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Song des Tages: José González – „Smalltown Boy“


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Foto: Promo / Malin Johansson

Wenn man so will, ist José González der potentiell argentinischste Schwede kreuz und quer im Drei-Kronen-Staat. Zumindest, was die reine Optik betrifft. Denn musikalisch bedient der Sohn argentinischer Einwanderer, Baujahr 1978 und aufgewachsen in Göteborg, zwar teilweise fulminant und wie genetisch selbstverständlich die Akustikgitarre, doch von rassigem, vor Temperament nur so strotzendem „Vamos!“-Flamenco und Co. könnten die Folk-Songs des 40-jährigen Musikers kaum weiter entfernt sein. Vielmehr hat sich massig skandinavische Melancholie ins südländische Blut gemischt. Und gerade das macht González‘ Stücke, die seit 2003 auf drei Solo-Alben (zuletzt 2015 „Vestiges & Claws“ sowie im Februar via PledgeMusic das feine Live-Album „Live in Europe“ mit The String Theory) und zwei Werken mit seiner Band Junip gebündelt wurden, so besonders. Eine heiße Seele, kühle Gedanken – tolles Gitarrenspiel, grandiose, unverkennbare Stimmfarbe. Ist seit dem ersten Mini-Hit „Crosses“ bewährt großartig, wird es auch bleiben.

61IuRB4JsBL._SS500_Was José González noch ein stückweit einzigartiger macht, ist sein Gespür, Kompositionen fremder Künstler zu seinen eigenen zu machen. Man höre nur seine Interpretationen von Massive Attacks gefühligem Ewigkeits-TripHop-Gassenhauer „Teardrop„, The Knifes „Heartbeats„, Joy Divisions überlebensgroß-abgründige Abschwur an die Liebe „Love Will Tear Us Apart“ – oder „Smalltown Boy“, im Original 1984 von Bronski Beat in die Plattenläden gestellt und – gerade zu dieser Zeit – eine durchaus mutige Homosexualitätsoffenbarungshymne, verpackt in discolastigen Synthie-Pop (da hatte Jimmy Somerville anderen heutigen Schwulen-Ikonen wie Freddie Mercury, George Michael oder Boy George einiges voraus). Nach González‘ Neofolk-Vereinnahmung (erschienen 2007 als B-Seite der Single „Down The Line„) wird daraus das Abschiedsstück eines jungen Suchenden, der zwar (noch) keine Heimat hat, jedoch – nebst Wehmut und Schmerz – auch massig Hoffnung im Herzen trägt… *hach*

 

 

„You leave in the morning
With everything you own
In a little black case
Alone on a platform
The wind and the rain
On a sad and lonely face

Mother will never understand
Why you had to leave
But the answers you seek
Will never be found at home
The love that you need
Will never be found at home

Run away, turn away, run away, turn away, run away
Run away, turn away, run away, turn away, run away

Pushed around and kicked around
Always a lonely boy
You were the one
That theyd talk about around town
As they put you down

And as hard as they would try
Theyd hurt to make you cry
But you never cried to them
Just to your soul
No you never cried to them
Just to your soul

Run away, turn away, run away, turn away, run away
Run away, turn away, run away, turn away, run away

Cry, boy, cry…

You leave in the morning
With everything you own
In a little black case
Alone on a platform
The wind and the rain
On a sad and lonely face

Run away, turn away, run away, turn away, run away
Run away, turn away, run away, turn away, run away“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Riley Pearce – „Brave“


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Manchmal, ja manchmal darf man sich gut und gern diese Frage stellen: Wo zur Hölle kommen die nur alle her, diese melancholischen jungen Männer, die noch keine Dreißig sind, einem jedoch vom Leben, der Liebe, der Vergänglichkeit und der großen, weiten Welt erzählen (wollen)?

Im Fall von Riley Pearce könnte man antworten: aus dem australischen Perth.

Gut, der Indie-Alt.Folker ist nicht die größte Hausnummer im Musikzirkus. Wenn man jedoch Songs wie „Brave“ hört, könnte man mutmaßen, dass es der Mittwanziger noch weit bringen wird.

