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Song des Tages: Die Sonne – „Für alle“


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Foto: Sibylle Mall

Dass Die Sonne vor dem im vergangenen August veröffentlichten selbstbetitelten Albumdebüt noch Wolke hießen – geschenkt. Dass die heute erscheinende neue Single „Für alle“ mal keine tiefgreifenden Botschaften vermittelt – ebenso: geschenkt. Manchmal muss man eben über selten dämliche Bandnamen hinweg sehen und im Kleinen suchen, um etwas Universelles zu finden…

Und überhaupt könnte man zuerst denken, dass man es bei Oliver Minck und Benedikt Filleböck mit zwei Hobbymeteorologen zu tun hat. Denn das Duo, das zwischen 2005 und noch nicht all zu langer Zeit als Wolke deutsche Clubbühnen bespielte, macht nun, mit Boris Rogowski (E-Gitarre), Roland Münchow (Bass) und Claus Schulte (Schlagzeug) zur vollwertigen Band vergrößert, als Die Sonne das, was man beim Heimatlabel der Band, Tapete Records, seit Jahr und Tag bereits zuhauf findet: gute deutschsprachige Indiepopmusik. Wer beim Hören an Labelmates wie Erdmöbel oder Die Höchste Eisenbahn denken muss, liegt schon irgendwie richtig. Die fragile Tragik, mit der Sänger Oliver Minck noch in vielen Songs des Debütalbums ins Innenleben der bundesdeutschen Seelenheils geleuchtet hat, geht „Für alle“ jedoch – zumindest vordergründig – ab. Stattdessen zeigt sich die neuste Dreieinhalb-Minuten-Single der Kölner Formation – um mal beim Meteorologischen zu bleiben – komplett wolkenfrei. Schön auch, dass die Band fürs Musikvideo so einige Kollegen gewinnen konnte, die man etwa bei gemeinsamen Touren kennen gelernt hat (etwa Maria Taylor, ihres Zeichens 50 Prozent des US-Indiepop-Duos Azure Ray) oder mit denen man sich gar einen Platz bei Tapete Records teilt (der schwedische Singer/Songwriter Kristofer Åström). Möge Die Sonne „Für alle“ scheinen…

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Kristian Harting – Float (2014)

Kristian-Harting-Float-Artwork-erschienen bei Exile On Mainstream Records-

Im Jahr 2001 kämpfte sich ein Mann namens John Frusciante mit der Veröffentlichung seines gefühlten Solodebüts „To Record Only Water For Ten Days“ seinen höchst privaten Weg zurück ins Leben. Zwei Jahre zuvor hatte der saitenvirtuose On/Off-Gitarrist mit seiner damaligen Stammband, den Red Hot Chili Peppers, und dem gemeinsamen – und bis heute wohl qualitativ unerreichten – Album „Californication“ bereits die Rückkehr auf die großen Rockbühnen der Musikwelt gefeiert. Und doch war es die fünfzehn Stücke jenes „To Record Only Water For Ten Days“, dessen Titel mit Meditationsbildern tief stapelt, mit denen der damals 31-Jährige aus den rockstar-liken Drogensümpfen der todgeweihten Neunziger endlich wieder bei sich selbst ankam. Als Mittel zur Findung des inneren Gleichgewichts wählte der scheue Freigeist die Einsamkeit und nahm lediglich seine geliebten Gitarren, ein paar Effektgeräte und Sampler mit. Heraus kam eine 43-minütige klangliche Tour de Force, der man zu jeder Zeit ihre windschiefe Dringlichkeit anhörte, während Frusciante um sein Leben spielte. Freilich: nahezu perfekt sollte erst der in den kommenden Jahren (bis 2005) veranstaltete Veröffentlichungsmarathon aus Alben, EPs und allerlei Kollaborationen geraten. Doch derart zu Herzen ging bei vielen Hörern nur „To Record Only Water For Ten Days“.

Warum ich über eine Spanne von mehr als zehn Jahren derart aushole? Nun, der aus Kopenhagen stammende Däne Kristian Harting scheint in seiner jüngeren Biografie eine nicht unähnliche seelische Tour de Force durchlebt zu haben. Eine schwere Zeit, um die der zurückhaltende Musiker auch heute noch lieber weniger Worte machen möchte. Da er das Gefühl hatte, damit allein und für sich selbst klarkommen zu müssen, ließ er seine damalige Stammband, DreamJockey, kurzerhand links liegen, packte seine Siebensachen, nur das Nötigste, seine Gitarre, einen Moog-Synthesizer und ein paar Effektgeräte zusammen und verzog sich in die Einsamkeit. Erst als Harting das aufkeimende Gefühl der innerlichen Gesundung beschlich und er ausreichend Songs für sein Solodebüt beisammen hatte, trat er zurück ins Leben. Mit „Float“ gewährt er dem Hörer nun Einblick über die Klippen physischer wie psychischer Abgründe hinaus. Doch was sich für den Moment ließt wie die klangliche Anleitung zur gepflegten Depression, ist am Ende wohl kaum so wild. Dabei strahlt bereits das in Schwarz-weiß gehaltene Cover, welches das Gesicht des Musikers in frontaler Direktheit zeigt, eines aus: Es wird ernst. Ein Widerspruch? Natürlich, denn „Float“ erzählt vom Leben…

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„Soul Collector“ eröffnet mit spärischen Gesängen, die mehr und mehr durchs Feedbackraunen brechen, bevor sich die Akustikgitarre und Hartings glockenhelle Stimme ihren Platz erkämpfen: „Anything that comes to mind / Anything that comes from the heart / Anything that comes from the mind / Anything that goes to the heart / Have faith / Faith is blind / See nothing tear us apart“ – ohne Umschweife nimmt einen bereits das erste Stück mit ins Herz der Nacht. Im darauf folgenden „Feathered Ghosts“ bildet denn auch Frusciantes „To Record Only Water…“ einen sicheren Referenzhafen, wird doch auch hier mit minimalen LoFi-Mitteln (eindringliche Stimme, Hall und Akustische) sowie allerlei Effektgeräten gespenstisch Großes erzeugt: „I wanna make friends with my ghosts / I wanna know all that they know“. In ähnliches Fahrwasser schlagen auch der Momentstampfer „Queen Of The Highway“, das zu The Shins-Folk schippernde und beinahe unerhört poppige „Sole Dancer“, die mit massig Endzeitlichkeit á la Thom Yorke (der Solo-Yorke, nicht der Radiohead-Yorke!) und einprägsamen Textteilen („You breathe / But do you live?“) ausgestattete „Kamikaze“ – Kristian Hartings Stücke fußen ganz traditionell auf Gitarre und Stimme, denen mal hier mit leichten Hallhöhen Weite verliehen wird, bevor Moog-Sythesizer und ein kleines Arsenal an Effektgeräten den Songs experimentelle Noten und – im besten Fall – individuellen Glanz verleihen. Dem stehen auch das knapp zweiminütige Zwischenspiel „Walk With Thor“, wenn man so will die dänische Auslegung des Tim Buckley-Evergreens „Song To The Siren“, die von Loop-Schleifen getragene Abarbeitung an den Wirren der Zweisamkeit, „First Applause“, und das beinahe Beatle’eske „Balance“ in nichts nach. Wenn Harting im Quasi-Abschluss des Titelstücks mit nahezu meditativer Gleichmütigkeit und der Grabestimmlage eines Mark Lanegan „All I want is to float like this / All I want is to float like oil from sinking ships… onto the sea“ singt, Effekte immer wieder Schiffshörner ins Gedächtnis rufen und die Akustikgitarrennoten gegen Ende der knapp fünf Songminuten an raunende Riffe schlagen, dann wird wohl so manches Herz schwer vor Melancholie. Und im Grunde könnte nun Schluss sein. Harting schickt jedoch noch das puristische „Precious Freedom“ nach: „Don’t really want your precious freedom / It’s a mental vacuum / It’s a lie / All it ever made me was slay / I drift on a dark tide away / Don’t really need your recognition / Your sad little fiction / Your dreams / As golden and rich they may seem / As loud you may, as loud you may scream / All I wanna do is give love, give love to you / All I need to do is give love to you / And save them all“ – innerlich zerrissen ist dieses Werk bis zum Ende hin. Und trotzdem wird schon alles. Und trotzdem, trotzdem wird alles gut.

