Schlagwort-Archive: Hip Hop

Sunday Listen: SAULT – „UNTITLED (Black Is)“


sault-black-is-100~_v-gseapremiumxl

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch weiße Polizisten gehen die Proteste gegen Rassismus – mal mehr, mal weniger öffentlichkeitswirksam – weltweit weiter. Auch am 19.06., am sogenannten „Juneteenth„, dem Tag, an dem an das Ende der Sklaverei der afroamerikanischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten erinnert wird, zog es in den US of A landesweit Menschen auf die Straßen. Und: Genau an diesem Tag veröffentlichte die britische Band SAULT völlig überraschend ihr nächstes Album mit dem Titel „UNTITLED (Black Is)“. Zeitlos und doch so verdammt relevant. Ein Protestalbum, welches leider perfekt in diese Zeit passt…

We present our first ‘UNTITLED’ album to mark a moment in time where we as Black People, and of Black Origin are fighting for our lives. RIP George Floyd and all those who have suffered from police brutality and systemic racism. Change is happening… We are focused. SAULT x

Um die noch recht frische Band aus London ranken sich seit jeher ein paar Banksy-würdige Mysterien. Ihre Veröffentlichungen erscheinen aus dem Nichts (wie etwa im vergangenen Jahr gleich zwei Werke titels „5“ und „7„), Hintergrundinformationen existieren kaum und öffentliche Auftritte gibt es –  zumindest bisher – nicht. Aus den Credits der Songs ist jedoch zu erfahren, dass sowohl Dean „Inflo“ Josiah (unter anderem Produzent für Little Simz, Jungle oder The Kooks) als auch Sängerin Cleopatra „Cleo Sol“ Nikolic ihre Finger im Spiel haben.  So veröffentlichten SAULT ihr neuestes Werk einmal mehr ohne Vorankündigung als Free Download auf ihrer Website sowie via Bandcamp. Auf dem Album sind auch die aus Chicago stammende Rapperin Melisa „Kid Sister“ Young, Soul-Musiker Michael Kiwanuka oder die Poetry-Künstlerin Laurette Josiah vertreten.

Das Cover der Platte ziert eine schwarze, in die Luft gereckte Faust auf pechschwarzem Grund – das Artwork ist bewusst minimalistisch gehalten und sagt doch eigentlich alles. Musikalisch bekommt man eine gleichsam vielfältige wie reduzierte Mischung afroamerikanischer Musikstile zu hören: Soul, Afrofunk, Motown, Gospel, R&B, DooWop, Hip Hop und Spoken Word-Interludes, an mancher Stelle klingen gar New Wave, Post Punk, Dub oder Trip Hop an. Außerdem ungewöhnlich: Mitte Juni spielte DJ Gilles Peterson „UNTITLED (Black Is)“ in seiner BBC-Radiosendung, noch bevor es irgendwo sonst zu hören war. Und zwar – allein das spricht bereits Bände und geschah vorher nur ein einziges Mal – komplett. Als den „ersten Klassiker der Ära der ,Neuen Realität“ bezeichnete die DJ-Koryphäe für schwarze Musik das Album vorab auf seinem Twitter-Account.

Noch viel spannender sind jedoch die Themen, mit denen sich SAULT auf dem Album beschäftigen. Sie bieten dem Hörer einen Einblick in ein Leben voll von systematischem Rassismus und Polizeigewalt. Schließlich dürften beide Band-Köpfe wissen, wovon sie reden: Sängerin Cleo Sol hat jamaikanische, serbische und spanische Wurzeln, Produzent Inflo ist schwarz. In den Songs thematisieren sie die permanente Angst, den immanenten Stress, unter denen Farbige (also nur nicht Schwarze, sondern etwa auch Hispanics) in den US of A – und freilich nicht nur da – stehen. Weil sie bei jeder Polizeikontrolle immer mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Weil zunächst einmal ihre Hautfarbe gesehen wird, selten der Mensch dahinter. Man spürt die Wut, die Angst, Trauer, all diese Ungerechtigkeit – und doch bleibt am Ende die Hoffnung auf eine bessere, eine friedvollere Welt bestehen.

