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Auf dem Radar: Drei Sekunden Island


„Ich muss hier raus / Ich muss hier raus / Das geht so nicht weiter / Das halt‘ ich nicht aus / Ich kann so nicht leben / Es muss sich was tun / Wir sollten was ändern / Und aufhör’n zu ruh’n / Denkst du genauso? / Dann sag‘ es mir jetzt / Der Morgen wird anders / Das entscheiden wir jetzt…“

Ganz ehrlich: das hört sich im ersten Moment schon arg nach hippie’eskem Erbauungsklampfentum an. Ist es vielleicht auch, zumindest ein wenig. Und doch lohnt sich die Geschichte hinter Drei Sekunden Island

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Hinter dem Projekt, welches nach der oft mystisch verklärten Insel im Nordatlantik benannt ist, steckt der in Berlin lebende Sänger und Songschreiber Thomas Kaczerowski, der seine Solokünstlerlaufbahn unter dem Namen „Thoka“ startete. Was Kaczerowski nicht wusste: Es gab zu diesem Zeitpunkt bereits einen DJ, welcher sich ebenfalls „Thoka“ nannte und den Namen schon länger benutzte. Dieser wiederum bekam – das Internet macht’s ja im Nu möglich – Wind davon, dass Kaczerowski „seinen“ (Künstler)Namen ebenfalls verwendete und erwirkte in einem langen Rechtsstreit, Kaczerowski die Nutzung des Namens „Thoka“ zu untersagen – ein herber Rückschlag für den damals gerade aufstrebenden Sänger und Songschreiber, denn Kaczerowski hatte 2013 gerade sein erstes Album „Tagträumer“ veröffentlicht und musste daraufhin seine gesamte Onlinepräsenz vom Netz nehmen. Parallel wurde er im selben Jahr mit dem „Deutschen Musik Fach Award“ – da noch unter dem Namen „Thoka“ – als bester Newcomer ausgezeichnet. Und hier kommt der neue Name ins Spiel, denn Thomas Kaczerowski befand sich auf seiner Inspirationsinsel Island als das Anwaltsschreiben mit der Unterlassung eintraf – so gab er sich den neuen Namen „Drei Sekunden Island“ – „Drei Sekunden“ als Erinnerung an die Herzentscheidungen, die seiner Meinung nach in den ersten drei Sekunden passieren, „Island“ als Erinnerung an die kraftvolle und für ihn künstlerisch prägende Insel.

Wer beim Hören der Stücke eventuell an eine deutsche Version von Singer/Songwritern wie Fin „Fink“ Greenall denken muss, liegt übrigens gar nicht mal so falsch, denn ähnlich wie der Brite kommt Thomas Kaczerowski aus dem elektronischen Bereich, reiste als DJ kreuz und quer durch Europa und spielte auf diversen Events und in etlichen Clubs, wie der Snowzone in Frankreich, der Love Parade, dem Ushuaia auf Ibiza, der Art of House in Köln, dem Treibhouse in Neuss oder der China Lounge in Hamburg. Eigentlich hätte er, der ja damals mehr als ein Bein im nicht eben schlecht bezahlten DJ-Business hatte, es gut sein lassen können. Doch, ähnlich wie Fink, merkte Kaczerowski nach einer Weile, dass ihn das Auflegen und Produzieren in elektronischen Gefilden nicht erfüllt, fand so den Weg zum Schreiben auf der Akustischen und entschied er sich für den Weg des liedermachenden Solokünstlers – ein steiniger Perspektivwechsel, der wohl nötig war.

655d9dc12820227132e9f57f4a9be4f0dde7c97dAn den vier Stücken der Ende April erschienenen „Wildnis EP“ hat der Neu-Liedermacher drei Jahre gearbeitet. Eine lange Zeit? Nun, wenn man bedenkt, dass Thomas Kaczerowski im Frühjahr 2015 den Mietvertrag für seine Kölner Wohnung aufkündigte, um die folgenden zwölf Monate in einem alten VW-Bus – wenn schon Hippie-Style, dann aber auch richtig! – zwischen Island, seiner Heimat im Rheinland und Marokko zu reisen und ihm die Songs quasi „on the road“ zufielen, relativiert sich das Ganze wohl merklich…

