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Song des Tages: Enno Bunger – „Weiter so!“


“Weiter so!” heißt der satirische Song, mit dem Enno Bunger die aktuelle Politik kommentiert – und ganz unironisch zur am kommenden Wochenende anstehenden Bundestagswahl aufruft. Geschrieben hat der Hamburger Singer/Songwriter, dessen letztes Album „Was berührt, das bleibt.“ 2019 erschien, das Lied gemeinsam mit Sarah Muldoon und Roland Meyer de Voltaire. In der Nacht zum Dienstag wurde zudem das dazugehörige Musikvideo veröffentlicht.

“Weiter so! Für mehr Seil- statt Wissenschaft! Weiter so! Artenschutz nur für den DAX! Weiter so! Was kümmert das den Staat? Das mit dem Klima, das regelt schon der Markt!”, singt Enno Bunger in dem gerade einmal etwas mehr als zwei Minuten kurzen Stück unter anderem und parodiert dazu so einige Partei-Slogans. Allen augenzwinkernden Zeitgeist-Kommentaren zum Trotz folgt am Ende (s)ein völlig ernst gemeintes Statement mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September: “Geht wählen!”

Freilich macht der Sänger, Pianist, Komponist und Produzent – wie viele seiner Musikerkollegen auch – keinen Hehl aus seiner Zuneigung zu den Grünen. So trat er am Montag im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung von Robert Habeck in Hamburg auf. Zudem veröffentlichte er auf YouTube unter dem Musikvideo ein Zitat der Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Maja Göpel:

Wenn die CEOs und wirtschaftlichen Entscheider dieser Republik und der Welt inzwischen sagen: von den Top 6 globalen Risiken sind 5 ökologisch und das sechste Massenvernichtungswaffen, dann ist doch einfach die Zeit vorbei, wo man darüber reden muss, ob jetzt Ökologie etwas kosten darf.“

Und ganz gleich, wie man sich selbst am Ende politisch positionieren – und zu einer Partei wie etwa den Grünen stehen – mag, so darf man sich gern den ein oder anderen Gedanken aus „Weiter so!“ zu Herzen nehmen (und noch lieber mal durchs Haupthirn wandern lassen). In einem Punkt dürften wir uns jedoch alle einig sein: “Geht wählen!”

Rock and Roll.

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Song des Tages: Jan Plewka & die schwarz-rote Heilsarmee – „Jenseits von Eden“ (live)


Jan Plewka kann es nicht lassen. Bereits seit anderthalb Jahrzehnten gönnt sich der hauptberufliche Selig-Frontmann immer wieder den einen oder anderen Abstecher in das musikalische Œuvre eines seiner Lieblingskünstler und der Band, die gerade erst ihren 50. Geburtstag gefeiert hat: Ton Steine Scherben und dem leider viel zu früh gestorbenen Ralph Christian Möbius alias Rio Reiser. Die Shows mit der schwarz-roten Heilsarmee sind inzwischen legendär und begeisterten bereits abertausende Besucher bei über 200 vornehmlich ausverkauften Konzerten.

Und auch all jene, die bislang nicht in Genuss eines jener Tribute-Show-Live-Auftritte gekommen sind, dürfen nun aufhorchen: Nachdem sich der Selig-Vorsteher schon 2006 mit der DVD “Jan Plewka singt Rio Reiser – Eine Reminiszenz an den König von Deutschland” in den Herzen nicht weniger Scherben-Fans verewigt hatte, gibt es nun einen Nachschlag, welchen sich wohl auch in Würde ergraute Rio-Fans nicht entgehen lassen sollten. Das Live-Album “Jan Plewka singt Ton Steine Scherben und Rio Reiser II (Live)” wurde gemeinsam mit der schwarz-roten Heilsarmee 2019 beim Gig im Hamburger Kampnagel aufgenommen und nun auf Vinyl und CD sowie als DVD (welche fünf weitere Songs enthält) veröffentlicht.

