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Auf dem Radar: Nobody’s Cult


Foto: Promo / Gabbie Burns

Dafür, dass sich die Truppe um die bemerkenswerte Sängerin Lena Woods bereits 2015 gegründet hat, haben es Nobody’s Cult in Sachen Studiobesuche bisher erstaunlich ruhig angehen lassen. 2017 ließ das Vierergespann aus dem französischen Rouen mit „Echoes From The Temple“ mal mit einer EP aufhorchen, zwischendurch gab’s hin und wieder eine Single, um die Hörerschaft bei Laune zu halten. Mit einem vollwertigen Album haben Nobody’s Cult aber bisher auf sich warten lassen. Umso schöner, dass im Juni endlich ihr Debüt-Langspieler „Mood Disorders“ das Licht der Musikwelt erblicken durfte…

Auf diesem zeigt sich die Band noch ein wenig auf der Suche. Der Opener „The Finish Line“ lockt zunächst mit stampfendem Garage Rock, der an The Dead Weather erinnert. „Everyone is someone else’s fool / Everyone is someone else’s freaking tool“, klagt Frontfrau Lena Woods auf einer Basis aus pulsierendem Bass, bevor ein schwerfälliges Schlagzeug den Rhythmus an sich reißt. Das folgende „Radio“ nimmt Tempo auf und hinterlässt eher einen zarten Hauch Queens Of The Stone Age, als an die angenehme Schwere der Eröffnungsnummer anzuschließen. „Freak Out“ setzt mit punkigem Gemüt und leicht überdrehtem Gesang auf Riot-Grrrl-Vibe, „Swan Song“ zerfließt in langsamem, düster-verruchtem Tempo, „Feel Blue“ sowie dessen an der Étretat-Küste in der Normandie auf 16mm-Flim gedrehtes Musikvideo versprühen bittersüße Nostalgie. „Nothing On Me“ könnte in einem anderen Kosmos auch ein Blues Pills-Song sein und sticht mit seinem walzenden Gitarrenriff und dem kraftvollen Gesang noch am ehesten aus der Masse an verschiedensten Stilistiken heraus. „Goodbye Honey“ und die Single „Hangover“ sind schließlich zackige Indie-Disco-Hits, die dem zuvor etablierten Blues- und Heavy Rock entgegenstehen. Zweiteres beginnt mit einem langsamen und zugleich lautstark pochenden Intro wie der typische Morgen nach einer durchzechten Partynacht, in der viel, eventuell gar zu viel Alkohol floss. “One hundred million shots blow up my brain / Each and every morning I reset the game” singt Lena Woods energisch im kraftvollen Refrain, bevor kurz darauf die nächste Strophe das Tempo wieder herunterfährt, ohne dabei jedoch an Lautstärke zu verlieren. Ganz im Sinne eines Hangovers bildet der Song so musikalisch geschickt zwischen Fuzz- und Heavy Rock die Stimmungsschwankungen am verhängnisvollen Morgen danach ab – perfekt eingefangen im dazugehörigen Musikvideo. Leider drückt sich das Quartett auf seinem Debütalbum geschickt um eine Antwort auf die Frage, wer sie denn nun sein wollen, denn alles in allem beweisen Nobody’s Cult mit „Mood Disorders“ zwar, dass sie verschiedenste Spielarten des Rock sicher und aus dem Effeff beherrschen, ihre eigene musikalische Identität hat bei dieser Vorführung technischen Könnens jedoch kaum eine echte Chance, in den Vordergrund zu treten.

Ein wenig erstaunt dass schon, denn Newcomer im klassischen Sinn sind die vier Franzosen keineswegs, immerhin fangen sie bereits seit nunmehr sechs Jahren in ihrer Musik eine Welt ein, die manchmal freundlich, manchmal aggressiv und jederzeit unberechenbar erscheint. In dieser Zeit haben Lena Woods, Vincent Fabert (Gitarre), Matteo Casati (Bass) und Grégory Jacques (Schlagzeug) gelernt, ihre Musik zu zähmen und im Dialog mit dem Publikum Abend für Abend neu zu entdecken. Denn erst auf der Bühne erwachen die Songs wirklich zum Leben, entwickeln sich im Laufe der Konzerte und finden schließlich ihre eigene Energie (wovon man sich aktuell anhand einiger Live Sessions auf YouTube überzeugen kann). Für die ganz besondere Note sorgt nicht nur der Gesang, sondern auch die oftmals eingesetzten verzerrten Harfenklänge der Frontfrau – ein besonderes Element, welches ja eventuell in Zukunft für etwas mehr Individualität in den Songs von Nobody’s Cult sorgen wird…