Vor ein paar Jahren noch war eine auf Bums geeichte, nicht selten dem Hedonismus frönende Wochenendpartymeute seine Zielgruppe, Kaczerowskis Leben hektisch und vom Pendeln zwischen Köln und Club geprägt. Heute spielt er – in deutlich zurückgelehnterer Atmosphäre – Konzerte für Menschen in allen Altersgruppen und teilt die Erfahrungen seiner Reisen und des damit verbundenen bewegten Lebens durch seine Lieder, bei denen „authentisch“ und „handgemacht“ nicht eben Schimpfwörter darstellen – hippie’eske Erbauungslyrik kann manchmal, wenn die Botschaften stimmen, schon recht schön sein…

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Hier ein paar aus Musikvideos und Live Sessions bestehende Impressionen zu Drei Sekunden Island

 

Rock and Roll.

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„Hard Believer Sessions EP“ – Fink sagen ‚Dankeschön‘ für ein erfolgreiches Jahr 2014


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In wenigen Tagen geht auch für Fink ein recht erfolgreiches Jahr 2014 zu Ende. Die dreiköpfige englische Band um den ehemaligen Elektro-DJ Fin Greenall, der vor einigen Jahren seine Liebe zur Akustikgitarre entdeckte und von da an Turntables und Mischpulte zur Seite stellte, veröffentlichte im Juli ihr fünftes Studioalbum „Hard Believer“ und ging danach auf Tournee, um neue wie alte Songs (das erste echte Fink-Album „Biscuits for Breakfast“ erschien vor acht Jahren) live vorzustellen.

Als kleines Dankeschön an alle Freunde und Fans verschenken Fink auf ihrer Homepage nun die vier Songs starke „Hard Believer Sessions EP“, welche – laut der Band – „some of the best sessions Fink played in support of their album Hard Believer in 2014“ mit Beiträgen von KCRW (Los Angeles), Le Mouv (Paris), 2Metre (Amsterdam) und Flux FM (Berlin) enthält.

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Hier kann man sich die Musikvideos zu „Looking Too Closely“ und „Shakespeare“ – beide stammen vom aktuellen Album „Hard Believer“ – anschauen:

(oder alternativ hier und hier via Vimeo…)

 

Rock and Roll.

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Mein Senf: Nils Koppruch ist tot.


46 Jahre. Zu früh gegangen ist er…

 

Diese Zeilen musste ich vor wenigen Stunden über Facebook lesen:

„Am 10. Oktober ist der Hamburger Musiker und Künstler Nils Koppruch (geb. 27.10.1965) friedlich eingeschlafen, wir sind unfassbar traurig. 
Unsere Anteilname gilt seiner Frau Katrin Busch, seinem Sohn Emil, seinen Eltern Heidi und Peter Koppruch, seinen Angehörigen und Freunden.

‚Und erzähl mir die Stille, mach das ich weiß, Du bist immer noch da, auch wenn Du schweigst.‘
(Nils Koppruch – „In die Stille“)“

 

Gestern hat die deutsche Musikszene in dem Hamburger Künstler und Musiker Nils Koppruch einen ihrer wohl sympathischsten und talentiertesten Köpfe verloren.

Noch im September war sein zusammen mit Gisbert zu Knyphausen unter dem Bandverbund Kid Kopphausen veröffentlichtes Debüt „I“ hier das „Album der Woche„. Vorher stand er der Band Fink, welche deutsche Songwriting-Kunst gekonnt mit Elementen aus Country und Americana verbanden und sich 2006 nach zehn gemeinsamen Jahren und etlichen Besetzungswechseln auflöste, vor, veröffentlichte zwei durchaus gelungene Soloalben (das letzte, „Caruso„, erschien 2010) und war unter dem Pseudonym SAM. bildnerisch tätig. Trotz vielerlei Kritikerlob gelang ihm in der Vergangenheit jedoch nie der große Durchbruch, erst seine kürzliche Zusammenarbeit mit dem zurecht erfolgreich musizierende Knyphausen schien sich für den melancholischen Hanseaten zum späten Erfolgserlebnis zu entwickeln, für die kommenden Monate waren etliche Konzerttermine geplant.

Ein Großer hat an einem grauen Herbstmorgen unerwartet seine Nische verlassen. Was bleibt, ist (s)eine Lücke. Und Lieder wie dieses:

 

Folgende Nachrufe, welche wohl aus berufeneren Federn (respektive Tastaturen) als der meinen stammen, lassen erahnen, welche traurigen Kreise Koppruchs Tod durch die herbstlichen Straßen der deutschen Musiklandschaft zieht:

Zeit Online

Spiegel Online

Rolling Stone

Musikexpress

Am Besten bringt jedoch Tino Hanekamp auf Intro seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck…

 

„Jeder Tag ruft deinen Namen  / Ich wünsch‘ Glück an allen Tagen / Nichts ist besser als eine Liebe auf der Welt. / Kirschen gibt’s an Sommertagen nur solang‘ die Bäume tragen / Und lebend gehen wir nicht mehr aus der Welt.“

Die Kirschbäume blühen längst nicht mehr. Mach’s gut, Nils. Viel Glück auf deiner Reise. Uns bleiben deine Lieder. Danke.

 

 

Rock and Roll.

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Eine Empfehlung des Hauses: das erste Fink-Livealbum „Wheels Turn Beneath My Feet“ (+ Tourankündigung)


Ein einsamer Mann und seine Akustikgitarre – bereits tausendfach in Fußgängerzonen, auf Konzertbühnen und aus Lautsprechern gehört. Bei Fin Greenall aka. Fink hat es dennoch etwas für sich. Der aus dem englischen Bristol stammende Songwriter (unter anderem auch für und mit John Legend und Amy Winehouse), Gitarrist, Produzent und DJ bringt dieser Tage – nach fünf Studioalben (das letzte, „Perfect Darkness„, erschien 2011) – nun in Form von „Wheels Turn Beneath My Feet“ das erste Dokument seiner Live-Begabung auf den Markt.

Die Platte enthält dreizehn während seiner letzten Tour – welche ihn und seine Band auf über 20.000 Meilen in 14 Länder führte – in europäischen Städten wie London, Amsterdam, Kopenhagen, Paris, Wien, Prag und Lyon aufgenommene Songs (unter anderem auch den Mini-Hit „This Is The Thing“) und beweist auf wunderbare Weise, dass Finks Stimme auch ohne jegliche Studiospielereien nichts an Intensität einbüsst und es, abgesehen von dezenter Begleitung und einigen energetischeren Augenblicken dann und wann, eben oft nichts anderes braucht um große Momente zu erzeugen als: einen einsamen Mann und seine Akustikgitarre.

Hier die Tracklist von „Wheels Turn Beneath My Feet“:

1.  Biscuits (live from Amager Bio, Copenhagen)
2.  Perfect Darkness (live from Union Chapel, London)
3.  Fear Is Like Fire (live from Koko, London)
4.  Yesterday Was Hard On All Of Us (live from Paradiso, Amsterdam)
5.  Blueberry Pancakes (live from WUK, Vienna)
6.  Trouble’s What You’re In (live from Union Chapel, London)
7.  Berlin Sunrise (live from La Cigale, Paris)
8.  Warm Shadow (live from Epicerie Moderne, Lyon)
9.  Honesty (live from La Cigale, Paris)
10. Wheels (live from Paradiso, Amsterdam)
11. This Is The Thing (live from Paradiso, Amsterdam)
12. Sort Of Revolution (live from La Cigale, Paris)
13. Pretty Little Thing (live from Meetfactory, Prague)

 

Hier das live in London aufgenommene „Fear Is Like Fire“…

 

…das offizielle Video zu „This Is The Thing“…

 

…das offizielle Video zu „Sort Of Revolution“…

 

…sowie noch einige weitere Höreindrücke:

 

Wer den Mann und seiner Band gern selbst einmal live erleben möchte, der hat im November an folgenden Tagen und Orten Gelegenheit dazu:

Samstag, Nov 10 // Komplex 457, Zürich
Sonntag, Nov 11 // Muffathale, München
Dienstag, Nov 13 // Arena, Wien
Mittwoch, Nov 14 // Theaterfabrik, Leipzig
Donnerstag, Nov 15 // Klubu Stodoła, Warschau
Samstag, Nov 17 // Astra, Berlin
Sonntag, Nov 18 // Übel & Gefährlich, Hamburg

(den kompletten Tourneeplan gibt’s hier)

 

Rock and Roll.

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Das Album der Woche


Kid Kopphausen – I (2012)

-erschienen bei Trocadero/Indigo-

Wenn man sich „I„, das Debüt der zwei derzeitig wohl besten deutschen Liedermacher Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch unter dem Bandverbund Kid Kopphausen, anhört, so erscheint das Doppel so logisch, so stimmig, dass man meint, dass beide bereits jahrelang zusammen schreiben und musizieren würden. Und doch war dieser Zusammenschluss alles andere als leicht, hatten doch sowohl Knyphausen (sein von allen Seiten gefeiertes Zweitwerk „Hurra! Hurra! So nicht.“ erschien 2010) als auch Koppruch (das bisher letzte Solowerk des Ex-Fink-Sängers, „Caruso„, wurde im selben Jahr veröffentlicht) mit Albumveröffentlichungen und Tourneen in den letzten Jahren ausreichend Beschäftigung. Doch beide kennen und schätzen sich schon seit Langem, haben mit „Knochen und Fleisch“ vor zwei Jahren bereits einen gemeinsamen Charity-Song für ein Obdachlosenmagazin veröffentlicht.

Und so traf man sich im letzten Jahr nach erfolgreich beschrittenen Solo-Pfaden (beziehungsweise mit den jeweils eigenen Begleitbands) in einem abgelegenen ehemaligen Schulhaus in Norddeutschland, unweit der dänischen Grenze, um den lang gehegten Plan vom gemeinsamen Projekt in die Tat umzusetzen und Songs zu schreiben. Dass die zwölf auf „I“ enthaltenen Titel am Ende kaum mehr sind als die Summe ihrer einzelnen kreativen Teile und sich sowohl Knyphausen als auch Koppruch kaum über Gebühr von ihrem eigentlichen Betätigungsfeldern weg bewegen, stört wegen der grandiosen individuellen Qualität kaum.

Das von Rock der durch Bands wie Blumfeld oder Tocotronic geprägten Marke ‚Hamburger Schule‘ getragene Eröffnungsstück „Hier bin ich“, welches wie eine Privatausgabe von „Mein Name ist Mensch“ (Ton Steine Scherben) daherkommt, tragen beide noch im Duett vor und geben dem Hörer eine erste Standortbestimmung sowie ein Rätsel mit auf den Weg: „Ich habe Geld wie Heu / Ich trag‘ einen Hut aus Stroh / Immer da, wo ich bin, da brennt es lichterloh / Ich lege Wert auf gutes Benehmen / Ich trag‘ ein Messer zwischen meinen schiefen Zähnen / Ich bin overdressed / Ich bin dehydriert / Ich bin gut vernetzt, weiß wie man buchstabiert / Ich bin gut gelaunt und mächtig / Ich bin naiv und niederträchtig / Wer bin ich?“ – es deutet sich an, dass die beiden in feinen Zwirn gekleideten Herren im vorliegenden Dutzend Lieder dem Hörer einige windschiefe Räuberpistolen vom Leben vortragen werden… Die darauf folgenden Songs werden jeweils im Wechsel gesungen, und obwohl zu keinem der Lieder offiziell überliefert ist, wer von beiden der Initiator war, kann, wer will, anhand von Stimmung, Stimme und Textfärbung doch deutliche Rückschlüsse ziehen. Das von Koppruch vorgetragene „Schritt für Schritt“ ist ein Lied über den Neuanfang, „Das Leichteste der Welt“ erzählt vom Willen, leben zu wollen, von „Blumen und Pralinen vom Arsch der Hölle“, enthält Knyphausen-typische Zeilen wie „jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt“ und schließt energisch zum englischen Zweizeiler „Never mind the darkness, baby / You will be saved by Rock’n’Roll!“. „Im Westen nichts Neues“ gewinnt  fatalistische Erkenntnisse zwischen Krieg, Tristesse und Alltag, in „Schon so lang“ nimmt Knyphausen vom Quasi-A-Capella-Intro kurz vor Ende die recht unerwartete Abfahrt Richtung Punkrock (mit Banjo!) und in „Meine Schwester“ singt Koppruch über den (fiktiven?) direkten Draht der eigenen Schwester zu höheren Mächten. Wer in Knyphausens bisherigem Schaffen die zwischen Fern- und Heimweh pendelnden Lieder besonders schätzte, der wird mit „Wenn ich dich gefunden hab“ bestens bedient, genauso wie jene, die Koppruch für seine überlegt vorwärts preschende Knochigkeit schätzen: „Zieh dein Hemd aus Moses“ ist ein modernes Shanty mit nautischen und religiösen Bezügen. Die darauf folgende Songtriologie bildet wohl das emotionale Herz von „I“: „Haus voller Lerchen“ ist Gisbert zu Knyphausens düsterer Mitternachtsblues zu gespenstischen Background-Chören, „Wenn der Wind übers Dach geht“ erinnert an die deutsche Band Voltaire und stellt, begleitet von Hammond-Orgel und Gitarrensolo, Nils Koppruchs Variation vom Vorgängersong des musikalischen Partners dar. Das das gefühlte Dreiergespann abschliessende „Mörderballade“ ist eine grandiose, manisch-wütend ausufernde Moritat à la Knyphausen mit Zeilen wie „Wär‘ ich romantisch, ich hätte sie gefragt / Ob sie bei mir bleiben möchte bis zum allerletzten Tag“ oder „Würde ich glauben, ich hätte den Himmel um einen Rat gefragt / Doch ich bin ein Mörder / Und ich tat, was ich tat“ – kein Wunder, dass diesen Musiker, trotz (oder gerade wegen?) seiner furztrocken-poetischen, ehrlichen Art, in den letzten Jahren so viele Hörer und Musikjournalisten ins Herz geschlossen und ganz oben auf ihre „Personen, mit denen man mal ein Bier trinken möchte“-Listen gesetzt haben (obwohl bei Knyphausen Wein angemessener wäre, besitzt seine Familie doch ein eigenes Weingut in Rheingau). „Jeden Montag“ bildet darauf, mit hoffnungsvollem Text und beschwingter Melodie, den größtmöglich krassen Gegensatz zum gedacht kriminellen, blutrünstigen Vorgänger und „Nur ein Satz“ fährt, mit Poetry Slam-artigem Sprechgesang beginnend und teilweise gedoppelter und verfremdeter, rastloser Stimme sowie einem Ende im wilden instrumentalen Zusammenspiel, die Platte nach knapp 50 Minuten nach Hause.

Wie bereits erwähnt ist das Debüt von Kid Kopphausen dem bisherigen Schaffen von Koppruch und Knyphausen keineswegs fremd: die von Swen Meyer produzierte Platte ist ganz und gar organisch – Gitarren (gespielt von Marcus Schneider) knarzen und brechen auch schon mal zum Solo aus (wie in „Das Leichteste der Welt“ oder „Wenn der Wind übers Dach geht“), Kontrabass, Bass (gezupft von Felix Weigt) und Schlagzeug (betrieben von Alexander Jezdinsky) bummern im Takt, dazu geben die beiden Sänger Zeilen zum Besten, welche sich mit ihren bisher gelungensten messen können. Wer sich in der Vergangenheit für Fink, Nils Koppruch oder Gisbert zu Knyphausen begeistern konnte, der wird auch an diesem einladend schroffen Album zweier großer Poeten seine Freude haben. Man darf jedenfalls herzlich froh sein, dass beide Musiker endlich zu Kid Kopphausen zusammengefunden haben. Und hoffen, dass sie in Zukunft regelmäßig ausreichend Luft in den jeweiligen prall gefüllten Terminkalender schaufeln können, um das entstandene Bandprojekt mit neuen Songs und gemeinsamen Tourneen zu füttern.

 

Hier könnt ihr euch „Das Leichteste der Welt“, einen meiner Albumfavoriten, anhören…

 

…und euch das Video zum Albumopener „Hier bin ich“ ansehen:

 

Rock and Roll.

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