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Zitat des Tages


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Henry Rollins wie man ihn kennt und mag.

Das Zitat ist Teil des Songtextes von „Shine„, welches wiederum bereits 1994 auf dem vierten Studioalbum „Weight“ der Rollins Band erschien. Aber auch sonst darf man ja von dem mittlerweile auch schon 55 Lenze zählenden Musiker slash Autor (die legendäre Tour-Doku „Get in the Van„) slash Schauspieler (u.a. in der Biker-Serie „Sons Of Anarchy“) slash Comedian slash Radio-Host, der sich als Frontmann der vor allem in den Siebzigern und Achtzigern aktiven kalifornischen Hardcore-Punker Black Flag längst ein Denkmal gesetzt hat, markige, direkte Worte erwarten.

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 25


„A Band Called DEATH“ (2012)

A BAND CALLED DEATH (Plakat)Detroit, Anfang der Siebziger. Die US-amerikanische Stadt direkt an der kanadischen Grenze boomt. „Motor City“ sorgt in den Fabriken des als „Big Three“ bekannten US-Autobauerdreigestirns aus General Motors, Ford und Chrysler (noch) für massig Arbeitsplätze (wobei sich der Abstieg alsbald erahnen ließ), und auch der nationale wie internationale Musikmarkt wird durch freshe neue Klänge direkt aus den Hitfabriken von „The D“ aufgemischt: „Motown„, diese zeitlos großen Soulpopwunderwerke von Diana Ross, Marvin Gaye, Stevie Wonder bis hin zu den Jackson 5, und die aufkeimenden, zeitgemäßen Dikokugeltanzflächenschubser sind die Musiktrends der Stunde. Und auch David, Bobby und Dannis Hackney, drei halberwachsene Teenager aus gutgläubigem, einfachem, aber rechtschaffenem Pastorenhause, wollen eine Band gründen. Und nur vom Äußeren her wäre die Sache eigentlich klar: schwarze Hautfarbe, Schlaghosen, amtliche Afros. Was soll’s sein? Soul? Funk? Disco? Tja: eigentlich! Denn die drei Brüder hegen gänzlich andere musikalische Vorlieben, seit sie in den Sechzigern den Auftritt einer weltberühmten Pilzkopf-Kombo in der Ed Sullivan Show sahen. Laut und aufrüttelnd wie Alice Cooper sollte ihr Bandsound sein, melodiös wie der der Beatles, energetisch wie die Bühnenpräsenz von The Who. Und auch die Rollen sind schnell verteilt: David übernimmt die Gitarre und prügelt sich wie ein Berserker in jeder freien Minute Riffs und Techniken von Jimi Hendrix, Queen oder MC5 in die geschundenen Finger, Bobby übernimmt den Bass und Gesang, während sich Dannis hinters Schlagzeug setzt. Zudem haben die Geschwister das Glück, aus einem eh schon musikalisch offenen Elternhaus zu stammen, und von ihren Eltern dazu noch jegliche Unterstützung zu erfahren (die Instrumente bekommen sie etwa von der Musiker „gesponsert“, nachdem diese nach einem Unfall einen verhältnismäßig größeren Geldbetrag von der Versicherung erhielt). Dazu liefert der feingeistige David noch ein Bandkonzept, inklusive Haltung, Design und einem so verqueren wie stigmatisierendem Bandnamen: DEATH (mit Dreieck anstelle des „A’s“!). Also, noch einmal: drei schwarze Afro-Teenager aus Detroit, denen zu Zeiten von „Motown“ der Sinn nach schneller, lauter Gitarrenmusik steht? No way, José… Das denken sich zumindest alle Plattenfirmen, bei denen DEATH mit ihrer ersten, 1975 aufgenommenen Seven Inch-Single „Politicians In My Eyes“ alsbald hausieren gehen. Keiner will sich mit dieser höchst ungewöhnlichen, auch textlich grüblerischen Band die Finger am florierenden Musikmarkt verbrennen. Und als Columbia Records, das wenigstens die Aufnahmesessions zum potentiellen Debütalbum finanziert, dem Trio nahelegt, den Bandnamen in etwas „Positiveres“ zu ändern, schiebt Bandkopf David Hackney dem Ganzen einen Vetoriegel vor. Enttäuscht, und ohne einen Plattenvertrag in der Tasche, werfen DEATH zwei Jahre später das Handtuch. Die Masterbänder des Debüts wandern auf den Dachboden, die drei ziehen nach Burlington, Vermont, gründen Familien, nehmen erst gemeinsam als „The 4th Movement“ zwei Gospelrockalben auf, bevor es David nach Detroit zurück zieht und Bobby und Dannis, die verbliebenen zwei Hackneys, sich mit konventionellen Tagesjobs und als Köpfe der Reggaeband „Lambsbread“ über Wasser halten…

A band called DEATH

Und keiner hätte wohl je von DEATH erfahren, wäre da nicht die einzige, in geringer Stückzahl erschienene Single der Band gewesen. Diese fällt fort einigen Jahren einem findigen, musikbegeisterten Plattensammler in die Hände, der darüber im Internet schreibt und „Politicians In My Eyes“ sowie dessen B-Seite „Keep On Knocking“ als mp3’s bereitstellt. Flux verbreiten sich die Stücke per Foren und Tastatur-zu-Tastatur-Propaganda im weltweiten Netz, mehr und mehr Leute interessieren sich für die Hintergründe und die wenigen Originale der Seven Inch gehen für hohe Summen bei Ebay über den digitalen Ladentisch. 2009 erscheint schließlich das Debütalbum „…For The Whole World To See“ beim US-amerikanischen Indielabel Drag City, während DEATH wenig später auf umjubelte Tournee gehen.

