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Flimmerstunde – Teil 37


What Drives Us“ (2021)

Das Timing von Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl könnte einerseits kaum eigenartiger, andererseits jedoch kaum besser sein. Seine neuste Dokumentation „What Drives Us“ ist eine Liebeserklärung an das Tourleben und dadurch ein Statement für die Livemusik. Denn mal ehrlich: Einen besseren Zeitpunkt als eine weltweite Pandemie, die nahezu jeglichen Vis-à-vis-Konzertbetrieb unterbindet, könnte es für diesen Film nicht geben.

Wie schon bei seinen vorangegangenen Musik-Dokumentationen wie „Sound City“ oder „Sonic Highways“ sind auch hier von der ersten Sekunde an die Liebe und das Herzblut spürbar, welche Grohl für das Thema mitbringt. Auf effektive Weise stellt der kreative Tausendsassa Szenen seiner frühen Band Scream jenem Moment gegenüber, in dem er den ersten Touring-Van der Foo Fighters zurück erhält und sich damit erneut auf eine Reise begibt. Nur dass es bei dieser Reise gerade nicht darum geht, Konzerte zu spielen…

Stattdessen macht er sich damit auf, faszinierende Tour-Stories zu sammeln. Die Liste der Gäste ist mehr als beeindruckend. Beatles-Trommler Ringo Starr, Metallicas Lars Ulrich, Aerosmith-Frontmann Steven Tyler, Slash und Duff McKagan von Guns N‘ Roses, U2-Gitarrist The Edge, AC/DC-Stimme Brian Johnson, Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea, Ian Mackaye von Fugazi, Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo oder L7-Bassistin Jennifer Finch sind nur einige der illustren Namen, die diesem Film mit ihren Geschichten zwischen Rock’n’Roll und Punk Rock füllen.

Allesamt erinnern sie sich auf sympathische, oft herzerwärmende Art an ihre musikalischen Anfänge, ihre frühen Einflüsse und natürlich ihre ersten Tourerfahrungen – auch wenn Lars Ulrich scherzt, dass er zum eigentlichen Van-Touring-Thema des Films nicht viel beitragen könne: „I realized, I actually never toured in a van. So… can I go now?“ Grohl verbindet die Interviews mit zahlreichen Archivaufnahmen aus den frühen Tagen von Bands wie den Foo Fighters oder No Doubt, bei welchen man sich oft genug fragt, wo er die wohl aufgetrieben hat. Sehr unterhaltsam gerät zudem die Animation der Hardcore-Legenden von Black Flag und. D.O.A., welche das Van-Touring in den US of A mit einer Menge DIY-Spirit quasi einst aus den Angeln gehoben haben.

Doch Grohl wäre nicht Grohl, wenn er bei all den großen Namen die junge Garde ignorieren würde. In einer kurzen Sequenz erzählt er davon, wie frühe Foo Fighters-Interviews vor allem daraus bestanden, Fragen zur Vergangenheit der Mitglieder zu beantworten (beziehungsweise nach seiner Vergangenheit als Nirvana-Drummer) – und zeigt derweil, wie man’s besser macht. Obwohl das Schwelgen in den eigenen Historien logischerweise einen guten Teil der 90 Minuten einnimmt, gerät „What Drives Us“ nämlich mitnichten zur reinen Nostalgieveranstaltung, die nur dazu dient, von vermeintlich besseren, längst vergangenen Zeiten zu schwärmen.

