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Song des Tages: Fayzen – „Herr Afshin“


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Noch vor ein paar Wochen dekodierten Jan Böhmermann und seine „NEO Magazin Royale“-Mannschaft mithilfe von ein paar Zoo-Affen den gesamten deutschen Weichspüler-Pop á la SchweighöferBendzkoGiesingerPoisel derart, dass man keinen der eben Genannten wohl je mehr hören kann (insofern das denn überhaupt jemand freiwillig möchte), ohne mit einem Schmunzeln im Mundwinkel an Böhmermanns formvollendete „Menschen Leben Tanzen Welt“-Persiflage zu denken.

Wer bei Fayzens Musik nicht genauer hinhört, würde den aufstrebenden Hamburger Musiker wohl (vor)schnell in dieselbe musikalische Kategorie stecken. Und könnte damit wohl falscher kaum liegen…

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Wer Musik wirklich ernst nimmt, der darf sie gern groß meinen. Der Musiker sollte keine Angst haben vor mächtigen Worten, er sollte etwas wollen, das bedeutender ist als er selbst, und deshalb ist es auch so richtig, dass Fayzen auf die Frage, wieso er im Alter von 15 Jahren mit der Musik angefangen hat, antwortet: „Ich wollte etwas Wahres machen. Und klar, die Welt verändern wollt’ ich schon auch.“

Damals, Ende der Neunziger, geht das mit schnellem, klarem, gesellschaftskritischem Rap der Marke „Freundeskreis“ und Mixtapes, die er mit einem Kumpel selbst produzierte, anschließend – und dazu gehört schon eine Menge Chuzpe und Mut zum Risiko – pressen ließ und von denen der heute 33-jährige Sohn iranischer Einwanderer über die Zeit ganze 20.000 Stück in den Straßen seiner Hamburger Heimat verkauft. Einen Großteil der Einnahmen schenkt er seinen Eltern, als Dankeschön für eine unbeschwerte Kindheit, die sie ihm trotz Flucht aus dem Iran ermöglichten.

Aber auch als Beweis: Schaut, euer Junge schafft das.

Fayzen-Cover-MeerDoch eigentlich zieht es den Jungen da schon wieder weiter. Denn so romantisch die Geschichte vom rappenden Straßenmusiker auch ist: Fayzen, der mit gebürtigen Namen Farsad Zoroofchis heißt, will auf die großen Bühnen und von dort aus gehört werden. Also bastelt er an einem Demo, bringt sich selbst Gitarre und Klavierspiel bei, arbeitet Tag und Nacht an Texten, denn Fayzens Musik kommt vom Wort. Doch umso klarer ihm wird, welche Geschichten er überhaupt erzählen will, desto unklarer ist auf einmal ihr Sound. Er probiert viel aus, schmeißt den Großteil wieder weg, das Demo wird und wird und wird nicht fertig, er lässt trotzdem nicht davon ab – und auch das ist ja eine Wahrheit der Kunst: Die Suche nach ihr auszuhalten, ist oft bereits der halbe Weg.

So ist es auch dieses Mal. Durch Zufall (den es nicht gibt) lernt Fayzen einen Musikmanager des Major-Labels Universal kennen – und plötzlich fließen die Dinge wieder. Er bekommt einen Plattenvertrag, 2013 erscheint sein Album „Meer“. Den HipHop hört man dort, wenn auch verschleiert, immer noch heraus, aber die meisten Titel sind weicher, stiller, Singer/Songwriter-Pop (beinahe) ohne allgemeingültige Worthülsen und die direkt aufs Charts-Podium abzielenden Instant-Gute-Laune-Lyrics vonSchweighöferBendzkoGiesingerPoisel. Fayzen singt von der Sehnsucht nach Zuhause und der Kraft des Fernwehs, er gibt dem Kummer einen Namen und der Hoffnung einen Sound. „Und Reim für Reim öffne ich mein Herz mit jedem Wort / Als ich’s das letzte Mal da draußen tat, da ging mein Mädchen fort“ heißt es etwa in „Paradies“, und selten wurde Liebeskummer im deutschen Pop der letzten Jahre schlichter und größer besungen.

