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Song des Tages #1: DONOTS – „Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)“


Die fünf Ibbenbürer Punkrocker von den DONOTS haben zur Weihnachtszeit „Merry Christmas (I Don’t Wanna Fight Tonight)“ von den Ramones gecovert. Und das nicht allein: CJ Ramone, zwischen 1989 und bis zur deren Auflösung im Jahr 1996 Mitglied der New Yorker Punk-Legenden, unterstützt sie auf dem Song, genau wie Cecilia Boström, Sängerin von The Baboon Show.

„Wir sind wahnsinnig happy, dass eine weitere Donots-Schnapsidee den direkten Weg an die Theke getorkelt ist… und dass wir einen Ramones-Song mit einem Ramone und einer Baboon zusammen aufnehmen durften, einfach weil es uns allen Spaß gemacht hat“, freuen sich Ingo Donot und Band im dazugehörigen Statement. Der Song ist ab sofort überall digital erhältlich. Erst in der vergangenen Woche hatte die deutsche Punkrock-Band, die bereits seit Mitte der Neunziger die Bühnen hierzulande unsicher macht, ihr erstes richtiges Livealbum „Birthday Slams (Live)“ veröffentlicht, dessen Erlöse ihrer Live-Crew zugute kommen sollen.

„‚Das erste DONOTS Weihnachtslied?’… oder: Spontane Ideen sind doch immer irgendwie die besten. Neulich im Proberaum ist uns aufgefallen, dass ‚Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)‘ von den legendären Ramones wohl eines der einzigen Weihnachtslieder ist, die man auf Lautstärke 100 anschmeißen darf, ohne dabei rot zu werden.

Vielleicht war’s danach ein Glühwein zu viel, aber im nächsten Moment hatten wir schon die Instrumente in der Hand und einen Heidenspaß daran, genau diesen tollen Song zusammen zu spielen. Und einen weiteren Punsch on top haben wir rumgesponnen, dass es doch noch großartiger wäre, den Hit gemeinsam mit unserem Kumpel CJ von den Ramones (VON den Ramones!!!) aufzunehmen und dem Ganzen mit einer der wunderbar dreckigsten Frauenstimmen Schwedens, nämlich Cecilia von der famosen Baboon Show, die Xmas-Rotze-Krone aufzusetzen.

Tja, was sollen wir sagen? Dieses Weihnachtsgeschenk haben wir uns UND Euch gemacht und jetzt liegt’s hier wirklich frisch aus dem Studio unter der Blinketanne – mit beiden Gästen an den Mikrofonen covern wir DONOTS ‚Merry Christmas (I Don’t Want To Fight Tonight)‘ von den ehrwürdigen Ramones – und ihr könnt euch das ab genau jetzt überall anhören.

Wir sind wahnsinnig happy, dass eine weitere DONOTS Schnapsidee den direkten Weg an die Theke getorkelt ist… und dass wir einen Ramones Song mit einem Ramone und einer Baboon zusammen aufnehmen durften, einfach weil es uns allen Spaß gemacht hat.

Hört doch mal rein! Auf Lautstärke 100.

Happy Holidays und Ho Ho Ho Hu Ha!

Eure DONOTS“

(Allen, die abseits der gängigen „Ihr Kinderlein kommet“- und „O Tannenbaum“-Pfade nach etwas weihnachtlichem Gefühl suchen, sei übrigens diese simpel „50 alternative Weihnachtslieder um das Fest zu überleben“ betitelte Liste von testspiel.de ans Hörerherz gelegt… Eventuell ist ja der ein oder andere Song nach eurem Gusto dabei.)

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sarah King – „War Pigs“


Obwohl tatsächlich nie als Single veröffentlicht, ist „War Pigs“ einer der ikonischsten Songs von Black Sabbath – und für manche gar einer der besten Metal-Songs überhaupt. Kein Wunder also, dass das Stück seit Erscheinen im Jahr 1970 (auf dem Album „Paranoid„) von zahlreichen Bands und Künstlern von Faith No More über Cake oder First Aid Kit bis hin zu The Dresden Dolls gecovert wurde.