Mit Radkey holt Grohl – neben Starcrawler, die er in seinem alten Tour-Van durch Los Angeles chauffiert – auch eine vergleichsweise neue, unbekannte Band vor die Kamera, die erst in den 2010ern zusammenfand. Die drei Jungspunde aus St. Joseph, Missouri zeigen, dass sich die Punk-Rock-Geschichte – digitaler Über-Nacht-Ruhm hin oder her – in manchen Fällen glücklicherweise eben doch wiederholt. Während etablierte Namen in der Vergangenheit schwelgen, leben Radkey, die seit Jahren von ihrem Vater/Manager/Mercher durch die Vereinigten Staaten gefahren werden, genau den Van-Lifestyle, der für alte Recken wie AC/DC-Sänger Brian Johnson längst nur noch eine Erinnerung ist. Auffallend ist, dass sich am Grundlegenden kaum etwas geändert hat. So lässt sich die Kunst des Van-Packens der Bad Brains perfekt mit dem heutigen tetris’esken Verstauen von Instrumenten in einem viel zu kleinen Gefährt vergleichen – wenn auch mit etwas mehr technischen Standards.

„Es kommt ein Moment im Leben eines jeden Musikers, in dem sein Engagement auf die Probe gestellt wird. Wenn ihr Wunsch, Musik für andere zu spielen, zu einem fast irrationalen Akt blinden Glaubens wird. Es ist kein Job, es ist eine Berufung. Der erste Schritt, um sich und der Welt zu beweisen, dass man in diesen Club gehört, ist, in den Van zu steigen. Du lädst deine Instrumente, dein Talent und deinen Mut ein, und bringst deine Musik in die Welt. Es spielt keine Rolle, ob du die Beatles oder Billie Eilish bist, oder irgendein bekannter oder unbekannter Künstler dazwischen. Du musst in den Van steigen, um herauszufinden, ob du das Zeug dazu hast. Das ist der Rock ’n‘ Roll-Ritus des Übergangs…“ (Dave Grohl über das Touren und Musikmachen)

Während der Interviews kommt Grohls Stimme immer wieder aus dem Off, um Nachfragen zu stellen. Manchmal schwenkt die Kamera sogar auf sein Gesicht, während der 52-Jährige zwischen dem Drehequipment sitzt. Das mag vielleicht nicht dem güldenen Handbuch für Dokumentationsinszenierung entsprechen, gibt „What Drives Us“ aber genau das nahbare Gefühl von Authentizität und Verbindung, von welchem Grohl und all die anderen Musiker*innen vor der Kamera sprechen. Es gibt keine Trennung zwischen dem Interviewer und den befragten Personen. Grohl ist als Musiker schließlich selbst Teil dessen, von dem er in seinem Film erzählt. Und: Alle Beteiligten sind sich weitestgehend einig, dass die Erfahrung, ständig und rund um die Uhr mit seinen Bandkollegen auf engstem Raum zusammengelebt zu haben, die einzelnen Mitglieder näher zusammengebracht hat. „Es ist nicht glamourös darüber zu reden. Aber es braucht wirklich eine gewisse Unreife und Unschuld, um in einem Van unterwegs zu sein. Aber auch eine gewisse Reife, um vieles tolerieren zu können, das große Ganze zu sehen, Geduld zu haben, seinen Mitmenschen gegenüber freundlich zu sein, die vielleicht Probleme haben“, wie es L7-Bassistin Jennifer Finch ausdrückt.

Damit sich nicht alles lediglich um das selige Schwelgen in den „good old days“ und um den heilen Tourwelt-Protz dreht (etwa dann, wenn No Doubt-Bassist Tony Kanal berichtet, dass sich die Touren von No Doubt von Mal zu Mal vergrößert haben und sich schlußendlich jedes Bandmitglieder seinen eigenen Luxusliner leisten konnte), schlägt Grohl zwischendurch auch den ein oder anderen ernsteren Ton an. So spricht etwa der ehemalige Dead Kennedys-Schlagzeuger D.H. Peligro über den schwelenden Rassismus, welcher ihm als einzigem schwarzem Bandmitglied bei frühen Shows der kalifornischen Punk-Ikonen immer wieder entgegenschlug, oder von seiner Drogenabhängigkeit während seines kurzen Intermezzos bei den Red Hot Chili Peppers.

