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Song des Tages: Lissie – „Dreams“


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Beinahe neun Jahre ist es her, dass Elisabeth Corrin „Lissie“ Maurus mit der „Why You Runnin‘ EP“ und Songs wie „Wedding Bells“, „Little Lovin'“ oder „Everywhere I Go“ der Musikwelt ein großes, wahlweise von Folkrock, Alt.Country oder Gospel gesalbtes Versprechen gab, welches etwa der „Daily Mirror“ wohlig nickend als „true rebel country spirit“ wahrnahm. Und in der Tat löste bereits das 2010 erschienene Debütalbum „Catching A Tiger“ viele Versprechungen ein, schließlich präsentierte das Landei aus dem US-amerikanischen Hinterland (aka. Illinois) darauf viel sonnendurchflutet-sommerlichen Middle-Of-The-Road-Rock der besten Sorte, welcher auch gern mal ein genüsslich-nächtliches Melancholiebad nahm und Road Trips initiierte, bis die Tankanzeige des Oldtimers im Tiefrot entschwand und über einem nur noch die Sterne schienen. Dabei konnte die junge Dame auch noch so herrlich und nach Jungen-Manier fluchen, derbe drauf los rocken und brachte superbe Coverversionen – etwa von Lady Gagas „Bad Romance„, Metallicas „Nothing Else Matters„, Kid Cudis „Pursuit To Happiness“ oder Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ – zustande, die sich beileibe nicht hinter den Originalen zu verstecken brauchten… Coole, natürliche Type, diese Miss Maurus.

Seitdem sind nicht nur acht Jahre ins Land gegangen, auch Lissie lag in der Zwischenzeit kaum auf der faulen Landhaut: drei weitere Alben (zuletzt im vergangenen Jahr „Castles„), auf denen sich die mittlerweile 36-Jährige mal hier, mal da etwas weiter weg vom Folkrock bewegte und ihre Fühler mehr mal mehr, mal weniger gelungen gen Pop ausstreckte, zig in TV-Shows zur Untermalung untergebrachte Songs sowie zwei Live-Alben, die vor allem Lissies Bühnenqualitäten (ich erwähnte es: die Blondine kann rocken!) zum Vorschein brachten, sind der beste Beweis.

71K0O-cntPL._SS500_.jpgHöchste Zeit also, das bisher Erreichte einmal Revue passieren zu lassen. Und dies tut Lissie erfreulicherweise nicht mit einer schnöd-lieblosen Zusammenstellung ihrer besten (?), erfolgreichsten (?) oder karrieredefinierendsten (?) Stücke, sondern mit „When I’m Alone: The Piano Retrospective“. Wie es der Titel bereits verrät, kommen die – Wermutstropfen Anzahl! – elf Stücke gänzlich reduziert auf den weißen und schwarzen Tasten des Pianos daher, so als wollte die Musikerin aus Rock Island, Illinois ihren Zuhörern zeigen, dass auch ihre Vergangenheit kaum statisch ist, dass die Songs, die sie vor fast zehn Jahren geschrieben hat, noch frisch und lebendig sind. Well… Mission accomplished. Die neuen Arrangements von Stücken wie „When I’m Alone„, „Everywhere I Go“, „In Sleep“ (vom Debütalbum „Catching A Tiger“), „Sleepwalking“ (vom Zweitwerk „Back To Forever„), „Daughters“, „Don’t You Give Up On Me“ (vom dritten Album „My Wild West„) oder „My Best Days“ (vom aktuellen Langspieler „Castles“) atmen zeitweise zwar noch immer die Kraft der damaligen Originale, ziehen nun jedoch ihre Energie aus den – logischerweise mal melancholischen, mal beinahe weihevollen – Neuinterpretationen. Bis hin zu Lissies feiner Coverversion des schunkeligen Fleetwood-Mac-Evergreens „Dreams“ (mit „Cowboy Take Me Away“, im Original von den Dixie Chicks, enthält das neue Werk noch ein weiteres Cover), darf man wohl nur allzu gern das Gefühl bekommen, dass Elisabeth Corrin „Lissie“ Maurus mit dieser speziellen Werkschau einen musikalischen Liebesbrief an ihre Vergangenheit schreibt…

 

 

„Now, here you go again
You say, you want your freedom
Well, who am I to keep you down
It’s only right that you should
Play the way you feel it
But listen carefully, to the sound
Of your loneliness

Like a heartbeat, drives you mad
In the stillness of remembering what you had
And what you lost
And what you had
And what you lost

