Schlagwort-Archive: Japan

Moment! Aufnahme.


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(via boredpanda.com)

 

Ein fern- und fremdgesteuerter Roboter, der Gäste in einem Restaurant bedient? Gut, das mag zwar – zumindest für jeden Nicht-Asiaten – noch ein wenig *hust* futuristisch wirken, andererseits aber kein so ungewohntes Bild mehr sein. Doch in Japan ticken die volldigitalen Uhren mal wieder ein klein wenig anders…

Gerade weil viele Menschen heutzutage immer distanzierter, kühler und ich-bezogener werden, spielt Inklusion in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Ein Café im Akasaka District in der japanischen 9,5-Millionen-Einwohner-Metropole Tokio versucht nun, gelähmte Menschen mithilfe von Robotern wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Das Projekt wurde durch Crowdfunding finanziert und ist eine Kooperation zwischen dem Startup Ory, All Nippon Airways (ANA), der Nippon Foundation und der Avatar Robotic Consultative Association (ARCA).

Und so funktioniert es: Zehn Mitarbeiter, die unter ALS oder anderen Wirbelsäulenkrankheiten leiden, steuern von Zuhause aus Roboter wie den OriHime-D, die sich im Restaurant befinden. Im Gegenzug erhalten diese einen Stundenlohn von 1.000 Yen, der in der Branche für Teilzeitjobs üblich ist. Die Roboter sind ca. 120 cm groß, können mit anderen Menschen kommunizieren sowie Objekte bewegen.

Der von Ory entwickelte OriHime-D wurde dabei speziell für dieses Einsatzgebiet konstruiert. In Zukunft sollen auch andere Tätigkeiten wie die Kinderbetreuung, der Dienst als Krankenschwester oder andere Betreuungsdienste durch den kleinen Roboter abgedeckt werden können. Zum Grundgedanken hinter dem Projekt meint Kentaro Yoshifuji, CEO der Ory Lab Inc., Folgendes: „Ich möchte eine Welt schaffen, in der Menschen, die ihre Körper nicht bewegen können, ebenfalls einer Tätigkeit nachgehen.“

Insofern das Startup, seine Partner sowie dessen Planungen Wort halten, so wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis das Café in den regulären Betrieb übergehen soll. Ab 2020 soll der Test, dessen Beta-Phase im November anlief, abgeschlossen sein und ein Musterbeispiel für Inklusion öffnet, irgendwo im wuseligen Tokio, eventuell unbegrenzt seine Pforten…

 

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

(Yoko Ono, *1933, japanisch-amerikanische Künstlerin, Filmemacherin, Experimentalkomponistin und Sängerin sowie Witwe von Beatle John Lennon)

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Elliott Smith – live beim Fuji Rock 2000


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Elliott Smith mag ein begnadeter Musiker und Songwriter gewesen sein, Liveauftritte der im Oktober 2003 viel zu früh verstorbenen Musiklegende avancierten gerade zum Ende seiner Karriere oft zur von ihm selbst besungenen „Needle in the Hay“.

In den Anfangstagen, etwa ab 1997, nachdem sich der 1969 in Omaha, Nebraska geborene US-Musiker von seiner damaligen Band Heatmiser lossagte, um fortan im Alleingang Platten zu veröffentlichen, fanden seine Auftritte noch im kleinen, intimen Rahmen von Indie-Clubbühnen statt, auf denen sich Smith – das kann im Rückblick mit Sicherheit sagen – am wohlsten fühlte. Er war gewitzt, interagierte an guten Tagen auch gezielt mit dem Publikum, hatte, bei aller Scheu, die ihn zeitlebens nie so ganz verließ, auch scheinbar selbst eine gute Zeit. Später, nach dem Erfolg durch die Oscar-Nominierung für seinen Song „Miss Misery“ (welchen er 1997 zum Soundtrack des Gus-Van-Sant-Films „Good Will Hunting“ beisteuerte), wurden die Bühnen und Zuschauerzahlen um einiges größer. Und Smiths Auftritte – ob nun allein oder ab und an mit Begleitband – fahriger. Die Witze, die er zwischen seine Songs streute, wurde seltener, er vergaß, was man wohl auch (s)einer immer schlimmer werdenden Drogensucht zuschreiben könnte, Textzeilen, brach immer öfter Songs ab, welcher er ohnehin immer öfter mit besorgniserregend brüchiger Stimme vertrug. Ein trauriger Clown. Eine Ballade vom großen Nichts. Der Rest ist Musikgesichte…

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Von den ohnehin nicht allzu zahlreichen Solo-Auftritten Elliott Smiths zwischen 1994 und 2003 existieren im weltweiten Netz – und da traue ich mir als selbsterklärter „Elliott-Smith-Ultra“ durchaus eine Expertise zu – nur ein, zwei Handvoll in guter Soundboard-Audioqualität (zum 10. Todestag Smiths im Jahr 2003 hatte ich hier auf ANEWFRIEND bereits darüber geschrieben, wer darüber hinaus den ein oder anderen Tipp haben mag, der hinterlasse einfach einen Kommentar oder schreibe ein Mail).

Umso schöner, dass nun ein „neuer“ Konzertmitschnitt – und das auch noch in Ton und Bild – aufgetaucht ist. Gefunden hat ihn Kevin Moyer, welcher 2014 die durchaus empfehlenswerte, in jedem Fall erste offizielle Elliott-Smith-Dokumentation „Heaven Adores You“ schuf und sich dafür auch durch Berge von analogem wie digitalem Archiv-Material wühlte:

„When I was working on the documentary ‚Elliott Smith: Heaven Adores You‘, many friends and fans were gracious enough to share their keepsakes with us – memories, videos, pictures and etc. During the production, one of Elliott’s close friends and collaborators gave us an old VHS tape that had a performance that they had acquired and kept for a keepsake. I had it transferred from VHS tape and digitized for potential inclusion in the Heaven Adores You project, but it never made the final cut. With the blessing of the tape owner I am uploading the full performance here. This seems to be previously unreleased footage. I hope you enjoy it.“

Insofern ist der nun von Moyer via YouTube zur Verfügung gestellte Auftritt von Elliott Smith und seiner Band beim japanischen Fuji Rock im Naeba Ski Resort, Niigata aus dem Jahr 2000 schon ein echtes, rares Schmankerl für Fans wie Smith-Connaisseure gleichermaßen, zeigt es den Sadcore-Musiker, der zu dieser Zeit gerade sein fünftes Solo-Album „Figure 8“ in die Plattenläden gestellt hatte (und somit das erste nach dem großen Oscar-Rummel), doch in vergleichsweise bestechender Form und Songs, welche in dieser (späten) Phase seiner Karriere nicht selten an die Melodieverliebtheit der Beatles denken ließen…

 

 

SETLIST

– Ballad of Big Nothing
– Independence Day
– Junk Bond Trader
– Son of Sam
– Everything Means Nothing to Me
– Amity
– Stupidity Tries
– Mr. Good Morning
– Sweet Adeline
– In the Lost & Found
– LA
– A Question Mark
– Can’t Make a Sound
– Bled White
– Color Bars
– Cupid’s Trick
– 2:45 AM

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Rock and Roll.

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„Super Mario: Underworld“ – Oder: Was passiert eigentlich mit Mario, wenn er stirbt?


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Unzählige Tode ist weltbekannteste Videospiel-Superklempner, Schildkrötentöter und Prinzessinenretter Mario seit den Achtzigern, als Nintendo von Japan aus beliebte Automaten- und Konsolenspiele wie „Donkey Kong“ oder „Super Mario Bros“ auf den Rest des Erdballs losließ, bereits gestorben. Er wurde zerquetscht, verbrannt, überfahren, von Blumen gefressen oder von riesigen Kanonenkugeln erschossen. Vor allem wurde er in den Tod gestürzt. Immer und immer wieder. Game over, start again. Aber: Was passiert eigentlich mit dem Pixel-Helden, wenn er aus dem Bildschirm fällt?

Genau um diese eine Frage zu beantworten, haben die Typen von „Nukazooka„, einem von Los Angeles aus seit 2010 regelmäßig ins weltweite Netz sendenden YouTube-Kanal (die Selbstbeschreibung der Jungs als „Erwachsene, die schlecht darin sind, Erwachsene zu sein“ hat echtes Nerd-Potential im Stile von „Big Bang Theory“), nun ein aufwändig produziertes Video für ihr stetig wachsendes Millionenpublikum kreiert – passend zu Halloween vor wenigen Tagen natürlich mit zombiemäßigem Gruselfaktor. Das knapp vierminütige humorige Mario-Video ist aber nicht auf dem „Nukazooka“-Heimatnetzwerk, sondern vor allem auf Facebook ein Hit: Innerhalb von wenigen Tagen wurde es bereits über 35 Millionen Mal angesehen…

 

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 20


„Sushi in Suhl“ (2012)

Sushi in Suhl (Poster)„Du musst das Auge hungrig machen, nicht den Magen“, gibt der japanische Gast dem Gaststättenbesitzer Rolf Anschütz (Uwe Steimle) als weisen Spruch mit auf den Weg, woraufhin dieser – nicht ganz ironiefrei – erwidert: „Der Mensch beherrscht die Natur, und die Natur die LPG“. Ja, das Leben in der Provinz der Deutschen Demokratischen Republik war sicherlich kein ganz leichtes, denn als Bürger des „Arbeiter- und Bauernstaates“ musste man nahezu ständig mit irgendwelchen Reglementierungen, Parteivorgaben oder Warenlieferungsengpässen zurecht kommen – doch Not macht bekanntlich erfinderisch…

Das beweist eben auch Rolf Anschütz, der es satt hat, in seinem Suhler „Wein- und Speisenrestaurant Waffenschmied“ die Gäste tagein, tagaus mit dem immer gleichen Speisenangebot aus thüringer Rouladen und Würzfleisch zu bewirten. Nein, seinem Verständnis nach sollte ein Koch auch ein Künstler sein, einer, der seinen Gästen neue kulinarische Horizonte aufzeigt. Und wie es das Schicksal – oder doch der Zufall? – will, stösst er alsbald auf ein Rezept aus der japanischen Küche. Nichts Besonderes? Klar, heutzutage bekommt man in beinahe jeder bundesdeutschen Stadt ein gutes Sushigericht, oder googelt mal eben ein passendes Rezept im Internet. Aber in Suhl, als eine der Bezirkshauptstädte der DDR damals vor allem für die Produktion von Waffen oder Fabrikate der Mopedmarke Simson bekannt, war an etwas abseits der Parteinorm keinesfalls zu denken! Ein japanisches Restaurant? Wer soll denn so etwas bitte mögen? Und noch schlimmer: wie stünde es denn da um den Ruf der alles überwachenden HO (DDR-Sprech für den Dachverband der Handelsorganisation), wenn man all die befremdlichen Zutaten  – und die fingen bereits bei der Sojasoße an – nicht beschaffen kann? Was kommt als Nächstes? Ein Schnellimbiss auf dem Mond? Nein, dem gilt es entgegenzuwirken! Doch Anschütz ist ein Träumer, ein Idealist, der sich weder von freundschaftlichen oder familiären Ratschlägen von seinem Weg abbringen lässt noch von manigfaltigen Engpässen. Und so werden Kittelschürzen und Judojacken zu Kimonos umfunktioniert, Essstäbchen nach der Art von Klanghölzern massgefertigt, Tisch- und Stuhlbeine abgesägt und der frisch gefangene Karpfen kurzerhand zu südthüringerischem Sushi verarbeitet. Und siehe da – all das kommt gut an, selbst einen japanischen Gast kann der verdutzte Rolf Anschütz von Kochkünsten und Vorhaben überzeugen! Innerhalb kurzer Zeit mausert sich der „Waffenschmied“ zum überregionalen Geheimtipp, der sogar in der „Tagesschau“ des westdeutschen Klassenfeindes und im fernen Japan Erwähnung findet…

Szene aus "Sushi in Suhl"

Der Film „Sushi in Suhl“ erzählt die wahre Geschichte des Gastwirtes Rolf Anschütz, der es Mitte der Sechsziger Jahre doch tatsächlich wagte, im 40.000-Einwohner-Örtchen Suhl ein japanisches Restaurant zu eröffnen. Und das in Suhl, dessen Werbereklame „Suhler Waffen haben Weltruf“, nachdem das „W“ in „Waffen“ eines Tages abfiel, lange Zeit so einiges über den regionalen Charakter aussagte und für Spott dies- und jenseits des „Arbeiter- und Bauernstaates“ sorgte! Dabei bleibt die Erzählstruktur während der 107 Minuten meist wohlig rührselig und vergleichsweise ostalgiefrei (verglichen etwa mit „Good Bye Lenin!“ oder „Sonnenallee“). Dass die  Darsteller mit eindeutig sächsischem statt thüringerischem Dialekt sprechen (als gebürtiger Sachse kann ich so etwas in der Tat beurteilen!): geschenkt, ebenso wie die herrlich überspitzten Szenen des Dialogs mit der HO-Hauptverwaltung! Dafür spielt der Hauptdarsteller Uwe Steimle seine Rolle als Rolf Anschütz, der sich in der Enge der DDR sein eigenes kleines Japan aufbaut, dabei jedoch auch Rückschlägen und persönlichen Verlusten ins Auge blicken muss, mit zu viel bodenständigen Charme und Verve. Überhaupt: Uwe Steimle – mit dem Dresdner Schauspieler und Kabarettisten (Baujahr 1963), welchem dem Einen oder der Anderen etwa bereits im „Polizeiruf 110“ über die Mattscheibe gelaufen sein dürfte, steigt und fällt alles in und an „Sushi in Suhl„. Mag man seine stets kindlich entrückte Art, wie er sich stets bemüht, alles klar und deutlichst hochdeutsch auszusprechen, dabei jedoch umso mehr seine sächsische Herkunft offenbart, nicht, so könnte einem auch „Sushi in Suhl“ schnell zu viel des Guten werden. Meinen Nerv hat der Film von Regisseur Carsten Fiebeler, als gebürtiger Zwickauer ebenso bestens mit einer eigenen DDR-Vergangenheit sowie -Erfahrungen ausgerüstet, der die Geschichte des für 15 Jahre einzigen japanischen Restaurants der DDR erzählt und dabei geschickt einiges der Tragik und Komik jener Zeit miteinander verknüpft, jedoch getroffen. Also: Empfehlung für den nächsten Filmabend an einem grauen Wochenende – und das nicht nur für „gelernte DDR-Bürger“ und Freunde der japanischen Küche…

Uwe Steimle in "Sushi in Suhl"

 

 

Wer etwas mehr zu den Hintergründen des Films erfahren mag, findet hier einen sechsminütigen Beitrag der ARD-Sendung „ttt – titel thesen temperamente“…

…und hier ein Bild des „echten“ Rolf Anschütz, der 2008 verstarb:

Suhl, Blick in ein japanisches Restaurant

 

Rock and Roll.

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