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Das Album der Woche


Shitney Beers – Welcome To Miami (2021)

-erschienen bei Zeitstrafe/Indigo-

Manchmal sollte man sich nicht zu sehr von einem Albumtitel täuschen lassen… Schaut man sich die Promotion-Fotos zu Welcome To Miami“ an, so sieht nicht nur die Künstlerin selbst, sondern auch die Umgebung keineswegs nach dem „Sunshine State“ im Südosten der US of A aus. Wer mit Adleraugen hinschaut, der wird zudem bemerken, dass die Autos, die links und rechts straßenseits stehen, Mannheimer Kennzeichen besitzen. Und in der Kurpfalz ist Maxi Haug, die als Shitney Beers seit 2018 ihre Songs veröffentlicht, tatsächlich zu Hause. Dort hat die Halbkanadierin – wie so einige vor ihr – ein Studium an der Popakademie geschmissen und lieber in Eigenregie vier EPs veröffentlicht – frei nach dem Motto: Fuck off Pop Bizz, let’s go indie! Die daraus bekannten Songs gaben einen ersten Vorgeschmack auf das Talent des Twentysomethings, sind nun jedoch nur zum Teil auf ihrem unlängst erschienenem Debütalbum enthalten, was vor allem im Falle des feinen „I Don’t Like Horses“ durchaus schade ist. Dennoch werden alle Freunde der EPs sofort „ihren“ Sound wiedererkennen, der meist nur aus Gitarre, Gesang und winzigen Klangtupfern weiterer Instrumente besteht. Und wem Shitney Beers bisher noch nicht über dem musikalischen Weg gelaufen ist, darf nun eine Künstlerin für sich entdecken, die auf sehr intelligente Weise mit dem Erwachsenwerden als Frau im 21. Jahrhundert kämpft.

Fotos: Promo / Sebastian Igel

Insofern ist „Welcome To Miami“ doch ein recht passender Titel für diese Platte. Er gemahnt an das schnöd-schöne Versprechen von Glamour, Sorglosigkeit, Gesundheit und Wohlstand, das uns allenthalben vorgegaukelt wird, schlussendlich jedoch für fast niemanden Realität wird – und wegen des damit verbundenen Schönheitsideals für Frauen noch ein gutes Stück schwerer zu erreichen ist. Der Kontrast zu Mannheim, er könnte größer kaum sein. So besingt Shitney Beers etwa in „Lucky“ ein Pärchen als die einzigen beiden glücklichen Personen in einer „dog-shit city“, eine Slide-Gitarre und eine zweite Stimme verstärken das Gefühl vom Schweben und der Gewissheit, sich fallen lassen zu können. Es bleibt unklar, welche Stadt gemeint sein mag, und doch ist offenkundig: Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein ist riesig, und den Schlüssel zum Glück inmitten einer kaputten oder feindlichen Welt kann man am Ende einzig in sich selbst entdecken. (Da fragt man sich übrigens auch, ob der Gedankensprung zum gleichnamigen Song einer Britney Spears – sic!- hier in rein zufälliger ist…)

Auch ein weiteres Prinzip lässt sich auf „Welcome To Miami“ schnell erkennen: Der Herausforderung, eine Identität zu entwickeln, wird hier ebenso sehr über Abgrenzung begegnet wie über Zugehörigkeit. Zuerst erkennt man, was man hasst, vermeiden möchte oder beunruhigend findet. Das ist dann schon einmal eine gute Voraussetzung, um im nächsten Schritt vielleicht herauszufinden, was man gerne möchte, wo man hin will und wer auf dem Weg dorthin mitkommen sollte. Man höre etwa das heimliche Platten-Herzstück „Keys“, das von der weiblichen Angst vor nächtlichen Übergriffen erzählt („You rarely see us walking at night / Without our keys held tight“), was mit einer schockierend spürbaren Angespanntheit umgesetzt wird. Oder „Lourdes“, ein Bericht über eine stürmische Affäre, die mit Stalking und der Falle von „I’m even afraid to leave my house“ endet, wobei die augenscheinlich fragile, folkige Komposition diesen beklemmenden Stimmungsumschwung sehr gekonnt spiegelt. „Next time I’ll make it right“, heißt die erste Zeile im Opener „Time“, der von einer Beziehung erzählt, für die vielleicht einfach nicht der richtige Zeitpunkt erreicht war. „Inevitable“ stellt die Frage, ob da jemand nur guter Freund oder mehr ist. Klar, die Musikerin kennt – der Songtitel deutet es galant an – die Antwort längst selbst, will sie sich aber noch nicht eingestehen und lässt Instrumente und Takt zwischendurch kurz dahinzuschmelzen.

