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Song des Tages: Anna Coddington – „Little Islands“


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In einem Land mit knapp fünf Millionen Einwohnern (zum Vergleich: Berlin kommt aktuell auf etwa 3,8 Millionen) mag die Musikszene recht überschaubar sein. Man kennt sich, man trifft sich, man arbeitet und jammt irgendwann, irgendwo, irgendwie schonmal zusammen. So auch in Neuseeland. Kaum verwunderlich also, dass auch Anna Coddington ab und an mit dem populären Kiwi-Künstlerkollektiv Fly My Pretties, von denen kürzlich in Zusammenhang mit der Künstlerin A Girl Named Mo bereits die Schreibe war, gemeinsame Sache macht (wenn sie denn nicht gerade mit dem Blackbird Ensemble Songs von Björk im Orchestergewand zum Besten gibt).

a3871270034_16Stilistisch könnte man beim Gros der Stücke der 38-jährigen Singer/Songwriterin zur fixen Orientierung meinen, dass diese klingen, als hätten Natalie „Torn“ Imbruglia (der Coddington auch optisch gar nicht mal eben fern steht) und ihre Studio-Band sich an einem lauschigen Sonntagnachmittag den Songkatalog eines Dave Matthews vorgenommen – handgemachter RockPop, der keineswegs wehtut, und auch im Formatradio des Vertrauens keinen schlechten Eindruck hinterlassen würde. Freilich mag man bemängeln, dass dies im Endeffekt dazu führen mag, dass sich keiner der Songs für länger als seine durchschnittlich dreieinhalb Minuten Spieldauer in den Gehörgängen aufhält (so geschehen etwa bei dieser Review zum jüngsten, 2016 erschienenen Album „Luck/Time„). Andererseits liefert die überzeugte Vegetarierin und zweifache Mutter, die nebenbei auch in Te Reo Māori (also in der Sprache der Māori) schreibt und singt, gefällige Songs, welche sich gängigen Pop-Strukturen zwar nicht verweigern, aber manchmal – wie beim zweiten, 2011 veröffentlichten Werk „Cat & Bird“ – auch schonmal dezent rockig ausfallen können. Damit startet Frau natürlich recht selten eine Weltkarriere. Aber hey – in Neuseeland ist’s ja auch ganz schön…

 

 

„I’m frustrated
I’m not losing my mind
I’ll give my money away
Trade it for an escape
And leave my boredom behind

I contemplated
Giving my guitar away
Moving out of my house
Throwing all my stuff out
But what difference would it make

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

I wasn’t looking
Wasn’t looking for a fight
If anybody asks
I’m out the back on the grass
Looking up at the sky

I see you up there
Hanging out in the clouds
Shaking aeroplanes
Listening to radio waves
Can you hear me now

I know there must be more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
All I see are stars

It’s complicated
It’s really hard to explain
I love the blue and the green
But somewhere in between
My fucking hair’s turning grey

Maybe I don’t need any more
Than my bedroom and the video store
From these little islands
I can see all those stars“

 

Rock and Roll.

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Monday Listen: A Girl Named Mo – „Live at Bats (Platonic\Romantic)“


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Jedes Land hat wohl mindestens diese eine Band, von der jede neue Single, jedes neue Album von den Einheimischen mit Spannung und Vorfreude (und nicht selten der ein oder anderen Diskussion im Nachhinein) aufgenommen wird und nahezu jede Show ausverkauft ist. Das Fandom erstreckt sich denn auch über Generationen, da die Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln zu den Auftritten kommen. In Deutschland wären wohl Rammstein – Kontroversen hin oder her – diese Band (oder bringen sich mit ihren Erfolgen zumindest für diesen Titel in Stellung). In Kanada etwa The Tragically Hip. In Australien würden sich The Jezabels oder Cold Chisel diese Krone(n) aufsetzen. Und im vergleichsweise beschaulichen Neuseeland gehört, wie man liest, der Titel Fly My Pretties.

Ein Teil des Erfolgs des 2004 im neuseeländischen Wellington gegründeten Kollektivs besteht wohl darin, dass es sich wirklich um eine recht lose, beständig wechselnden Gemeinschaft von etwa 50 Künstlern handelt. Jeder und jede von ihnen bringt seinen eigenen, einzigartigen Ansatz in das Projekt ein, aber erst zusammen setzen sie eine Idee in fertige Songs irgendwo im Spannungsfeld zwischen Folk Rock, Roots Rock oder R’n’B um.

Ein Teil von Fly My Pretties ist Moana Ete. Die vielseitige Künstlerin, welche ebenfalls aus Wellington stammt, ist als Absolventin der renommierten Toi Whakaari Drama School nicht nur Schauspielerin, Autorin und Regisseurin, sondern wandelt unter dem Alias A Girl Named Mo auch (quasi) solo auf musikalischen Pfaden.

„Beim Schauspielen kann man sich immer hinter einer Figur verstecken, während Singen bedeutet, aufzustehen und zu sagen: ‚Das ist alles an mir. Das ist, wer ich bin. Es ist sehr persönlich“, sagt sie. „Ich werde nur dann wirklich nervös, wenn ich auf die Bühne gehe, um zu singen… all das macht mich viel verletzlicher.“

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Wohl auch deshalb hat sich Moana Ete, die ihre Liebe zur Musik recht früh im Kirchenchor fand, während Künstler wie Boyz II Men, Mary J Blige, TLC oder Missy Elliot ihren Geschmack prägten, denn doch musikalische Kompagnons gesucht: Slade Butler und Marcus Gurtner unterstreichen bei A Girl Named Mo als taktgebende Rhythmusgruppe und mit allerhand gefühlvoller Elektronica die erstaunlichen Gesangstalente ihrer Frontfrau. Zusammen kombiniert das Trio Elemente der Electronica mit dem ausgeprägten R’n’B-Trimbre von Moanas Stimme. Die ersten Ergebnisse des kreativen Trios sind etwa die Neo-Soul-Debütsingle „Who They Say You Are“ sowie das bei sechs ausverkauften Vorstellungen im Wellingtoner Bats Theatre aufgenommene Album „Live at Bats (Platonic\Romantic)“.

A Girl Named Mo sehen darin ein sich stetig weiterentwickelndes Werk, das nicht nur die ihre gemeinsame Idee von elektronischem R’n’B präsentiert, sondern auch die Live-Skizzen, die ihr irgendwann in der (nahen) Zukunft erscheinendes Debütalbum ausmachen werden.

In zwölf Song-Teilen untersucht „Platonic\Romantic“ zwischenmenschliche Beziehungen durch musikalisches Geschichtenerzählen. Unter der Führung von Moana Ete haben sich A Girl Named Mo seit 2016 einen Namen in der Musikszene von Wellington gemacht, und diese Momentaufnahme ist Zeugnis eines Projektes, das vor neuen, kreativen Ansätzen nur so überbordet. Elektronische Beats, Vocal-Samples und hämmernde Bässe verbinden sich mit dem zweifellos großen Talent von Ete zu einer ebenso abwechslungsreichen wie klugen Sammlung von Songs.

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Moana Ete hat Folgendes über „Live at Bats (Platonic\Romantic)“ zu sagen:

„Es ist ein elektronisches Live-Album, das ein wenig einem Oxymoron gleichkommt. Ich erinnerte mich daran, dass ich mir während der Aufnahmen Erykah Badus Live-Album anhörte. Ich liebe ihre Beziehung zum Publikum über alle Maßen. Sie geht ganz entspannt mit ihm um, und auch ich höre ich ihr zu und hänge an jedem ihrer Worte. Ich liebe dieses Album, und auch ich wollte ebenso entspannt mit meinem Publikum umgehen, so wie sie es tat.

In Liebesliedern geht es fast immer um romantische Liebe. Es geht um Herzschmerz, Betrug und ums Heiraten, und es ist nur dann echte Liebe, wenn es ums Körperliche, ums große Ganze geht. Und darum geht’s mir einfach nicht immer. Einige der erfüllendsten und wichtigsten Liebesgeschichten sind für mich solche, die nichts davon enthalten, sondern einfach nur reine, platonische Liebe. Ich schätze, die wirkliche Idee ist, was wäre, wenn das Platonische und Romantische einfach eine Einheit wären.“

 

 

Via Bandcamp gibt’s „Live at Bats (Platonic\Romantic)“ im Stream (oder eben als wahlweise kostenlosen Download)…

 

…und hier bewegte Bilder zum Song „Platonic“:

 

Rock and Roll.

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