Wildfires“ positioniert sich dabei als das Herzstück des Albums und dürfte mit Zeilen wie „We all know it was murder“ schon jetzt einer der eindringlichsten Songs des Jahres sein. Ein berührendes, beat-getriebenes Soul-Statement, dem jede(r) sein (oder ihr)  Gehör schenken sollte. Anderswo, in „Hard Life„, einem schwermütigem Track mit schleppenden TripHop-Beats und wummerndem Bass, heißt es „Everyday feels like a battle“. In „Bow“ gibt Michael Kiwanuka mal nicht den zugänglichen Soul-Folkie, sondern chantet über einen Afro-Beat. Er, dessen Eltern einst aus Uganda nach London flohen, zählt so einige afrikanische Länder und Städte auf und fordert am Ende: „We got rights!“„Wir haben Rechte!“„Don’t Shoot Guns Down“, ein Aufschrei im gleichnamigen Song, ist unterlegt von Polizeisirenen sowie Sprechchören bei einer Demonstration. Und dazwischen immer wieder poetische Momente wie in „Black Is„: Spoken Word meets Gospel, und in den Lyrics heißt es „Black is beautiful / Black is excellent, too / In me, in you“. Der Band gelingt dabei das Kunststück, niemals bitter zu klingen, sondern ein stolzes Statement schwarzer Selbstbestimmung zu formulieren. This generation cares. 

All diesen formidabel-löblichen Aktionismus mal außen vor, bleibt natürlich zu hoffen, dass das Thema nicht wieder in den Hintergrund tritt, bis der nächste sinnlose, rassistisch motivierte Todesfall die Medien erreicht, da die öffentliche Aufmerksamkeitsspanne bei so vielen wichtigen Themen leider immer recht kurz ist (und Dank unserer digitalen Reizüberflutung immer kürzer gerät). Jeder Mensch sollte versuchen sich daran zu beteiligen, die Missstände weiter auszuräumen und Rassismus weiter zu bekämpfen. Sich selbst hinterfragen, weiterbilden, andere sensibilisieren. Change is happening? Let’s hope so.

SAULT haben dazu mit „UNTITLED (Black Is)“, das in digitaler Form gratis angeboten wird und  auch als Vinyl vorbestellt werden kann (die Einnahmen sollen an Charity-Organisationen gehen), auf jeden Fall einen bedeutsamen Teil beigetragen – weniger als Musik schaffende Band, sondern vielmehr als Dokumentaristen und Chronisten. Ein wichtiges Album für diese wegweisende Zeit…

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Ghostpoet – „X Marks The Spot“ (feat. Nadine Shah)


p02htlgh

Das 2011 erschienene Debütwerk „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ sorgte in der britischen Musikszene für große Begeisterung und brachte Ghostpoet gar eine Nominierung für den renommierten Mercury Prize ein – wahrlich kein schlechter Einstand! 

a0966195370_16But… well, what’s the fuzz all about? Die darauf enthaltenen zwölf Songs (man höre etwa „Survive It“ oder „Liiines„), die in nächtlicher Eigenproduktion entstanden, während der Wortkünstler tagsüber – wie passend, wie trivial – in einem Callcenter jobbte, waren trübe und niederdrückend, aber gleichzeitig sehr klar in ihrem Stil. Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe wurde sofort neben große Namen wie Roots Manuva oder The Streets gestellt, hatte sich jedoch mit (s)einer besonderen Mischung aus markant-tiefem Sprechgesang, Trip-Hop, Dub und UK Garage längst eine eigene Nische geschaffen. Zwei Jahre später behielt das Nachfolgealbum den urban-nokturnen Charakter des Debüts bei, schien allerdings noch mehr von Entfremdung und Eskapismus in einer Metropole geprägt zu sein. Ghostpoet setzte auf Entschleunigung, probierte sich an langgezogenen Songstrukturen und übte sich in Friemelarbeit mit elektronischer Musik. Etwas unterkühlt und düster konnte „Some Say I So I Say Light so sicherlich nicht alle Fans des Debüts begeistern.

Und gerade als man vielleicht dachte, man würde die weitere Entwicklung von Ghostpoet mit leichter Hand einschätzen können, kam 2015 das dritte Album „Shedding Skin“ ums Eck – und hielt, dem Titel entsprechend, nicht wenige Überraschungen parat. Der Londoner Künstler mit nigerianischen und dominikanischen Wurzeln ließ den kreativen Stillstand links liegen und suchte einmal mehr nach neuen Einflüssen, stellte sein eigenes Soundgewand gar ein Stück weit auf den Kopf. Denn diesmal ging Ejimiwe nicht allein ins Studio, sondern nahm das Album innerhalb weniger Wochen in Begleitung seiner bisherigen Tourband auf.

