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Song des Tages: Enno Bunger – „Kein Mensch startet einen Krieg“


Foto: oh.sweebe

Der Hamburger Singer/Songwriter Enno Bunger lässt mal wieder etwas von sich hören und veröffentlicht mit „Kein Mensch startet einen Krieg“ den ersten neuen Song seit dem Herbst des vergangenen Jahres.

„Wenn jede Hand ’ne andere hält

Macht keine, dass ’ne Bombe fällt

Und kein Mensch startet einen Krieg…“

Anhand von Refrainzeilen wie diesen, aber im Grunde bereits angesichts des Titels ist das Thema klar: Hey, ihr Soldaten, und auch ihr Mächtigen, ihr Machtgeilen, ihr vor Paranoia schon ganz aufgedunsenen Staatschefs – lasst das mit euren Schwanzvergleichskriegen, die sind scheiße, führen zu nichts Gutem und töten man Ende vor allem die Falschen, die Schutzlosen: die Zivilisten! Ein wenig zu viel Kindersprech? Passt schon, denn durch deren Augen singt der 35-jährige Liedermacher das knapp dreiminütige Stück – und erinnert damit ein wenig an Udo Lindenbergs 1981 erschienene Anti-Kriegs-Hmyne „Wozu sind Kriege da„. Diese mag zwar bereits vier Jahrzehnte auch dem Buckel haben, dafür jedoch – leider, leider – einmal mehr aktueller denn je sein. Und zum Glück deckt Bunger, der aktuell am Nachfolger zum 2019 erschienenen Album „Was berührt, das bleibt.“ arbeitet, sein Stück nicht mit pathetischen Streichern zu, sondern lässt seine erfrischend emphatischen Zeilen zu simpler Klavierbegleitung wirken. Ein leiser Song in einer lauten Welt, bei dem es lohnt, genau hinzuhören…

Es fällt ihm schwer zu glauben

Die Bilder nicht vor Augen

Denn solche Filme darf er noch nicht sehen

Er wartet auf die Pause

Und sie will nur nach Hause

Noch einmal so, als wäre nichts geschehen…“

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Das Album der Woche


Nullmillimeter – Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd (2022)

-erschienen bei Fressmann/Indigo-

Manchmal passiert es eben doch. Da erwische ich mich als durchaus erfahrener Rezensent und World-Wide-Web-Schreiberling, der ja sonst kaum um eine weitläufige Umschreibung, um eine in überaus blumige Worte gefasste Empfehlung verlegen ist, dabei, dass mir plötzlich die passenden Buchstabenkombinationen für ein aus allerlei tollen Liedern zurecht gezimmertes Album fehlen. „Was tun?“, sprach Zeus.

Nun, vielleicht sollten die Band, um die es hier eigentlich geht, Nullmillimeter (welche kürzlich bereits hier Erwähnung fanden), und meine Wenigkeit einmal kurz beiseite treten und den Menschen würdigen, ohne den diese Lieder vielleicht nicht die Beachtung finden würden, die ihnen zweifellos gebührt. Daher: Tausend Dank, Wolfang Müller. Der Wahl-Hamburger Liedermacher, der zuletzt mit seinem wundervollen Album „Die Nacht ist vorbei“ zu begeistern wusste, traf nämlich vor nicht allzu langer Zeit die weise Entscheidung, Nullmillimeter für sein eigenes Label Fressmann unter Vertrag zu nehmen. Und stellte dem – keineswegs ein Aprilscherz – am 1. April erschienenen und mit „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ ebenso toll betitelten wie im Coverartwork verbildlichten Debütalbum gleich noch so einige wunderbar blumige Worte voran:

„Ich habe gerade das erste Mal das Album ‚Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd‘ gehört, und jetzt renne ich über meine innere Wiese, um alle Gedanken und Gefühle einzufangen, die wie aufgescheuchte Hasen kreuz und quer über das Feld jagen. Hoffentlich erwische ich jeden einzelnen, sonst bleibt der Bericht unvollständig, aber das wird er wohl ohnehin. Bei diesem über einstündigen Sturz in ein Universum aus Wörtern und Musik bleiben alle Bilder verwischt, oder einfacher gesagt: es hat mir das Gehirn raus gesprengt, einmal neu sortiert und wieder sanft zusammengefügt. Und das Herz dazu.

Es gibt eine bestimmte Sorte Sehnsucht, eine ganz eigene Art von Melancholie und Lebensfreude, die nur wenige Menschen in Musik gießen können. Naëma Faika und ihre Band Nullmillimeter haben das geschafft. Jedenfalls bei mir. Während ich auf meinem Sofa lag, die Arme in Blumen-Haltung über mir, und diese 12 Songs über mich ergossen habe, gab es glaube ich keine Emotion, die nicht in mir zum schwingen gebracht wurde. Siehe aufgescheuchte Hasen. Song für Song hat mich am Kragen gepackt, irgendwo hin geschleudert, drei mal um mich selbst gedreht, und bevor ich auch nur ‚toll‘ sagen konnte kam schon der nächste und hat das gleiche nochmal gemacht. Und nochmal. Und nochmal.