SoKo, Chan „Cat Power“ Marshall, Marika Hackman oder Suzanne Vega darf man gern als passende Bezugspunkte ins Vergleichsfeld führen, noch lieber gar die drei in den Mainstream aufstrebenden boygenius-Damen Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Darcus, mit ihren oft leise tretenden und dennoch kraftvoll am Herzzipfel zupackenden Songs. Im wunderbar reduzierten „Modern Love“ (mit den tollen Leben-trifft-Popkultur-Zeilen „Your life is not a movie / And it’s not a Bloc Party song“ ) mag man auch an Stella Donnelly denken. Der Song zeigt zudem, wie Shitney Beers es mit Talent und Geschick hinbekommt, in diese zehn meist sehr reduzierten Stücke die nötige Spannung und Abwechslung hinein zu werkeln. Hektisches Picking sorgt hier für ein gerüttelt Maß an Unruhe, am Ende tönt gar ein Mini-Chor. „La Mort Hereuse“, benannt nach dem Debütroman von Albert Camus, bleibt eher abstrakt und schwer zu fassen, „Nourie Hadig“, wiederum tituliert nach einen Märchen aus Armenien, das einige vage Ähnlichkeiten mit dem Plot von Schneewittchen aufweist, gerät hingegen heiter und dezent verspielt. „Parents“ erzählt zu Ukulelenbegleitung von dem nervenaufreibenden Moment, wenn man zum ersten Mal die Eltern des Partners treffen soll. Dabei klingt das Stück so lo-fi und verschüchtert, als würde die Künstlerin direkt aus dem Kleiderschrank spielen, in dem sie nach dem passenden Outfit für diesen Anlass sucht. Zudem nimmt der Song mit seiner Prise Selbstironie vielen der Themen, die während der knappen halben Stunde angeschnitten werden, ein wenig von jener bleiernen Schwere, die ohne die so erschaffene Distanz wohl einzig zurück bliebe. „Marcel“ schließt den Beers’schen Erstling zwar ab, ist dabei jedoch meilenweit von einem versöhnlichen Schlussstrich entfernt.

Auch wenn der Platte am Ende vielleicht ein Song fehlen mag, der aus dieser sehr charakteristischen Ästhetik noch ein wenig herausragt (aka. der offensichtliche Indie-Hit), liefert Maxi „Shitney Beers“ Haug mit „Welcome To Miami“ ein durchaus starkes, beachtenswertes Debütalbum ab, das von (s)einer einnehmenden Stimme, schönen Melodien, ausreichend Riot Grrrl’scher Punk-Kredibilität und schlauen Arrangements lebt. Keine auf Hochglanz geschliffene Platte, sondern eine herrliche Zusammenstellung absichtlich roh gehaltener Perlen. Vor allem aber hat Shitney Beers wirklich etwas zu erzählen – da können selbst der klamaukige Bühnenname und das bunte Cover nicht drüber hinweg täuschen. Miami ist eben auch nicht mehr das, was es mal war…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ida Maria – „Dirty Money“