Oh, thunder, only happens when it’s raining
Players, only love you when they’re playing
They say women, they will come and they will go
When the rain washes you clean, you’ll know
You’ll know

Now, here I go again, I see
The crystal vision
I keep my visions to myself
It’s only me, who wants to
Wrap around your dreams and
Have you any dreams you’d like to sell
Dreams of loneliness

Like a heartbeat, drives you mad
In the stillness of remembering, what you had
And what you lost
And what you had
Ooh, what you lost

Thunder, only happens when it’s raining
Players, only love you when they’re playing
Women, they will come and they will go
When the rain washes you clean, you’ll know

Oh, thunder, only happens when it’s raining
Players, only love you when they’re playing
They say women, they will come and they will go
When the rain washes you clean, you’ll know
You’ll know

You will know
Oh, you’ll know“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fleetwood Mac – „Landslide“ (early version)


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Was ist nicht schon alles über Fleetwood Mac geschrieben worden, über nahezu perfekte Alben wie „Rumours“ oder „Tusk„? Über gigantische Egos, kaum weniger gigantische Berge an Rauschmitteln (hey, das waren die Siebziger!), gescheiterte – bandinterne – Romanzen, enttäuschte Hoffnungen, geplatzte Träume… Über popmusikalische Träume, welche sich alsbald als kreative Albträume entpuppten. Jaja, wenn es um Gossip gewordenen, großartigen Radio-Rockpop, durch den sich stets kalifornischer Sonnenschein Bahn bricht, geht, dann gibt es auch im 21. Jahrhundert kaum eine bessere Band als Fleetwood Mac. Ist so, bleibt so.

Dass Mick Fleetwood, John und Christine McVie, Lindsey Buckingham und die eh ewig tolle Stevie Nicks heutzutage vor allem durch das ein oder andere Reunion-Konzert sowie Reissues ihrer alten Alben in Erscheinung treten, macht gar nichts, wenn – wie im Fall der dieser Tage erscheinenden erweiterten Neuauflage ihres ursprünglich 1975 in die Plattenläden gestellten selbstbetitelten Albums – Schätze wie diese frühe Version des sowieso auch über die kommenden tausend Jahre hinweg wunderschönen Stevie-Nicks-Schmachters „Landslide“ zutage gefördert werden und einen für Minuten all das Drama und jeden Fetzen Pophistorie vergessen lassen…

 

 

(Apropos „Landslide“: Wo wir gerade dabei sind, das Stück zu würdigen, sollte keinesfalls unerwähnt bleiben, dass Billy Corgan und seine Smashing Pumpkins anno 1994 mit ihrer durchaus formidablen Version des Fleetwood’schen Klassikers ums Eck kamen – erst als B-Seite von „Disarm“ und wenig später auf der Raritäten-Sammlung „Pisces Iscariot„… just sayin‘.)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fleetwood Mac – „Man Of The World“


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Bekannt sind Fleetwood Mac berechtigterweise für ihre großen Alben aus den Siebzigern wie „Rumours“ und „Tusk„, in denen sie einerseits große Trennungs- und Scheidungsdramen auf noch größere Konzertbühnen brachten, während sich die Formation im Inneren mehr und mehr selbst aufzulösen und voneinander wegzubewegen drohte. Klar, der Rest ist längst Musikhistorie, und all diese Dramen und Besetzungswechsel hier im Klein-klein aufzudröseln, würde zu weit führen. Heute scheinen die Mitglieder aus der erfolgreichsten Bandphase –  Mick Fleetwood, John und Christine McVie, Lindsey Buckingham und die ewig tolle Stevie Nicks – Frieden mit ihrer Vergangenheit geschlossen zu haben, denn selbst eine gemeinsame Tour mit den alten Klassikern wie „Landslide“, „Go Your Own Way“ oder „Gold Dust Woman“ ist wieder drin (insofern denn die Gesundheit aller Beteiligten mitspielt).