Dieses Album ist so tief und so breit wie die Songs lang sind, und ich will gar nicht wissen, wieviele Spuren die Aufnahme-Sessions gehabt haben müssen, um so einen Klang zu erzeugen. Ich schätze mal ein dutzend Kraken wären wahrscheinlich nicht ausreichend, um alle Fäden in den Händen zu halten, aber das Erstaunliche ist, oder das Unfassbare, dass es dieses Dutzend anscheinend wirklich gab, denn alles klingt wie aus einem Guss, all dieses Getöse, Rauschen, Raunen, Flüstern und Kreischen, der Beat, die ständigen unvorhersehbaren Wendungen, ein Sound von Sommerwind bis Orkan, und nur wer diese Arrangements selber gehört hat, kann verstehen, was ich meine. Ich bemühe mich erst gar nicht, hier irgendwelche Band-Referenzen zu zitieren, ich habe eh keine Ahnung von Musikgeschichte. Es muss reichen wenn ich sage: Es ist, als ob meinem einem lebendigen Element beim Tanzen zuschaut. Nur mit den Ohren. Und es hat mich erschüttert bis in die Fingerspitzen.

Normalerweise kommt jetzt die Stelle, an der ein Rezensent Text-Zitate einbaut, um dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, was ihn zu erwarten hat. Ich sage nur: Fuck off. Und damit ist alles erzählt. Nur soviel: Es sind keine Songtexte, es sind Geschichten, die jeweils ihren passenden Song geheiratet haben. Und in ihrer Intensität, ihrer Authentizität und ihrer Wucht diesen selber mitreißen, auf die Füße stellen, wieder herumwirbeln und zu Boden sinken lassen. Es ist eine Symbiose, ein Verschmelzen und wieder Auseinandergehen, und manchmal fällt es schwer zu sagen wer den Tanz führt, die Geschichte oder die Musik. Ist das leichte Kost? Auf keinen Fall. Wer als Präludium eine Minute lang nur den Wind rauschen lässt, schreckt vor gar nichts zurück. In diesem Fall: Sich Zeit zu lassen. Zeit ist eine wichtige, wenn nicht DIE wichtigste Zutat dieser so außergewöhnlichen Platte. Vermutlich hat sich das letzte Mal eine Band in den 70ern getraut, ihre Songs so auszuformulieren – und dann auch noch, ohne eine Sekunde zu nerven oder zu langweilen. Aber das Geschenk, dass einem dort gemacht wird, bekommt man nur, wenn man seinerzeit ein Geschenk macht – sich nämlich selber Zeit nimmt, eine stille Stunde, um dieses Album zu hören und einzuatmen. Jetzt habe ich fast alle Hasen an den Ohren.

Das Album zu hören ist, als ob man die quietschende und halb überwucherte Tür zu einem geheimen Garten aufdrückt, der immer größer wird, je länger man in ihm herumwandert. Und der, selbst wenn man an der selben Stelle zweimal vorbeikommt, jedes Mal anders aussieht. Es schimmert, vedreht sich in sich selbst, und explodiert in tausend Farben bevor es sich wieder zusammenfügt und so tut, als wäre das immer schon so gedacht gewesen. Mit einer fast schon quälenden Mischung aus tiefster Rastlosigkeit und sprudelnder Lebensfreude. Was soll ich sagen. Ich habe vor einem Jahr den ersten Song von Naëma gehört, und durch einen wundersamen Zufall haben sich unsere Wege gekreuzt und dazu geführt, dass ich ihr Debütalbum auf meinem Label veröffentlichen darf, und ich freue mich darüber sehr. Denn ich sage das nicht oft, und, je älter ich werde, desto mehr gehen mir Bands und Songwriter auf den Keks, aber das hier, diese Songs, diese Musik, die liebe ich aus tiefstem Herzen. Am Ende also vielleicht dann doch noch ein Text-Zitat:

‚This is a love song. This is your love song.'“

Verbindlichsten Dank für diese mit Herz, Hirn und Hand verfassten Sätze, Herr Müller. Nuff said?

Natürlich könnte man es in der Tat dabei belassen, könnte das Ganze als „nachdenkliche Version von Wir sind Helden“ einordnen (obwohl jene nun keineswegs frei von Grübelei waren), könnte zur weiteren Einordnung noch erwähnen, dass Nullmillimeter keine „Newcomer“ im klassischen Sinn sind, schließlich traten die fünf Musiker der in Hamburg und Berlin ansässigen Band in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Gisbert zu KnyphausenKid KopphausenStaring Girl, Jochen Distelmeyer, Tom Liwa oder Olli Schulz in Erscheinung. Blutige Anfänger? Musizieren in diesem Fall ein paar Proberäume weiter. Trotzdem dient diese als gefühltes Who-is-who anspruchsvollen deutschsprachigen Liedermachertums in den Referenzraum geworfene Aufzählung bereits als erste Standortbestimmung, wenngleich es Sängerin Naëma Faika, Bassist Frenzy Suhr, die beiden Gitarristen Marcus Schneider und Gunnar Ennen sowie Schlagzeuger Lennart Wohlt durchaus gelingt, höchst eigene (Zwischen)Töne zu treffen.

Dennoch ist dieses Debütwerk keineswegs zur Hintergrundbeschallung geeigneter Radiohit-und-weg-Wohlfühl-Pop für schwache Nerven. Nope, die Songs von „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“, von denen kaum einer die Fünf-Minuten-Marke unterschreitet und jeder doch seinen ganz eigenen Charakter besitzt, sind nichts anderes als raues, pures, handgemachte Musik gewordenes Leben. Sind ein mal wilder, mal federleichter Ritt durch diese Welt – klar, dass die größtenteils deutschen Texte nicht übertrieben lustig durch die 68 Minuten galoppieren, jedoch auch nicht mit überbordender Traurigkeit gesattelt sind. So rockt etwa „Selbstermächtigung“ als Schnittmenge zwischen schlauer Alltagsbeobachtung und John Lennon’schem Revoluzzertum wie ein vom Insekt wild gewordener Klapper, durch „Nö Du“ ziehen ebenso kraftvolle wie luftige Bläser, in „Graue Schimmel“ gehen selbige ein stückweit mit der Band durch. Anderswo, in „Unstet“, kann man den Einfluss der Hamburger-Schule-Größen Blumfeld nicht nur rauszuhören, sondern sogar aus dem Text herauszulesen: „Die Geschichte von zwei Menschen, schöner Anfang“, heißt es da, bevor die jähen Hoffnungen gesprengt werden: „Doch am Ende ist es immer der Instinkt, der gegen uns gewinnt.“ In „Wenn ich für einen Tag…“ gehen Naëma Faika und Gastsängerin Desiree „DESI“ Klaeukens sogar noch offener mit ihren Einflüssen um: „Ich hätte diesen Song geschrieben, wenn ich für einen Tag Niels Frevert wär‘.“ Apropos „Gastsänger“: Ein weiterer kommt mit dem eh immer gern gehörten Gisbert zu Knyphausen zu „Long Nights“ an Bord – großartig, wie hier das Eddie Vedder-Cover von Faika, ihm und dem instrumentalen Teil der Band hinaus in schwelgerische Roadtrip-Sphären veredelt wird. Geht kaum besser? Wer das annimmt, der bekommt im höchst intimen „Zwillingsschwester“, in welchem sich alles um ebenjene dreht, die „nur ein paar Stunden hier“ war, ein paar wohlige Klöße im Hals spendiert. Ein beklemmender Moment auf einem außergewöhnlichen Album, dessen Vielfalt sich eben erst bei genauerem Hinhören offenbart.

Foto; Promo / Victor Kataev

Es bleibt wohl dabei: Diese Musik, dieses Kaleidoskop aus Euphorie, Empathie, Nackenschlag und pragmatischen Aufbauhilfen, will gehört, will genossen werden. Sie beansprucht deine Zeit – und verdient sich diese mit jeder faszinierenden Sekunde zurück. Mit „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ ist Nullmillimeter bereits jetzt eines der tolltollsten (mehrheitlich) deutschsprachigen Alben des Musikjahres gelungen, bei welchem im Grunde der einzige Kritikpunkt ist, dass dem Silberling (bei der Langspielplatte dürfte es wohl ähnlich sein) leider kein Booklet mit Texten beiliegt. Aber wer mag schon auf einem Triumphzug jammern?

Rock and Roll.

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Song des Tages: FHEELS – „Sharp Dressed Animal“