Ida Maria mag Rock’n’Roll durch und durch sein, der richtig große internationale Durchbruch blieb der norwegischen Punkrockerin by heart trotz damaliger positiver Kritiken von „Pitchfork“ oder dem „Rolling Stone“ bislang verwehrt. Dabei könnten einem Mini-Hit-Singles aus ihrem 2008er Debütalbum „Fortress Round My Heart“ wie „Oh My God“ oder „I Like You So Much Better When You’re Naked“ durchaus bereits zu Ohren gekommen sein, immerhin waren diese seinerzeit in zahllosen TV-Serien wie „Grey’s Anatomy“, Gossip Girl“ oder „Big Mouth“ zu hören. Doch nach so einigen vielfältig desillusionierenden Erfahrungen im gleichsam wuseligen wie irgendwie anonymen Los Angeles und im Haifischbecken Major-Industrie kehrte Ida Maria Børli Sivertsen, der die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt wurde (ihr Vater ist Ska- und Jazzmusiker, ihre Mutter singt bei festlichen Anlässen, beide sind Lehrer) nach der Veröffentlichung ihres zweiten, weithin (zu) wenig beachteten Langspielers „Katla“ im Jahr 2013 nach Norwegen zurück, wurde Mutter und veröffentlichte mit „Love Conquers All“ (2013) und „Scandalize My Name“ (2016) noch zwei weitere Alben, bei denen sie sich vermehrt in anderen musikalischen Spielarten versuchte (auf letzterem etwa knietief im Gospel und in Spirituals). Danach verschwand die mittlerweile 36-Jährige jedoch von der musikalischen Bildfläche – nur um sich nun mit der EP „Dirty Money“ zurückzumelden. Und um eines vorweg zu nehmen: Man kann durchaus das Gefühl entwickeln, dass Ida Maria noch nie so sehr nach sich selbst klang – ängstlich, energiegeladen und laut.

Noch vor der Veröffentlichung der kompletten EP veröffentlichte die Norwegerin Ende 2020 die erste Single „Sick Of You“ – nicht nur ein feines „Hallo zurück!“, sondern auch eine Art abschließender Mittelfinger an das chaotische zurückliegende Jahr und ihre eigenen persönlichen Fallstricke. Wie bei den anderen neuen Stücken auch könnte man bei „Sick Of You“ glatt vermuten, dass Maria für die Klangästhetik tief aus den Annalen des Garage-Rock-Revivals der 2000er Jahre geschürft hat (zu dem sie selbst ja auch ihren Teil beigetragen hat). Zu derben, bluesig-schweren Gitarren, die an Zeitgenossen wie The Black Keys oder The White Stripes erinnern, schmettert Maria immer und immer wieder „I’m so sick of you“ in dem für sie so typischen Heulen. Die im April erschienene zweite Single „I’m Busy„, die sie gemeinsam mit Mark Ronson produzierte und mit Oscar-Preisträger Anthony Rossomando, der unter anderem „Shallow“ auf Lady Gaga und Bradley Cooper maßschneiderte, schrieb, besitzt ein paar eingängige Hooklines, ist aber auch eines der mutigeren künstlerischen Statements in Marias bisheriger Karriere. Über glitzernde, verzerrte Gitarren-Licks und einem stetigen Schlagzeugbeat singt Maria über gedankenlosen Sexismus und Frauenfeindlichkeit.

Irgendwo aus diesem Spektrum ziehen die neuen Stücke auch ihre entschiedene thematische Energie: feministische Unabhängigkeit, Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Bei Ida Maria jedoch kommt all das eher als echter Ausdruck denn als übertriebener, kunstvoll aufgesetzter Bombast daher, weil die Songs die sehr realen Emotionen, mit denen sie sich auseinandersetzt, mal unumwunden ansprechen, mal galant touchieren. Und: Die Songs erzählen nicht nur Geschichten über bedeutungslose Beziehungen oder dem Stinkefingerzeig an alle machistischen Idioten, sondern unternehmen auch den Versuch, die Objektivierung von Frauen in der Musikindustrie zu thematisieren und sich von den geschlechtsspezifischen Fesseln zu befreien, die in der (Musik)Welt, in der Maria (nun wieder) agiert, auch heute noch – und auch nach #MeToo – zum zwangsläufigen Gepäck gehören – eine Welt, von der sie in der Vergangenheit sehr öffentlich, sehr offensichtlich desillusioniert war.