0602557389920Am vergangenen Freitag nun erschien Fayzens neues Album, „Gerne allein“, eine weitere, noch persönlichere Platte, ein weiterer Versuch, mit im Pop gerührten HipHop Max Herre’scher oder Curse’scher Couleur im Kleinen an der Welt zu rütteln. Mit Geschichten aus einem Leben zwischen Hamburger Landungsbrücken und dem Teppichboden der Kindheit, aufrichtig, offen, ohne Schutzschild oder Scham. Klar, nicht jeder Song überzeugt gleichermaßen. Zoroofchis Stücke sind vor allem dann gut, wenn er es eben nicht jeder und jedem recht machen will, wenn er nur von sich und seinem Leben erzählt – man höre nur „Herr Afshin“, in dem der Deutsch-Iraner mit dem sonnig-verträumten Gemüt auf sein gesamtes Leben zurückblickt und von seiner musikalischen Sozialisation sowie der Suche nach einem perfekten Lied erzählt. Und: Ja, Fayzens Musik ist wahrhaftig. Näher vermag ein Künstler der eigenen gefühlten Wahrheit vielleicht gar nicht zu kommen. In Zeiten voller Angst, Unbeständigkeit und Zweifel, die Politik und Gesellschaft säen und die Wutbürger ernten, wirkt es fast wie ein schöner Anachronismus, wenn einer wie Fayzen singt „Alles wird gut“. Und es dann auch noch so meint.

 

 

Mehr Eindrücke vom neuen Fayzen-Album „Gerne allein“ gefällig? Hier gibt’s das Musikvideo zu „Wundervoll“…

 

…“Unschuldig“ als Spoken-Word-Variante…

zu dem Fayzen übrigens Folgendes zu sagen/schreiben hat:

„Ich bin liebevoll und behütet aufgewachsen. Die Arme meiner Mutter waren das Paradies. Als ich irgendwann anfing, mir auszumalen, wie die Welt da draußen wohl aussehen könnte, war diese Vorstellung deshalb auch ein Best-Case-Szenario. Einfach, weil es die Fortsetzung des Universums meiner Eltern war. Dann wurde ich älter. Und lernte, dass die Welt da draußen auch bedrohlich und gemein sein kann.

Die Grausamkeiten, zu denen der Mensch fähig ist, übertrafen jedes Vorstellungsvermögen, das mein fantasievoller, kleiner Kopf damals hatte. Der größte Schock jedoch war, als ich irgendwann realisierte, dass auch ich ein Teil dieser Grausamkeiten bin. Schon alleine weil ich in einem Staat lebe, der Ungerechtigkeiten wie Waffenexporte und Massentierhaltung betreibt. Dafür habe ich mich immer geschämt. Und diese Scham hat mich lahmgelegt. Ich habe mich ohnmächtig geschämt, viele Jahre.

Aber ich werde mich nicht länger schämen. Das Leben ist gut. Da bin ich mir sicher. Der Mensch ist auch Leben und ein Leben kann ein anderes Leben ändern. Es leichter und schöner machen. Das werde ich tun. Mein Leben und anderes Leben schöner machen und zulassen, dass andere mein Leben schöner machen. Weil ich es verdiene. Weil wir es verdienen. Weil das Leben es verdient. Einfach so. Ich schäme mich nicht mehr. Fayzen“ 

 

…und alle 15 Stücke angeteastert im „Album Player“ :

 

Rock and Roll.

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„Eier aus Stahl“ – Jan Böhmermann nimmt sich die deutsche Musikindustrie vor


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Mittlerweile darf man schon fast seine Uhr danach stellen, dass Jan Böhmermann und sein „NEO Magazin Royale“-Team Woche um Woche für ein kleines Skandälchen sorgen. Mal müssen die Altbier-Punks der Toten Hosen dran glauben, mal die „Schwiegertochter“-Kuppel-Schmalzbirne Vera Int Veen, mal der von nicht eben kleinen Teilen des eigenen Volkes bejubelte türkische Irre vom Bosporus (ganz nebenbei: Liebe Türken, das hatten wir hier in Deutschland auch schon mal – ist nicht gerade gut ausgegangen…), mal das weibliche Selbstverständnis, mal der auch so integre Sänger-Schauspieler-und-jetzt-auchYouTube-Manager Tom Beck, jüngst auch – in gewohnt großartiger Manier – der Bundesvorsitzende der deutschen Polizistengewerkschaft, Rainer Wendt. Was der „blasse dünne Junge“ und seine Crew anpacken, wird meist zu einem ebenso bissigen wie unterhaltsamen Rundumschlag gegen die, die’s verdient haben – und regt darüber hinaus zum Nachdenken an.

In dieser Woche und Ausgabe des „NEO Magazin Royale“ nimmt sich Böhmermann ganze 22 Minuten, um in „Eier aus Stahl: Max Giesinger und die deutsche Industriemusik“ mit der – jawollja! – deutschen Musikindustrie am Beispiel von Max Giesinger (der Name selbst war mir vorher kein Begriff, ich höre jedoch auch kein Radio), dem Echo und vielen anderen abzurechnen und aufzuklären:

„Uff. Der ECHO – der wichtigste Preis der sehr guten deutschen Musikindustrie – wird leider auch in diesem Jahr wieder verliehen. Wie zu erwarten, regen sich alle auf: FREI.WILD sitzen in der ECHO-Jury, die Onkelz sind sogar nominiert – es ist alles noch mehr Nazi, noch rechter, noch schlimmer als in den Jahren zuvor. Dabei sind die deutschnationalen Norditaliener von FREI.WILD und die Geh-Deinen-Weg-auch-wenn-er-falsch-ist-und-alle-Dich-scheiße-finden-Rock-Onkelz zwar das offensichtlichste, nicht aber das eigentliche Problem des ECHO und der deutschen Musikindustrie. 

Wir müssen reden – über Menschen, Leben, Tanzen, Welt, über ‚einen von 80 Millionen‘ sowie seine Kunst und das große Missverständnis in der deutschen Popmusik.“

Am Ende des Clips zeigen Böhmermann und sein Team noch, wie sie einen Songtext von Schimpansen, die Tweets der YouTuber BiBi und Sami Slimani, aber auch Werbeslogans aneinanderreihen, „schreiben“ lassen und zu einem nahezu perfekten Popsong verarbeiten, welcher im Formatradio zwischen all den Tim Bendzkos, Philipp Poisels, Silbermonds und Helene Fischers (sowas wird doch da gespielt, oder?) gar nicht auffallen würde. Das Musikvideo des fertigen Songs „Menschen Leben Tanzen Welt“ von *hust* Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann findet Ihr weiter unten. Herrlich. Nimm das, Matthias Schweigerhöfer! Fick dich, selbstverliebte Echo-Jury!

 

 

 

Rock and Roll.

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Sehenswert: Jan Böhmermann über die Ökonomie der Aufmerksamkeit


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Dass Jan Böhmermann und ich zwar nicht immer, aber immer öfter einer Meinung sind, dürfte ja hinlänglich bekannt sein.

In der letzten Ausgabe seines „NEO Magazin Royale“ am vergangenen Donnerstag (09. März) gab der „blasse dünne Junge“ eine Lehrstunde in Sachen Aufmerksamkeitsökonomie und erklärte, warum es rechtspopulistische Politiker derzeit spielend schaffen, in die Medien zu kommen, während ein konkreter Diskurs über notwendige politische Veränderungen vollkommen abgewürgt wird. Mit einer schlagenden Statistik demonstrierte er, warum Hillary Clinton zwar wesentlich mehr Wahlkampfetat zur Verfügung hatte, Trump aber allein schon wegen seiner fragwürdigen Kommentare und Twitter-Auswüchse um ein Vielfaches in den Medien präsent war.

Politiker wie Björn „Bernd“ Höcke, Marine Le Pen, Geert Wilders oder auch Recep Tayyip Erdoğan tun es dem US-Präsidenten nach und verkünden offen, wie sehr sie die Medien hassen (in der Türkei wird dann gleich ein guter Teil des verhassten Journalistenpacks auf die Straße gesetzt oder wandert gar hinter Gitter). Doch zugleich benutzen sie genau diese, um stets im Gespräch zu bleiben – mit Lügen, Provokationen, Manipulationen und populistischem Nonsense. Ganz im Stil von John Olivers „Last Week Tonight“ reihte Böhmermann ein wildes Argument an das nächste und sorgte mit spielerischen Graphiken und Studio-Spektakel, das er zwischen seine ernstgemeinten Einlassungen platzieren ließ, dass die Zuschauer sich an die eigene Nase fassen, um zu begreifen, dass sich die Populisten geschickt eine vor allem vom Internet neu aufgestellte Aufmerksamkeitsökonomie zunutze machen.

Weil die Menschen von den Medien immer mehr Superlative, Ausrufezeichen und Schickschnack verkauft bekommen (damit die Klicks kommen und die Auflagen steigen), imitieren diese Politiker, so Böhmermann, dieses Verhalten. Mit anderen Worten: Trump agiert nicht mit Hilfe des Internets anders als seine Vorgänger, er hat die Funktionsweise des Netz selbst zum Prinzip seines Handelns gemacht.

Die düstere Ambivalenz hinter dem Konzept, das die Populisten nun für sich auszunutzen wissen, entlarvte der Komiker zudem noch mit dem geschickt gewählten Titel des Beitrags, wie er in der ZDF-Mediathek oder auf YouTube zu finden ist: „Diese einfachen AfD-Tricks machen Dich BEKANNT und BELIEBT!“

Sehenswert!

 

 

Rock and Roll.

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Zitat(e) des Tages


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Klar, Yoda ist nur ein kleines, grünes Jedi-Männchen aus einer SciFi-Filmreihe namens „Star Wars„. Klar, all die unterhaltsamen Bilder rund um Luke Skywalker, Darth Vader und Co. haben mehr mit den Genres „Space Opera“ und „Heldenepos“ zu tun als mit unserer doch oft genug recht bitteren Realität (von welcher uns das Kino idealerweise auch manchmal ein klein wenig ablenken soll). Und trotzdem – oder gerade deshalb – hat dieses gerade einmal 66 Zentimeter große Männchen recht.

Auch gut und richtig war das, was die von mir ohnehin geschätzten Jan Böhmermann und Olli Schulz gestern taten und sagten:

17th Annual German Comedy Awards

Also: Passt aufeinander auf. Respektiert einander. Ich hab’s bereits verdammt oft geschrieben: Menschen sind Menschen, ganz gleich welcher Hautfarbe, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung etc. pp. Leben und leben lassen. Over and out.

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Rock and Roll.

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„Sorry, Sie haben leider eine Scheide“ – Der „Neo Magazin Royale“-Beitrag zur Gleichberechtigungsdebatte


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Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“-Team haben’s wieder getan: Nach dem #varoufake, #verafake, „Be deutsch!“ oder dem Erdogan-„Schmähgedicht“-Skandal, welcher lächerlicherweise haarscharf an einer bilateralen Staatskrise vorbei geschrammt ist, wurde in der neusten, gestern in der ZDF-Online-Mediathek veröffentlichten Sendung des „Neo Magazin Royale“ wieder ein wichtiges Stück kontroverse Unterhaltungsware, über welche sich nachzudenken lohnt, präsentiert…

Dabei hatte diesmal nicht Böhmermann selbst, sondern Giulia Becker, ihres Zeichens eine von zwei Gag-Schreiberinnen im Team des „Neo Magazin Royale„, ihren großen Auftritt: Mit ihrem Song „Verdammte Scheide“ spricht sie viele aktuell wichtigen Themen auf einmal an.

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„Geh‘ zum Fernsehen, haben sie gesagt, denn für eine Frau bist du irgendwie komisch“, steigt Becker zu sachtem Pianogeklimper in ihren Song übers Frausein ein. Lange rätselte sie, warum sie nur so anders behandelt werde im Böhmermann-Team. Wieso sie von ihren männlichen Kollegen gemieden wird und beim Mittag alleine essen muss. Wieso ihr nicht richtig zugehört wird, obwohl sie die besten Witze schreibt. Wieso sie nicht Boxen darf, oder sich an der Uni einschreiben.

Obwohl doch so viel mehr in ihr stecke als Gebäck, denkt sie, es liege an ihrem Bauch. Doch dann fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: Sie hat eine Scheide! Und genau an der muss es liegen, schlussfolgert sie.

In dem Song und dem dazugehörigen Video kommt vieles von dem zu Wort, was gerade Thema ist: Bodyshaming, Gleichberechtigung, Emanzipation, veraltete Frauenbilder, sogar der fahrlässige Umgang mit Wörtern, ist „Scheide“ doch ein zutiefst mittelalterlicher Begriff. Gemeint ist – im Wortsinn – damit, neben einer Aufbewahrung für Hieb- und Stichwaffen, nämlich auch „Trennen, Scheiden“ (siehe Wasserscheide). Mit diesem Wissen klingt es plötzlich doch sehr respektlos, ernsthaft so ein Wort für ein Geschlechtsteil zu verwenden. Dennoch ist der Begriff teilweise noch in den Köpfen der Menschen verankert.

Klar übertreibt Giulia, wenn sie uns laufend mit ihrer Scheide penetriert (sic!). Aber das ist auch der Plan – und in dem Fall unverzichtbar und eine gute Entscheidung:

„Was ist so schlecht an mir? Eine Scheide. Was mach ich falsch? Eine Scheide. Warum werde ich so schlecht bezahlt? Eine Scheide. Worüber wurde noch nie ein Witz gemacht? Eine Scheide. Woher haben die alten, weißen Männer im Fernsehen Angst? Eine Scheide. Wer hat den dritten Teil von Bridget Jones geschrieben? Eine Scheide. Wer hat John F. Kennedy erschossen? Eine Scheide. Wer hat an der Uhr gedreht? Eine Scheide. Was reimt sich auf eine Weide? Eine Scheide. Wer hat das Gras weggerraucht? Eine Scheide. Unsere Erde ist? Eine Scheide.“

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Darin liegt – wie so oft bei den Aktionen des „Neo Magazin Royale“ – die Stärke des Songs, in dessen dazugehörigem Video Giulia Becker Unterstützung von – natürlich – weiblichen TV-Größen wie Ina Müller oder Nora Tschirner erhält. Denn hinter der humorigen, satirischen Behandlung dieses ernsten Themas steckt eine wichtige Botschaft: Körperliche Reduzierungen sind eben tatsächlich nicht mehr als zwar weit verbreiteter, im Endeffekt jedoch willkürlicher, fortlaufender Blödsinn. Vielleicht lernen wir ja was draus…

 

Rock and Roll.

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Böhmermann’s back! – #verafake und der Sand im Getriebe der Bloßstellerindustrie


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Mensch, Böhmermann! Der Bremer Jung‘ entwickelt sich so langsam aber sicher zu einem der verdientesten Kandidaten der „Person des Jahres“ (freilich im positiven Sinn)…

Und eigentlich hatte ich vor einigen Tagen vorgehabt, ein, zwei Worte zu dieser – mindestens unterhaltsamen – „Novo Magazin Khasan“ betitelten, liebevoll nachgeahmten Hommage, die sich da ein medienaffiner Fanboy ausgedacht hat, zu verlieren, während Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“ eine selbstverordnete mehrwöchige (Zwangs)Pause eingelegt haben – Sie erinnern sich wohl: „Schmähkritik„, Böhmi vs. Recep Tayyip Erdoğan, Anzeige aus der Türkei, eine scheinbar überforderte Bundeskanzlerin und eine drohende, an Lächerlichkeit kaum zu überbietende Staatskrise, ausgelöst von einem forschen Moderator einer immer besser werdenden Show auf einem öffentlich-rechtlichen Spartensender… Kam ich zeitlich nicht dazu, kann ich hiermit auch vergessen (den Link zur einmaligen Episode von „Novo Magazin Khasan“ lasse ich trotzdem da), denn Böhmermann und seine „Neo Magazin Royale“-Mannschaft haben sich am vergangenen Donnerstag mit einem medialen Paukenschlag zurückgemeldet. Klar, einfach so konnte er – einem veritablen Gast wie Gregor Gysi zum Trotz – nach all dem „Ziegenficker“-Bohei irgendwie nicht weitermachen. Aber mit seiner neusten Aktion hat Böhmi wohl sogar sich selbst noch einmal überboten…

Denn unter dem Hashtag #verafake hat Jan Böhmermann nun die nächste subversive Aktion ausgeheckt, im Geheimen geplant und erfolgreich durchgeführt. Um die an Menschenverachtung grenzende Bloßstellung von *hust* Individuen mit überschaubarem Intellekt in der RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ aufzuzeigen, hat das Team von „Neo Magazin Royale“ zwei Schauspieler engagiert, die als debile Vater-Sohn-Kombi für die voyeuristische Verkupplungsshow angemeldet wurden. Das Casting-Team von „Schwiegertochter gesucht“ schien vom 21-jährigen Duisburger Robin und seinem Alk vernichtenden Vater begeistert gewesen zu sein und holte die beiden in die Sendung. Und siehe da: Obendrein wurden Simon Steinhorst alias „Robin, der einsame Eisenbahnfreund“ und Andreas Schneiders alias René Schulte sogar (temporär) zum beliebtesten Heiratsanwärter-Team der aktuellen Staffel.

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Dass der Kölner Privatsender mit den drei Buchstaben nie für Qualitätsfernsehen mit intellektuellem Mehrwert stand, dürfte für niemanden neu sein. Dass RTL – spätestens seit den Neunzigern – offensiv seinen Teil zur kollektiven Volksverdummung beiträgt und all jene nur allzu gern verarscht, die ebendas bereitwillig mit sich tun lassen, auch nicht. Und irgendwie schlagen Böhmermann, dessen Hass auf Privatfernsehen und dessen Mechanismen hinlänglich bekannt sein dürfte, und sein Team den Privatsender mit seinen eigenen Waffen, denn war es nicht unlängst RTL, dass den 73-jährigen Enthüllungsmann Günter Wallraff zu sich ins Boot holte, um unter dem Titel „Team Wallraff – Reporter undercover“  Missstände in Burgerbratereien oder Krankenhäusern aufzudecken? Also drehen Böhmi und Co. den Spieß um, betreiben den unglaublichen Aufwand, in Duisburg eine Wohnung anzumieten, diese komplett spleenig mit Sammelobjekten von „Schildkrötenfan Robin“ und allerlei leeren Bierflaschen von Vater Schulte einzurichten und die beiden fiktiv-übertriebenen Charaktere dann bei „Schwiegertochter gesucht“ anzumelden. Dass das Team von Moderatorin Vera Int-Veen dem von „Neo Magazin Royale“ – die sich hier, in Anlehnung an Wallraff, schelmisch augenzwinkernd „Team Royaleraff“ nennen – auf den Leim geht, ist irgendwie bezeichnend, geht es RTL doch um nichts anderes, als Menschen für möglichst kleines Geld und maximale Profite bloß zu stellen. Bloßsteller stellen Bloßsteller bloß – genial. Dass all die ad-hoc-Reaktionen seitens RTL lediglich halbherzig ausfielen, ist nur umso bezeichnender.

Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“ werden mit dieser geradezu unglaublich guten Enthüllungsaktion, mit der die Show eine Rückkehr mit Ausrufezeichen feiert, freilich kaum die Welt verändern. Aber sie zeigen immer und immer wieder – ob nun mit früheren Aktionen wie dem „Be deutsch!„-Rammstein-Karaoke oder jüngst der Erdogan-„Schmähkritik“ – auf, in welch perverse Richtung sich diese Welt – auch abseits der Medien – entwickelt. Nein, dadurch werden keine Kriege gestoppt, Hungersnöte in Luft aufgelöst oder Blinde wieder sehend gemacht. Aber überraschende Aktion wie diese sollten jeden zum Nachdenken anregen – und sei es nur über die eigenen Fernsehgewohnheiten. Oder, im besten Fall auch: mit Niveau unterhalten. Und das kann aktuell niemand besser als Jan Böhmermann. Basta.

 

Mit #verafake wird klar, wie sehr Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“ in den letzten Wochen gefehlt haben, aber jetzt sind sie ja glücklicherweise wieder zurück – hier könnt ihr die Aktion sehen:

 

Rock and Roll.

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