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Song des Tages: Los Coast & Gary Clark Jr. – „A Change Is Gonna Come“


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Foto: Kevin Womack

Die aus Austin, Texas stammende Band Los Coast hat eine gemeinsam mit Gitarrist Gary Clark Jr. aufgenommene Coverversion von „A Change Is Gonna Come“ veröffentlicht. Ihre Variante des Sam Cooke-Evergreens folgt ihrem im vergangenen Jahr erschienenen Psychedelic-Alt.Soul-Debütalbum „Samsara„, über welches der „Rolling Stone“ schrieb, dass dieses „den funky 1970ern zunickt und den Gospel-beeinflussten Gesang von Frontmann Trey Privott mit stetigen Grooves, fettem Keyboard und Wolken von Hall mischt.“ Aufgrund ihrer hypnotisierenden Live-Auftritte als Support von Gary Clark Jr., St. Paul & The Broken Bones und anderen, die der Band einiges an Aufmerksamkeit einbrachten, schrieb „NPR“: „Man mag nicht in der Lage sein, ihrem Sound ein Evergreen-Label aufzudrücken, aber die fünf Musiker werden sicherlich Ihren Puls in die Höhe treiben und Ihr Hinterteil im Handumdrehen zum ‚Schütteln‘ bringen.“ Mit ihrer Mischung aus Genres wie R&B, New Wave, Funk und Weltmusik haben Los Coast einen Sound geschaffen, der ihre enormen Einflüsse widerspiegelt und sie dabei zu etwas Einzigartigem macht.

717oVfiCXTL._SS500_Nun also feierte ihre Version von „A Change Is Gonna Come Come“ mit Gary Clark Jr. an den Saiten Premiere – eine durchaus dem Zeitgeist angepasste, aber ebenso bewegende und kraftvolle Interpretation des Cooke-Klassikers von 1964. In einem Gespräch mit „SPIN“ sagte Los Coast-Frontmann Trey Privott: „Wir haben uns letztes Jahr entschieden, unsere Version dieses Songs zu machen. Ich glaube, wir waren der Ansicht, dass wir, anstatt einen eigenen Song zu schreiben, viel lieber den Größen vor uns Tribut zollen wollten. Unser Produzent Jacob Sciba und ich begannen also mit der Arbeit an einigen Cover-Ideen. Wir dachten: ‚Lasst uns etwas von Sam Cooke nehmen!‘ Meiner Meinung nach ist er einer der besten Sänger der Geschichte, und ich habe seine Songs gesungen, seit ich 16 war. Wir waren Anfang des Jahres mit Gary Clark Jr. auf Tournee, und wir hatten beschlossen, dass wir bald gemeinsam an etwas arbeiten sollten. Jacob nahm Kontakt zu ihm auf, um zu sehen, ob er mitmachen wollte – und er sagte zu! Nachdem wir fertig waren, spielte Gary diese Benefizveranstaltung namens ‚Voices for Justice‘ mit The Chicks. Es war eine Benefizveranstaltung, um Menschen, die zu Unrecht für Verbrechen verurteilt worden waren, die sie nicht begangen hatten, Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen. Danach erzählte mir Gary eine Geschichte über diesen Mann, der ihn aus dem Gefängnis anrief. Der Mann erzählte ihm, er habe sich jeden Tag ‚A Change Is Gonna Come‘ angehört, um die Hoffnung aufrechtzuerhalten, während er im Gefängnis saß. Solche Menschen gibt es überall in den Vereinigten Staaten in unserem Gefängnissystem. Darum geht es in dem Song. Er ist ein Schrei nach Gleichheit im Justizsystem. Er ist ein Plädoyer für eine faire Chance auf den amerikanischen Traum.“

