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Song des Tages: Cold War Kids – „1 x 1″(feat. Wesley Schultz)


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Die kalifornischen Indie-Rocker Cold War Kids haben mit „1 x 1“ einen zwar ungewohnt zurückhaltenden, jedoch umso eindrücklicheren neuen Song veröffentlicht, der ein wenig Licht auf einen Teil der Gesellschaft wirft, welcher aufgrund der aktuellen Situation – ebenso in den USA wie auch hier – eventuell ein bisschen zu sehr aus den Medien und Köpfen verschwunden ist.

ab67616d0000b27335f67118f0443ca3573b3a53„Dieses Lied wurde durch die Geschichten von Migrantenkindern inspiriert, die an der Grenze von ihren Familien getrennt wurden“, so Sänger Nathan Willett in einem Statement. „Jetzt, da wir alle unter Quarantäne stehen, hat es [der Song] eine zusätzliche Bedeutung bekommen… Wir bleiben, jeder für sich, getrennt, um uns gegenseitig zu helfen.“

Bei dem von Willetts Akustikgitarre dominierten Stück schrieb die Band den Text des Songs gemeinsam mit Brent Kutzle von One Republic, während Wesley Schultz (The Lumineers) die fünfköpfige Band, deren jüngstes Album „New Age Norms 1“ im vergangenen November erschien, am Gesang unterstützt.

Aufgrund der auch auf er anderen Seite des Atlantiks (noch) vorherrschenden Ausgangsbeschränkungen zeigt das in Schwarz-weiß gehaltene Musikvideo Nathan Willett, der mit seiner Akustischen allein am Mikrofon steht, während Projektionen von Wesley Schultz und den anderen Bandmitgliedern, welche die Harmonien und den Refrain singen, über Leinwände im Hintergrund flimmern…

 

 

„In a flash of sleep
The dream that broke my heart
There were no border lines
Keeping us apart

But then I wake up
To the sound of crying kids
No mothers here to hold
We can only wish

So I’ll sing you a song
To show you my mind
Its all that I can do
To help us pass the time

One by one
We will come
You make me wait
Counting my mistakes

One by one
We will come
You make me wait
At the gate
To see your face again

Walked a thousand miles
To this promised land
Little did we know
We were already damned

How can I find sleep
When they wont turn off the light
My stomachs rumbling
No more dreams tonight

I’ll sing you a song
Cuz I’m so far down
The hardest thing to do
Make a joyful sound

One by one
We will come
You make me wait
Counting my mistakes

One by one
We will come
You make me wait
At the gate
To see your face again

One by one
We will come
One by one
One by one
You make me wait
Counting my mistakes

One by one
One by one
We will come
You make me wait
You make me wait
Counting my mistakes“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Frights – „Leave Me Alone“


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Foto: Rowan Daly

Manchmal braucht es nur eine Akustikgitarre und Menschen, die sie cool spielen können. The Frights-Frontmann Mikey Carnevale ist, wie’s scheint, einer von ihnen…