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Caesars – „Jerk It Out“


Wer um die Jahrtausendwende jung und wild und frei war und – ganz egal, ob in der Groß- oder Kleinstadt – mal hier, mal da die ein oder andere Indie-Dissen-Tanzwelle geritten hat, der kam an so manchem Gitarrenakkord gewordenen Beinzucker kaum vorbei. „Bohemien Like You“ von den Dandy Warhols etwa. „Mr. Brightside“ von den Killers, natürlich. „Last Nite“ von den Strokes, selbstverständlich. „Are You Gonna Be My Girl“ von Jet, klar. Die „Seven Nation Army“ marschierte, während man dem schönen, scheuen Mädchen auf der anderen Seite des Raums zuflüstern wollte: „I Bet You Look Good On The Dancefloor„. Kinners, das waren Zeiten… Und ein wenig schälen sie sich zurück ins Halbdunkel der eigenen Erinnerung – jedes Mal, wenn heute das in diesen Jahren recht unvermeidliche „Jerk It Out“ so selbstsicher wie anno dazumal seine Ohrwurm-Qualitäten ausspielt…

Im Zuge des damaligen Garagenrock-Hypes um die Nullerjahre herum, der mit den Hives, Mando Diao oder der (International) Noise Conspiracy nicht eben unwesentlich schwedisch geprägt wurde, war es eigentlich kaum zu glauben, dass eine Band wie die Caesars bereits seit 1998 dort, in der Heimat von Wasa-Knäckebrot, Pippi Langstrumpf, Abba und Zlatan Ibrahimovic, unter Ausschluss der internationalen Öffentlichkeit Platten veröffentlichte.

Und die Bandgeschichte des Quartetts aus Stockholm begann irgendwie sogar noch viel, viel früher, schließlich kannte Bandgründer César Vidal seinen Gitarristen Joakim „Jocke“ Åhlund, seit er zwei Jahre alt war. 1995 beschließen die beiden Sandkastenfreunde, eine Band zu gründen und benennen sich nach dem berühmten Groß-Casino in Las Vegas, Caesars Palace (obwohl man die ersten musikalischen Gehversuche noch als Twelve Caesars unternimmt). Beeinflusst vom britischen Rock der Sixties, von den Rolling Stones über die Kinks bis David Bowie, beginnen die beiden, zwei andere Bandmitglieder zu rekrutieren: am Bass wird David Lindquist eingestellt, fürs Schlagzeug zunächst Jens Örjenheim, ab 2000 dann Nino Keller.

Über das Indie-Label Dolores Recordings veröffentlichen Caesars Palace noch im selben Jahr ihre erste 3-Track-EP, wenige Monate später folgt ein Mini-Album, dessen Songs mit dem dreckigen Sixties-Garagen-Rock der späteren Werke damals jedoch noch recht wenig zu tun hatten. Doch während der Aufnahmen zum ersten, 1998 erscheinenden Album „Youth Is Wasted On The Young“ kauft sich Gitarrist Jocke Åhlund eine alte Farfisa-Orgel, die den Bandsound ebenso hörbar wie nachhaltig verändert. Caesars Palace beginnen daraufhin an ihren einprägsamen Orgel-Hooklines zu arbeiten (welche wiederum Dennis Lyxzén und seine International Noise Conspiracy ins Gedächtnis rufen) und sorgen bereits mit dem ersten Album für so einige Begeisterungsstürme in ihrem Heimatland.

2000 veröffentlicht die Band den Langspieler „Cherry Kicks“, zwei Jahre darauf folgt „Love For The Streets“. Am Sound verändert sich auf diesen nicht viel – jede Menge jugendlicher Rumpelkammer-Schmackes, gute alte Fuzz-Gitarren und eine munter drauflos schlackernde Farfisa-Orgel. Neu mag hier nichts sein, aber es kracht. Es donnert. Und es rockt. Sturm und Drang für das 21. Jahrhundert. Selbst wenn Caesars Palace darauf pochen, angeblich auch vom Reggae inspiriert worden zu sein, blitzt dieser Einfluss (glücklicherweise) kaum durch. Warum sollte er auch, wenn beide Alben in Schweden vergoldet werden und ihr powerpoppender Indie Rock immer größere Hallen füllt? Trotzdem geht’s wohl noch nicht gänzlich ohne Zubrot. Jocke Åhlund etwa verdient sich selbiges in dieser Zeit als Video-Clip-Regisseur. So gehen zum Beispiel „New Noise“ von Refused und „Reproduction Of Death“ der (International) Noise Conspiracy auf seine K(l)appe.

Als das kleine Label Dolores Recordings, auf dem Caesars Palace bisher ihren kompletten Output vertreiben, vom Major-Riesen Virgin geschluckt wird, entpuppt sich das alsbald als Glücksgriff für das Vierergespann. Zuerst geht ihr Material noch, wie von so ziemlich vielen, im Veröffentlichungswust des Majorlabels unter und ihr Name ist bei Virgin keinem ein Begriff. Als die Band dann aber einen findigen Manager engagiert und dieser im Virgin-Büro die Caesars-Platten vorspielt, ist man dort schnell hellauf begeistert von den Schweden – und muss darüber hinaus etwas peinlich berührt hören, dass sich diese Band mit einigem an Potential bereits in ihrem Rooster befindet.

