Schlagwort-Archive: Horror

„Rakka“ – Neill Blomkamp stellt kompletten Kurzfilm mit Sigourney Weaver online


oats-studios-rakka-image-6

Der südafrikanische Regisseur Neill Blomkamp („District 9“, „Elysium“, „Chappie“) und die kürzlich gegründeten amerikanisch-kanadischen Oats Studios haben ihren ersten gemeinsamen Kurzfilm „Rakka“ veröffentlicht. Zu sehen ist der wilde Mix aus Science-Fiction und Horror kostenfrei auf YouTube und Steam.

Rakka“ spielt im Jahr 2020. Die Menschheit wurde von außerirdischen Echsenwesen versklavt. Diese haben begonnen, die Welt und die Atmosphäre zu verändern. Überall ragen schwarze, organisch aussehende Türme in den Himmel. Die Menschen werden entweder getötet oder für grausame Experimente missbraucht. Nur eine kleine Gruppe von freien Überlebenden, geführt von Sigourney Weaver (die ja spätestens seit „Alien“ als ausgewiesene Expertin im Kampf gegen außerirdische Dreckviecher gilt), stellt sich im post-apokalyptischen Texas gegen die Invasoren.

„In ‚Rakka‘ seht ihr, was auf unserer Welt passiert. Nur verlagert in eine Science-Fiction-Kulisse“, sagt Blomkamp. „Die ursprüngliche Idee war es, zu zeigen, wie eine lokale Gemeinschaft auf eine Besatzungsmacht reagiert.“ Viele Momente erinnern daher an Szenen, die wir (leider) aus den Nachrichten kennen, wenn etwa wieder einmal über Kämpfe zwischen Syrern und dem sogenannten Islamischen Staat berichtet wird. Wie die Islamisten zerstören auch die Klum (wie die außerirdischen Echsenwesen im Kurzfilm heißen) Denkmäler und Symbole von Kunst- und Kultur. Auch Momente aus Dokumentationen rund um den Zweiten Weltkrieg, den Vietnam- und Irakkrieg spiegeln sich in den Bildern von „Rakka“ (das seinen Namen wiederum von einer Stadt im Norden Syriens hat, welche lange Zeit als Hochburg des IS im Land galt).

oats-1

Neill Blomkamp, der seine Karriere mit Kurzfilmen begonnen hatte (und welche zum Teil, wie „Alive in Joburg“ zu „District 9“ und mit „Tetra Vaal“ zu „Chappie„, zu abendfüllenden Spielfilmen wurden), sieht das Kurzfilm-Projekt sowie Oats Studios vor allen als Testfeld für neue, experimentelle Ideen, die man anderswo – und vor allem außerhalb des weltweiten Netzes – schwer verwirklichen könne. „Rakka“ gehört zu Volume 1 der geplanten Kurzfilmreihe, die aus insgesamt drei jeweils zwanzigminütigen Episoden bestehen soll.

Die ersten drei Kapitel sollen kostenlos zu sehen sein. Ein weiteres Ziel des Projekts sei es, zu sehen, wie gut das Publikum die Reihe annimmt. So will man feststellen, ob sich mit Volume 2 Geld verdienen lässt, indem die Zuschauer für die einzelnen Episoden zahlen. Der Vertrieb soll über die Gaming-Plattform Steam erfolgen.

 

 

Weitere Infos findet ihr hier

 

Rock and Roll.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Der Kurzfilm „Monsters“ – Denn sie sind nicht, was du glaubst…


featured-monsters

Die zehnjährige Jenn hat noch nie in ihren Leben einen Baum, das Gras, weite Landschaften geschweige denn das Sonnenlicht gesehen. Ihr gesamtes bisheriges Dasein hat sie mit ihrer Familie in einem kleinen Bunkerraum unter der Erde verbracht. Ihr Vater, ihre Mutter und ihr älterer Bruder nennen ihr dafür auch gute Gründe: So wird die Welt da draußen seit der Zeit vor ihrer Geburt von schrecklichen, gefährlichen Monstern heimgesucht. Monster, vor denen sie bislang von ihrer Familie geschützt wird. Doch Jenn möchte wissen, wie es jenseits der dicken Stahltür und außerhalb des dunklen, tristen Bunkers aussieht – ganz natürlich, eigentlich, denn wer möchte schon Tag für Tag, Jahr für Jahr nur vier Wände anstarren, während man auf den Rest der Familie wartet, der irgendwo draußen (vermeintlich) Dinge zum (Über)Leben besorgt? Also beschließt Jenn, sich heimlich nach draußen zu wagen. Doch was sie dort vorfindet, ist weitaus schlimmer als all die Monster, die sie sich bislang lediglich in ihren (Alb)Träumen in dunklen Farben ausgemalt hat…

Bei dem etwa viertelstündigen Kurzfilm „Monsters“ von Regisseur Steve Desmond – nicht zu verwechseln mit dem Film „Monster“, welcher als Vorlage für den Kinofilm „The Babadook“ diente – handelt es sich um eine dystopische Geschichte, die in ferner (?) Zukunft spielt und deren eigentliches Ausmaß erst am Ende klar wird. Eine unglaublich packende und gut durchdachte Idee, die hier professionell als Kickstarter-Projekt umgesetzt wurde. Sehr überraschend das Ganze, für welches sich Desmond seine Inspiration etwa bei „The Twilight Zone“, „Outer Limits“ oder Alfred Hitchcock holte. Freunde (nicht nur) von jüngsten kammerspielartigen Zelluloidwerken wie „10 Cloverfield Lane“ dürfen hier gern 15 Minuten ihrer Zeit investieren…

 

“Every once in a while, we’ll stumble upon a new horror short film that really blows us away, both in execution and in style. This is one of those shorts.” – Blumhouse.com

„Hot damn is this one cool, with skilled and deliberate frame compositions, sound effects, and tension galore. The young lead, Caitlin Carmichael, gives a damn impressive performance as a young lady simply trying to survive.“ – Ain’t It Cool News

„A sharp, startling burst of horror, folding multiple genre accents (post-apocalyptic horror, sci-fi, coming-of-age tales) into a twisted structure.“ – Fun Size Horror

„The horror magic with this short film is after watching it. I love it when a film remains in your mind.“ – Bleeding Critic

„Monsters is a proposed segment for an anthology. I’d love to see it made somewhere, since if all the segments are this memorable and creepy, we’re in store for a bang up horror thriller.“ – Cinema Crazed

„This one packs a punch that many feature films only attempt to achieve.“ – Horror Show

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„A History Of Horror“ – 121 Jahre Grusel und Gänsehaut in 12 Minuten


massive-b-horror-collage-wallpaper-horror-movies-29491579-2560-1600

Es gibt Zeiten, in denen das Horror-Genre, seines Zeichens eines der gleichsam ältesten  wie beliebtesten Genres der Kinogeschichte, plötzlich explodiert und ein großer, toller Film nach dem nächsten auf die Leinwand kommt. Dann wiederum gibt es ganze Durststrecken, bei denen man sich fragt, ob in diesem wohl lebendigsten Genre von allen in bereits alles auserzählt, schon jeder Nervenkitzel durchlebt worden ist.

Möglicherweise erlebt der Horrorfilm gerade wieder eine neue Blütezeit, mit sowohl außer- wie ungewöhnlichen und unheimlichen Streifen wie „It Follows“ (aus den USA), „Berberian Sound Studio“ (Großbritannien), „Ich seh, ich seh“ (Österreich), „Cabin In The Woods“ (USA), „Trollhunter“ (Norwegen), „Under The Skin“ (Großbritannien), „So finster die Nacht“ (Schweden), „The Host“ (Südkorea) oder jüngst „Der Nachtmahr“ (Deutschland).

Ein ebenso kluger wie engagierter YouTuber hat sich nun die Mühe gemacht, die gesamte Geschichte des Horrorfilms von 1895 bis zum Jahr 2016 in einem 12-minütigen Video zusammenzufassen. Für jedes Jahr hat er dabei ein Film ausgewählt (was den einen oder anderen Cineasten erschrecken könnte, denn in den 70ern erschienen in manchen Jahren gleich ein halbes Dutzend großer Horrorfilme), von Thomas Edisons Schwarz-weiß-Stop-Motion „The Execution Of Mary Stuart“ bis zum unterschwelligen, vielerorts gelobten Mystery-Horror „The Witch“.

Natürlich mag die Auswahl manchmal diskutable bis fragwürdig sein (man macht’s ja nie allen recht), doch beeindruckend ist schon allein, dass es dem kleinen (Kurz)Film gelingt, mit nur wenigen Bildern zu zeigen, welch‘ suggestive Ausdruckskraft all diesen Filmklassikern innewohnt…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Hell No“ – Endlich Horrorfilme mit Köpfchen möglich


hell-no

Wie oft hat sich jeder von uns beim Anschauen eines Horrorfilms schon Fragen wie „Warum, zur Hölle?“ oder „Wie kann man nur so dämlich sein?“ gestellt? Nein, wenn der potentielle Mörder vor der Haustür steht, dann rennt man nicht am Hinterausgang vorbei und ins obere Stockwerk! Nein, in brenzligen Situationen, in welchen es – nicht nur sprichwörtlich – um Kopf und Kragen geht, trennt man sich nicht! Oftmals entstehen die Horrorszenen doch einfach nur aus unlogischen Entscheidungen, die kein normaler Mensch je so treffen würde.

Und genau da setzt „Hell No: The Sensible Horror Film“ von Joe Nicolosi, John Freiler und ihrem PixelsPerSecond-Team an: Schlaue Charaktere, gute und gründlich durchdachte Entscheidungen – nur kein Risiko, bitte. Klar wird mit dieser übertrieben logischen Herangehensweise kein Horrorfilmfan froh, aber für einen amüsanten, hypothetischen Trailer reicht das allemal…

2820382_orig

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

Flimmerstunde – Teil 33


Tusk – Der Mensch ist das gefährlichste Tier“ (2014)

tusk_ver3Der ebenso erfolgreiche wie selbstverliebte Podcaster Wallace Bryton (Justin Long) strandet aufgrund unglücklicher Umstände in einem kanadischen Provinznest. Da sich sein Interviewtermin kurzfristig ins Jenseits befördert hat, ist er nun händeringend auf der Suche nach einem neuen Gesprächspartner für die nächste Podcast-Show. Durch Zufall stößt er auf eine Annonce des alten Abenteurers Howard Howe (Michael Parks), in welcher ihm aufregende Gesichten versprochen werden. Und in der Tat: Schon als Bryton bei Howes abgelegenem Anwesen ankommt, offeriert ihm der alte, anscheinlich an einen Rollstuhl gefesselte Mann aufregende Stories von Krieg und Hemingway. Was er jedoch noch nicht ahnt: Howe ist seit einem Erlebnis auf hoher See manisch von Walrossen fasziniert. Noch bevor der sensationsgeile Internetstar seine Teetasse leeren kann, fällt er betäubt zu Boden. Und als er wieder erwacht, merkt er, dass der alte Mann etwas ganz Besonderes mit ihm vor hat: Er möchte ihn operativ in ein Walross verwandeln!

Sein bester Freund und Co-Podcaster Teddy (Haley Joel Osment aus „The Sixth Sense“ – 15 Jahre, wie die Zeit vergeht…) beginnt sich unterdessen Sorgen zu machen. Gemeinsam mit Wallaces Freundin Allison (Genesis Rodriguez) begibt er sich auf die Suche. Unterstützt werden sie dabei von Montreals einstmals bestem Ermittler Guy LaPointe (Johnny Depp, der in dieser weirden Maskerade kaum wiederzukennen ist), der dem Serientäter Howe schon länger hinterher jagt. Viel Zeit bleibt ihnen jedoch nicht, denn Howard Howe hat sein teuflisches Handwerk bereits begonnen und in Kanadas Weiten hört niemand Wallace schreien…

ca226e99696d219492fa66209c0835c5

„Tusk“ ist der Auftakt zur „True-North“-Trilogie von Regisseur Kevin Smith („Clerks“, „Dogma“), in der dieser kanadische Mythen und Legenden als Horrorkomödien ins (Independent-)Kino bringt. Die Idee zum Film, den man gut und gern als des Regisseurs Ode an die Schadenfreude betrachten kann, geht – natürlich – auf den gemeinsamen Podcast von Kevin Smith und Produzent Scott Mosier, ‚SModcast‘, zurück. In Folge 259, „The Walrus and The Carpenter“, besprechen beide eine Wohnungsanzeige, in der ein Mann eine kostenlose Wohngelegenheit anbietet. Als einzige Gegenleistung verlangte er von seinem Mitbewohner, dass er sich als Walross verkleidet. Daraufhin startete Kevin Smith einen Aufruf an seine Twitter-Follower: Wenn sie wollen, dass aus der Geschichte ein Film wird, sollten sie unter dem Hashtag #WalrusYes ihre Meinung posten. Und scheinbar waren eben jene Meinungen – oder auch einfach nur die Sehnsucht nach einem neuen Film des Kultregisseurs, den die meisten Filmfreunde auch als Gesicht von „Silent Bob“ kennen werden – durchaus positiv. Freilich ist jede der 105 Minuten von „Tusk“ so abseitig und zotig geraten, dass man sich nur allzu leicht ausmalen kann, wie viel Spaß Smith und seine Crew bei diesem Film gehabt haben müssen. Grandios auch: Michael Parks in der Rolle des alten irren Bösewichts, der seinen verzweifelten Gegenüber Justin Long locker an die Wand spielt, sowie Johnny Depp in einer bis zur Unkenntlichkeit überzeichneten Gastrolle. Ausserdem an Bord: Lily-Rose Melody Depp und Harley Quinn Smith, die beiden Töchter von Johnny und Kevin, in kleinen Nebenrollen als Supermarkt-Angestellte.

Wie bereits erwähnt stellt „Tusk“ lediglich den Auftakt zu Kevin Smiths „True-North“-Trilogie dar. Für den zweiten, für 2016 geplanten Teil „Yoga Hosers“ kommt denn auch fast die gesamte Besetzung wieder zurück. Dann jedoch spielen die Töchter von Kevin Smith und Johnny Depp die Hauptrollen. Der abschließende Film der Reihe soll „Moose Jaws“ heißen. Und wenn die beiden folgenden Teile auch nur ansatzweise den abseitigen Humorfaktor von „Tusk“ besitzen sollten, dann dürfte auch da der Daumen nach oben zeigen…

 

 

 

Der Babadook“ (2014)

babadookDie alleinerziehende Mutter Amelia (Essie Davis) hat den gut sechs Jahre zurückliegenden Tod ihres Mannes noch immer nicht überwunden. Hinzu kommt, dass ihr Sohn Samuel (Noah Wiseman) Amelia zunehmend Kummer bereitet. So quälen den Jungen Albträume von einem Monster, das ihn und seine Mutter umbringen will. Als er dann auch noch eine alte Schauergeschichte mit dem Titel „Mister Babadook“ findet, verstärkt dies seine Angst nur noch, verkündet jenes Buch doch, dass man die titelgebende Kreatur nicht mehr loswerden kann, sobald man einmal einen Blick ins Haus hineingeworfen hat. Von seiner Furcht übermannt, wird Samuel immer unberechenbarer und gewalttätiger. Dennoch glaubt die besorgte Amelia zunächst nicht an eine übernatürliche Heimsuchung. Doch nach und nach wird auch sie von verstörenden Erscheinungen geplagt. Hat ihr Sohn vielleicht doch die ganze Zeit Recht gehabt?

The Babadook

Eine zurückgezogen lebende Familie (minus Mann), eine Alltagskulisse samt altem, düsterem Haus, ein verängstigtes Kind – hier hätten wir schon den Stoff, aus dem – spätestens seit „Der Exorzist“ – ach so viele Horrorfilme gestrickt sind. Natürlich ist das Werk der australischen Regisseurin Jennifer Kent etwas anders. Es ist Independent, lässt mehr im Halbschatten des Gruselkabinetts, als dass es zeigt (was wohl auch dem Budget geschuldet sein dürfte). Und als man bereits denkt, dass „The Babadook“ mehr zum hochemotional-deprimierenden Lehrfilm über Trauerarbeit taugt als dass er zum Horrorschmöker ausartet, da nimmt der Film erneut eine Wende – leider nicht (ganz) zum Guten. Klar hat der Streifen – rein inszenatorisch – brillante Momente, und wenn zum Schluss das Monster und seine metaphorische Bedeutung eins werden, ist das wirklich clever umgesetzt. Dennoch ist die Herangehensweise oft zu klinisch, zu gleichsam für dieses Genre. Freilich ist gerade der Horrorbereich mit all seinen Trasher- und Slasher-Beispielen, mit dem stillen wie lauten, dem höchst subjektiven wie offensiven Grusel, den gekonnten Kniffen den selbstironischen Überhöhens wie effektiven Aussparens mehr als ausgereizt. „The Babadook“ will viel, und lässt den Zuschauer nach 95 Minuten zwiespältig zurück. Dabei haben doch jüngst Filme wie „Conjuring“ oder „Insidious“ gezeigt, wie man’s im Grunde besser machen könnte…

 

 

 

Die unüblichen Verdächtigen“ (2013)

Die_unueblichen_Verdaechtigen_-_PosterYonatan (Gil Blank) ist ein kluger Kopf. Vielleicht ist er sogar etwas zu klug für seine (Um)Welt, denn in der Schule wird der Teenager schikaniert und sein einziger Freund ist sein Vater, den er regelmäßig bei seiner Arbeit als Sicherheitsinspektor in einer Bank besucht. All das wäre wohl gerade noch zu ertragen, doch nach einem tragischen Unfall sieht Yonatan sich gezwungen, seine Mutter vor der Armut und aus den Armen eines anderen Mannes, dem schmierigen Bankdirektor, zu retten. Der Junge entwirft einen verrückten Plan: Mit der Hilfe seines verschrobenen Großvaters Eliyahu (Sasson Gabai), einem ehemaligen Kämpfer der israelischen Untergrundbewegung, dessen durchgedrehten Freund Nick (Moni Moshonov) und eines schrulligen, in Ungnade gefallenen britischen Lords (Patrick Stewart) will er die Bank, die seine Familie in der Not im Stich gelassen hat, ausrauben. Ob das gut geht?

594766.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx

Freilich ist das Gros der Zutaten der israelischen Komödie, die im Juli 2013 auf dem Jerusalem Film Festival in Israel ihre Premiere feierte, nicht neu. Ein ausgefuchster Jungspund, ein Haufen alter, greiser Säcke und ein schmieriger Bösewicht auf der anderen Seite, dem das ungleiche Pack aus Alt und Jung an den Kragen will – all das ist seit Jahr und Tag Stoff für unzählige Komödien dies- wie jenseits von Hollywood. Und obwohl der Film des israelischen Regisseurs Reshef Levi während seiner kurzweiligen 107 Minuten zahlreichen Klischees (bewusst?) nicht ausspart, und sich obendrein die ein oder andere sentimentale stille Szene gönnt, wird man bei „Hunting Elephants“ (so der englische Originaltitel) gut unterhalten. Obendrein läuft Patrick Stewart, bekannt vor allem als Captain Jean-Luc Picard aus „Star Trek: The Next Generation“ oder als Professor Charles Xavier in der „X-Men“-Reihe, in zweiter Reihe zu ganz großer Form auf, denn der mittlerweile 74-Jährige ist neben seinen Rollen in Kino- und TV-Produktionen auf ein äußerst formidabler Theaterrecke (auch wenn er für die Rolle des Lord Michael Simpson erst einsprang, nachdem John Cleese aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste).

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Flimmerstunde – Teil 28


„13 Sins“ (2014)

13 sins (movie poster)Elliot (Mark Webber) muss sich in diesem Moment wie eine der ärmsten Säue des Planten fühlen: Sein Vorgesetzter kündigt ihm mit perfekt zurecht gelogenem Perlweisslächeln den Job, sein geistig behinderter Bruder macht nur Ärger und zu allem Überfluss sind er und seine schwangere schwarze Freundin Shelby (Rutina Wesley) auch noch gezwungen, seinen dezent rassistisch veranlagten dementen Vater bei sich aufzunehmen. Dabei steht ihre Hochzeit kurz bevor, und in den USA bedeutet „kein Job“ auch gleichzeitig „keine Zukunft“ und „keine Krankenversicherung“ (für die komplette Familie!). Was also nun, was also tun? Und so glaubt Elliot in dem Moment, als er eines Abends den Anruf von einem ihm unbekannten Mann erhält, in welchem der ihm die Chance anbietet, eine große Summe Geld in einer höchst mysteriösen Game Show zu gewinnen, eher an einen gut getimten schlechten Scherz der Marke „Versteckte Kamera“ als an die reelle Aussicht auf ein unbeschwertes Leben. Doch der Anrufer, der nahezu alles über seinen Gesprächspartner zu wissen scheint, meint es ernst, auch wenn die Sache ein paar nicht unbedeutende Haken hat: Elliot muss dafür 13 schwierige Herausforderungen bestehen… Eintausend Dollar erhält der Kandidat als Sofortüberweisung. Nach Erfüllung der weiteren Aufgaben folgt jeweils die nächste, sich von Mal zu Mal erhöhende Belohung. Die vom Anrufer geforderten Aufgaben beginnen zunächst mit etwas simpleren Vergehen wie Vandalismus, doch der Schweregrad steigert sich von Mission zu Mission. Und Aufgeben hätte den sofortigen Verlust aller bisher erkämpften Dollar zur Folge. Bald schon ist Elliot die Polizei – allen voran der zwielichtige Ermittler Chilcoat (Ron Perlman) – auf den Fersen. Wie weit ist der eigentlich so schüchterne junge Mann bereit zu gehen, um den großen Jackpot zu knacken? Und wer steckt hinter den perfiden Mutproben?

13 sins scene

Wie so oft im Horror- und Suspense-Genre liegt auch dem neusten Filmwerk des 1976 in Hamburg geborenen deutschen Independent-Schauspielers und Filmemachers Daniel Stamm (u.a. „Der letzte Exorzismus“) ein Original aus dem asiatischen Raum zugrunde: Die thailändische Horrorkomödie-meets-Psychothriller „13 Beloved“ erschien bereits 2006. Und wie so oft krankt das US-Remake daran, dass es einfach zu oft zu viel will – und das am besten gleichzeitig. Dabei ist „13 Sins“ am Ende seiner gut zwei Stunden weder Filmfleisch noch -Fisch, eben weil Stamm zu oft zwischen Splatter-Komödie und düsteren Psychothriller-Spielchen hin und her changiert, dabei jedoch die Story etwas aus den Augen verliert und „13 Sins“ schlussendlich auf eine viel zu offensichtlich Pointe hinsteuern lässt – da können auch die beiden Hauptdarsteller Mark Webber (u.a. „The End Of Love“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“; weder verwandt noch verschwägert mit dem Ex-Formel 1-Fahrer), dem man den Normalo leider vor allem wegen seiner darstellerischen Farblosigkeit abnimmt, und Ron Perlman (u.a. „Hellboy“, „Blade II“, „Drive“ oder seine derzeitige Paraderolle als fieser Bikerchef Clarence „Clay“ Morrow in der erfolgreichen TV-Serie „Sons Of Anarchy“), der sich wie kaum ein zweiter im B-Rollen-Fach häuslich eingerichtet zu haben scheint, nichts mehr retten. Unterm Strich bleibt „13 Sins“ zwar gute Unterhaltung, doch an spürt, dass da deutlich mehr drin gewesen wäre…

 

 

 

„Sound Of Noise“ (2010)

sound of noise plakatGar Skurriles spielt sich da im verschlafenen schwedischen 300.000-Einwohner-Städtchen Malmö ab: Da entert eine sechsköpfige, scheinbar radikale Gruppierung in Tarnverkleidung wahlweise Baustellen, Bankfilialen oder den OP-Saal des örtlichen Krankenhauses, um reichlich Unruhe und noch mehr Verwirrung zu stiften.  Denn neben der Aufrüttelung der örtlichen Kulturszene (das nimmt man freilich gern in Kauf) haben Sanna (Sanna Persson), Magnus (Magnus Börjeson) und ihre vier Komplizen nur eines im Sinn: sie wollen spielen – im wahrsten Wortsinne. So kapern die sechs hochbegabten Schlagzeuger im Zuge ihrer vierteiligen „Symphonie“ mal einen Operationssaal und nutzen den verdutzten beleibten Patienten als Resonanzkörper (dieser Akt wird dann ganz nonchalant „Doctor Doctor Gimme Gas In My Ass“ genannt), schreddern in „Money 4 U, Honey“ so manche Banknote, während der Bankstempel im Takt auf Formulare trifft un Münzen prasseln, bringen während „Fuck The Music“ das lokale Konzerthaus inmitten einer Aufführung mittels Bulldozern zum Beben oder verwandeln in „Electric Love“ vom Elektrizitätswerk aus eben gleich die ganze Stadt in ein taktvolles Meer aus Licht und Dunkelheit. Bei solch‘ abstrusen Plänen ist selbst – und vor allem – die Polizei von Malmö, bei denen ausgerechnet der aus höchst persönlichen Gründen musikfeindliche Ermittler Amadeus Warnebring (Bengt Nilsson) auf den Fall angesetzt wird, ratlos. Doch siehe da: Irgendwann kommt Warnebring dem trommelnden Anarcho-Sextett auf die Schliche. Und bringt damit doch vor allem sein ach so lange gehegtes Sehnen nach Stille ins Wanken…

SoN02.jpg

Sieht man heute den 2001 entstandenen und „Sound Of Noise“ zugrunde liegenden zehnminütigen Kurzfilm „Music For One Apartment And Six Drummers“ (gibt’s weiter unten zu sehen), so schien die Idee des Regieduos aus Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson nur allzu konsequent, ihr Experiment der Klangerzeugung und -auslotung auf im Grunde artfremden Gegenständen auf spaßige 80 Minuten auszudehnen. Also setzten sich die Trommelfetischisten mit Kumpel Magnus Börjeson (der dann auch gleich die Filmrolle des ideengebenden Maestros übernahm) zusammen und ersponnen eine irrwitzige Story rund um Drumming, verquere Persönlichkeiten und irrwitzige Situationskomik, bei der selbst Freunde der gut eingetüteten Love Story nicht zu kurz kommen. Wenn man so will, stellt „Sound Of Noise“ die ungleich begabtere schwedische Variante von „Pussy Riot“ dar – Skimasken, Anarchiegedanken und intellektuelles Grundgerüst inklusive. Nicht erst durch die Blue Man Group, Stomp und Konsorten sollte hinlänglich bekannt sein, dass eigentlich alles zur spontanen Trommelsession taugt, während US-Militärs die Songs von Metallica als Folterwerkzeuge missbrauchen und Otto Normal schutzlos und nahezu 24 Stunden täglich der mal bewussten, viel öfter unterbewussten Dauerberieselung ausgeliefert ist. Auf Filmfestivals von Stockholm bis Cannes mauserte sich der Film ebenso zum Zuschauer- wie Kritikerliebling, erntete bei der Filmcommunity von indieWire die löbliche Umschreibung „Bonnie and Clyde on drums“ und gilt heute längst als „Kultfilm“ für alle Freunde des auch sonst immer so herrlich etwas abseits der Spur tanzenden skandinavischen Programmkinos. Wer diesem also ohnehin zugetan sein sollte, dem sei „Sound Of Noise“, dieses charmant andere Independent-Zelluloid-Kleinod aus Schweden, wärmstens ans Herz gelegt. Der Rest des konservativen Spießbürgertums darf gern weiter in öden Harmonien der MCs Haydn, Mozart oder Beethoven lauschen…

(Kleiner Tipp am Rande: Beim Online-Versandhaus mit dem großen „A“ bekommt man „The Sound Of Noise“ aktuell geradezu lachhaft preisgünstig in der schicken „Limitierten Soundtrack Edition“ inklusive Bonusmaterial, informativem Booklet und dem Soundtrack auf Compact Disc – was ja bei einem Film wie diesem durchaus passend erscheint…)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…eine weitere kurze Sequenz aus dem Film…

 

…und, wie weiter oben angekündigt, den etwa neun Jahre vor „Sound Of Noise“ in identischer Besetzung entstandenen Kurzfilm „Music For One Apartment And Six Drummers“:

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: