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Song des Tages: Ghostpoet – „X Marks The Spot“ (feat. Nadine Shah)


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Das 2011 erschienene Debütwerk „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ sorgte in der britischen Musikszene für große Begeisterung und brachte Ghostpoet gar eine Nominierung für den renommierten Mercury Prize ein – wahrlich kein schlechter Einstand! 

a0966195370_16But… well, what’s the fuzz all about? Die darauf enthaltenen zwölf Songs (man höre etwa „Survive It“ oder „Liiines„), die in nächtlicher Eigenproduktion entstanden, während der Wortkünstler tagsüber – wie passend, wie trivial – in einem Callcenter jobbte, waren trübe und niederdrückend, aber gleichzeitig sehr klar in ihrem Stil. Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe wurde sofort neben große Namen wie Roots Manuva oder The Streets gestellt, hatte sich jedoch mit (s)einer besonderen Mischung aus markant-tiefem Sprechgesang, Trip-Hop, Dub und UK Garage längst eine eigene Nische geschaffen. Zwei Jahre später behielt das Nachfolgealbum den urban-nokturnen Charakter des Debüts bei, schien allerdings noch mehr von Entfremdung und Eskapismus in einer Metropole geprägt zu sein. Ghostpoet setzte auf Entschleunigung, probierte sich an langgezogenen Songstrukturen und übte sich in Friemelarbeit mit elektronischer Musik. Etwas unterkühlt und düster konnte „Some Say I So I Say Light so sicherlich nicht alle Fans des Debüts begeistern.

Und gerade als man vielleicht dachte, man würde die weitere Entwicklung von Ghostpoet mit leichter Hand einschätzen können, kam 2015 das dritte Album „Shedding Skin“ ums Eck – und hielt, dem Titel entsprechend, nicht wenige Überraschungen parat. Der Londoner Künstler mit nigerianischen und dominikanischen Wurzeln ließ den kreativen Stillstand links liegen und suchte einmal mehr nach neuen Einflüssen, stellte sein eigenes Soundgewand gar ein Stück weit auf den Kopf. Denn diesmal ging Ejimiwe nicht allein ins Studio, sondern nahm das Album innerhalb weniger Wochen in Begleitung seiner bisherigen Tourband auf.

„I wanted a consistent sonic direction throughout the record. I was definitely seeking coherency. And I wanted my mates!“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

91aXOoZxzgL._SY355_Fast schon indierockig nahmen so eine E-Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug den Platz der unterkühlten Beats und Synthesizer ein. Die zehn Stücke sind schneller, zackiger und mehr auf den Punkt. Ein weiteres Novum: Bei mehr als der Hälfte der Songs begleiten Ghostpoet weitere Musiker, unter anderem der stets gut behütet auftretende Maxïmo Park-Frontmann Paul Smith, die britischen Indie-Singer/Songwriterinnen Lucy Rose und Nadine Shah, Soul-Sängerin Etta Bond oder die belgische Jazz-Interpretin Melanie De Biasio.

 

„For this album, it felt silly to focus just on how great, or not, my own life is. My life is only one amongst millions. And that’s the attitude of it.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Textlich wendet sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe einmal mehr gesellschaftlichen Problemen zu, die er wohl nur durch genaue Beobachtung und einem hohen Maß an Empathie so genau beschreiben kann. Obdachlosigkeit („Shedding Skin”), Alkoholismus und Selbstmord („Yes, I Helped You Pack”) sind nur einige davon. Es findet sich auch Platz für Alltagslethargien („Off Peak Dreams„), dramatische Trennungen („Be Right Back, Moving Home„), emotionale Abhängigkeit vom Ex-Geliebten („That Ring Down The Drain Of Feeling”) oder für den Morgen nach einem One-Night-Stand („Sorry My Love, It’s You Not Me”).

In der Problematik seiner Geschichten lässt sich weiterhin der immanente Einfluss Londons erkennen, wohingegen die Unterschiede im musikalischen Bereich den einen oder anderen langjährigen Hörer bestimmt überrascht haben dürften. Während die Rhythmussektionen seiner Songs gut Ghostpoets charakteristischen, mal mit weicher Linie fließenden, mal brüchigen Sprechgesang untermauern, haben sich wohl nicht wenige Freunde der ersten Werke an mancher Stelle gewünscht, dass die Melodieelemente weniger präsent und weniger offensichtlich geblieben wären. Auf „Shedding Skin“ findet man mächtige Passagen verzerrter Gitarren („Better Not Butter”), bleierne Piano-Akkorde oder stimmungsvoller Streicher („Nothing In The Way”), die mit ihrem Soul-Jazz-Indierock im Sinne doch weit von den beiden früheren Alben entfernt sind (denen man vor etwa zwei Dekaden noch leichtfertig das Etikett „TripHop“ verpasst hätte). So mag das Album – bei allem erzählerischem Sog und all der organisch aufgebauten Instrumentierung zum Trotz – manchmal etwas überladen wirken und lässt (zumindest für Szene-Traditionalisten) einen Wunsch offen: Mehr Ghostpoet in Ghostpoet!

In Gänze ist „Shedding Skin“ ein mutiges, persönliches Experiment, das mit fein justierter (Live-)Energie überzeugt, und sich so perfekt auf die Bühne übertragen lässt (und einmal mehr völlig zurecht für den „Mercury Prize“ nominiert wurde). Unverändert liegt eine große Stärke in Ejimiwes Texten, mit denen man sich freilich und unbedingt näher beschäftigen sollte, um voll und ganz in den Sog von „Shedding Skin“ einzutauchen.

„Regardless of your situation, there’s always hope. And I think that’s something that’s come through in everything I’ve made, because I believe it so much. It’s an eternal thing.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Im erneut zwei Jahre darauf (also 2017) erschienenem Nachfolger „Dark Days + Canapés“ setzten Ghostpoet und Band den eingeschlagenen Weg der vertonten – und in Stücken wie „Freakshow“ oder dem politisch recht eindeutigen „Immigrant Boogie“ dezent klaustrophobisch anmutenden – „Grumpy-Rap“-Urban-Erzählungen zu dichtem Live-Instrumentarium fort, während der Groove hier und da auf die besten Seiten der ersten Werke schielt. Für Mai ist mit „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ das nunmehr fünfte Album von Ghostpoet angekündigt, und wer die Vorabsingle „Concrete Pony“ hört, der weiß: Obaro Ejimiwe bleibt mit ganz eigener Vision und eigenständigem Stil einer der faszinierendsten Musiker aus good ol‘ England.

 

Eines der Highlights von „Shedding Skin“ ist ohne Zweifel der Song „X Marks The Spot“, bei welchem sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe und Band die britische Indie-Singer/Songwriterin Nadine Shah zur stimmlichen Unterstützung ins Studio holten:

(oder via YouTube)

 

„Obviously, You made me see
Can’t take this life for nothing
Let me be
All alone, I left my throne
If I don’t try another way
Then I’ll never know

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
It’s calling your name

Used to think you were true
But I was washed up, confused
Grasping, gasping, no room for hope
Nowadays, path seems clear
But no I won’t turn around and celebrate
You always seem here

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name
Calling your name
Calling your name
Calling your name
I don’t care anymore
I don’t care anymore
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name“

 

Rock and Roll.

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