Alle Einnahmen aus der Veröffentlichung von „A Change Is Gonna Come“ kommen DAWA zugute. Auf der Website der Organisation heißt es: DAWA ist ein Sicherheitsnetz für farbige Menschen, die sich in einer kurzfristigen Lebenskrise befinden. Genauer: für farbige Menschen, welche als Musiker, Künstler, Sozialarbeiter, Lehrer, Heilpraktiker oder in der Dienstleistungsindustrie arbeiten. Denn dies sind die Menschen, die tagtäglich hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten und ihr Bestes geben, um anderen zu helfen – und dabei selbst oft das höchste Risiko für eine Krise der psychischen Gesundheit tragen.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Paolo Nutini – „Iron Sky“


Paolo-Nutini

Manchmal wundere ich mich schon ein klein wenig über mich selbst. Da versuche ich tagein, tagaus möglichst viel Musik aus allen Genres und Bereichen zu hören und wie ein Ton gewordener Schwamm in mich aufzusaugen – und trotzdem geht auch mir – ja, ja – manch wahrlich großartiger Song durch die musikalischen Lappen. So geschehen etwa bei Paolo Nutinis „Iron Sky“.

Denn obwohl ich den schottischer Sänger und Singer/Songwriter italienischer Herkunft anno 2006, zu Zeiten seines Debüts „These Streets„, als er mit fluffig-gefälligen Pop-Nummern wie „Jenny Don’t Be Hasty„, „New Shoes“ oder „Last Request“ auf sich aufmerksam machen konnte, durchaus kurzzeitig auf dem Schirm hatte, ebbte das Interesse spätestens mit dem drei Jahre darauf erschienenen mediokren Album „Sunny Side Up“ (man höre etwa beispielhaft das recht egale „Candy„) merklich ab, einfach weil das Gros der Songs mit Einflüssen aus Indierock, Soul, Pop, Jazz, Ska und Folk zwar ordentlich in die Gehörgänge rutschte, jedoch auch schneller, als man „radiotauglich“ pfeifen konnte, wieder hinaus war. File under: gähn.

71o66HBqbgL._SS500_Folglich entging mir – bisher – das in Gänze durchaus überzeugende 2014er Drittwerk „Caustic Love„. Auf dem verlagert der mittlerweile 33-jährige Musiker aus dem schottischen Paisley, Sohn eines Fish’n’Chips-Buden-Besitzers, der sich einst weigerte, den Braterladen seines Vaters zu übernehmen, viel lieber sein Heil im Käfig Musikgeschäft suchte und dort schnell von niemand Geringerem als Ahmet Ertegün, dem legendären, amerikanisch-türkischen Musikmogul, der das Label Atlantic gründete, welches mit Künstlern wie Ray Charles und den Drifters, später gar Led Zeppelin reüssierte, entdeckt wurde, sein klangliches Spektrum von zwar überzeugendem, am Ende doch recht zahnlosem Radio-Pop auf durchaus zeitlose Soul-Nummern. Auf Songs wie „Let Me Down Easy„, das im 1965er Original von Bettye LaVette stammt. Das Bewundernswerte mag kaum sein, dass ein schottischer Wuschelkopf Anfang Dreißig mit den Stücken der US-Blues’n’Gospel’n’Soul-Grand Dame etwas anzufangen weiß, sondern vielmehr, dass Nutini stimmlich mitzuhalten versteht. Denn obwohl der Mann mit einer unverkennbaren Stimme gesegnet ist, die nach zwanzig langen, nachtschwarzen Jahren Whisky- und Zigarettenkonsum klingt, die in ihrer Gewalt an Größen wie Sting, Janis Joplin, Joe Cocker, Robert Plant oder Amy Winehouse erinnert, verleiht die Konzentration aufs Soulige, Funkige, auf Gospel, Rhythm’n’Blues seiner eigenen Musik deutlich mehr Authentizität, Groove und Kante. Coachella war gestern. Das hier? Ist mit all seiner tief empfunden Liebe und seinem Glauben an die Macht der Musik deutlich näher an Woodstock ’69.

