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Song des Tages: Klez.e – „Mauern“


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Ja sicher, Tobias Siebert ist mir – vor allem durch sein jüngstes Solo-Projekt And The Golden Choir, dessen Debüt „Another Half Life“ 2015 erschien, aber auch als Produzent für so viele deutsche Bands und Künstler wie Slut, Marcus Wiebusch, Enno Bunger, Mikroboy, Herrenmagazin, Phillip Boa and the Voodooclub, Kettcar oder Sport – freilich ein Begriff. Auch, dass der Mann mal in einer Band namens Klez.e aktiv war, wusste ich natürlich. Mit deren drei Alben – das letzte, „Vom Feuer der Gaben„, erschien 2009 – habe ich mich allerdings nie beschäftigt.

Nun, sollte ich wohl mal tun, denn der Song „Mauern“, mit dem sich Siebert und seine Mannen nach siebenjähriger Auszeit zurückmelden, verspricht Großes. Und rennt bei mir mit seinen Referenzen zum 1989 veröffentlichten The-Cure-Meilenstein „Disintegration“ offene Türen ein. Monolithische Rhythmen, Schwermut, Melancholie – all das klingt wohl nicht von ungefähr wie eine tiefe Verneigung vor Robert Smith und Co., denn auch das dazugehörige, im Januar 2017 erscheinende neue Klez.e-Album „Desintegration“ trägt seine Inspiration ebenso offen zur Schau wie Tobias Sieberts neuerdings zum Goth-Wuschel toupierte Haarpracht… Als wenn es auf ewig ein grauer Wintertag im letzten Jahr der seligen Achtziger wäre. Bonjour Tristesse.

 
„Früher, da im Osten
Wollte ich im Wedding sein
Und heute soll das enden
Ich ließ mich von euch blenden…“

 

 

 

Rock and Roll.

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„Verbindet mehr als nur A und B“ – der ebenso kalkulierte wie schöne neue Werbespot der Deutschen Bahn


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Fußball und Homosexualität sind ja bekanntlich nicht die besten Freunde, könnten sie aber vielleicht bald sein (das hoffe ich zumindest, denn in einer besseren Welt wären sie’s längst). Seinen Teil dazu beitragen will offensichtlich ein Unternehmen, von dem man das nicht eben erwartet hätte: Anlässlich des 25. Geburtstags des ICE und kurz vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft am 10. Juni in Frankreich fährt die Deutsche Bahn mit einem neuen, „Der Fan“ betitelten Werbesport auf.

Darin ist zu sehen, wie ein Fussballfan seiner Mannschaft nachreist, ihr bei den Spielen zujubelt, mal im Stadion, mal zu Hause vor dem Laptop. Wie sich am Ende des 1:38 minütigen Videos herausstellt, reiste ebenjener Fan nicht vordergründig der Mannschaft, sondern einem der Spieler nach – genau genommen seinem Freund. Am Ende fällt sich das Pärchen an einem Berliner Bahnsteig in die Arme und spaziert Hand in Hand davon. Der Bahn-Slogan dazu heißt „Verbindet mehr als nur A und B“ und thematisiert das leider immer noch mit einem dicken Tabu hinterlegte Thema der Homosexualität im Profifußball.

Als erster und bislang einziger deutscher Profifußballer bekannte sich Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014 in der Öffentlichkeit zu seiner Homosexualität – bezeichnenderweise jedoch erst, als ein Jahr zuvor die Fussballschuhe an den Nagel gehangen hatte – und erregte damit für einen Moment eine Menge Aufsehen. Ins gleiche Horn blies auch Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch, der im selben Jahr seinem großartigen Song „Der Tag wird kommen“ einen nicht minder großartigen Kurzfilm spendierte. Doch auch zwei Jahre danach hat es Hitzlsperger keiner seiner (aktiven) Kollegen gleichgetan. Dabei darf man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass bei 1.400 Profikickern in den drei höchsten Spielklassen auch der ein oder andere schwule Ledertreter dabei ist (statistisch gesehen genau 56 der Jungs, wenn man zugrunde legt, dass etwa vier Prozent der Männer in Deutschland homosexuell lieben und leben). Aus Angst, es sich mit den steinzeitlich-machoistischen Ultra-Fanggruppierungen, mit Werbepartnern oder zukünftigen Vereinen zu verscherzen? Wohl leider schon. Doch wie singt Wiebusch in seinem Stück: „Dieser Tag wird kommen, jeder Fortschritt wurde immer erkämpft / Ganz egal, wie lang‘ es dauert / Was der Bauer nicht kennt, nicht weiß, wird immer erstmal abgelehnt / Und auf den Barrikaden die Gedanken und Ideen, dass das Nötige möglich ist…“. Was im Frauenfussball, welcher ja – andere Geschichte, anderer Tag – zu unrecht noch immer belächelt wird, längst Alltag und ein offen gelebtes Geheimnis zu sein scheint (man nehme nur Nadine Angerer, deutsche Torhüterin und Weltfussballerin 2013, oder die schwedische Erfolgstrainerin Pia Sundhage), wird in der „Männerdomäne Fussball“ bis heute totgeschwiegen. Der Optimist denkt, dass Veränderungen Zeit brauchen. Die Hoffnung bleibt.