Denn, wie bereits erwähnt, passte Ida Maria nie so richtig, nie so ganz ins leicht verdauliche, leicht zu formende Superstar-Schema F der Musikindustrie. Zwar brachte die Preisträgerin des prestigeträchtigen Spellemannprisen einiges an Talent und Soundoutfit mit, aber nichts von den gut bekömmlichen Persönlichkeitsvorstellungen, denen die an Profit und Prestige interessierten Anzugträger der Major-Plattenfirmen jedes Jahr bei den Preisverleihungen nur allzu gern die roten Teppiche ausrollen. „Ein Mädchen kann keine Musik auf einer großen Plattform herausbringen, ohne irgendein verdrehtes, verrücktes Schönheitsideal zu erfüllen – was wiederum nicht mit meinen eigenen Vorstellungen davon übereinstimmt, was eine Frau sein kann“, sagte Maria selbst dazu. „Eine Frau ist eine komplexe Kreatur. Und es gibt derzeit nicht genügend komplexe weibliche Vorbilder da draußen.“

Durchaus kritisch – und die fünf Songs der neuen EP, welche im Laufe der letzten zwei Jahre in diversen Studios zwischen Los Angeles und Norwegen entstanden, gehen in Punkto Kritik und Introspektivität noch ein paar Schritte weiter. Das Titelstück etwa, das mit „Dirty Money“ das Sujet im Namen quasi bereits selbsterklärend vorwegnimmt, relativiert Marias individuelle Existenz und ihr Verhältnis zur Klimakrise. Sie kritisiert sowohl die großen Plattenlabels, die auch in nicht eben umweltfreundlichen Geschäftsfeldern wie dem Ölmarkt Geld scheffeln, als auch sich selbst, weil sie als kleiner staubkorner Teil der Musikindustrie indirekt davon profitiert und dieses im wahrsten Sinne dreckige Geld mitverdient.

Die „Dirty Money EP“ gerät so vielschichtig und persönlich, dass der sonst so triviale Randnotenfakt, dass diese unabhängig von Altitude Music veröffentlicht wird, plötzlich relevant erscheint, weil in diesem noch einmal Ida Marias Verachtung der großen Labels deutlich wird. Dennoch können all die, die weniger an Tiefschürendem, Systemkritischem interessiert sind, die Songs auch ohne allzu große Hirnzermaterei genießen, derart getränkt wurden diese im dickwandigen Fass des Garage Rock, derart versetzt wurden diese mit euphorisierendem Shout-Sing-Gesang. Klares Ding: mit dem ersten vollwertigen Release nach mehrjähriger Pause meldet sich Ida Maria in absoluter Bestform zurück und präsentiert allen, die sie vermisst haben, eine perfekte Melange aus sommerlich-rock’n’roll’nem Spaß und bedeutungsvollen Botschaften.

(Bei Paste findet man zudem ein ausführliches Interview mit der norwegischen Indie-Musikerin…)

(via Vimeo)

„Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go (help, help, help)
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Everybody wanna be full makeup and on TV
Talking ‚bout your jealousy
Mum, I know I look insane, but they all promised me champagne
Swear they want me for my brain

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Girls in line wanna be a star, honey, you’re not getting far
Not with psychotherapy
Please, don’t put your parents through, naughty days in Malibu
Coming off your ecstasy

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

What’s it feel like? Devil emotion
Find my body, bottom of the ocean
What’s it feel like? Devil emotion
Find my body, bottom of the ocean