https---images.genius.com-9f9dd2a27995e7d1b4dfdb047f1f6391.1000x1000x1Ein nahezu perfektes Beispiel hierfür ist „Iron Sky“, ohne jeglichen Zweifel die Über-Nummer auf „Caustic Love“. Eine verausgabende Hommage, die mit Soul, Kraft und explosiven Streichern scheinbar nicht zu (s)toppen ist. Die ruhigen Anfangstöne könnten dabei noch von den britischen Proto-Hippie-Rockern Procol Harum stammen, doch dann gewinnt der Song emotional und vokal an Intensität und reicht obendrein sogar noch ein wahres Orchesterfeuerwerk nach. Und wäre all das noch nicht Tränenkitzler genug, wird dazu eine berühmte Rede eingespielt, die von Freiheit und dem schönen Leben erzählt – und zur Abwechslung eben nicht vom oft genug bemühten Martin Luther King stammt. Es ist die herrlichste Gutmensch-Rede aller Zeiten, die Charlie Chaplin alias der jüdische Friseur in seinem Film „Der große Diktator“ von 1940 offenbart (ebenjene fand auf ANEWFRIEND bereits Erwähnung). Mit den Worten „…you the people have the power to make this life free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power. Let us all unite“ trägt Paolo Nutini die satte Stimmung von „Iron Sky“ weiter und hinterfragt später im Songtext die Grenzen von Freiheit im Hier und Jetzt. Ein dramatischer und rundum perfekter Song, der alles kann. Der mehr zu sagen hat als ein ganzer verdammter Tag im Formatradio mit seinem ach so „Besten aus den Achtziger, Neunzigern und von heute“.

Und gerade dieser Song wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen…

 

„Eine Stimme wie die von Paolo Nutini gibt es nur selten innerhalb einer Generation.“ (New York Daily News)

„Paolo Nutini ist ein Retromaniac, hoffnungslos gefangen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Idolatrie und eigenem Anspruch. In dieser Zwischenwelt aber singt er wie ein junger Gott.“ (Rolling Stone, April 2014)

 

Das dazugehörige Kurzfilm-Musikvideo liefert obendrein noch einige visuelle Botschaften zu Musik und Text…

 

…während die „Abbey Road Live Session“ von „Iron Sky“ den Song noch einmal im Live-Gewand glänzen lässt. Sängerin Adele soll, nachdem sie zufällig zur gleichen Zeit in den Londoner Abbey Road Studios zugegen war und somit Zeugin von Paolo Nutinis Einspielung wurde, übrigens Folgendes getwittert haben: „Fuck!!! This is one of the best things I’ve ever seen in my life . . .“ – auch eine Art popkultureller Ritterschlag…

 

„We are proud individuals
Living for the city
But the flames
Couldn’t go much higher

We find Gods and religions
To paint us with salvation
But no one, no nobody
Can give you, the power

To rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

Oh, that’s life
That’s dripping down the walls
Of a dream that cannot breathe
In this harsh reality
Mass confusion spoon fed to the blind
Serves now to define our cold society

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom

You’ve just got to hold on
You’ve just got to hold on

‚To those who can hear me, I say, do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed. The bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people and so long as men die, liberty will never perish. Don’t give yourselves to these unnatural men – machine men with machine minds and machine hearts! You are not machines! You are not cattle! You are men! You, the people, have the power to make this life. Free and beautiful. To make this life a wonderful adventure. Let us use that power – let us all unite!‘

And we’ll rise
Over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Into freedom

From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into
Freedom, freedom
From which we’ll rise, over love
Over hate
Through this iron sky that’s fast becoming our mind
Over fear and into freedom
Freedom, freedom

Oh, rain on me
Rain on me“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hozier – „Movement“