„Mit 14 Jahren habe ich Ton Steine Scherben zum ersten Mal gehört. Seitdem bin ich ein glühender Verehrer von Rio Reiser, von seiner Musik, seiner Poesie, seinen Utopien. Seit über 15 Jahren bin ich mit diesem Programm nun schon auf Tour. Das ist die eine Konstante in meinem Leben.“ (Jan Plewka)

Eines steht natürlich bereits am Anfang fest: Jan Plewka ist nicht Rio Reiser (auch wenn kaum ein anderer bundesdeutscher Sänger ihn in diesem gehobenen Kopistentum das klingende Wasser reichen kann) – aber das will er auch nachweislich überhaupt nicht sein. Ihm geht es nicht darum, den „König von Deutschland“ eins zu eins zu kopieren, vielmehr möchte Plewka den Songs aus dem Schaffen der Scherben und Reiser schon seit Beginn dieses Exkurses seine ganz eigene Note einhauchen – was ihm in weiten Teilen auch gelingt. In diesem Sinne ist der 50-jährige Musiker eben der einzig legitime Künstler im deutschsprachigen Raum, der diese Stücke auch wirklich so ins neue Jahrtausend überträgt, dass sowohl Rio Reiser als auch die verbliebenen Scherben stolz auf ihn sein dürften.

Das neue Revue-Werk konzentriert sich – im Gegensatz zur ersten Ausgabe, bei der sich Plewka hauptsächlich um die Liebeslieder des Ausnahmekünstlers gekümmert hatte – in weiten Teilen auf die politische Seite der Musik gewordenen Linken-Ikonen, welche gerade in der heutigen Zeit inhaltlich – leider – aktueller denn je wirkt. Schon der druckvolle Opener “Menschenfresser” zeigt unmissverständlich auf, dass die Zeit des Abwartens und Aussitzens nun ja wohl endgültig vorbei sein sollte. “Wann, wenn nicht jetzt” gilt es, aufzustehen? “Menschenfressermenschen sind normal und meist sehr fleißig / Menschenfressermenschen gibt’s nicht erst seit ’33 / Menschenfressermenschen sind oft ganz, ganz liebe Väter / Menschenfressermenschen sind meist Überzeugungstäter…”

Nahtlos und ähnlich kraftvoll macht „Jenseits von Eden“ weiter. Durchschnaufen, bitte? Klar: Etwas leiser wird es bei „Ich werde dich lieben“ – Plewka und Gitarrist Marco Schmedtje spielen die Nummer komplett unverstärkt am Bühnenrand. Der Schlachtruf „Macht kaputt was euch kaputt macht“ erfährt ein textliches Update und wird durch Begriffe wie „AfD“ und „Tierversuche“ ergänzt – den Scherben hätte das wohl gefallen.  

Ein echter Hingucker – so man dem Ganzen denn in der DVD-Variante den Vorzug gibt – ist „Mein Name ist Mensch“. Die Herren, die eingangs noch als Ausgrabungsforscher (Plewka) und Waldschrate (der Rest der Band) verkleidet auftraten, kommen nun in hautengen Latex-Glitzer-Anzügen und mit riesigen Zyklopen-Augen auf die Bühne und singen die Nummer a cappella – eine bedruckende Variation des Scherben-Klassikers. Und mal ehrlich, wer kennt es nicht: „Sieben Uhr aufstehen, Kaffee trinken, zur Arbeit fahren, freundlich sein, den Chef grüßen“ – nur um sich dann am Ende des Tages zu (hinter)fragen: „Warum geht es mir so dreckig?“. Ja, Rio Reiser beherrschte neben wunderschöner Lyrik eben auch den tönenden Krawall und brachte die einfache Sprache ein ums andere Mal musikalisch zum Klingen. Gut also, dass Plewka und Band dem Zuschauer/Zuhörer Ruhepausen gönnen – nur auf Klavier und Gesang reduziert wird danach „Ich bin müde“ gespielt. Apropos „Pause“: Selbige macht Jan Plewka bei „Shit Hit“ und die Heilsarmee kommt mit Altersmasken, die sie mit achtzig Jahren darstellen, an den Bühnenrand. So gibt es im Chorgesang ein amüsantes Loblied auf die Droge Haschisch („das nasch isch“) – die Siebziger lassen lieb grüßen. Kurz danach ist mit „Wir müssen hier raus“ und einer „Mensch“-Version – nun in voller Besetzung – Schluss und die Truppe verlässt – zunächst – die Bühne. Mit einer wilden Fassung von „Wann, wenn nicht jetzt?“ als Zugabe endet diese sehr unterhaltsame musikalische Darbietung und die Band wird mit Standing Ovations entlassen.