Also schickt das Label – freilich unter tatkräftiger Unterstützung des gerade wütenden Gragenrock-Retro-Wahns – Caesars Palace mit The Soundtrack of Our Lives über den großen Teich und auf US-Tournee. Und auch dort können sich César Vidal und Co. gut behaupten, was Virgin wiederum dazu veranlasst, im Jahr 2003 weltweit „39 Minutes Of Bliss (In An Otherwise Meaningless World)„, eine Art Best Of aus ihren ersten drei Alben, zu veröffentlichen (welche übrigens just heute ihren runden 18. Geburtstag feiert). Darauf zu hören: Rock’n’Roll aus fünf Jahrzehnten, kurz aufgekocht und mit geradezu ansteckender Spielfreude lässig auf CD gerotzt. Da die Platte dieses Mal auch in den US of A erscheint, bewegt ihr Plattenlabel die vier Schweden jedoch dazu, vorher ihren Namen kürzen, um einem möglichen Rechtsstreit mit dem Casino-Konzern in der Glücksspielstadt aus dem Weg zu gehen. Fortan kennt man die Band nur noch als Caesars.

Doch auch unter (beinahe) neuer Flagge geht der Siegeszug der Skandinavier auch danach recht munter weiter. Bands wie Placebo outen sich als begeisterte Fans und nehmen sie als Support mit auf ihre Deutschland-Tournee. Das dürfte wohl nicht nur, aber vor allem an einem bestimmten Song liegen: der erstmals 2002 erschienenen Single „Jerk It Out“. Diese schummelt sich nach ihrer erneuten Veröffentlichung in die Rotationen vieler internationaler Radiostationen, verschafft der Band einen Top-10-Hit in Großbritannien sowie den Einstieg in die US-Billboard-Charts und wird wenig später in zig Werbespots, Filmen und TV-Serien verwendet. Mehr noch: Der fluffig-flotte Dreiminüter, dessen Text mutmaßlich eine recht juvenile Laisser-faire-Attitüde aus Lecko-mio, Loslassen, Amphetaminen und Selbstbefriedigung beschreibt, wird zum ohrwurmenen Trademark der Caesars – und wohl auch deshalb ein weiteres Mal auf die 2005 folgende Platte „Paper Tigers“ drauf gepackt.

Und obwohl diese, ebenso wenig übrigens wie der 2008er Nachfolger „Strawberry Weed„, mit einer Top-20-Platzierung in der schwedischen Heimat und einer Top-50-Landung im UK der Band, nicht die ganz großen Erfolge einbringt, hatten die Caesars einfach zu viele Qualitäten, zu viele kleine, versteckte Mini-Hits in petto, um im Rückblick als garagenrockende Eintagsfliege zu gelten. Trotzdem ist es schade, dass das Quartett alsbald wieder in der Versenkung des musikalischen Niemandslands verschwindet – abgesehen von ein, zwei einmaligen Comeback-Shows 2017 sowie 2018 beim Stockholmer „Popaganda Festival“ liegen die Caesars seit über einer Dekade auf Eis. Und kann sich’s wohl auch leisten, wenn ihnen dieser eine Song dank zig Werbeeinnahmen ein klein wenig die gelb-blauen Hintern saniert hat…

„Wind me up, put me down
Start me off and watch me go
I’ll be runnin‘ circles around you sooner than you know
A little off center and I’m out of tune

Just kickin‘ this can along the avenue, but I’m alright
Cause it’s easy once you know how it’s done
You can’t stop now, it’s already begun

You feel it runnin‘ through your bones
And you jerk it out, and you jerk it out
Shut up, hush your mouth
Can’t you hear you talk too loud?

No can’t hear nothin‘ ‚cause I got my head up in the clouds
I bite off anything that I can chew
I’m chasing cars up and down the avenue, but that’s ok

Cause it’s easy once you know how it’s done
You can’t stop now, it’s already begun
You feel it runnin‘ through your bones

And you jerk it out

Cause it’s easy once you know how it’s done
You can’t stop now, it’s already begun
You feel it runnin‘ through your bones
And you jerk it out, and you jerk it out
And you jerk it out, and you jerk it out
Oh baby don’t you know you really gotta jerk it out
When you jerk it out
Oh baby don’t you know you really gotta jerk it out
When you jerk it out
Oh baby don’t you know you really gotta jerk it out“

Rock and Roll.

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Song des Tages: Die Aeronauten – „Irgendwann wird alles gut“


Man hätte eigentlich recht früh ahnen können, dass sich das Jahr 2020 zu so einer vollumfänglichen Katastrophe entwickeln würde, schließlich begann es mit dem Tod von Oliver Maurmann aka Olifr M. Guz (oder auch nur Guz). Am 19. Januar starb der Schweizer Musiker und Schauspieler an Herzversagen, nachdem er vier Monate lang in einem Züricher Krankenhaus auf ein Spenderorgan gewartet hatte. Die Kunstwelt verlor mit Guz einen sympathischen, enorm kreativen, im besten Sinne lustigen, guten Menschen, der nicht lange vor seinem Tod noch mitten im Leben stand. Er wurde nur 52 Jahre alt.