„I wanted a consistent sonic direction throughout the record. I was definitely seeking coherency. And I wanted my mates!“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

91aXOoZxzgL._SY355_Fast schon indierockig nahmen so eine E-Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug den Platz der unterkühlten Beats und Synthesizer ein. Die zehn Stücke sind schneller, zackiger und mehr auf den Punkt. Ein weiteres Novum: Bei mehr als der Hälfte der Songs begleiten Ghostpoet weitere Musiker, unter anderem der stets gut behütet auftretende Maxïmo Park-Frontmann Paul Smith, die britischen Indie-Singer/Songwriterinnen Lucy Rose und Nadine Shah, Soul-Sängerin Etta Bond oder die belgische Jazz-Interpretin Melanie De Biasio.

 

„For this album, it felt silly to focus just on how great, or not, my own life is. My life is only one amongst millions. And that’s the attitude of it.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Textlich wendet sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe einmal mehr gesellschaftlichen Problemen zu, die er wohl nur durch genaue Beobachtung und einem hohen Maß an Empathie so genau beschreiben kann. Obdachlosigkeit („Shedding Skin”), Alkoholismus und Selbstmord („Yes, I Helped You Pack”) sind nur einige davon. Es findet sich auch Platz für Alltagslethargien („Off Peak Dreams„), dramatische Trennungen („Be Right Back, Moving Home„), emotionale Abhängigkeit vom Ex-Geliebten („That Ring Down The Drain Of Feeling”) oder für den Morgen nach einem One-Night-Stand („Sorry My Love, It’s You Not Me”).

In der Problematik seiner Geschichten lässt sich weiterhin der immanente Einfluss Londons erkennen, wohingegen die Unterschiede im musikalischen Bereich den einen oder anderen langjährigen Hörer bestimmt überrascht haben dürften. Während die Rhythmussektionen seiner Songs gut Ghostpoets charakteristischen, mal mit weicher Linie fließenden, mal brüchigen Sprechgesang untermauern, haben sich wohl nicht wenige Freunde der ersten Werke an mancher Stelle gewünscht, dass die Melodieelemente weniger präsent und weniger offensichtlich geblieben wären. Auf „Shedding Skin“ findet man mächtige Passagen verzerrter Gitarren („Better Not Butter”), bleierne Piano-Akkorde oder stimmungsvoller Streicher („Nothing In The Way”), die mit ihrem Soul-Jazz-Indierock im Sinne doch weit von den beiden früheren Alben entfernt sind (denen man vor etwa zwei Dekaden noch leichtfertig das Etikett „TripHop“ verpasst hätte). So mag das Album – bei allem erzählerischem Sog und all der organisch aufgebauten Instrumentierung zum Trotz – manchmal etwas überladen wirken und lässt (zumindest für Szene-Traditionalisten) einen Wunsch offen: Mehr Ghostpoet in Ghostpoet!

In Gänze ist „Shedding Skin“ ein mutiges, persönliches Experiment, das mit fein justierter (Live-)Energie überzeugt, und sich so perfekt auf die Bühne übertragen lässt (und einmal mehr völlig zurecht für den „Mercury Prize“ nominiert wurde). Unverändert liegt eine große Stärke in Ejimiwes Texten, mit denen man sich freilich und unbedingt näher beschäftigen sollte, um voll und ganz in den Sog von „Shedding Skin“ einzutauchen.

„Regardless of your situation, there’s always hope. And I think that’s something that’s come through in everything I’ve made, because I believe it so much. It’s an eternal thing.“

Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe

Im erneut zwei Jahre darauf (also 2017) erschienenem Nachfolger „Dark Days + Canapés“ setzten Ghostpoet und Band den eingeschlagenen Weg der vertonten – und in Stücken wie „Freakshow“ oder dem politisch recht eindeutigen „Immigrant Boogie“ dezent klaustrophobisch anmutenden – „Grumpy-Rap“-Urban-Erzählungen zu dichtem Live-Instrumentarium fort, während der Groove hier und da auf die besten Seiten der ersten Werke schielt. Für Mai ist mit „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ das nunmehr fünfte Album von Ghostpoet angekündigt, und wer die Vorabsingle „Concrete Pony“ hört, der weiß: Obaro Ejimiwe bleibt mit ganz eigener Vision und eigenständigem Stil einer der faszinierendsten Musiker aus good ol‘ England.