Videoclip-Hozier-Movement

Hoziers Geschichte an die Spitze der Charts liest sich tatsächlich wie ein modernes Indie-Film-Drehbuch der Marke „Once„: Als erfolgloser Musiker nahm der Ire Andrew Hozier-Byrne 2013 im heimischen Elternhaus in der Nähe von Dublin spät in der Nacht einen Song auf, welcher – na klar! – Verarbeitung einer schmerzhaften Trennung sowie gleichsam beißender Rundumschlag ist. Ebenjener Song gelangte in die Hände (und Ohren) von Produzent Rob Kirwan, der diesen aufhübschte und kurz darauf – auch dank eines eindringlichen Musikvideos, in dem der Newcomer Kritik an Russlands Umgang mit der LGBT-Gemeinschaft übte – ein wirklich ungewöhnlicher Hit wurde. „Take Me To Church“ war eine zwar hundseingängige, jedoch gern gehörte Abwechslung im Formatradio und machte Lust auf den ersten Longplayer des Iren, das 2014 erschienene selbstbetitelte Debütwerk. Ein launiger Mix aus Gospel, Folk, Blues und Soul, der neben „Take Me To Church“ auch zahlreiche weitere starke Stücke bot. Und danach? Ganze vier Jahre ließ sich der 29-jährige Musiker Zeit, bis er 2018 mit „Nina Cried Power“ eine EP veröffentlichte, deren Songs es nun teilweise auch auf das zweite, im März erschienene Album „Wasteland, Baby!“ geschafft haben.

R-12861893-1543369072-5392Und auch, wenn es Hozier – anders als noch beim fünf Jahre jungen Debütalbum – diesmal nicht gänzlich schafft, seine verschiedenen Einflüsse in ein konsistentes Werk zu bündeln, verbindet der Ire seine musikalischen Vorlieben aus allerlei Richtungen wie Rock, Gospel, Blues, Soul oder Folk mit politischen und gesellschaftskritischen Inhalten sowie (s)einem Gespür für hochwertigen, mal treibenden, mal süffig-schwülen, meist ungewöhnlichen Indie-Pop – spontan würde sich die vergleichende Vorstellung anbieten, dass Gary Clark Jr. ein Fleetwood-Mac-Coveralbum aufgenommen habe.

Ein einmal mehr feines Beispiel dürfte die Single „Movement“ sein: Mut beweist Hozier hier schon mit dem schleppenden Rhythmus sowie Gospel-Charme mitsamt – stilecht, stilecht – Orgel und Chor. Toll auch, wie der Song gen Ende dramatisch die Zügel locker lässt und die komplette Band-Palette von der Leine anzieht…

 

Hier gibt’s Hoziers Single „Movement“ sowie das dazugehörige Musikvideo. Darin ist erneut der russische Balletttänzer Sergei Polunin zu sehen, der 2016 bereits mit David LaChapelle für das Projekt „Dancer“ zusammengearbeitet hat, einer Performance, die seinerzeit mit Hoziers überraschendem Erfolg „Take Me To Church“ unterlegt war:

 

„I still watch you when you’re grooving
As if through water from the bottom of a pool
You’re moving without moving
And when you move, I’m moved

You are a call to motion
There all of you, a verb, in perfect view
Like Jonah on the ocean
When you move, I’m moved

When you move
I’m put to mind of all that I wanna be
When you move
I could never define all that you are to me

So move me, baby
Shake like the bough of a willow tree
You do it naturally
Move me, baby

You are the right of movement
It’s reasoning made lucid and cool
And though it’s no improvement
When you move, I’ll move

You’re less Polunin leaping
Or Fred Astaire in sequins, honey you
You’re Atlas in his sleeping
And when you move, I’m moved

When you move
I can recall something that’s gone from me
When you move
Honey, I’m put in awe of something so flawed and free

So move me, baby
Shake like the bough of the willow tree
You do it naturally
Move me, baby

So move me, baby
Like you’ve nothing left to prove
And nothing to lose
Move me, baby

Ooh ooh oooh
Ah baby, oh baby
Move like grey skies
Move like a bird of paradise
Move like an odd sight come out at night

Move me, baby
Shake like the bough of a willow tree
You do it naturally
Move me, baby

So move me, baby
Like you’ve nothing left to lose
And nothing to prove
Move me, baby…“

 

Rock and Roll.

