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Song des Tages: Nullmillimeter – „Nö Du“


„Jede Band ist die Summe ihrer einzelnen Teile und sie baut sich in ihren eigenen Farben eine Welt…“

Misst man auf dem musikalischen Radar, so mögen Nullmillimeter zwar kaum den Startblock verlassen haben, „Newcomer“ im klassischen Sinn sind die fünf Musiker der in Hamburg und Berlin ansässigen Band jedoch keineswegs, schließlich traten selbe in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Gisbert zu Knyphausen, Kid Kopphausen oder Staring Girl in Erscheinung. Japp, Kenner der deutschen Indie-Musikszene schnalzen nun wohl beglückt wissend mit der Zunge…

„Nullmillimeter sind ein zur Musik gewordener Freundeskreis, in dessen Mitte ein gemeinsames Herz schlägt. Mit schildkrötigem Tempo – null Millimeter pro Sekunde – entwickelten sie in ihrem Proberaum-Kosmos jahrelang Songs, die eine Ehrlichkeit besitzen, die beinahe erschlägt.” (Berlin Underground Music)

Abseits von Konzerten und diesseits des Internets und der einschlägigen Streaming-Portale ließen Nullmillimeter bislang jedoch wenig von sich hören – das dürfte sich in Kürze ändern. Nachdem die Crowdfunding-Kampagne fürs Debütalbum erfolgreich über die Bühne ging, nahmen Frontfrau Naëma Faika, über die niemand Geringeres als Tom Liwa sich mit Zeilen wie „Naëmi leuchtet im Dunkeln und ihre Musik ist die vielleicht letzte Tankstelle vor der Autobahn“ bereits zu einer ungewöhnlich formulierten Lobeshymne hinreißen ließ, und ihre Mannen den Erstling auf, welcher nun fertig gemastert ist und im April unter dem feinen Titel „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ beim Hamburger Indie-Label Fressmann erscheinen wird. Da dieses vor nunmehr zehn Jahren vom (übrigens kaum weniger formidablen und uneingeschränkt empfehlenswerten) Liedermacher Wolfgang Müller ins Leben gerufen wurde, hat selbiger im Zuge der Veröffentlichungsankündigung des Albums unlängst auch einen ausführlichen, verdammt lesenswerten Begleittext verfasst:

„Die Hamburger/Berliner Band Nullmillimeter um Frontfrau Naëma Faika veröffentlicht ihr Debütalbum ‚Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd‘. Das ist über eine Stunde lang und nichts für schwache Nerven. Wer sich also auf das hundertste Wohlfühl-Pop-Album einer ambitionierten Newcomer-Band mit szenigem Twenty-Something-Front-Girl gefreut hat, mit Hooklines zum Mitklatschen und Textzeilen tief wie ein Teller – bitte weitergehen, dann gibt es hier nichts zu sehen. Oder zu hören.

Denn diese zwölf Songs, kaum einer kürzer als fünf Minuten, sind nichts anderes als raues, Musik gewordenes Leben. Vermutlich hat sich zuletzt in den Siebzigern eine Band getraut, ihre Lieder so auszuformulieren wie Nullmillimeter das tun, und jeder einzelne Song hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte, seine eigene Stimme, und will gehört werden. Denn nein, Naëmi ist nicht mehr zwanzig, und auch nicht mehr dreißig, obgleich das niemand glauben würde, der sie erlebt. Denn diese Geschichten, die die Wahl-Berlinerin hier auf die Bühne bringt, sind voll ungezähmter Energie und Rastlosigkeit, und die persönlichen Erfahrungen darin sind bis in die Fingerspitzen spürbar und bringen alles zum Beben. Doch der Weg hierhin war weit.

In der Indie-Szene ist Naëma Faika keine Unbekannte. Ob als Sprecherin und Background-Sängerin für Olli Schulz, als Begleitung von Tom Liwa oder Special Guest bei ‚TV Noir‘: Über die letzten Jahre tauchte ihr Name immer wieder auf, wie die Rückenflosse eines Tümmlers, der in der Tiefe auf der Suche nach etwas Namenlosen ist und darauf wartet, dass seine Zeit kommt. Und natürlich waren da immer: Songs. Aber wer sich jetzt dieses Album anhört wird verstehen, dass es Zeit brauchte, um diesen Geschichten eine Form zu geben, besonders dann, wenn man nebenbei noch zwei Kinder alleine groß zu ziehen hat. Viel Zeit, aber zum Glück war Naëmi nicht alleine. Lennart Wohlt am Schlagzeug kennt vermutlich noch kaum jemand, aber das dürfte sich bald ändern. Marcus Schneider, Gitarrist u.a. bei Tim Bendzko oder Jochen Distelmeyer ist dabei, genauso wie Gunnar Ennen und Frenzy Suhr aus der alten Gisbert zu Knyphausen Band. Die Bootsmannschaft sozusagen.

Denn auch wenn die Musik, diese irre Mischung aus Americana, New Wave, Blumfeld, Flowerpornoes und purem Wahnsinn, wie ein Wirbelsturm durch das Zimmer fegt, sobald man die Platte auflegt, sollte man sich nicht täuschen lassen, wer hier die Zügel in der Hand hat und alle Fäden zusammen hält: Es sind die Erzählungen und zarten, kleinen Geschichten, die diesen tosenden Sound vor sich her treiben wie ein Engel die Reiter der Apokalypse. Kleinigkeiten sind es, die hier stellvertretend für die großen Dramen die Richtung vorgeben, und das Innere erzittern lassen.

‚Hallo Liebe, halt die Fresse, stell dich in die Ecke und heul doch. Hallo Liebe, du beleidigter Hungerhaken, ich hab‘ dir deine Koffer zum Bahnhof getragen‘ heißt es in ‚Unstet‘, um einmal kurz klar zu machen, wer hier der Boss ist – und gleich darauf wieder weich zu werden und die Musik wie eine Liebende zu umschlingen: ‚Ich habe dir in mir eine Welt gebaut, wir sind uns ziemlich ähnlich, manchmal zu leise, und dann wieder viel zu laut‘ singt Naëmi in ‚Zwillingsschwester‘, und wenn man dann am Ende des Liedes versteht, dass dieser Zwilling vor langer Zeit nur wenige Stunden gelebt hat, haut es einem das Gemüt von oben nach unten durch wie von einer Axt gespalten. Es ist diese unfassbare Bandbreite und Tiefe, von radikaler Zärtlichkeit bis hin zu zerfließender Weichheit, kompromissloser Offenheit gepaart mit breitschultriger Verletzlichkeit, textlich wie musikalisch, die das Debütalbum von Nullmillimeter zu einem Meilenstein bei, nun ja, Kilometer Null macht. Das muss man erst mal hinbekommen. Zeit nehmen allerdings muss man sich, um diesen geheimen Garten zu durchwandern, der hier gerade zu blühen beginnt. Aber in diesem Licht darf man auch mal die Floskel aller Floskeln verwenden, einfach nur weil sie wahr ist:

Das Warten hat sich gelohnt.

Schön geschrieben, oder? War bei einem wie Wolfgang Müller, der in jedes musikalische Projekt – sei es sein eigenes oder eben von befreundeten Künstler*innen wie Bands – stets einhundertundzehn Prozent Herzblut steckt, aber auch nicht anders zu erwarten…

Bereits jetzt lassen Nullmillimeter mit „Nö Du“ einen ersten Song aus „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ hören. Und spätestens beim dazugehörigen Musikvideo wird’s vor allem für mich kurz recht persönlich, denn die bewegten Bilder zum beinahe sechsminütigen Stück wurden ausgerechnet in meiner alten sächsischen Heimat Riesa aufgenommen. *hach* Kommt recht selten vor, dass ich ein Musikvideo schaue und dann noch nahezu jede Straße, jedes Haus, jede gefilmte Ecke (er)kenne wie meine Westentasche. Von dem Zehnerturm, von welchem die Band da springt, habe ich vor – gefühlt – ewig langer Zeit meine ersten Sprünge gewagt… In jener Konzerthalle, vor welchem sich Teile von Nullmillimeter da die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, habe ich Ende der Neunziger meine ersten größeren Konzerte erleben dürfen… Sehr, sehr schön, wenn tolle neue Musik und sanfte Nostalgie zusammenfinden – macht mächtig Böcke auf das kommende Album! Spätestens jetzt befindet sich diese Band auf meinem Radar.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gisbert zu Knyphausen – „Niemand“


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Sieben Jahren mögen, verglichen mit der Zeit, die Tool-Fans bereits auf einen Nachfolger zum noch immer aktuellen Album „10,000 Days“ warten (das ist vor nunmehr elf Jahren erschienen), beinahe ein gefühlter Katzensprung sein. Und so richtig weg und frei jeglicher Kreativität war Gisbert zu Knyphausen seit dem letzten Werk „Hurra! Hurra! So nicht.“ natürlich auch nie. Dennoch: die Freude ist groß, dass im Herbst endlich und tatsächlich Album Nummer drei erscheint.