 

Eines der Highlights von „Shedding Skin“ ist ohne Zweifel der Song „X Marks The Spot“, bei welchem sich Obaro „Ghostpoet“ Ejimiwe und Band die britische Indie-Singer/Songwriterin Nadine Shah zur stimmlichen Unterstützung ins Studio holten:

(oder via YouTube)

 

„Obviously, You made me see
Can’t take this life for nothing
Let me be
All alone, I left my throne
If I don’t try another way
Then I’ll never know

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
It’s calling your name

Used to think you were true
But I was washed up, confused
Grasping, gasping, no room for hope
Nowadays, path seems clear
But no I won’t turn around and celebrate
You always seem here

So I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
I don’t care anymore
(What you say, no way)
I don’t care anymore
(Oh you do need me)
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name
Calling your name
Calling your name
Calling your name
I don’t care anymore
I don’t care anymore
There’s a drawer in a room in our house that’s calling your name
That’s calling your name“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song(s) des Tages: Ren – „Jenny’s Tale“ / „Screech’s Tale“


music-recs-007

Ren mag zwar bereits über 82.000 Facebook-Likes und mehrere Millionen YouTube-Streams vorweisen können, ich allerdings bin dieser Tage erst durch den Vorschlagsalgorithmus von zweiterer Plattform auf den jungen Künstler aus dem englischen Brighton gestoßen. Und zitiere denn gleich mal galant die Selbstbeschreibung auf Facebook:

„Sänger, Songschreiber, Produzent, Rapper, Multiinstrumentalist. Musik ist Rens Liebe. Als er noch ein Teenager war, erkrankte Ren an einer mysteriösen Krankheit, die ihm fünf Jahre seines Lebens kostete und ihm seinen Traum nahm. Nachdem bei ihm schließlich Borreliose diagnostiziert wurde, unterzog er sich einer Stammzelltransplantation, die ihn in die Welt der Lebenden zurückbrachte. In einer Zeit, in der er jahrelang in seinem Schlafzimmer feststeckte, wandte sich Ren dem Schreiben und Produzieren zu, was ihm nach seinen Worten ‚das Leben rettete‘. Er schrieb viel über Krankheit, Isolation und Depression, und seine Worte, verbunden mit markantem Gesang und einem einzigartigen Musikstil, fanden bei vielen Menschen auf der ganzen Welt großen Anklang. Seine schnell wachsende treue Fangemeinde spornte Ren dazu an, nicht nur seine rohe und echte Musik weiter zu verbreiten, sondern auch seine eigenen visuellen Inhalte zu konzipieren und mit Hilfe seines besten Freundes und einer Kamera zu inszenieren.“

af49b84936be605c7145793035f87b25.400x400x1Hat man erst einmal ein klein wenig Luft aus der Pathos-Blase gelassen, dann findet man unterm Strich einen recht talentierten jungen Musiker, der vor allem auf seiner im vergangenen Jahr erschienenen EP „The Tale of Jenny & Screech„, dem Nachfolger zum 2015 veröffentlichten, stellenweise sehr persönlichen Debütalbum „Freckled Angels„, Songs aufbietet, die den urbanen Lokalkolorit eines Mike „The Streets“ Skinner, die Akustikgitarren-Klampfereien von Jack Peñate und die theatralisch anmutenden „Dreigroschenoper“-Moritat-Erzählungen von Brecht und Weill in sich vereinen. Modernes Großstadtdrama mit einer Menge freibeuterischem Punk-Spirit, das erst gar nicht den Versuch unternimmt, sich an irgendein Genre zu ketten…

 

 

 

„It was a quiet, dark night on an empty street
Somewhere in London City
Jenny walked alone, she was dragging her feet
She was heading back home to sleep
Well, she knew this town, she knew this floor
Because she’d walked it about a thousand times before
She wanted to escape, can you blame?