Dass Fleetwood Mac vor den Erfolgen in den Siebzigern mal ganz anders klangen, liegt wohl einfach auch daran, dass all dies vor der Zeit war, als das damalige Rockstar-Paar aus Lindsey Buckingham und Stevie Nicks zur Band stieß (was 1974 geschah). Damals, Ende der Sechziger, war Peter Green, allerorten zu einem der „besten Gitarristen aller Zeiten“ gewählt, noch der Bandleader, und Fleetwood Mac selbst eher im englischen Folk’n’Blues verhaftet als im eingängigen Radiopop. Dass dabei trotzdem tolle, bewegende Songs entstehen konnten, beweist etwa „Man Of The World„. Das nicht einmal drei Minuten kurze Stück, verfasst von Green, erschien im April 1969 lediglich als Single, und fand schändlicherweise auf keinem der drei Alben, an denen Peter Green vor seinem Bandausstieg im im Jahr 1970 Anteil hatte, Platz (wer doch danach sucht, der findet den Song etwa auf dem 1992er Boxset „25 Years – The Chain“ oder der Compilation „The Best of Peter Green’s Fleetwood Mac„).

Klar hört man „Man Of The World“ an, dass das gute Stück schon beinahe ein halbes Jahrhundert auf dem musikalischen Buckel hat. Andererseits klingt es vor allem: wunder, wunderschön.

„Shall I tell you about my life?
They say I’m a man of the world
I’ve flown across every tide
And I’ve seen lots of pretty girls

I guess I’ve got everything I need
I wouldn’t ask for more
And there’s no one I’d rather be
But I just wish that I’d never been born

And I need a good woman
To make me feel like a good man should
I don’t say I’m a good man
Oh, but I would be if I could

I could tell you about my life
And keep you amused I’m sure
About all the times I’ve cried
And how I don’t want to be sad anymore
And how I wish I was in love“

Rock and Roll.

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Abgehört…


U.S. Royalty – Blue Sunshine (2014)

Blue Sunshine (Cover)-erscheint im Selbstvertrieb-

Es gibt sie ja, diese Alben, zu denen einfach kein Stillstand passt. Alben, die diesen – um’s simpel zu halten – erst gar nicht zulassen, sondern laut nach einer endlosen Autofahrt irgendwo ins Nirgendwo, ohne Plan und ohne Ziel schreien. (Gut, insofern man keinen weiteren Hörproviant an Bord hat, beschränkt sich „endlos“ zumindest bis aufs Ende der Platte – insofern man wiederum die „Repeat“-Taste nicht findet oder finden mag….) Und freilich fallen wohl jedem andere und neue Beispiele hierfür ein, aber glaubt mir: Die frühen Springsteen-Sachen wie „Born To Run“ oder „The River“, eine Best Of-Sammlung von Lynyrd Skynyrd, etwas von Modest Mouse (etwa das große „Good News For People Who Love Bad News“), das Red Hot Chili Peppers-Konsenswerk „Californication“ oder die ewige Incubus-Messlatte „Morning View“ für alle Sonnenstunden und Ausflüge am Meer, „Blonde On Blonde“ vom Dylan-Bob, aktuell die tolle Mark Kozelek-meets-Jimmy LaValle-Kolaboration „Perils From The Sea“ – da macht man nichts falsch, viel mehr braucht’s nicht.

Einen artverwandten Roadtrip-Kandidaten stellt nun auch das aus Washington, D.C. stammende Indierock-Quartett U.S. Royalty in die (digitalen) Plattenregale. Der Name sagt euch nichts? Kein Wunder, denn schließlich gelten John Thornley (Gesang), dessen Bruder Paul Thornley (Gitarre), Jacob Michael (Bass) und Luke Adams (Schlagzeug) selbst in den heimatlichen musikalischen Weiten der US of A als bislang unterhalb des Radars der breiten Öffentlichkeit operierende und musizierende Band, die auch 2014 – und damit satte sechs Jahre nach ihrer Bandgründung! – noch ihre Alben ohne Plattenvertrag und damit im Selbstvertrieb veröffentlichen darf/muss (was freilich auch seine Vorteile haben kann). Dabei stimmen im Grunde sowohl die optischen wie akustischen Voraussetzungen, denn die vier Endzwanziger  (?) könnten vom Aussehen sehr glatt als mal bärtige, mal langhaarige Tresenkumpane der Kings Of Leon oder Fleet Foxes durchgehen, denen gerade eben ein Dress-Makeover im Stile der an Dandytum nicht eben armen flamboyanten Siebziger nahegelegt wurde, während musikalisch wahlweise – und nebst den bereits genannten Quellen – The Killers, Britpop-Psychedelia á la The Verve, Melodien der Hausmarke Fleetwood Mac oder – und das zuhauf – der auf Dringlichkeit geeichte Stadionrockismus von U2 durchklingen. Wie geschrieben: im Grunde… Denn sowohl der Veröffentlichungseinstand, die „Midsommar EP“ von 2009, als auch das zwei Jahre darauf erschienene Debütalbum „Mirrors“ fanden quasi unter dem Radar einer breiteren Hörerschar statt (die hielten wohl eher den Originalen und Inspirationsquellen die Stange) und wurden – wenn überhaupt – damals höchstens von der On- und Offline-Journalie als „Achtungserfolge“ gewertet. Natürlich hätte die wohl beste Reaktion von U.S. Royalty sein können – ja: müssen -, der potentiellen Hörerschaft schnellstmöglich einen noch besseren, noch größeren und eigenständigeren Nachfolger zu präsentieren – einen, den man nun wirklich nicht so einfach ignorieren konnte. Doch nach den absolvierten Tourneedaten folgte auf „Mirrors“ zunächst nur eines: Funkstille. Und das ganze drei Jahre lang…