Eine der neusten – und wohl zweifellos bislang ungewöhnlichsten – Interpretationen stammt von Sarah King. Und anstatt den Song ähnlich rabiat zum Besten zu geben wie seinerzeit Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward, entschied sich die Roots-Rock-Singer/Songwriterin aus Vermont, mal eben beinahe alles zu ignorieren, was „War Pigs“ seit einem halben Jahrhundert so unverwechselbar, so unverkennbar macht. Stattdessen stellt sich die US-Musikerin den Song als etwas vor, das Folk-Hippies vom Greenwich Village bis hinüber nach San Francisco wohl in den Sechzigerjahren veröffentlicht hätten: einen Anti-Kriegs-Protestsong.

So lässt Sarah King etwa das bekannte sludgy anmutende Intro komplett weg und beginnt direkt mit den Textzeilen „Generals gathered in their masses / Just like witches at black masses“, während ihre einsame Akustikgitarre abwechselnd den Platz von Bill Wards Schlagzeug sowie den Saiteninstrumenten von Tony Iommi und Geezer Butler einnimmt. Auch „Luke’s Wall“, das Outro, ist in ihrer Version verschwunden. Das spontan innerhalb von zwanzig Minuten live im Studio eingespielte Ergebnis lenkt so die Aufmerksamkeit des Hörers auf den berühmten Anti-Kriegs-Zeilen des Songs, welche klar und deutlich jene Leute aus Politik, Wirtschaft und Co. verurteilen, die anderen zwar den Krieg erklären, aber selbst nicht kämpfen. So wird „War Pigs“ fünfzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung vom Metal-Banger zum gleichsam düstren wie klassischen Protestsong…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Brittany Howard – „You’ll Never Walk Alone“


You’ll Never Walk Alone“ ist eines dieser Lieder, das im richtigen Moment wie kaum ein zweites für unfassbare Gänsehaut sorgen kann. Zwar stammt der von Oscar Hammerstein II und Richard Rodgers geschriebene Song ursprünglich aus dem Film „Carousel“ aus dem Jahr 1945, so richtig bekannt wurde er jedoch erst 1963 in der Version von Gerry and the Pacemakers. Heute gilt das Stück als „die Mutter aller Fussballhymnen“ (sorry, Queen – euer „We Are The Champions“ ist da absolut chancenlos!) und wird Wochenende um Wochenende von mehr als 40.000 Fußballfans des FC Liverpool, Borussia Dortmund oder Celtic Glasgow bei Heimspielen von den Tribünen aus geschmettert (so denn irgendwann nach Corona wieder Fussballspiele vor ausverkauftem Haus an der Anfield Road, im Signal-Iduna-Park oder im Celtic Park stattfinden können). Wie ich schrob: unfassbare Gänsehaut, die man unbedingt einmal live und mittendrin erlebt haben sollte…

Angesichts von Themen wie Zusammengehörigkeit und Verständnis, welche, ob nun direkt oder eher gefühlt zwischen den Zeilen, im Zentrum dieses zeitlosen Klassikers stehen, kann man nur allzu gut verstehen, warum sich Alabama Shakes-Frontfrau Brittany Howard ausgerechnet für eine Coverversion dieses Songs entschieden hat. In Anlehnung an seligen Gospel und traditionellen Blues steht Howards kraftvoll-unverwechselbare Stimme im Mittelpunkt des knapp zweiminütigen Stücks, das die 32-jährige US-Musikerin als Teil einer Johnnie Walker-Werbekampagne aufnahm. Natürlich mag da nicht die selbe Inbrunst entstehen wie bei zigtausenden von Fussballfans, die die Hymne aus vollem Halse und heiserer Kehle schmettern, dennoch kommt Brittany Howards Version gerade in diesem Jahr – und in ihrer nicht erst durch #MeToo, „Black Lives Matter“ oder die US-Wahl in vielerlei Hinsicht sehr gespaltenen Heimat – eine besondere Rolle zu.

Ganz unbekannt dürfte Howard, deren Debütalbum „Jaime“ im September 2019 erschien, der Evergreen übrigens nicht gewesen sein, immerhin wuchs die vielseitige Künstlerin aus Athens, Alabama umringt von allen möglichen Arten von Musik auf: „In unserem Haushalt hörte man nicht nur schwarze oder weiße Musik – man konnte einfach alles hören! Wir hörten Elvis Presley und dann hörten wir Prince, und ich lernte früh, dass es keinen festgeschriebenen Weg gibt, Musik zu hören. Was komisch ist, denn wenn ich zu meinen Cousins ging, sagten sie immer, Rock sei die Musik der Weißen. Und ich fragte: ‚Wovon redest du? Das ist gut – das sind Black Sabbath!'“

„When you walk through a storm,
Hold your head up high,
And don’t be afraid of the dark.
At the end of a storm,
There’s a golden sky,
And a sweet silver song of a lark.