Well on the very same night, in a different place
There walked a hooded young youth by the name of James
He was 14 years old and out of his brain
He’d been smoking ganja with the boys
James, he grew up to be a kid of the street
His mates called him Screech, he was quick on his feet
He was a liar, a thief at fourteen years old
The devil had set his sights on his soul

As Jenny walked home all alone, she felt scared
Usually she was alright
But it was like there was something in the air
A divine intervention telling her to beware?
Or maybe intuition bugging her and making her so scared?
Sirens sound in the distance to the beat of Jenny’s feet
A symphony of the night that echoes crime on London’s streets
Jenny turns a corner, their eyes, they meet
Our poor girl Jenny and a boy named Screech

‚Give me all your money bitch, give it to me
If you co-operate, then you’ll soon be free
I want your purse, your phone
Don’t fucking look at me
I mean it bitch, are you listening to me?‘
Jenny freezes, statue like, a lady shaped stalagmite
Fear like liquid nitrogen in the dark night
She tried to find strength to move
But stayed as still as a statue in high heeled shoes

‚What the hell you playing at? You playing games with me?
I swear to fucking god, I’ll slice the rosy off your cheeks
You think I don’t mean it girl? You don’t know me
The last thing you see will be a boy called-‚
Screech reached for the sheath of the blade with the teeth
That could bite through steel and slice concrete
And he swung possessed, with the devil in his chest
And the statue she was turned to, butter in a breath

It was a quiet dark night on an empty street
Somewhere in London city
Jenny laid still on the cold concrete
She’s found somewhere to sleep
Well, she knew this town, she knew this floor
Because she’d walked it about a thousand times before
I guess that she escaped, it’s such a shame“

 

 

„A story, it starts
Right at the end of the life of poor Jenny
Clocked out like Big Ben
This Screech, dear boy, where did he go
He melted into the black night, just like snow

*Knocking on wooden door*

Patrick, man, let me in, please open the door
I think I fucked up, Patrick, really fucked up, man, I’m not sure
I got crazy, left a lady laying still on the floor
I think I killed her, Patrick, come on man, I can’t knock no more

But Screech kept on knocking, ‚till his knuckles became sore
But there’s no sign of Patrick, down at number 54
No refuge for our villain, for the bitter hands of faith
Have something far more sinister in mind, that does await

*Phone ringing*

[Spoken: Woman & Screech]
Hello?
Hi babe, you in?
Nah, nothing really, I’m just a bit tired
Listen, can I swing around yours for a few minutes?
I just really miss you, babe
What the fuck you mean you’re busy?
You fucking bitch, for fucks sake

Sirens sound approaching like a Banshee in the night
The shrill cry of justice cutting like the sharpest knife
But Screech was never one to run, not one to miss a fight
One hand upon his blade, he turned to face the blue light

Come on then, you fucking cunts, lets fucking have you then
I am Screech, I’m the boss here, I’m the ender of man
You think that uniform you’re wearing means that you own these streets
Well these are my fucking streets and they call me fucking Screech

Richard was an officer, who stood at 6 foot 3
Working London on the night shift, what he didn’t think he’d see
Was a boy running at him, like an animal possessed
With no time to hesitate, he fired four bullets at Screech’s chest

A story it ends, right at the start
Young Screech and poor Jenny, lying one street apart
An officer shaken, by the boy that he claimed
Two body’s lay lifeless, and it’s such a shame
It’s such a shame“

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Moses Pelham – „Juli“


csm_moses-pelham-juli-1_2739789a55

Moses Pelham war noch nie besonders bekannt dafür, mit seiner Musik leicht verdauliche Radiokost zu liefern – und so mag sich vielleicht der eine oder die andere vor einigen Tagen verwundert die Augen gerieben gerieben haben. „Juli“? Der Titel der neusten Single des Frankfurter Rappers deutet ja erstmal eher auf einen luftig-leichten (und mit Erscheinen im März dezent fehlplatzierten) Sommerhit hin…

86720729_10158432283201800_3881397159832059904_oAber weit gefehlt: In dem melancholischen Stück – getragen von Pianotönen und einem erstmals ein komplettes Stück singenden Pelham – geht es nicht um den Sommermonat, sondern um eine Protagonistin gleichen Namens. Und um ihre Gefühls- und Gedankenwelt, in der mal so gar kein eitel Sonnenschein herrscht. Ein behutsamer und bittersüßer Song über das Aufstehen, das Zubettgehen und wie schwer einem das Dazwischen manchmal fallen kann – Momente tiefster Traurigkeit, die, wenn man ehrlich ist, jeder von uns kennt.

