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Song des Tages: Beatsteaks vs. Dirk von Lowtzow – „French Disko“


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Wenn sich die Berliner Beatbuletten und Dirk von Lowtzow, hauptberuflich und bekanntlich Frontmann von der Hamburger Band Tocotronic, zusammentun, dann wohl nur aus gutem Grund. Nun, derer gibt es wohl gleich mehrere.

No. 1: Sowohl die seit jeher nie um Eingängigkeit und Festivaltauglichkeit verlegene Punkrock-Institution aus der Hauptstadt als auch von Lowtzow, dessen Band in den Neunzigern mal als heißestes Eisen der „Hamburger Schule“ (übrigens ein Musikrichtungslabel, das ebenso viel- wie nichtssagend ist wie etwa „Grunge“) verschrieen war, in den letzten Jahren und von Album zu Album (zuletzt erschien 2015 das selbstbetitelte „Rote Album“) jedoch qualitativ mehr und mehr abgebaut hat und heutzutage mehr Feuilleton- denn Publikumsliebling ist, sind Fans des 2010 erschienenen Romans „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Nie gehört? Nun, in dem Bestseller, welcher sich bislang mehr als zwei Millionen Mal verkaufte, schildert der 2013 verstorbene Autor die Erlebnisse zweier 14-Jähriger aus Berlin, die mit einem gestohlenen Lada durch die ostdeutsche Provinz fahren. Die Handlung spielt in den Sommerferien und wird aus der Perspektive von Maik Klingenberg, einem der beiden Protagonisten, erzählt.

No. 2: Fatih Akin. 43-jähriger  Filmregisseur, Drehbuchautor, Darsteller und Produzent in Personalunion und spätestens seit den Nuller-Jahren und Filme wie „Gegen die Wand“, „Solino“, „Chiko“, „Soul Kitchen“ oder „Blutzbrüdaz“ einer der besten und angesagtesten Filmemacher, die das deutsche Kino zu bieten hat. Genau dieser Fatih Akin, gebürtiger Hamburger türkischer Abstammung, hat sich nun eben – da er selbst ebenfalls zu den Bewunderern des verstorbenen Autors, welcher wie er aus Hamburg stammte, zählt – „Tschick“ vorgenommen und den Herrndorf-Jugendroman für die große Leinwand umgesetzt. Und da beim bekennenden Musikfan Akin seit jeher die Soundtracks seiner Filme einen gewichtigen Teil zum Gesamtkunstwerk beitragen, hat sich dieser – neben Songs von K.I.Z., den Beginnern, Courtney Barnett, Richard Clayderman, Bilderbuch, Seeed oder Royal Blood (allein diese Mischung verrät schon Vieles) – auch die Beatsteaks und Dirk von Lowtzow ins Boot geholt. Eigenartige Mischung? In der Tat. Aber wer kann einer arschcoolen hanseatischen Socke wie Akin schon eine Bitte abschlagen? Eben.

tschick-ost-misc_gallery_big_retinaNo. 3: „French Disko“. Die Idee, ein Coverversion des 1993 erschienenen Stücks der britischen Indie-Band Stereolab aufzunehmen, kam aus Berlin (also von den Beatsteaks). Mag sein, dass sich Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß und Co. bei ihrer Wahl ein klein wenig von den Editors inspirieren ließen, die den Song bereits vor zehn Jahren fulminant (seinerzeit als B-Seite) gecovert haben. Dass man sich ausgerechnet mit dem nicht unbedingt naheliegenden von Lowtzow zusammentat, der daraufhin den Text – freilich – auf Deutsch umschrieb, ist jedoch mehr als mutig. Besser noch: das Experiment geht vollends auf. Der erste neue Beatsteaks-Song seit zwei Jahren klingt im besten Sinne durchgerockt und treibend, und so gut und zupackend hat man Dirk von Lowtzow, der mit den Tocos – seien wir ehrlich – immer mehr ins Egale abdriftet, schon lang nicht mehr gehört. Da wünscht man sich sich doch, dass es nicht bei der einmaligen Soundtrack-Zusammenarbeit bleiben wird (zumal ich mir speziell von den Beatsteaks mehr in deutscher Sprache gesungene Songs erhoffen würde).