Auch wenn gefühlte 99,99 Prozent der „Ich-hör‘-alles-was-im-Radio-läuft“-Zielgruppe nun unbekannterweise mit den Schultern zucken werden, war dieser 19. Januar 2020 ein trauriger, ein wahrlich schwarzer Tag für die deutschsprachige Popmusik, immerhin hatte Guz diese abseits der Beliebigkeitspfade seit fast drei Jahrzehnten mit vielen Songs bereichert. Erst mit eigens auf MC veröffentlichten Solowerken, dann als Anführer von Die Aeronauten und mit zahlreichen anderen Projekten: einer Gruppe mit Bernadette La Hengst und Knarf Rellöm namens Die Zukunft, dem Electro-Blues-Duo Naked In English Class mit Taranja Wu, außerdem mit den Bands Die Zorros, Zero Tornado… – kurzum: viel zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. 

Die Aeronauten jedoch waren von Anfang bis Ende der Ankerpunkt seiner Karriere. 1991 im schweizerischen Schaffhausen gegründet, veröffentlichte die sechsköpfige Band neun LPs. Und jede von ihnen war stilistisch unberechenbar: Das Guz’sche Aeronauten-Universum konnte schunkelige Americana, schroffen Post Punk, tänzelnden 2-Tone, feinen Indie Pop, derben Garage Rock oder knarzende Soul-Grooves enthalten. Man wusste schlichtweg nie genau, was die nächste Aeronauten-Platte bereithalten würde. Wen wundert’s, dass das auch auf den im November erschienenen letzten Langspieler dieser Band zutrifft… Was kann man von „Neun Extraleben“ erwarten, einem Album, das zehn Monate nach dem Tod des Bandleaders folgte? 

Nun… wohl nur das Beste. Trompeter Roman „Motte“ Bergamin, Gitarrist Lukas Langenegger, Saxofonist Roger Greipl, Bassist Marc Zimmermann und Schlagzeuger Daniel d’Aujourd’hui haben Guz eine würdevolle Abschiedsbotschaft geschaffen, zusammengesetzt aus bereits fertigen, 2019 vor seinem Krankenhausaufenthalt aufgenommenen Aeronauten-Stücken und von seiner Band zu Ende gedachten Skizzen, Textfetzen und Einzelspuren. Wenn am Anfang des Albums Guzs kratziger Bariton von „diesem anstrengenden Leben“ singt, dann kommt das purer Magie recht nah. „Wenn Du fragst, ob ich Dich liebe, dann sage ich ‚ja klar!‘“, heißt es da. „Es ist gar nicht so schwierig, denn eigentlich stimmt‘s ja…“ Verdammt schwer, dabei nicht rührselig zu werden.

Insgesamt lässt sich feststellen: Für solch einen posthumen Schwanengesang ist „Neun Extraleben“ auf Albumlänge erstaunlich und angenehm unsentimental. Die „ewig unterschätzten Ehrenmitglieder der Hamburger Schule“, die jedoch nie so richtig über’s sympathische Außenseitertum hinaus gekommen sind, zeigen sich gewohnt schrammelig und gut gelaunt, wie in der fröhlich nach vorn ska-punkenden Single „Irgendwann wird alles gut“, im angriffslustigen Garagenrock von „Du kotzt mich an jetzt“ oder im Titelstück, das schwebt, kratzt und beißt, während die Band fast wie Broken Social Scene tönt. Einzig das getragene Instrumental „Lamento“ trägt die Melancholie hinein – das jedoch mehr im Stil eines New-Orleans-Jazz-Begräbnisses (was wohl ganz in Guz‘ Sinne gewesen wäre). Wahrlich – das ist kein zarter Nachruf, das ist eine letzte Party! Die aber nicht den Ernst der Lage im Hedonismus ertränkt, sondern ein letztes Mal zeigt, was Guz und Die Aeronauten am besten können. Die Stücke sprühen vor Energie, Lebensfreude, Lakonie und Weisheit („Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren / Doch irgendwann wird alles gut“) und gehören zu den besten ihrer fast dreißig Jahre währenden Karriere. In ihnen scheint aber auch durch, welche Kraft es Maurmann gekostet haben muss, weiter zu machen. „Hatemails“ etwa pumpt wie Northern Soul, sorgt jedoch mit Zeilen wie „Eines Tages werde ich aufstehen und nicht mehr so müde sein / Eines Tages werde ich nicht mehr alleine sein / Mir geht’s gut / Mir geht’s gut / Ich will nicht groß drüber reden“ für einen dicken, dicken Kloß im Hals. Mit „Never Be Dead“ beschließt eine letzte Punkrock-Proberaumaufnahme das finale Album von Die Aeronauten – doch in der Tat hat sich Maurmann mit Songs wie „Bettina“ oder „Freundin“ längst unsterblich gemacht. Er wird fehlen, genau wie diese Band.