Mit dieser Sprunghaftigkeit zwischen Leichte und Tiefe erzeugt „What Drives Us“ ganz ähnliche Gefühle wie die besten Konzerte – ganz gleich, ob diese nun im Station oder im kleinen Indie-Club stattfinden. Obwohl das Publikum stets auf gewisse Weise eine andere Position einnimmt als die Bands, die da auf der Bühne stehen, sorgen grandiose, erinnerungswürdige Shows dafür, dass sich eben doch alle im Saal miteinander verbunden fühlen. Selbst wenn der Austragungsort ein Stadion mit 50.000 Zuschauenden ist.

Dieses Stadiongefühl beschwört Grohl (der ja im Laufe seiner Karriere so einige Erfahrungen mit ebenjenen „Stadiongefühlen“ sammeln durfte) ebenfalls in der Eingangssequenz von „What Drives Us“ herauf: einen Zusammenschnitt diverser Tour- und Konzertaufnahmen unterlegt er mit AC/DCs „For Those About To Rock (We Salute You)“. Wer schon einmal selbst die brachialen, ikonischen Kanonenschläge erlebt hat, die den Song in der Live-Situation flankieren, der weiß, warum gerade diese die Konzertfaszination perfekt symbolisieren. Passenderweise beschließt denn der Foto Fighters-Evergreen „Everlong“, welches live ebenso zu fesseln und euphorisieren weiß, die Dokumentation. So saugt einen „What Drives Us“, dieser kleine Liebesbrief an das Leben auf Tour und für die Musik, förmlich ein – und unterhält mit einer Fülle aus Kurzweil, Anekdoten und teilweise recht persönlichen Geschichten aus dem Musiker-Leben bis zum Schluss.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Metallica – „Turn The Page“


garage

Anders als vielleicht bei vielen anderen war mein bewusster Erstkontakt mit Metallica nicht der mit jener Trash Metal-Frühphase in den Achtzigern, als sich die LA-Metalheads um Frontmann James Hatfield und den dauerhaft vorlauten Schlagzeuger Lars Ulrich mit Klassikern wie „Master Of Puppets“, „For Whom The Bell Tolls“ oder „One“ (anno 1988 auch die Single zu ihrem ersten MTV-Musikvideo, für welches sie – einerseits ganz und gar Metal-Rebellen, andererseits sicherlich auch sozialkritisch – Szenen aus dem Antikriegsfilm „Johnny zieht in den Krieg“ verwendeten) mehr und mehr in die großen Stadien dies- wie jenseits des Atlantiks spielten. Und: Nein, auch das berüchtigte „schwarze (selbstbetitelte) Album“, das die Band beinahe poplastig präsentierte, einfach, weil zwischen dem Opener „Enter Sandman“ und dem kuschelrockenden Feuerzeugschwenker-Evergreen „Nothing Else Matters“ einfach nur Hit auf Hit, Klassiker auf Klassiker folgt, habe ich bei dessen Veröffentlichung im Jahr 1991 nicht wahrgenommen. Einfacher Grund: ich war zu jung (im August 1991, als „Metallica“ das Licht der Plattenläden erblickte, gerade einmal knapp acht Jahre). Und auch wenn mir jetzt ein Großteil der Metallica-Fanbasis Asche übers Haupthaar kippen wird: Bis heute sind „Load“ und „ReLoad“ meine liebsten Metallica-Alben. Zwar portraitiert jenes 1996 beziehungsweise 1997 erschienene Albumdoppel die vierköpfige Rockband als im Inneren zwar höchst dysfunktionale Gruppierung (siehe auch die 2004 erschienene ausschweifende Musikdoku „Some Kind Of Monster“, welche Metallica und ihre Probleme untereinander ausschweifend wie eine Therapiesitzung dokumentiert), aber dennoch tut es vor allem eines: verdammt nochmal rocken! Freilich wurden in den insgesamt 27 (!) Songs die Metal- und Bay-Area-Trash-Verweise zugunsten poppiger Melodien zurückgefahren (was erwähnten Fans der True-Metal-Alben der Achtziger sauer aufstieß). Aber bei Stücken wie „The House Jack Built“, „Until It Sleeps“, „Bleeding Me“ (von „Load“), „Fuel“, „The Memory Remains“ (mit einem Gastauftritt der legendären Grand Dame Marianne Faithfull) oder „The Unforgiven II“ (von „ReLoad“) geht mir noch heute ab und an das Herz auf. Legendär ebenso, für mich: „Mama Said“, eine beinahe schon zarte Lagerfeuernummer mit Akustikgitarre (!) – wenn das kein mutiger Stilwandel war, was sonst? Wenn ich heute Bilder der Band aus eben jener Zeit sehe, muss ich immer wieder daran zurückdenken, wie traurig mein damals bester Kumpel und ich waren, als der damalige Bassist Jason Newsted, welcher 1986 nach dem Unfalltod des sagenumwobenen Ursprungsbassisten Cliff Burton zur Band stieß und danach vom heutigen Saitenzupfberseker Robert Trujillo ersetzt wurde, 2000 die Band verließ…

Garage_Inc_(album)Doch zurück zu meinem persönlichen Erstkontakt mit Metallica. Denn den hatte ich ausgerechnet mit einer Coverversion: „Turn The Page“, im Original ein feiner, anno 1973 veröffentlichter Country-Schunkler des all American Countryrock-Singer/Songwriters Bob Seger. Metallica machten aus der Nummer, in welcher Seger über das Für und Wider des stets unsteten Tourlebens eines (Rock-)Musikers schreibt, einen höchst charismatischen derben Klopper (freilich nicht mal Metal-lastig, aber ich mit meinen damals zart pubertären 15 Jahren empfand es so). Toll auch und vor allem: das dazugehörige Musikvideo des sowieso für Qualitätsmaterial bekannten schwedischen Regisseurs Jonas Åkerlund (u.a. auch Musikvideos für Moby, Madonna, The Prodidys „Smack My Bitch Up“, The Smashing Pumpkins, Lady Gagas „Paparazzi“ oder Rammstein, aber auch Filme wie „Spun“ oder „Horsemen“), in welchem dieser das Umherziehen des Musikers auf das harte Leben einer alleinerziehenden Mutter (gespielt von der Pornodarstellerin Ginger Lynn), die sich mit Jobs in schäbigen Table-Dance-Bars und gar auf dem Straßenstrich herumschlägt, um sich und ihr Kind, das währenddessen nächtelang in heruntergekommenen Motels auf die Mutter wartet, durchzubringen. Klar dass MTV das Musikvideo damals aufgrund der recht realistischen, ungeschönten Darstellungen von Sex und Gewalt nicht ausstrahlen wollte… Mich hatten Metallica mit dieser Mischung aus einem tollen Stück ein noch tolleres zu machen, diesen Melodien, dieser Art des Rocks, ihrer provokanten Form der Sozialkritik zumindest im Sack. Das dazugehörige Album „Garage Inc.„, auf dem sich nur noch mehr tolle Coverversionen von Bands wie Black Sabbath, Nick Cave and the Bad Seeds, Lynyrd Skynyrd oder Queen befanden, ließ ich mir nach dessen Erscheinen im November 1998 von Oma (!) zu Weihnachten schenken. Der Rest sind Geschichten. Der Rest ist Geschichte…

 

 

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 22


ANEWFRIEND hat wieder vier Filme für euch: drei davon sind Volltreffer, vor einem wird gewarnt…

 

„In ihrem Haus“ (2012)

In ihrem Haus (Plakat)Der frustrierte Französischlehrer Germain (Fabrice Luchini) gibt seiner Klasse die Aufgabe, einen Essay über das verganene Wochenende zu schreiben. Die Ergebnisse sind für den Pädagogen einmal mehr uninspiriert und mehr als enttäuschend, doch ein Werk sticht aus der Masse der Mittelmäßigkeit hervor: Der Aufsatz des introvertierten Claude (Ernst Umhauer), ein stiller Charakter, der sich bislang stets zurückhaltend in die letzte Reihe des Klassenzimmers verzogen hat. Der Junge schreibt, dass er es am Wochenende geschafft habe, seinen Mitschüler Raphael in dessen Haus zum Lernen zu besuchen – ein Umstand, den er schon lange beabsichtigt hatte. Mit einem hohen Maße an Beobachtungsvermögen und auch einem starken Hang zum Voyeurismus schafft es Claude, Germain mit seinem Text in den Bann zu ziehen. Selbst dessen Ehefrau Jeanne (Kristin Scott Thomas) ist vom Talent des Jugendlichen überzeugt. Gemeinsam wollen sie Claude so gut es geht fördern, doch die Aufforderung zur Fortsetzung des Aufsatzes scheint unvorhersehbare Ereignisse ins Rollen zu bringen…

„In ihrem Haus“ (Originaltitel: „Dans la maison“), der neuste Film des französischen Qualitätsregisseurs François Ozon („Swimming Pool“, „8 Frauen“), ist ein feines, kleines Kammerspiel, in dem schon bald die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Puppe und Puppenspieler zu verschwimmen scheinen, und dessen Ende nur Verlierer kennt. Spannend? Ungemein!

 

 

„Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (2013)

Stirb langsam 5 (Plakat)Wieso? Wieso habe ich 98 Minuten meines Lebens für diesen Film verschwendet?

Wieso? Wieso rasseln Hollywood-Regisseure (hier: John Moore) auch zwanzig (!) Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs (Und: ja, das neuste „Stirb langsam“-Machwerk spielt in der Obama’schen Gegenwart!) noch Drehbuchhandlungen á la „Böser, dummer Russe vs. guter, idealistischer Ami“ herunter?

Wieso? Wieso kann man dann nicht wenigstens die Dialoge etwas humoriger – und weniger platt! – gestalten?

Wieso? Wieso tut sich Bruce Willis den fünften Leinwandausflug als New Yorker Bulle John „Schweinebacke“ McClane noch an? Wieso kann nicht wenigstens er, der ja hin und wieder (zuletzt etwa im tollen „Looper“) richtig tolle Rollen spielt, in Würde altern? Was soll’s – dann packe ich ihn eben in die „Eigentlich First Class-Schauspieler, die nur noch Mist abliefern“-Schublade, in der bereits seine Kumpels Liam Neeson, Denzel Washingston und Samuel L. Jackson friedlich schlummern und auf die nächste Karrierekiller-Rolle warten. Und. Schaue. Nicht. Mehr. Rein.

Wieso? Wieso sollte ich hier mehr zum Film schreiben? Die Story ist dünn, steckt voller logischer Trugschlüsse, und hetzt seine Darsteller mit Plattitüden im Gepäck fröhlich ballernd zwischen Moskau und Tschernobyl hin und her. Zwar habe ich keinesfalls etwas gegen gute Popcorn-Action-Unterhaltung, aber das hier ist einfach ein auf Zelluloid gebanntes Ärgernis! Gebt mir bitte eine Leinwand, auf die ich meine Fäkalien schmieren kann! – Das hätte zumindest irgendwo eine künstlerische Rechtfertigung, und sähe besser aus als dieser Film…

 

 

„Mission To Lars“ (2012)

Mission to Lars (Plakat)Tom Spicer hat im Grunde nur einen Wunsch: er möchte Lars Ulrich, den Schlagzeuger seiner Lieblingsband Metallica, treffen. Und was für „normale“ Menschen bereits ein kleines Ding der Unmöglichkeit darstellen dürfte, scheint bei Tom – zumindest theoretisch – ausgeschlossen. Denn Tom leidet am Fragiles-X-Syndrom, einer Erbkrankheit und starken Behinderung, welche zu Sprachstörungen, Lernschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsdefiziten führt. Doch zum seinem Glück versprechen ihm seine Geschwister Kate und Will, ihn bei der Erfüllung seines größten Traums zu unterstützen. Gemeinsam, und mit einer Kamera bewaffnet, machen sie sich aus dem englischen Bristol auf ins weit entfernte Kalifornien. Dort wird Kate und Will schnell klar, dass sie noch weniger über die Behinderungen und Eigenarten ihres großen Bruders wussten als befürchtet, denn Tom hat panische Angst vor lauter Musik (!) und Menschenmengen. Und sagt plötzlich, dass er Lars – nach 20 Jahren des Bettelns – nun gar nicht mehr treffen möchte…

Mission To Lars“ begleitet einen autistischen Heavy Metal-Fan bei der Erfüllung seines Traums, und seine Geschwister dabei, einen Menschen kennen zu lernen, der zwar auf dem Papier ihr großer Bruder sein mag, den sie jedoch bislang kaum kannten. Heraus kommt die etwas andere Variante einer Musikdokumentation, und ist ebenso kurzweilig wie herzerwärmend.

 

 

„Warm Bodies“ (2013)

Warm Bodies (Plakat)R (Nicholas Hoult) ist wohl das, was man in den Neunzigern als „Slacker“, sprich: als nutzlosen Tagträumer und Herumtreiber, bezeichnete. Nichtstuend schleicht er über die Flure des heimischen Flughafens, hängt seinen wirren Gedanken nach, und lebt minimalistisch von einem Tag in den nächsten. Doch wer sich jetzt bereits ein vorgefertigtes Bild in den Kopf gesetzt haben mag, sollte dieses schnellstens wieder verwerfen, denn R ist ein Zombie! Ein Untoter, der sich weder an seinen vollständigen Namen noch an den Grund, aus dem er zum Zombie wurde, erinnern kann. Er ist ein Wesen, das weder schläft noch träumt, und sich von Fleisch und Gehirn der wenigen überlebenden Menschen ernährt. Die haben sich hinter einer hohen Mauer verbarrikadiert, und harren in ständiger Angst der kommenden Dinge. Doch eines Tages trifft R das menschliche Mädchen Julie (Teresa Palmer), und plötzlich weiß er nicht, wie ihm geschieht. Will er sie töten, sie gar fressen? Nein, er will sie beschützen! Was ist nur mit ihm los? Und was zur Hölle ist dieses warme Gefühl, das da plötzlich in ihm zu lodern beginnt? Auch Julie merkt schnell, dass R anders ist als die anderen Zombies…

Der Trailer zu „Warm Bodies“ ließ schon vor einiger Zeit erkennen und hoffen, dass der Film von Regisseur Jonathan Levine, welcher auf dem gleichnamigen Roman von Isaac Marion basiert, eine äußerst unterhaltsame und abwechslungsreiche Zombie-Komödie abgeben würde – und dass trotz der Tatsache, dass auch in diesem Genre Filme wie „Shaun Of The Dead“ oder „Zombieland“ die Messlatte nicht eben niedrig angesetzt haben. Doch alles in allem wird der Zuschauer während der 97 Minuten nicht enttäuscht und darf sich in diesem launigen Mix aus Semi-Splatter, Komödie und Teenie-Schnulze, bei der die Tatsache, dass das Hauptdarstellerpaar frappierend an die „Twilight“-Vampire Bella und Edward erinnert, wohl keine spitzfindige Zufälligkeit darstellt, prima unterhalten lassen. Dickes Plus: Charaktermime John Malkovich gibt hier den verwirrten Zombie-Gegenspieler und eifersüchtigen Vater. Der Zombie, mein Liebhaber? Romeo und Julia treffen sich nach der Apokalypse, und zum Hauptgang des Candlelight Dinners darf am Hirn geknabbert werden… Wohl bekomm’s!

 

 

Rock and Roll.

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