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Song des Tages: alt-J – „In Cold Blood“


alt-J

alt-J, Englands wohl verspulteste erfolgreiche Indierock-Band, haben im Zuge ihres in Kürze erscheinenden dritten Albums „RELAXER“ ein neues Video gedreht (oder: drehen lassen), und das ist, wie schon der Vorgängerclip zu „3WW„, kein gewöhnliches Musikvideo: Der Kurzfilm zu ihrem Song „In Cold Blood“ erzählt vom gefährlichen Leben einer Waldmaus, und als Sprecher konnte das Trio, welches bereits 2012 mit seinem Debütalbum „An Awesome Wave“ den in Großbritannien so renommierten „Mercury Prize“ einheimsen konnte und 2015 gar für einen Grammy nominiert war (fürs Zweitwerk „This Is All Yours„), niemand Geringeren als Iggy Pop himself gewinnen. Regie führte der dänische Regisseur und Fotograf Casper Balsley, gefilmt wurde das Ganze im Wald Hareskoven nahe Kopenhagen.

Das Video begleitet die kleine, namenlose Maus auf ihrer Wanderung über Stock, Stein und Gebüsch. Sie wird argwöhnisch von einer Schlange beobachtet, pausiert neben einer Schnecke, putzt sich, genießt die Aussicht, springt dem Tod von der Schippe, entdeckt schließlich Leichenteile, Blut und Bargeld – und macht sich erst einmal über die Fritten der Verblichenen her. Den Rest des (spätestens) von dort an völlig arty-absurden Musikvideos, dessen Titel „In Cold Blood“ nun mal so richtig Programm ist, schaut ihr euch lieber selbst an…

 

 

Und wie hört sich der Song bitte live an? Diese Frage dürfte wohl der folgende Mitschnitt beantworten, der alt-J bei einem Gastspiel in Jimmy Fallons „The Tonight Show“ zeigt – inklusive der Haus-und-Hof-Band The Roots:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Max Jury – „Lost Cause“


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Dass ausgerechnet Beck bei der 57. Grammy-Preisverleihung vor wenigen Tagen den Preis für das „beste Album des Jahres“ einstreichen konnte, war wahrlich nicht zu erwarten, immerhin setzte sich der 44-Jährige Musiker mit seinem insgesamt 12. Album „Morning Phase“ gegen Konsens-Konkurrenten wie Beyoncé, Sam Smith, Ed Sheeran und Pharrell Williams durch. Am Ende war der Rock-Tausendsassa, der bereits seit den frühen Neunzigern, als er mit „Loser“ seinen bekanntesten Song ablieferte, durchs Musikgeschäft spukt, wohl einfach mal „an der Reihe“ – auch wenn Kanye West das wohlmöglich anders sehen mag und lieber seine Busenfreundin Beyoncé mit dem Preis nach Haus marschieren gesehen hätte. Auch wenn „Morning Phase“ das am schlechtesten verkaufte „Album Of The Year“ seit 2008 sein möge. Andererseits ist es doch irgendwie auch eine schöne ironische Anekdote, dass Beck ausgerechnet mit der indirekt – sowohl musikalisch als auch inhaltlich – an sein bislang bestes Album „Sea Change“ anknüpfenden Platte den begehrten Preis einheimst, während sein ganz persönliches Opus Magnum damals zu Zeiten des Erscheinens 2002/2003 komplett leer ausging…

Apropos „Sea Change“: Der aus Des Moines, Iowa stammende 21-jährige Americana-Singer/Songwriter Max Jury hat wohlmöglich Becks Auszeichnung zum Anlass genommen, um „Lost Cause“, eines der Highlights des elf Jahre zurückliegenden „Sea Change“, einer Eigeninterpretation zu unterziehen, welche sich durchaus hören lassen kann. Und irgendwie ist es von den Songs von Jurys bislang veröffentlichten EPs „Something In The Air“ und „All I Want: The Sonic Factory Sessions“ rein stilistisch kein allzu langer Weg bis hin zu „Sea Change“, das ebenfalls knietief in melancholischen Alt.Country/Americana-Gewässern badet… well done. Und Kanye West weint immer noch, leise.

 

 

Rock and Roll.