Pay me, all your dirty money
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Pay me, all your dirty money (shoulda seen the coke get)
I’m your favorite monkey, watch me go

Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Pay me, all your dirty money
I’m your
favorite monkey, watch me go
I’m your favorite monkey, watch me go
Cocaine, shoulda seen the coke get
Lined up in the backstage at my show

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Mynabirds – „Glory Box“


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Für die ganz große Bühne mag es für Laura Burhenn bislang zwar nicht gereicht haben, im Indie-Bereich ist die Dame jedoch keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. So ist die in Los Angeles lebende Singer/Songwriterin, Musikerin und Aktivistin seit etwa zehn Jahren das kreative Mastermind hinter The Mynabirds, einer Band, die mit „What We Lose In The Fire We Gain In The Flood„, „Generals„, „Lovers Know“ und zuletzt „Be Here Now“ zwischen 2010 und 2017 vier von Kritikern gefeierte und stilistisch recht unterschiedliche Alben beim seit eh und je über jeglichen qualitativen Zweifel erhabenen US-Indie-Label Saddle Creek veröffentlicht hat. Davor bildete Burhenn gemeinsam mit John Davis (Q and Not U) das recht kurzlebige Indiepop-Duo Georgie James, veröffentlichte zwei selbstproduzierte Soloalben über das von ihr gegründete Label Laboratory Records und sammelte als Tournee-Mitglied bei den von Kritikern gelobten und kommerziell erfolgreichen Indie-Acts The Postal Service und Bright Eyes so einiges an Bühnenerfahrung. War’s das mit der Umtriebigkeit? Keineswegs, denn Laura Burhenn half vor einigen Jahren außerdem, „Omaha Girls Rock“ zu gründen, eine gemeinnützige Organisation, die es jungen Mädchen ermöglicht, ihre kreative Stimme zu finden. Und sie hielt 2013 einen TED-Vortrag, in dem sie sich ihrem Fotoprojekt „New Revolutionists“ widmete, welches wiederum der Frage nachging, was es bedeutet, in der heutigen Zeit eine revolutionäre Frau zu sein. Nein, Stillstand mag nicht Laura Burhenns Ding sein…

artworks-000593855958-tuvy72-t500x500Interessanterweise könnte man hier Parallelen zu einer anderen Großen im Indie-Kosmos ziehen: Beth Gibbons. Musikconnaisseure wissen freilich: bei ihr handelt es sich um die Stimme der legendären britischen TripHop-Band Portishead, deren Debütalbum „Dummy“ 2019 ein frisches Vierteljahrhundert feiern durfte, und auch für Burhenn sehr einflussreich war, wie sie selbst zugibt: „‚Dummy‘ war meine Lieblingsplatte zum Rummachen in der Highschool und gehört zu meinen ständigen Top Ten“, so Laura Burhenn in einer Pressemitteilung. Als kleinen, ehrfurchtsvollen Knicks vor „Dummy“ veröffentlichte die Mynabirds-Frontfrau daher im vergangenen Jahr eine von Patrick Damphier produzierte Coverversion des Portishead-Evergreens „Glory Box„, die den bedächtig knisternden, geradezu schwülen und von trotzigem Feminismus geprägten Charakter des Originals zwar beibehält, aber gleichzeitig eine subtile, fast schon oldschoolige Country-Atmosphäre vermittelt. „Unglaublich, wie Beth Gibbons diese feministische Hymne in meinem Teenager-Hirn verankert hat – dieser Song hat bei mir vieles neu justiert“, meint Burhenn. Ohne Zweifel: durch #MeToo und immer dann, wenn die Rechte der Frauen beschnitten werden, bekommen der Song und seine Refrain-Zeile „I just want to be a woman“ – 25 Lenze auf dem musikalischen Buckel hin oder her – mehr Gewicht denn je…

Übrigens wurde der Cover-Song über „Our Secret Handshake“ veröffentlicht, ein von Frauen geführtes, frauenorientiertes Kollektiv für kreative Strategien, das Laura Burhenn – Sie ahnen es bereits – im Jahr 2018 mitbegründete. Und: ein Teil der Einnahmen aus der Single kam/kommt dem „Omaha Girls Rock“ zugute. Thumbs up!