Schließlich hat das Stück, welches bereits 2016 auf der „Outside The Lines EP“ erschien, alles, was die gefühlige Indie-Zielgruppe zum Träumen bringen dürfte: die melancholische Grundstimmung, die im Verlauf des Songs von dezent dynamischem Schlagwerk sowie einer einsamen Trompete durchbrochen wird, den zarten Schmelz im Stimmtimbre, genau das richtige Textamalgam aus Sehnsucht und Aufbruch. Und auch die (zumeist bärtigen) Vorbilder von José González über Ben Howard oder Lord Huron bis hin zu Justin „Bon Iver“ Vernon passen irgendwie perfekt in Riley Pearce‚ Klangbild, sodass es kaum verwundert, dass das Stück bereits in Serien wie „Shadowhunters“, oder jüngst einer Episode der 11. Staffel von „Shameless“ (wo ich auf den Song gestoßen bin) zu hören war und via Spotify bereits mehr als fünf Millionen mal gestreamt wurde…

 

 

„You’re scared ‚cause I am, too
This feeling in my head, is being there for too long
We sleep now with the light on
But shadows make shapes in the light
And I don’t know what they might be
You called me, because I answered
So cover your toes with the jacket in your hands
And the bones with the blanket
She tells me that I will be alright
And for a second it feels that I believe her
‚Cause I forget the way that I’ve felt

I’m trying, I’m just trying to be brave
I’m just trying to be brave
(Oh-oh-oh-oh)
I’m just trying to be brave
(Oh-oh-oh-oh)
I’m just trying to be brave

There’s somebody who heard it that splits us right down to the middle
But I’d be coming back for you
But lost, ‚cause I answered
Directions mean nothing in the dark
And I don’t know where you stand
The maps are gone, so are our footprints, too
To get home now will take something that I’m not sure that I have left

I’m trying, I’m just trying to be brave
I’m just trying to be brave
(Oh-oh-oh-oh)
I’m just trying to be brave
(Oh-oh-oh-oh)
I’m just trying to be brave

I’d be coming back for you
I’d be coming back for you
(I’d be coming back for you)“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ray Scully – „Teardrop“


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Oft gehört, mehrfach gecovert und doch selten erreicht: „Teardrop“ von Massive Attack. Hierbei von einem „Klassiker“ zu sprechen, grenzt schon an Untertreibung, immerhin hat auch das dazugehörige Album „Mezzanine“ seit seinem Erscheinen im Jahr 1998 nichts, aber auch gar nichts von seiner Größe und Faszination verloren (von mir wird das Album übrigens – nur halb scherzhaft – heute noch immer in der Liste der „besten Beschlafalben“ Seite an Seite mit Sigur Rós‘ „Ágætis byrjun“ geführt).

Dass die Coverversion von Ray Scully dezent an jene von José González erinnert? Geschenkt, immerhin besitzt niemand Rechte oder Patente auf gelungene Wiederverwertungen. Und irgendwie schließt sich bei der Scully’schen Variation auch die Lücke von González zum Massive Attack-Original…

 

(Apropos „geschenkt“: via Soundcloud kann man sich das Ray Scully-Cover von „Teardrop“ auch kostenlos aufs heimische Abspielgerät laden…)

 

Und da’s noch immer so großartig und geradezu ikonisch ist, hier die Originalversion samt dem nicht minder tollen Musikvideo:

(via Vimeo steht das Musikvideo hier zur Verfügung…)

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

There Will Be Fireworks – River & In Excelsis Deo (live at Old Mill Studios)

TWBF Old Mill Studios

Da hat die schottische Band um Frontmann und Sänger Nicky McManus kurz vor Ende des vergangenen Musikjahres mit „The Dark, Dark Bright“ in der Tat ein Zweitwerk nach Maß in die Regale gestellt, mit dem wohl nur jene rechnen durften, die schon das 2009 erschienene und bis heute – völlig zu unrecht – sträflichst missachtete selbstbetitelte Debüt nicht mehr aus ihren Ohren und Playlists bekamen. Alle anderen – Medienschaffende wie Otto-Normal-Hörer mit Hang für gitarrenrockistisches Pathos – reagierten freilich euphorisch bis positiv erstaunt auf die zwölf neuen Stücke des schottischen Fünfers, und auch in 2014 dürften There Will Be Fireworks (allein der Name ist noch immer Weltklasse, oder?) noch so einige neue Fans mehr einsammeln, was wohl – hoffentlich, denn Tourneeankündigungen gestalten sich, solang‘ die Musik nur ein schönes Hobby bleibt, natürlich schwierig  – auch an ihren intensiven Livevorträgen liegt. Überzeugen davon könnt ihr euch nichtsdestotrotz anhand des neuen Songs „River“ sowie der TWBF-Version des Weihnachtsstücks „In Excelsis Deo“, welche die Band kürzlich in den heimatlichen Old Mil Studios in Strathaven, einer kleinen Stadt südlich von Glasgow, einspielte…

 

 

 

Charles Bradley – Changes 

Charles Bradey

Erinnert ihr sch noch an die beiden ganz hervorragenden abendfüllenden Musikdokumentationen „Searching For Sugar Man“ und „A Band Called DEATH„, die ANEWFRIEND euch im vergangenen Jahr vorgestellt hat? In die gleiche Kerbe schlägt auch der 2012 erschienene Dokufilm „Charles Bradley – Soul Of America„, die den heute 65-jährigen Afroamerikaner Charles Bradley beim Erleben seines größten Traums begleitet: einem eigenen Album. Davor lebte der Mann jahrelang auf der Straße oder schlug sich, mehr schlecht als recht, mit Gelegenheitsjobs am unteren Ende des Existenzminimums durch. Erst während einem seiner raren Auftritte als James Brown-Imitator wurde Gabriel Roth, einer der Köpfe des funk- und soullastigen Daptone Records-Labels, auf ihn aufmerksam und stattete Bradley mit einem Plattenvertrag aus. Klar: wer nun Songs wie die kürzlich veröffentlichte Coverversion des Black Sabbath-Klassikers „Changes“ hört, der fragt sich wohl völlig zu recht, wieso die Musikwelt eine Stimme wie die von Bradley so lange außer Acht lassen konnte. Aber das sind sie nun einmal, die Geschichten, die das Leben so schreibt…

 

 

 

José González – Stay Alive

Stay Alive

Natürlich lässt es sich jedes Mal aufs Neue vorzüglich über Ben Stiller und sein schauspielerisches Können streiten. Auch sein neuster Film „The Secret Life Of Walter Mitty„, das als Neuverfilmung einer Verfilmung (von 1947) einer Kurzgeschichte (von 1939) vom Seelenleben und des Existenzängsten eines Fotoarchivars erzählt, dürfte wohl daran nichts ändern. Ganz anders verhält es sich dafür mit dem dazugehörigen Soundtrack, der neben dem ein oder anderen größeren Namen (David Bowie, Jack Johnson) vor allem Songs mit Songs von José González, dem schwedischen Musiker mit dem spanischen Namen und der so besonderen Stimme, sowie seiner Zweitband Junip aufwartet. Für das Musikvideo zum neuen Stück „Stay Alive“, das aus der Feder von keinem Geringeren als Ryan Adams stammt, schlüpft González selbst in die Haut der Ben Stiller-Figur Walter Mitty. Und für den Soundtrack wagte sich der Musiker sogar an die Neuinterpretation des John Lennon-Klassikers „#9 Dream“…

 

 

 

Slut – Séance Session (No. 20)

seance_logo

Das bajuwarische Indierock-Quintett von Slut hat mit „Alienation“ zweifellos eines der ebenso gelungensten wie fordernsten und klügsten deutschen Alben des vergangenen Musikjahres veröffentlicht. Ihre Live-Premiere feierte ein Großteil der neuen Stücke dabei jedoch nicht etwa in der bayrischen Landeshauptstadt, sondern im cosmopolitsch großen Berlin im Rahmen der „Séance“-Sessions-Konzertreihe, in deren Rahmen auch schon Bands wie Listener oder Dark Dark Dark vor Kameras und Publikum auftraten. Den gut einstündigen Auftritt von Slut gibt es nun zum Lümmeln und Rocken auf der heimischen Couch…

 

 

 

Elle Aura – Flashes Of A Pretty Face

ElleAura

„Elle Aura is from Potsdam/Germany and lives everywhere. She writes songs, plays guitar and sings. She grew up with Indie, dances to Hip Hop, likes Pop, has a weak spot for Country, and two big brothers who can do everything. She likes to make people do stuff at her concerts like buy each other drinks and dance together. In 2013 she released her first solo-album ‚Flashes Of A Pretty Face‘.“ – soweit die Selbstauskunft der deutschen Singer/Songwriterin (oder müsste es in diesem Fall „Liedermacherin“ heißen?) Elle Aura (aka. Laura), die – sie erwähnte es ja bereits – im vergangenen Dezember ihr Debütalbum „Flashes Of A Pretty Face“ ins digitale Rund geworfen hat. Die 14 darauf enthaltenen Songs der Weltenbummlerin, die auch schon einige Zeit in Ghana oder Polen verbracht hat, klingen dem Erscheinungsmonat entsprechend mal fein melancholisch, mal dezent ausgelassen und poppig – es dürfte also für jeden etwas dabei sein. Und da es das Album auf Elle Auras Bandcamp-Seite derzeit sowohl komplett im Stream als auch zum Download nach der „Pay what you want“-Variante gibt (auch wenn die Musikerin allen potentiellen Geizhälsen mit dieser Rechnung ihren Teil der Kosten aufzeigt), sollte man der Dame mit eigenem Youtube-Kanal doch wenigstens das ein oder andere Ohr leihen…

 

 

Keaton Henson – Birthdays: A Fragment (Noisetrade EP)

K. Henson

A propos „Pay what you want“: Keaton Henson, seit einigen Jahren wohl einer der faszinierendsten Trauerbarden und Leisetreter des Musikgeschäfts, bietet derzeit via Noisetrade mit „Birthdays: A Fragment“ fünf Songs seines im vergangenen Jahr veröffentlichten zweiten Albums „Birthdays“ zum kostenlosen Download an – für all jene, denen das komplette Album vor einigen Monaten durch die akustischen Lappen gegangen sein sollte…

Auf dieser EP befindet sich auch der Song „You“, der ebenso im audiovisuellen Original…

 

…als auch in der Sprechgesangsvariante, bei welcher der Schauspieler Derek Jacobi zu den Zeilen des Henson-Songs eine lebensweise Bilanz zieht, noch immer mächtig Eindruck hinterlässt:

 

 

Mikky Ekko – Song To The Siren

Mikky Ekko

„Song For The Siren“ ist selbst im nicht eben an anspruchsvollen Kompositionen armen Backkatalog des 1975 bereits im Alter von 28 Jahren so jung verstorbenen Singer/Songwriters Tim Buckley – richtig, der Vater des ebenfalls legendenumrankten Jeff Buckley – ein Song, an den man sich nicht ohne Weiteres und den passenden Voraussetzungen herantrauen sollte. John Frusciante etwa nahm sich das Stück 2009 für dein letztes gelungenes Album „The Empyrean“ vor und vereinnahmte es zwar für sich, blieb jedoch auch nah an der Schwanengesangshaftigkeit des von 1967 stammenden Originals.

In einen ähnliche Kerbe schlägt nun auch der 29-jährige Musiker und Produzent Mikky Ekko (aka. John Stephen Sudduth) aus Louisiana, der den Buckley-Song ihm Rahmen der „Yours Truly Sessions“ für die im US-amerikanischen San Francisco beheimatete Musikwebsite gleichen Namens neu interpretierte. Wie es „Indie Shuffle“ so treffend umschrieb: „Naked, exposed, and pure, this live cover of Tim Buckley’s ‚Song To The Siren‘ by Mikky Ekko is a real ’stop, stand still, and pay attention‘ kind of track.“ Ganz genau.

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Pearl Jam – Sirens & ein Kurzfilm zum neuen Album „Lightning Bolt“

pearl jam - sirens

Wenn die eigene Lieblingsband ein neues Album veröffentlicht, dann ist es – Blog hin oder her – durchaus gestattet, ein gutes Stück der oft genug vorhandenen kritischen Haltung über Bord zu werfen und sich einfach mal der hemmungslos überbordenden Vorfreude hinzugeben… Zumindest sieht’s momentan so bei Pearl Jam und mir aus.

Wie bereits bekannt erscheint in gut zwei Wochen mit „Lightning Bolt“ Album Nummer zehn der ewig relevanten Grunge-Dinos. Nachdem die Band bereits das forsche „Mind Your Manners“ ins freudige Netzrund schickte, bekommt man nun mit „Sirens“ einen zweiten Song zu hören. Das Stück aus der Feder von Gitarrist Mike McCready ist zwar vergleichsweise ruhig geraten, aber – hach – irgendwie auch auf wunderbare Weise einfach… schön. Und wer mosert, dass das Video lediglich eine unspektakuläre Band-Performance im Gegenlicht zeigt, den darf ich gern daran erinnern, dass wir in diesem Punkt eine bandinterne Revolution im Kleinen erleben. Denn scheinbar haben Pearl Jam auch hier ein wenig Altersmilde walten lassen und zeigen sich, nach „Mind Your Manners“, bereits zum zweiten Mal in Folge selbst in einem Clip, nachdem man in den Neunzigern noch jegliche Zutraulichkeit den Medien gegenüber verweigerte…

Wer ein wenig mehr über „Lightning Bolt“ erfahren möchte, bekommt im neuen, knapp neunminütigen Kurzfilm (welcher, wie das Musikvideo zu „Sirens“ auch, von Musikregisseur Danny Clinch stammt) ein paar mehr Einsichten in die Inspirationen, Pearl Jams politisches wie soziales Bewusstsein, das Bandgefüge und den Zusammenhang zwischen Surfen und Songschreiben.

 

 

 

 

Junip – Walking Lightly

junip - walking lightly

Geradezu leichtfüßig und meditativ kommt „Walking Lightly“, die neue Single vom schwedischen Trio Junip, daher. Dass das dazugehörige selbstbetitelte Album durchaus große Qualitäten besitzt, weiß der regelmäßige Leser dieses Blogs natürlich. Trotzdem stehen diese von Regisseur Fredrik Egerstrand in Szene gesetzten Bilder der Band um Ausnahmestimme José González ausgezeichnet: Wald und Wiese, die Dämmerung kurz vor der Düsternis, schaler Lichtschein, Nebel. Die Band legt vor den Augen von Fuchs und Hase einen intimen Vortrag hin und bleibt am Ende in rot umleuchteter Fauna zurück…

 

 

 

Foals – Out Of The Woods

foals - out of the woods

A propos „Wald“, a propos „dem treuen Leser bekannt“: Das Unterholz trägt auch „Out Of The Woods“, seines Zeichens die nächste Auskopplung aus dem aktuellen, Anfang des Jahres erschienenen Foals-Album „Holy Fire„, im Namen. Doch wo bei Junip noch Ruhe und Gelassenheit herrschten, wartet hier auf die Protagonistin, welche auf ihren Wegen durchs triste Hochhauseinerlei auch Foals-Sänger Yannis Philippakis begegnet, am Ende eine vermeintlich böse Überraschung…

Übrigens: Wer nach drei bislang erschienenen Studioalben bereits auf eine neue Veröffentlichung des englischen Quintetts wartet, dem sei der ab Ende Oktober in den Regalen stehende Konzertfilm „Live at the Royal Albert Hall“ ans Hörerherz gelegt (den kurzen Trailer gibt’s ebenfalls hier und heute!)…

 

 

 

 

Arcade Fire – Reflektor

arcade fire - reflektor

Kaum eine Band hat in den letzten Jahrzehnten derart eindeutig ebenso Kritiker wie Hörer (also: die eigentlichen Endverbraucher) von der eigenen Qualität überzeugen können wie die Kanadier von Arcade Fire.  Mehr noch: Eventuell kam der kommerzielle Durchbruch gerade weil man sich bei all den tollen, eingängigen Melodien stets einen Schuss Kunst – in der Art, wie sie beflissene Hochschulabsolventen definieren würden – und Künstlichkeit bewahrt hat…

Da wundert es kaum, dass aktuell ein riesiger Bohei um den Nachfolger zum vor drei Jahren erschienenen und völlig zurecht mit massig Preisen dekorierten „The Suburbs“ gemacht wird: geheimnisvolle Graffitis zu Werbezwecken an Metropolen-Häuserwänden rund um den Globus, nicht weniger kryptische Twitter-Kurzformel, ein munteres Rätselraten um namenhafte potentielle Gastbeiträge, Albumtitel und Setlists… Ob „Reflektor“, Album Nummer vier von Win Butler, Régine Chassagne & Co., all die Aufregung wert ist, erfahren wir am 25. Oktober. Hier gibt’s schon einmal das Titelstück nebst würdevollem Schwarz-weiß-Video, für das kein Geringerer als Kultfotograf und Gelegenheitsregisseur Anton Corbijn die Verantwortung hinter den Kameras übernahm. Und: Ist im Stück da nicht irgendwo David Bowie zu hören? Arcade Fire bleiben rätselhaft…

„Just a reflection of a reflection of a reflection of a reflection of a reflection / But I see you on the other side / We all got things to hide…“

 

 

 

Sun Kil Moon – Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes

kozelek

Wenn man aktuell wohl „Produktivität“ in Wikipedia nachschlägt, so könnte es gut sein, dass man unter der Entsprechung im musikalischen Sinn ein Foto von Mark Kozelek wiederfindet. Immerhin hat der ehemalige Red House Panters-Frontmann in diesem Jahr bereits drei Studioalben – das Soloalbum „Like Rats“, die fantastische Zusammenarbeit mit The Album Lear-Kopf Jimmy LaValle, „Perils From The Sea„, und zuletzt das ebenfalls tolle, gemeinsam mit Desertshore zustande gebrachte „Mark Kozelek & Desertshore“ – sowie etliche Livealben in die digitalen wie haptischen Plattenregale gestellt. Dabei kam jedoch seine derzeitige Quasi-Stammband Sun Kil Moon zu kurz, liegt doch deren letztes Album „Among The Leaves“ bereits über ein Jahr zurück (es erschien im Mai 2012 – im derzeitigen Kozelek’schen Veröffentlichungsrhythmus beinahe eine halbe Ewigkeit).

Das holt der umtriebige 46-jährige US-Songwriter nun nach und hat für Anfang 2014 mit „Benji“ Sun Kil Moon-Album Nummer sechs in Aussicht gestellt, zu welchem unter anderem Sonic Youth-Schlagzeuger Steve Shelley, Will Oldham (aka. Bonnie ‚Prince‘ Billy), Owen Ashworth (Casiotone For The Painfully Alone) und Jen Wood (Postal Service) musikalische Gastbeiträge geben werden. Mit dem ungewohnt spröden, unterschwellig aggressiven „Richard Ramirez Died Today Of Natural Causes“ gibt es hier bereits einen kleinen Vorgeschmack auf „Benji“…

 

 

 

Haim – Wrecking Ball

haim - live lounge

Gut, Miley Cyrus‘ Fremdschäm-Moment bei den VMAs ist ausreichend diskutiert worden, ihr Musikvideo zu „Wrecking Ball“ hat für nicht weniger pikierte Blicke und massig Nachahmer gesorgt – wenn man heutzutage als ehemaliger Disney-Star noch für Imagewechsel und Aufmerksamkeit sorgen möchte, dann muss man schon All In gehen, wie’s scheint… (siehe auch: Lindsey „Exzess“ Lohan. siehe auch: Britney „It’s Britney, bitch!“ Spears. siehe auch: Xtina „Latina-Rollmops“ Aguilera.)

Die drei jungen Rockhühner von Haim, die mit ihrem Debütalbum „Days Are Gone“ zufälligerweise auch ANEWFRIENDs aktuelles „Album der Woche“ stellen, haben das wohl derzeit – und auch in Zukunft – kaum nötig. Trotzdem haben sie sich im Rahmen ihres Besuchs bei der Radioshow des BBC-Senders Radio 1 nicht nehmen lassen, den Miley Cyrus-Gassenhauer „Wrecking Ball“ von der Nudisten-Abrissbirne zu kratzen und das Stück in eine amtliche Rocknummer verwandelt…

 

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Junip – Junip (2013)

Junip - Junip (Cover)-erschienen bei City Slang/Universal-

Was war das für eine wohlige Überraschung, als im Jahr 2003 ein damals 25-jähriger junger Mann mit einer dermaßen tief in sich ruhenden, lediglich auf einer einsamen Akustikgitarre und eben dieser Stimme gebauten Adaption von The Knifes Tanzflächenfüller „Heartbeats“ auf sich aufmerksam machte! Hörte man dann noch seinen Namen, so schien – ja: scheinbar! – bereits alles klar: José González – klar, der Typ ist Spanier und offenkundig Besitzer einer Tapas-Bar mit angrenzender Flamenco-Schule, oder? Weit gefehlt: González ist Schwede! Seine Eltern – beides Akademiker – flohen 1976 (und damit zwei Jahre vor der Geburt des jüngsten Sprösslings) vor der in ihrer argentinischen Heimat herrschenden Militärjunta, emigrierten nach Schweden und ließen sich in in einem Vorort der regnerischen Küstenstadt Göteborg nieder. Dort wuchs González schließlich auf, und hätte es – vor allem aus musikalischer Sicht – auch kaum besser treffen können: von seiner Familie bekam er so ziemlich alle Spielarten temperamentvoller Musik – von Latino Folk und Popmusik bis hin zu Bob Marley & The Wailers oder Michael Jackson – mit in die Wiege gelegt, während er in Jugendtagen in die nicht eben schlechte Hardcore- und Punkszene Schwedens eintauchte (er spielte gar in einigen Bands dieser Genres) und sein Ohr Bands wie Black Flag, The Misfits oder den Dead Kennedys lieh.

José González

Und wie er der Zufall wollte, wurde Joakim Gävert, selbst ein aufstrebender Labelgründer, im Juni 2003 durch José González‘ erste dokumentierte Solo-Gehversuche (in Form der „Crosses“ Vinyl Single) auf den Musiker aufmerksam – während sich dieser an der Universität von Göteborg mitten im Biochemie-Studium befand. Mag es sich im ersten Moment auch eigenartig lesen, so geriet der weitere Weg von González‘ (bisheriger) Karriere darauf zum Selbstläufer: im Oktober 2003 erschien das von Presse wie Hörern so staunend wie wohlwollend aufgenommene Debütalbum „Veneer„, welches, mag man es kurz zusammenfassen, einfach noch mehr dieser besonderen Momente bot: dieses Gitarrenspiel, diese Stimme, diese Stimmung – man mochte die Augen schließen, stundenlang zuhören, wie sich hier stimm- und stimmungsgewaltig kleine Folk-Klangkathedralen aufbauten, diese betreten, und am besten nie, nie wieder verlassen! Ebenfalls erstaunlich schien auch, dass González glückte, wovon geschätzte 80 Prozent seiner Berufskollegen in Ehrfurcht die Finger ließen: er coverte Klassiker wie Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“, Massive Attacks „Teardrop“, Bronski Beats „Smalltown Boy“ oder das eingangs erwähnte The Knife-Stück „Heartbeats“ – und vereinnahmte diese innerhalb von Sekunden dermaßen, dass man nicht selten glauben mochte, dass nur er selbst sie geschrieben haben konnte. Natürlich blieb die Wirkung der Songs des Schweden auch den Machern von Reklamefilmchen (Sony benutzte „Heartbeats“ für einen Werbespot) oder US-Fernsehserien (Songs waren etwa bei „House“, „Scrubs“ oder „One Tree Hill“ zu hören) nicht verborgen, was González‘ Popularität nur einen weiteren Schub gab und ihn – vor allem im Zuge der Veröffentlichung des Zweitwerks „In Our Nature“ im Jahr 2007 – auf Touren kreuz und quer über den Globus spülte. Da jedoch selbst er auf Dauer kaum Abend für Abend allein mit seiner Akustikgitarre vor Publikum musizieren wollte (und der Rahmen der Variationsmöglichkeiten ist da ja auch denkbar überschaubar!), suchte sich der Schwede bereits 2005 zwei Landsmänner und gründete die Band Junip. Gemeinsam mit Elias Araya (Schlagzeug) und Tobias Winterkorn (Tasteninstrumente) veröffentlichte er noch im selben Jahr den Minialbumeinstand in Form der „Black Refuge EP“ (erneut machte er sich eine Fremdkomposition erfolgreich zu eigen: Bruce Springsteens Dunkelballade „The Ghost Of Tom Joad“), während sich das Trio fürs vollwertige Debüt um einiges mehr Zeit ließ, und das Album „Fields“ erst 2010 in die Plattenregale stellte. Und siehe da: auch in der Bandformation gelang es González, den Hörer mit dieser ganz eigenen Stimme und Stimmung für sich zu vereinnahmen – nur bauten Junip um die sanfte Stimme und den Akustikgitarrengrund noch einige perkussive Experimente, die auch gern mal in Bereiche wie Jazz, Blues, Prog oder Krautrock hineinreichen durften…

Junip #1

Und hört man nun Junips zweites, selbstbetiteltes Album, so könnte man denken, dass sich in den drei Jahren seit „Fields“ nicht all zu viel getan (respektive: verändert) haben mag beim schwedischen Trio, denn erneut sind es González‘ beruhigende Stimme und dessen klassisches Gitarrenspiel, die den Hörer für sich einnehmen und scheinbar über allem thronen – und doch ist da noch so viel mehr! Man nehme nur die zweite Vorab-Single „Your Life Your Call“, die mit unterschwelligem Discobeat und synthetischen Handclaps beinahe tanzbar gerät, das hippie’eske Mantra „Walking Lightly“, oder das von westafrikanischem Gitarrenspiel inspirierte „Suddenly“. Im lediglich zwei Minuten kurzen Fuzz-Blueser „Villain“ glaubt man kurz, dass die Black Keys um die Ecke lugen, „Baton“ versprüht eine Menge Free Jazz-Leichtigkeit, der Opener „Line Of Fire“, welcher wie „Your Life Your Call“ seit Längerem bekannt sein dürfte, ist die Art von Instant-Ohrwurm, den man gern im Gehörgang dulden mag, das mit Moog-Synthesizern vollgestellte „So Clear“ prescht – zumindest für Junip’sche Verhältnisse – forsch voran, und nach dem sanften Abschluss „All Is Said And Done“ merkt man, wie die Hand nach 43 Minuten instinktiv Richtung Repeat-Taste wandert.

Mit ihrem zweiten Album ist Junip erneut ein Werk gelungen, das scheinbar tief in sich ruht, den Hörer in seiner Atmosphäre einfängt und am besten als großes Ganzes funktioniert. Natürlich mag manch einer monieren, dass an der Oberfläche nicht all zu viel Abwechslung herrschen mag, doch, wie González selbst sagt, „geht [es] wohl eher um subtile Wechsel, die dich packen, ohne dass du es merkst“. Denn zwischen den erneut melancholischen, jedoch absolut lebensbejahenden Texten des Frontmanns zwischen Sinnsuche und Erlösung, zwischen Akustikgitarren, perkussiven Elementen, Moog-Synthesizern und anderen Tasteninstrumenten toben sich Araya, Winterkorn und González vergnügt aus. „Junip“ ist ein ergreifendes Werk wie aus einem Guss, das die Mitternachtssonne im Herzen trägt. Und den Hörer, der sich in diesen sanften, hynpontischen Indiefolk-Malstrom wagt, lässt es so schnell nicht los. A gentle takeover, a subtle giant.

Junip #2

 

Auf der Soundcloud-Seite der Band kann man sich die beiden formidablen Vorab-Singles „Line Of Fire“ und „Your Life Your Call“ als Appetithappen noch immer kostenlos aufs heimische Abspielgerät laden…

…und hier die dezent verstörende, reppetitiv-dunkle Video-Familiensaga von Regisseur Mikel Ces Karlsson (ANEWFRIEND berichtete bereits) bewundern:

 

Rock and Roll.

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