wie dem Ex-Death-Cab-Gitarristen Chris Walla oder John Goodmanson (u.a. Hot Hot Heat, Sleater-Kinney). Darüber hinaus erspielte sich die US-Band eine sowohl in heimischen Gefilden als auch in Übersee – vor allem in Frankreich oder Deutschland – treue Fanbase, die sich mit den Songs von Matthew Caws und Co., welche mal die Euphorie des Sommers, mal die Melancholie des Herbstes in ein wohliges Gefühl an eine nie endende Jugend tauchen, jung hielt (und hält). Klar, Nada Surf waren nie eine große Band fürs breite Publikum (trotz großer Evergreens wie „Popular“, „Always Love“ oder „Whose Authority“ oder „Inside Of Love“) und werden es wohl nie sein. Aber manchmal lebt sich’s auch im Mittelstand ganz schön…

Was also bewegt eine Band wie Nada Surf dazu, 2015 ein mehr als drei Jahre zuvor aufgezeichnetes Livekonzert zu veröffentlichen – gerade in der heutigen Zeit, in der viele namenhafte Beispiele von Pearl Jam über Bruce Springsteen bis hin Jack White zeigen, dass man, wenn man denn möchte, dem geneigten Fan Livemitschnitte in guter Qualität auch offiziell dírekt nach Konzertende und quasi über Nacht zugänglich machen kann? Diese Frage wirft „Live at the Neptune Theatre“ auf – und beantwortet sich gleichsam im selben Atemzug.

Dabei ist „Live at the Neptune Theatre“, nach „Live in Brussels“ von 2004, erst das zweite Live-Album in der langen Karriere der Band. Geplant war das alles sicher nicht – zumindest nicht von langer Hand. Erst wenige Tage vor ihrem Auftritt in Seattle, WA am 24. März 2012 entschieden sich Nada Surf überhaupt dazu, und nicht zuletzt auch auf die Initiative von Freund und Produzent John Goodmanson hin, die Show mitzuschneiden. Die technischen Bedingungen für einen solchen Mitschnitt waren im Neptune Theatre einfach zu ideal. So führte ein ganzer Kabelsatz von der Bühne über eine Splitter-Box auch in den Keller des Konzerthauses. Die Band zeichnete den Auftritt also auf, nahm ihn an sich und: legte die Aufnahmen erstmal einmal ad acta. Erst kürzlich, im Zuge der Arbeiten am kommenden achten Studiowerk, holten ihn Matthew Caws und Co. wieder hervor und machen sie nun den Fans zugänglich – zuerst lediglich als Download, ab 2016 (und via PledgeMusic) auch als schmuckes 3-LP-Boxset.

...und heute.

…und heute.

Nun würde sich „Live at the Neptune Theatre“ kaum hier als „Album der Woche“ wiederfinden, wenn sich der 21 Songs starke Livemitschnitt der Indie-Jungs nicht lohnen würde. Und das tut er in der Tat. Wer schon länger Fan und Begleiter der Band um Caws, Elliot und Lorca, zu denen 2012 noch Ex-Guided-By-Voices-Mann Doug Gillard als Leadgitarrist dazu stieß, ist, wird in der Setlist so einige geliebte Favoriten von „Teenage Dreams“ über „Killian’s Red“ bis hin zur Bob-Dylan-Hommage „Blonde On Blonde“, „See These Bones“ oder den unvermeidlich großen „Always Love“ und „Inside Of Love“ wiederfinden (und lediglich Stücke wie den frühen Mini-Hit „Popular“ oder „Your Legs Grow“ vermissen). Kritikpunkte sind auch wirklich rar gesägt, denn über die gesamten mehr als 100 Minuten ist die Band – Achtung, Floskel! – bestens aufgelegt, agiert gut gelaunt mit dem Publikum, spielt sich warm und frei, lässt, wie in „80 Windows“, sogar mal eine Posaune einfließen (wer an Calexico denken muss, der liegt so falsch nicht, denn deren Musiker haben sich Nada Surf für die damalige Tour zu „The Stars…“ ausgeliehen), und pendelt beständig zwischen süßlicher Melancholie und derbe rockenden Nummern („Hi-Speed Soul“, „Killian’s Red“) – frei nach der Ansage in der Konzertmitte: „Shall we rock? We shall!“. Das Sahnehäubchen übers Musikalische gibt freilich stets Matthew Caws mit seiner unverwechselbaren Stimme, die nicht zu hoch, nicht zu tief, aber immer eine Spur süßlich-rau und fertig ums Eck kommt. Schön, das Ganze – und ein rundum gelungenes Live-Album.

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Hier kann man sich mit der Eröffnungsnummer „Clear Eye Clouded Mind“ einen ersten Eindruck von „Live at the Neptune Theatre“ verschaffen:

 

 

Und einen unverbindlichen zweiten Konzerttipp habe ich auch heute für euch parat: Auf „Niko Records„, dem Blog, den ich bereits in der letzten Woche im Zuge des neusten Frank-Turner-Albums empfohlen hatte, kann man sich auch den akustisch gehaltenen Nada-Surf-Auftritt beim „Acoustic Lakeside Festival 2012“ im österreichischen Sittersdorf kostenlos aufs heimische Abspielgerät laden – 20 Songs stark, mit vielen Überschneidungen zu „Live at the Neptune Theatre“ und in bester Klangqualität. Auch hier: Zugreifen, bitte!

 

Rock and Roll.

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Nur mal eben „Danke“ sagen – Singer/Songwriter James Vincent McMorrow verschenkt „Live At Ace Hotel“


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Um sich für für (s)ein erfolgreiches vergangenes Jahr zu bedanken, in dem der irische Singer/Songwriter James Vincent McMorrow sein zweites Album „Post Tropical“ veröffentlichte, welches es in seiner Heimat immerhin bis auf den zweiten Chartsplatz schaffte, hat er nun das Live-Album „Live At Ace Hotel“ als Gratis-Download veröffentlicht. McMorrow versteht das im letzten Jahr auf einem Konzert im Ace Hotel Theatre in Los Angeles, Kalifornien aufgenommene Album vor allem als Dank an seine Fans. In einem Statement schrieb er: „2014 war ein unglaubliches Jahr, ich bin jedem dankbar, der zu einem Konzert gekommen ist, sich „Post Tropical“ gekauft oder angehört hat, mir auf der Straße ‚Hallo‘ gesagt oder einfach mein Leben besser gemacht hat. Ich wollte Danke sagen“. Das 14 Songs starke Live-Album „Live At Ace Hotel“ kann auf McMorrows Webseite kostenlos heruntergeladen werden.

 

Tracklist:jvmm_2015_by_Vee_Saunders
01. The Lakes
02. Glacier
03. Red Dust
04. Down The Burning Ropes
05. Higher Love
06. This Old Dark Machine
07. Post Tropical
08. All Points
09. We Don’t Eat
10. Gold
11. Cavalier
12. And My Heart Should Somehow Stop
13. When I Leave
14. If I Had A Boat

 

„2014 was an incredible year, I’m so grateful to anyone who came to a show, bought/listened to Post Tropical, stopped me on the street to say hello and take a photo, or generally just made my life better.
I wanted to say thank you. So I thought, what would I want to get as a present?…. A video of a cat in a clown costume driving a ride along lawnmower?… umm, yes please. But it turns out it’s real difficult to get a cat into a costume. Plus cats are heavily unionised now.

So, thats not happening (yet). But, as a back up plan, we did have some great people come down to my last show of the year, at the Ace Hotel Theatre in Los Angeles. They recorded the entire show, it came out great, so here it is below, free to download for everyone who wants it. All I ask is that if you’re feeling it, that you share it. I’m incredibly proud of this show that we took all over the world for the last 12 months, and I want as many people to hear it as possible.
So yeah, you guys are the best, thank you again, i’ll see you in 2015. I got plans.“

James Vincent McMorrow, Januar 2015.

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Thrice – Anthology (2012)

-erschienen bei Vagrant/Alive/Staple Records-

Man soll immer dann gehen, wenn’s am schönsten ist…

Nun, ob dieser Spruch auch für Thrice gilt, kann man als Außenstehender kaum beurteilen. Fakt ist jedoch: die Band ist – vorerst – Geschichte und legt eine „Pause auf unbestimmte Zeit“ ein, in welcher sich der Großteil der Band privaten Gefilden und neuen Projekten zuwenden will und etwa Sänger Dustin Kensrue fortan sein Hauptaugenmerk auf seine neue Band The Modern Post richten wird (dass es sich hierbei um Rock/Pop mit eindeutig christlich-missionarischer Botschaft handelt und wohl auch ein Amt als Zeremonienmeister der Mars Hill Church in Santa Ana, Kalifornien damit einhergeht, verschweigen wir an dieser Stelle lieber – US-Amerikaner und ihre eigentümliche Religiosität eben…). Doch so ganz still wollte das Quartett nach immerhin 14 Jahren gemeinsamer Bandhistorie nicht auseinander gehen…

Und so tourten Dustin Kensrue (Gesang/Gitarre), Teppei Terenashi (Gitarre) und die Brüder Eddie (Bass) und Riley Breckenridge (Schlagzeug) noch ein vorerst letztes Mal, flankiert von O’Brother und Animals As Leaders, durch ihre US-amerikanische Heimat. Das Besondere: sie ließen ihre Fans vorher im Internet über die Setlists der Konzerte entscheiden und bringen nun das Ergebnis in Form der Livealbums „Anthology“ auf den Markt.

Da die während der Tour dargebotenen Shows mehrheitsfähigerweise zu einem ‚Best Of‘ werden mussten, befinden sich unter den 24 Songs auch nur Repertoire-Perlen, welche die komplette Karriere der Band, vom 2001 erschienen Metalcore-Debüt „Identity Crisis“ bis hin zum im letzten Jahr veröffentlichten reifen „Major/Minor„, umfasst. Der Sound ist roh und direkt, und wurde, von der direkten Abmischung durch Tour-Engineer Eric Stenman einmal abgesehen, in keinster Weise nachbearbeitet. Glücklicherweise war das auch gar nicht nötig, denn die Band zeigt sich noch einmal bestens aufeinander eingespielt schafft es, selbst schwer elektronischen Studiosoundscapes wie bei „Digital Sea“ auf der Bühne neue Klangfarben zu verleihen. Und da ausufernde, prog-rockige Bühnenexperimente eh nie die Sache der Jungs von Thrice waren (von einem minimalen Jam während „Daedalus“ einmal abgesehen), darf man „Anthology“ als herzhaft rockenden und frenetisch bejubelten Streifzug durch’s Band-Oeuvre betrachten.

Und der Jubel kommt nicht von ungefähr: kaum eine Band hat in den letzten Jahren Hörer im Alternative Rock- und Post Hardcore-Bereich mit auf solche Reisen genommen wie die Band aus Irvine, Kalifornien während Alben wie „Vheissu„, welches 2005 den Bogen zurück zum mit poppigen Elementen spielenden Hardcore-Vorgänger „The Artist In The Ambulance“ spannte und den Grundstein für das wohl größte Projekt der Bandgeschichte legte: zwei bzw. drei Jahre darauf veröffentlichten Thrice die gigantomanische „The Alchemy Index“-Quadrologie, die die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde in beeindruckender und mit sämtlichen klanglichen Tiefen und Untiefen versehenen Form Ton werden ließ. Mit „Beggars“ (2009) und „Major/Minor“ bestätigten Kensrue & Co. darauf zwar Reife und Status, konnte und wollte dieses Mammutwerk jedoch nicht überbieten.

Wer die Band seit Jahren begleitet, bisher jedoch nie live erleben konnte (ich selbst hatte vor wenigen Jahren beim Highfield-Festival in meiner sächsischen Heimat das Vergnügen), den wird überraschen, wie gut sich ältere Moshpit-Pleaser wie „Kill Me Quickly“ oder „Phoenix Ignition“ zwischen die neueren Stücke mit progressiverem Ansatz und in das beinahe alle acht Studioalben in gleicher Weise berücksichtigende Set einfügen. Die immerhin 103 Minuten wirken wie aus einem Guss, Dustin Kensrue bestätigt einmal mehr die zu recht ins Feld geworfenen Vorschusslorbeeren des Ausnahmesängers, die Band hat sichtlich Spaß an ihren – noch einmal: vorerst! – letzten Shows und wirkt gen Ende hörbar stolz, gerührt und dankbar. Mit dem namensgebenden „Anthology“ findet das Abschiedsgeschenk der US-amerikanischen Band einen würdigen Abschluss. Und wer zwischen den Zeilen des offiziellen Statements von Kensrue und dieses Interviews mit Bassist Eddie Breckenridge liest (und die aktuellen Reunions artverwandter Bands wie Boysetsfire oder Hot Water Music mitbekommen hat), der ist sich sicher: „Anthology“ ist das Ende eines Bandkapitels, jedoch keineswegs das Finale für Thrice. So groß, großartig und richtungsweisend die Entwicklung der Band auch gewesen sein mag, so sehr spürt man, dass der Vierer nur kurz hinterm Bühnenvorhang verschwunden ist, um sich noch einmal für die eine krönende Zugabe zu sammeln.

 

Wer übrigens gern bewegte Bilder zu einigen der auf „Anthology“ enthaltenen Songs hätte, dem sei „Live at the House of Blues„, das 2008 veröffentlichte erste Livealbum der Band, ans Hörerherz gelegt, für das die Band einen Auftritt in Anaheim, Kalifornien im Mai des selben Jahres mitschneiden und -filmen ließ…

 

Und um euch wie immer den vollen Service zum „Album der Woche“ zu liefern, könnt ihr euch hier alle 24 Songs von „Anthology“ im Stream zu Gemüte führen…

 

…und euch hier eine Liveaufnahme des Titelsongs „Anthology“…

 

…und das Video zum Song „In Exile“ (vom Album „Beggars“) ansehen:

 

Rock and Roll.

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