Und neben dem durchgehenden Gesang gibt es noch eine weitere Premiere, schließlich stellt das Stück, bei welchem ihm einmal mehr sein langjähriger Kreativpartner Martin Haas unter die Arme griff, die erste Coverversion dar, die auf einem Album Pelhams landen wird (wenngleich sich der Rapper bereits vor knapp drei Jahren recht erfolgreich eine Fremdkomposition vorgenommen hatte). Ursprünglich stammt die nachdenkliche Nummer aus der Feder des Berliner Musikers und „TV Noir“-Begründers Tex, den der ehemalige „Rödelheim Hartreim Projekt“-HipHopper und erfolgreiche Musikproduzent (u.a. Sabrina Setlur, Xavier Naidoo, GLASHAUS) als einen der größten Autoren unseres Landes bezeichnet. (Langjährige Leser von ANEWFRIEND dürften den Song ohnehin bereits kennen…)

„Juli“ ist nach “Notaufnahme” , “Weiße Fahne” und “Wunder” bereits die vierte Auskopplung aus Moses Pelhams in dieser Woche erscheinendem neuen Album „EMUNA“ und reiht sich fast nahtlos in die Programmatik des 49-jährigen Musikers mit introspektivem Fokus zwischen Sinn des Lebens und eigenem Glauben und erfreulicherweise fernab von jeglichem tumbem „Bling-Bling“ und klischeehaftem Schwanzvergleich ein.

 

Das Musikvideo ist passend zum Inhalt des Songs in Schwarz-Weiß-Optik gehalten und zeigt ausschließlich die Schauspielerin Cansu Tosun.

 

“Und Juli sagt vor Jahren war ein Wunder
War gut und warm und leider bald passé 
Das Leben ist ein Krokus, etwas Sonne, etwas Schnee
Und ein viel zu schneller LKW…”

 

81dCt48vTzL._SX466_

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Chefket – „Wir“ (Akustik Session)


HrKk9kpTURBXy9iZjU5M2ZlYjBhNGRhNGY0ZDliZmNiYTQ2ZDhmMTIzZC5qcGeSlQMAzQK7zQvQzQalkwXNBLDNAnaCoTABoTEA

Wenn man so mag, war Chefket zu Zeiten der Veröffentlichung seines Major-Label-Debüts „Nachtmensch“ im Jahr 2015 so etwas wie der wohl älteste Newcomer im Deutschrap. Mit heute 38 Lenzen ist der aus dem schwäbischen Heidenheim an der Brenz stammende Deutschtürke beispielsweise knappe zehn Jahre älter als sein Essener Kollege 3Plusss. Şevket Dirican nach nunmehr vier Studioalben, einer ganzen Reihe von EPs und Mixtapes, Support-Shows für deutlich bekanntere Hip-Hop-Größen wie Marteria, Samy Deluxe oder Jan Delay sowie seinen zahlreichen Beiträgen zu Alben und Songs prominenter Kollegen tatsächlich noch als „Newcomer“ zu bezeichnen, ist indes reichlich fresh… ähm: frech. Auch mit seinem gesellschaftlichen Engagement, etwa für die Linksjugend, hat sich der Wahlberliner einen Namen als „größter Zeigefinger Deutschlands“ gemacht. Warum zum Geier ist der Typ also kein Star? (Und – Spoiler, Spoiler! – leider auch mit seiner vierten Platte „Nachtmensch“ keiner geworden?)

R-7350475-1439540313-9285In „Rap & Soul“, Vorab-Appetizer und gleichzeitig Opener von Chefkets jüngstem Werk (zu dem auch ein Remix mit Promi-Features von Joy Denalane, Max Herre und Xatar existiert),  erklärt der Wahlhauptstädter seine augenzwinkernde und durchaus nachvollziehbare musikalische Prämisse: Rap allein macht auch nicht glücklich. Jetzt aber einen weiteren huttragenden Flummi im Textmarker-Outfit à la Jan Delay zu erwarten, wäre nicht nur reichlich öde, sondern schlichtweg bescheuert. So geht „Nachtmensch“, welches in Zusammenarbeit mit Beat-Bastler Farhot („Chabos wissen wer der Babo ist.“) entstand, im Gros herrlich unaufgeregt mit seinen Neo-Soul-Einflüssen à la Gnarls Barkley um. Wenn hier einmal die Trompete gezückt wird, dann nicht um feurige Fanfaren zu blasen, sondern um der Stimmung weitere – jawollja! – Deepness einzuhauchen. Und so gelingt dem Rapper gleich zu Beginn von „Nachtmensch“ ein Tiefschlag gegen das Profane: Mit Hammond-Orgel, pendelnd zwischen Single- und Double-Time, zeichnet Chefket auf, was er vor hat, zitiert einige seiner Lieblingskünstler und erklärt die Runde für eröffnet, ohne dabei gleich zum ultimativ-lachhaften Bling-Bling-Schwanzvergleich zu fordern: „Ich bin Rap, ich bin Soul, ich bin Jazz, Rock ’n‘ Roll / Ich bin cool, easy, Chef, du bist high, denn ich bin dope.“