71rZhHj8ulL._SS500_Und er bringt ein gutes Gesamtpaket mit: Die Lo-Fi-Produktion, die mal zu laut und mal zu leise ist, Songs unterbricht, Alltagsgeräusche einstreut und diese zwischen den Liedern ganz offensiv zur Schau stellt. Die lebensmüde Katerstimme, diese Laissez-faire-Gitarre und dazu gesungene Zeilen wie „I was born 20 years ago / I’m not good at being a friend“ aus dem feinen Album-Opener „24“ (passenderweise wird selbiges vom Song „25“ beschlossen). Das vierte Album der vier Surf-Punk-Poprocker aus dem kalifornischen San Diego, welches etwa eineinhalb Jahre nach dem Vorgänger „Hypochondriac“ erscheint, hätte eigentlich ein Soloalbum ihres Sängers werden sollen – und so hört es sich, ganz im Gegensatz zu den bisherigen Songs der Band, auch an. Ist aber völlig egal, weil es gut ist. „Everything Seems Like Yesterday“ ist eine ebenso niedergeschlagene wie optimistische Akustikgitarrenplatte ohne jegliche aufgesetzte Attitüde. Ohne Vollbart, ohne Karohemd – aber auch ohne Surfbrett und Halskette. Stattdessen tönen die zehn Stücke nach der Art Sonntagnachmittag, an dem man keine Cola trinken kann, weil sie noch zu sehr nach dem Schnaps vom Vorabend schmeckt. Klar: Darauf muss man Bock haben oder sich ebenfalls in der gleichen Verfassung befinden. Stimmen die Parameter jedoch, dann belohnen Carnevale und seine Bandmates Jordan Clark (Gitarre), Richard Dotson (Bass) und Marc Finn (Schlagzeug) – allerdings half lediglich Bassist Dotson dabei, das Album innerhalb von nur einer Woche aufzunehmen – den Hörer mit herrlich altmodischem Unplugged-Indie der Güteklasse The Shins, Matt Pryor, The Kooks oder Maritime (kritische Schreiberlinge hören hier gar „a bad Bright Eyes cover band“ heraus). Mit einer Platte, die keine Hits braucht, weil sie stattdessen eine halbe Stunde in die Hängematte einlädt und die Schäden der Woche repariert (oder eben von den Kopfschmerzen des Vorabends befreit). Den trendigen Kram kann man ja auch noch morgen hören… Dann, wenn auch die Cola wieder schmeckt.

 

“A lot of these songs are about friends who are gone now, either in the sense that they passed away or that we don’t speak anymore. Our songs have always involved some kind of looking back over the past, but this one feels like the first time where I’m dealing with those situations and growing from them.” (Mikey Carnevale)

 

 

Via Bandcamp kann man „Everything Seems Like Yesterday“ in Gänze hören:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Levi Robin – „No Other“


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Eines steht fest: Levi Robin ist ein Suchender – und das definitiv nicht nur in musikalischem Sinne. Dem Nachspüren neuer Klänge ist der in einem jüdischen Haushalt im kalifornischen Huntington Beach aufgewachsene Singer/Songwriter jedoch bereits früh verfallen, wie der heute 28-Jährige vor knapp zwei Jahren in einem Interview erzählte. Im Alter von 13 Jahren bekam er seine erste Gitarre geschenkt, auf der der talentierte Autodidakt sich schnell den ein oder anderen Akkord beibrachte, eine Band gründete und mit dieser erste Bühnengehversuche in kleinen Clubs rund um Hollywood und Venice Beach wagte. Wohl zum Ausgleich zur oberflächlich schönen (Schein)Fassade der „Traumfabrik“ begann Yaakov Levi Robin außerdem, immer tiefer in die verschiedensten Strömungen des Judentums einzutauchen, entdeckte den Chassidismus und die Chabad-Philosophie für sich, studierte viele Schriftwerke und beschloss nach dem Tod seines Vaters, regelmäßig die Synagoge zu besuchen und an der Jeschiwa, einer jüdischen Hochschule, zu studieren.

Die religiöse Frömmigkeit hielt Robin jedoch keineswegs davon ab, weiterhin musikalisch kreativ zu sein. So erschien 2013 seine selbstbetitelte Debüt-EP, auf die recht schnell auch ein gewisser Matisyahu stieß. Der vor allem in den USA sowie in der jüdischen Popkultur enorm erfolgreiche Reggae-Beatbox-Musiker lud Robin nicht nur als Opening Act zu sich auf die größeren Bühnen ein, sondern auch ins heimische New York City, wo der Newcomer dank „Matis“ schnell weitere Kontakte knüpfen konnte.

