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Song des Tages: Amanda Palmer – „In Harm’s Way“


Amanda Palmer und Edward Ka-Spel

Foto: Michael Lamertz / ML Fotografie

Bei allem, was Amanda Palmer an kreativem Output veröffentlicht – und das ist nicht gerade wenig – kann man sich meist sicher sein, dass am Ende erneut große – oft genug sogar großartige und vor allem wichtige – Kunst ums Eck lugen wird. (Das im Mai gemeinsam mit The Legendary Pink Dots-Frontmann Edward Ka-Spel veröffentlichte Album „I Can Spin A Rainbow“ lassen wir an dieser Stelle mal außen vor und verbuchen es unter „Erfüllung eines persönlichen Jugendtraums“…)

Dass sich die 41-jährige US-Musikerin ihres Einflusses und ihrer Außenwirkung durchaus bewusst ist und diese auch nutzt, um oftmals kritische Töne anzustimmen, dürfte längst bekannt sein. Das neuste, nun veröffentlichte Charity-Stück „In Harm’s Way“ ist ein weiterer Beleg dafür.

a1699755092_16Inspiration für den Song war ein Foto der türkische Pressefotografin Nilüfer Demir, welches den syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, tot an einem Strand nahe der türkischen Touristenhochburg Bodrum, zeigte. Das Bild ging im September 2015 um die Welt und erreichte auch Amanda Palmer, die zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes stand. Und es ließ die werdende Mutter nicht mehr los. Also setzte sie sich, wenig später, nachdem ihr Sohn Ash zur Welt gekommen war, an ihr Piano und skizzierte einen ersten Entwurf des Stückes „In Harm’s Way“ (welcher zu diesem Zeitpunkt noch „The Refugee’s Brother“ hieß).

Kurz darauf stieß Palmer via Twitter auf den spanischen Performance-Künstler Abel Azcona. Beeindruckt von der Bildsprache seiner Arbeiten nahm sie bereits kurze Zeit später den Kontakt zu ihm auf und schlug ein gemeinsames Projekt vor: ein Performance-Video zu dem damals just fertig gestellten Song „In Harm’s Way“, für den Palmers Musik-Buddie Jherek Bischoff Streicher-Arrangements besorgt hatte.

Und wie so oft konnte sich Amanda Palmer für dieses neuste künstlerische Unterfangen auf ihre via Patreon und andere soziale Medien reaktivierten Fans und Unterstützer verlassen. Finanziert via Crowdfunding, drehten die Musikerin und Performance-Künstler Azcona das Musikvideo zu „In Harm’s Way“ gemeinsam mit vielen freiwilligen Laien-Darstellern, die dem Aufruf der Social-Media-Aktivistin gefolgt waren, an einem Strand im spanischen Tarragona. Das fünfeinhalbminütige Ergebnis spricht für sich. Und sorgt – gerade in Verbindung mit der Musik – für mehrere dicke Klöße im Hals…

Wer übrigens meint, dass Palmer das Thema der Flüchtlingskrise – gerade von ihrem vermeintlichen Elfenbeinturm im fernen US-amerikanischen Boston heraus – zur fixen Selbstprofilierung nutzen würde, dem sei mit auf den Weg gegeben, dass die umtriebige Musikerin unter anderem (sie steht etwa in stetigem Kontakt zu diversen NGOs) im Frühjahr 2017 auf dem Rückweg von einer Tournee durch Australien – gemeinsam mit ihrem mittlerweile zweijährigen Sohn Ash – ein Flüchtlingscamp im griechischen Lesvos besuchte, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.

 

Amanda Palmer hat zum neuen Song „In Harm’s Way“ Folgendes zu sagen (während man die komplette Geschichte um und über das Stück auf ihrer Homepage findet):

„while the headlines blare on about the distractions du jour, we are now witnessing the highest levels of displacement **on record**. an unprecedented 65.6 million people around the world have been forced from their homes. among them are nearly 22.5 million refugees, over half of whom are under the age of 18. this past spring of 2017, i traveled to lesvos, greece, where i worked with a small NGO and saw the continual plight of families and children living in limbo with a scarcity of help and resources while the world marches on without paying attention.

meanwhile, i worked on this song recorded in tasmania, australia, with generous assistance from the MONA museum and began an brainstorm and partnership with the spanish performance artist abel azcona. we recruited dozens of volunteers from across spain, france, the UK and elsewhere in europe to take part in the performance. these volunteers weren’t professional actors, they simply answered our call and wanted to loan their time and hearts to this cause. the video was filmed on location in tarragona, spain. we cannot thank the volunteers enough for their travel, time and generosity in making this clip.

the entire film crew and all the production costs were funded/backed by my 11,000 patrons. without them, nothing. if you’d like to join our tribe and help us make more art all around the world, join here: https://www.patreon.com/amandapalmer

read the full backstory & lyrics here: https://amandapalmer.net/InHarmsWay

please download the song here on bandcamp; https://amandapalmer.bandcamp.com/tra…

ALL digital proceeds until Nov 30th will go to http://BecauseWeCarry.org, a small dutch NGO that helps feed, clothe and assist refugees landing and living on the island of lesvos, greece.“

 

 

„what i cannot see cannot be not untrue
standing on the barrier of me and you are
standing where the ocean meets the sand
we cross though we barely understand
the grass is always greener on the land

what we cannot say cannot be not our fault
searching for a harbor where the sharks don’t call
i’m waiting where the boats arrive at night
i see the ones before me disappearing into light

why would you go? when you could stay?
why would you try? when you could walk away?
why should i care when you’re not mine?
why would i care when you’re not even my kind?
why would you stand when you could lie?
why would you bother to find something kind to say?
why would you bother to love your own neighbor?
and why would you bother to love your own brother?

….love’s so expensive these days.

what i cannot do cannot be not undone
blinking at the reef collapsing in the sunrise
shining from this pamphlet in my hand
we cross as many fingers as we can
the grass keeps looking grayer as we find no place to land

what i cannot see can not be not unseen
standing on the barrier
of you and me
are standing where the ocean meets the land
we cross even though we understand
we cross even though we see the child in the sand

why would you go?
when you could stay?
why would you try?
when you could cast away?
why should i care
when you’re not mine?
why would i care
when you’re not even my kind?

why would you stand
when you could lie?
why would you bother to find something kind to say?
why would you bother to save your own neighbor?
and why would you bother to save your own brother?

why would you bother to save your own child
why would you bother with all of this bother
and why would you bother with all of these others

when there’s always you you could save….

why, what are you crazy?

why would you stand in harm’s way?“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sean Christopher – „Paper Plane Pilot“


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Dass das Thema „Flüchtlingskrise“ nicht immer so ernst wie etwa im Song und Video zu M.I.A.s „Borders“ oder so auf Teufel-komm-raus referenziell ironisch wie bei der Fatoni & Dexter-Kollabo „32 Grad“ angepackt werden muss, beweist der aus der kleinen italienischen 2.600-Seelen-Gemeinde Villanova D’Albenga stammende Singer/Songwriter Sean Christopher mit dem Song „Paper Plane Pilot“ sowie dem dazugehörigen Musikvideo.

Der mittlerweile im englischen Bristol lebende Newcomer schrieb das Stück, nachdem er einen Freund in Südfrankreich besuchte. Laut Christopher geht es in „Paper Plane Pilot” – der Song ist nach den bereits 2013 erschienenen „Everything“ und „Wasteland„, welche im positivsten Sinne an Coldplay zu „Parachutes“-Zeiten erinnern, eines der ersten musikalischen Lebenszeichen des Musikers – darum, sich frei zu fühlen, ohne sich jederzeit der rasanten Umgebung bewusst zu sein, in der wir gerade leben, sowie um eine gewisse Nostalgie hinsichtlich der Weltanschauung eines Kindes.

Und genau darum geht es auch im dazugehörigen Musikvideo, welches das wohl aktuell „schönste” Musikvideo über die Flüchtlingskrise ist (wenn man das so ausdrücken darf). Liebevoll gestaltet, befasst sich der dreieinhalbminütige Clip mit der Flüchtlingsthematik und dem Freiheitsgedanken aus der Sicht eines Kindes, ohne jedoch kitschig zu werden.

Das Musikvideo zeigt einen Jungen aus Pappmaché, der in einem Flüchtlingscamp lebt (welches freilich durch ein von Erwachsenen erdachtes Konzept begrenzt ist). Freiheit findet er, zwischen all diesen Zäunen, nur in seiner Fantasie und Offenheit für die Welt. Also versucht der Junge, mit seinem Papierflugzeug dem Alltag zu entfliehen – bis er schließlich mit einem anderen Kind am Meer spielen kann. Sean Christopher„I see ‚Paper Plane Pilot‘ as an ode to youth. What connects us as human beings, is our imagination. Children seem to understand that better than we do. Let’s tell the story of a child who lives in a refugee camp, limited by a concept of grown ups, finding freedom in his imagination and openness to the world”.

 

Hier gibt es das Musikvideo zu „Paper Plane Pilot“ zu sehen…

 

…sowie den Song noch einmal in einer Live-Session-Variante:

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Kettcar – „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“


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Ist das jetzt ein Lied? Oder eine Kurzgeschichte? Vielleicht beides? Oder am Ende doch total egal?

Fakt ist: Kettcar melden sich fünf Jahre nach dem letzten Album „Zwischen den Runden“ und drei Jahre nach „Konfetti„, dem Solodebüt ihres Frontmanns Marcus Wiebusch, am 13. Oktober mit ihrem nunmehr fünften, elf Songs starken Studioalbum „Ich vs. Wir„, welches freilich wieder beim hauseigenen Label Grand Hotel Van Cleef erscheinen wird, sowie einer ausgedehnten Tour im kommenden Jahr zurück. Braucht es diese Rückkehr? Aber hallo!

Denn schon der erste Vorab-„Song“ beweist, dass es wohl kaum eine andere deutsche Band derart – und das ist an dieser Stelle auch alles andere als ein Widerspruch – so deutlich wie subtil versteht, in persönliche wie gesellschaftliche Wunden zu stechen (und wer’s nicht glauben mag, der höre sich durch Wiebuschs Diskografie – angefangen bei den Politpunkern von …But Alive über die Kettcar-Alben und bis hin zum noch immer großartigen „Konfetti“).

kettcar-ich-vs-wir-artwork-ghvcIn „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“ erzählt Marcus Wiebusch die Geschichte eines jungen Hamburger Studenten mit Dead Kennedys-Shirt, der in seinem blauen Ford Granada von der Hansestadt bis an die österreichisch-ungarische Grenze reist und dort einigen Familien zur Flucht aus der DDR verhilft. Dabei gewinnt der Spoken-Word-Song, bei dem der Kettcar-Fronter lediglich im Refrain singt, vor allem durch Wiebuschs Auge fürs Detail, Textzeilen wie „In Mörbisch am See checkte er in die Pension Peterhof ein, kaufte sich einen Döner und wartete auf die Nacht“ sind nur ein Beispiel unter vielen.

Die Ungewissheit und Dringlichkeit der Aktion unterstreicht das angehobene Tempo, die Band ordnet die Begleitmusik ganz der Story unter. „Gesungene Geschichte, die deutlich macht, dass Fluchthelfer*innen damals wie heute gebraucht werden“, meint Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow, der das Lied bereits gehört hat, und auch Schriftsteller Benedict Wells („Spinner“) konstatiert: „Gut, dass es immer schon Menschen gab, die anderen Menschen einfach halfen – und erst danach darüber diskutierten. Das galt für damals, das gilt für heute und das gilt für diesen schönen Song.“

Denn nach der geglückten Aktion ist der Song nicht vorbei. Zurück in seiner WG kritisieren die Mitbewohner des Protagonisten seine Aktion: „Deutschland dürfe nie wieder ein Machtblock mitten in Europa werden. Und eine solche Hilfe zur Flucht der DDR-Bürger würde nur zur weiteren Destabilisierung der Verhältnisse beitragen. Die Aktion war menschlich verständlich, aber trotzdem falsch.“ Gelebte deutsche Geschichte, mit all ihren Ecken, Enden und Neuanfängen – und das Finale des Songs kann wohl keine(n) kalt lassen…

 

 

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Rock and Roll.

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(gefunden auf Facebook)

 

…frei nach dem Experiment von Erwin Schrödinger. Quasi die Mähr vom eierlegenden Wollmilchflüchtling für jeden Wutbürger unserer ach so überrannten Industrienationen, oder? Hm…

 

Rock and Roll.

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Moment! Aufnahme.


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(gefunden bei Facebook)

 

Zwei Zeichnungen, eine Botschaft: Hirn einschalten, selbst denken! Denn sobald man auch das von anderen für einen erledigen lässt, gibt man gleichzeitig alle Freiheiten und einen guten Teil der eigenen Rechte von sich…

 

Rock and Roll.

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„Choose Love“ – Denn hinter anonymen Zahlen stecken Menschen und ihre Schicksale


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„Refugees, activists and actors come together to #chooselove

Bei all den Debatten über Flüchtlingsquoten, Migranten in einer für sie komplett neuen, westlichen Kultur sowie das generelle Für und Wider der Tatsache, dass wir nun plötzlich nicht mehr ganz für uns sind in unserer Wohlstandsgesellschaft vergessen wir oft, dass hinter all den anonymen Zahlen tatsächlich Menschen stecken. Menschen, die oft ihre Familien zurück gelassen oder – schlimmer noch – zu großen Teilen verloren haben. Menschen mit tragischen Schicksalen, die ohne das Zutun der westlichen Welt wohl nie und nimmer aus ihrer Heimat geflohen wären. Dass verachtenswerte Arschkrampen – Pardon my French – wie die Hohlköpfe von AfD und Co. die Ängste deutscher Bundesbürger ausnutzen und mit diesen böses Spiel treiben, macht das Ganze nur noch bitterer (soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden, Diskussionen dazu gibt’s bereits anderswo zur Genüge)…

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Glücklicherweise gibt es jedoch Organisationen wie „Help Refugees„, welche es sich auf die Fahnen geschrieben haben, den etwa in Griechenland und im französischen Calais gestrandeten Flüchtlingen so gut es denn geht zu helfen – sowohl, was die Erstversorgung mit Nahrungsmittel betrifft als auch die medizinische Hilfe. Denn die Situation ist noch immer alles andere als unter Kontrolle:

„We are currently living in a refugee crisis unseen since the Second World War. The UN estimates that 65.3 million people are now refugees, seeking asylum, or internally displaced.“

Wer also gegen Ende des Jahres noch den ein oder anderen Euro übrig haben sollte und – gerade zu Weihnachten – mal etwas Sinnvolleres geben möchte das das x-ten Paar Socken oder den y-ten Flakon Parfüm, der darf sich gern folgenden Spot von „Help Refugees“ in Gedächtnis rufen und spenden, denn auch kleine Summen können viel bewirken – und sei es nur, um das eigene Karma ins Lot zu bringen. Danke gegebenenfalls schonmal von mir.

 

 

 

Rock and Roll.

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