 

 

„I’m so tired of playing
Playin‘ with this bow and arrow
I gonna give my heart away
Leave it to the other girls to play
For I’ve been a temptress too long

Just give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

From this time unchained
We’re all lookin‘ at a different picture
Through this new frame of mind
A thousand flowers could bloom
Move over and give us some room, yeah

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

So don’t you stop, being a man
Just take a little look
From our side when you can
Show a little tenderness
No matter if you cry

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman
Cause it’s all I wanna be is all a woman, yeah

For this is the beginning of forever and ever
It’s time to move over
So tired of playing

So tired of playing
Playin‘ with this bow and arrow
I gonna give my heart away
Leave it to the other girls, to play
For I’ve been a temptress too long

Just give me a reason to love you
Give me a reason to be“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Cable Ties – „Sandcastles“


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Foto: Lisa Businovski

Systemkritik kann – zumindest in weiten Teilen der (westlichen) Welt – gerade heutzutage auf die unterschiedlichsten Arten ausgelebt werden. Stichwort #MeToo, Stichwort „Fridays for Future„.  Im Musikalischen kann sie im Falle von populären Künstlerinnen wie Lizzo oder Janelle Monáe mit empowernden Tänzen den oftmals sexistischen, mit allerlei Machismen überladenen R’n’B revolutionieren, sie kann wie bei den britischen Post-Punkern IDLES lautstark auf den positiven Umgang miteinander pochen, sie kann aber auch stinksauer herausgebrüllt werden (nicht, dass das vor allem letztgenanntere ab und an nicht täten). Freilich, ein absolutes Novum ist all das kaum, da weiß der Musikkundige etwa die Punk-Urväter von Iggy Pop und seinen Stooges in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern oder die kantig den Sozialismus predigenden Crossover-Größen Rage Against The Machine (welche ihre jüngsten Reunions ganz janusköpfig vom schnöden Mammon abhängig machen) und deren jüngste Nachkommen Fever 333 oder Nova Twins aufzuzählen, kurz bevor der Monolog in den „klassischen Punk“ und dessen Riot-Grrrl-Abzweig weiterfährt. Dass sich bei systematischer Benachteiligung ganze Berge von Aggressionen auftürmen, zweifelt wohl niemand an. All diese Emotionen nun herauszulassen, wird aber erneut nur den ohnehin schon Priviligiertesten der Gesellschaft vergönnt sein – wer tagein, tagaus buckeln muss, hat weder Energie noch Muße fürs Kreative… Marginalisierte Gruppen sollten sich hingegen bestmöglich im Zaum halten, damit sie im Optimalfall irgendeine gottverdammte Quote erfüllen können. Cable Ties lassen sich davon erst gar nicht beirren und poltern voller Inbrunst gegen Patriarchat, Kolonialismus und sexuelle Gewalt an. Die größte Kraft des Trios aus dem australischen Melbourne liegt jedoch woanders: Wilde Aggression und tagmüde Depression laufen in den Songs von Jenny McKechnie (Gesang, Gitarre), Shauna Boyle (Schlagzeug) und Nick Brown (Bass) im Zickzack, nehmen selten den direkten Weg. Pop? Ginge irgendwie anders… Ein Statement, das man erst einmal abkönnen muss.

art-8997_cable-ties-far-enoughAber keine Angst vor zerdachter Musik: Die acht Songs von „Far Enough“, dem in dieser Woche erscheinenden zweiten Album der drei Aussie-Post-Punk-Rock’n’Roller, setzt durchaus auf prägnante, eindringliche Riffs, die unaufhaltsam vorantreiben. Auf der Suche nach Transzendenz durch hypnotische Wiederholung entwickelt das Album dabei eine unermüdliche Intensität. Die feurig-coole Hymne „Tell Them Where To Go“ erlangte bereits vor zwei Jahren Popularität, auch da sie in einer Episode der Netflix-Serie „13 Reasons Why“ zu hören war und vom Guardian daraufhin als „an irresistible call to arms“ beschrieben wurde.