(Pressefoto: Evan Perigo)

(Pressefoto: Evan Perigo)

Und dafür gab es, wie man nun mal hier, mal da (und wortgewaltig in der Biografie auf der Homepage der Band) lesen kann, wohl auch gute Gründe. Die Band selbst merkte, dass man sich bereits mit dem Albumerstling in eine stilistische Sackgasse manövriert hatte, in welcher sich keiner der Herren so richtig zurecht finden mochte. Als dann nach Konzerten, welche U.S. Royalty ebenso auf die Bühnen des prestigeträchtigen SXSW führten wie auf die der schweizerischen Art Basel, auch noch der Vater des Front-Brüderpaars John und Paul Thornley verstarb, zog die Band gemeinschaftlich die Reißleine, nahm sich eine Auszeit und setzte die Banduhr auf Null. Als alle vier wieder bereit waren für neue Songs, schloss man sich für sechs Monate gemeinsam mit dem langjährigen Freund und Tontechniker Justin Long, der bereits am Debüt mitgewirkt hatte, sowie Co-Prodzzent Sonny Kilefoyle in einem Haus in Great Falls, Maryland ein, um wieder kreativ sein zu können. Dass man von diesem Haus aus ausgerechnet auf einen geradezu malerisch anmutenden Friedhof blickte, man manch einer als Zufall, ein anderer als Fügung werten. Und wer nun ganz genau aufs Schwarz-weiß des Covers des neuen, zweiten Albums „Blue Sunshine“ schaut, der findet darauf sogar ein paar der Grabsteine eben dieses Friedhofs wieder…

Thematisch bewegen sich die elf neuen Stücke von „Blue Sunshine„, das das Schummrige, das Nebulöse, Melancholische und Wolkenverhangene bereits als spontane Assoziationen im Titel vor sich her trägt, irgendwo zwischen dem Heimweh – respektive: der Frage, das zur Hölle überhaupt „Heimat“ ist – und dem Fernweh, dem Festhalten an alten Lieben und dem Sich-öffnen für neue, dem Kampf gegen die inneren Dämonen der Vergangenheit und der Sehnsucht nach einem Leben in Zuversicht und Balance – ein nicht eben seltenes popmusikalisches Potpourri an großen Sujets also. Und trotzdem gelingen die Songs im Gros qualitativ geschlossener als noch auf dem 2011 erschienenen „Mirrors“, für welches die Band nach eigener Aussage eine Mischung aus „Spaghetti Western und Kubrick-Film“ im Kopf hatte. Da merkt man schon beim Opener „Into The Thicket“ erstmals auf, wenn die Band zur Akustischen, gar harmonischen, Fleet Foxes-liken Gesangpassagen und Textzeilen wie „Where do you go this time to be alone? / Eyes like mirrors is capturing a willing soul / What is that darkness in you, is it in me too? / Stay with me now, I hold, I hold you“ einsteigt, bevor Tambourine und Schlagzeug erstmals zaghaft das Gaspedal berühren. Das darauf folgende Titelstück legt da schon mit etwas mehr Verve los, während John Thornley streicherverhangen liebeskrank „Blue sunshine / Lightning my way / I tried to love you / But you turn me away“ singt und sich in Emphase und Vokaldehnung übt. In den nächsten Stücken legt die Band dann erst richtig los, bietet mal direkte Catchyness („Lady In Waiting“), mal Midtempo-Eighties-Rock-Referenen („Breathless“), mal britgerocktes Gitarrengegniedel („Slow Magic“), das auch Oasis nicht schlecht gestanden hätte, mal fluffig dahin plätschernde Melodien („Valley Of The Sun“) oder eine fein abgehangene Folk-Rock-Berg-und-Talfahrt wie „Only Happy In The Country“ auf, die im Text sowohl dem Stadt- als auch dem Landleben positive Aspekte abgewinnen kann („I’m only happy in the country / Until I miss the city…“). Die Ballade „Get On Home“ bildet auf „Blue Sunshine“ so etwas wie den emotionalen Trennpunkt, verarbeitet die Band in dieser ja nichts weniger als all die ungewollten Abschiede/Todesfälle der jüngeren Bandgeschichte – aber auch das Ankommen in der (alten) Heimat („He is gone but not forgotten / In the phrases of our minds /…/ So get on home / Say hello to the family / Give my regards to the one named Nancy / Been away so long“). Da darf denn auch in „South Paradiso“ wieder ordentlich in Sixties-Rhythmen und Jingle-Jangle-Melodien gebadet werden, bevor das von Paul Thornleys spanischer Gitarre bestrittene Instrumental „De Profundis“ (deutsch: „Aus der Tiefe“ – benannt nach einem Brief, den der Schriftsteller Oscar Wilde einst an einen inhaftierten Freund schrieb) erneut die Geister auf emotionale Herbsttemperaturen herunter kühlt und der U.S. Royalty’sche Bandbus zur stark aufspielenden Vier-Minuten-Abschlussemphase „Two Worlds“ gen Horizont entschwindet…