Natürlich kann man der Deutschen Bahn vorwerfen, voll auf den PR-Effekt zu gehen oder auf den EM-Zug aufspringen zu wollen. Aber ist das nicht irgendwie auch Aufgabe der Werbung? Auf jeden Fall ist es schön zu sehen, dass das Unternehmen auch etwas anderes kann, als – Achtung, nur halb ernst gemeinte Vorurteile! – zu spät kommen und zu streiken: für Toleranz, Mitmenschlichkeit und Verständnis werben. An anderer Stelle werden Kritteleien wie „Ein Kuss wäre trotzdem noch drin gewesen, das tut ein schwules Pärchen nämlich auch.“ oder „ Wetten, wenn es ein lesbisches Paar gewesen wäre, wäre ein Kuss drin gewesen?“ laut, am Ende schlägt hier jedoch das Ziel den Weg, oder? Danke auf jeden Fall, Deutsche Bahn, und willkommen im Jahr 2016. Zeit wird’s.

 

(Wer sich übrigens fragt, welcher Song da im Werbespot läuft: Simon Glöde mit „Follow You“. Bitteschön.)

 

Rock and Roll.
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Mein Senf: „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben“ – oder man ist Coldplay


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Im Grunde sind das ja alles altbekannte Hüte. Als mehr oder minder professioneller Musiker hat man es heutzutage immer schwerer, auch „von der Musik leben zu können“. Heißt im Klartext: Bezahlt einem das „schöne Hobby“ (Zitat Kettcar, deren Frontmann Marcus Wiebusch im Jahr 2005 eine B-Seite zum Album „Von Spatzen und Tauben…“ nur halb im Spaß mit „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben“ betitelte) am Monatsende (zumindest) auch Miete, Nebenkosten und das täglich‘ Brot? Insofern man nicht Madonna, Justin Timberlake, Taylor Swift, U2 oder Coldplay ist und im Nu ganze Stadien ausverkaufen kann, ist diese Rechnung noch längst nicht gesichert. Und auch ein guter Ruf innerhalb der Landesgrenzen oder darüber hinaus macht das nicht besser. Vor und nach Konzerten hatte ich selbst über die Jahre so einige Gelegenheiten, mit Musikern über deren Leben dies- wie jenseits der Bühnenbretter zu sprechen. Tenor, sehr oft: Die Musik als solche – sprich: der „reine Tonträger“ als CD, LP oder bezahlter Download – deckt meist (bestenfalls) die Kosten für Aufnahme, Herstellung und Vertrieb ab (siehe auch die Grafiken weiter unten), während der Künstler/die Band touren muss (unabhängig davon, dass sie im Grunde ja auch „Bock“ auf die Livepräsentation haben), um „das Ding“ zu promoten und sich bei der Hörerschaft wieder ins Gedächtnis zu rufen. Des weiteren sind alle „kleineren Namen“, die eben kein zahlungskräftiges (Major)Label im Rücken haben, gezwungen, die Kosten zur Aufnahme, Herstellung etc. fürs nächste Album selbst vorzustrecken, bevor die gleiche Ochstentour aufs Neue beginnen kann. Ein Teufelskreis par excellence? Aber holla! Und auch wenn ihnen auf Tour allabendlich (bestenfalls) einige hundert bis tausend Besucher zujubeln und lautstark nach Zugaben rufen, haben diese Musiker „im wahren Leben“ nicht selten stinknormale Broterwerbsjobs, hinter denen sich nur mit massig Fantasie ein derart kreatives Leben „on the road“ beziehungsweise auf Bühnenbrettern und im Glanze von Scheinwerferspotlights vermuten lässt. Freilich ließe sich nun wieder die altbekannte und oft angeführte Debatte über die „schöne neue digitale Welt“, über das Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen ins Feld treten. Fakt ist, dass die „fetten Jahre“, in denen große Labels mit sinnbildlichen Dollarscheinen und finanziellen Vorschüssen nur um sich schmissen, den Künstler namenhafte Produzenten, teure Studios und noch teurere Hotelsuiten im Voraus und in der guten Hoffnung auf den nächsten Superhit finanzierten, dank des moralisch verwerflichen Denkfehlers, dass Musik im „digitalen Zeitalter“ immer und überall verfügbar sein sollte (tatsächlich oft auch: ist) und daher auch nichts kosten muss, längst vorbei sind (Namen wie die weiter oben genannten mal außen vor). Sobald man als Künstler oder Band unter dem – natürlich ebenso weit gefassten wie nichts sagenden – Label „Indie“ läuft, gehört schon eine große Schippe Enthusiasmus, Idealismus und Erfindungsreichtum dazu, um im Jahr 2014 noch das große „Hamsterrad Musikbusiness“ zu betreten. Wohl dem, der all dies aufbringen kann…