Insgesamt gerät „Jan Plewka singt Ton Steine Scherben und Rio Reiser II (Live)” deutlich rockiger als Plewkas erstes Rio-Programm – was wohl vor allem der politischeren Ausrichtung geschuldet sein dürfte. So gelingt der Truppe eine völlig neue und eigenständige Verneigung vor dem Schaffen der Scherben und Reiser, die kaum weiter davon entfernt sein dürfte, als plumper Fanboy-Abklatsch abgetan zu werden. Klares Ding: Wer bislang nur einen der beiden Sänger (Rio Reiser oder Jan Plewka) kannte, darf den anderen auf diesem Weg gern kennen (und eventuell ja lieben) lernen…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Thomas D & The KBCS – „Show“


Auch Thomas D machte aus der zwangsläufigen Corona-Konzertpause seiner Stammband, Die Fantastischen Vier, eine Tugend und erfüllte sich auf dem M.A.R.S. einen schon etwas länger gehegten Wunsch…

Und all jene, denen jetzt vorschnell die Wut zu Kopfe steigen mag ob eines weiteren Milliardärs mit zu prallem Bankkonto und zu viel Langeweile, der seine Kohle für einen Flug ins Weltall verprasst, dürfen beruhigt ausatmen – zum einen mag Thomas „D“ Dürr zwar gemeinsam mit seinen Bandkumpels Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon seit der Gründung des Stuttgarter HipHop-Viergespanns Ende der Achtziger durchaus amtliche Erfolgswellen verursacht haben, sein Kontostand dürfte jedoch mit dem eines Jeff Bezos, Richard Branson oder Elon Musk trotzdem keineswegs mithalten können. Zum anderen handelt es sich beim M.A.R.S. um das Domizil des überzeugten Veganers und Tierschützers in der Eifel, dessen Lage am Fuße eines erloschenen Vulkans sich fast schon als „magisch“ umschreiben ließe (wer’s noch prosaischer mag, der könnte nun aufführen, dass dort anstatt von Lava nun eben die Kreativität fließt). Fast schon logisch, dass einer wie Thomas D sich an solch einem Rückzugsort auch ein eigenes Musikstudio einrichtet… einen musikalischen Mars, sozusagen. Und ebendort reifte in ihm der Wunsch, seinen Rap – abseits der großen Bühnen – mal wieder intim auf Platte zu bringen und in einer musikalisch veränderten Form – abseits der Fanta 4 – zu performen. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln seiner eigenen Musik, die zwischen 1997 und 2013 auf immerhin fünf Solo-Alben erschien, aufgrund des normalerweise recht gut gefüllten Fanta 4-Terminkalenders in den letzten Jahren jedoch immer öfter in den Hintergrund geriet. Weitere Inspiration erhielt er, als ihm 2019 eines Nachmittags eine Platte der Hamburger Band The KBCS in die Hände fiel. Völlig geflasht von ihrem fast schon hypnotischen Instrumental-Sound, von ihrer Energie und dem Willen, der eigenen Kunst einen frischen Anstrich zu verpassen, macht der 52-jährige Musiker die Band ausfindig und lädt das Quartett zu gemeinsamen Sessions auf seinem M.A.R.S. ein, bei denen schnell klar wird: das bundesdeutsche Hippe-di-Hopp-Urgestein und die hanseatische Soul-, Funk- und Jazzband funktionieren einwandfrei zusammen. Und da alles Schöne ja umso schöner wird, wenn man’s teilt, kann man das Ergebnis nun auf den „M.A.R.S Sessions“ nachhören.

Und tatsächlich entpuppt sich der Schulterschluss von Thomas D mit The KBCS als durchaus mitreißende Elefantenhochzeit, obwohl der wortgewaltige Rapper und die virtuos groovenden Instrumentalisten hier überwiegend leisere Töne anschlagen. Dies bedingen bereits die elf für „M.A.R.S Sessions“ ausgewählten Songs aus dem Repertoire des Frontmanns, der abseits seiner musikalische Pfade seit Juli 2013 etwa auch die Kurzinformationssendung „Wissen vor acht – Natur“ im Ersten moderiert. Und kleiner Schnitt ist bei dem gelernten Frisör (true story, that) nicht – textlich fährt Thomas D hier einige der eindringlichsten Messages seines Œuvres auf, andererseits geraten die lauten Momente, die es definitiv auch gibt, ebendeshalb umso intensiver.