Gleich anschließend zeigt er auf, was der vorherige Track schon anklingen ließ, und positioniert sich als „Glücklichster Rapper„: „Alle prahlen die ganze Zeit und sagen, sie hätten viel Geld / Aber Chefket ist der glücklichste Rapper der Welt“ lautet die Quintessenz seiner Zeilen über dem dissonanten Gummi-Beat, die klarstellen, wie sehr der Rapper auf den Fame (leider) artverwandter Sonnenbräune-und-Protzkarren-Besitzer scheißt – und das kauft man diesem Typen – Deutschtürken-Klischee hin oder her – nur allzu gern ab. Im Soul-Titel „Fliegen“ indes, genau wie im argwöhnischen „Nachtmensch“ und im depressiven „Kater“, gibt sich Chefket weitaus nachdenklicher, spricht von der Sehnsucht nach dem High-Sein, der Schlaflosigkeit und dem Katzenjammer im Nachgang. Mit dem leicht pathetischen „Träume“ (das mit einem Melody Gardot-Sample aufwartet) berappelt er sich und formuliert sein eigenes kleines „Die Gedanken sind frei„, um sich anschließend ins Getümmel zu stürzen und sich selbst zu sagen: „Lass gehn'“. Mit Handclaps und schwungvollem Rhythmus bringt er ein Schippchen Jackson Five ins Geschehen ein, denn für eine Nacht wird mit zufälligen Club-Bekanntschaften getanzt und nicht länger übers Grüblerische nachgedacht. Auf dem Fuße folgt der urbanen Party jedoch wieder die große Infragestellung, bis sich schließlich das hörenswerte „Wir“ zeitlos (leider) wichtigen Themen wie Vorurteilen, Integration, Identität und Rassismus widmet (und damit dem verwandten, anno 2018 deutlich zu kurz gekommenem Eko Fresh-Song „Aber“ recht nahe steht) und „Immer mehr“ erklärt, wie es sich eben so verhält mit dem Leben: Streben, fallen, weitermachen.

So liefert Chefket ein Album voller Schwankungen, welches dennoch zur kurzweilig-runden, stellenweise dezent melancholischen Sache wird, indem es sich mit dem Gang der Dinge anfreundet und seine Kraft aus der Bipolarität zieht, während über allem die Aussage vom Anfang steht: Glücklichsein ist umstandsunabhängig. Dass Chefket damit einmal mehr nicht der große (kommerzielle) Durchbruch gelang und er mit „Nachtmensch“ eben nicht den Charts-Mainstream enterte, mag zwar zunächst für ein wenig Kopfschütteln sorgen – wenn man jedoch auch nur kurz ein, zwei Ohren bei unsäglichen Autotone-Kaspern wie Capital Bra und Co. riskiert, ist schnell alles klar… Dann doch lieber ein durch und durch exzellenter, mit einem feinen Flow gesegneter Rapper wie Chefket, der sich auch für seinen Soul-Stimme keineswegs verstecken muss, und dessen jüngste Auseinandersetzung mit der (zumindest nach außen) ach so weltoffenenFridays For Future“-Clique oder seine eigenen Erfahrungen mit (potentiellem) Alltags-Rassismus ihn nicht unbedingt weniger sympathisch erscheinen lassen. Guter Mann.