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(beide grafischen Statistiken stammen von 2008 und sind diesem Artikel entnommen…)

 

Diese „Rechnung“ – im wahrsten Wortsinne – machen nun auch Pomplamoose auf. Den Ausschlag hierfür hat wohl gegeben, dass dem aus dem Pärchen Jack Conte und Nataly Dawn bestehenden kalifornischen Indiepopduo, welches seit 2008 – vornehmlich über den eigenen YouTube-Kanal – gemeinsam musiziert und es so zu ansehnlicher (Internet-)Bekanntheit gebracht hat, auf deren Tour immer wieder in den Mund gelegt wurde, dass „man es nun geschafft“ habe. „Nichts da!“ entgegnen Pomplamoose. Und stellen nun selbst eine detaillierte Rechnung ihrer kürzlich absolvierten 2014er Tournee online, die belegt, dass auch ein Name allein noch längst keine Tour zur gewinnbringenden – oder schwarze Zahlen schreibenden – Sache macht.

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Freilich hagelt es da auch (nicht ganz unberechtigte) Kritik aus dem eigenen „Indie-Lager“. So habe das Duo und deren Crew (Mitmusiker, Techniker, Tourmanager) die Preisgrenze für Equipment, Unterkunft, Verpflegung etc. deutlich zu hoch angesetzt, um am Ende der Tournee mit einem schwarzen Plus dastehen zu können und den – gerade in „Indie-Kreisen“ – hoch gepriesenen und immens wichtigen Erfindungsreichtum vermissen lassen. Oder sind die beiden am Ende gar nur weinerliche, wenig realistische „Indie-Weicheier“? Sei’s drum! Ganz unabhängig vom Gefallen oder Nicht-Gefallen der Musik von Pomplamoose sowie der Nachvollziehbarkeit der bitteren Schlussbilanz ihrer Tourneeabrechnung bleibt unterm Strich jedoch der Anstoss des Duos zur erneuten Debatte um den Broterwerb vom „schönen Hobby“ und den tagtäglichen, enthusiastisch geführten Kampf ums das „Leben mit und von der eigenen Musik“. Glaubt mir: Heutzutage ist für die Musiker selbst, denen man bei Konzerten vor wenigen Augenblicken noch frenetischen Applaus gezollt hat, kaum etwas wichtiger, als dass man sich als zufriedener Besucher – insofern nicht gerade selbst klamm bei Kasse – mit einem kleinen „Souvenir“ vom Merchandise-Stand – sei es nun ein T-Shirt, eine CD, LP oder ein Poster – bei ihnen bedankt und revanchiert. „Musik sollte immer ein schönes Hobby bleiben.“ Die Frage ist: Muss es das?

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Dorit Jakobs – „Erwarte nicht zu viel“


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„Ihr wart nie wirklich glücklich / Und ich traf nie wen, der es ist / Die Welt ist nicht richtig offen / Die Türen erstmal verschlossen / Die meisten Menschen sind nicht freundlich und nicht klug / Warum habt ihr mir nicht gleich gesagt / Warum habt ihr mir nicht gleich gesagt / Erwarte nicht zu viel“