No. 4: Auch das Musikvideo zur Neuinterpretation des Stereolab-Klassikers, in welchem Teutoburg-Weiß und von Lowtzow zwei suffköpfige Automechaniker spielen, die von einem der beiden jungen Film-Hauptdarsteller erst betrunken, dann um ein halb schrottreifes Auto ärmer gemacht werden, ist absolut sehenswert und macht schonmal Lust auf Akins neusten Kinofilm.

 

 

Hier gibt’s den Trailer zur Fatih-Akin-Verfilmung von „Schick“, welche ab dem 15. September – bestenfalls – im Kino Ihres Vertrauens zu sehen sein wird:

 

Rock and Roll.

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Philosophieren mit „Gremlins“


Humor + philosophisches Gedankenspiel + einer meiner absoluten Lieblingsfilme = genau mein Ding.

Und wer’s nicht auf Anhieb versteht, der darf gern ein, zwei Momente länger drüber sinnieren und/oder sich den ersten sowie zweiten Teil von „Gremlins“ (von 1984 beziehungsweise 1990 – beide gibt’s hier auf Blu-ray für kleines Geld) geben. Immer noch klasse Filme, wenn ihr mich fragt…

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(gefunden bei Facebook)

 

 

Rock and Roll.

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„The Pursuit of iHappiness“ – Steve Jobs‘ letzte Worte… oder etwa doch nicht?


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Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Bei jeglicher Information, die man so im weltweiten Netz findet, ist erst einmal ein gesundes Maß an Skeptizismus angebracht. Heißt also: erst einmal hinterfragen und das, was man liest, nicht gleich einhundertprozentig für bare Münze nehmen. Denn auch da gibt sich das Internet janusköpfig – man findet für so ziemlich jeden Fetzen (Fehl)Information eine zweite, die dem gerade Gelesenen nicht selten komplett widerspricht. Was soll man da nur glauben?

Neustes populäres Beispiel hier: ein sogenanntes „deathbed essay“ (also etwas, was eine Person seinen Vertrauten am Totenbett diktiert haben könnte, um der Nachwelt eine Botschaft zu hinterlassen) des 2011 verstorbenen Apple-Kopfes Steve Jobs, welches irgendwann im November 2015 plötzlich in den digitalen Sphären auftauchte. Damit ihr euch – bevor ich mit weiteren Fakten zur potentiellen Echtheit rausrücke – selbst eine Meinung bilden könnt, gibt’s hier zunächst den kompletten Text:

 

“I reached the pinnacle of success in the business world. In others’ eyes, my life is an epitome of success.

However, aside from work, I have little joy. In the end, wealth is only a fact of life that I am accustomed to.

At this moment, lying on the sick bed and recalling my whole life, I realize that all the recognition and wealth that I took so much pride in, have paled and become meaningless in the face of impending death.

In the darkness, I look at the green lights from the life supporting machines and hear the humming mechanical sounds, I can feel the breath of god of death drawing closer …

Now I know, when we have accumulated sufficient wealth to last our lifetime, we should pursue other matters that are unrelated to wealth…

Should be something that is more important:

Perhaps relationships, perhaps art, perhaps a dream from younger days.

Non-stop pursuing of wealth will only turn a person into a twisted being, just like me.

God gave us the senses to let us feel the love in everyones heart, not the illusions brought about by wealth.

The wealth I have won in my life I cannot bring with me. What I can bring is only the memories precipitated by love.

That’s the true riches which will follow you, accompany you, giving you strength and light to go on.

Love can travel a thousand miles. Life has no limit. Go where you want to go. Reach the height you want to reach. It is all in your heart and in your hands.

What is the most expensive bed in the world?

Sick bed …

You can employ someone to drive the car for you, make money for you but you cannot have someone to bear the sickness for you.

Material things lost can be found. But there is one thing that can never be found when it is lost — Life.

When a person goes into the operating room, he will realize that there is one book that he has yet to finish reading — Book of Healthy Life.