A Band Called DEATH (Documentary)

A Band Called DEATH“ erzählt in 98 äußerst kurzweiligen Minuten die Geschichte einer Band, die von Vornherein erst einmal zu unglaublich klingt, um wahr zu sein. Dabei steht die Dokumentation von Mark Christopher Covino und Jeff Howlett ganz in der Tradition der ähnlich gelagerten musikalischen Zelluloiderzählungen „Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft“ oder „Searching For Sugar Man„. Auch die Geschichte der Afroprotopunks von DEATH ist ein Rührstück, das von viel Liebe, Haltung und Hingabe erzählt, und dabei (beinahe) gänzlich ohne Sentimentalitäten auskommt. Und: „A Band Called DEATH“ ist vor allem der Tribut von Bobby und Dannis an David, der 2000 an Lungenkrebs verstarb und so den späten Ruhm seiner Herzensband nie mitbekam. Dabei war er es, der seinen Brüdern noch kurz vor seinem Tod die Masterbänder des Debütalbums in der festen Überzeugung in die Hände drückte, dass „irgendwann“ die Zeit reif sei für diese Art von Musik – wie recht er hatte… DEATH waren Punk, bevor dieser mit Bands wie den Ramones oder Sex Pistols salonfähig wurde. DEATH waren ihrer Zeit weit voraus – leider im absolut brutalsten Wortsinn… Heute zählen die altersweisen Rastafari-Protopunks Größen wie Jack White (The White Stripes), Henry Rollins, Kid Rock, Questlove (The Roots) oder Elijah „Frodo“ Wood zu ihren Bewunderern. Und die standen angesichts der Sounds, die DEATH bereits Mitte der Siebziger aufnahmen, ebenso verständnislos kopfschüttelnd da wie manch anderer. DEATH, die mittlerweile stolz das Zepter an Bobby Hackneys ebenfalls punklastig musizierende Söhne Julian, Urian und Bobby Jr. (aka. Rough Francis) weitergegeben haben, beweisen mit ihrer Geschichte: Alles hat und findet seine Zeit… Keep on knockin‘, keep on knockin‘ on the door.
DEATH (Logo)

 

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…eine kurze Filmvorstellung…

 

…und die beiden ersten, mehr als dreißig (!) Jahre alten Singles der Band, „Keep On Knocking“…

 

und „Politicians In My Eyes“, in Liveversionen:

 

Und jetzt: Kinnlade hoch, anschauen!

 

Rock and Roll.

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„Zur Beruhigung: 1x Henry Rollins, bitte!“ – Neues Dinosaur Jr.-Video zu „Pierce The Morning Rain“


Henry Rollins im neuen Dinosaur Jr.-VideoKlar, wer kennt es nicht: der 08/15-Job nervt, das bisschen Freizeit mitsamt der 08/15-Kinder und der 08/15-Frau im 08/15-Haus in der 08/15-Siedlung sowieso – da sucht sich Herr Otto Normal dann schon mal ein Hobby. Und sei es eins, mit dem er sich durch Subwoofer von „Db Drag Racing“ und die herrlich einlullende Kraft der Lautstärke von keinem Geringeren als Mr. Henry Rollins per Kopfnuss sanft ins Land des ach so erholsamen Vergessens befördern lassen kann…Dinosaur Jr., 2012

Keine Frage, Dinosaur Jr. bewiesen mit ihren letzten Musikvideos immer wieder ein glückliches Händchen für abseitig gelungene Unterhaltung – und das in Zeiten, in denen MTViva zur Plattform für Teeanger-schwangerschaftsdatingreality- klingeltonsoaps verkommen ist. Auf der anderen Seite jedoch auch kein Wunder, denn J Mascis, Lou Barlow und Murph stecken sowohl klangtechnisch als auch mental noch immer knietief im seligen Alternative Rock der Neunziger, als Gitarren, Amps und Lautsprechertürme noch die „pommesgabelige Dreifaltigkeit“ bedeuteten, Jugendliche ihre Musik noch kauften (ohne Biterate! in Läden!), man nasengepierct in Flanellhemd und Baggy Pants durch Einkaufszentren skatete und sorgenfrei den schulfreien Nachmittag genoss. Und solange die Band stillschweigend ihren Burgfrieden – selbstredend zugunsten des Mensch gewordenen Gitarrensolos J Mascis – in dermaßen gelungene Alben wie das im letzten Jahr erschienene „I Bet On Sky“ verwandelt (immerhin das dritte innerhalb von fünf Jahren – nach zehn Jahren Sendepause!), dürfen die drei Berufsjugendlichen auch gern dort bleiben.

 

 

Ebenfalls gelungen: die Videos zu „Watch The Corners“ (ebenfalls auf „I Bet On Sky“ zu finden)…

 

…oder der herrlich nostalgische Skater-Clip zu „Over It“ (vom 2009 erschienenen Album „Farm„):

 

Rock and Roll.

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