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Flashmob für Mandela


Wollies Mandela tribute

Flashmob einmal anders… Anfangs sieht alles nach einer ganz normalen, alltäglichen Szenerie aus. Als dann jedoch immer mehr (vermeintliche) Supermarktangestellte und Kunden in den Kanon mit einstimmen, stellt sich jedoch schnell heraus, dass man soeben Zeuge eines Tribute-Flashmobs für den kürzlich verstorbenen Nationalhelden Nelson Mandela wird…

Für die knapp drei Minuten kurze Gesangseinlage haben sich Woolworths SA und der Soweto Gospel Choir zusammen getan, um den anwesenden verdutzten – und gegen Ende nicht selten sichtlich bewegten – Kunden eines Supermarktes in Johannesburg ihre Version des Stückes „Asimbonanga“ (We Have Not See Him), welches während Mandelas 27-jähriger Inhaftierung als eine Ruf nach dessen Freilassung entstand, darzubieten. Einerseits cleveres Marketing und Product Placement, andererseits toll anzusehen und -hören. Oder um es mit den Worten der „Yahoo! News South Africa“ zu sagen: „Well done, Woolies. Well done.“

 

Asimbonanga [we have not seen him]
Asimbonang‘ uMandela thina [we have not seen Mandela]
Laph’ekhona [in the place where he is]
Laph’ehleli khona [in the place where he is kept]

Asimbonanga
Asimbonang ‚umfowethu thina [we have not seen our brother]
Laph’ekhona [in the place where he is]
Laph’wafela khona [in the place where he died]
Sithi: Hey, wena [We say: hey, you]
Hey, wena nawe [Hey, you and you]
Siyofika nini la‘ siyakhona [when will we arrive at our destination]

 

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Soulsavers – The Light The Dead See (2012)