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Mein Senf: Tod von Whitney Houston


There’s no business like show business… Nun also auch Whitney Houston. 48 Jahre ist für jede(n) „Normalsterbliche(n)“ kein biblisches Alter – für eine Frau, die, ausgestattet mit prominenter Verwandtschaft (Dionne Warwick war ihre Cousine, Aretha Franklin die Patentante), den Großteil ihres Lebens mehr oder minder im Flutlicht des Showbusiness verbracht hat, mögen sich diese 48 Jahre gut und gern wie eine Ewigkeit angefühlt haben. Jedem Erfolg – und davon hatte Whitney Elizabeth Houston in den Achtzigern und frühen Neunzigern so einige vorzuweisen, man erinnere sich nur an „I Will Always Love You“ oder „I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)“ – musste ein noch größerer folgen. Jeder Hit musste mit einer noch mitreißenderen Melodie überboten werden. Das Radio ist eine gefräßige Bestie, das Publikum giert immerzu nach mehr, mehr, mehr. Folgt man diesen Regeln nicht, so zeigt einem die Zielgruppe Rücken und kalte Schulter, dreht den Daumen nach unten und wendet sich der nächsten „armen Hit-Sau“ zu. Dass Whitney Houston diesem Druck nicht durchgängig stand hielt und auch einige mehr als unglückliche Lebensentscheidungen traf (man erinnere sich nur an ihre On/Off-Ehe mit dem Taugenichts-Schläger Bobby Brown), ist Pop-Geschichte. Doch wer könnte ihr die Flucht vor dem Paparazzi-Blitzlichtgewitter und in kurze Rauschzustände, ob nun durch Alkohol, Kokain oder Crack, verdenken? Befindet sie sich doch damit in der namenhaften Gesellschaft solcher Größen wie Michael Jackson, Kurt Cobain, Amy Winehouse, Jim Morrison…

Und mag Houston zeitlebens eine – zumindest phasenweise – einzigartige Künstlerin gewesen sein, so ist die nun stattfindende Prozedur doch vor allem eins: immer wieder die gleiche. Kaum ist die Meldung über den Tod einer prominenten Persönlichkeit durchgesickert, werden die Samthandschuhe aus der medialen Schublade geholt und die letzte „Greatest Hits“-Compilation bei iTunes geladen (dort befindet sich „The Ultimate Collection“ zu diesem Zeitpunkt auf Platz 1) oder bei Amazon bestellt (Platz 6 momentan, Tendenz steigend). Der Leichnam ist zwar kaum erkaltetet und noch längst nicht ins Leichenschauhaus gebracht, aber man will ja der Dame auch selbst anständig Tribut zollen oder am Montag im Kollegenkreis nicht außen vor sein… Die Medien, welche sich bisher vor allem auf Houstons peinliche letzte Auftritte (siehe auch: Amy Winehouse) oder ihre hilflosen Bemühungen, wieder an längst vergangene Glanzzeiten anzuknüpfen (siehe auch: Michael Jackson), konzentriert hatten, würdigen nun die kürzlich arg Geschundene als „eine der größten Sängerinnen und Divas aller Zeiten“, zeigen Erfolge in Endlosschleife und sich selbst schockiert und mit seltsam versteinerter Miene. Der Marktwert des/der Musikers/in ist im Tod ungleich größer als im Leben. Das ist ein nicht wegzudiskutierender Fakt, ebenso wie die Tatsache, dass die mediale Berichterstattung dem Massendiktat unterliegt. Wo der Respekt vor der künstlerischen Leistung aufhört und die Pietätlosigkeit anfängt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein Lied kann durch das jeweilige Hintergrundwissen um das tragische Leben(sende) des Künstlers zwar bewegender werden, aber nie besser. Jetzt plötzlich den Soundtrack oder die DVD zu „Bodyguard“ wieder hervorzukramen finde ich vor allem eins: affig und aufgesetzt. Ehre, wem Ehre gebührt, ob nun tot oder lebendig. Und nicht, weil’s „alle tun“.

Heute werden im Staples Center in Los Angeles die Grammy Awards verliehen, von denen Whitney Houston seit 1986 sechs Stück entgegennehmen konnte. Man weiß bereits im Voraus, dass der Abend unter einem seltsam traurigen Stern stehen und mit einhelligen Lobeshymnen enden wird. Die Musikindustrie wird wieder einmal den Nachlass eines ehemals großen Stallpferdes gewinnbringend zu verklären wissen. Ein Leben zwischen Blüte, reifer Frucht, Fallobst und Zitrone. The show must go on.

 Rock and Roll.
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