„Ich war der witzigste Typ dem du je begegnet bist 
Deshalb verliebtest du dich dann in mich
Die ganze Pizzeria sah uns zu und lachte
Als ich auf den Knien balancierte und dir den Antrag machte
Und ich erinnere mich wie ich damals dachte
wie ich damals dachte

Irgendwann wird alles gut
Irgendwann wird alles gut
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Doch irgendwann wird alles gut

Jetzt sitzt du neben mir und gewöhnst dich dran
In mir einen Trottel zu sehen der nichts hinkriegen kann
Vielleicht hast du ja Recht doch es ist nicht so schlimm
Die Geräusch des Sommers flirren im Abendwind
Und irgendwo probt eine Punkband
Und mir kommt in den Sinn
Und mir kommt in den Sinn

Irgendwann wird alles gut
Irgendwann wird alles gut
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Doch irgendwann wird alles gut  

Irgendwann wird alles gut
Irgendwann wird alles gut
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren
Doch irgendwann wird alles gut“

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Silent Attic


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Fotos: Promo / Reinhold Hansen

Schon von Silent Attic gehört? Nope? Dann solltet ihr diese Lücke schleunigst schließen! Mit ihren einprägsamen Melodien und dynamischen Songs gelingt es der seit 2018 bestehenden vierköpfigen Newcomer-Band aus dem norddeutschen Flensburg einen atmosphärischen Indie-Rock-Sound zu kreieren, der mit seinen fast schon klassischen Retro-Rock-Elementen und dem ein oder anderen Einfluss aus dem Post-Punk-Umfeld durchaus  spannungsgeladene und mitreißende Indieclub-Shows verspricht.

Erste Achtungserfolge feierten Silent Attic, bestehend aus Eros Atomus Isler (Gesang, Gitarre), Leon Paul Paulsen (Gitarre), Benjamin Bajramovic (Bass) und Maik Klink (Schlagzeug) im April 2019 mit ihrem selbstproduzierten Debütalbum „Late Night Talks“, welches – wenn freilich noch in kleinerem Rahmen – deutschlandweiten Anklang fand und überwiegend positiv aufgenommen wurde. Im selben Sommer folgten neben einem ausverkauften Konzert in ihrer Heimatstad

Eine EP für Herbst 2020 ist seitens der Band bereits angekündigt. Dabei sollen die vorab veröffentlichten Singles „Turn Him Over“ und „Hide Away“ einen ersten Vorgeschmack auf die EP und den nahezu unverwechselbar-juvenilen Sound der Band geben, bei dem wohl nicht nur ich fast schon unweigerlich an offensichtliche Garage-Rock-Referenzen wie etwa die Arctic Monkeys oder The Strokes, sondern auch an 

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Hier gibt’s die frische Single „Hide Away“ für Ohren und Augen:

 

 

Und um euch das Newcomer-Quartett noch ein wenig näher zu bringen, hat ANEWFRIEND – freilich Corona-freundlich via E-Mail – dieser Tage ein Interview mit Silent Attic geführt. Und das? Gibt’s nun hier…

Hallo. Damit die Leser von ANEWFRIEND euch näher kennen lernen: Bitte stellt euch und eure Band Silent Attic doch einmal kurz näher vor…

Moin! Wir sind Silent Attic, eine vierköpfige Indie-Rockband aus Flensburg. Vor ’n paar Jahren haben wir gemerkt, dass wir total auf die selbe Musik abfahren und dachten, wir machen einfach mal eine Band auf. Daraus ist relativ schnell Silent Attic entstanden und wir freuen uns riesig, dass wir nach nur circa zwei Jahren jetzt hier sitzen und mit euch ein Interview führen dürfen!

Ihr kommt aus Flensburg. Inwieweit hält eure norddeutsche Heimat besondere Reize parat, die einem größere Metropolen wie Berlin, Köln oder Hamburg nicht bieten können?

Flensburg ist einfach so eine Hammerstadt! Man ist in fünf Minuten am Meer, die Gegend ist allgemein total schön hier oben im Norden und obwohl die Stadt relativ übersichtlich ist, geht hier nachts trotzdem gut was ab! Gerade weil Flensburg nicht so riesig ist, kennt man relativ schnell die meisten Leute aus der Musikszene, was natürlich als Band total hilfreich ist. Ohne die ganzen guten Connections hätten wir es niemals so weit geschafft! Wenn man ganz ehrlich ist, gibt es aber letztendlich eine Sache, die den Flensburgern am wichtigsten ist und das ist unser Bier, das Flens!

Lasst uns über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess eurer Single „Hide Away“ im Oktober erscheinenden EP „Escape“ sprechen (oder, in diesem Fall wohl eher: schreiben). Wie, wann und wo entstanden die Songs dazu? Gab es größere Unterschiede zu eurem im vergangenen Jahr veröffentlichten Album „Late Night Talks“?

Wir sind an die EP um einiges strukturierter rangegangen als an unser Debüt-Album. Wir haben im letzten Jahr viele Erfahrungen gemacht und gemerkt, was gut klappt und was nicht und das hat uns bei der EP jetzt echt geholfen. Diesmal waren wir in einem richtigen Studio und hatten die Ehre mit Steen Skrydstrup zu arbeiten, der uns für die Aufnahmen eine Menge Equipment zur Verfügung gestellt hat. Wenn man eine Blick hinter die Kulissen von den Aufnahme-Sessions machen will, kann man sich gerne das offizielle Musikvideo zu „Hide Away“ angucken.

Wo wir gerade bei „Entstehungsprozessen“ sind: Wie – und mit wem – ist das neue Musikvideo zum Song „Hide Away“ entstanden?

Während den Aufnahmen hat unser Bassist Ben immer mal wieder gefilmt, was so hinter den Kulissen abgeht. Aus dem Material, das in der Zeit entstanden ist, haben wir dann das Video zusammengeschnitten. Wir wollten etwas Persönliches machen, dass diesen DIY-Charakter der Band gut einfängt. Schaut gerne mal auf YouTube rein.

Wo findet ihr eure musikalischen Inspirationen? Habt ihr bestimmte Vorbilder, was das Klangbild eurer Songs sowie die Herangehensweise ans Komponieren betrifft?

Meistens bringt jeder von uns immer mal wieder ein paar einfache Ideen mit in den Proberaum, aus denen dann die neuen Songs entstehen. Die Lyrics schreibt unser Sänger Eros immer, nachdem die Musik schon steht. Was Sound und Songwriting betrifft wird es keine große Überraschung sein, dass wir viel Inspiration aus der Indie-/Alterative-Rock-Szene der 2000er bekommen haben. Den Sound von „Hide Away“ haben ganz konkret aber auch noch andere Künstler beeinflusst, die 60er-Rock-Legenden The Kinks und die Indie-Rockband Wallows zum Beispiel.

Wie seht ihr selbst als musikschaffende Indie-Künstler die derzeitige Lage der Musikindustrie? Kann man, insofern man Wert auf Integrität legt und nicht nur auf den „schnellen Euro“ anhand von ein, zwei „Hits“ schielt, aktuell überhaupt noch von seiner Musik leben?

Es ist unglaublich schwer, sich heutzutage mit Musik über Wasser zu halten. Die absolut wichtigste Einkommensquelle für uns (so wie auch für die meisten anderen Künstler) sind Konzerte, da die Leute da nicht nur Tickets kaufen, sondern auch viel Merch. Wenn man zu viert oder zu fünft auf Tour ist, deckt meist selbst die Konzertgage kaum die Kosten, die eben auf Tour so anfallen und deshalb ist es schön, wenn die Leute hier und da ein T-Shirt mitnehmen, da von dem Geld am Ende dann tatsächlich oft etwas über bleibt.

Was sind eure nächsten Pläne mit Silent Attic? Kann man in der aktuellen, sehr von Corona und Co. geprägten Situation überhaupt Band-Pläne schmieden?

Die Konzerte, die die wir jetzt im Frühjahr gespielt hätten, wurden natürlich alle abgesagt oder verschoben. Planen ist momentan so gut wie unmöglich, da wir ja auch noch nicht wirklich voraussehen können, wann wir endlich wieder auf die Bühne können. Die meisten Konzerte wurden jetzt vorerst auf Ende des Jahres verschoben und wir drücken die Daumen, dass wir die dann auch spielen können! Natürlich hatten wir durch die ganze Krise jetzt auch massig Zeit, andere wichtige Dinge zu planen, für die man sonst eher selten Zeit findet. Wir haben gedacht, wenn wir schon nicht live spielen können, können wir den Fans zumindest auf andere Art und Weise etwas zurückgeben. Deshalb haben wir fleißig Musikvideos und Live-Sessions geplant, die jetzt in Arbeit sind. In den letzten drei Monaten sind auch unglaublich viele neue Songs entstanden, da wir alle fast den ganzen Tag nur zu Hause saßen und uns voll und ganz aufs Songwriting konzentrieren konnten.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…

Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

Wir haben fast alle unseren größten musikalischen Einfluss direkt aus unserem Elternhaus bekommen. Dass wir heutzutage unsere Mukke machen, ist tatsächlich auch vielen Videospielen zu verdanken, die wir im Laufe unser Kindheit fast alle gespielt haben. Gerade die FIFA-Reihe hat einen jedes Jahr mit unglaublich guten Soundtracks versorgt, über die wir auf die ein oder andere Band aufmerksam geworden sind, die heute immer noch ’n riesen Einfluss auf uns haben!

Welches sind eure – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

Man kann’s sich wahrscheinlich denken, aber gerade in der Anfangsphase der Band hatten die Arctic Monkeys einen unglaublichen Einfluss auf unseren Sound. Gerade die älteren Sachen von denen haben wir aufgesogen wie ein Schwamm. Aber auch andere Bands wie The Strokes, Catfish And The Bottlemen oder die Libertines gehören absolut zu unseren großen Vorbildern.

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

Wenn wir uns entscheiden müssten, würden wir wahrscheinlich mit der Kieler Band Leoniden auf Tour gehen. Die gehen live unglaublich ab und jedes Konzert gleicht einer riesigen Party. Da mal auf Tour mit dabei zu sein, stellen wir uns ziemlich interessant vor!

Was wären eure 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt… 

1. Arcade Fire – The Suburbs

2. The Strokes – Room On Fire

3. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I Am Not

4. Kings of Leon – Aha Shake Heartbreak

5. Oasis – Definitely Maybe

…und eure 5 Platten für die einsame Insel?

1. Babyshambles – Shotter’s Nation

2. David Bowie – The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars

3. Cage The Elephant – Tell Me I’m Pretty

4. Lou Reed – Coney Island Baby

5. Catfish and the Bottlemen – The Balcony

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cable Ties – „Sandcastles“


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Foto: Lisa Businovski

Systemkritik kann – zumindest in weiten Teilen der (westlichen) Welt – gerade heutzutage auf die unterschiedlichsten Arten ausgelebt werden. Stichwort #MeToo, Stichwort „Fridays for Future„.  Im Musikalischen kann sie im Falle von populären Künstlerinnen wie Lizzo oder Janelle Monáe mit empowernden Tänzen den oftmals sexistischen, mit allerlei Machismen überladenen R’n’B revolutionieren, sie kann wie bei den britischen Post-Punkern IDLES lautstark auf den positiven Umgang miteinander pochen, sie kann aber auch stinksauer herausgebrüllt werden (nicht, dass das vor allem letztgenanntere ab und an nicht täten). Freilich, ein absolutes Novum ist all das kaum, da weiß der Musikkundige etwa die Punk-Urväter von Iggy Pop und seinen Stooges in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern oder die kantig den Sozialismus predigenden Crossover-Größen Rage Against The Machine (welche ihre jüngsten Reunions ganz janusköpfig vom schnöden Mammon abhängig machen) und deren jüngste Nachkommen Fever 333 oder Nova Twins aufzuzählen, kurz bevor der Monolog in den „klassischen Punk“ und dessen Riot-Grrrl-Abzweig weiterfährt. Dass sich bei systematischer Benachteiligung ganze Berge von Aggressionen auftürmen, zweifelt wohl niemand an. All diese Emotionen nun herauszulassen, wird aber erneut nur den ohnehin schon Priviligiertesten der Gesellschaft vergönnt sein – wer tagein, tagaus buckeln muss, hat weder Energie noch Muße fürs Kreative… Marginalisierte Gruppen sollten sich hingegen bestmöglich im Zaum halten, damit sie im Optimalfall irgendeine gottverdammte Quote erfüllen können. Cable Ties lassen sich davon erst gar nicht beirren und poltern voller Inbrunst gegen Patriarchat, Kolonialismus und sexuelle Gewalt an. Die größte Kraft des Trios aus dem australischen Melbourne liegt jedoch woanders: Wilde Aggression und tagmüde Depression laufen in den Songs von Jenny McKechnie (Gesang, Gitarre), Shauna Boyle (Schlagzeug) und Nick Brown (Bass) im Zickzack, nehmen selten den direkten Weg. Pop? Ginge irgendwie anders… Ein Statement, das man erst einmal abkönnen muss.

art-8997_cable-ties-far-enoughAber keine Angst vor zerdachter Musik: Die acht Songs von „Far Enough“, dem in dieser Woche erscheinenden zweiten Album der drei Aussie-Post-Punk-Rock’n’Roller, setzt durchaus auf prägnante, eindringliche Riffs, die unaufhaltsam vorantreiben. Auf der Suche nach Transzendenz durch hypnotische Wiederholung entwickelt das Album dabei eine unermüdliche Intensität. Die feurig-coole Hymne „Tell Them Where To Go“ erlangte bereits vor zwei Jahren Popularität, auch da sie in einer Episode der Netflix-Serie „13 Reasons Why“ zu hören war und vom Guardian daraufhin als „an irresistible call to arms“ beschrieben wurde.

Apropos „Ruf zu den Waffen“: Während des gesamten Albums wird rechtschaffener Zorn mit Verwirrung und Selbstzensur gespickt. Songs wie „Self-Made Man“, „Anger’s Not Enough“ oder der sich langsam entfaltende Opener „Hope“ untersuchen den Berührungspunkt zwischen Aktivismus und Fatalismus, Aufschwung und Aussichtslosigkeit, entscheiden sich jedoch letztlich für die Hoffnung. Dabei halten Cable Ties während der gesamten knappen Dreiviertelstunde die Waage zwischen Kampf und Spannungsbogen – gar nicht mal so selbstverständlich, wenn die Band dreiminütige Punk-Brenner zu glühend-hypnotischen Feminismus-Hymnen, die im Geiste der Buzzcocks nicht selten an der Sieben-Minuten-Marke kratzen (auf dem 2017er Debüt waren’s sogar ab und an neun Minuten), ausdehnt. Dabei mischen Cable Ties rhythmisch pulsierenden, knorrigen Post Punk der Güteklasse The Fall oder Wire mit tightem Garage Rock. Jenny McKechnie bündelt ihre Probleme in Songs, die nicht selten tief nachhallen und oft zurückgehaltenen Gefühlen eine Stimme geben. Shauna Boyle und Nick Brown liefern den Rhythmus, der im Primitivismus der Stooges verankert scheint und den Grundstein für McKechnies Gitarren-Feuerwerke und Gesangseinlagen legt. Durch ihre Musik verwandeln die drei Band-Buddies ihre Ängste in Schlachtrufe, welche – ganz ähnlich wie anno dazumal Riot-Grrrl-Genre-Heldinnen wie die Slits oder Le Tigre – auch schonmal die Hörmuscheln strapazieren dürfen. Gut also, dass das Trio im Zweifel noch so knackige Indie-Hits wie den Riot-Grrrl-meets-Post-Punk-Brecher “Sandcastles” oder das wummernde “Tell Them Where To Go” in petto hat.

Und zum eingangs angeschnittenen Thema „Systemkritik ausleben“: Die Band setzt sich folgerichtig seit ihrer Gründung im Jahr 2015 für eine integrative feministische und politische Sichtweise ein und nutzt, wie bereits erwähnt, ihre Songs, um geschlechtsspezifische Gewalt, Kolonialismus und sexuelle Übergriffe zu thematisieren. Die Bandmitglieder veranstalten Benefizshows, DIY-Festivals, riefen unlängst zum Spenden für die Bekämpfung der australischen Buschbrände auf und engagieren sich ehrenamtlich bei Girls Rock!, einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, weibliche, transsexuelle und non-binäre Jugendliche in der Musik zu stärken. 🤘

 

„Hope is a really important theme on the album. In the past, I thought I could change things. I thought I pointed out how messed up everything is, then people would see a clear path to fixing these problems. By the time I started writing this album, I had lost this hope. But it’s about the importance of getting hope back, even when you can see no logical reason to have it. Without hope, anger becomes despair or bitterness.“ (Jenny McKechnie)

 

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Kilians – „Fight The Start“


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In den späten 2000er Jahren ging das ungefähr so: Kilians aufgelegt, die Leute wippen und kopfnicken emsig bis gedankenverloren mit und es dauert gefühlsgestoppte 20 Sekunden bis jemand fragt, ob dies denn die Strokes sind. Es wird freundlich verneint. Oh, dann bestimmt britisch! Die Arctic Monkeys etwa? Erneut: leider nein, leider nicht – und das Interesse der Unkundigen wächst. Klingen wie… hmm… wer ist denn das? Die Kilians. Ahja. Nie gehört. Und weißt du was das Witzige ist? Die kommen aus dem Ruhrpott. Es folgen: Reaktionen irgendwo im Spannungsfeld zwischen blankem Entsetzen, Überraschung und Neid. Wie kriegen es fünf milchgesichtige Bubis aus Dinslaken hin, so unglaublich hippe, ja: tight rockende Indie-Mucke zu machen? Ein arschcooles Geheimnis. Jedoch eins, welches nicht lange hält. Und schnell auch einen R-5235481-1418831076-5137gewissen Thees Uhlmann auf den Plan ruft, der Frontmann Simon Den Hartog und Co. nicht nur mit auf Tour nimmt, sondern weniger später sogar managt und zu seinem Label Grand Hotel Van Cleef holt. Im Jahr 2013 machen die Kilians jedoch nach drei Alben, deren Tanzflächenfüller-Indierock-Dissen-Hitdichte internationaler Güteklasse vom urbanen New York City-Garagenrock der Duftmarke Strokes (nicht umsonst klang Den Hartogs Gesangsorgan ähnlich wie jenes von Strokes-Stimme Julian Casablancas) bis hin zu groß angelegten Roadmovie-Balladen oder Brit-Rock-Melancholien reichte, Schluss. Wegen zeitlicher Probleme. Wie schnöde. Und wahnsinnig schade für die deutsche Indie-Rock-Landschaft.  Ob die Kilians nach sechs Comeback-Shows, die Simon Den Hartog (Gesang, Gitarre), Dominic Lorberg (Gitarre), Gordian Scholz (Bass), Arne Schult (Gitarre) und Michael Schürmann (Schlagzeug) anno 2017 anlässlich des zehnten Geburtstages ihres auch heute noch fein anzuhörenden Debütalbums „Kill The Kilians“ gaben, irgendwann und eines Tages noch einmal zusammenfinden werden? Die Zeit wird’s zeigen…

 

R-1567812-1523610956-5410Immer noch einer der besten der nicht eben wenigen tollen Songs vom Debüt der Ruhrpott-Provinz-Strokes, der Oasis aus Dinslaken, der Arktischen Affen von Thees Uhlmanns Gnaden ist „Fight The Start“. Das weiß auch – Fun Fact! Fun Fact! – Pandamasken-Pop-Rapper Cro, der das Lied 2011 für seinen Song „Einmal um die Welt“ sampelte. Dass dieser wiederum ein bundesdeutscher Top-Ten-Hit (und in Österreich gar ein Nummer-eins-Hit) wurde? Tja, so isses halt manchmal…

 

 

Rock and Roll.

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