Wer Zeilen wie diese vom Stapel lässt, dem wird schonmal gern gepflegter Lebenspessimismus unterstellt. Allerdings greift das vor allem bei „Erwarte nicht zu viel“, einem der ersten akustischen Lebenszeichen von Dorit Jakobs im weltweiten Netz, viel zu kurz. Dorit who? Nun, obwohl die gebürtig aus Bremerhaven stammende Anfangsdreißigerin in Vorprogrammsplätzen von Künstlern wie Kristofer Åström, Bernd Begemann, Maike Rosa Vogel, Patrick Richardt oder – jüngst – Kettcar-Fronter Marcus Wiebusch bereits das ein oder andere Hörerherz erobern konnte und dann und wann auch mal allein kleinere Hamburger Bühnen bespielt, dürfte ihr Name selbst im deutschsprachigen *hust* „Liedermacherkosmos“ bislang bei den Wenigsten ein Glöckchen zum Klingen bringen. Gut, dass sich ihr Label DevilDuck Records da schonmal in einer knappen Einordnung versucht: „Ihre Heldinnen waren die großen Frauen der 90er und 80er (Morissette, Vega, DiFranco), den Kick, auf Deutsch zu singen bekam sie von so verschiedenen Künstlern wie Wir sind Helden, Kettcar, Bernd Begemann, Die Höchste Eisenbahn.“ Denn in der Tat klingt Jakobs wie eine junge, weniger aufgedrehte Version von Helden-Frontfrau Judith Holofernes, hat ebenso deren Melodiegespür auf dem Kasten wie das persönlich-mildweise Sendungsbewusstsein der Hamburger Jungs von Kettcar. Und wenn Dorit Jakobs am Ende Zeilen wie „Was würd‘ ich heute anders machen / Hätte ich ein Kind / Wie ich es war / Wie ich es bin? / Ich würd‘ ihm sagen: / ‚Da gibt es so viel Reichtum / Da gibt es soviel Freude / Und etwas davon ist ganz bestimmt für dich / Doch um Himmelswillen, erwarte nicht zu viel'“ nachschiebt, verleiht sie „Erwarte nicht zu viel“ eine rationale Milde, die Song und Hörer – aller Fluffigkeit zum Trotz (Popaffinität war ja noch nie wirklich schädlich) – mit einem geerdeten Grundgefühl zurücklässt…

 

(EDITH: Das im April 2018 veröffentlichte Musikvideo habe ich nachträglich hinzugefügt…)

 

Wer übrigens mehr über Dorit Jakobs erfahren möchte, findet in dieser Künstlervorstellung auf pop-polit.com vom vergangenen Jahr einiges an Infos…

 

Rock and Roll.

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„Der Tag wird kommen“ – Marcus Wiebuschs ebenso berührender wie wichtiger Musikvideo-Kurzfilm im Stream


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Der Rolling Stone fasst’s schonmal gekonnt wie folgt zusammen:

„Keine Ausreden! Sie finden Videoclips langweilig? Okay, denn dies ist kein Videoclip, sondern ein Kurzfilm. Sie mögen deutsche Rockmusik nicht so gern? Nicht schlimm, denn dies ist nicht einfach nur ein Rocksong, der sich viel Sprachwucht vom HipHop borgt, es ist eine Kampfansage: für die Freiheit, gegen die Bornierten, für Toleranz, gegen Homophobie (nicht nur im Fußball). Kurzum: ‚Der Tag wird kommen‘ von Marcus Wiebusch muss man sehen.

Mehr als 1.000 Leute fanden das schon, bevor der Film überhaupt gedreht war: Er wurde über Crowdfunding finanziert, statt der angestrebten 30.000 kamen mehr als 54.000 Euro zusammen. Die hat Regisseur Dennis Dirksen perfekt genutzt: Was die Zeilen erzählen, zeigen die Bilder direkt und doch nicht banal, mit Nachdruck, aber auch mit sehr viel Feingefühl.

Brillante Schauspieler, berührende Szenen. ‚Geschichte ist Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit‘, singt Wiebusch – und zeigt durchaus auch Verständnis dafür, dass sich bisher noch kein aktiver Fußballer geoutet hat: ‚Du bist dann der Erste, der Homo, der Freak / Es gibt dann keinen, der in dir nur noch den Fußballer sieht/ Aber ja, es wird besser, und der Tag ist in Sicht … / Es wird der Tag sein, an dem wir die Liebe, die Freiheit und das Leben feiern / Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still / Ein Tag, als hätte man gewonnen/ Dieser Tag wird kommen.‘ Es gibt viele Gründe dagegen, und nur einen entscheidenden dafür: Es wird sich nie etwas ändern, wenn keiner damit anfängt.“

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Fürwahr ist auch der lang vorbereitete und mit viel Liebe und Herzblut umgesetzte Kurzfilm zum alles beherrschenden und überstrahlenden Siebenminüter auf Marcus Wiebuschs Solodebüt „Konfetti“ ein Machwerk mit Ansage (das freilich auch die – finanzielle – Unterstützung des Autors dieser Zeilen fand). Wie bereits der Song erzählen die neun Filmminuten von einem Fußballprofi, der seiner Karriere zuliebe seine sexuelle Orientierung leugnet – und immer wieder mit sich ringt, ob er zu seiner Homosexualität stehen soll oder nicht – nicht erst seit dem Outing von Ex-Nationspieler Thomas Hitzelsperger vor einigen Monaten ein noch immer mit einiger Brisanz aufgeladenes Thema, über dessen Pro und Contra freilich längst ebenso bei Talknasen wie Markus Lanz wie an Fussball-Stammtischen von Hamburg über Gelsenkirchen bis München debattiert wurde (an letzteren leider noch immer zu oft hinter vorgehaltener Hand). Dass ausgerechnet Wiebusch, der nimmermüde idealistische (Ex-)Punk und treue St. Paulianer Fussball-Fan, sich mit solch einer Masse an Sendungsbewusstsein und Nachdruck des Tabus annimmt, verwundert freilich kaum. „‚Der Tag wird kommen‘ ist ein wütendes und emotionales Lied, teils gesellschaftliche Anklage, teils aber ebenso eine Liebeserklärung an den Sport“, wie es ZEIT ONLINE auf den Punkt bringt. Und wenn zuerst ein freundliches Nicken durchs Feuilleton- und Stadionrund geht, um irgendwann in den Köpfen anzukommen, dann ist das wohl genau das, was Marcus Wiebusch und sein Team erreichen woll(t)en. Die Wende findet immer im Kopf des Einzelnen an…

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


 Bereits vor der wochenlangen Veröffentlichungspause stand für mich das nächste „Album der Woche“ fest. Nun kommen die Worte dazu eben mit einigen Tagen Verspätung…

 

Marcus Wiebusch – Konfetti (2014)

Konfetti (Cover)-erschienen bei Grand Hotel Van Cleef/Indigo-

Um eines vorweg zu nehmen: Seine – noch immer – gelungenste Selbsteinschätzung hat Marcus Wiebusch vor 17 Jahren abgeliefert:

„Pete Townshend ist heute alt und will längst schon nicht mehr sterben.
Und alle um mich herum wollen nur in Würde älter werden.
Ich sagte es gestern, sag‘ es morgen:
Macht euch um mich doch keine Sorgen
Und kümmert euch zuerst um euch und fickt euch.

Und für Bärbel Schäfer bin ich von mir aus ein Faschist.
Für den Hool von nebenan bin ich so gern ein Kommunist.
Für die Schlauen um mich herum bin ich nur ein Moralist,
Weil jeder von euch weiß wie’s ist und fickt euch.

Es ist ungerecht verteilt, das sieht jeder, der gut hinsieht.
Im Sarg kann’s ganz schön dunkel werden, wenn man erstmal drinliegt.
Und Hunger ist die Bombe, und der Schiedsrichter die Zeit,
Und wir warten, und das Warten nennt sich Freiheit.“

marcus-wiebusch-studioDie Zeilen stammen aus „Pete“, dem gerade einmal eine Minute kurzen Eröffnugsstück des dritten …But Alive-Albums „Bis jetzt ging alles gut…„. Die zwischen 1991 und 1999 existente Hamburger Punkrockband war damals – soviel sei im Rückspiegel festgestellt – das Non-Plus-Ultra, wenn es darum ging, Zeitgeschehen in Worte zu fassen und mal schnelle und derbe, bis zum letzten Album „Hallo Endorphin“ jedoch auch (für eine Punkband) erstaunlich poppige Akkorde drumherum zu packen. Dass Frontmann Marcus Wiebusch nicht der begnadetste Sänger unterm bundesdeutschen Musikfirmament war? Drauf geschissen! Was zählte – und daran hat sich im Hause Wiebusch bis heute herzlich wenig geändert -, war die vielbeschworene „Haltung“. Egal, ob zu Themen wie Neoliberalismus, Doppelmoral, Radikalismus (ganz gleich, ob von Rechts oder Links), Sexismus – …But Alive zogen klare Fronten, titulierten schonmal „Ich möchte Ilona Christen die Brille von der Nase schlagen“ oder nannten die in den Neunzigern recht populäre TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers ganz frank und frei eine „Quotenhure“. Dass so nur jemand agiert, dem gar nicht erst daran gelegen ist, sich den äußeren Umständen anzupassen, sondern – ganz im Gegenteil – mit einer Menge Mut, Überzeugung und den sprichwörtlichen „Cojones“ mit dem Dickschädel Türen einrennt, zeigte Wiebusch 2002 mit der von ihm und – unter anderem – Ex-Rantanplan-Skabasser Reimer Bustorff neu gegründeten Band Kettcar. Da sie für ihr erstes Album „Du und wieviel von deinen Freunden“ kein Plattenlabel fanden, gründeten sie gemeinsam mit Kumpel Thees Uhlmann (Tomte) Grand Hotel van Cleef. Fortan veröffentlichte man eben unter eigener Flagge (was ja zu Zeiten von …But Alive auch schon unter dem Banner von Wiebusch Kleinstlabel BA-Records der Fall war) und zu den eigenen Konditionen, machte sich über die Jahre auch international einen Namen (unter anderem erschienen seitdem auch Alben von Bands wie Death Cab For Cutie, den Punks von Propagandhi, Weakerthans-Frontmann John K. Samson oder Young Rebel Set bei GHvC) und steht selbst in Zeiten, in denen Plattenfirmen über den eigenen Fortbestand und sinkende Umsatzzahlen lamentieren, auf erfreulich sicheren Beinen. Ganz klar: Wiebusch und Co. zählten nie zu den leeren Schwätzern, die viel predigten und anprangerten, nur um kurz darauf den Schwanz einzuziehen – sie „zogen ihr Ding durch“ (ein profaner Ausdruck, vielleicht – aber auch so wahr). Und siehe da: Ihr Mut wurde belohnt. Von der deutschen Musikpresse wurde „Du und wieviel von deinen Freunden“ begeistert aufgenommen, wie etwa ein Rückblick von VISIONS-Redakteur Ingo Neumeyer zum zehnjährigen Jubiläum der Platte im Jahr 2012 beweist: „Persönlich, aber nicht peinlich. Intim, aber nicht aufdringlich. Offen, aber nicht voyeuristisch. […] Kettcar gehen aufs Ganze, eine Nummer kleiner ist keine Option für diese Band, die Lust auf richtig große Songs hat. Hier gibt es elf Stück davon.“. In ihren bis 2012 erschienenen vier Album wuchsen Kettcar stetig, machten mal private (beim Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ von 2005), mal gesellschaftliche Themen (beim Album „Sylt“ von 2008) zu Kernpunkten ihrer Platten. Dass beim bislang letzten, 2012 erschienenen Werk „Zwischen den Runden“ sogar kritische Stimmen laut wurden, die der Band „Belanglosigkeit“, „Befindlichkeitsrock“ oder gar „Schlagerhaftigkeit“ vorwarfen, dürfte Marcus Wiebusch und seine vier Bandkumpels wohl herzlich wenig gestört haben, denn immerhin enterten die Ex-Punks (das äußere Bild) respektive Punks (die Haltung, das Herz) mit jedem ihrer Album nach dem Debüt die deutschen Album-Top-Ten und hatten es in den Jahren nach der Band- und Labelgründung fertig gebracht, ihren Broterwerb in (beinahe) musikalischer Autarkie zu sichern – Hut ab, dafür! Wohl gerade deshalb entschlossen sich Kettcar im April 2013 dazu, eine „kreative Pause“ einzulegen. Und Wiebusch? Der begriff, dass nach mehr als zwanzig Jahren in diversen Bands endlich die Zeit für seinen Soloeinstand gekommen war…