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Nun bleibt jedoch auch nach „Blue Sunshine“, dem durchaus gelungenen 44-minütigen zweiten Album von U.S. Royalty, der Eindruck, dass die Band sich nicht zum stadionrockenden Kassenschlager entwickeln dürfte. Dafür zielen die elf Stücke, für die John Thornley und Co. im November 2012 in den Dreamland Recording Studios  letzte Hand anlegten, einfach zu sehr auf das Aufleben großer Rock- und Folkgeister von Fleetwood Mac über David Bowie und The Doors bis hin zu U2 ab (mit U2s Frontmann Bono teilt sich Sänger John Thornley unüberhörbar den zu empathisch-dringlichen Höhen aufschwingenden Gesang). Wenn überhaupt, klingen auch drei Jahre nach dem Debütalbum höchstens Bands und Künstler an, die sich bereits ihrerseits der Verwaltung wertgeschätzter Folk- und Rocktraditionen verschrieben haben (Fleet Foxes, Mumford & Sons, The Killers, Oasis, Kasabian). Wer jedoch auch nur mit einer der genannten Bands glücklich wird, der sollte für und auf „Blue Sunshine“ ein Ohr riskieren, denn einen passenderen Roadtrip-Soundtrack als diese Tour quer durch die emotionalen Landschaften der vielfächrigen Vereinigten Staaten – wer’s anschaulich mag: vom sonnigen Kalifornien einmal quer durch’s weite Ödland des Mittleren Westens über die schroffen Felsklüfte der Appalachen bis hinein in den urbanen Schmelztiegel New York City – kann man wohl lange suchen…

 

Auf der Bandcamp-Seite von U.S. Royalty kann man sich „Blue Sunshine“…

…sowie alle weiteren Veröffentlichungen der Band in Gänze anhören und bei Gefallen käuflich erwerben.

 

Im Musikvideo zum Titelstück von „Blue Sunshine“ hat einem die Band die Roadtrip-Qualitäten ihrer Musik bereits einmal vor Augen geführt…

 

…während man sich hier, beim Cover des Marvin Gaye-Protest-Evergreens „What’s Going On“, von den U.S. Royaltys Reinterpretationskünsten überzeugen darf:

(Und ich kann mir nicht helfen – irgendwie erinnert Frontmann John Thornley – und das wohl hoffentlich bewusst – hier mit Outfit und Stimme besonders an missionarischen Eifer von U2-Bono zu Zeiten von Meilensteinen wie „Joshua Tree“…)

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Various Artists – „Sound City – Real to Reel“ (2013)

Sound City - Real to Reel (Cover)-erschienen bei Roswell Records/Sony Music-

 

Eingangs einmal eine kleine Auflistung:

Neil Young „After The Gold Rush“ (1970)

Elton John „Caribou“ (1974)

Fleetwood Mac „Fleetwood Mac“ (1975)

Nils Lofgren „Nils Lofgren“ (1975)

Grateful Dead „Terrapin Station“ (1977)

Tom Petty „Damn The Torpedoes“ (1979)

Rick Springfield „Working Class Dog“ (1981)

Fear „The Record“ (1982)

Dio „Holy Diver“ (1983)

Nirvana „Nevermind“ (1991)

Rage Against The Machine „Rage Against The Machine“ (1992)

Masters Of Reality „Sunrise On The Sufferbus“ (1992)

Tool „Undertow“ (1993)

Rancid „Rancid“ (1993)

Red Hot Chili Peppers „One Hot Minute“ (1995)

Kyuss „…And The Circus Leaves Town“ (1995)

Weezer „Pinkerton“ (1996) Sound City (Poster)

Johnny Cash „Unchained“ (1996)

Queens Of The Stone Age „Queens Of The Stone Age“ (1998)

Jimmy Eat World „Clarity“ (1999)

A Perfect Circle „Mer de Noms“ (2000)

Slipknot „Iowa“ (2001)

Bad Religion „The Empire Strikes First“ (2004)

Madrugada „The Deep End“ (2005)

Wolfmother „Wolfmother“ (2005)

Nine Inch Nails „With Teeth“ (2008)

Metallica „Death Magnetic“ (2008)

Death Cab For Cutie „Codes And Keyes“ (2010)

Arctic Monkeys „Suck It And See“ (2011)

 

Was sich vielleicht liest wie die Vita des potentiell herausragendsten (und – wenn man sich die Jahreszahlen einmal anschaut –  auch ältesten) Rockmusikproduzenten ever, ist am Ende nichts anderes als ein kleiner Abriss des Who is Who eben jener Bands, die in all den Jahren in einem nach Außen hin höchst unscheinbaren Studio im Industriebezirk Van Nuys (San Fernando Valley) in Los Angeles – teilweise oder gar in Gänze – nicht selten ihre besten Platten eingespielt haben. Am Ende? Traurigerweise: ja. Denn die Sound City Studios, eben jene heiligen Hallen, die einst Bands und Künstlern wie Fleetwood Mac, Neil Young oder Tom Petty durch quasi nicht kopierbare Klang- und Aufnahmevorraussetzungen entscheidend bei der Definition ihrer Musik halfen, schlossen 2011 – nach immerhin 42 Jahren! – für immer die Studiotüren. In der nicht eben kurzen Zeit des Bestehens war das Studio weltweit berühmt für seine analoge Aufnahmetechnik, und trotzte mit der Kraft aus Schnitt und pechschwarzem Magnetband den technoid-flach protzenden Achtzigern ebenso wie dem Aufkommen von Pro Tools in den Neunzigern. Sollten sich doch alle an Riesenmaschinen und kleinster Heimtechnik einen digitalen Wolf produzieren – wer sich in die Sound City Studios begab, der entschied sich bewusst für das Echte, das Wahre, das gewisse Etwas, die feine Prise Rock’n’Roll! Punkt.

Grohl bei den Aufnahmen...

Und man muss es wohl als einen Trommelstock des Schicksals bezeichnen, dass im Mai 1991 ein noch junger Mann namens David Eric „Dave“ Grohl zusammen mit seinen beiden ebenso jugendlich-unverdorbenen Bandkumpanen Kurt Cobain und Krist Novoselic die Eingangstür des Sound City weit aufstiess, um unter dem Bandnamen Nirvana ein Album namens „Nevermind“ in die Studiomikrofone und Bandmaschinen zu – pardon – rotzen, welches mit Stücken wie „Come As You Are“, „Lithium“, „In Bloom“ oder – allen voran – „Smells Like Teen Spirit“ in die Musikgeschichte eingehen sollte und – zu nicht eben geringem Entsetzen der eigentlichen musikalischen Protagonisten – Slackerposen, Holzfällerhemden und zerrissene Jeans unter dem Begriff „Grunge“ von Seattle aus in die findigen Designerhirne, auf die En Vogue-Laufstege und in alle Welt transportierte. Klar: Cobains Tod wenige Jahre darauf, die Implosion der Szene – alles Kulturgeschichte, also lassen wir das.

Doch eben jener Dave Grohl, der bereits in Kindertagen dem fiesen LedZep-Virus – und somit wohl dem Nukleus des Rock – verfiel, startete erst nach dem tragischen Ende von Nirvana so richtig durch, eroberte als Frontmann der Foo Fighters die größten Hallen und Stadien der ganzen Welt, gab bei zahlreichen Gruppen wie Künstlern den höllisch begnadeten Sessions-Schlagzeuger (Queens Of The Stone Age! David Bowie! Slash! Iggy Pop! …) und rockte gar mit den einstigen Idolen auf gegenseitig wertschätzender Augenhöhe (etwa gemeinsam mit LedZep-Bassist John Paul Jones bei Them Crooked Vultures, oder bei seinem Metal-All Star-Projekt Probot). Und als Tausendsassa Grohl hörte, dass in den Sound City Studios aus finanziellen Gründen für immer die Reglerleuchten erloschen waren, sicherte er sich das Herzstück des Interieurs, an dem so viel Rockhistorie klebte: die Aufnahmekonsole Neve 8028, welche einst vom innovativen Klangkünstler Rupert Neve höchstselbst für das Sound City angefertigt wurde. Und: klar – Grohl lies dieses Prunkstück nicht zum Verstauben in die „Rock’n’Roll Hall Of Fame“ wandern, sondern baute sie in sein privates Aufnahmestudio ein! Und: klar – Grohl krallte sich den gerade im Übermass vorhandenen eigenen Enthusiasmus, ein Kamerateam, sein Adressbuch und setzte sich für eine abendfüllende Dokumentation über das Sound City zum ersten Mal auf (s)einen Regiestuhl. Vom Ergebnis kann sich jeder seit Kurzem selbst überzeugen, denn die überaus gelungene Doku „Sound City“ feierte im Februar 2013 (vorerst digital, in wenigen Tagen auch auf Blu-ray und/oder DVD) ihre Premiere. Ist gut? Ist klasse! – und auch für „Nicht-Nerds“ mehr als sehenswert… Während der 108 Minuten lässt Grohl die Historie des US-amerikanischen Aufnahmestudios Revue passieren, lässt namenhafte Musiker-Zeitzeugen wie Neil Young, Stevie Nicks, Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood (Fleetwood Mac), Rick Springfield, Tom Petty, Josh Homme (Queens Of The Stone Age), Lars Ulrich (Metallica), Trent Reznor (Nine Inch Nails), den Konsolen-Erfinder Rupert Neve, Produzenten wie Rick Rubin oder ehemalige Studiobetreiber zu Wort kommen und tritt auch selbst in Erscheinung – sei es nun als bewegter Gesprächspartner, beim reichlich sentimentalen Nachspielen der „Nevermind“-Drumparts in den formidabel ausgerichteten heiligen Studiohallen, oder beim gemeinsamen Rock-Jam mit den spontan zusammengewürfelten „Sound City Allstars“…

Sound City...

Denn nichts wäre für einen 200-Prozent-Herzblut-Menschen wie Grohl schlimmer, als mit einem Regiedebüt inklusive mauem dazugehörigen Soundtrack in die Film- und Musikgeschichte einzugehen. Und so lässt er erneut sein Adressbuch Eselsohren schlagen und trägt für die – ebenfalls eingehend filmisch dokumentierte – Entstehung der begleitenden Beschallung der bewegten (respektive, nicht selten: bewegenden) Bilder ein Who is Who an Musikgrößen zusammen, das jeden Connaisseur anspruchsvoller Rockmusik mit der Zunge schnalzen lassen dürfte: Fleetwood Mac-Rocksirene Stevie Nicks, Fear-Frontgröhler Lee Ving, der beinahe in Vergessenheit geratene Rick Springfield, die beiden Black Rebel Motorcycle Club-Herren Robert Levon Been und Peter Hayes, Slipknot-Shouter Corey Taylor (hier eher als Stone Sour-Rocker), die Wüstensöhne Josh Homme, Chris Goss und Scott Reeder, die Rage Against The Machine-Rhythmusfraktion Tim Commerford und Brad Wilk, Nine Inch Nails-Frontmann Trent Reznor, der alte Nirvana-Basshühne Krist Novoselic, die Foo Freunde Taylor Hawkins, Nate Mendel und Pat Smear  – ja, sogar Beatle Paul McCartney schaut vorbei! Das Endergebnis all dieser Sessions bilden auf „Sound City – Real to Reel“ am Ende elf Song, die fast durchgängig grandios rocken – mal leicht psychedelisch (der Opener „Heaven And Hell“), mal treibend („Time Slowing Down“), mal barsch („Your Wife Is Calling“), mal Soner-like („Centipede“). Neun Stücke und mehr als 40 Minuten wird hier fast ausnahmslos fulminant Vollgas in allen Saiten gegeben, bevor die Ballade „If I Were Me“ und „Mantra“, der grandiose Acht-Minuten-Trio-Jam von Grohl, Homme und Reznor, das Ding als sicheren Heimsieg nach Hause fahren. Grohl tritt hier zwar nur einmal als Sänger selbst in Erscheinung (auf „If I Were Me“), man merkt jedoch während der ganzen Zeit, dass er seine Finger im Spiel hat – sei es nun als Gitarrist, Schlagzeuger, oder mit den Fingern über den Reglern des wertvollen Neve-Mischpults. Noch wichtiger scheint jedoch, dass er allen Beteiligten exakt die Bedingungen angedeihen lässt, um das kreative Optimum aus sich heraus zu holen, denn sonst würde Stevie Nicks in „You Can’t Fix This“ kaum so voller Herz vom Spiel mit dem Teufel und Freundschaften singen, sonst würde Rick Springfield kaum einen so zeitlos guten Song wie „The Man That Never Was“ abliefern, oder Sir Paul McCartney, den man nach seinen letzten Alben ja klanglich beinahe zum Tanztee geschoben hätte, einen so genial fiesen Rocker wie „Cut Me Some Slack“ (der Song feierte übrigens beim Hurricane Sandy-Benefizkonzert vor einigen Monaten eine umjubelte Livepremiere). Diese Songs atmen Grohls Leidenschaft, seinen Enthusiasmus, seine Energie und sein Herzblut. „Sound City – Real o Reel“ mag vielleicht – hinsichtlich seiner hervorragend analogen Aufnahmetechnik – ein wenig nostalgisch in Richtung „guter alter Zeiten“ schielen. Am Ende stehen jedoch nahezu 60 Minuten ROCKmusik zu Buche, an der sich wohl oder übel alles, was in diesem Jahr noch das „Pick of Destiny des Jahres 2013“ für sich beanspruchen mag, messen lassen muss. Selbst das angekündigte neue Album der Queens Of The Stone Age – aber auch dieses potentielle All Star-Ding trommelt ja Tausendsassa Grohl höchstselbst mit ein… Der Mann ist und bleibt ein sympathisch umher wandelndes Phänomen.

Grohl bei den Aufnahmen... #2

Hier kann „Sound City – Real to Reel“ in Gänze probegehört werden…

 

Hier können der Trailer zur Dokumentation…

 

…sowie ein kurzes Feature zum Film (im Rahmen des Sundance-Filmfestivals)…

 

…und die Live-Premiere des Songs „Cut Me Some Slack“ (im Rahmen des Hurricane Sandy-Benefizkonzerts) begutachtet werden:

 

Sound City

 

Rock and Roll.

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Eine Empfehlung des Hauses…


Anlässlich der Veröffentlichung von Rosie Thomas‚ sechstem Soloalbum „With Love“ (erscheint – wie passend – am 14. Februar) habe ich mir heute noch einmal von ihrem 2006 veröffentlichten und wohl bisher besten Album „These Friends Of Mine“ die Ohrmuscheln umspielen lassen… *hach*

Schöne, stimmungsvoll-intime Musik mit reduzierter Instrumentierung (meist Akustikgitarre und/oder Piano, gelegentlich unterstützt von einem Cello) wird hier geboten – jedoch nicht im Sinne von „Fahrstuhlmusik“, und mit angenehm geringem Kitsch-Faktor. Die zehn Songs der aus Michigan stammenden und nun in New York beheimateten Musikerin enthalten drei Coverversionen (das wunderschöne „The One I Love“ kennt man von R.E.M., „Songbird“ von Fleetwood Mac und „Paper Doll“ von Denison Witmer) und zwei Duette mit Sufjan Stevens, welcher das Album auch co-produzierte. Beim Song „All The Way To New York City“ muss ich immer an eine tolle Woche im ‚Big Apple‘ denken… Ihr merkt: das ist Musik für die ruhigen Stunden. Aber die muss es ja schließlich auch geben.

Das Beste für euch: auf NoiseTrade, einer Seite, die hier ja kürzlich schon erwähnt und empfohlen wurde, kann man sich das Album derzeitig – und wer weiß für wie lange, also schnell sein! – kostenlos herunterladen. Wer also Lust auf tollen Kammer-Folk, auf „zehn kleine, feine Herzensangelegenheiten“ (Zitat von CountryMusicNews.de) hat, der sollte sich „These Friends Of Mine“ nicht entgehen lassen… Und bei Gefallen ihrem neuen Album „With Love“ – oder den Vorgängern – eine Chance geben.

 

Rock and Roll.

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