Foto: Promo / Sophie Schwarzenberger

Man kommt nicht umhin den Elefanten, der da nunmal in der Manege sitzt, auch anzusprechen, also tun wir’s gleich, denn natürlich fällt auf, dass zumindest ein Viertel der Newcomer-Band FHEELS optisch nicht der augenscheinlich-oberflächlichen „Norm“ entspricht: Sänger und Gitarrist Felix Brückner ist seit einem Snowboard-Unfall im Alter von 17 Jahren zumindest teilweise querschnittgelähmt und daher auf (s)einen Rollstuhl angewiesen. Klar, lässt sich ja auch kaum übersehen. Für seine Bandmates Tobias Nitzbon (Rhodes, Organ, Backgroundgesang), Jens Boysen (Bass) und Justus Murphy (Schlagzeug, Backgroundgesang), mit denen er bereits seit Studientagen zusammenspielt, war dieses vermeintliche Handicap jedoch nie ein allzu großes Thema, und auch auf Starthilfe durch ordentlich mediales Fishing for Pity in einer Casting-Show hatte das Hamburger Quartett recht wenig Böcke, wie Brückner vor etwa zwei Jahren in einem Interview erzählte: „Natürlich hätten wir auch in irgendeine Talent- oder Casting-Show gehen können um bekannter zu werden. Aber das ist eher unattraktiv, weil zu sehr die Behinderung und das Ausschlachten der Background-Story im Fokus steht und nicht das eigentliche Musiker-Sein.“ Stattdessen entschieden sich FHEELS dazu, eine Crowdfunding-Kampagne unter dem Motto „FHEELFALT“ zu starten und steckten die dabei gesammelten 6.000 Euro in Musik- und Videoproduktion sowie Promotion und Fotoshootings.

Und wie sich nun zeigt, war diese Summe nicht eben schlecht investiert, denn die akustischen Vorboten, welche der Vierer von ihrem im April erscheinenden Debütalbum „Lotus“ hören lässt, lassen durchaus aufhorchen: düstere Grunge Rock-Gitarren und apokalyptisch dröhnender Hard Rock-Hymnus treffen auf lyrische Melodiebögen, tanzbare Leichtigkeit und eine Prise Jazz, Blues n‘ Soul – eine klare Weiterentwicklung zur 2017 erschienenen „Traveller EP„. Und da es umso schöner ist, wenn sich Kreise manchmal schließen, führt die Band den oben erwähnten Elefanten in der Manege in „Mr. Elephant“ gleich höchstselbst in selbige und beleuchtet im aktuellsten Album-Vorboten „Sharp Dressed Animal“ – Offensive, Offensive! – Sexualität aus der Perspektive von Menschen mit Behinderung.

Gezupfte Bassakkorde sorgen im Song für das harmonische Gerüst, welche die rohe Ästhetik prägen. In Brückners Gesang spiegelt sich die stets steigende Begierde der Protagonisten wieder: Er beginnt mit leichten Falsetttönen und endet mit rohen Schreien. Produziert wurde der Song, der trotz vieler klassischer Rock-Elemente frisch und eigen klingt, wie das gesamte kommende Album, zusammen mit Christoph Hessler von The Intersphere.

Das dazugehörige, bewusst recht explizite Musikvideo soll dabei die Botschaft des Songs nochmal bekräftigen: Auch Menschen mit Behinderung haben Sex, ihre Bedürfnisse und Lust unterscheiden sich keineswegs von denen ohne – ein beeindruckendes und mutiges Statement für Body-/Sex-Positivity und dem selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper, abseits des leider noch immer allzu oft vorherrschenden gesellschaftlichen Schönheitsideals und Perfektionismus.

Warum dieses sehr intime Thema Felix Brückner ein großes Anliegen ist, erklärt er recht unumwunden so: „Der Song ist eine kritische Auseinandersetzung mit mir als Mann und den Facetten meiner Sexualität. Anders als oftmals indirekt unterstellt wird, macht es dabei keinen Unterschied, dass ich ein Mann mit Behinderung bin. Auch wir haben Triebe, auch wir haben Sexualität, die sich in ihrer zuweilen Primitivität nicht von der nichtbehinderter Männer unterscheidet und persönlich hinterfragt werden sollte. Vor allem muss aufgehört werden Menschen mit Behinderung die Sexualität und das Bedürfnis danach abzuerkennen oder nicht sehen zu wollen.“ 

Im Musikvideo übernimmt neben der Musik und Band die Schauspielerin Laura Ehrich die Hauptrolle. Brückner dazu: „Ich habe mich bewusst dazu entschlossen, sehr erotische Szenen für das Video umzusetzen, die ich in dieser Form so noch nicht gesehen habe. Bewusst war auch die Entscheidung meinen Körper, der sich durch die Lähmung von denen nichtbehinderter Männer unterscheidet, zu zeigen. In Zeiten, in denen es – neben einer Ästhetik, die durch Perfektion geprägt ist – keinen Platz zu geben scheint, war es mir wichtig, damit ein selbstbewusstes Zeichen zu setzen. Ich habe viel zu lange versucht mein Aussehen Idealen anzupassen und hoffe damit Mut zu machen, den eigenen Körper mit seinen ihn besonders und einzigartig machenden Eigenschaften zu akzeptieren. Perfektion ist nicht real und schon gar nicht normal.“ 

Und überhaupt: Was zur Hölle ist schon „normal“? Rock‘n‘Roll und Behinderung gehen nicht zusammen? Scheiß doch der Hund auf solchen vorgestrigen Scheuklappen-Unsinn!

Rock and Roll.

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Song des Tages: Nullmillimeter – „Nö Du“


„Jede Band ist die Summe ihrer einzelnen Teile und sie baut sich in ihren eigenen Farben eine Welt…“

Misst man auf dem musikalischen Radar, so mögen Nullmillimeter zwar kaum den Startblock verlassen haben, „Newcomer“ im klassischen Sinn sind die fünf Musiker der in Hamburg und Berlin ansässigen Band jedoch keineswegs, schließlich traten selbe in der Vergangenheit bereits als Teile der Begleitbands von Gisbert zu Knyphausen, Kid Kopphausen oder Staring Girl in Erscheinung. Japp, Kenner der deutschen Indie-Musikszene schnalzen nun wohl beglückt wissend mit der Zunge…

„Nullmillimeter sind ein zur Musik gewordener Freundeskreis, in dessen Mitte ein gemeinsames Herz schlägt. Mit schildkrötigem Tempo – null Millimeter pro Sekunde – entwickelten sie in ihrem Proberaum-Kosmos jahrelang Songs, die eine Ehrlichkeit besitzen, die beinahe erschlägt.” (Berlin Underground Music)

Abseits von Konzerten und diesseits des Internets und der einschlägigen Streaming-Portale ließen Nullmillimeter bislang jedoch wenig von sich hören – das dürfte sich in Kürze ändern. Nachdem die Crowdfunding-Kampagne fürs Debütalbum erfolgreich über die Bühne ging, nahmen Frontfrau Naëma Faika, über die niemand Geringeres als Tom Liwa sich mit Zeilen wie „Naëmi leuchtet im Dunkeln und ihre Musik ist die vielleicht letzte Tankstelle vor der Autobahn“ bereits zu einer ungewöhnlich formulierten Lobeshymne hinreißen ließ, und ihre Mannen den Erstling auf, welcher nun fertig gemastert ist und im April unter dem feinen Titel „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ beim Hamburger Indie-Label Fressmann erscheinen wird. Da dieses vor nunmehr zehn Jahren vom (übrigens kaum weniger formidablen und uneingeschränkt empfehlenswerten) Liedermacher Wolfgang Müller ins Leben gerufen wurde, hat selbiger im Zuge der Veröffentlichungsankündigung des Albums unlängst auch einen ausführlichen, verdammt lesenswerten Begleittext verfasst:

„Die Hamburger/Berliner Band Nullmillimeter um Frontfrau Naëma Faika veröffentlicht ihr Debütalbum ‚Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd‘. Das ist über eine Stunde lang und nichts für schwache Nerven. Wer sich also auf das hundertste Wohlfühl-Pop-Album einer ambitionierten Newcomer-Band mit szenigem Twenty-Something-Front-Girl gefreut hat, mit Hooklines zum Mitklatschen und Textzeilen tief wie ein Teller – bitte weitergehen, dann gibt es hier nichts zu sehen. Oder zu hören.

Denn diese zwölf Songs, kaum einer kürzer als fünf Minuten, sind nichts anderes als raues, Musik gewordenes Leben. Vermutlich hat sich zuletzt in den Siebzigern eine Band getraut, ihre Lieder so auszuformulieren wie Nullmillimeter das tun, und jeder einzelne Song hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Geschichte, seine eigene Stimme, und will gehört werden. Denn nein, Naëmi ist nicht mehr zwanzig, und auch nicht mehr dreißig, obgleich das niemand glauben würde, der sie erlebt. Denn diese Geschichten, die die Wahl-Berlinerin hier auf die Bühne bringt, sind voll ungezähmter Energie und Rastlosigkeit, und die persönlichen Erfahrungen darin sind bis in die Fingerspitzen spürbar und bringen alles zum Beben. Doch der Weg hierhin war weit.

In der Indie-Szene ist Naëma Faika keine Unbekannte. Ob als Sprecherin und Background-Sängerin für Olli Schulz, als Begleitung von Tom Liwa oder Special Guest bei ‚TV Noir‘: Über die letzten Jahre tauchte ihr Name immer wieder auf, wie die Rückenflosse eines Tümmlers, der in der Tiefe auf der Suche nach etwas Namenlosen ist und darauf wartet, dass seine Zeit kommt. Und natürlich waren da immer: Songs. Aber wer sich jetzt dieses Album anhört wird verstehen, dass es Zeit brauchte, um diesen Geschichten eine Form zu geben, besonders dann, wenn man nebenbei noch zwei Kinder alleine groß zu ziehen hat. Viel Zeit, aber zum Glück war Naëmi nicht alleine. Lennart Wohlt am Schlagzeug kennt vermutlich noch kaum jemand, aber das dürfte sich bald ändern. Marcus Schneider, Gitarrist u.a. bei Tim Bendzko oder Jochen Distelmeyer ist dabei, genauso wie Gunnar Ennen und Frenzy Suhr aus der alten Gisbert zu Knyphausen Band. Die Bootsmannschaft sozusagen.

Denn auch wenn die Musik, diese irre Mischung aus Americana, New Wave, Blumfeld, Flowerpornoes und purem Wahnsinn, wie ein Wirbelsturm durch das Zimmer fegt, sobald man die Platte auflegt, sollte man sich nicht täuschen lassen, wer hier die Zügel in der Hand hat und alle Fäden zusammen hält: Es sind die Erzählungen und zarten, kleinen Geschichten, die diesen tosenden Sound vor sich her treiben wie ein Engel die Reiter der Apokalypse. Kleinigkeiten sind es, die hier stellvertretend für die großen Dramen die Richtung vorgeben, und das Innere erzittern lassen.

‚Hallo Liebe, halt die Fresse, stell dich in die Ecke und heul doch. Hallo Liebe, du beleidigter Hungerhaken, ich hab‘ dir deine Koffer zum Bahnhof getragen‘ heißt es in ‚Unstet‘, um einmal kurz klar zu machen, wer hier der Boss ist – und gleich darauf wieder weich zu werden und die Musik wie eine Liebende zu umschlingen: ‚Ich habe dir in mir eine Welt gebaut, wir sind uns ziemlich ähnlich, manchmal zu leise, und dann wieder viel zu laut‘ singt Naëmi in ‚Zwillingsschwester‘, und wenn man dann am Ende des Liedes versteht, dass dieser Zwilling vor langer Zeit nur wenige Stunden gelebt hat, haut es einem das Gemüt von oben nach unten durch wie von einer Axt gespalten. Es ist diese unfassbare Bandbreite und Tiefe, von radikaler Zärtlichkeit bis hin zu zerfließender Weichheit, kompromissloser Offenheit gepaart mit breitschultriger Verletzlichkeit, textlich wie musikalisch, die das Debütalbum von Nullmillimeter zu einem Meilenstein bei, nun ja, Kilometer Null macht. Das muss man erst mal hinbekommen. Zeit nehmen allerdings muss man sich, um diesen geheimen Garten zu durchwandern, der hier gerade zu blühen beginnt. Aber in diesem Licht darf man auch mal die Floskel aller Floskeln verwenden, einfach nur weil sie wahr ist:

Das Warten hat sich gelohnt.

Schön geschrieben, oder? War bei einem wie Wolfgang Müller, der in jedes musikalische Projekt – sei es sein eigenes oder eben von befreundeten Künstler*innen wie Bands – stets einhundertundzehn Prozent Herzblut steckt, aber auch nicht anders zu erwarten…

Bereits jetzt lassen Nullmillimeter mit „Nö Du“ einen ersten Song aus „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ hören. Und spätestens beim dazugehörigen Musikvideo wird’s vor allem für mich kurz recht persönlich, denn die bewegten Bilder zum beinahe sechsminütigen Stück wurden ausgerechnet in meiner alten sächsischen Heimat Riesa aufgenommen. *hach* Kommt recht selten vor, dass ich ein Musikvideo schaue und dann noch nahezu jede Straße, jedes Haus, jede gefilmte Ecke (er)kenne wie meine Westentasche. Von dem Zehnerturm, von welchem die Band da springt, habe ich vor – gefühlt – ewig langer Zeit meine ersten Sprünge gewagt… In jener Konzerthalle, vor welchem sich Teile von Nullmillimeter da die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, habe ich Ende der Neunziger meine ersten größeren Konzerte erleben dürfen… Sehr, sehr schön, wenn tolle neue Musik und sanfte Nostalgie zusammenfinden – macht mächtig Böcke auf das kommende Album! Spätestens jetzt befindet sich diese Band auf meinem Radar.

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Wolfgang Müller – Die Nacht ist vorbei (2021)

-erschienen bei Fressmann/Indigo-

Dieses eine Album noch, danach ist Schluss… Wirklich. Mit diesem und ganz ähnlichen Gedankengängen plagt sich der Liedermacher (was in diesem Fall deutlich passender erscheint als das neuzeitliche „Singer/Songwriter“) Wolfgang Müller in seiner Wahlheimat Hamburg immer wieder herum, von Jahr zu Jahr, von Veröffentlichung zu Veröffentlichung. “Konzerte sind für ihn der Horror, Stichwort Sozialstress, und er ist ungefähr so gefallsüchtig wie eine Buche im Wald, also nicht so sehr”, berichtet etwa der Pressetext. Glaubt man also den Informationen, die aus dem Hause des bescheidenen Musikers nach außen dringen, so ist jedes Album eine Anstrengung, ein ungeheurer Haufen Arbeit, ein wahrer Koloss an Selbstüberwindung. Sicher, kaum einem kunstschaffenden Menschen, der heutzutage noch Wert auf Anspruch, Aussagen und Tiefgang legt, fällt das Endergebnis locker-flockig aus Hand, Herz und Hirn. Was dennoch ausgesprochen verblüffend ist: Auch „Die Nacht ist vorbei„, seines Zeichens bereits Müllers sechstes Album, trägt nun keinesfalls die Last des kreativen Prozesses mit sich herum, sondern kommt mit faszinierender Leichtigkeit daher. Im Grunde also alles wie gehabt: Eine Reihe durchaus starker Alben erfährt (s)eine souveräne Fortsetzung.

Wolfgang Müller – so unspektakulär und alltäglich und nichtssagend sein Name, so außergewöhnlich und anrührend ist seine Musik. Wohl auch aufgrund der Tatsache, dass er nie großes Bohei um seine Songs macht, ist der 46-jährige Wahl-Hanseat (der übrigens keineswegs mit diesem Künstler selben Allerweltsnamens verwechselt werden sollte) noch immer irgendwie der große Unbekannte unter den besten deutschen Künstlern in diesem musikalischen Segment. Dennoch durfte er sich selbst vom „Stern“ schon ein feines, verdientes Lob abholen: „Solche Texte – klug, versonnen, konzentriert – sind ganz, ganz selten in Deutschland zu hören.“

Große Richtungswechsel braucht man auch auf „Die Nacht ist vorbei“ nicht erwarten, während sich Müller auf seinem neuesten Werk mit gewohnt warmer Stimme und charakteristischer Manier einmal mehr auf intime kleine Momente und (Zwischen)Töne fokussiert. Mit absolut zurückgenommener Instrumentierung aus Akustikgitarre, Klavier und ein wenig Beat-Rhythmus setzt er seine tiefsinnigen Texte in Szene und strickt eine „nur“ halbstündige Ode an die musikalische Schönheit („leider“ möchte man nachsetzen, denn diese zehn Stücke sind so schön, dass man gern noch den ein oder anderen Nachschlag genommen hätte). Wolfgang Müller ist damit ein Liedermacher im besten Sinne, in bester Tradition von Reinhard Mey, Gisbert zu Knyphausen, Moritz Krämer und Co.: Seine Stimme ist über jeden Zweifel erhaben, seine Songs mögen sich zwar nicht aufdrängen, überzeugen jedoch in Sachen Komposition ebenso wie im Hinblick auf die feinsinnige Lyrik. Müller geht es um die große Unsicherheit, die in Zeilen wie „Ich werde wissen, was ich will / Sobald ich weiß, worum es geht“ zum Ausdruck kommt, um das Erkunden der eigenen Rolle in der Welt, was in „Ein Teil von mir lebt in der stillen Hoffnung / Auf ein Leben ohne Selbstbeteiligung“ durchscheint, oder um den Umgang mit Tugenden: „Ein neues Wort für Hoffnung / Wär‘ vielleicht Geduld“. Geduld, die in unseren gleichsam rast- wie ratlosen Zeiten im Grunde immer weniger angesagt ist… En vouge? Ist hier mal nix – ist das scheint auch ganz gut so. Dennoch ist gerade diese Zeile so aktuell und wichtig wie nie.

Ein paar ungewohnte Sachen gibt’s trotzdem zu hören. In “Verschwinden” versucht Wolfgang Müller es dann mit Sprechgesang und baut in seine Texte gar das “Kaugummisilberpapier” ein – geistreich und sympathisch. “Da ist ein See mitten im Wald, den keiner kennt außer uns beiden”, heißt es im Anschlussstück herrlich verschwörerisch, bevor das Hauptthema von “Die Nacht ist vorbei” vor allem im ebenso tollen wie mit nicht einmal zwei Minuten recht kurzen Titelsong vorbei zieht: Die Hoffnung (oder wie auch immer sie gerade genannt werden mag), die in jeder Rührung spürbar gerät. In “Wolken” geht es um die Hamburger Heimat, “Sag Ja” ist eine wunderschöne Liebeserklärung und “Blauwasser” setzt noch einmal zu einem Metaphern-Feuerwerk an, bevor sich das Album seinem Ende nähert.

Mit „Die Nacht ist vorbei“ hat Wolfgang Müller, der in der Vergangenheit unter anderem auch als Initiator der wunderbaren Kinderlieder-Alben-Reihe „Unter meinem Bett“ in Erscheinung trat und sich auf seiner Facebook-Seite regelmäßig und mit Verve zu gesellschaftlichen Themen äußert, 14 Jahre nach dem Debüt-Langspieler „In der Zwischenzeit“ ein neues liebevolles Stück Musik in die Welt gesetzt. Eine halbe Stunde voller Poesie, voller Leidenschaft für das, was er am besten kann: sehr gute Songs schreiben. Es ist ein Album, das man jedem Liebhaber handgemachter Tonkunst unter den Weihnachtsbaum legen oder einfach zwischendurch mal schenken möchte, ja: sollte. Denn eine größere Zuhörerschaft hätte der gebürtige Limburger, der an der Elbe Album um Album an der Perfektion feilt, allemal verdient. Ein Großer ist er, nur eben auch weiterhin – zu unrecht – ein großer Unbekannter.

Die gute Nachricht zum Schluss: Nach diesem Album hat Wolfgang Müller explizit betont, dass mindestens ein weiteres folgen soll. Auch wenn man freilich ahnt, wie viel Arbeit, Schweiß und Zweifel er dafür wieder aufwenden wird und auch wenn jedem Freund seiner Musik klar ist, dass er dann erneut allerlei Künstlerqualen leiden, ganz viel verwerfen, neu beginnen und schließlich bis an die Grenze zum eigenen Wahnsinn hinab steigen wird: einfach machen, Wolfgang Müller – wir hören gern weiter zu. Solche Musik braucht’s in ebensolchen oft genug tristen Wintertagen wie die warme Jacke und die dampfende Tasse Tee.

Rock and Roll.

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Song des Tages: August August – „Wahnsinn“


„Glaubst du immer noch daran, dass ein Fallender sich selbst fangen kann?“

Zeilen wie diese und der Titel ihres für Februar 2022 angekündigten zweiten Albums „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ lassen vermuten, dass in „Wahnsinn“, einer beatlastigen Hymne mit Sogwirkung und nach „Kaputt + Kein Hunger“ zugleich die zweite Auskopplung aus dem Nachfolger zum 2016er Debüt „Sag Du„, nicht zuletzt die Frage nach der mentalen Gesundheit in einem kranken System verhandelt wird. Eine gleichsam phantastische wie poetische Reise durch unsere Vorstellungen von Realität und Einbildung, Authentizität und Verstellung, Reflektion und Verzerrung, normal und verrückt, oben und unten, wahr oder falsch… Darauf angesprochen antworten August August mit einem Zitat von Albert Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Aber auch philosophische Themen scheinen die Band, bestehend aus Kathrin Ost, die auch als Schauspielerin im Theater und TV arbeitet, und dem Berliner Gitarristen David Hirst, zu beschäftigen: Formen wir die Kategorien nach den Menschen oder die Menschen nach unseren Kategorien? Bist du am Ende der Mensch geworden, der du sein wolltest oder der, für den dich alle immer gehalten haben? Hat Wahnsinn einen Sinn? Was passiert, wenn die Fremdzuschreibung zuschnappt?

All diese Fragen kann man im Subtext der Liedzeilen heraushören – wenn man denn möchte. Denn was ihre Songs bedeuten sollen, diese Feststellung überlassen August August ihrem Publikum. „Wir geben keine Bedienungsanleitung zur Kunst“, verrät Sängerin Kathrin Ost. „Das finde ich auch einen ganz seltsamen Anspruch. Kommt das daher, dass wir gewohnt sind, alles einer Verwertungslogik zu unterziehen? Ich glaube, wir sollten auch mal aushalten, dass es nicht sofort oder nicht immer nur eine Antwort gibt. Es ist dann sicher oft komplizierter, aber auch aufregender und, wie wir finden, auch wahrhaftiger!“

Musikalisch entfaltet „Wahnsinn“ einen ähnlich epischen Drive, wie er beispielsweise bei den US-Rockern The War On Drugs oder den Wave-Göttern von The Cure zu erleben ist. Ein treibender Drum-Groove trifft auf trockenen E-Bass, der, ergänzt durch träumerisch anmutende Gitarren- und Synthie-Akkorde, eine sogartige Wirkung entfaltet. Hat man so ähnlich vor einiger Zeit auch schon von den leider sträflichst zu kurz gekommenen Karpatenhund gehört, klingt jedoch keineswegs wie eine bloße Kopie.

Für das Musikvideo zum Song haben August August – ganz indie’esk – erneut selbst Regie und Produktion in die Hand genommen. Herausgekommen ist ein psychedelischer 3-Minuten-und-45-Sekunden-Trip. Da wird in Lederjacke Bassgitarre gespielt und die Physik scheint außer Kraft gesetzt. Dinge fallen von unten nach oben, Personen und Ebenen verschwimmen miteinander, es stehen zeitweise gleich zwei Monde am Himmel und das Karussell dreht sich mit uns schier endlos weiter.

Das Indie-Pop-Duo aus Hamburg und Berlin legt mit diesem als auch weiteren Titeln ihres kommenden Albums „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ einen durchaus international klingenden Indie-Sound vor, der in der deutschsprachigen Popwelt – noch dazu mit weiblichen Leadvocals – bislang eher selten zu finden ist und inhaltlich wie musikalisch nah am Puls der Zeit hantiert.

Rock and Roll.

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