Das Quintett schreitet mit meditativ-warmem Vintage-Sound lässig zwischen Resignation und Kampfgeist (man höre das melancholische „Show“, dessen Original anno 2013 Teil des bisher jüngsten D-Soloalbums „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ war), gedankenschwer philosphischen („Neophyta“ vom 2008er „Kennzeichen D“ mit leiser Reggae-Note) und schlicht gut gelaunten Momenten einher (der unbeschwerte D-Klassiker „Rückenwind“ vom 1997er Debüt „Solo“ steht den Fanta 4 dabei wohl am nächsten), die bestenfalls mal für Gänsehaut, mal für sanfte Nostalgie sorgen.

Schließlich ist es die direkte Live-Atmosphäre, die dieser famosen Combo einen unterhaltsamen Sieg auf nahezu allen Ebenen beschert – nachvollziehbar vor allem anhand des mit Hammondorgel rockenden „Uns trennt das Leben“ (vom 2001er Konzeptwerk „Lektionen in Demut„), im ähnlich gestalteten „Weitermachen“ (vom letzten Fanta-Dreher „Captain Fantastic„, 2018) mit smoother Leadgitarre und Percussion im Refrain sowie während „Flüchtig“, das mit fetten Bläsern auf die Tanzfläche bittet. „Millionen Legionen“, anno 1999 einer der Klassiker Fanta4-Hitalbums „4:99„, vermittelt nicht eben wenige jener Vibes, die man auch während der „MTV Unplugged“-Performance der Fantastischen Vier in der Balver Höhle erleben durfte. Die minimalistische Musik „Gebet an den Planet“ (von „Lektionen in Demut“) – kaum mehr als ein Obertönen gespicktes Bassmotiv zu sachtem Drumming und einzelnen Gitarren-Tupfern – wirkt wie ein Kontrast zum aufbauenden Text der Nummer und rückt damit einen der größten Vorzüge der Scheibe in den Vordergrund: ihr ergreifendes Spiel mit Licht und Schatten, wenn etwa auch das schummrige „An alle Hinterbliebenen“ (von „Kennzeichen D“) in seiner ökonomischen Form beinahe post-rockig anmutet.

Unter Strich ist Thomas D und The KBCS mit „M.A.R.S Sessions“ ein kongenialer Crossover aus unter die Haut gehendem Herz-und-Hirn-Sprechgesang und einer einfallsreichen Fusion aus Rock, Soul und etwas Jazz gelungen, der vor allem all jenen, denen die Solo-Aktivitäten des Fanta4-Haudegens mit ihrem durchaus vorhandenen Pathos sowie nicht wenigen gesellschaftskritischen Anklängen in der Vergangenheit ohnehin zugesagt haben, wärmstens empfohlen sei.

„Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show

Wie geht’s dir? Bescheiden? Mehr schlecht als recht?
Ich weiß, das Leben ist Leiden, doch langsam glaube ich echt
Es gibt hier keinen, der in diesen Zeiten noch vor Kraft strotzt
Nicht meckert nicht kotzt, nicht kleckert nur klotzt
Nicht lästert und lügt, der sich selbst genügt
Einer, der in sich ruht und sich selbst nicht betrügt
Seinem Schicksal gefügt, doch seines eigenen Glückes Schmied
Der aus Rückschlägen noch die richtigen Schlüsse zieht
Einer, der liebt nur um der Liebe willen, nicht um sein Verlangen zu stillen
Einer, der alles verzeiht, dessen Verstand nicht die ganze Zeit schreit
Der still ist und schweigt und sich im Innern so vom Leiden befreit
Einer, der mehr ist als nur ein Teil seiner Welt
Bei dem die Zeit steh’n bleibt, wenn er den Atem hält
Ja, wer das Zeug dazu hat, trete an, trete vor
Denn alles andere hier ist nur Show

Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show

Noch denkst du du wärst wer, doch machst du dich erst leer
Dann erkennst du mal, wie sehr all das Denken dich ablenkt
Nun erfährst du du bist wer, auch ohne Gedanken
Und bald fällt es dir nicht schwer, dich darin zu verankern
Erst beruhigt sich dein Atem, du folgst ihm nach innen
Lässt die Augenlider fallen und bist mit all deinen Sinnen
Im Innern und es reicht dir, einfach nur zu atmen
Was du dann entdeckst, ja soviel darf ich verraten
Ist mehr wert als irgendjemand jemals verlor
Ist nicht sehr schwer, nur 21 Gramm oder so
Keiner weiß mehr, wie kommt man durch das innere Tor
Doch die Bestimmung, sie dringt durch alle Schichten empor
Ja, die Befreiung von allem steht wohl uns allen bevor
Wenn nicht im Leben, dann auf jeden, wenn der Tod einen holt
Wenn auch von keinem gewollt, am Ende geht es jedem so
Und eben deshalb ist es besser ihr genießt die Show

Show, alles nur Show, wir tun alle nur so
Lehnt euch zurück, genießt die Show…“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Lucas Uecker – „Der König tanzt nicht mehr“


Foto: Promo / Christine Lipski

Man kennt ihn vor allem als Gitarre spielenden Teil der Hamburger Akustik-Indiepop-Band Liedfett, eventuell ist dem einen oder der anderen von euch sogar schon sein feines, 2019 erschienenes Solo-Debüt „Unterm Teppich“ zwischen die Lauschmuscheln gekommen (welches seinerzeit auch auf ANEWFRIEND Erwähnung fand). Nun hat Lucas Uecker mit „Der König tanzt nicht mehr” (s)eine neue Single veröffentlicht und mit „Schöne Dinge“ sein zweites Soloalbum in Aussicht gestellt (wenn auch noch ohne fixen Release-Termin).

Der erste Höreindruck gerät dabei ebenso energetisch wie düster: Der König tanzt nicht mehr“ ist eine Geschichte vom Fall und Sturz eines Monarchen. Ein kleines, Rocksong gewordenes Drama über eine Sucht und ihre Kinder. Über einen Protagonisten, den die Welt vergessen hat. Einen Schwindler, der an sich selbst zu Grunde geht. Verpackt in einem rauen, orchestralen Sound sowie in ein Schwarz-weiß-Video, in welchem Schauspieler Wolf-Dietrich Sprenger eindrucksvoll den gealterten Protagonisten verkörpert, entführt Lucas Uecker den Zuhörer in die Welt, die hinter den Kulissen liegt. Vorhang auf für „Der König tanzt nicht mehr“! 

Rock and Roll.

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Song des Tages: BOY – „Fit Back In“


BOY sind zurück und es fühlt sich an wie ein unverhofftes Wiedersehen mit alten Freundinnen – auf einen Schlag wird klar, wie sehr sie doch gefehlt haben. Valeska Steiners Stimme lässt beim ersten Ton jeden Lärm verstummen, die Musik von Sonja Glass hüllt den Raum in warmes Licht. Schon fühlt man sich zuhause in der gewohnt leichtfüßigen Melancholie, und doch ist nicht alles beim Alten…

Dankbarkeit mischt sich mit Trauer, Hoffnung mit Unruhe, und aus dem schnurgeraden Weg in den Sonnenuntergang ist ein verschlungener Pfad durch eine einst vertraute Stadt geworden: „Feeling like a stranger in my city and my skin, nothing around here reminds me of anything“, schreibt Valeska ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters mit dem Gefühl, nach dieser Zeit endlich wieder funktionieren zu müssen, zu wollen – nur um festzustellen, dass Trauer leider kein Verfallsdatum hat. Monate vergehen bis mit „Time doesn’t heal, it just goes by, spring and fall, and bloom and die, it just goes by“ die richtigen Worte ihren Weg in die Welt finden und „Fit Back In“ zu einem irgendwie tröstlichen Haiku der Vergänglichkeit machen: Nichts bleibt, alles ändert sich, und eben darin liegt auch Hoffnung.