Whichever stage in life we are at right now, with time, we will face the day when the curtain comes down.

Treasure Love for your family, love for your spouse, love for your friends.

Treat yourself well. Cherish others.”

 

newsweek2Liest sich gut, oder? Könnte so von dem visionären Apfel-Mann stammen, der mit (s)einer Produktreihe vom iPod über MacBook, iMac, AppleTV und freilich iPhone die digitale Welt und damit unser aller Leben – in welcher mehr oder minder direkten Weise auch immer – auf ewig verändert hat, oder? Schließlich war Steve Jobs zeitlebens (nicht nur) der Öffentlichkeit ein wandelndes Mysterium voller Widersprüche: als Sohn eines syrischen Politikstudenten und einer deutschstämmigen US-Amerikanerin zur Adoption freigegeben, als Jugendlicher eher ein technikaffiner Nerd denn ein Draufgänger, schon jung an Spiritualität interessiert, aber dennoch eiskalt, wenn es um Innovation und Erfolg ging – auch und gerade zu den engsten Menschen in seinem Umfeld. Und irgendwie liest sich dieses „deathbed essay“ ein wenig wie Jobs‘ bereits zu Lebzeiten legendäre, stets sehnlichst erwartete Produktpräsentationen, bei denen selbst Kritiker unumwunden zugeben, dass der kalifornische Unternehmer es wie kein Zweiter verstand, teure technische Spielereinen zum Must-have der Saison zu machen, oder?

Nun, falls ihr all diesem angeblichen Glanz auf den Leim gegangen seid (was auch keineswegs verwerflich ist – wäre mir auch beinahe passiert), so muss ich euch wohl nach eigener Recherche enttäuschen, denn dieses „deathbed essay“ ist – so gut und täuschend echt es sich beim Lesen nach Steve Jobs‘ inspirierendem Stil anfühlen mag – mutmaßlich eben nicht echt.

Warum? Das fasst etwa diese Seite gut zusammen, dröselt die einzelnen Stellen des „deathbed essay“ auf und widerlegt dabei gnadenlos seine Echtheit. Hier sind noch einmal die wichtigsten Hinweise, welche all jenen offensichtlich sein dürften, die sich – ob nun mehr oder weniger detailliert – mit Jobs‘ Biografie beschäftigt haben:

  • Wieso sollte eine – auch für Jobs‘ selbst – vermeintlich so wichtige Botschaft an die Nachwelt und all die Millionen Apple-Fanboys und -girls erst längere Zeit – also ganze vier Jahre – nach Steve Jobs‘ Tod plötzlich und so mir nichts, dir nichts im Internet auftauchen?
  • Dieses Essay findet in keiner der offiziellen oder inoffiziellen Biografien über den Apfel-Mann (für erstere wäre wohl Walter Isaacsons „Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ erwähnenswert, fürs Inoffizielle empfehle ich die kürzlich erschienene, überaus kritische Dokumentation „Steve Jobs: The Man In The Machine„) Erwähnung. Eigenartig? Sehr. Vergessen? Wohl kaum.
  • Durch die Veröffentlichung der Trauerrede von Jobs‘ Schwester Mona Simpson, welche im Oktober 2011 in der „New York Times“ erschien, wissen wir um die tatsächlichen letzten Worte des legendären asketisch lebenden Rollkragenpulli-und-Nickelbrillenträgers: „OH WOW. OH WOW. OH WOW.“ In Großbuchstaben. Zwei Worte, zwei mal wiederholt – ebenso enigmatisch wie die Entwicklerbüros in Cupertino. Doch auch hier haben sich journalistische Fachkräfte – sogar vom renommierten „Wall Street Journal“ – Gedanken gemacht…
  • Steve Jobs starb am 5. Oktober 2011 keineswegs in einem Krankenhaus, sondern zu Hause in Palo Alto, Kalifornien an den Folgen (s)einer langjährigen, immer wieder auftretenden Krebserkrankung.
  • So sehr Jobs und seine Familie auch um die Wahrung ihrer Privatsphäre besorgt waren (was sich bei einer so öffentlich wahrgenommenen Person wie Steven Paul Jobs freilich zeitweilig schwierig gestaltet), so wissen wir doch, dass der damals 56-Jährige weder zum Zeitpunkt seines Todes noch kurz bevor an lebenserhaltende Instrumente angeschlossen war. Und: Wie hätte er dann dieses Essay diktieren können?
  • Jobs glaubte keineswegs an Gott – er war – spätestens nachdem er in den Siebzigern Indien bereiste und sich dort tiefer mit dem Hinduismus und Buddhismus beschäftigte – praktizierender Zen-Buddhist (auch wenn er von seinen Adoptiveltern im christlichen Glauben erzogen wurde).
  • Steve Jobs hatte keineswegs Angst vor dem Tod. Vielmehr machte er sich das Lebensende selbst zunutze und befand, wie er in einer Rede an der Stanford University im Jahr 2005 sagte: „Death is very likely the single best invention of life“. Außerdem dürfte den meisten von Jobs‘ Inspirierten folgendes Zitat nicht fremd vorkommen: „Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.“ Oder auch:quotes-on-innovation-and-creativity-4
  • Obwohl Jobs zweifelsohne nach Erfolg strebte (und für diesen auch nicht vor unfeinen Mitteln nicht zurückschreckte) und Apple von der Garagen-Schnappsidee dreier kalifornischer Techniknerds (neben ihm waren bei der Gründung von Apple am 1. April 1976 noch Steve Wozniak und Ronald Wayne beteiligt) durch seinen Zwang zur stetigen Neuerung zeitweise zur teuersten Marke machte, ging es ihm persönlich – der Annehmlichkeit eines geschätzten 8,3-Milliarden-US-Dollar-Reichtums (laut Forbes Magazine, März 2011) zum Trotz – kaum um monetären Erfolg. So beschloss Jobs 1997, als er nach zwölfjähriger Abstinenz zu seiner mittlerweile kriselnden Herzensangelegenheit Apple zurückkehrte, sich ein Jahressalär von *hust* 1 – in Worten: einem – US-Dollar zu zahlen – auch das konnte er sich freilich nur leisten, nachdem er in seiner Post-Apple-Zeit Firmen wie „NeXT“ oder „Pixar“ (also die Animationsfilmschmiede, welche für Großartiges wie „Toy Story“ oder „Findet Nemo“ verantwortlich ist) erst groß machte, um sie dann äußerst gewinnbringend weiterzuverkaufen (an Canon beziehungsweise Disney). Auch Bonuszahlungen gingen zeitlebens nie (offiziell) auf seinem Bankkonto ein. Ihm ging es beim Kassenschlagern wie dem iPod oder iPhone stets nur um seine viel gerühmte Vision. Mission accomplished? Mehr als das.

Mit diesen Hinweisen liest sich das vermeintlich von Steve Jobs stammende „deathbed essay„, welches seit November 2015 immer wieder in den sozialen Netzwerken oder anderen Teilen des weltweiten Netzes auftaucht und in seiner „Lebe dein Leben in vollen Zügen und mit gutem Gewissen“-Manier vorschnell dem ebenso spirituellen wie inspirierenden Apfel-Mann zugeschrieben wird, gleich ganz anders. Und sollte ein mahnendes Beispiel dafür sein, nicht allen zu Buchstaben oder bewegten Bildern zusammengesetzten Nullen und Einsen im Internet bedingungslos Glauben zu schenken…

 

 

Wer nicht lesen und es eher visuell mag, dem sei – wie bereits weiter oben erwähnt – die 2015 erschienene, Jobs-und-Apple-kritische Dokumentation „Steve Jobs: The Man In The Machine“ des Oscar-prämierten Regisseurs Alex Gibney („Going Clear: Scientology and the Prison of Belief“) ans Herz gelegt…

(*Zwinker* Man kann ja mal nach einem Stream suchen… *Zwinker*)

…und auch die beiden, 2013 und 2015 erschienenen Biopic-Kinofilme „Jobs“ und „Steve Jobs„, in denen Ashton Kutcher beziehungsweise Michael Fassbinder die Rolle des charismatischen Apfel-Mannes übernahmen, sind durchaus sehenswert:

 

Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 32


Grand Piano – Symphonie der Angst“ (2013)

grand pianoDer berühmte Konzertpianist Tom Selznick (Elijah Wood) leidet unter extremem Lampenfieber. Daher entschließt er sich, eine Karrierepause einzulegen. Als er jedoch nach fünf Jahren Bühnenabstinenz eingeladen wird, das sogenannte „Unspielbare Stück“ vorzutragen und damit seinem kürzlich verstorbenen ehemaligen Lehrer und Mentor zu huldigen, kann er nicht ablehnen. Auch die Tatsache, dass sich bislang jeder Pianist – und so auch er selbst – bei diesem Stück mindestens einmal verspielt hat, hält ihn nicht von seinem Vorhaben ab. Als er jedoch tatsächlich wieder am Klavier sitzt, packt ihn eine ganz neue und andere Angst, denn in seiner Partitur findet Tom eine Nachricht, in der ihm gedroht wird, dass bei nur einem falsch gespielten Ton sowohl sein Leben und das seiner Frau, einer gefeierten Schauspielerin, ein gewaltvolles Ende nehmen würden. Bald schon werden die Drohungen, welche ganz und gar nicht der schlechte Scherz sind, als der sie zunächst erscheinen, konkreter, und sein neuerlicher Peiniger (gespielt von John Cusack) meldet sich zu Wort. Wird Tom es schaffen, seine Angst zu bezwingen und das „Unspielbare Stück“ ohne einen Fehler über die Bühne zu bringen?

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Sicherlich mag es nicht an Elijah Wood allein liegen, dass „Grand Piano – Symphonie der Angst“ am Ende seiner knapp 80 Minuten ein recht zwiespältiges Gefühl zurücklässt. Freilich sind die kleinen Kamerakniffe – die Fahrten durchs Innenleben des sündhaft teuren Konzertflügels, die Hatz hinter den Kulissen des Konzertsaals – mit denen der spanische Regisseur Eugenio Mira (u.a. „Agnosia“, „Red Lights“) versucht, für aufgeladene Spannung und ansehnliches Filmwerk zu sorgen, sehenswert. Allerdings krankt der in Barcelona entstandene Film am dezent vorhersehbaren Script, das sowohl Wood, der sich nach der Überrolle des „Frodo“ in Peter Jacksons monumentalem „Herrn der Ringe“ zusehens auf kleinere Rollen (im cineastischen Sinne) wie die des irren Killers in Alexandre Ajas „Maniac“ sowie TV-Serien wie „Wilfred“ spezialisiert, aber mit seiner hilflos-verängstigten Kindchen-Gestik wohl nie ganz den Deckmantel des Hobbits ablegen wird, als auch John Cusack – beziehungsweise ihren Rollen – wenig Platz zur Entfaltung gibt. Man wird das Gefühl nicht los, dass Mira auf Teufelkommraus versucht, Joel Schumachers „Nicht auflegen!“ nachzueifern, dafür jedoch nur eine Handvoll dramaturgischer Effekte in Petto hatte. So jedoch landet „Grand Piano“, das dem Klassik-Freund die ein oder andere von Elijah Wood fein inszenierte Tasterklimper-Minute bieten dürfte, im unterhaltsam-kurzweiligen Thriller-Mittelfeld, mit deutlich Luft nach oben…

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Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 31


5 Zimmer Küche Sarg“ (2014)

wwditskeyartDie meisten Wohngemeinschaften müssen sich ja im Grunde mit denselben Problemen rumschlagen: Putzpläne und Küchendienste werden nicht eingehalten, Mieten nicht gezahlt und zwischen den Mitbewohnern gibt es auch öfter mal böses Blut. „Blut“ ist bei auch einer ganz besonderen WG im neuseeländischen Wellington genau das richtige Stichwort. Bei den fünf Männern – dem stolze 862 Lenze jungen Dracula-Wiedergänger Vladislav (Jemaine Clement), dem etwas dandyhaft-affektierten Viago (Taika Waititi), dem draufgängerischen Deacon (Jonathan Brugh), dem stummen, fledermaushaften Petyr (Ben Fransham) und Neuankömmling Nick (Cori Gonzales-Macuer) – handelt es sich nämlich um waschechte Vampire, die allesamt mit den Tücken des Alltags, der Unsterblichkeit und ihrem höchst untoten Dasein klarkommen müssen. Bei Petyr, der älteste der Gruppe und irgendwie Murnaus „Nosferatu“ zum Verwechseln ähnlich, ist mit 8.000 Jahren die Senilität schon stark spürbar, sodass er aus Versehen Nick, den seine Mitbewohner eigentlich als potentielle Blutmahlzeit auserkoren hatten, zum Blutsauger macht. Nun ist es an Vladislav, Viago und Deacon, den neuerlich unsterblich Gewordenen (notgedrungen) anzulernen und gleichzeitig dem sie für eine Dokumentation stets begleitenden Kamerateam die Welt der Vampire zu zeigen. Vladislav präsentiert stolz seine Folterkammer, Viago betrauert als ehemaliger Dandy den Verlust seiner großen Liebe und seines Spiegelbildes, Deacon mimt den Bad Boy und Nick berichtet naiv und freimütig jedem, den er trifft, von seinem unerwarteten Lebenswandel. Und als wäre das nicht schon Problem genug, steht ja in Kürze das traditionelle große Treffen aller Vampire, Zombies und Hexen von Wellington an, während die WG-Gruppe mal wieder im Clinch mit der örtlichen Werwolf-Gang liegt und immer noch versucht, irgendwie mit der modernen Welt Schritt zu halten…

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Regisseur Taika Waititi, der auch die Rolle des schusselig-liebenswerten Vampirs Viago übernahm, liefert mit „5 Zimmer Küche Sarg“ (Originaltitel: „What We Do In The Shadows„) gemeinsam mit Co-Regisseur Jemaine Clement (Freunden von Indie-Serien dürfte der Mann als Teil der HBO-Comedy-Show „Flight Of The Conchords“ bekannt vorkommen) so etwas wie den neuseeländischen, als Mockumentary getarnten Culture Clash aller erdenklichen Vampir-Klischees ab: das Klassische von „Dracula“ und „Nosferatu“, die Erotik von „Interview mit einem Vampir“, der Zwist von Vampir vs. Werwolf (jüngeren Semestern dürfte da „Twilight“ in den Sinn kommen), der vergebliche K(r)ampf der ewig Untoten mit dem modernen Leben, die tägliche Suche nach Blutspendern. Dazu kommt etwas Lokalkolorit, da ausgerechnet die neuseeländische Hauptstadt Windy Wellington als Kulisse der kurzweiligen Horrorkomödie dient – eben jenes Städtchen, in dem Landmann Peter „Herr der Ringe“ Jackson im Jahr 1992 seine längst schon legendäre Splatter-Persiflage „Braindead“ ansiedelte (nur war der Streifen freilich ungleich blutiger). Natürlich nimmt sich keine der 86 Minuten so richtig bierernst, natürlich wird keines der Blutsauger-Klischees komplett durchexerziert, sondern lediglich im Ansatz nonchalant gestreift. Trotzdem – oder gerade: deshalb – ist es amüsant anzusehen, wenn schrullige Spießigkeit auf moralfreie Ewigkeit tritt, wenn der eine der fünf WG-Untoten vor dem Aussaugen seines Opfers zuerst versucht, das Mobiliar fein säuberlich mit Zeitungen vor Blutspritzern zu schützen (was trotzdem nichts nutzt, wenn man versehentlich eine Arterie trifft), während der andere den Blutspender gleich auf dem Esstisch erledigt, der eine lang und breit von gestrig-legendären Schlachten prahlt (welche sich schlussendlich als Beziehungszwist mit der Vampir-Ex herausstellen), während der andere sich eine menschliche Sklavin hält, der er immer wieder den „Biss für die Ewigkeit“ in Aussicht stellt. Dass das Fünfergespann dabei eher als schwerer Fall für die Psychiater-Couch denn als Bande von blutlechzenden Monstern daher kommt, macht „5 Zimmer Küche Sarg“, bei dem man sich, nicht nur der wie so oft miesen deutschen Synchronisation wegen, lieber ans englische Original halten sollte (Kiwi-Slang!), für Freunde des Indie-Kinos nur umso lustiger…

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Rock and Roll.

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Flimmerstunde – Teil 30


The Philosophers – Wer überlebt?“ (2013)

the philosophersEs beginnt als ein simples Experiment an einer internationalen Schule in Jakarta. Der Philosophielehrer Mr. Zimit (James D’Arcy) führt mit seiner Schulklasse anlässlich von deren Abschlussprüfung im Unterricht ein fiktives Gedankenexperiment durch: Was wäre, wenn das Ende der Welt bevorsteht, aber der rettende Bunker nicht für alle Platz bietet? Wer von den zwanzig Schülern kommt hinein und wem sollte der Zutritt verwehrt werden, wenn doch nur Reserven für zehn Menschen vorhanden sind? Per Zufall werden den Schülern verschiedene Berufsrollen und Eigenschaften zugeteilt. Doch wer hat ein größeres Anrecht darauf zu überleben? Wer wird dringender gebraucht und auf wen kann angesichts der nahenden nuklearen Apokalypse verzichtet werden? Ist der Dichter weniger wert als ein Öko-Bauer, der Homosexuelle bei der Planung einer „Neubesiedelung“ außen vor? Das Ganze ist ein Gedankenexperiment, mit dem Mr. Zimit ein letztes Mal das Urteilsvermögen seiner Schüler herausfordert. Doch schnell bröckelt das rationale Gebäude und das Experiment bekommt eine gefährliche Eigendynamik, von der alsbald auch romantische Beziehungen im wahren Leben betroffen sind…

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„Man stelle sich vor, was für ein guter Film „The Philosophers“ hätte werden können… Die Prinzipien utilitaristischer (und damit teilweise schlicht menschenverachtender) Vernunft ausgetestet an einer Gruppe theoretischer Konstrukte, deren Gefühlsebene unaufhaltsam in die Gleichung involviert wird. Das hätte wahnsinnig viel Raum geboten, nur nutzt John Huddles bloß die Besenkammer.“ – Obwohl die Kritik von cellurizon.de doch recht hart mit dem vor allem in den tropischen Kulissen von Jakarta und Indonesien entstandenen Film von Regisseur John Huddles („Unsere verrückte Farm“) ins Gericht geht, hat sie doch nicht ganz unrecht. Denn „After The Dark“ (so der US-Originaltitel) mangelt es zwar nicht an vielen spannenden Denkansätzen und Gedankenexperimenten, nur sind diese halt recht schnell erschöpft, und so muss der Film, welcher im August 2013 beim Fantasy Filmfest seine Deutschlandpremiere feierte, nach gut der Hälfte seiner knapp 110 Minuten neue Stränge herbei ziehen, um den Zuschauer halbwegs bei Laune zu halten. Action? Nunja, nicht des Philosophen Spezialgebiet… Amouröse Verwicklungen? Es bleibt an der Oberfläche, der Rest vorhersehbar… Da hilft auch nicht, dass die recht kleine Produktion mit KoRn-Frontmann Jonathan Davis einen namenhaften Soundtrack-Lieferanten gewinnen konnte. So bleiben junge, unbekannte Gesichter in urlaubsreifen Kulissen, welche sich ohne ein einziges Gramm Dreck unter den von der nahenden Apokalypse bedrohten Fingernägeln die frisch frisierten Köpfe über große philosophische Konstrukte zerbrechen. Wer jedoch eh schon ein Faible fürs Philosophische hat (so wie ich, immerhin habe ich das Ganze mal mehr oder minder ernsthaft studiert und kann derlei theoretischen „Eierköpfigkeiten“ schon etwas abgewinnen) und da auch mal 90 Minuten auf Action verzichten kann, dem sei „The Philosophers“ ans Flimmerherz gelegt. Der Rest dürfte gelangweilt abwinken…

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