Walk on through the wind,
Walk on through the rain,
Though your dreams be tossed and blown…

Walk On! Walk On! With hope in your heart,
And you’ll never walk alone…

You’ll never walk alone.

Walk On! Walk On! With hope in your heart,
And you’ll never walk alone…

You’ll never walk alone.“

Rock and Roll.

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„Halloween Is Cancelled“ – Auch Michael Myers hat’s dieses Jahr schwer…


Michael Myers scheint mehr als jeder andere bestürzt darüber zu sein, dass Halloween in diesem Jahr wie vieles andere Corona zum Opfer fällt. Das zumindest zeigt ein unterhaltsamer Kurzfilm…

In dem knapp dreiminütigen Fan-Video, das vor einigen Tagen von Andrew Kasch auf YouTube und Co. hochgeladen wurde, kehrt der berühmt-berüchtigte Messermörder am 31. Oktober mit der festen Absicht ins heimische Haddonfield zurück, noch einmal die Zahl der Leichen zu erhöhen. Diesmal jedoch macht Michael auf den leeren Vorstadtstraßen einen noch traurigeren Eindruck als ohnehin schon, wenn er sich fragt, was zur Hölle denn mit all den Süßes-oder-Saures-Kiddies und ihrem parentalen Anhang passiert sein mag… Als er sich durch die Nachbarschaft bewegt, findet der maskierte Wannabe-Schlitzer lediglich Schilder vor, die ankündigen, dass Halloween dieses Jahr mal eben abgesagt ist.

Eingefleischte (sic!) Horrorfans können sich obendrein über so einige Easter Eggs freuen, die immer dann im Video versteckt wurden, wenn Michael Myers an einigen bekannten Orten vorbei kommt. Dazu gehört etwa ein bekanntes Haus in der Elm Street, welches man aus einem anderen Horror-Franchise kennen dürfte. Oder ebenjenen Busch, hinter dem er sich im ursprünglichen Halloween-Film gerne versteckt hatte – was jedoch nun, da niemand zum Erschrecken auf der anderen Seite wartet, weitaus weniger Spaß verspricht…

Und: Alle in diesem Kurzfilm verwendeten Schauplätze sind die echten Drehorte aus John Carpenters originalem „Halloween„-Film von 1978, der in Pasadena, Kalifornien, gedreht wurde. Auch wenn der wortkarge Irre mit der weißen William-Shatner-Maske und dem dunklen Overall – zumindest in der legendären Filmreihe – ein finsterer Slasher sein mag, der stets auf der Suche nach Menschen ist, die er ins Jenseits befördern kann, so kommt man – zumindest in diesem Jahr und dank dieses Kurzfilms – einfach nicht umhin, ein wenig Mitleid mit ihm zu haben. Und die Dinge werden noch peinlicher, wenn der arme Michael gen Ende mit seiner Entscheidung, eine Maske zu tragen, konfrontiert wird…

(oder via YouTube)

Rock and Roll.

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„Imagine“ – John Winston Ono Lennon wäre heute 80 geworden…


„Yesterday / All my troubles seemed so far away / Now it looks as though they’re here to stay / Oh, I believe in yesterday…“

In Danny Boyles zwar manchmal etwas plakativer, jedoch dennoch dank sanfter Nostalgie wunderbar unterhaltsamer Musikkomödie „Yesterday“ gibt es eine wunderbare Gänsehaut-Szene, in der ein 78-jähriger John Lennon auftritt. Möglich macht’s die Grundidee des 2019 erschienenen Films, schließlich spielt dieser in einer (Parallel)Welt, in der es die größte Band aller Zeiten, die Beatles, nie gegeben hat. Und Lennon? Der hat ein einfaches Leben als Seemann geführt und genießt nun seine Tage in einer kleinen Hütte am Meer.

Gekonnt – und oft genug gewitzt – stellt Boyles Film die Frage „Was wäre wenn?“. Für die Zuschauer ergibt sich der offensichtliche Reiz daraus, dass sie nunmal wissen, was war, was in dieser unserer Musikwelt passierte. Dass John Lennon am 8. Dezember 1980 von Mark David Chapman erschossen wurde – mit gerade einmal 40 Jahren. Und am heutigen 9. Oktober 2020 stolze 80 Jahre alt geworden wäre.

Doch hätte man sich – ähnlich wie der schottische Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“, „Slumdoy Millionäre“) – Lennon wirklich als einfachen, bescheidenen englischen Seemann vorstellen können? Den Lennon, dessen zweiter Vorname „Winston“ lautet – nach dem in England als Lichtgestalt verehrten ehemaligen Premierminister Winston Churchill? Wohl kaum, wohl kaum…

Denn zeitlebens war Lennon ein Getriebener. Ein wandelnder Widerspruch. Ein Sinnsuchender, der ausbrechen wollte aus der kleinbürgerlich-britischen Enge, aus der er entstammte. Der von Selbstzweifeln geplagt nach immer neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchte. Er war Rebell, Querdenker und Provokateur. Er war Teenie-Idol und Avantgarde-Künstler. In einer Bombennacht 1940 geboren, wurde er später zum Friedensaktivisten, unterstützte jedoch gleichzeitig auch die nordirische Untergrundarmee IRA. Er war auf den Bühnen der Welt zu Hause (die er nie so ganz mochte) und lebte jahrelang als Großstadt-Eremit. Er war gleichsam nachdenklicher Griesgram und ironischer Spaßmacher. 

Schon in der Schule im heimischen Liverpool gab John Winston Lennon oftmals den Klassenclown. Er schrieb sich an der Kunsthochschule ein, fühlte sich jedoch fehl am Platz und seinen Kommilitonen unterlegen. Also gründete er – angefixt von Elvis Presley und dem Rock’n’Roll – mit den Quarrymen seine eigene Band. Zufällig lernte er bald darauf auf einer Party einen gewissen Paul McCartney kennen. Im Rückblick wissen wir: Es war der Beginn der bahnbrechendsten Songwriting-Partnerschaft der Popgeschichte (ein dickes „Sorry“ an Mick Jagger und Keith Richards, aber an diesem Fakt lässt sich nunmal nicht rütteln).

Natürlich ist allein schon Lennons ewiges popmusikalisches Vermächtnis übermächtig. ʺHelp!ʺ, ʺAll You Need Is Love”, „A Hard Day’s Night”, ʺStrawberry Fields Forever”, „Come Together”… – die Liste der von ihm initiierten und komponierten Superhits ist bereits zu Beatles-Zeiten lang.

Doch als sich Lennon mit den Beatles auf dem künstlerischen Höhepunkt befand, verließ er die Gruppe – aus Langeweile, wie er in einem Fernsehinterview einige Jahre später erklärte (über das Wie und Wann und Warum lässt sich freilich auch 50 Jahre danach noch trefflich spekulieren).

Denn zu diesem Zeitpunkt strickte der Rastlose, der meist ein wenig Unberechenbare und Unstete längst wieder an einem anderen John Lennon. Mit seiner neuen Partnerin, der Fluxus-Künstlerin Yoko Ono, nahm er nach dem Ende der Beatles im Jahr 1970 experimentelle Solo-Alben auf. Produzierte Filme. Und veranstaltete Happenings wie die legendären „Bed-ins for Peace„.

Doch bald wurde es ruhiger um Lennon. Sicher, da war die großartig-utopische Friedenshymne „Imagine„. Mit „Instant Karma! (We All Shine On)„, „Working Class Hero“ oder „Jealous Guy“ landete er noch so einige Hits mehr. Doch die musikalische Entwicklung ging immer mehr über ihn hinweg. Der Punk wütete und gröhlte, Disco zappelte und stampfte – einer wie Lennon wirkte da ein wenig wie aus der Zeit gefallen.

Doch anstatt daran zu verzweifeln, zog sich John Lennon schließlich vollständig ins Private zurück. Fast fünf Jahre lang lebte er mit Yoko und dem gemeinsamen, 1975 geborenen Sohn Sean ein Leben als Hausmann in New York City. Erst 1980 meldete er sich mit einem neuen Album zurück. Als die tödlichen Schüsse fielen, war „Double Fantasy“ gerade drei Wochen auf dem Markt.

Inzwischen ist John Lennon genauso lange tot wie er gelebt hat. Doch sein Einfluss auf nachfolgende Musikergenerationen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn der beschränkt sich nicht allein auf die Tatsache, dass Lennon mit den Beatles quasi die Blaupause für alles geschaffen hat, was wir heute „Popmusik“ nennen.

Und: Es war bezeichnenderweise Lennon, der zum ersten Mal in einem Popsong seine eigene Unzulänglichkeit thematisierte, seine Selbstzweifel und seinen Schmerz in den Fokus stellte. „I’m A Loser“ sang er 1964 – in einer Zeit, in der Popsongs bitteschön von Liebe, Herzschmerz und unbeschwerten Sommertagen zu handeln hatten. John Lennon, der bei seiner Tante Mary aufwuchs, seine Mutter Julia im Alter von 18 Jahren durch einen Autounfall verlor und zu seinem Vater, einem Matrosen, kaum je Kontakt hatte, sei sein ganzes Leben auf der Suche nach Hilfe gewesen, sagte Paul McCartney 2015 in einem Interview mit dem „Rolling Stone„. Einer seiner größten Hits – „Help!“ – bringt diese Tatsache auf den Punkt, eines seiner berührenden Lieder widmete er offenkundig seiner Mutter: „Half of what I say is meaningless / But I say it just to reach you, Julia“.

Lennons Witwe Yoko Ono pflegt den musikalischen Nachlass ihres Mannes bis heute (und just heute erscheint mit „Gimme Some Truth.“ eine neue Retrospektive seiner bekanntesten Solo-Songs, deren größter Anreiz wohl in der klanglichen Neubearbeitung liegt). 1983 stellte sie das letzte geplante Lennon-Album „Milk And Honey“ fertig. Bereits 1981 hatte sie mit „Season Of Glass“ ihr erfolgreichstes eigenes Album veröffentlicht. Auf dem Cover war die blutverschmierte Brille Lennons zu sehen. Nicht wenige Beatles-Fans, die in ihr vorher auch den wahren Grund für die Trennung der „Fab Four“ ausgemacht zu haben glaubten, warfen Ono daraufhin vor, den Mord an ihrem Mann für ihre eigene Zwecke zu missbrauchen.

Dass das Lennon-Erbe auch schwer wiegen kann, zeigt sich bei seinen Söhnen, die ihren berühmten Vater schon allein rein optisch kaum verleugnen können. Beide starteten Musikkarrieren mit zwar überzeugendem, aber dennoch vergleichsweise überschaubarem Erfolg. Julian Lennon, der aus Sohns erster Ehe mit seiner Ex-Frau Cynthia stammt (und übrigens im Evergreen „Hey Jude“ besungen wird), hatte in den Achtzigerjahren einige mittelgroße Hits, der bekannteste wohl „Too Late For Goodbyes“. Sean Lennon wiederum probierte sich in unterschiedlichsten Genres aus, ohne die ganz großen kommerziellen Erfolge zu feiern. Dabei kollaborierte er unter anderem mit Größen wie Thurston Moore, John Zorn, Ryan Adams, Soulfly, Rufus Wainwright oder Lana Del Rey. 2006 formte er mit Les Claypool, dem Bassisten der Funk-Rock-Legende Primus, das bis heute aktive Duo The Claypool Lennon Delirium.

John Lennons Geschichte wird also weitergeschrieben, sicher noch viele Jahre. Seine Songs selbst werden ohnehin Generationen überdauern, sind längst im kulturellen Erbe der Menschheit verwachsen. Vielleicht ist das Paralleluniversum aus dem Film „Yesterday“ also doch keine völlig undenkbare Vision. Der unbekannte Lennon aus dem Film erzählt, dass er ein rundum glückliches Leben geführt habe. Und dass es die Liebe ist, die für ihn immer die wichtigste Rolle gespielt hat. Frei nach dem Motto: „All You Need Is Love“.

You may say I’m a dreamer / But I’m not the only one…

Happy Birthday zum Achtzigsten, John Lennon. ✌️

Rock and Roll.

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„Der Usain Bolt der elektrischen Gitarre“ – Eddie Van Halen ist tot.


Foto: Redferns

Seine Gitarrensolos? Virtuos und auch für gleichsam bekannte Kollegen stilprägend. Songs wie „Jump“ oder „Why Can’t This Be Love“? Chartstürmer, Evergreens, Rock-Klassiker. Musik war für den Autodidakten zeitlebens Beruf und Berufung zugleich. Jetzt ist Eddie Van Halen gestorben.

Mit „Jump“ schafften die Hardrocker von Van Halen 1984 einen internationalen Charterfolg. Der Song wurde zu ihrem Trademark und ist bis heute ein allseits bekannter Klassiker. Über Jahrzehnte begeisterte Eddie Van Halen mit seiner Musik Millionen Fans wie Hobby-Luftgitarristen. Die Musikzeitschrift „Billboard“ nannte ihn den „letzten Gitarren-Boss“, das „Guitar World Magazine“ zeichnete ihn 2012 als „größten Gitarristen aller Zeiten“ aus (bei einer identischen Liste des „Rolling Stone“ wiederum belegte er Rang acht).

Musik bedeute für ihn alles, erzählte Eddie vor drei Jahren in einem seiner seltenen Interviews dem TV-Sender CNN: „Selbst bei der neuntägigen Schiffsüberfahrt von Holland nach New York hat mein Vater in einer Schiffsband gespielt, mein Bruder und ich traten ebenfalls auf und spielten Klavier. Mein ganzes Leben bestand aus Musik, ich kann mir nichts anderes vorstellen.“

Geboren wird Edward Lodewijk „Eddie“ Van Halen 1955 in Amsterdam, die Familie wandert jedoch 1962 nach Kalifornien aus. Eddie wächst in Pasadena, einem Vorort von Los Angeles, auf. Gemeinsam mit seinem Bruder Alex gründet er 1972 die Band Van Halen – quasi also als Familienunternehmen. Zeitweise sind auch Sänger David Lee Roth und Bassist Michael Anthony mit dabei.

Eddie Van Halen kommt durch seinen Vater, einen professionellen Saxophonspieler und Jazzklarinettisten, schon früh mit Musik in Berührung und entwickelt sich zum Autodidakt, der an fast jedem Instrument zu brillieren weiß. Nur Noten lesen kann er nicht. Vor allem an der E-Gitarre jedoch ist Van Halen nahezu gottähnlich: Kaum ein anderer Musiker – mal abgesehen von Größen wie etwa Jimi Hendrix – kann dem Instrument solche Töne entlocken und es so atemberaubend schnell spielen wie Eddie. 

Foto: dpa

Berühmt ist auch sein Solo in Michael Jacksons 1983 veröffentlichtem Hit „Beat It„. Musikproduzent Qunicy Jones hatte den Gitarristen damals engagiert: „Ich habe Van Halen angerufen und jedes Mal, wenn er ans Telefon ging, hat er mich beschimpft, weil er glaubte, jemand würde ihn auf den Arm nehmen. Nach dem fünften Anlauf hat er mir geglaubt und wir wurden Freunde.“

Auch wenn es nach ihrer erfolgreichsten Zeit in den Achtzigern später etwas stiller um die Band wurde, deren letztes Album „A Different Kind Of Truth“ 2012 erschien und die 2007 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, bleibt Van Halen selbst über Jahrzehnte erfolgreich. Privat läuft es aber weniger gut. Der Musiker hat, wie so viele seiner Kollegen, Suchtprobleme, seine Ehe mit der Schauspielerin Valerie Bertinelli geht 2007 in die Brüche. Zwei Jahre später heiratet er Janie Liszewski, die frühere Band-Sprecherin.

Alkohol und Drogen hinterlassen jedoch ihre Spuren: Der langjährige Raucher erkrankt vor zwanzig Jahren das erste Mal an Krebs. Sein 29-jähriger Sohn Wolfgang, der ebenfalls in der Band seines Vaters spielte, schrieb auf Twitter: „Er war der beste Vater, den ich mir wünschen konnte. Jeder Moment, den ich mit ihm auf und jenseits der Bühne verbrachte, war ein Geschenk.“

Nun ist Eddie Van Halen am gestrigen 6. Oktober im St. John’s Krankenhaus in Santa Monica im Beisein seiner zweiten Frau Janie, seines Sohnes Wolfgang und seiner Ex-Frau Valerie im Alter von 65 Jahren gestorben – nur zehn Tage nach Ex-Bandkollege und Bassist Mark Stone, der anno 1972 in den Anfangstagen bei Van Halen spielte und ebenfalls den Kampf gegen (s)eine Krebserkrankung verlor. Gut möglich also, dass „Jump“ nun auch in den Playlists im Gitarrengötterhimmel in die Heavy Rotation wandert… Mach’s gut, Mr. Van Halen!

(Wer mehr lesen mag, dem sei etwa dieser Nachruf der „Süddeutschen Zeitung“ empfohlen…)

Rock and Roll.

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