Bereits Anfang des Jahres gab es ein erstes Lebenszeichen des seit Jahren wohl besten deutschen Singer/Songwriters (oder sollte man Leiber „Liedermacher“ schreiben?): im Januar veröffentlichte Gisbert zu Knyphausen den Song „Das Licht dieser Welt“ als Teil des Soundtracks zum Kinderfilm „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“.

Nun erscheint am 27. Oktober 2017 auch ein Album, das den gleichen Titel trägt wie der Filmsong, nämlich „Das Licht dieser Welt„. Nimmt man die ersten Hörproben und vergleicht, so hat sich bei Knyphausen offenbar Einiges geändert: Die zwei bisher bekannten neuen Lieder sind vielseitiger als noch 2010 arrangiert – weniger Gitarre, dafür vielmehr Klavier, Trompeten, Posaunen, ja sogar Synthesizer sind zu hören.

Die siebenjährige „Pause“ zwischen der letzten, zweiten Knyphausen-Platte „Hurra! Hurra! So nicht.“ und dem neuen Album hat gleich mehrere Gründe: Gemeinsam mit dem Hamburger Liedermacher Nils Koppbruch gründete er das Duo Kid Kopphausen, das 2012 sein erstes gemeinsames Album „I“ veröffentlichte. Kurz darauf starb Koppbruch völlig unerwartet.

Getroffen vom (zu) frühen Tod seines Kumpels nahm Knyphausen eine kreative Pause, tastete sich danach langsam wieder an die Musik heran. Einer Art Honour-Tour mit der Kid-Kopphausen-Band folgte ein Bass-Engagement in der Begleitband von Olli Schulz. Und sonst? Mit dem Produzenten Moses Schneider und dem Musiker Tobias „Der dünne Mann“ Friedrich erschien im Mai mit „Husten“ eine neue EP (von der ANEWFRIEND auch berichtete), die sich ebenfalls recht weit vom guten alten Akustikgitarren-Stil entfernte. Und als wäre das noch nicht genug, richtet Gisbert zu Knyphausen alljährlich das „Heimspiel Knyphausen“ aus, zu dem er im Sommer befreundete Bands und Musiker sowie Fans auf das Weingut seiner Familie in Eltville am Rhein einlädt.

Ein erster Vorbote, wie das dritte Soloalbum des 38-jährigen Liedermachers wohl klingen wird, ist die auch das Album eröffnende Single „Niemand“. Das dazugehörige Lyric-Video greift das Artwork des Albumcovers auf:

 

81JH0I5QWYL._SL1200_Hier schon einmal die Tracklist von „Das Licht dieser Welt“:

  1. Niemand
  2. Sonnige Grüße aus Khao Lak, Thailand
  3. Unter dem hellblauen Himmel
  4. Dich zu lieben ist einfach
  5. Stadt Land Flucht
  6. Keine Zeit zu verlieren
  7. Kommen und Gehen
  8. Teheran Smiles
  9. Das Licht dieser Welt
  10. Cigarettes & Citylights
  11. Etwas Besseres als den Tod finden wir überall
  12. Carla Bruno

 

Auch eine kleine Tour wird es im Oktober und November geben – natürlich mit den neuen Songs im Gepäck:

28.10. | Berlin, Lido

29.10. | Hamburg, Uebel & Gefährlich

30.10. | Leipzig, Werk 2

01.11. | Köln, Gloria

02.11. | München, Technikum

03.11. | Zürich (CH) , Bogen F

04.11. | Schorndorf , Manufaktur

05.11. | Hannover, Kulturzentrum Faust

 

Karten bekommt ihr alsbald an allen Vorverkaufsstellen oder hier.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Gisbert zu Knyphausen – „Das Licht dieser Welt“


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„Es ist schön zu sehen, dass es in diesen atemlosen und hastigen Tagen noch Musik gibt, die sich so tief in die Herzen und Leben ihrer Fans gesungen und getextet hat, dass deren Zuneigung auch nicht abreißt, wenn der Künstler einmal länger nichts oder nur sehr wenig von sich hören lässt. Gisbert zu Knyphausen letzte reguläre Studioveröffentlichung ist beinahe fünf Jahre her, und dennoch waren seine spontan angesetzten Solo-Konzerte 2016 in Berlin, Leipzig, Wiesbaden oder München oftmals innerhalb weniger Stunden ausverkauft. 

Da ist es gleich noch viel schöner zu hören, dass für 2017 ein neues Gisbert Album geplant ist. Die Doppel-Single ‚Das Licht der Welt‘ ist früher Vorbote und gleichzeitig Titelsong des Filmes ‚Timm Thaler-oder das verkaufte Lachen‘ von Andreas Dresen, der am 2.Februar in die Kinos kommt. 

Veröffentlicht wird sie als limitierte Vinyl-Single und Download/Stream über das kleine Dresdner Songwriter-Label K&F Records, ganz klassisch als Solo (Seite A) sowie als Vollband-Variante (Seite B), die zusammen mit Jean-Michelle Tourette von Wir sind Helden in dessen Hannoveraner Studio aufgenommen und arrangiert wurden. Zu Gast an den Instrumenten Christoph van Hal (Trompete), Florian Eilers (Bass), Max Schröder (Schlagzeug).“

Ist dem noch irgendetwas hinzuzufügen? Nope, eigentlich nicht – meine Loblieder auf Herrn zu Knyphasuen gab es ja in den vergangenen Jahren an allen digitalen Ecken und Enden dieses bescheidenen Blogs bereits zur Genüge zu lesen. Außer vielleicht, wie verdammt hoch erfreut ich bin, dass der olle Gisbert nun, beinahe geschlagene sieben (!) Jahre nach dem letzten Solowerk „Hurra! Hurra! So nicht.“ und fünf Lenze nach bereits erwähntem Kid Kopphausen-Album „I„, endlich in die Pötte zu kommen scheint und sich ans dritte Album begeben hat. Zeit wird’s…

  


 
Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 4


Nachdem auf ANEWFRIEND bereits mein persönliches Jahr 2012 in Punkto Serien (ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal bei all jenen, denen aufgefallen sein sollte, dass ich lohnenswerten Formaten wie „Breaking Bad“ oder „Californication“ nicht die verdiente Erwähnung entgegen gebracht habe!), Filme und dem „Song des Jahres“ unter die digitale Lupe genommen wurde, kommen wir nun zur gefühlten Königsdisziplin: den „Alben des Jahres“.

Und: findigen regelmäßigen Besuchern dieses kleinen Blogs wird nicht entgehen, dass 13 der Alben meiner persönlichen Top 15 im Laufe des Jahres bereits als „Album der Woche“ auf ANEWFRIEND Erwähnung fanden…

(Dass Platz 1 fehlt, ist übrigens kein Versehen – das Album wird mit einer etwas größeren Review in Kürze nachgereicht!)

 

 

Led Zeppelin - Celebration Day (Cover)02.  Led Zeppelin – Celebration Day

London im Dezember 2007: die „elder statesmen des Rock“ in Persona von Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und „Bonzo“-Sprößling Jason Bonham betreten noch einmal gemeinsam eine Konzertbühne, um Led Zeppelin in höchsten Ehren zu Grabe zu tragen. Ein Schwanengesang, und was für einer!

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Kid Kopphausen - I (Cover)03.  Kid Kopphausen – I

Die beiden deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch verbindet eine jahrelange Freundschaft. Nur logisch also, sich auch „beruflich“ zusammen zu tun und unter dem sinnstiftenden Namen „Kid Kopphausen“ ein Album im Bandformat zu veröffentlichen. Der Titel „I“ lässt vermuten, dass beide gern noch viele dieser stetig zwischen Frühlingsoptimismus und Herbstmelancholie pendelnden Kleinode geschrieben hätten… Leider verstarb Koppruch plötzlich und unerwartet im Oktober, noch bevor Kid Kopphausen zur geplanten großen Tournee aufbrechen konnten. Und auch wenn es nur ein kleiner Trost ist: Lieder wie das tolle „Das Leichteste der Welt“ strahlen nun, ob der dämmernden Gewissheit, noch heller… Danke, Nils.

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Keaton Henson - Dear (Cover)04.  Keaton Henson – Dear

Der englische mediale Alleskönner bot mit seinem Debüt „Dear“ und den dazugehörigen wundervollen Videos liebeskranken Singer/Songwriter-affinen Hörern 2012 den wohl schönsten Soundtrack. Klar scheint nach dem Genuss des Albums keinem eine kleine Sonne aus dem Allerwertesten, jedoch kann man sich in diese intimen Trauergeständnisse zärtlich behütet einkuscheln… *hach*

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Bloc Party - Four (Cover)05.  Bloc Party – Four

Nach „Intimacy“ schienen Bloc Party als Bandverbund quasi obsolet, Sänger Kele Okereke suchte sein Solo-Heil in Elektronikexperimenten, der Rest der Band widmete sich ebenfalls eigenen Projekten. Dann die scherzhafte mediale Verlautbarung, dass man gerade einen neuen Mikrovorsteher caste – ein Witz, der maximale Aufregung hervorrief. Dass das so simpel wie vielsagend betitelte neue Album „Four“ jedoch eine so gelungene Rückkehr zu alten Stärken werden würde, hatte wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Hier spielt eine verdammte Band! Und sie spielt frisch, laut, gewagt, ungewohnt, spannend. Unerwartet, und daher umso überraschender.

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Die Natur grift an (Cover)06.  Vierkanttretlager – Die Natur greift an

Dass vier Milchbubis aus dem norddeutschen Husum eines der besten deutschsprachigen Debütalben des Jahres abliefern würden, wird wohl nur den wenigsten Eingeweihten – und Kennern der Debüt-EP „Pension Kanonier“ – klar gewesen sein. Spätestens jetzt – und nach einem langen Tourneejahr mit u.a. Casper oder Kraftklub – dürften die Jungs von Vierkanttretlager auch einem breiteren Publikum bekannt sein. Und hört man das stürmische und bereits seltsam altersweise „Die Natur greift an“, so fragt man sich, wie zur Hölle die Instrumentalfraktion von Tomte Sven Regener Element Of Crime als Sänger abwerben konnte…

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cover07.  Kristofer Åström – From Eagle To Sparrow

I won’t back down: auch 2012 stellte der bärtige Schweden-Singer/Songwriter erneut unter Beweis, dass noch immer niemand Herzschmerz so wunderschön aufrichtig vertonen kann, nur um sich im nächsten Moment selbst in den Arm zunehmen, auf die Schulter zu klopfen und beherzt in den Allerwertesten zu treten. Kleine Hymnen in bewährt hoher Qualität. Åström ist und bleibt ’ne sichere Bank!

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Two Gallants - The Bloom and the Blight (2012)08.  Two Gallants – The Bloom And The Blight

Hoppla! Da scheint ja beim wuchtigen Duo aus San Francisco so einiges vorgefallen zu sein. Weg sind die Bluesrock-Mini-Dramen mit annähernd zehn Minuten Spieldauer. Stattdessen wird alles mit ausreichend Sturm und Druck ins beinahe „klassisch“ knappe Songformate gepresst. Und trotzdem sind die neuen Songs des Zweiergespanns Adam Stephens und Tyson Vogel relevante und spannend anzuhörende, kaum zu zähmende Biester!

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Patrick Wolf - Sundark and Riverlight (Cover)09.  Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Zehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum? Da lässt sich ein so wandlungsfähiges Musikchamäleon wie Patrick Wolf natürlich nicht lumpen und bringt statt einer schnöden „Greatest Hits“-Zusammenstellung mal eben seine Auswahl der persönlichen Highlights in komplett neuen, mal akustisch, mal mit kleinem Orchester aufgenommenen Arrangements an den treuen Hörer. Lohnt sich, auch für diejenigen, die den talentierten Briten erst jetzt für sich entdecken möchten.

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Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - Theatre Is Evil (Cover)10. Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra – Theatre Is Evil

Mehr Aufsehen als die Songs selbst des – mehr oder minder – zweiten Soloalbums der on/off-Dresden Dolls-Frontfrau erregte wohl deren Geldbeschaffungsaktion im Vorfeld: via Kickstarter sammelte Amanda Palmer etwa 1,2 Millionen US-Dollar ein und gab diesen Vorschuss an Geld und Vertrauen anhand eines vielseitigen, mit ihrer Begleitband The Grand Theft Orchestra eingespielten Albums sowie durch individuelle Fan-Gimmicks zurück. „Theatre Is Evil“ mag an einigen Stellen ambitionierter und unkonventioneller als noch das Solo-Debüt „Who Killed Amanda Palmer“ von 2008 tönen, steht diesem jedoch in nichts nach.

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…und auf den weiteren Plätzen:

The Unwinding Hours – Afterlivesmehr…

Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seatsmehr…

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Lost Songsmehr…

The Gaslight Anthem – Handwrittenmehr…

The Smashing Pumpkins – Oceania

 

Rock and Roll.

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Neues Kid Kopphausen-Video zu „Das Leichteste der Welt“


Es kann wohl keinen traurigeren Anlass für eine Videopremiere geben: nur zwei Tage nach Nils Koppruchs plötzlichem Tod präsentiert der Rest von Kid Kopphausen, dessen Band-Projekt mit Gisbert zu Knyphausen, das Video zur zweiten Single „Das Leichteste der Welt“. Es wird das wohl letzte von Kid Kopphausen sein.

Man sieht beide Künstler durch die Natur spazieren und sich in die Elbe stürzen, und zum Ende mit ihrer Begleitband im Hamburger St. Pauli Theater musizieren.

Der offensichtlichen Spaß, den beide Musiker beim Videodreh hatten, unterstützt gut den Text des Songs, in welchem der Protagonist nach langer Krankheit Schritt für Schritt mit doppeltem Lebenswillen zurück zu alten Stärken findet. Er enthält einige Eigenarten, die wohl auch Koppruch ausgezeichnet haben müssen: der Hanseate stand nicht selten auf der Schattenseite des Lebens, war manchmal sarkastisch, jedoch nie zynisch, und stets herzlich-herb. Zeilen wie „Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt“ und „Never mind the darkness, baby, you will be saved by rock ’n‘ roll“ sprechen eine deutliche Sprache und somit für sich.

Dieses Video feiert das Leben. Nils Koppruch nickt uns von der anderen Seite lächelnd zu.

 

 

Wer Koppruch und zu Knyphausen noch einmal in einem Video Einzelheiten zu ihrem Album „I“ erläutern hören und sehen möchte, hat hier Gelegenheit dazu:

 

Rock and Roll.

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Mein Senf: Nils Koppruch ist tot.


46 Jahre. Zu früh gegangen ist er…

 

Diese Zeilen musste ich vor wenigen Stunden über Facebook lesen:

„Am 10. Oktober ist der Hamburger Musiker und Künstler Nils Koppruch (geb. 27.10.1965) friedlich eingeschlafen, wir sind unfassbar traurig. 
Unsere Anteilname gilt seiner Frau Katrin Busch, seinem Sohn Emil, seinen Eltern Heidi und Peter Koppruch, seinen Angehörigen und Freunden.

‚Und erzähl mir die Stille, mach das ich weiß, Du bist immer noch da, auch wenn Du schweigst.‘
(Nils Koppruch – „In die Stille“)“

 

Gestern hat die deutsche Musikszene in dem Hamburger Künstler und Musiker Nils Koppruch einen ihrer wohl sympathischsten und talentiertesten Köpfe verloren.

Noch im September war sein zusammen mit Gisbert zu Knyphausen unter dem Bandverbund Kid Kopphausen veröffentlichtes Debüt „I“ hier das „Album der Woche„. Vorher stand er der Band Fink, welche deutsche Songwriting-Kunst gekonnt mit Elementen aus Country und Americana verbanden und sich 2006 nach zehn gemeinsamen Jahren und etlichen Besetzungswechseln auflöste, vor, veröffentlichte zwei durchaus gelungene Soloalben (das letzte, „Caruso„, erschien 2010) und war unter dem Pseudonym SAM. bildnerisch tätig. Trotz vielerlei Kritikerlob gelang ihm in der Vergangenheit jedoch nie der große Durchbruch, erst seine kürzliche Zusammenarbeit mit dem zurecht erfolgreich musizierende Knyphausen schien sich für den melancholischen Hanseaten zum späten Erfolgserlebnis zu entwickeln, für die kommenden Monate waren etliche Konzerttermine geplant.

Ein Großer hat an einem grauen Herbstmorgen unerwartet seine Nische verlassen. Was bleibt, ist (s)eine Lücke. Und Lieder wie dieses:

 

Folgende Nachrufe, welche wohl aus berufeneren Federn (respektive Tastaturen) als der meinen stammen, lassen erahnen, welche traurigen Kreise Koppruchs Tod durch die herbstlichen Straßen der deutschen Musiklandschaft zieht:

Zeit Online

Spiegel Online

Rolling Stone

Musikexpress

Am Besten bringt jedoch Tino Hanekamp auf Intro seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck…

 

„Jeder Tag ruft deinen Namen  / Ich wünsch‘ Glück an allen Tagen / Nichts ist besser als eine Liebe auf der Welt. / Kirschen gibt’s an Sommertagen nur solang‘ die Bäume tragen / Und lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt.“

Die Kirschbäume blühen längst nicht mehr. Mach’s gut, Nils. Viel Glück auf deiner Reise. Uns bleiben deine Lieder. Danke.

 

 

Rock and Roll.

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