Und wie zum Beweis ändert sich im Leben des deutsch-schweizerischen Duos noch vieles andere seit dem letzten Album „We Were Here“ von 2015 sowie ihrem letzten Auftritt zwei Jahre darauf: Valeska Steiner bekommt ihr erstes Kind und zieht zurück nach Zürich, während Sonja Glass in Hamburg bleibt, ihre erste Filmmusik komponiert und erste Schritte als Musik-Produzentin macht. Und Sonja wäre wohl nicht Sonja, wenn auf die ersten Schritte nicht gleich der große Sprung folgen würde: neben dem Schreiben der Musik wollte sie auch die Produktion des neuen Albums zu übernehmen. Frauen sind rar gesät in der Produzentenlandschaft (zumindest in der bundesdeutschen), aber wer hört, wie gleichermaßen kraftvoll, verspielt und zärtlich sich die Musik von „Fit Back In“ um Valeskas Stimme rankt, der ahnt, dass es höchste Zeit war, dass sich das ändert. Die beiden arbeiten aktuell an der Fertigstellung ihres dritten Langspielers und lassen parallel zur neuen Single auch eine Coverversion des 1981er Kim-Carnes-Welthits „Bette Davis Eyes“ hören.

BOY are back in town. Und wenn irgendwo Hoffnung wächst, dann hier.

„Feeling like a stranger in my city and my skin
Nothing around here reminds me of anything
Evenings growing shorter and the swallows spread their wings
Dislocate me, bend me, shake me, make me fit back in
Make me fit back in

With the people at the party, and them all are lost
Catching my breath behind the bathroom door
And I’m having drinks, and saying things, and laughing till I’m sore
No one around here knows me anymore

And another half won’t shine in half a light
Another day that came my way and passed me by
Swallowed by the night

Feeling like I’m lying, deciding my old lines
Life goes on and back to work, and thank you, I’m alright
I can’t remember what I need, somebody read my mind
Crack me open, come pull up the blinds

And another half won’t shine in half a light
I wish I could keep the days from passing by
Drift upstream, and travel back in time
Find your hand and hold it tight in mine

Moon-set, sunrise, time doesn’t heal
It just goes by, it just goes by
Sunset, moon-rise, time doesn’t heal
It just goes by, it just goes by
Tuck you in, I know your skies
It just goes by, it just goes by
Medicine and weary eyes
It just goes by, it just goes by
And summer birds, and winter flies
It just goes by, it just goes by
Spring and fall, and bloom and die
It just goes by, it just goes by, it just goes by“

Rock and Roll.

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„2 Meter Stillstand“ – Eine Doku über die Live-Branche inmitten von Corona


Der Toningenieur Philipp Welsing, zugleich Betreiber des Orignal Mastering Studios in Hamburg, hat unter dem Titel „2 Meter Stillstand“ im April und Mai 2021 eine 45-minütige Dokumentation gedreht, in der Hamburger Veranstalter wie Stephan Thanscheidt (FKP Scorpio) oder Clubbetreiber*innen wie Stefanie Hochmuth (Uebel & Gefährlich) über das Leben von Kulturschaffenden in Deutschland seit Beginn der Coronavirus-Pandemie zu Wort kommen und aus ihrer Perspektive über ein Jahr Corona sprechen.

Der auf der Website www.2meterstillstand.de, bei YouTube und Vimeo aufrufbare Film will „kulturschaffenden Menschen eine Plattform geben, die durch Covid-19 in ihrer Arbeit und in ihrem Leben so stark eingeschränkt sind, dass es häufig zum Stillstand kommt. Der Film ist für alle Kulturschaffenden gemacht und soll Aufmerksamkeit für ihre Situation erzeugen“, betont Welsing, der in der Vergangenheit als Redakteur der „VISIONS“ bereits an anderer Stelle recht intensiv hauptberuflich mit Musik in Berührung kam.

Neben dem FKP-Scorpio-Manager und der Uebel & Gefährlich-Betreiberin kommen in dem Film auch Fenja Möller (Bookerin des Molotow), die Musiker*innen Laila Nysten, Frieder Hepting (Thalia Theater) und Rick McPhail (Tocotronic) sowie die Außenrequisiteurin Anna Strohmeier, die Veranstalterin und Kuratorin Carolin Balas Pavisic, Michael Kellenbenz (Fahrradgarderobe) und Julian Loewe (Neubau Music) zu Wort.

Rock and Roll.

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