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Flimmerstunde – Teil 8


Extrem laut & unglaublich nah (2011)

Oskar Schell (Thomas Horn) ist neun Jahre alt, überaus intelligent und wissbegierig, fremden Menschen gegenüber jedoch sehr zurückhaltend. Von seinem Vater (Tom Hanks), einem New Yorker Goldschmied und Schmuckhändler, erhält er deshalb Visitenkarten, die ihn als „Amateur-Erfinder, Amateur-Entomologen, Amateur-Frankophilen, Amateur-Pazifisten, Computer-Spezialisten, Sammler“ ausweisen. Generell könnte das Verhältnis von beiden enger kaum sein: der Vater spornt Oskar mit Hilfe kleiner Rätsel stets an, neue Dinge zu entdecken, sich die Geheimnisse von Welt und Wissenschaft Stück für Stück zu erschließen. Der Sohn erwidert dies seinerseits mit bedingungsloser Liebe und Bewunderung. Die rosarote Kindheit eines begabten Großstadtkindes also… Bis zu jenem schicksalhaften Tag im September 2011, an welchem Oskars Vater bei den Anschlägen auf das World Trade Center umkommt. Der Junge verliert von einer Sekunde auf die andere seine wichtigste Bezugsperson, und auch seine Mutter (Sandra Bullock), die selbst erst den jähen Verlust ihres Mannes verarbeiten muss, kann ihm da Anfangs keine Hilfe sein. Dann jedoch findet Oskar beim Durchforsten der Sachen seines Vaters einen Schlüssel mit der Notiz „Black“. Ist dies ein letztes Rätsel seines Vaters? Mit einer Mischung aus Eifer und Manie begibt sich der Junge auf eine Schnitzeljagd quer durch New York – nach der sprichwörtlichen Stecknadel in Form des passenden Schlosses, und unterbewusst auch nach einem Weg, sich von seinem Vater zu verabschieden. Auf seiner Reise durch die Straßen der Großstadt trifft er Menschen, die wie er ein mehr oder minder schweres Schicksalssäckchen zu schultern haben. Nur: wird er das passende Schloss je finden? Und wer ist der alte, stumme Mann, welcher plötzlich bei seiner Großmutter aufgetaucht ist und ihm nun überall hin folgt?

Die Verfilmung des 2005 erschienenen, gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer lebt vor allem von ihrer Herzlichkeit und Wärme. Selten wird im Kitsch gebadet (dem Ein oder Anderen mag lediglich das Ende etwas „over the top“ erscheinen), obwohl diese Gefahr gerade bei einem Thema wie „09/11“ permanent besteht. „Extrem laut & unglaublich nah“ ist jedoch weniger ein Film über die Anschläge, sondern vielmehr über den jähen Verlust der kindlichen Unschuld. Und über eine Stadt, die sich langsam einen Weg aus der kollektiven Schockstarre sucht. Die sich aufrappelt, da es weitergehen muss. Die sich trotzig das Lachen zurückerkämpft.

Neben Thomas Horn in der Hauptrolle – welche mich Anfangs mit all den penetranten Eigenarten tierisch genervt hat, mit der ich jedoch gegen Ende Frieden geschlossen habe – ist es hier wieder einmal Sandra Bullock, die den positiven Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Film ausmacht. Wie sie ihrer (Neben)Rolle der trauernden, um den Sohn kämpfenden Mutter im Stillen an Glanz verleiht – allein das zu sehen ist schon den Eintrittspreis wert. Tom Hanks liefert in den wenigen Szenen als Oskars Vater eine gewohnt gute Leistung ab, ich habe jedoch so langsam aber sicher den Eindruck, dass er abseits von Forrest Gump- und Gutmensch-Mimik so gar nichts zu bieten hat… Auch Max von Sydow soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, obwohl es schade ist, dass sein Charakter des älteren „Untermieters“ trotz (s)einer schauspielerischen Glanzleistung drehbuchbedingt blass bleibt.

Natürlich ist Stephen Daldrys Romanverfilmung von „Extrem laut & unglaublich nah“ Hollywoodkino mit all seinen typischen Eigenschaften: bildgewaltig, lustig, traurig, (mit Abstrichen) spannend, bewegend-emotional, schön. Dieser Film will keine Welten bewegen. Dieser Film möchte dir nur eine Geschichte erzählen.

 

 

Rock and Roll.

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