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Auf dem Radar: Silent Attic


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Fotos: Promo / Reinhold Hansen

Schon von Silent Attic gehört? Nope? Dann solltet ihr diese Lücke schleunigst schließen! Mit ihren einprägsamen Melodien und dynamischen Songs gelingt es der seit 2018 bestehenden vierköpfigen Newcomer-Band aus dem norddeutschen Flensburg einen atmosphärischen Indie-Rock-Sound zu kreieren, der mit seinen fast schon klassischen Retro-Rock-Elementen und dem ein oder anderen Einfluss aus dem Post-Punk-Umfeld durchaus  spannungsgeladene und mitreißende Indieclub-Shows verspricht.

Erste Achtungserfolge feierten Silent Attic, bestehend aus Eros Atomus Isler (Gesang, Gitarre), Leon Paul Paulsen (Gitarre), Benjamin Bajramovic (Bass) und Maik Klink (Schlagzeug) im April 2019 mit ihrem selbstproduzierten Debütalbum „Late Night Talks“, welches – wenn freilich noch in kleinerem Rahmen – deutschlandweiten Anklang fand und überwiegend positiv aufgenommen wurde. Im selben Sommer folgten neben einem ausverkauften Konzert in ihrer Heimatstad

Eine EP für Herbst 2020 ist seitens der Band bereits angekündigt. Dabei sollen die vorab veröffentlichten Singles „Turn Him Over“ und „Hide Away“ einen ersten Vorgeschmack auf die EP und den nahezu unverwechselbar-juvenilen Sound der Band geben, bei dem wohl nicht nur ich fast schon unweigerlich an offensichtliche Garage-Rock-Referenzen wie etwa die Arctic Monkeys oder The Strokes, sondern auch an 

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Hier gibt’s die frische Single „Hide Away“ für Ohren und Augen:

 

 

Und um euch das Newcomer-Quartett noch ein wenig näher zu bringen, hat ANEWFRIEND – freilich Corona-freundlich via E-Mail – dieser Tage ein Interview mit Silent Attic geführt. Und das? Gibt’s nun hier…

Hallo. Damit die Leser von ANEWFRIEND euch näher kennen lernen: Bitte stellt euch und eure Band Silent Attic doch einmal kurz näher vor…

Moin! Wir sind Silent Attic, eine vierköpfige Indie-Rockband aus Flensburg. Vor ’n paar Jahren haben wir gemerkt, dass wir total auf die selbe Musik abfahren und dachten, wir machen einfach mal eine Band auf. Daraus ist relativ schnell Silent Attic entstanden und wir freuen uns riesig, dass wir nach nur circa zwei Jahren jetzt hier sitzen und mit euch ein Interview führen dürfen!

Ihr kommt aus Flensburg. Inwieweit hält eure norddeutsche Heimat besondere Reize parat, die einem größere Metropolen wie Berlin, Köln oder Hamburg nicht bieten können?

Flensburg ist einfach so eine Hammerstadt! Man ist in fünf Minuten am Meer, die Gegend ist allgemein total schön hier oben im Norden und obwohl die Stadt relativ übersichtlich ist, geht hier nachts trotzdem gut was ab! Gerade weil Flensburg nicht so riesig ist, kennt man relativ schnell die meisten Leute aus der Musikszene, was natürlich als Band total hilfreich ist. Ohne die ganzen guten Connections hätten wir es niemals so weit geschafft! Wenn man ganz ehrlich ist, gibt es aber letztendlich eine Sache, die den Flensburgern am wichtigsten ist und das ist unser Bier, das Flens!

Lasst uns über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess eurer Single „Hide Away“ im Oktober erscheinenden EP „Escape“ sprechen (oder, in diesem Fall wohl eher: schreiben). Wie, wann und wo entstanden die Songs dazu? Gab es größere Unterschiede zu eurem im vergangenen Jahr veröffentlichten Album „Late Night Talks“?

Wir sind an die EP um einiges strukturierter rangegangen als an unser Debüt-Album. Wir haben im letzten Jahr viele Erfahrungen gemacht und gemerkt, was gut klappt und was nicht und das hat uns bei der EP jetzt echt geholfen. Diesmal waren wir in einem richtigen Studio und hatten die Ehre mit Steen Skrydstrup zu arbeiten, der uns für die Aufnahmen eine Menge Equipment zur Verfügung gestellt hat. Wenn man eine Blick hinter die Kulissen von den Aufnahme-Sessions machen will, kann man sich gerne das offizielle Musikvideo zu „Hide Away“ angucken.

Wo wir gerade bei „Entstehungsprozessen“ sind: Wie – und mit wem – ist das neue Musikvideo zum Song „Hide Away“ entstanden?

Während den Aufnahmen hat unser Bassist Ben immer mal wieder gefilmt, was so hinter den Kulissen abgeht. Aus dem Material, das in der Zeit entstanden ist, haben wir dann das Video zusammengeschnitten. Wir wollten etwas Persönliches machen, dass diesen DIY-Charakter der Band gut einfängt. Schaut gerne mal auf YouTube rein.

Wo findet ihr eure musikalischen Inspirationen? Habt ihr bestimmte Vorbilder, was das Klangbild eurer Songs sowie die Herangehensweise ans Komponieren betrifft?

Meistens bringt jeder von uns immer mal wieder ein paar einfache Ideen mit in den Proberaum, aus denen dann die neuen Songs entstehen. Die Lyrics schreibt unser Sänger Eros immer, nachdem die Musik schon steht. Was Sound und Songwriting betrifft wird es keine große Überraschung sein, dass wir viel Inspiration aus der Indie-/Alterative-Rock-Szene der 2000er bekommen haben. Den Sound von „Hide Away“ haben ganz konkret aber auch noch andere Künstler beeinflusst, die 60er-Rock-Legenden The Kinks und die Indie-Rockband Wallows zum Beispiel.

Wie seht ihr selbst als musikschaffende Indie-Künstler die derzeitige Lage der Musikindustrie? Kann man, insofern man Wert auf Integrität legt und nicht nur auf den „schnellen Euro“ anhand von ein, zwei „Hits“ schielt, aktuell überhaupt noch von seiner Musik leben?

Es ist unglaublich schwer, sich heutzutage mit Musik über Wasser zu halten. Die absolut wichtigste Einkommensquelle für uns (so wie auch für die meisten anderen Künstler) sind Konzerte, da die Leute da nicht nur Tickets kaufen, sondern auch viel Merch. Wenn man zu viert oder zu fünft auf Tour ist, deckt meist selbst die Konzertgage kaum die Kosten, die eben auf Tour so anfallen und deshalb ist es schön, wenn die Leute hier und da ein T-Shirt mitnehmen, da von dem Geld am Ende dann tatsächlich oft etwas über bleibt.

Was sind eure nächsten Pläne mit Silent Attic? Kann man in der aktuellen, sehr von Corona und Co. geprägten Situation überhaupt Band-Pläne schmieden?

Die Konzerte, die die wir jetzt im Frühjahr gespielt hätten, wurden natürlich alle abgesagt oder verschoben. Planen ist momentan so gut wie unmöglich, da wir ja auch noch nicht wirklich voraussehen können, wann wir endlich wieder auf die Bühne können. Die meisten Konzerte wurden jetzt vorerst auf Ende des Jahres verschoben und wir drücken die Daumen, dass wir die dann auch spielen können! Natürlich hatten wir durch die ganze Krise jetzt auch massig Zeit, andere wichtige Dinge zu planen, für die man sonst eher selten Zeit findet. Wir haben gedacht, wenn wir schon nicht live spielen können, können wir den Fans zumindest auf andere Art und Weise etwas zurückgeben. Deshalb haben wir fleißig Musikvideos und Live-Sessions geplant, die jetzt in Arbeit sind. In den letzten drei Monaten sind auch unglaublich viele neue Songs entstanden, da wir alle fast den ganzen Tag nur zu Hause saßen und uns voll und ganz aufs Songwriting konzentrieren konnten.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…

Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

Wir haben fast alle unseren größten musikalischen Einfluss direkt aus unserem Elternhaus bekommen. Dass wir heutzutage unsere Mukke machen, ist tatsächlich auch vielen Videospielen zu verdanken, die wir im Laufe unser Kindheit fast alle gespielt haben. Gerade die FIFA-Reihe hat einen jedes Jahr mit unglaublich guten Soundtracks versorgt, über die wir auf die ein oder andere Band aufmerksam geworden sind, die heute immer noch ’n riesen Einfluss auf uns haben!

Welches sind eure – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

Man kann’s sich wahrscheinlich denken, aber gerade in der Anfangsphase der Band hatten die Arctic Monkeys einen unglaublichen Einfluss auf unseren Sound. Gerade die älteren Sachen von denen haben wir aufgesogen wie ein Schwamm. Aber auch andere Bands wie The Strokes, Catfish And The Bottlemen oder die Libertines gehören absolut zu unseren großen Vorbildern.

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

Wenn wir uns entscheiden müssten, würden wir wahrscheinlich mit der Kieler Band Leoniden auf Tour gehen. Die gehen live unglaublich ab und jedes Konzert gleicht einer riesigen Party. Da mal auf Tour mit dabei zu sein, stellen wir uns ziemlich interessant vor!

Was wären eure 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt… 

1. Arcade Fire – The Suburbs

2. The Strokes – Room On Fire

3. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I Am Not

4. Kings of Leon – Aha Shake Heartbreak

5. Oasis – Definitely Maybe

…und eure 5 Platten für die einsame Insel?

1. Babyshambles – Shotter’s Nation

2. David Bowie – The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars

3. Cage The Elephant – Tell Me I’m Pretty

4. Lou Reed – Coney Island Baby

5. Catfish and the Bottlemen – The Balcony

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cable Ties – „Sandcastles“


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Foto: Lisa Businovski

Systemkritik kann – zumindest in weiten Teilen der (westlichen) Welt – gerade heutzutage auf die unterschiedlichsten Arten ausgelebt werden. Stichwort #MeToo, Stichwort „Fridays for Future„.  Im Musikalischen kann sie im Falle von populären Künstlerinnen wie Lizzo oder Janelle Monáe mit empowernden Tänzen den oftmals sexistischen, mit allerlei Machismen überladenen R’n’B revolutionieren, sie kann wie bei den britischen Post-Punkern IDLES lautstark auf den positiven Umgang miteinander pochen, sie kann aber auch stinksauer herausgebrüllt werden (nicht, dass das vor allem letztgenanntere ab und an nicht täten). Freilich, ein absolutes Novum ist all das kaum, da weiß der Musikkundige etwa die Punk-Urväter von Iggy Pop und seinen Stooges in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern oder die kantig den Sozialismus predigenden Crossover-Größen Rage Against The Machine (welche ihre jüngsten Reunions ganz janusköpfig vom schnöden Mammon abhängig machen) und deren jüngste Nachkommen Fever 333 oder Nova Twins aufzuzählen, kurz bevor der Monolog in den „klassischen Punk“ und dessen Riot-Grrrl-Abzweig weiterfährt. Dass sich bei systematischer Benachteiligung ganze Berge von Aggressionen auftürmen, zweifelt wohl niemand an. All diese Emotionen nun herauszulassen, wird aber erneut nur den ohnehin schon Priviligiertesten der Gesellschaft vergönnt sein – wer tagein, tagaus buckeln muss, hat weder Energie noch Muße fürs Kreative… Marginalisierte Gruppen sollten sich hingegen bestmöglich im Zaum halten, damit sie im Optimalfall irgendeine gottverdammte Quote erfüllen können. Cable Ties lassen sich davon erst gar nicht beirren und poltern voller Inbrunst gegen Patriarchat, Kolonialismus und sexuelle Gewalt an. Die größte Kraft des Trios aus dem australischen Melbourne liegt jedoch woanders: Wilde Aggression und tagmüde Depression laufen in den Songs von Jenny McKechnie (Gesang, Gitarre), Shauna Boyle (Schlagzeug) und Nick Brown (Bass) im Zickzack, nehmen selten den direkten Weg. Pop? Ginge irgendwie anders… Ein Statement, das man erst einmal abkönnen muss.

art-8997_cable-ties-far-enoughAber keine Angst vor zerdachter Musik: Die acht Songs von „Far Enough“, dem in dieser Woche erscheinenden zweiten Album der drei Aussie-Post-Punk-Rock’n’Roller, setzt durchaus auf prägnante, eindringliche Riffs, die unaufhaltsam vorantreiben. Auf der Suche nach Transzendenz durch hypnotische Wiederholung entwickelt das Album dabei eine unermüdliche Intensität. Die feurig-coole Hymne „Tell Them Where To Go“ erlangte bereits vor zwei Jahren Popularität, auch da sie in einer Episode der Netflix-Serie „13 Reasons Why“ zu hören war und vom Guardian daraufhin als „an irresistible call to arms“ beschrieben wurde.

Apropos „Ruf zu den Waffen“: Während des gesamten Albums wird rechtschaffener Zorn mit Verwirrung und Selbstzensur gespickt. Songs wie „Self-Made Man“, „Anger’s Not Enough“ oder der sich langsam entfaltende Opener „Hope“ untersuchen den Berührungspunkt zwischen Aktivismus und Fatalismus, Aufschwung und Aussichtslosigkeit, entscheiden sich jedoch letztlich für die Hoffnung. Dabei halten Cable Ties während der gesamten knappen Dreiviertelstunde die Waage zwischen Kampf und Spannungsbogen – gar nicht mal so selbstverständlich, wenn die Band dreiminütige Punk-Brenner zu glühend-hypnotischen Feminismus-Hymnen, die im Geiste der Buzzcocks nicht selten an der Sieben-Minuten-Marke kratzen (auf dem 2017er Debüt waren’s sogar ab und an neun Minuten), ausdehnt. Dabei mischen Cable Ties rhythmisch pulsierenden, knorrigen Post Punk der Güteklasse The Fall oder Wire mit tightem Garage Rock. Jenny McKechnie bündelt ihre Probleme in Songs, die nicht selten tief nachhallen und oft zurückgehaltenen Gefühlen eine Stimme geben. Shauna Boyle und Nick Brown liefern den Rhythmus, der im Primitivismus der Stooges verankert scheint und den Grundstein für McKechnies Gitarren-Feuerwerke und Gesangseinlagen legt. Durch ihre Musik verwandeln die drei Band-Buddies ihre Ängste in Schlachtrufe, welche – ganz ähnlich wie anno dazumal Riot-Grrrl-Genre-Heldinnen wie die Slits oder Le Tigre – auch schonmal die Hörmuscheln strapazieren dürfen. Gut also, dass das Trio im Zweifel noch so knackige Indie-Hits wie den Riot-Grrrl-meets-Post-Punk-Brecher “Sandcastles” oder das wummernde “Tell Them Where To Go” in petto hat.

Und zum eingangs angeschnittenen Thema „Systemkritik ausleben“: Die Band setzt sich folgerichtig seit ihrer Gründung im Jahr 2015 für eine integrative feministische und politische Sichtweise ein und nutzt, wie bereits erwähnt, ihre Songs, um geschlechtsspezifische Gewalt, Kolonialismus und sexuelle Übergriffe zu thematisieren. Die Bandmitglieder veranstalten Benefizshows, DIY-Festivals, riefen unlängst zum Spenden für die Bekämpfung der australischen Buschbrände auf und engagieren sich ehrenamtlich bei Girls Rock!, einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, weibliche, transsexuelle und non-binäre Jugendliche in der Musik zu stärken. 🤘

 

„Hope is a really important theme on the album. In the past, I thought I could change things. I thought I pointed out how messed up everything is, then people would see a clear path to fixing these problems. By the time I started writing this album, I had lost this hope. But it’s about the importance of getting hope back, even when you can see no logical reason to have it. Without hope, anger becomes despair or bitterness.“ (Jenny McKechnie)

 

 

Rock and Roll.

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Klassiker des Tages: Kilians – „Fight The Start“


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In den späten 2000er Jahren ging das ungefähr so: Kilians aufgelegt, die Leute wippen und kopfnicken emsig bis gedankenverloren mit und es dauert gefühlsgestoppte 20 Sekunden bis jemand fragt, ob dies denn die Strokes sind. Es wird freundlich verneint. Oh, dann bestimmt britisch! Die Arctic Monkeys etwa? Erneut: leider nein, leider nicht – und das Interesse der Unkundigen wächst. Klingen wie… hmm… wer ist denn das? Die Kilians. Ahja. Nie gehört. Und weißt du was das Witzige ist? Die kommen aus dem Ruhrpott. Es folgen: Reaktionen irgendwo im Spannungsfeld zwischen blankem Entsetzen, Überraschung und Neid. Wie kriegen es fünf milchgesichtige Bubis aus Dinslaken hin, so unglaublich hippe, ja: tight rockende Indie-Mucke zu machen? Ein arschcooles Geheimnis. Jedoch eins, welches nicht lange hält. Und schnell auch einen R-5235481-1418831076-5137gewissen Thees Uhlmann auf den Plan ruft, der Frontmann Simon Den Hartog und Co. nicht nur mit auf Tour nimmt, sondern weniger später sogar managt und zu seinem Label Grand Hotel Van Cleef holt. Im Jahr 2013 machen die Kilians jedoch nach drei Alben, deren Tanzflächenfüller-Indierock-Dissen-Hitdichte internationaler Güteklasse vom urbanen New York City-Garagenrock der Duftmarke Strokes (nicht umsonst klang Den Hartogs Gesangsorgan ähnlich wie jenes von Strokes-Stimme Julian Casablancas) bis hin zu groß angelegten Roadmovie-Balladen oder Brit-Rock-Melancholien reichte, Schluss. Wegen zeitlicher Probleme. Wie schnöde. Und wahnsinnig schade für die deutsche Indie-Rock-Landschaft.  Ob die Kilians nach sechs Comeback-Shows, die Simon Den Hartog (Gesang, Gitarre), Dominic Lorberg (Gitarre), Gordian Scholz (Bass), Arne Schult (Gitarre) und Michael Schürmann (Schlagzeug) anno 2017 anlässlich des zehnten Geburtstages ihres auch heute noch fein anzuhörenden Debütalbums „Kill The Kilians“ gaben, irgendwann und eines Tages noch einmal zusammenfinden werden? Die Zeit wird’s zeigen…

 

R-1567812-1523610956-5410Immer noch einer der besten der nicht eben wenigen tollen Songs vom Debüt der Ruhrpott-Provinz-Strokes, der Oasis aus Dinslaken, der Arktischen Affen von Thees Uhlmanns Gnaden ist „Fight The Start“. Das weiß auch – Fun Fact! Fun Fact! – Pandamasken-Pop-Rapper Cro, der das Lied 2011 für seinen Song „Einmal um die Welt“ sampelte. Dass dieser wiederum ein bundesdeutscher Top-Ten-Hit (und in Österreich gar ein Nummer-eins-Hit) wurde? Tja, so isses halt manchmal…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Satan Takes A Holiday – „The Beat“


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Satan Takes A Holiday – mehr Rock’n’Roll ist eigentlich kaum ein Bandname. Dieser spontane Ersteindruck wird wohl auch durch die Tatsache, dass die drei schwedischen Köpfe hinter diesem Namen, Fred Burman, Johannes Lindsjöö und Svante Nordström, sich ihre Inspiration von einem in den Neunzigern erschienenen Album gleichen Titels des sagenumwobenen „Church of Satan“-Gründers Anton LaVey (ja, der Typ hat auch Musik gemacht!) geholt haben. Dabei ging’s wohl eher um Attitüde als um irgendwelche Botschaften… Aber so ist halt, Rock and fuckin‘ Roll, Baby!

Nicht minder Rock’n’Roll ist auch das Musikvideo zu neusten Satan Takes A Holiday-Single „The Beat“, welches eine Plüschpuppe – optisch eine wilde Mischung aus Muppets, Elmo und Cookie Monster – zeigt, die wild durch das Nachtleben prescht und dabei im Rausch so einige fragwürdige Entscheidungen trifft. Stilistisch nimmt das Video mit einigen First-Person-Aufnahmen ohne Frage zwar cleveren Bezug auf „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy, ist aber deutlich witziger als sein derbes Vorbild und passt dazu noch nahezu perfekt zum angepunkten Garagenrock-Sound der seit 2006 gemeinsame Sache machenden Stockholmer.

„The Beat“ ist die erste Singleauskopplung des kommenden fünften Albums der Schweden (das letzte, „Animal Man Woman„, erschien 2014). Der Albumtitel ist noch nicht bekannt, es soll jedoch im Februar 2017 erscheinen. Bis dahin feiern wir erst einmal wilde Parties mit dem orangenen Plüsch-Troublemaker, dem Satan Takes A Holiday wohl nicht ganz zufällig auch den Vornamen ihres Bandnamen-Namensgebers verpasst haben…

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Rock and Roll.

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„No fun“ – Scott Asheton ist tot.


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Heaven’s got another drummer boy now… Gestern ist Scott Asheton, seines Zeichens Schlagzeuger und Gründungsmitglied von Iggy Pops wahnwitziger Garagerock-Band The Stooges, im Alter von 64 Jahren verstorben. Dies gab Iggy Pop auf seiner Facebook-Seite bekannt:

Mein lieber Freund Scott Asheton ist letzte Nacht verstorben.

Scott war ein großartiger Künstler, ich habe niemanden gehört, der mit mehr Bedeutung Schlagzeug gespielt hat als Scott Asheton. Er war wie mein Bruder. Er und Ron haben der Welt ein Riesenerbe hinterlassen. Die Ashetons waren immer wie eine zweite Familie für mich, und werden das immer sein.

Meine Gedanken sind bei seiner Schwester Kathy, seiner Frau Liz und seiner Tochter Leanna, die das Licht seines Lebens war“.

 

Anstatt zu zitieren, will ich auch hier andere mit ihrem Nachruf zu Wort kommen lassen – etwa die Schreiberlinge von spiegel.de.

 

 

 

 

Rock and Roll.

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Auf dem Radar: Those Darlins


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Klar, beim bloßen Fakt, dass Those Darlins aus Murfreesboro, Tennessee, das nur etwa 30 Meilen vom Country-Mekka Nashville entfernt liegt, stammen, könnte man sich durchaus auf die falsche Fährte locken lassen. Dabei hätte dem Bandsound kaum etwas ferner liegen können als gemächliche Slidegitarrenschunkler á la Johnny Cash (der „klassische“, nicht der „American Recordings“-Cash freilich!), den Dixie Chicks oder Garth Brooks… Oder?

 

Fest steht: Wer im US-amerikanischen Süden beziehungsweise in einem Bundesstaat wie Tennessee aufwächst, der saugt Country-Einflüsse wohl zwangsläufig mit der Muttermilch auf. Und so lernten sich auch Jessi Zazu, Nikki Kvarnes und Kelley Anderson, die drei Gründungsdamen von Those Darlins, in einem „Southern Girls Rock & Roll Camp“ beim Nachspielen von Evergreens der Carter Family (Johnny Cash, da isser wieder!) kennen. Doch anstatt beim keuschen Klassikernachklimpern zu bleiben, stellten die drei sich schnell auf eigene Bandbeine, gründeten Those Darlins und verpassten sich selbst jeweils den Künstlernachnamen „Darlin“. Auch der Bandsound lieferte mehr Referenzen an Punkrock-Vorbilder wie die Ramones (deren Mitglieder den Bandnamen ebenfalls zum Nachnamen machten) oder den lo-fi durchgerockten Garagensound der White Stripes, während die beiden Frontfrauen Jessi und Nikki zum klanglich gebeutelten Mikrofonspagat zwischen Pasty Cline und Sid Vicious ausholten. Die Band erspielte sich mit ihren ersten beiden Alben, dem selbstbetitelten, 2009 veröffentlichtem Debüt und dem zwei Jahre darauf erschienenen „Screws Get Loose„, mehr und mehr Fans und Publikum und tourte mit ihren irgendwo zwischen Alt. Country, Punkrock, Rock and Roll und Rockabilly angesiedelten, bissfesten Songs gemeinsam mit Bands wie Dr. Dog, The Features, Best Coast oder den Black Keys.

those darlinsDennoch markiert das im vergangenen Oktober erschienene dritte Album „Blur The Line“ gleich mehrere Zäsuren. Zum einen sind Those Darlins nach dem Ausstieg von Bassistin Kelley Anderson und den Zugängen von Adrian Barrera (Bass) und Linwood Regensburg (Schlagzeug) längst nur noch zu 50 Prozent All Female, während sich die beiden verbliebenen Gründungsdamen mittlerweile die Mätzchen des „Darlin“-Nachnamens sparen und ihre eigenen verwenden. Die größte Veränderung bietet jedoch der Bandsound, der tiefer, breit gefächerter, versierter und reifer ist als noch vor ein paar Jahren. Wenn Jessi Zazu im Opener „Oh God“ Zeilen wie „I was a drunk girl in the shower / In yet another shit hotel / I could have been just anywhere“ mit geradezu aufreizend lieblicher Stimme intoniert, dann spürt man schnell: hier hat eine etwas zu erzählen! Und in der Tat geben die 12 Songs von „Blur The Line“ eine ganze Menge her. Dabei landet der Punkrockrotz nur noch selten in der Garagenecke unterm Ramones-Poster (etwa in „Optimist“), dafür schlendern Those Darlins in ihren knackig-runden Dreiminütern mehr als einmal am Lemonheads-Pop vorbei (man höre „Drive“), versuchen sich am Girl-Band Psych-Blues („Baby Mae“), krallen sich vom Sixties Pop die Melodieseligkeit, von Phil Spector die Details, von Jack White den schweren Blues Fuzz, von Neil Youngs Crazy Horse den Hang zum schweren Gitarrensolo, vom Grungerock das Herbe, von Bands wie den Pixies die Würze (man höre zum Vergleich das sinistre „In The Wilderness“!) und von Fleetwood Mac die benebelte Poesie. Obwohl sich das von Yo La Tengos Haus-und-Hof-Regelschieber Roger Moutenot im heimatlichen Nashville produzierte „Blur The Line“ während seiner 45 Minuten nicht selten in einem seltsam faszinierenden Film aus Trägheit und Angriffslust suhlt, bleibt es doch untergründig spannend, vielseitig und unterhaltsam. „When she’s good, she’s great / When she’s bad, she’s even better“, wie Nikki Kvarnes in „Baby Mae“ singt. Wenn dem so ist, dann dürften Those Darlins in der letzten Zeit ziemlich schlimme Rock’n’Roll-Finger gewesen sein…

 

 

Rock and Roll.

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