Kristian Harting

Float„, das Solodebüt des singenden Bassisten (in den Bands DreamJockey, Siku und The Yes Wave) Kristian Harting, führt den Hörer auf eine 33-minütige spirituelle Reise ins Herz der Nacht. Dass man den Dänen der im Grunde recht traditionellen Arrangements, der Vorliebe für melancholische Gefilde und – klar! – seiner Herkunft wegen schnell in der Nähe von „Scandinavian Cowboys“ wie Kristoffer Åström oder Christian Kjellvander verorten mag, ist dabei ebenso Plattitüde wie Ehrung. Doch auf den zehn Stücken des Albums klingen ebenso Folk-Meister wie Bonnie ‚Prince‘ Billy, Cat Stevens oder Glen Hansard an, während in experimentelleren Passagen gar Avantgardisten wie Sonic Youth oder die Tindersticks ums Eck lugen. Dabei ist „Float“ zwar das wahrhaft existenzialistische Werk eines Drüblers, Einzelgängers und Zweiflers, jedoch keinesfalls eine pessimistische Einbahnstraße ohne Ausweg. Im Grunde musste hier einfach etwas raus: „In diesem ganzen privaten Chaos gab es letztlich nur einen Ausweg: ich musste wie Wasser sein – einfach fließen. Nicht nachdenken, nicht versuchen, irgendwas zu organisieren oder zu kontrollieren. Einfach fließen, nichts brechen, mich nicht gegen etwas stemmen, das Feuer langsam verlöschen lassen, statt zu versuchen, es auszublasen. Es war eine spirituelle Reise. Ein Test.“ An dessen Ende steht auch für Kristian Harting noch immer eine Gewissheit: „Wo Schatten ist, ist auch Licht.“ Und wie könnte man all diese Review besser beschließen als mit Worten wie diesen: „Mein Wunsch ist, dass jeder, der dieses Album hört, die Hoffnung spürt, die ich damit ausdrücken will – so hart die Zeiten auch waren, in denen es entstanden ist.“ Der Rest ist Lauschen, Rauschen, Fließen…

 

 

Hier kann man sich das Album in voller Länge zu Gemüte führen…

 

…während man sich anhand dieses Mitschnitts einen kurzen Eindruck von Hartings Live-Qualitäten holen kann:

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 4


Nachdem auf ANEWFRIEND bereits mein persönliches Jahr 2012 in Punkto Serien (ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal bei all jenen, denen aufgefallen sein sollte, dass ich lohnenswerten Formaten wie „Breaking Bad“ oder „Californication“ nicht die verdiente Erwähnung entgegen gebracht habe!), Filme und dem „Song des Jahres“ unter die digitale Lupe genommen wurde, kommen wir nun zur gefühlten Königsdisziplin: den „Alben des Jahres“.

Und: findigen regelmäßigen Besuchern dieses kleinen Blogs wird nicht entgehen, dass 13 der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres bereits als „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND Erwähnung fanden…

(Dass Platz 1 fehlt, ist übrigens kein Versehen – das Album wird mit einer etwas größeren Review in Kürze nachgereicht!)

 

 

Led Zeppelin - Celebration Day (Cover)02.  Led Zeppelin – Celebration Day

London im Dezember 2007: die „elder statesmen des Rock“ in Persona von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und „Bonzo“-Sprößling Jason Bonham betreten noch einmal gemeinsam eine Konzertbühne, um Led Zeppelin in höchsten Ehren zu Grabe zu tragen. Ein Schwanengesang, und was für einer!

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Kid Kopphausen - I (Cover)03.  Kid Kopphausen – I

Die beiden deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch verbindet eine jahrelange Freundschaft. Nur logisch also, sich auch „beruflich“ zusammen zu tun und unter dem sinnstiftenden Namen „Kid Kopphausen“ ein Album im Bandformat zu veröffentlichen. Der Titel „I“ lässt vermuten, dass beide gern noch viele dieser stetig zwischen Frühlingsoptimismus und Herbstmelancholie pendelnden Kleinode geschrieben hätten… Leider verstarb Koppruch plötzlich und unerwartet im Oktober, noch bevor Kid Kopphausen zur geplanten großen Tournee aufbrechen konnten. Und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Lieder wie das tolle „Das Leichteste der Welt“ strahlen nun, ob der dämmernden Gewissheit, noch heller… Danke, Nils.

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Keaton Henson - Dear (Cover)04.  Keaton Henson – Dear

Der englische mediale Alleskönner bot mit seinem Debüt „Dear“ und den dazugehörigen wundervollen Videos liebeskranken Singer/Songwriter-affinen Hörern 2012 den wohl schönsten Soundtrack. Klar scheint nach dem Genuss des Albums keinem eine kleine Sonne aus dem Allerwertesten, jedoch kann man sich in diese intimen Trauergeständnisse zärtlich behütet einkuscheln… *hach*

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Bloc Party - Four (Cover)05.  Bloc Party – Four

Nach „Intimacy“ schienen Bloc Party als Bandverbund quasi obsolet, Sänger Kele Okereke suchte sein Solo-Heil in Elektronikexperimenten, der Rest der Band widmete sich ebenfalls eigenen Projekten. Dann die scherzhafte mediale Verlautbarung, dass man gerade einen neuen Mikrovorsteher caste – ein Witz, der maximale Aufregung hervorrief. Dass das so simpel wie vielsagend betitelte neue Album „Four“ jedoch eine so gelungene Rückkehr zu alten Stärken werden würde, hatte wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Hier spielt eine verdammte Band! Und sie spielt frisch, laut, gewagt, ungewohnt, spannend. Unerwartet, und daher umso überraschender.

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Die Natur grift an (Cover)06.  Vierkanttretlager – Die Natur greift an

Dass vier Milchbubis aus dem norddeutschen Husum eines der besten deutschsprachigen Debütalben des Jahres abliefern würden, wird wohl nur den wenigsten Eingeweihten – und Kennern der Debüt-EP „Pension Kanonier“ – klar gewesen sein. Spätestens jetzt – und nach einem langen Tourneejahr mit u.a. Casper oder Kraftklub – dürften die Jungs von Vierkanttretlager auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Und hört man das stürmische und bereits seltsam altersweise „Die Natur greift an“, so fragt man sich, wie zur Hölle die Instrumentalfraktion von Tomte Sven Regener Element Of Crime als Sänger abwerben konnte…

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cover07.  Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow

I won’t back down: auch 2012 stellte der bärtige Schweden-Singer/Songwriter erneut unter Beweis, dass noch immer niemand Herzschmerz so wunderschön aufrichtig vertonen kann, nur um sich im nächsten Moment selbst in den Arm zunehmen, auf die Schulter zu klopfen und beherzt in den Allerwertesten zu treten. Kleine Hymnen in bewährt hoher Qualität. Åström ist und bleibt ’ne sichere Bank!

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Two Gallants - The Bloom and the Blight (2012)08.  Two Gallants – The Bloom And The Blight

Hoppla! Da scheint ja beim wuchtigen Duo aus San Francisco so einiges vorgefallen zu sein. Weg sind die Bluesrock-Mini-Dramen mit annähernd zehn Minuten Spieldauer. Stattdessen wird alles mit ausreichend Sturm und Druck ins beinahe „klassisch“ knappe Songformate gepresst. Und trotzdem sind die neuen Songs des Zweiergespanns Adam Stephens und Tyson Vogel relevante und spannend anzuhörende, kaum zu zähmende Biester!

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Patrick Wolf - Sundark and Riverlight (Cover)09.  Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum? Da lässt sich ein so wandlungsfähiges Musikchamäleon wie Patrick Wolf natürlich nicht lumpen und bringt statt einer schnöden „Greatest Hits“-Zusammenstellung mal eben seine Auswahl der persönlichen Highlights in komplett neuen, mal akustisch, mal mit kleinem Orchester aufgenommenen Arrangements an den treuen Hörer. Lohnt sich, auch für diejenigen, die den talentierten Briten erst jetzt für sich entdecken möchten.

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Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - Theatre Is Evil (Cover)10. Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil

Mehr Aufsehen als die Songs selbst des – mehr oder minder – zweiten Soloalbums der on/off-Dresden Dolls-Frontfrau erregte wohl deren Geldbeschaffungsaktion im Vorfeld: via Kickstarter sammelte Amanda Palmer etwa 1,2 Millionen US-Dollar ein und gab diesen Vorschuss an Geld und Vertrauen anhand eines vielseitigen, mit ihrer Begleitband The Grand Theft Orchestra eingespielten Albums sowie durch individuelle Fan-Gimmicks zurück. „Theatre Is Evil“ mag an einigen Stellen ambitionierter und unkonventioneller als noch das Solo-Debüt „Who Killed Amanda Palmer“ von 2008 tönen, steht diesem jedoch in nichts nach.

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…und auf den weiteren Plätzen:

The Unwinding Hours – Afterlivesmehr…

Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seatsmehr…

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songsmehr…

The Gaslight Anthem – Handwrittenmehr…

The Smashing Pumpkins – Oceania

 

Rock and Roll.

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Kristofer Åström live im Beatpol, Dresden, 28. März 2012: vom Gefühl, Abschied zu nehmen…


Mit dem Gastspiel des für mich derzeitig besten Songwriters Schwedens fand am 28. März 2012 auch mein vorerst letztes Konzert im geschätzten Beatpol zu Dresden statt. Und ein besseren Abschied (auf Zeit?) hätte man mir kaum bereiten können. Kristofer Åström und seine Band waren, all der wehmütigen Songs aus der Feder des 38-Jährigen zum Trotz, in bester Spiellaune und präsentierten einen melancholisch-wilden Ritt durch die Solo-Karriere des ehemaligen Frontmanns von Fireside, mit logischer Schlagseite zum aktuellen Album „From Eagle To Sparrow“ (welches vor nicht all zu langer Zeit das „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND war).

Hier einige Bilder vom Konzert:

(alle Fotos: ANEWFRIEND)

 

Danke noch einmal an Johnny und Mr. Hed für die hervorragende Begleitung. Es war mir eine Ehre.

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow (2012)

„Blonde On Blonde“ von Bob Dylan, „Sea Change“ von Beck,  „Album Of The Year“ von The Good Life, „Love Is Hell“ von Ryan Adams, „O“ von Damien Rice – die Liste großer, tränenschwerer  Trennungsalben ist lang. Kristofer Åström fügt nun mit seinem nunmehr neunten Soloalbum (plus vier EPs) namens „From Eagle To Sparrow“ ein weiteres hinzu.

Dabei ist die Welt im Album-Opener „For You“, welches durch Rhythmik und Mundharmonika-Begleitung an Bob Dylan erinnert, zwar von (Selbst)Zweifeln geprägt, aber scheinbar noch halbwegs in Ordnung: „How come you are staying with me? / How come you’re still here? / Am I the one that you can stand? / The only one you need?“. Doch schon im darauf folgenden „Queen Of Sorrow“ ist die Dame weg und es Åström selbst, der die Scherben der gescheiterten Beziehung und seines gebrochenen Herzens aufkehren muss: „Dear father, sweet sister / Mother, I still miss her / … / Is it worth to keep dreaming? / If the world will soon fall to pieces“. Nachdem der 38-jährige Schwede bei den Vorgängern „Sinkadus“ (2009) und „RainawayTown“ (2007) noch (s)eine Begleitband im Rücken hatte, nahm er nun „From Eagle To Sparrow“, bis auf kleinere Ausnahmen wie „Full Moon“, ein Fernduett mit Sandle Creek-Darling Maria Taylor, oder das sacht vorwärts stampfende „Taser Gun“, komplett allein auf – die sprichwörtliche Gesundschrumpfung „vom Adler zum Spatzen“ war wohl nötig. Insgesamt sucht Åström in den zwölf Songs weniger nach dem Warum – schließlich hat er bereits auf dem 2001 erschienen „Northern Blues“ eine ganz ähnliche Lebenssituation vertont – sondern mehr nach Wegen, um aus dem Seelentief mit möglichst wenigen Schrammen wieder heraus zu kommen. Klar hätte er es von Vornherein besser wissen sollen („I’m always looking for the heartbreaker to call my own / I’ve been waiting for the homewrecker to throw her stones“ – aus „Strong & Tall“), doch der hoffnungslose Romantiker („I’m a lover, I’m a fighter / I’m keeping my head above water“ – aus „Queen Of Sorrow“) kann halt nicht anders und befürchtet, dass er, allen Ablenkungsversuchen und Widrigkeiten zum Trotz, doch wieder vor der Tür der ehemals Angebeteten enden wird („Come summer, come standing outside your door“). Und klar weiß gerade Åström aus eigener Erfahrung, dass die eben geleckten Wunden irgendwann wieder heilen… Bleibt nur zu klären, wann („Your heart is torn / When will you come back?“).

„From Eagle To Sparrow“ ist beileibe kein weinerliches Album. In allen Songs steckt, neben all der Sentimentalität und Melancholie, auch ein großer Brocken Hoffnung auf einen Lichtstrahl am Ende des Herzeleidtunnels. „From Eagle To Sparrow“ ist ein tolles Singer/Songwriter-Album, Åströms wohl bestes Werk seit „Loupita“ (2004) und in seiner Gesamtheit auch eine Verneigung vor einem der großartigen Herzschmerz-Musiker aller Zeiten: Elliott Smith. Denn genau wie dieser schafft es Kristofer Åström, den Hörer mit einfachen Mitteln (sprich: meist nur mit Hilfe einer Akustikgitarre) zu fesseln und zu emotionalisieren. Beim Song „Can You Imagine?“ wagt der Schwede dann sogar wieder einen gesellschaftskritischen Blick vor die eigene Haustür, um im abschließenden „Forget About It“ den Seelenunrat zum Müll zu bringen. „Kopf hoch und Arsch in den Sattel“ sangen Jupiter Jones einst, was die schlussendliche Botschaft von Åströms neustem Werk treffend umreißt. Weiter geht es immer, den Weg muss jeder für sich selbst wählen. Bis dahin: Fick dich, Herzschmerz!
 
Hier könnt ihr euch den Song „Strong & Tall“ anhören:

 

Im März ist Kristofer Åström auf Deutschland-Tournee. Hier die Daten:
 
11.03.2012 Hamburg / Kunst
12.03.2012 Hannover / Mephisto
13.03.2012 Göttingen / Apex
14.03.2012 Bielefeld / Fallendem
15.03.2012 Bremen / Tower
16.03.2012 Lingen / Alter Schlachthof
17.03.2012 Köln / Gebäude 9
18.03.2012 Dortmund / FZW
19.03.2012 Saarbrücken / Garage
20.03.2012 Wiesbaden / Schlachthof
21.03.2012 Karlsruhe / Jupes
22.03.2012 Luzern (CH) / Schuur
23.03.2012 Freiburg / White Rabbit
24.03.2012 Konstanz / Kulturladen
25.03.2012 München / Ampere
26.03.2012 Nürnberg / Hirsch
27.03.2012 Halle / Objekt 5
28.03.2012 Dresden / Beatpol
29.03.2012 Berlin / Comet
30.03.2012 Greifswald / Cafe Koeppen
31.03.2012 Flensburg / Volksbad

 
Rock and Roll.

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