 

Sehr zu empfehlen: Chefkets 2016er „Nachtmensch (Akustik EP)„, auf der er fünf Stücke aus „Nachtmensch“, nur von Klavier, Geige und einer Background-Sängerin begleitet, im reduzierten Gewand in den Berliner Red Bull Studios neu interpretierte (und wer weiterlesen mag, dem sei dieses im Zuge von „Nachtmensch“ auf tagespiegel.de erschienene Porträt nahegelegt):

 

Wenn du wissen willst wie Deutsche leben, geh‘ und frag‘ sie
Und wenn du mal mit ihnen streitest, nenn‘ sie nicht einfach ‚Nazi‘
Ja, es gab sie, es gibt sie und es wird sie immer geben
Steiger‘ dich nicht rein, denn die meisten sind dagegen
Wenn du wissen willst wie Türken leben, geh‘ und frag‘ sie
Aber nicht in ’nem Dönerladen oder im Taxi…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Stanley Odd – „It’s All Gone To Fuck“


p05y86ws

Der Wahlerfolg von Boris Johnsons konservativen Tories bei den britischen Parlamentswahlen vor zwei Tagen mag kein allzu prächtiges Ergebnis für internationale Demokratie (und ganz sicher keines für die Verbesserung sozialen Verhältnisse im Vereinigten Königreich) sein. Oder wie „Spiegel“-Redakteur Jörg Schindler sehr treffend in (s)einem Kommentar schrieb: „Die eigentlichen Verlierer sind Anstand, Aufrichtigkeit und Integrität.“ Vermutlich hatte ein Großteil der Briten einfach genug vom nun schon jahrelangen Brexit-Chaos dies- wie jenseits des Ärmelkanals, und hat nun den populistischen Blondschopf, ehemaligen Bürgermeister von London sowie Außenminister im britischen Kabinett, der im Juli die reichlich glücklose Theresa May im Amt des Premierministers beerbte, mit einer fast schon beängstigend großen Machtfülle ausgestattet. Wieso sollten die politischen Aussichten auch anderswo rosiger aussehen als bei uns mit den rechtskonservativen Spaltungshasspredigern der AfD oder in den US of A, wo ein dummdreister Reality-Show-Geschäftsmann seit nunmehr fast drei Jahren vom Weißen Haus aus die Geschicke seines Landes bestimmt… Dark times ahead? Hellyeah!

Gut denkbar also, dass die Schotten die britische Parlamentswahl als erneuten Anreiz sehen werden, ein weiteres Referendum hin zur Unabhängigkeit von London und vom United Kingdom anzustreben – das letzte im Jahr 2014 fiel ja bereits recht knapp aus.

Damals, vor vier Jahren, gab es einige schottische Bands und Künstler, die sich im Zuge ebenjener Bevölkerungsabstimmung politisch stark machten (etwa bei Konzertreihen wie „A Night for Scotland“). Neben international erfolgreichen Indierock-Bands wie Franz Ferdinand oder Frightened Rabbit, den Glasgower Postrock-Paten Mogwai, der Folk-Ikone Eddi Reader oder der Schauspielerin und Comedian Elaine C Smith zählten dazu auch Stanley Odd.

418459115095-500Für das seit nunmehr zehn Jahren bestehende, vielköpfige Alternative-HipHop-Kollektiv mit Mitgliedern aus Schottland, Norwegen oder Deutschland zählen politisches Engagement und eine klare Meinungskante ebenso zu den einenden Grundpfeilern wie ihr musikalisches Konstrukt aus Live-Instrumenten, Beats, Gesang und den Rhymes von Frontmann Solareye (aka. Dave Hook) im breitesten Edinburghian Scot-Akzent. Wer also mit alledem kein (Verständnis)Problem habe sollte, dem sei etwa die tolle Gänsehautnummer „Son I Voted Yes„, anno 2014 auf dem bisher letzten, fünften Longplayer „A Thing Brand New“ erschienen, welches sich thematisch Schottlands jüngstem Unabhängigkeitsreferendum widmet, ans HipHop-affine Hörerherz gelegt. Oder eben, aus gegebenem aktuellen Anlass, das 2016, eine Woche, nachdem die Bevölkerung des UK für den Brexit stimmte, veröffentlichte „It’s All Gone To Fuck“. *micdrop*

 

“It is amazing to see the country at its most politicised and engaged in generations. The number of people inspired by the debate and the possibilities for positive change that an independent Scotland offers is something that should be celebrated. This referendum is a chance to look at new models and ask questions of how our political system operates; to address issues of poverty and social inequality; and to recognise the importance of public services like the Post Office and the NHS.“

(Dave „Solareye“ Hook zum schottischen 2014er Unabhängigkeitsreferendum)

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: