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Song des Tages: Moses Pelham – „Meine Heimat“


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Moses Pelham covert Lena Meyer-Landrut.

Was klingt wie ein schlecht angegangener popkultureller Witz, ist so wirklich kürzlich passiert – in der VOX-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert„.

Das Konzept hierbei dürfte bekannt sein (im Zweifel weiß Wikipedia freilich fast alles): „Sieben deutschsprachige Sänger aus verschiedenen Genres kommen an einem abgeschiedenen Ort zusammen. Jeder der ersten sieben Abende, die aufgezeichnet werden, ist einem der Musiker gewidmet. Die anderen sechs Interpreten singen jeweils in ihrem eigenen Stil ein Lied von ihm als Coverversion vor, mit Bandbegleitung, aber ohne weiteres Publikum. Vor jedem der Auftritte werden Ausschnitte aus den Originalvideos zum Vergleich gezeigt. Die Musiker kommentieren die Lieder, negative Kritik wird aber nicht geübt. Zusätzlich singt der Interpret des Abends ein eigenes aktuelles Lied und kürt am Ende der Folge den Song des Abends, dessen Interpretation ihm am besten gefallen hat. In der abschließenden achten Folge singen die Musiker dann noch einmal ausgewählte Lieder im Duett.“

Vielsagend auch der folgende Satz: „Der Song des Abends wird am nächsten Tag als Download-Single veröffentlicht. Dazu gibt es ein Album zur Staffel mit den besten Darbietungen aus den verschiedenen Folgen.“There’s no business like show business, klar. Gerade in Zeiten, in denen das Musikgeschäft schnelllebiger denn je erscheint und allzeit eine neue Penunzensau durchs – heute meist digitale – Dorf jagen muss, gilt es natürlich, auch den kleinsten gemeinsamen Nenner zu versilbern…

Doch zurück zu „Sing meinen Song„. Bei der Show, die – nach einer Idee aus dem niederländischen TV (dort heißt’s „De beste zangers van Nederland“ und ist noch zig Mal peinlicher, glaubt mir) – in Deutschland seit 2014 läuft und mittlerweile in die vierte Staffel gegangen ist, sitzen sich ja eh meist eher zweifelhafte Persönlichkeiten der bundesdeutschen Pop-Landschaft gegenüber. In der Vergangenheit waren dies etwa „Dick Brave“-Sasha, der rückständige Tiroler Volktümler Andreas Gabalier, Nervsirene Sarah Connor, Xavier „Aluhut“ Naidoo, Pur-Frontmann Hartmut „Abenteuerland“ Engler, die brav trällernden Prinzen, die auf ewig jung getrimmte Oma Nena, Wolfgang „BAP“ Niedecken, der olle Springsteen’n’Dylan-Ultra, den außerhalb Kölns sowieso kaum jemand versteht, Andreas Bourani (der mit dem WM-Song-One-Hitter), Hauchstimme Yvonne Catterfeld oder das alte Fräulein Annett Louisan (plus so einige Lückenfüller). Man merkt schnell: die so zusammengewürfelten Combos lesen sich zwar relativ spannend, klingen am Ende jedoch exakt wie der Song, den man nach – gefühlt ewigen – fünf Sekunden skippen möchte.

Auch 2017 liest sich die Besetzung kaum besser: Grinsekatze Mark Forster, Stefanie „Silbermond“ Kloß, Lena Meyer-Landrut, Moses Pelham (plus Cassandra Steen, die dieser oft zum Singen ans Mikro stellt), Michael Patrick Kelly (ja, der „Paddy“ von der Kelly Family) und der Leiter des Osnabrücker Bob-Marley-Fanclubs, Gentleman (bei dessen falsch aufgesetztem jamaikanischem Slang mich jedes Mal ein spontaner Würgreflex durchfährt). Möchte man das sehen? Oder hören? Genau.

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Und doch gibt es erfreulicherweise (auch das darf man ja gern zugeben) immer wieder Ausreißer nach oben. So geschehen bei der eingangs erwähnten Coverversionen von Moses Pelham.

Klar, auch die Personalie des deutschen Rappers und Musikproduzenten ist nicht ganz unumstritten: Anfang der Neunziger war der 1971 in Frankfurt am Main geborene Sohn eines US-amerikanischen Bluesmusikers (Moe Pelham Sr.) und einer deutschen Versicherungskauffrau einer der Mitbegründer des zwar legendären, jedoch auch kurzlebigen Rödelheim Hartreim Projekt, verhalf damals jungen Talenten wie Sabrina „Schwester S“ Setlur, Xavier Naidoo oder Cassandra Steen (Glashaus) zum Sprung in die vorderen Chartregionen, während er selbst sich immer mehr auf die Arbeit an den Reglern konzentrierte. Ja klar, Pelham ist auch der Mann, der einem gewissen Stefan Raab 1997 bei einer Rangelei während der „Echo“-Preisverleihung das Nasenbein brach (wer könnte es ihm groß verdenken). Gut, dass der mittlerweile 46-Jährige es heutzutage grundlegend ruhiger angehen lässt und die eigenen Rap-Skills nur noch alle paar Jahre unter Beweis stellt (zuletzt 2012 auf dem gar nicht mal so schlechten Album „Geteiltes Leid 3„). Andererseits sollte man froh sein über einen wie Moses Pelham in der deutschen HipHop- und Poplandschaft, sind dessen (neuere) Songs doch erfreulich frei vom gefakten Gliedvergleich-Bling-Bling-Wortschatz, den viele seiner jüngeren Kollegen so gern kultivieren. Manchmal will man eben nicht hören, was der Goldkettchen tragende, im gemieteten Sportwagen vorfahrende, milchgesichtig-aufgepumpte Sonnenbank-Azzlak gern mit der eigenen Mutter tun würde…

Auf der anderen Seite Lena. Also: Lena Meyer-Landrut. Also: Die, die 2010 (verdammt lang her fühlt sich das an), unterstützt von einem gewissen Stefan Raab (ja, der schon wieder), den „Eurovision Song Contest“ für ‚Schland gewinnen konnte (mit dem tatsächlich hundsgemein eingängigen „Satellite„). Chapeau dafür, sicher. Aber abgesehen davon – und von der Tatsache, dass sich die mittlerweile 26-Jährige noch immer im Löwenkäfig Popmusikgeschäft halten kann – ist die Dame – und mit dieser Meinung bin ich sicherlich kaum allein – einfach nur eines: aufgesetzt und unerträglich. Ernsthaft. Und wer’s nicht glaubt, der sehe sich einmal die 2012 gefilmte Folge der arte-Sendung „Durch die Nacht mit…“ an, in welcher sie mit Emo-Rapper Casper durch Berlin fährt (und nicht nur diesem mit ihrer affektiert-zickigen Art sichtlich aufs Nervenkostüm steigt).

26-04-2013 - columbia_sony nina - MOSES PELHAM cover

Long story short: Moses Pelham, in seiner Position so etwas wie Deutschlands Antwort auf P. Diddy, nimmt sich tatsächlich einen Song von Lena Meyer-Landrut vor: „Home„, erschienen 2015 auf dem Album „Crystal Sky„. Man möchte dem Liebchen ja die Gerührtheit abnehmen, aber: Dass Lena bei der Pelham’schen Variante ihres eigenen Rührstückes, dass sie damals einer verstorbenen Freundin widmete, die Tränchen übers kajalene Püppchengesicht kullern, mag ja erst einmal wenig heißen, schließlich lebt auch (und gerade) eine VOX-Show wie „Sing meinen Song“ von all den „großen Emotionen“. „Realness“? Nur, wenn’s das Script vorgibt. Lächeln, Nicken und auf Knopfdruck heulen ist unter der Sonne Südafrikas sicherlich um Einiges entspannter…

Aber ich gebe es zu: Moses Pelhams gemeinsam mit Silberjulimond-Frontfrau Stefanie Kloß zu Live-Instrumentarium vorgetragene Version, nun eben „Meine Heimat“ betitelt, hat was. Mehr noch: sie ist sehr, sehr schön. Und das sollte man, bei aller Kritik für ebenjenes TV-Format, auch einfach mal so stehen lassen.

 

 

„Meine Heimat ist ein kleiner Fleck auf dieser Erde
Hier kriegt mich keiner weg, selbst wenn ich wieder sterbe
Wurst wie hart die Purge – Mann, ums Verrecken nicht
Ich lass‘ alles los, nur diesen Fleck hier nicht
Lass‘ die Spacken, ich höre sie beleidigen mich
Ist alles Latte, nur dieses hier verteidige ich
Das bis aufs Blut, Mann, ich geb‘ alles her – mein Hab und Gut, aber das nie mehr

Meine Heimat ist ein Platz mit Licht in der Mitte
Aufgrund dieses Flecks habe ich mich gestritten
Was ein Fehler bleibt und ist, denn jeder Grund für Streit ist Gegenteil des Lichts – die Dunkelheit
Ich sag‘: Hochwürden wie er wohnt und wo er lebt
Er schuf mich nicht in Kirche, Synagoge und Moscheen
Sondern in einer Welt von nicht zu fassender Süße
Selten wie das Wasser in der Wüste

Meine Heimat ist ein Herz

Our heart goes on and on
Our hearts beating like a drum
In the dark you made me strong like you’ve always done
I’ll carry you home
You’re in my heart and in my bones
I’ll carry you home…

Meine Heimat ist ein kleines, reines Geheimnis
Allein dass sie meinen es ist mir unwahrscheinlich heilig, das weiß ich
Wie in jedem Fall ein inniges Vergnügen
Der Seele Sicherheit und meiner Sinne Flügel
Meine Heimat ist ein pumpender Thron, der für mich schlägt
Von unten nach oben und an die Schläfen und weiter
Und Du weißt, dass Du niemals mehr alleine bist, wenn meine Heimat Deine Heimat ist

Meine Heimat ist ein Herz!

And I love you, I love you…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fayzen – „Herr Afshin“


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Noch vor ein paar Wochen dekodierten Jan Böhmermann und seine „NEO Magazin Royale“-Mannschaft mithilfe von ein paar Zoo-Affen den gesamten deutschen Weichspüler-Pop á la SchweighöferBendzkoGiesingerPoisel derart, dass man keinen der eben Genannten wohl je mehr hören kann (insofern das denn überhaupt jemand freiwillig möchte), ohne mit einem Schmunzeln im Mundwinkel an Böhmermanns formvollendete „Menschen Leben Tanzen Welt“-Persiflage zu denken.

Wer bei Fayzens Musik nicht genauer hinhört, würde den aufstrebenden Hamburger Musiker wohl (vor)schnell in dieselbe musikalische Kategorie stecken. Und könnte damit wohl falscher kaum liegen…

Fayzen-2017

Wer Musik wirklich ernst nimmt, der darf sie gern groß meinen. Der Musiker sollte keine Angst haben vor mächtigen Worten, er sollte etwas wollen, das bedeutender ist als er selbst, und deshalb ist es auch so richtig, dass Fayzen auf die Frage, wieso er im Alter von 15 Jahren mit der Musik angefangen hat, antwortet: „Ich wollte etwas Wahres machen. Und klar, die Welt verändern wollt’ ich schon auch.“

Damals, Ende der Neunziger, geht das mit schnellem, klarem, gesellschaftskritischem Rap der Marke „Freundeskreis“ und Mixtapes, die er mit einem Kumpel selbst produzierte, anschließend – und dazu gehört schon eine Menge Chuzpe und Mut zum Risiko – pressen ließ und von denen der heute 33-jährige Sohn iranischer Einwanderer über die Zeit ganze 20.000 Stück in den Straßen seiner Hamburger Heimat verkauft. Einen Großteil der Einnahmen schenkt er seinen Eltern, als Dankeschön für eine unbeschwerte Kindheit, die sie ihm trotz Flucht aus dem Iran ermöglichten.

Aber auch als Beweis: Schaut, euer Junge schafft das.

Fayzen-Cover-MeerDoch eigentlich zieht es den Jungen da schon wieder weiter. Denn so romantisch die Geschichte vom rappenden Straßenmusiker auch ist: Fayzen, der mit gebürtigen Namen Farsad Zoroofchis heißt, will auf die großen Bühnen und von dort aus gehört werden. Also bastelt er an einem Demo, bringt sich selbst Gitarre und Klavierspiel bei, arbeitet Tag und Nacht an Texten, denn Fayzens Musik kommt vom Wort. Doch umso klarer ihm wird, welche Geschichten er überhaupt erzählen will, desto unklarer ist auf einmal ihr Sound. Er probiert viel aus, schmeißt den Großteil wieder weg, das Demo wird und wird und wird nicht fertig, er lässt trotzdem nicht davon ab – und auch das ist ja eine Wahrheit der Kunst: Die Suche nach ihr auszuhalten, ist oft bereits der halbe Weg.

So ist es auch dieses Mal. Durch Zufall (den es nicht gibt) lernt Fayzen einen Musikmanager des Major-Labels Universal kennen – und plötzlich fließen die Dinge wieder. Er bekommt einen Plattenvertrag, 2013 erscheint sein Album „Meer“. Den HipHop hört man dort, wenn auch verschleiert, immer noch heraus, aber die meisten Titel sind weicher, stiller, Singer/Songwriter-Pop (beinahe) ohne allgemeingültige Worthülsen und die direkt aufs Charts-Podium abzielenden Instant-Gute-Laune-Lyrics vonSchweighöferBendzkoGiesingerPoisel. Fayzen singt von der Sehnsucht nach Zuhause und der Kraft des Fernwehs, er gibt dem Kummer einen Namen und der Hoffnung einen Sound. „Und Reim für Reim öffne ich mein Herz mit jedem Wort / Als ich’s das letzte Mal da draußen tat, da ging mein Mädchen fort“ heißt es etwa in „Paradies“, und selten wurde Liebeskummer im deutschen Pop der letzten Jahre schlichter und größer besungen.

0602557389920Am vergangenen Freitag nun erschien Fayzens neues Album, „Gerne allein“, eine weitere, noch persönlichere Platte, ein weiterer Versuch, mit im Pop gerührten HipHop Max Herre’scher oder Curse’scher Couleur im Kleinen an der Welt zu rütteln. Mit Geschichten aus einem Leben zwischen Hamburger Landungsbrücken und dem Teppichboden der Kindheit, aufrichtig, offen, ohne Schutzschild oder Scham. Klar, nicht jeder Song überzeugt gleichermaßen. Zoroofchis Stücke sind vor allem dann gut, wenn er es eben nicht jeder und jedem recht machen will, wenn er nur von sich und seinem Leben erzählt – man höre nur „Herr Afshin“, in dem der Deutsch-Iraner mit dem sonnig-verträumten Gemüt auf sein gesamtes Leben zurückblickt und von seiner musikalischen Sozialisation sowie der Suche nach einem perfekten Lied erzählt. Und: Ja, Fayzens Musik ist wahrhaftig. Näher vermag ein Künstler der eigenen gefühlten Wahrheit vielleicht gar nicht zu kommen. In Zeiten voller Angst, Unbeständigkeit und Zweifel, die Politik und Gesellschaft säen und die Wutbürger ernten, wirkt es fast wie ein schöner Anachronismus, wenn einer wie Fayzen singt „Alles wird gut“. Und es dann auch noch so meint.

 

 

Mehr Eindrücke vom neuen Fayzen-Album „Gerne allein“ gefällig? Hier gibt’s das Musikvideo zu „Wundervoll“…

 

…“Unschuldig“ als Spoken-Word-Variante…

zu dem Fayzen übrigens Folgendes zu sagen/schreiben hat:

„Ich bin liebevoll und behütet aufgewachsen. Die Arme meiner Mutter waren das Paradies. Als ich irgendwann anfing, mir auszumalen, wie die Welt da draußen wohl aussehen könnte, war diese Vorstellung deshalb auch ein Best-Case-Szenario. Einfach, weil es die Fortsetzung des Universums meiner Eltern war. Dann wurde ich älter. Und lernte, dass die Welt da draußen auch bedrohlich und gemein sein kann.

Die Grausamkeiten, zu denen der Mensch fähig ist, übertrafen jedes Vorstellungsvermögen, das mein fantasievoller, kleiner Kopf damals hatte. Der größte Schock jedoch war, als ich irgendwann realisierte, dass auch ich ein Teil dieser Grausamkeiten bin. Schon alleine weil ich in einem Staat lebe, der Ungerechtigkeiten wie Waffenexporte und Massentierhaltung betreibt. Dafür habe ich mich immer geschämt. Und diese Scham hat mich lahmgelegt. Ich habe mich ohnmächtig geschämt, viele Jahre.

Aber ich werde mich nicht länger schämen. Das Leben ist gut. Da bin ich mir sicher. Der Mensch ist auch Leben und ein Leben kann ein anderes Leben ändern. Es leichter und schöner machen. Das werde ich tun. Mein Leben und anderes Leben schöner machen und zulassen, dass andere mein Leben schöner machen. Weil ich es verdiene. Weil wir es verdienen. Weil das Leben es verdient. Einfach so. Ich schäme mich nicht mehr. Fayzen“ 

 

…und alle 15 Stücke angeteastert im „Album Player“ :

 

Rock and Roll.

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Literal Video – Wenn Songtexte dem Video angepasst werden


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Schonmal etwas von „literal video clips“ gehört? Nope? Natürlich hilft Wikipedia auch da weiter:

„Die Bezeichnung Literal Video Clip (kurz ‚Literal Video‘ oder ‚Literal‘, engl. für: ‚im Wortsinn‘) steht für eine noch recht junge künstlerische Ausdrucksform aus dem Bereich der Video-Bearbeitung. Dabei werden vor allem Musikvideos in ihrem Lied-Text so umgestaltet, dass ihr neuer Text in der Systematik und im Auftreten zwar durchaus noch ans Original angelehnt ist, die Inhalte jedoch sehr nahe die Bild-Inhalte des zugehörigen Videos wiedergeben.“

Heißt im Klartext: Endlich passen Musik und Text mal zueinander! Endlich muss der braun gegrillte Plastikmuckirapadonis  kleinlaut eingestehen, dass Benz und BMW lediglich zur Kompensation (s)eines recht mageren Hoseninhalts dienen und all die dancenden Bitches ohne seine „Fuffies“ nie zum Videodreh erschienen wären! (Grandios daher: die „Literal Video“-Bearbeitung von Bushidos „Sonnenbank Flavour“.)

Neustes Beispiel in dieser Reihe ist das *hust* Remake von Cros „Easy“. Kaum zu glauben, dass dieser Song, mit dem sich der Aalener Pandamasken-Weichspülrapper vom kostenlosen Download-Mixtape erst in die Charts und schon bald in die Smartphone-Playlists tausender Teenies katapultierte, bereits fünf Jahre zurück liegt… (Dass 2014 bereits eine Autobiografie und 2016 ein Kino-Biopic, in dem Carlo Waibel alias Cro gleich mal sich selbst spielt, folgten, ist natürlich lachhaft, folgt jedoch den gängigen Marktmechanismen: melk‘ die Kuh gefälligst, solange sie Milch gibt!)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: 257ers – „Holland“


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Komische Zeiten gerade. Eine Fussball-Europermeisterschaft zum Vergessen, bei der das wohl am unschönsten gegen den Ball tretende Team gewinnt (fair enough, das wäre im Grunde Nordirland gewesen, aber die hatten zumindest Will Griggs auf der Bank) und auch sonst nur das Island-„Huh!“ hängen bleiben wird. Großbritannien sagt zum high tea knapp „Goodbye“ zur EU und zeigt mit der Ernennung des wohl größten Volltrottels der Insel zum Außenminister, wieviel es von der Welt jenseits des Ärmelkanals hält. Flüchtlinge ertrinken Tag für Tag im Mittelmeer, irgendwo herrscht seit Menschengedenken immer Krieg, Mord, Putsch und Totschlag, und auch die sinnlosen Anschläge mitten hinein in den luxuriösen Trott der sich zu unrecht in Sicherheit wähnenden Industrienationen (ja, das sind wir) kommen Tag für Tag näher. Mick Jagger wird mit stolzen 72 Lenzen zum achten Mal Vater – die werdende Mutter ist süße 29 Jahre jung. Dass Rock’n’Roll nicht ewig leben lässt, bewiesen ja leider unlängst David Bowie, Lemmy oder Prince – sie werden noch lange, lange schmerzlich vermisst werden auf der anderen, der unseren Seite. Und die Rolling Stones wohl die last men standing bleiben (wenn Keith Richards das Palmenklettern den lässt). Komische Zeiten? Eben. Karma ist eine kleine, lässig dreinblickende Schlampe, und erhält am Ende immer das letzte Wörtchen…

Gut, dass manchmal Songs unsere Facebook-Timelines kreuzen, die wenigstens ein bisschen für Zerstreuung sorgen. Wie etwa „Holland“ vom Essener Hip-Hop-Duo 257ers. Klar besteht das Stück, welches vom aktuellen, Anfang diesen Monats erschienenen Album „Mikrokosmos“ stammt, aus auf drei Minuten ausgedehnten Klischees, welche wohl uns allen beim Gedanken an unsere Oranje-Nachbarn in den Sinn kommen (einen Großteil kann ich als Wahl-Limburger übrigens bestätigen). Klar steht der Song eher in der Tradition eines – sagen wir – Mario Barth als etwa eines Dichters und Denkers wie Goethe. Und eigentlich ist das auch „nicht meine Musik“. Andererseits könnte wohl kaum ein anderes Stück mehr wohltuende Zerstreuung bieten als „Holland“, denn schließlich  musste die Elftal – verdient – auf die Teilnahme an der Europameisterschaft in Frankreich verzichten (ich erwähnte es ja). Und kaum ein Land könnte – gefühlt – in der Europäischen Union eine geringere Rolle spielen als die Niederlande, in denen alles – zum Glück – noch recht ruhig und beschaulich seinen gewohnten Gang geht. Ja, Sinnfreiheit sei manchmal erlaubt. Der Rest da draußen ist verrückt genug…

 

 

„‚Holland!‘

 

In der City, wo man mich mittlerweile kennt
Lekker Bitterballen mit Senf, dazu ’ne Fritte mit Getränk
‚N bisschen kiffen – selbstverständlich, alle schieben Optik
Keiner ist auf Aggro, alle schieben Optik
Holland ist der Boss, ich finde Windmühlen cool
Jedes Mal am Strand muss ich erst Schwimmflügel suchen
Auf’m Zeltplatz später für ’nen Fünfer geduscht
Zwei bis drei Stündchen sind gründlich genug
Keine Düne, ein Problem mit vernünftigen Schuhen
Alles klingt hier lustig – Schlümpfe sind ‚Smurfs‘
Fahrräder ‚Fietsen‘, Bier nennt man ‚Bier‘
Jeden Sommer am Strand, Holland-Vakantie
Grillen und Angeln, die Frikandel
Im Supermarkt danach dann Pilze sammeln
Im Fachhandel nebenan, denn
Die haben die beste Auswahl des Landes

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Ey, als wir im Sommer in Holland mal mit ’nem Roller auffe Bahn
Voll auf Knolle mit paar Dollars und ’nem Bollerwagen waren
War dat voller da als sonst, weil ich schon ma‘ Holland fahr‘
Sonntags, wenn ich frag‘ mit meiner Omma unterm Arm
Ich muss aber ma‘ was sagen für ’n Königreich ist Holland wirklich keine große Stadt
So nah am Wasser, kommt ’ne Welle, sind die meisten erstmal nass
Solange H zu dem Land
Ich kauf‘ mir eine Dose und bezahl‘ kein‘ Pfand
Holland ist voll geil, hier gibt es Fleischkroketten
Die von innen so aussehen wie bereits gegessen
Lecker! Du hast dir ’ne Cola von Mecces auf deine Hose gekleckert
Trink lieber Chocomel, scheppert auch zu dem Dope einfach besser
Joppiesauce find‘ ich lecker
Allgemein was hier geht, jeder smilt und ist breit auf’m Bike unterwegs, hier ist einiges okay
Holland – meine Stadt, hier will ich eigentlich mal leben!

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Joa, wieder mal mit der Crew durch die Niederlande gecruist
Und dass die Niederlande hier sagen hat nix mit Niederlage zu tun
Außer die spielen Ball mit dem Fuß, aber die sind schon in der Kabine high
Also verlieren können die gut – jo! Holland ist die geilste Stadt der Welt

 

Lekker Strand und lekker Meisje, lekker Vaka-antie
Lekker Chocomel und Vla, denn wir sind hi-i-igh
Lekker neuken op de Wallen zonder te betalen
Holland ist die geilste Stadt der Welt“

 

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Rock and Roll.

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Song des Tages: Mac Miller – „Lua“


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Eigentlich braucht es keinen Grund, täglich eine Coverversion eines Bright Eyes-Songs zu posten (und das könnte ich, glaubt mir – allein mit Neuinterpretationen von einem der wohl schönsten Stücke über Liebe ever ever ever – „First Day Of My Life“ – könnte ich über eine Woche füllen). Oder eben eines von Conor Obersts Originalen. Weil: einer der besten Singer/Songwriter überhaupt, dessen Lieder fast immer gehen. Isso? Isso.

Diese Meinung vertritt übrigens auch Mac Miller, seines Zeichens Rapper aus Pittsburgh, Pennsylvania. Deshalb nahm sich der 23-Jährige vor nicht allzu langer Zeit auch unter anderem „Lua“, im Original vom 2005 erschienenen Bright Eyes-Werk „I’m Wide Awake, It’s Morning„, vor und erwies dem Song seine Ehre – allerdings nicht mit dicken Beats und Battle-Sprech, sondern lediglich zu Akustikgitarrenbegleitung. Dass Millers Version dabei etwas windschief daher torkelt, passt umso mehr zu einem Sonntag wie diesem…

 

 

„I know that it is freezing but I think we have to walk
I keep waving at the taxis, they keep turning their lights off
But Julie knows a party at some actor’s west side loft
Supplies are endless in the evening, by the morning they’ll be gone.

When everything is lonely I can be my own best friend
I get a coffee and the paper, have my own conversations
With the sidewalk and the pigeons and my window reflection
The mask I polish in the evening, by the morning looks like shit.

And I know you have a heavy heart, I can feel it when we kiss
So many men stronger than me have thrown their backs out trying to lift it
But me I’m not a gamble you can count on me to split
The love I sell you in the evening, by the morning won’t exist.

You’re looking skinny like a model with your eyes all painted black
You just keep going to the bathroom always say you’ll be right back
Well it takes one to know one, kid, I think you’ve got it bad
But what’s so easy in the evening, by the morning is such a drag.

I’ve got a flask inside my pocket we can share it on the train
If you promise to stay conscious I will try and do the same
We might die from medication, but we sure killed all the pain
But what was normal in the evening, by the morning seems insane.

And I’m not sure what the trouble was that started all of this
The reasons all have run away but the feeling never did
It’s not something I would recommend, but it is one way to live
Cause what is simple in the moonlight, by the morning never is
What’s so simple in the moonlight, now is so complicated
What’s so simple in the moonlight, so simple in the moonlight…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: J. Cole – „Be Free“


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Mal ehrlich: Wer tagtäglich die Nachrichten und Schlagzeilenmeldungen verfolgt, kommt wohl kaum umhin, festzustellen, dass die Welt, in der wir leben, vor allem eines ist: am Arsch. Kriege, Unruhen, Unfrieden, Ungerechtigkeiten, Lügen und Betrug wohin man nur schaut, während sich ein guter Teils Deutschlands über einen armselig-bemitleidenswerten Haufen F-Prominenz und ihre zwischen Silikontittendiskussionen und bescheuklappter First World-Befindlichkeiten schwankenden Nichtigkeiten das Maul zerreißt und man sich als Nanoteilchen der Industrienationen vielleicht schon zu sehr ans Klagelied auf allerhöchstem Niveau gewöhnt hat. Wer da die Hoffnung in die Menschheit längst verloren hat – man kann’s ihm/ihr nicht einmal verdenken. Traurig…

Und so sind die Vorkommnisse, welche sich in den letzten Tagen und Wochen im im Grunde beschaulichen US-Städtchen Ferguson, Missouri ereignet haben, und nun Proteste gegen Rassismus (der verdammt nochmal nichts mit Hautfarben zu tun hat!) im ganzen Land nach sich zogen, nur ein weiterer Beleg für die Schieflage, in die sich die Menschheit Tippelschritt für Tippelschritt begibt – zumal es vor allem in den ach so multikulturell geeichten US of A immer und immer wieder vorkommt, dass Polizisten einen unbewaffneten Jugendlichen – wie nun eben den gerade einmal 18jährigen afroamerikanischen Teenager Michael Brown – aufgrund von rassistischen Vorurteilen niederschießen… different day, same old shit.

Umso bewegender kommt „Be Free“, der musikalische Kommentar des 1985 in Frankfurt am Main geborenen und in North Carolina beheimateten US-HipHop-Künstlers J. Cole, daher. „There was a time in my life when I gave a fuck“, gab Cole in einem Statement zum spontan veröffentlichten Song auf dreamvillain.net zu Protokoll. „Every chance I got I was screaming about it. I was younger. It’s so easy to try to save the world when you’re in college. You got nothing but time and no responsibility. But soon life hits you. No more dorms, no more meal plan, no more refund check. Nigga need a job. Nigga got rent. Got car note. Cable bill. Girlfriend moves in and becomes wife. Baby on the way. Career advances. Instagram is poppin. Lebron leaves Miami. LIFE HITS. We become distracted. We become numb. I became numb. But not anymore. That coulda been me, easily. It could have been my best friend…. I made a song. This is how we feel.“

Gänsehaut, die nachdenklich stimmt.

 

 

„And now I’m denial
And it don’t take no x-ray to see right through my smile
I know, I’d be on the go
It ain’t no drink out there that could kill my soul
No, no
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

Can you tell me why every time I step outside
I see my niggas down
Ooh, I’m letting you know
That it ain’t no gun they can make that could kill my soul
Oh, no

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free
All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

Are we all alone fighting on our own
Please give me a chance
I don’t wanna dance
Something’s got me down
I was there my ground
Don’t just stand around
Don’t just stand around

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free

All we want to do is take these chains off
All we want to do is break the chains off
All we want to do is be free
All we want to do is be free“

 

Via Soundcloud schließt J. Cole das Stück mit folgenden Worten ab: „Rest in Peace to Michael Brown and to every young black man murdered in America, whether by the hands of white or black. I pray that one day the world will be filled with peace and rid of injustice. Only then will we all Be Free – Cole“

 

Rock and Roll.

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