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„Let’s all make tiny changes to Earth“ – Der illustre New Yorker Tribute-Abend an Scott Hutchison im Stream und Download


Handmade Festival, Leicester, UK - 30 Apr 2018

Foto: RMV/Shutterstock

Im vergangenen Dezember fand sich eine recht illustre Runde bekannter Indie-Musiker – namentlich Ben Gibbard (Death Cab For Cutie), Julien Baker, Aaron Dessner (The National), Craig Finn (The Hold Steady) und Kevin Devine – auf der Bühne des Rough Trade Stores in Brooklyn, New York zusammen, um einem gemeinsamen Freund zu gedenken: Scott Hutchison, Frontmann der schottischen Indie-Rocker Frightened Rabbit, welcher im vergangenen Jahr viel zu jung verstarb. Tolles Line-up, bei dem einzig der traurige Anlass die Laune etwas getrübt haben dürfte…

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All jenen, die bei diesem sehr speziellen Tribute-Gig weder im Big Apple dabei sein konnten noch großen Spaß an semi-tollen Handy-Mitschnitten haben, macht der Rest der Frightened-Rabbit-Jungs (zu denen auch Scotts Bruder Grant gehört) nun ein tolles Geschenk, welches sie vor wenigen Tagen via Facebook teilten: einen gut 70-minütigen „rough recording“-Mitschnitt ebenjenes Konzertabends vom 5. Dezember 2018, welchen man bei Interesse hier aufs heimische Abspielgerät laden kann.

Und wer sich wiederum dafür bedanken möchte, dem empfehlen die verbliebenen Frightened Rabbits, selbst etwas Gutes zu tun und etwa dem in Gedenken an Scott Hutchison ins Leben gerufenen „Scott Hutchison Fund“ etwas zu spenden…

 

This night was not a night of mourning or a night of sadness but a celebration of an extremely special person and the music he created. Scott inspired everyone who met him, heard his lyrics or saw his art. We feel his loss every day but we are all in this together and we carry on strengthened by the support of the people involved in this recording and those around the world who have been affected by Scott’s passing. A huge thank you goes out to Ben Gibbard, Craig Finn, Aaron Dessner, Julien Baker and Kevin Devine for their support, love and kindness in being involved. We want to encourage people who listen to this to laugh, cry, hug and sing in your worst Scottish accent at the top of your lungs and keep the spirit of Scott alive in all our hearts and all our voices. While we’re alive let’s all make tiny changes to Earth.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Blackberry Smoke & Amanda Shires – „You Got Lucky“


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Die Southern-Roots-Rocker von Blackberry Smoke nehmen sich – mit freundlicher Unterstützung von Amanda Shires an der Fiddle sowie am Co-Gesang – den Tom-Petty-Song „You Got Lucky“ vor, der unter der Behandlung der Band aus dem US-amerikanischen Atlanta, Georgia zur (in Nuancen) keltisch angehauchten Akustik-Nummer gerät.

5055006561425Das Original erschien 1982 auf dem Tom Petty and the Heartbreakers-Album „Long After Dark“ (und klingt leider – unter Einsatz von Synthies und Co. – sehr nach dem unseligen Jahrzehnt seiner Entstehung). Der Tribute-Song an Tom Petty, der am gestrigen 20. Oktober seinen 68. Geburtstag gefeiert hätte, am 2. Oktober 2017 jedoch – viel zu früh und unerwartet – verstarb, wird Teil der in den kommenden Tagen erscheinenden „The Southern Ground Sessions EP“ von Blackberry Smoke sein. Feine Version in jedem Fall (übrigens ebenso wie die, die Petal und Kevin Devine kürzlich für No. 9 von Devines „Devinyl Splits“-Reihe aufgenommen haben)…

 

 

„You better watch what you say
You better watch what you do to me
Don’t get carried away
Girl, if you can do better than me, go
Yeah go, but remember

Good love is hard to find
Good love is hard to find
You got lucky, babe
You got lucky, babe, when I found you

You put a hand on my cheek
And then you turned your eyes away
If you don’t feel complete
If I don’t take you all o‘ the way, then go
Yeah go, but remember

Good love is hard to find
Good love is hard to find
You got lucky, babe
You got lucky, babe, when I found you

Yeah go, just go
But remember

Good love is hard to find
Good love is hard to find
You got lucky, babe
You got lucky, babe, when I found you“

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick – Teil 1


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Dem regelmäßigen Besucher von ANEWFRIEND mag eventuell nicht entgangen sein, dass es in den letzten zwölf Monaten – gerade im Vergleich zu den Vorjahren – recht wenige „Alben der Woche“ gab. Doch keine Angst, natürlich – und auch das dürfte wohl aufgefallen sein – habe ich nicht plötzlich aufgehört, (neue) Musik wie ein nach Tönen verrückter Schwamm in mich aufzusaugen. Nein, 2016 ließ mir einfach, bei all den Nebenschauplätzen im Privaten und Beruflichen, zu wenig Raum und Energie, um mich hier in längeren Artikeln mit all den tollen, (für mich) neuen Alben und Künstlern zu beschäftigen. Stattdessen wurde so manches Werk – ob nun verdient oder nicht – im Zuge des ein oder anderen „Song des Tages“ *hust* „abgefrühstückt“.

Auch werden im diesjährigen Jahresrückblick Besprechungen zu meinen persönlichen „Filmen des Jahres“ und „Serien des Jahres“ fehlen. Und obwohl ich auch da das ein oder andere in Erinnerung bleibende Beispiel erwähnen könnte (etwa „Money Monster„, „Eye In The Sky„, „The Lobster“ oder „Miss Peregrine’s Home For Peculiar Children“ bei den Filmen sowie die Dauerkandidaten „The Walking Dead“ oder „Shameless“ bei den Serien, da jedoch auch die tolle britische Sci-Fi-Miniserie „Black Mirror„), fehlt mir in diesen letzten Tagen von 2016 einfach die Energie, um hier länger darauf einzugehen… Ich hoffe, ihr versteht das.

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Zeichnung: Oli Hilbring / Facebook

Doch zurück zur Königsdisziplin, den „Alben des Jahres“ von und auf ANEWFRIEND! Oder: zum Musikjahr insgesamt. War grässlich, oder? Klar, auch in den vergangen zwölf Monaten erschienen so einige tolle Alben von neuen wie bewährten Künstlern, aber was hat sich diese kleine Schlampe namens „2016“ für eine Mühe gegeben, nicht wenige unserer Lieblingskünstler nur ja nicht mit ins neue Jahr (aka. 2017) zu lassen? David Bowie, Prince, Leonard Cohen – alle drei Jahrhundertgenies und Musiker von Weltformat, die zwar nicht zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere unfehlbar waren (welcher Künstler ist das schon?), aber irgendwie immer da waren, immer verlässlich Neues und absolut Eigenständiges ablieferten. Außerdem für immer verstummt: Keith Emerson, Greg Lake, Alan Vega, Sharon Jones, Merle Haggard, Glenn Frey, Manfred Krug, Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle, Fidel Castro, Bud Spencer, Götz George, Muhammad Ali, Roger Cicero, Peter Lustig, Roger Willemsen, Miriam Pielhau, Achim Mentzel, Alan Rickman, Anton Yelchin, und jetzt auch noch George Michael – um nur einige Wenige zu erwähnen. Ohne sie wird diese Welt keine andere sein („The show must go on“, um es mit Freddie Mercury zu sagen), jedoch eine weitaus weniger bunte. Ein Scheißjahr, was die Verluste für Kultur und Zeitgeschehen betrifft…

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(gefunden bei Facebook)

Hoffen wir also, dass sich 2017 milder zeigt als die vergangenen zwölf Monate. Denn wie unausstehlich wäre eine Welt, in der wir nur zwischen Helene Fischer, Frei.Wild und den sowieso unkaputtbaren Rolling Stones wählen könnten? Eben. Bleibt alles anders…

 

  

conor-oberst-ruminations1.  Conor Oberst – Ruminations

Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb: „‚Ruminations‘ ist ein großes, ernsthaftes Werk, an dem man sich kaum satt hören möchte. […] So gut, so nah, so ergreifend war Conor Oberst schon lange, lange Zeit nicht. Vielleicht sogar: noch nie.“ Dem habe ich auch heute kaum etwas hinzuzufügen, außer der erneuten Bitte, diesem grandiosen Singer/Songwriter-Werk euer Ohr zu leihen. Mit dieser Rückkehr zu alter Größe habe ich bei Conor Oberst – ganz ehrlich zugegeben – nicht gerechnet (jedoch immer gehofft). Umso schöner, dass dieser Mann – immerhin einer meiner Allzeit-Lieblingskünstler – es trotzdem geschafft hat, mich nach Jahren noch einmal komplett aus den musikalischen Socken zu hauen.

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will-varley2.  Will Varley – Postcards From Ursa Minor

Und auch auf dem Silber-Platz hohe Singer/Songwriter-Kunst – nur diesmal nicht aus dem US-amerikanischen Omaha, Nebraska, sondern aus good ol‘ England. Und obwohl „Postcards From Ursa Minor“ bereits im Oktober 2015 erschien, hat mich Will Varleys drittes Album wie kaum ein anderes durchs komplette Jahr 2016 getragen, denn auch zwischen Januar und Dezember brachte kein anderer Akustikgitarrenbarde einen derartigen – geglückten – Spagat zwischen intim angelegter Nachtmelancholie („The Man Who Fell To Earth“) und absolut hintersinniger Witznummer („Talking Cat Blues“) zustande, dessen Spektrum mal eben so ziemlich jedes menschliche Gefühl in Nylonsaiten gießt. Unterhaltsam, großartig, bewegend, lustig, traurig, niederschmetternd, hoffnungsvoll – durch jede Regung wird der Hörer in den 50 Minuten von „Postcards…“ gezogen. Und kaum jemals war all das schöner anzuhören. Da konnte der Nachfolger ja nur gegen anstinken (und tat das auch, wie weiter unten zu lesen ist)…

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julien-baker3.  Julien Baker – Sprained Ankle

Ebenfalls eigentlich im Oktober 2015 erschienen, ist das Debüt der 21-jährigen Musikerin aus Memphis, Tennessee meine persönliche Entdeckung des Jahres, dessen lediglich neun Songs tief ins von Melancholie getränkte Fleisch schneiden. PJ Harvey meets Elliott Smith, gepaart mit jugendlicher Naivität. Bewegend, ehrlich.

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daughter-not-to-disappear4.  Daughter – Not To Disappear

Ach, Elena Tonra muss eigentlich nur die Lippen bewegen, und schon hat sie mich. Dass die zehn neuen Stücke des zweiten Daughter-Albums auch das klangliche Spektrum der dreiköpfigen Band aus London um Songs mit dezent elektronischer Grundlage oder Klangkathedralen von Sigur Rós’scher Größe erweitern, ist dabei natürlich nicht von Nachteil. Aber, hey: Melancholie nimmt eben keine Gefangenen.

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summering5.  Summering – Summering

Dass diese kanadische Band noch immer (scheinbar) keine Sau kennt, ist – gelinde gesagt – eine riesige Sauerei. Ich verspreche: Wer die älteren Alben von Wintersleep mag und mochte, wird auch mit dem selbstbetitelten Debüt von Summering (ebenfalls im Oktober 2015 erschienen, ebenfalls erst 2016 bei mir angekommen) glücklich süchtig. Noch dazu gibt’s das Ganze als „Name your price“ via Bandcamp zum Download. Ausreden gibt’s also keine!

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frightened-rabbit-painting-of-a-panic-attack6.  Frightened Rabbit – Painting Of A Panic Attack

Dass Scott Hutchison und seine Lads von Frightened Rabbit nach drei Jahren ein neues Album veröffentlichen und dieses es dann nicht ANEWFRIENDs Top 3 des Musikjahres schafft (immerhin war der Vorgänger „Pedestrian Verse“ anno 2013 mit Abstand und Ansage mein „Album des Jahres„), dürfte eigentlich schon als Schlappe für die fünf Schotten gelten. Aber keine Angst, trotz der Tatsache, dass sich auf „Painting Of A Panic Attack“ weniger Songs befinden, die das Hörerherz sofort einkassieren und nicht mehr hergeben (oder war’s umgekehrt?), ist auch das mittlerweile fünfte Studioalbum des stets eigenwilligen schottischen Quintetts kein schlechtes.

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the-hotelier7.  The Hotelier – Goodness

Zig Mal gehört, und noch immer kann ich „Goodness“, das dritte Album von The Hotelier nicht so ganz einordnen. Ist das noch Indierock oder schon Naturstudie? Ist das noch Emo oder längst zu erwachsen dafür? Sind das noch eigenständige Songs oder ein 45-minütiges Konzeptalbum? Steht die Band aus dem US-amerikanische Worcester, Massachusetts nun die großen Band New oder doch eher den seligen Sunny Day Real Estate näher? Fragen, Fragen, Fragen – aber sind die spannendsten Alben nicht immer jene, die man eben nicht auf Anhieb versteht? Was „Dealer“ von Foxing im vergangenen Jahr war, ist dieses Album 2016 für mich gewesen: ein faszinierendes Kuriosum mit Repeat-Garantie. Und die acht Naturnudisten vom Cover machen meine Verwirrung nur noch runder…

 

tigeryouth8.  Tigeryouth – Tigeryouth

Tilman Benning ist ein korrekter Typ, der vor allem 2016 mit seiner Akustischen und (s)einer dezent zerschossenen Tom-Waits-Reibeisenstimme im Gepäck kreuz und quer durch die Bundesrepublik (und manchmal sogar darüber hinaus) gereist ist, um den Punks, Pennern und Penunzeneigentümern in all den kleinen Clubs und AJZs die Songs seines neusten, selbstbetitelten Albums näher zu bringen, welche Tigeryouth-Benning als torkelnden Troubadour mit Hang zum Geschehen am Tresen und dem Herzen nah an Leben und Scheitern präsentieren – opulenter manchmal gar, als noch auf dem 2014 erschienenen Debüt „Leere Gläser“.

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tiger-lou9.  Tiger Lou – The Wound Dresser

Tiger Lou sind zurück, acht lange Jahre nach dem letzten Album „A Partial Print“. Und obwohl „The Wound Dresser“ manchmal zu viel von allem will (und freilich auch all die kreative Energie der langen Auszeit kanalisieren muss) und am Ende zu selten wirklich große Songs dabei herausspringen (die vorab veröffentlichten Stücke „Homecoming #2“ und „California Hauling“ einmal ausgenommen), haben Frontmann Rasmus Kellerman und seine nicht mehr ganz so blutjungen Kumpels freilich immer ’nen festen Fleck für sich reserviert, der „The Wound Dresser“ in diesem Jahr eine Ecke in den Jahren-Top-Ten sichert…


 
touche-amore-stage-four10. Touché Amoré – Stage Four

Ein großes, ein lautes, ein wütendes Album ist Jeremy Bolm, seines Zeichens Stimme und somit Frontschreihals von Touché Amoré, da gelungen. Ein musikalischer Abschiedsbrief an seine Ende 2014 an Krebs verstorbene Mutter. Die Band steht damit – sowohl, was das Musikalische als auch, was das Lyrische betrifft – in einer Reihe mit persönlichen Herzwärmern wie La Dispute oder Pianos Become The Teeth, deren letzte Alben in den vergangenen Jahren lauthals in mein Hörerherz gepoltert sind. Und obwohl mir das auf Dauer eine Spur zu – ich geb’s offen zu – heavy ist, hat das im September erschienene vierte Album der Post-Hardcore-Band aus Los Angeles, „Stage Four“, auch mich bewegt und innerlich aufgewühlt. Ja klar, Touché Amoré lassen dem Indierock etwas mehr Raum als noch auf den Vorgängern, richten manch ein Stück geradezu spartanisch ein (was den Texten nur noch mehr Gewicht verleiht), haben mit dem abschließenden „Skyscraper“ gar ein Gänsehaut-Duett mit Julien Baker (ja richtig, der jungen Dame vom Bronzeplatz) an Bord. Vergleiche mit The National verbieten sich trotzdem. Alle in allem: Wer Screamo-Schreihälsen und laut polternden Gitarren nicht komplett abgeneigt ist, den können diese elf Songs gar nicht kalt lassen. Isso.

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…und auf den weiteren Plätzen:

Savages – Adore Life

Kevin Devine – Instigator

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den Anderen

 

  

Geheimtipp 2016:

drawing-circlesDrawing Circles – Sinister Shores

Alternativer, melancholischer Ambient könnte man das Ganze nennen, was das Trio aus Bonn das auf dem Erstling „Sinister Shores“ (deutsch, in etwa: unheilvolle Ufer) da fabriziert. Dabei flüstert und schreit Sänger Vincent, er singt und presst sich seine Gefühle von der leidwunden Seele, mal still und in sich gekehrt, dann wieder mit sich fast überschlagender Stimme und rauchig-laut anklagend. Mit Worten unterlegte Postrock-Schlummermusik aus deutschen Gefilden und auf (fast) internationalem Niveau? Ist genommen.


 
Enttäuschungen 2016:

wintersleep-the-great-detachment-500x500Wintersleep – The Great Detachment

Drei verdammt großartige Alben haben Wintersleep bis zum 2007 erschienenen „Welcome To The Night Sky“ hinbekommen. Mittlerweile jedoch – und auch diese Serie hält nun schon drei Werke an – lassen mich die Alben der Band aus dem kanadischen  Halifax, Nova Scotia von Mal zu Mal mehr kalt. Daran ändert leider auch das neue „The Great Detachment“ nichts. Hoffen wir, dass Paul Murphy und Co. den Hebel irgendwann wieder in die andere Richtung umlegen können…

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wvlplargeWill Varley – Kingsdown Sundown

„These are the most honest songs I’ve ever written and they represent new ground for me creatively. They may not be radio friendly, or even ‚friendly‘ at all, but I’ve been wanting to make a record like this for a long time.“ Stimmt, die elf Stücke von „Kingsdown Sundown“ sind – gerade mit den Vorgängern verglichen – ein recht radikaler Schritt des britischen Singer/Songwriters hin zu mehr Trostlosigkeit und zur düsteren Seite der Melancholie – Radiofreundlichkeit hört sich logischerweise anders an. Radikal nicht der Musik selbst wegen, denn auch die Vorgänger kamen oft als Wanderbarden-Nummern ganz auf der Akustischen aus. Vielmehr sind die Themen, die Varley anstimmt, die einer Zeit, die wenig Licht ins Dunkel lässt. Auf den vorangegangenen Werken – gerade dem großen „Postcards From Ursa Minor“ (siehe Platz 2 ) – wurde den dunklen Thematiken noch zumeist eine Prise Ironie entgegengestellt. Da diese hier fast gänzlich fehlt, legt sich einem „Kingsdown Sundown“ schnell aufs Gemüt. Repeat? Gern, aber wohl dosiert…

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radiohead-coverRadiohead – A Moon Shaped Pool

Die unfehlbaren Radiohead. Die Meister, wenn es darum geht, den dunklen Zeiten von Technologiewahn und Kapitalismus den entsprechenden Soundtrack zu liefern. Klar, ich liebe die Alben von „OK Computer“ über „Kid A“, „Amnesiac“ bis zu „In Rainbows“ aus so vielen Gründen (die wichtigsten, logischerweise: die Songs sind einfach großartig, die Werke wirken als Ganzes intensiv nach). Das größte Plus von Thom Yorke und Co. ist freilich, dass ihrem Konzept noch niemand so ganz auf die Schliche gekommen ist und sie durch so einige kluge Schachzüge der Vergangenheit mittlerweile absolute kreative Narrenfreiheit besitzen – und diese nutzen sie auch auf „A Moon Shaped Pool“, Studioalbum Nummer neun seit 1993, genüsslich aus. Das Ergebnis ist stiller, intimer als noch das vor fünf Jahren erschienene „The King Of Limbs“, das vor technoiden Experimenten ganz wirr war. Die elf zumeist neuen Stücke (einzig das abschließende „True Love Waits“ kennen Fans bereits längst als Live-Version) baden oft knietief in den Orchesterarrangements von Jonny Greenwood, hat doch der sonst als Gitarrist tätige Tausendsassa durch so einige Soundtrack-Arbeiten längst sein Faible für raumfüllende Musik entdeckt. Hinten hinaus hockt natürlich dann Chefgreiner Thom Yorke und verbreitet seine finsteren Gedanken zur Welt als solche und verarbeitet obendrein noch die „total einvernehmliche“ Trennung von Lebenspartnerin Rachel Owen, mit der er 23 Jahre liiert war und zwei gemeinsame Kinder hat (zum verdammten 2016 passt dann wieder, dass Owen vor wenigen Tagen im Alter von 48 Jahren starb). Ist alles nicht wirklich schlecht anzuhören, lässt mich jedoch ebenso kalt wie die Stimmung, welche Radiohead wohl stets im Sinn haben… Schade.

 
Rock and Roll.

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16 Songs aus 2016 – Das UK-Label Big Scary Monsters verschenkt (s)einen Label-Sampler


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Der Dezember ist ja, neben der Rückbesinnung auf das, was da in den vergangenen elf Monaten des noch aktuellen Jahres passiert ist, auch der Monat des Gebens.

l-43155-1428489264-1813In diesem Sinne hat das britische Label Big Scary Monsters nun pünktlich zum Dezemberanfang wie in jedem Jahr seit 2012 – so viel schöne Tradition sei schließlich erlaubt – wieder (s)einen Gratis-Jahresabschluss-Sampler veröffentlicht. Darauf befinden sich insgesamt 16 Songs von 16 Bands, die in diesem Jahr über das Label neue Alben herausgebracht haben. Unter den vertretenen Künstlern sind beispielsweise Kevin Devine mit einem Song von seinem neuen Album „Instigator„, You Blew It! mit einem Auszug aus ihrer erst Anfang November veröffentlichten Platte „Abendrot„, Beach Slang mit dem Track „Punks In A Disco Bar“ oder La Dispute, welche eine Live-Aufnahme des Songs „Woman (in mirror)“ beisteuern. Der Sampler ist stilistisch ebenso breit aufgefächert wie der Labelkatalog und sollte vor allem Fans von Indie- oder Punkrock, Emo, Posthardcore und Mathrock gefallen. Wie bereits erwähnt hat dieses musikalische „Name your price“-Geschenk zum Jahresende bei Big Scary Monsters schon seit einigen Jahren Tradition und ist auch im Nachhinein noch für kleines Geld auf der Bandcamp– und Webseite des Labels erhältlich. Zugreifen? Logisch.

 

 

Rock and Roll.

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Smells Like Devine Spirit – Kevin Devines „Nevermind“-Version (erneut) im Stream und Download


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Sicher, Kurt Cobain und seine Band Nirvana dürften den meisten ein Begriff sein, das Anfangsriff von „Smells Like Teen Spirit“ mit seinem damdam-dadadadadadamdam-dadadadadadamdam-dadadadadadamdam ist längst ewig große Musikgeschichte und selbst die simpel gestrickte Tagespresse mit den vier großen Buchstaben weiß, welcher Tag sich gestern zum mittlerweile 21. Mal jährte. (Richtig: Kurt Cobains Todestag.)

Auch heutzutage feiern immer noch alle wie auf Teufelkommraus zu all den Prä- und Post-Cobain’schen Nirvana-Klassikern wie  erwähntem „Smells Like Teen Spirit“, „Come As You Are“, „Heart-Shared Box“ etc. pp. ab, als hätte der Indie-DJ soeben Freifahrtsscheine fürs kontrollierte Komplettausrasten in dei Menge geschmissen – sogar jene, die mit Rockmusik sonst „so gar nichts“ am Hut haben. Sogar jene, an die zu Cobains Lebzeiten (geschweige denn zum Zeitpunkt seines Todes) noch gar nicht zu denken war. Klar, Nirvanas Millionenselleralbum „Nevermind“ ist ein nahezu perfektes Stück Musikhistorie, das irgendwann jeden und jede mitnimmt.

Dass Cobain und seine Bandmitstreiter Krist Novoselic und Dave Grohl damals wie heute für das, was sie auf drei Alben in die Musikwelt geblasen haben, geradezu vergöttert werden, dürfte hinlänglich bekannt sein. Welche Band zwischen Japan und Norwegen, Kanada und Südafrika hat sich im gammeligen Proberaum noch nicht an Nirvana-Riffs probiert (und ist meist formidabelst gescheitert)? Welcher Frontmann hat sich noch nicht an der Schmerzensmann-Pose von Cobain – noch heute der „Posterboy“ des Grunge, freilich wider Willen – versucht? Eben.

kurt-cobain-montage-of-heck-posterUnd ebenso wie Verehrer gibt es auch massig Ehrerbietungen an Nirvana. Zum einem filmisch: Nach dutzenden halboffiziellen Dokumentationen und der ein oder anderen Film-Homage (etwa Gus Van Sants weirdes „Last Days“) kommt nun „Montage Of Heck„, eine gut zweistündige Dokumentation des US-amerikanischen Filmemachers Brett Morgen, für kurze Zeit in die Kinos. Das besondere an dem abendfüllenden Dokustreifen über Cobain und seine legendäre Band ist wohl, dass dieser unter Mitarbeit von Cobains streitbarer Witwe Courtney Love und dessen Tochter Francis Bean – heute süße 22 Jahre jung und ihrem Elternpaar wie aus dem Rockstargesicht geschnitten – entstand. Freilich wird auf dem Soundtrack „unveröffentlichtes Material“ von Cobain und Co. versprochen – man muss ja die Werbetrommel ordentlich klingen lassen…

Und logischerweise gibt es gerade bei einer so stilprägenden Band wie Nirvana so einige musikalische Tribute-Versuche sämtlicher Genres, vom Pop über derbsten Metal bis hin zu Pianos-Instrumentals und strangen Elektro. Eine der gelungensten und aufrichtigsten Ehrerbietungen hat meiner bescheidenen Meinung nach der (von mir seit jeher sehr geschätzte) New Yorker Indie-Singer/Songwriter Kevin Devine abgeliefert, der 2011 – zum damaligen 20. Jubiläum von „Nevermind“ – seine Goddamn Band im Proberaum-Studio zusammentrommelte und mal eben so, mir nichts, dir nichts, das komplette Nirvana-Album einspielte. Ohne zuviel Tamtam, ohne Schnörkel, dafür mit ordentlich Wumms und Schmackes. Indie eben. Und anstatt das ganze pathetisch auf die lange Bank zu schieben, stellte Devine seine „Nevermind“-Variante damals kurzerhand zum freien Download ins Netz. Indie eben.

Wem das Ding damals durch die Lappen gegangen sein sollte, der bekommt nun (s)eine erneute Chance zum kostenlosen Download der Devine-Version von „Nevermind“ aufs heimische Abspielgerät, denn Kevin hat alle zwölf Songs nun, zu Cobains Todestag, erneut ins Netz gestellt (via Soundcloud, siehe unten). Und wer noch immer an der tiefen und innigen Liebe des US-Musikers zur Cobain’schen Liedkunst zweifelt, für den schickt Kevin Devine via Facebook noch ein, zwei begleitende Worte hinterher:

 

„Someone pointed out it’s 21 years since Kurt Cobain died, (obviously) effectively breaking up Nirvana.
People are people. We’re all flawed, mixed up, make bad choices – neither angels nor saints. This person obviously qualifies, and was a total stranger, to me. I process his life/death differently at 35 than I did at 14. They mean different things to me now than they did then.
That said, I still truly love their band, his songwriting, and consider finding them/him the most important cultural moment of my life, a point from which endless, infinite, unpredictable roads lead and keep leading.
A few years ago, in acknowledment of that, we covered ‚Nevermind‘ – Michael Fadem & Christopher Bracco & I, in a basement, having fun. In acknowledgement of today, here it is again.
Enjoy and thanks to Nirvana/Kurt for a life in music.
Xo
KD“

 

 

 

Und hier noch der Trailer zur Dokumentation „Montage Of Heck“:

 

Rock and Roll.

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Bubblegums and Bulldozers – Kevin Devine spielt sich auf Albumlänge doppelt frei…


Kevin Devine (by Ninelle Efremova)
Der Vielzahl an potentiell großartigen Neuerscheinungen dieses Herbstes – man denke da nur einmal an Pearl Jam, Thees Uhlmann, Casper, Slut, Nine Inch Nails oder Tim Kasher! – fügt Kevin Devine im Oktober gleich zwei neue Alben hinzu. Und da ich bisher nicht die Gelegenheit hatte, „Bulldozer“ und „Bubblegum“, die beiden Nachfolger zum 2011 erschienenen (und doch leider etwas mauen) „Between The Concrete And Clouds„, zu hören, zitiere ich an dieser Stelle ausnahmsweise den sehr informativen Pressetext:

 

Der aus Brooklyn stammende Singer/Songwriter Kevin Devine (Bad Books, Ex-Miracle Of 86), kündigt gleich zwei neue Studioalben an: „Bulldozer“ und „Bubblegum“. Die beiden völlig unterschiedlich klingenden und mit Hilfe der Crowdfunding-Organisation Kickstarter finanzierten Alben erscheinen in Deutschland am 18. Oktober 2013 via Big Scary Monsters / Alive.

Zu Beginn des Jahres rief Devine ein Kickstarter Projekt ins Leben, um mit der Unterstützung seiner Fans ein Soloalbum, zusammen mit Rob Schnapf (Elliott Smith, Beck, Guided By Voices), und ein Full-Band Album, gemeinsam mit seiner GODDAMN BAND und Brand New-Frontmann Jesse Lacey als Produzent, aufzunehmen. Das Ergebnis war überwältigend! Mehr als $114.000 erzielte das Projekt am Ende seiner Laufzeit. Mit diesem Geld konnte DEVINE sowohl die Produktion seiner beiden Alben, als auch anschließende Tourneen finanzieren. Es ist somit auf Platz 12, der größten Musikprojekte, die mit der Hilfe von Kickstarter finanziert wurden. Beide Alben erscheinen in Amerika auf seinem eigens gegründeten Label Devinly Records und sind in Deutschland via Big Scary Monsters erhältlich.

“Ich habe bereits sechs Alben veröffentlich. In Amerika sind diese auf fünf verschiedenen Labels erschienen. Die ganze Musikindustrie ist unglaublich unsicher und instabil. Alleine die Fans und ihre enge Verbundenheit zu meiner Musik, sind für das was ich in den letzten Jahren erreicht habe und erleben durfte verantwortlich.”, erläutert Kevin Devine seine Entscheidung zur Kickstarter-Finanzierung.

BUBBLEGUM:

Das von Jesse Lacey produzierte Album „Bubblegum“ ist zweifellos ein energiegeladenes Rockalbum und knüpft an Devines Zeit als Mitglied der Band Miracle Of 86 an; kraftvolle Songs mit viel Feedback, verzerrten Gitarren und unerwartet eingängigen Melodien. Das Album wurde bereits im April 2013 fertiggestellt und sowohl in den Dreamland Recording Studios in Hurley, NY als auch in den Atomic Heart Studios in New York City aufgenommen.

„Bubblegum“ hält zwölf rockige und kraftvolle Indie Rock Songs, mit Gitarrenriffs à la Pixies und sozialkritischen und politisch aufgeladenen Texten bereit, die Kevin Devine nun von seiner rauen und harten Seite zeigen. Bereits das Intro „Nobel Prize“ verdreht dem Hörer völlig den Kopf und bündelt gleichzeitig die unaufhaltsame Energie, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Album zieht. Doch auch so ein unter Hochspannung stehendes Album wie „Bubblegum“, lebt von seinen ruhigeren und nachdenklichen Momenten, zu hören in „I Can’t Believe You“ und „Red Bird“.

Ein Hit folgt auf den anderen! „Bloodhound“, „Bubblegum“ und „Sick Of Words“ sind wahrscheinlich die eingängigsten Songs, die Kevin Devine, mit Hilfe seiner GODDAMN BAND, Mike Fadem (Schlagzeug) und Mike Strandberg (Gitarre), jemals geschrieben hat. Auch der Brand New-Frontmann Jesse Lacy trägt seinen Teil zum Album bei und ist nicht nur am Bass und den Percussion tätig, sondern unterstützt Devine auch als Backgroundsänger.

BULLDOZER:

Das zehn Songs umfassende Soloalbum „Bulldozer“, ist ein klassisches Kevin Devine-Album mit vielen eingängigen Pop-Balladen und elektrisierenden Folkrock-Stücken, das er im März und April 2013 zusammen mit Produzent Rob Schnapf in L.A. aufgenommen hat. Neben Devine an der Gitarre und Schnapf an der Pedal-Steel-Gitarre, gab es weitere Unterstützung von Russell Pollard und Elijah Thomson (Everest) am Schlagzeug und am Bass; Isobel Campbell (Ex-Belle & Sebastian) als Backgroundsängerin und wieder Schnapf – diesmal an der Gitarre, am Melotron und an den Percussions.

Der imposante Sound von „Now Navigate!“ mit seinen harmonischen Gitarren und ironischem Unterton ist die Definition von stürmischem Power-Pop, genau wie „Little Bulldozer“ die Quintessenz aus Rock und Pop darstellt. Songs wie „She Can See Me“ bringen Devines Punkrock-Vergangenheit wieder zum Vorschein.

„From Here“ schrieb Devine kurz nachdem Hurricane Sandy weite Teile Amerikas verwüstete und er seine Arbeit am Album ruhen ließ, um in den betroffenen Gebieten in Brookly und Staten Island, beim Wiederaufbau zu helfen. Er versorgte betroffene Familien mit Nahrung und spielte außerdem ein Benefizkonzert. „For Eugene“ handelt von dem Tod von Eugene Contrubis, die wie viele andere auf Staten Island ertrunken ist. (Isobel) Campbell schafft hier mit ihrer Stimme die Grundlage zu einem Song, der immer wieder zu emotionalen Höhepunkten anschwillt.

„Bubblegum“ und „Bulldozer“ erscheinen am 18. Oktober 2013 via Big Scary Monsters / Alive

Private First Class - Art

 

Um uns einen kleinen Vorgeschmack auf seine kommenden Werke zu geben, hat Kevin Devine mit „Private First Class“ bereits einen ersten Song ins weltweite Netz zu stellen. Und er beweist damit gleichzeitig seine politischen „Cojones“ und sein Gespür in Sachen Zeitgeist, denn das Stück handelt vom „Whistleblower“ Bradley Manning, einem ehemaligen Angehörigen der US Army, der im Mai 2010 festgenommen wurde, weil er „WikiLeaks“ ebenso geheime wie brisante Militärunterlagen zugespielt hatte…

 

Rock and Roll.

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