1583577057_folderUnd auch seinen Musikstil weiter formte. Denn wo die sechs Songs seiner Debüt-EP noch mit seiner Akustischen und mal ein paar Streichern, mal einem Tambourine vornehmlich spartanisch ums Americana-Folker-Eck lugten, klingen nun auf dem vor wenigen Tagen erschienenen Debütalbum „Where Night Meets Day“ deutlich vielfältigere, deutlich ausladendere Klangwelten an. Im Zentrum der zwölf Stücke steht freilich Robins mal an andere meist stille Folk-Troubadoure wie Scott Matthew, Ray Lamontagne, Keaton Henson oder Sam „Iron & Wine“ Beam gemahnende, mal ähnlich markdurchdringend wie weiland Jeff Buckley vor Emphase nur so zitternde Stimme, sodass man sich diese ganz Ton gewordenen spirituellen Zwiegespräche mit höheren Mächten nur allzu gut bei einem andächtigen Konzert in einem Gotteshaus vorstellen kann.

Dass sich alles viel weltferner lesen mag als es schlussendlich klingt, beweisen etwa die Single-Auskopplung „No Other“ sowie das dazugehörige animierte Musikvideo. Für selbiges zeichnen sich die Künstlerin Abbey Luck sowie Produzent Brian Savelson verantwortlich, die in ihren Bildern die Reise eines alten, von der Zeit gezeichneten Mannes schildern, der, ähnlich wie Levi Robin, auf der Suche nach einem Sinn, nach Antworten ist. Während dieser Reise wird der Greis von einer Oase der Eitelkeiten und des Genusses angelockt, entscheidet sich jedoch stattdessen dafür, einen tieferen Sinn in seinem Leben zu finden.

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Wie bereits erwähnt ziehen die Stücke von Robins erstem Album ihre Inspirationen vor allem aus seinem jüdischen Glauben und seiner Erziehung, was es als Ganzes wohl noch fragiler, noch einzigartiger strahlen lässt. „Ein Großteil des Albums ist von meiner Faszination und meiner Hingabe zu den kabbalistischen Lehren der Thora beeinflusst, auch wenn es vielleicht nicht so rübergebracht wird, wie es der Hörer erwartet oder dass er es gleich erkennt. Zum einen ist fast alles in Parabeln geschrieben. Außerdem könnte man erwarten, dass Spiritualität mit einer Art losgelöster Erleuchtung, himmlischer Zufriedenheit und grenzenlosem Idealismus einhergeht, und das wäre wahr, wenn die Seele sich gerade in einer himmlischen Welt befände, aber in Wahrheit sind wir Seelen, die in einer materiellen Welt gefangen und dort Herausforderungen und Unoffensichtlichkeiten, Prüfungen und Drangsalen ausgesetzt sind.“

Ganz gleich, auf welcher Seite des Tages – am juvenilen Anfang, am weidwunden Ende – oder spirituellen Ufers man selbst gerade stehen mag, ganz gleich, welche Musik man sonst mögen mag – Levi Robin möchte, dass der Hörer sich mit seiner Musik auf eine Weise identifiziert, in der es sich beinahe anfühlt, als würde sie, die Musik, tief aus dem eigenen Innersten kommen. „Es gibt mehr als nur den Sound, den ich versuche, zu vermitteln“, sagt er. „Diese Schwingungen tragen eine Botschaft nur für dich mit sich. Wenn du diese Lieder hörst, dann hoffe ich, dass du sie nicht als die meinigen hörst. Ich hoffe, du hörst sie als deine eigenen.“

Und ganz gleich, wie sehr man sich seine irgendwo zwischen das Experiment wagendem Singer/Songwritertum, spirituellem Folk und feingliedriger Americana tönenden Songs wirklich einverleibt – Levi Robin hat auf „Where Night Meets Day“ Musik geschaffen, die mal somnambul stillstehen mag, mal im hellsten Sonnenlicht zu erstrahlen scheint. Und einen bestenfalls ein stückweit auf dem Weg der eigenen Suche begleitet. Wasauchimmer man am Ende suchen mag…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Phoebe Bridgers – „Garden Song“


Eigentlich – und aller Umtriebigkeit zum Trotz – längst überfällig, hat Phoebe Bridgers nun ihre neue Single „Garden Song“ veröffentlicht. Zu Beginn des dazugehörigen Lo-Fi-Musikvideos nimmt die eigentlich drogenabstinente, nichtrauchende US-amerikanische Indie-Singer/Songwriterin einen Zug aus einer Bong. Prompt tauchen im Dunst seltsam-skurrile Gestalten auf…

Trotz fehlender Ankündigung ist der zurückhaltende Song aller Wahrscheinlichkeit nach der erste Vorbote von Phoebe Bridgers‘ zweitem Soloalbum, das seit dem vergangenen Herbst in der kreativen Pipeline steckt – und tatsächlich ihre erste Eigenkomposition seit dem erfolgreichen 2017er Debütwerk „Stranger In The Alps“.

doc200.dig1_-1582654468-640x640In einem Radiointerview erzählte Bridgers zum Stück, das sie schon seit etwa einem Jahr live spielt, dass sie beim Schreiben an ihre Heimatstadt Los Angeles und an wiederkehrende Albträume gedacht habe. Im Refrain begleite sie ihr Tourmanager, ein Niederländer namens Jeroen. „Mir wurde klar, dass er die Stimme eines Engels hatte, als er mit mir im Van einen Mitski-Song sang“, so Bridgers. „Er war zwei Oktaven unter mir, und ich sagte: ‚Du klingst wie ein niederländischer Matt Berninger.'“ (Apropos Matt Berninger: Mit dem The National-Frontmann nahm Bridgers nicht nur unlängst das Duett „Walking On A String“ auf, sondern kündigte noch vor der neuerlichen Songpremiere eine große Tour im Vorprogramm von The National und The 1975 an.)

Für die kreative Umsetzung des DIY-Videos zu „Garden Song“ zeichnet sich Bridgers‘ Bruder Jackson verantwortlich. Post-inhalativ betreten seltsam Kostümierte das kleine Schlafzimmer, darunter ihr Schlagzeuger und Co-Songschreiber Marshall Vore, die Humoristin Tig Notaro und Kumpel Christian Lee Hutson (über den auch bereits auf ANEWFRIEND zu lesen war), der auch die Gitarre einspielte. Der Song ist eine Reflexion über das Erwachsenwerden, die Realisation, wohin einen die eigenen Träume geführt haben, und darüber, dass sich Dinge auch dann verändern, wenn man eigentlich viel zu beschäftigt ist, um es zunächst zu bemerken. Stilistisch schließt der Vierminüter nahtlos an das Solodebüt der Musikerin an und vereint Melancholie und Zerbrechlichkeit im Folk-Song-Format.

Apropos Debüt: Obwohl „Stranger In The Alps“ bereits fast drei Jahre alt ist, war es – regelmäßige Blog-Besucher dürften ohnehin bestens informiert sein – danach doch alles andere als ruhig um die 25-jährige kalifornische Songwriterin. Nicht nur bildete sie mit Conor „Bright Eyes“ Oberst unlängst das Duo Better Oblivion Community Center (deren selbstbetiteltes Debüt im vergangenen Musikjahr in ANEWFRIENDs Top 3 spielte) und mit ihren Songwriter-Freundinnen Lucy Dacus und Julien Baker das Trio Boygenius und veröffentlichte mit beiden Projekten gefeierte Platten, immer wieder trat sie auch als Gastsängerin in Erscheinung. Unter anderem auf Mercury Revs Tribute-Album „Bobbie Gentry’s ‚The Delta Sweete‘ Revisited“ oder in den Duetten „The Night We Met“ mit Lord Huron, gemeinsam mit Noah Gundersen und „7 O’Clock News/Silent Night„, einem Simon & Garfunkel-Cover mit – da isser wieder! – The-National-Frontmann Berninger und Fiona Apple.

Da gingen die (weiteren) Solo-Coversongs der jüngsten Vergangenheit fast unter. 2017 „The House That Heaven Built“ von Japandroids und der Judy-Garland-Klassiker „Have Yourself A Merry Little Christmas„, 2018 eine ganze Reihe: McCarthy Trenchings „Christmas Song„, The Cures „Friday I’m In Love„, (Sandy) Alex Gs „Powerful Man“ und Tom Pettys „It’ll All Work Out„. 2019 dann das Tom Waits-Cover „Georgia Lee„.

Zuletzt hatte Bridgers außerdem ihren Sinn fürs Selbstironisch-komödiantische unter Beweis gestellt und mit Conor Oberst in einer Mini-Mockumentary für die Late-Night-Talk-Sendung von Conan O’Brien mitgespielt. Stillstand? Geht wohl anders. Trotzdem: lääääängst überfällig, die neue eigene Platte…

 

 

„Someday I’m gonna live
In your house up on the hill
And when your skinhead neighbor goes missing
I’ll plant a garden in the yard then
They’re gluing roses on a flatbed
You should see it, I mean thousands
I grew up here till it all went up in flames
Except the notches in the doorframe

I don’t know when you got taller
See our reflection in the water
Off a bridge at the Huntington
I hopped the fence when I was seventeen
Then I knew what I wanted

And when I grow up, I’m gonna look up
From my phone and see my life
And it’s gonna be just like my recurring dream
I’m at the movies
I don’t remember what I’m seeing
The screen turns into a tidal wave
Then it’s a dorm room, like a hedge maze
And when I find you
You touch my leg and I insist
But I wake up before we do it

I don’t know how, but I’m taller
It must be something in the water
Everything’s growing in our garden
You don’t have to know that it’s haunted
The doctor put her hands over my liver
She told me my resentment’s getting smaller
No, I’m not afraid of hard work
I get everything I want
I have everything I wanted“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: All Souls – „You Just Can’t Win“


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Foto: Memo Villasenor

Die LA-Rocker All Souls haben ein nagelneues Musikvideo zu ihrer ebenfalls recht frischen Single „You Just Can’t Win“ veröffentlicht, das man sich durchaus ansehen sollte. Der Song (den man über verschiedene Plattformen streamen/kaufen kann) schlägt so einige kritische Töne an, die sich explizit gegen ebenjenen populistisch unterfütterten Rassismus und jene latent brodelnde Gewalt richten, die die ach so moderne westliche Gesellschaft von Jahr zu Jahr, von Wahl zu Wahl immer fester in ihren entmenschlichten Würgegriff nehmen. Für das Musikvideo hat sich die Band um Antonio Aguilar (Gesang, Gitarre), Meg Castellanos (Bass, Gesang), Tony Tornay (Schlagzeug) und Erik Trammell (Gitarre) mit Regisseur Marcos Sanchez zusammengetan, der aus handgezeichneten Animationen, gemischt mit altem Archivmaterial, einen auch visuell sehr originellen Clip gezaubert hat, um die Aussagen des Songs noch deutlicher zu machen.

71MQgMDQtPL._SY355_„You Just Can’t Win“ fungiert dabei als Vorbote zum neuen Album „Songs For The End Of The World“, welches im Laufe des Jahres erscheinen soll. Ob der Nachfolger zum 2018 veröffentlichten selbstbetitelten Debüt, das das Quartett mit Produzent Toshi Kasai (Tool, The Melvins, Foo Fighters) aufnahm und schon damals mit prominenten Gastmusikern wie etwa Tool-Drumming-Derwisch Danny Carey (beim Song “Sadist/Servant‰“) locken konnte, mit ganz ähnlicher Musik, die geprägt von der Weite des Spaghetti Westerns, dem Surf Rock und dem rauen Stoner-Riffing ist und stolz die wilden Trademarks der Palm Desert-Szene der Neunzigerjahre mit einem Hauch von psychedelischem Voodoo und metallischer Schärfe trägt, ums Eck kommen mag?

Nun, bereits bei „You Just Can’t Win“ meint man anhand von Aguilars wütendem Gesang über einigen recht bedrohlichen Gitarren allerlei Wut und Verachtung zu spüren. Der Song selbst fügt sich hiermit sehr gut in die übrige Diskographie von All Souls ein, die sich auch in Szene-Kreise außerhalb von Los Angeles – und durch Tourneen an der Seite von Tool, Red Fang, The Sword oder Kvelertak – als eine Band etabliert hat, die immer etwas zu sagen hat. Ihre Stücke sind lyrisch dunkel und durchdrungen von ihrem eigenen, einzigartigen Alternative-ROCK-Stil, während das Quartett auf einer zweiten, tieferen Ebene eigene Perspektiven hinsichtlich globaler Themen liefert. Triebfeder der lyrischen Sichtweisen sind die Erfahrungen von Sänger und Gitarrist Antonio Aguilar, der aus seiner eigenen Perspektive eines farbigen Mannes in den „modernen“ Vereinigten Staaten schreibt. Da auch er seit seiner Jugend nahezu ständiger Diskriminierung ausgesetzt ist, weiß Aguilar leider nur allzu gut, wie hart das Leben für Minderheiten, die versuchen, ihren eigenen Weg zum Erfolg zu finden, wirklich sein kann. „You Just Can’t Win“ strotzt dabei gleichzeitig vor Emotionen, Wut, Trauer und Mitgefühl – und, natürlich: ROCK.

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Cherry Glazerr – „Ohio“


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Foto: Promo / Pamela Littky

Die Zukunft klingt divers, die Zukunft klingt vielversprechend: In nahezu jedem Kindergarten wissen sie – Krabbelgruppe hin oder her – von toxischer Maskulinität. Schüler(innen) weltweit streiken, angetrieben von neuen jungen Ikonen wie Greta Thunberg, ebenso lautstark wie medienwirksam freitäglich für den Klimaschutz. Und die „Generation Z“ der Jahrgänge um 1995 geht so entspannt mit sexuellen Identitäten um, als hätte es nie ein Patriarchat gegeben. Passenderweise ist hier eine Künstlerin, die für diese kommende Zeit stehen könnte: Clementine Creevy, Frontfrau der aufstrebenden kalifornischen Rockband Cherry Glazerr.

Für das Magazin Vice, das seit Jahr und Tag ja ohnehin für unbequeme Aussagen bekannt sein dürfte, ist Creevy bereits eine neue‚ feministische Punkikone. Weder kommt sie deviant rüber wie die große Punk-Poesie-Godmother Patti Smith, noch hat sie eine gängige Normen verlachende Körperlichkeit wie Lagerfelds Plus-Size-Muse Beth Ditto oder eine permanent zwischen Sanftheit und Angriff pendelnde Präsenz wie Skunk Anansie-Frontfrau Skin. Clementine Creevy ist eher gemacht für Instagram, 22 Jahre jung, beinahe idealtypisch hübsch und auf marktkonforme Weise stark wie smart. Gerade daraus belegt sie ihre Gegenwart mit beißendem Spott: „Who should I fuck, daddy? Is it you?“, fragt sie etwa unumwunden im Song „Daddi“ auf dem im Februar erschienenen dritten Album „Stuffed & Ready“.

Cherry-Glazerr-ADW-410Man hört aus dem Text (und nicht nur aus diesem!) eine Wut über Verhältnisse, in denen gerade ihre Jugendlichkeit eine sexuelle Währung ist. Dazu tönt Musik, die kraftvoll und experimentell zugleich klingt, so wie der Sound der frühen Yeah Yeah Yeahs – jene New Yorker Garagepunk-Band, deren Sängerin Karen O seinerzeit, kurz nach der Jahrtausendwende ganz ähnlich wahrgenommen wurde. Wie Machtverhältnisse das Körperinnere durchziehen, ist auch Thema des Titelsongs „Stuffed & Ready“. Creevy erklärt dazu: „Die Texte meines Albums sind selbstreflexiv. Ich hatte das Bedürfnis, Songs zu komponieren, mit denen ich beschreibe was ich durchlebe.“

Das 2017er Vorgängeralbum war demgegenüber noch klassischer politisch – „politisch“ im Sinne von Pussy Riot, den Riot Grrrls von Bikini Kill und (feministisch geprägtem) Punk, schon im Titel ikonisch: „Apocalipstick“ mit seinen sich an Themenkomplexen wie Sexismus, Diskriminierung oder Intoleranz abhandelnden Kleinoden wurde – wohl nicht ganz auf Zufall gestellt – am Tag der Amtseinführung von US-Präsident Trump veröffentlicht. „Auf ,Apocalipstick‘ habe ich gesagt, was ich denke, auf ,Stuffed & Ready‘ zeige ich allen, wer ich bin.“ So präsentieren sich Cherry Glazerr diesmal, der wütenden Introspektiv-Innenschau fast widersprechend, eher als etwas andere großformatig produzierte, fokussierte Alternative-Rock-Band denn als wild-raudauige DIY-Garage-Explosion. Das lässt den Sound an manchen Stellen eventuell etwas beliebiger erscheinen, dafür gehen Songs wie „Wasted Nun“ (das ein stückweit an 2014er Glanzlicht „Nurse Ratched“ anschließt) oder die Eröffnungsnummer „Ohio“ deutlich besser ins Ohr. „Ich wollte Musik machen, die knallt. Die Songs verdienen das!“, wie die Gitarre spielende Frontfrau meint.

Musikalisch sind Cherry Glazerr also – fast logischerweise, und obwohl man in den gelungensten Momenten meint, einen Hauch der Pixies oder von Kurt Cobains unnachahmlicher Fuck-Off-Pop-Attitüde zu vernehmen – nur halb so weltbewegend und bemerkenswert wie die Person, die die Zügel in der Hand hält. Denn Cherry Glazerr ist nicht nur nach außen vor allem das Projekt von Clementine Creevy, sie ist auch tatsächlich die einzige Konstante der Band. Creevy gründete das Projekt 2013 im heimischen Los Angeles mit einigen Highschool-Buddies (nachdem sie bereits ein, zwei Jahre Erfahrungen in anderen Formationen gesammelt hatte), seitdem hat sie immer wieder neue Gefährt*innen gewinnen können. Zuletzt stieg Keyboarderin Sasami Ashworth aus der Gruppe aus, statt ihrer kam Bassist Devin O’Brien an Bord (und hat das Bandschiff mittlerweile wohl auch schon wieder verlassen).

„Für mich ist Cherry Glazerr eine Band, zu deren Essenz eine Vielzahl von Personalwechseln gehört. Ich lenke dieses musikalische Floß, auf das Künstler auf- und wieder abspringen, während die Musik weiter fließt.“

Und die Politik? Ist Clementine Creevys Generation so viel forcierter und auf produktive Art und Weise drängender als die alten Nihilist*innen der „Generation X“ und die ihre Wut ins Schwarzironische verflüchtigende Generation der „Millennials„?

„Die Leute sind genauso meinungsstark und politisch, wie sie es immer waren. Aber wir leben in den Zeiten von Trump. Es muss etwas geschehen. Aber momentan mühen wir uns vor allem damit ab, überhaupt zu überleben“, analysiert Creevy. „Feministin bin ich während meines Studiums geworden. Women’s Studies haben mein Leben verändert und mich alles gelehrt, was zählt. Ich glaube, was meine Generation wirklich beschäftigt, ist, dass es ein Mehr an allem gibt. Auch an Information.“

Vielleicht, ja vielleicht wird ja doch noch alles gut…

 

 

„1, 2, 3, 4

I walked until my face got red, I walked on
The light inside my head went dead, I turned off

I wish myself the best, but I’m broken
The light inside my head went dead, and I turned off

When you’re moving, there’s no ground beneath you
When you’re moving, there’s no ground beneath you
In the winter

She told me to stay the same, I pushed her into my game
I’m full of the bad, bad problems, so just take me away

Just take me away, just take me away
Just take me away, just take me away“

 

Rock and Roll.

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