-erschienen bei Cooperative Music/Universal-

Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten! Was für die Handwerkszunft gilt, hätte durchaus auch der ein oder andere Musiker beherzigen sollen und sich Soloausflüge abseits den gewohnten Pfaden der Hauptband sparen können. Martin L. Gore und Dave Gahan von Depeche Mode gehörten bisher mit ihren bestenfalls mittelmäßigen Soloalben ebenfalls zu dieser Kategorie, und boten zuletzt auch mit ihrer Hauptband eher Magerkost.
Umso erfreulicher nimmt sich „The Light The Dead See“ aus, bei welchem die Soulsavers, ein britisches Produzenten-/Musikerduo, Dave Gahan, den die beiden durch ihre Rolle als Vorband bei der 2009er „Tour of the Universe“-Tour von Depeche Mode kennen lernten, einen Gastauftritt in Albumlänge boten. Dass dieses Experiment gelingt, ist kaum verwunderlich, hatten Rich Machin und Ian Glover doch bereits auf den vergangenen drei Soulsavers-Alben (zuletzt auf dem ebenfalls tollen, 2009 erschienenen „Broken„) große Schmerzensstimmen wie Mark Lanegan, Will Oldham (aka. Bonnie ‚Prince‘ Billy) oder Jason Pierce (Spiritualized) zu Höchstleistungen angespornt.
Rein musikalisch steht „The Light The Dead See“ in der Tradition seiner Vorgänger „Broken“ und „It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land“ (2007 erschienen): die Stimme steht stets im Vordergrund, um sie herum wird mal ein spartanisches, aus Akustikgitarre(n), Klavier und/oder Streichern bestehendes, mal turmhohes E-Gitarren- und Feedback-Gerüst gebaut. Aufgelockert wird das Ganze meist von kurzen Instrumental-Zwischenspielen. Und so muss man beim aktuellen Soulsavers-Album die Unterschiede eher im Detail suchen. Es ist, verglichen mit dem Vorgänger, weit weniger stürmisch, konstanter, freier und – bei aller Bedeutungsschwere der Texte – beinahe luftig. Die Beats und elektronischen Spielereinen der Anfangstage sind mittlerweile gänzlich aus dem Soulsavers-Repertoire verschwunden und haben einem organischen Bandsound aus Akustik- und E-Gitarren, Klavier, Schlagzeug und Streichern Platz gemacht. Neu ist allenfalls, dass auf „The Light The Dead See“ mehr den je Gospelchöre zum Einsatz kommen – ein Fakt, der auch den komplett von Gahan stammenden Texten mehr Nachdruck und Eindringlichkeit verleiht. Laut dem Depeche Mode-Frontmann geht es auf „The Light The Dead See“ um Erlösung in all ihren Variationen. Und wer wenn nicht er sollte sich mit den Schattenseiten des (Rockstar)Daseins auskennen? Schließlich hat der 50-jährige bereits des komplette Alphabet aus Do’s und Don’t’s durch: kometenhafter Austieg in jungen Jahren, Drogenabhängigkeit, Exzesse, Entzug, Krebserkrankung, Selbstmordversuche, ja selbst minutenlanger Herzstillstand (ein Fakt, welcher wohlmöglich den Albumtitel lieferte). Und so singt der mittlerweile in Weisheit Geläuterte von einsamen nächtlichen Spaziergängen („Longest Day“), Zwiegesprächen mit dem Mann im Mond („Too Far Too Soon“) oder Gott („The Presence Of God“), dem Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit („The leaves are falling / It’s in your nature“ – „In The Morning“), von Selbstmitleid („There’s no tomorrow, only yesterday / I may have drunk too much, now I have to pay“ – „Bitterman“), Liebe, Verlust und dass man(n) es trotzdem irgendwie durch die dunklen Stunden und bis zu den ersten Sonnenstrahlen des nächsten Tages schaffen muss. Mal flehend und beschwörend, mal wütend und energisch, und immer unterstützt von einem Gospelchor, welcher Gahan in den mitleidigen Momenten schnell wieder auf die Beine hilft.


Alles in allem lässt sich auch auf „The Light The Dead See“ die Ennio Morricone-Verehrung der beiden Soulsavers nicht leugnen, denn auch das vierte Werk nimmt sich eine ordentliche Kelle aus dem guten Fässchen der Italo Western-Tunke und würzt mit Southern Rock nach. Dass dabei ein sehr gelungenes Werk mit Gahans bester Leistung seit Ewigkeiten (was Martin L. Gore an seinen eignen Fähigkeiten zweifeln lassen und sich zum Ansporn nehmen sollte) herauskommt, ist mehr als erfreulich. Fans von Johnny Cashs „American Recordings“-Reihe dürfte das ebenso gefallen wie jenen, die sich für Nick Caves „Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus“ begeistern können. Und Depeche Mode-Fans können hoffen, dass Dave Gahan den Schwung mit aufs eventuell im nächsten Jahr erscheinende 13. Depeche Mode-Album nimmt und sich einmal öfter gegen die Sound-Frickeleien eines Martin L. Gore durchsetzt. Denn in dieser Form wäre sogar eine neue Großtat à la „Songs Of Faith And Devotion“ denkbar. Bis dahin gehen wir jedoch gern mit Dave Gahan den Mond anheulen.

Hier könnt ihr das komplette Album über Soundcloud hören!

Und wer mehr zu den Hintergründen den Albums erfahren möchte, der kann sich diesen Beitrag, in welchen die Künstler selbst zu Wort kommen, zu Gemüte führen:

 

 

Rock and Roll.

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