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Ruhe… Dabei täuschen die ersten Sekunden aus „Off“, dem Eröffnungsstück von Marcus Wiebuschs Debütalbum „Konfetti„, ein wenig: Zu Zeilen wie „Die Füße spüren das Meer / Die Gedanken schweifen bis zum Horizont / Und zurück und weiter nach oben / Und dann eine Ruhe / Die mit den Stunden kommt“ schiebt sich die Nummer mit Pianogeplänkel Coldplay’scher Machart ins Bild, nur um kurz darauf samt Band, Streichern und einer ganzen Armada von Trompeten zu euphorischem Deutschpop zu erwachsen. Und wenn Wiebusch vom „Erinnern“ des „kleinen Jungen“ erzählt, so wird der Kenner des Schaffens des 45-Jährigen wohl unweigerlich an den Song „Was hätten wir denn tun sollen“ denken müssen (das Stück ist Teil von Wiebuschs nie offiziell veröffentlichtem, jedoch seit Jahren durchs Netz geisterndem Demotape „Hippiekacke“ und wurde 2004 unter dem Titel „Strand“ von Schauspieler Jürgen Vogel und der „Keine Lieder über Liebe“-Filmband Hansen Band, zu welcher auch Wiebusch, Bustorff und Uhlmann gehörten, neu interpretiert). Doch all das – und wohl auch alles Nachfolgende auf „Konfetti“ – wird überstrahlt vom geradezu massiven Siebenminüter „Der Tag wird kommen“. Allein die Textzeilen des Titels, um welchen sich in den vergangenen Wochen nahezu jedes Wiebusch-Interview zu „Konfetti“ drehte (und ihn bis in die ARD-„Tagesthemen“ brachte), füllen zwei Seiten des beiliegenden Booklets. In ihnen packt der Musiker ein Thema an, welches nicht erst seit dem Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlperger zu einem der ganz „heißen gesellschaftlichen Eisen“ zählt: Homosexualität und Homophobie im Profifussball. Zu elektronischen Stampfbeats schildert Wiebusch sprechsingend den Werdegang eines Hamburger Fussballtalents von der F-Jugend bis zum Profivertrag – so weit, so alltäglich, müsste sich dieses „Talent“ nicht Tag für Tag hinter einer Maskerade einer Bilderbuchumgebung aus Scheinheiligkeit und gesellschaftlicher „Normalität“, in der ein „Vorzeigeprominenter“ noch immer eine „Vorzeigefreundin“ mit Modelmaßen haben muss und keinen gleichgeschlechtlichen Partner, und Agenturen darauf ansetzen muss, ihm die „Fassade zu besorgen“, verstecken. Ein Leben, erschaffen aus Druck und Angst. Was im Frauenfussball ironischerweise längst gesellschaftlich akzeptiert wurde (die amtierende Weltfussballerin und ehemalige Nationaltorhüterin Nadine Angerer etwa outete sich bereits vor enger Zeit als lesbisch), ist im Machismo-Rund des übersexualisierten Männerpendants noch immer verpönt – ein freilich unnötiges Refugium der XY-Klasse, die ihren „Nationalsport Fussball“ in Stadien und an Stammtischen um jeden Preis gegen Neuzeitliches wie Metrosexualität (Was würden Cristiano Ronaldo und David Beckham wohl dazu sagen?) oder Frauenquoten verteidigen will… Gegen Ende von „Der Tag wird kommen“ bricht es also nicht ohne Grund aus Wiebusch heraus: „All ihr homophoben Vollidioten, all ihr dummen Hater / All ihr Forums-Vollschreibeer, all ihr Schreibtischtäter / All ihr miesen Kleingeister mit Wachstumsschmerzen / All ihr Bibel-Zitierer mit euer’m Hass im Herzen / All ihr Funktionäre mit dem gemeinsamen Nenner / All ihr harten Herdentiere, all ihr echten Männer / Kommt zusammen und bildet eine Front / Und dann seht zu was kommt… / Und der Tag wird kommen an dem wir alle unsere Gläser heben / Durch die Decke schweben, mit ’nem Toast den hochleben lassen / Auf den ersten, der’s packt, den Mutigsten von allen / Der erste, der’s schafft / Es wird der Tag sein, an dem wir die Liebe, die Freiheit und das Leben feiern / Jeder liebt den, den er will und der Rest bleibt still / Ein Tag, als hätte man gewonnen / Dieser Tag wird kommen“ – das Stück ist Ohnmachtserklärung und ermutigendes Schulterklopfen zugleich, eben weil hier ein äußerst sensibles Thema einer eben noch immer nicht freien Gesellschaft angepackt wird, eben weil hier Opfer und Täter beim Namen genannt werden, eben weil Wiebusch klar Stellung bezieht. „Der Tag wird kommen“ ist ohne Zweifel einer der berührendsten und wichtigsten Songs des Jahres – jetzt schon. Und er ist Wiebuschs Rückbesinnung zu den „guten, alten“ Was wir tun werden (Cover)…But Alive-Tugenden. Und dort, wo „Der Tag wird kommen“ endet, machen die nachfolgenden Songs erfreulicherweise weiter: Das bereits von der im vergangenenen Jahr veröffentlichten „Hinfort! Feindliche Macht“-3-Song-EP bekannte „Nur einmal rächen“ zeigt, dass eben manchmal auch die vermeintlichen Nerds (Stichwort: Bill Gates, Stichwort: Steve Jobs) zuletzt lachen („Wenn ich Abends einschlafe oder morgens aufwache / Mein gutes, cooles Leben wird die beste Rache / Eure Welt programmieren – meine leichteste Sache / Ein gutes, cooles Leben ist die beste Rache“). Auch das zu Elektropumschleifen sprechsingend intonierte „Haters Gonna Hate“ oder „Jede Zeit hat ihre Pest“ schlagen in eine ähnliche thematische Kerbe, ziehen die salzigen Finger über kaschierte Wunden im Fleisch der Gesellschaft und teilen offen gegen Gleichmacherei, Scheinheiligkeit und „Attention Whores“ aus. Klingt nach gepflegtem Kulturpessimismus? Dem wirkt Wiebusch freilich hingegen, lockt mit dem von Handclaps, Piano und Bläsern getragenen „Was wir tun werden“ die Euphorie (zurück) ins Studio („Wir werden reden, denn wir müssen es jemandem sagen / Aber nicht zu denen werden, die nur ein Thema haben / Wir werden die Wörter an der Luft wahr werden lassen / Werden niemanden suchen,  aber keinen verpassen / Werden die Spuren der Erinnerungen alle aufspüren / Werden Bilder versenken in alten Kartons und das eine Foto dann ein letztes Mal berühren / Werden traurige Songs hören / Nachts auf dem Balkon“), während das nicht minder tolle „Wir waren eine Gang“ den Blick in den Rückspiegel richtet und angesichts des Werdegangs des einstigen Freundeskreises auch all die kleinen jugendlichen Illusionen und Idealvorstellungen abschwenkt oder „Springen“ all jenen Mut macht, die in ihrem Leben scheinbar „Land unter“ wähnen („Die Strömung ist vielleicht gegen dich / Und egal welche Stürme toben / Halt den Kopf oben“). Fast wie ein profaner Fremdkörper inmitten dieser ernstzunehmenden gesellschaftlichen Relevanz wirkt da schon das Großstadt-Liebeslied „Der Fernsehturm liebt den Mond“, das längst vergessen scheint, als das mächtige, geradezu postrockend hohe und düstere „Schwarzes Konfetti“ Wiebuschs Soloeinstand nach 45 Minuten mit krönendem Abschluss beendet: „Und die Flucht nach vorn ein ganzes Leben gepredigt / Die Hände im Sand kurz vor der Welle verewigt / Selbst die kleinsten Gedanken / Groß und weise gedacht / Schwarzes Konfetti rieselt leise herab“.

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Für „Konfetti“ wagt sich Marcus Wiebusch zwei Jahre nach dem letzten Album seiner Stammband Kettcar auf allerlei musikalisches Neuland, arbeitete für die elf Songs seines ersten Albumalleingangs mit nicht weniger als sieben Produzenten – Philipp Steinke (Bosse), Moritz Enders (Kraftklub, Revolverheld), Robert „Robot“ Koch (Marteria, Max Mutzke), Jochen Naaf (Peter Licht, Bosse), Tobias Siebert (Sport, Me And My Drummer), Matthias Mania (Moby, Olly Murs) und Michael Ilbert (Herbert Grönemeyer, Taylor Swift) – zusammen – und das hört man dem Album stellenweise freilich an. Denn anders als noch bei Kettcar, deren Platten auch immer eine gewisse Kohärenz im Fluss aufwiesen, wirkt „Konfetti“ mehr wie ein modernes Mixtape, über deren nicht selten elektronische Grundinstrumentierung allerlei Studiogäste (etwa die umtriebigen Tausendsassas Felix Weigt und Tim Neuhaus an Bass beziehungsweise Schlagzeug, oder der Isländer Helgi Jónsson mit seinem Posaunenspiel) herfallen, während Wiebusch seinen Blick nach außen und auf die Gesellschaft richtet wie seit seligen …But Alive-Tagen – oder doch mindestens seit dem dritten, sechs Jahre zurückliegenden Kettcar-Album „Sylt“ – nicht mehr. Man merkt deutlich, dass all diese Zeilen in ihm brannten und brodelten, dass er lange und gründlich an ihnen gewerkelt hat – und nun seines Zeichens dafür brennt, sie zu singen.

Unterm Strich wagt sich Marcus Wiebusch in den elf Teilen von „Konfetti“ möglichst weit vom Kettcar’schen Klanggerüst weg, indem er die Intentionen von …But Alive – das ungeschönte Ansprechen relevanter Themen, die klaren Haltungen, den Mut zur Offenheit, aber auch: den Sprechgesang – ins Hier und Jetzt hebt. Anno 2014 werden nur die getroffenen Hunde mit tauben Ohren Wiebusch „Befindlichkeitsrock“ vorwerfen können, denn bis zum Jahresende wird sich jedes andere deutschsprachige Album – zumindest in Punkto Relevanz – an „Konfetti“ messen lassen müssen. Und trotzdem liefert Marcus Wiebusch wohl auch mit seinem neusten Werk genug Futter für all jene, die dem Musiker bereits seit den Neunzigern seine grüblerische Ernsthaftigkeit vorwerfen – haters gonna hate. Ihm wird’s recht sein, solange die Inhalte von „Konfetti“ Aufmerksamkeit finden. Denn es bleibt dabei: Marcus Wiebusch ist einer der relevantesten, zeitgeistigsten und begnadetsten Lyriker der deutschen Musikszene. Und: er trägt das Herz am richtigen Fleck, zur Not sogar auf der Zunge. Die leiht er auf „Konfetti“ all jenen, die sich mit den falschen Verhältnissen im richtigen Leben noch nicht arrangiert haben, den gesellschaftlichen Außenseitern, den Nein-Sagern und Grüblern. Für den Rest hat er bereits vor 17 Jahren deutliche Worte gefunden: „Ich sagte es gestern, sag‘ es morgen: Macht euch um mich doch keine Sorgen / Und kümmert euch zuerst um euch und fickt euch“.

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Neben einem Trailer zum Album…

…gibt es hier ein Lyric Video zum offensichtlichen Album-Favoriten „Der Tag wird kommen“…

…das Musikvideo zu „Was wir tun werden“, bei welchem Wiebusch tanzende Unterstützung von Mitgliedern der „HipHop Academy“ erhält,…

…und das bereits 2013 auf der „Hinfort! Feindliche Macht“-EP veröffentlichte „Nur einmal rächen“:

 

Rock and Roll.

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