Apropos „Ruf zu den Waffen“: Während des gesamten Albums wird rechtschaffener Zorn mit Verwirrung und Selbstzensur gespickt. Songs wie „Self-Made Man“, „Anger’s Not Enough“ oder der sich langsam entfaltende Opener „Hope“ untersuchen den Berührungspunkt zwischen Aktivismus und Fatalismus, Aufschwung und Aussichtslosigkeit, entscheiden sich jedoch letztlich für die Hoffnung. Dabei halten Cable Ties während der gesamten knappen Dreiviertelstunde die Waage zwischen Kampf und Spannungsbogen – gar nicht mal so selbstverständlich, wenn die Band dreiminütige Punk-Brenner zu glühend-hypnotischen Feminismus-Hymnen, die im Geiste der Buzzcocks nicht selten an der Sieben-Minuten-Marke kratzen (auf dem 2017er Debüt waren’s sogar ab und an neun Minuten), ausdehnt. Dabei mischen Cable Ties rhythmisch pulsierenden, knorrigen Post Punk der Güteklasse The Fall oder Wire mit tightem Garage Rock. Jenny McKechnie bündelt ihre Probleme in Songs, die nicht selten tief nachhallen und oft zurückgehaltenen Gefühlen eine Stimme geben. Shauna Boyle und Nick Brown liefern den Rhythmus, der im Primitivismus der Stooges verankert scheint und den Grundstein für McKechnies Gitarren-Feuerwerke und Gesangseinlagen legt. Durch ihre Musik verwandeln die drei Band-Buddies ihre Ängste in Schlachtrufe, welche – ganz ähnlich wie anno dazumal Riot-Grrrl-Genre-Heldinnen wie die Slits oder Le Tigre – auch schonmal die Hörmuscheln strapazieren dürfen. Gut also, dass das Trio im Zweifel noch so knackige Indie-Hits wie den Riot-Grrrl-meets-Post-Punk-Brecher “Sandcastles” oder das wummernde “Tell Them Where To Go” in petto hat.

Und zum eingangs angeschnittenen Thema „Systemkritik ausleben“: Die Band setzt sich folgerichtig seit ihrer Gründung im Jahr 2015 für eine integrative feministische und politische Sichtweise ein und nutzt, wie bereits erwähnt, ihre Songs, um geschlechtsspezifische Gewalt, Kolonialismus und sexuelle Übergriffe zu thematisieren. Die Bandmitglieder veranstalten Benefizshows, DIY-Festivals, riefen unlängst zum Spenden für die Bekämpfung der australischen Buschbrände auf und engagieren sich ehrenamtlich bei Girls Rock!, einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, weibliche, transsexuelle und non-binäre Jugendliche in der Musik zu stärken. 🤘

 

„Hope is a really important theme on the album. In the past, I thought I could change things. I thought I pointed out how messed up everything is, then people would see a clear path to fixing these problems. By the time I started writing this album, I had lost this hope. But it’s about the importance of getting hope back, even when you can see no logical reason to have it. Without hope, anger becomes despair or bitterness.“ (Jenny McKechnie)

 

 

Rock and Roll.

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„Be A Lady They Said“ – Ein diskussionswürdiges Video über Sexismus geht viral


c74c7ab87901feca481b1de25169f02d„Sei nicht zu dick! Sei nicht zu dünn! Mach‘ eine Diät! Iss deinen Teller auf! Sei gesund! Sieh‘ bitte nicht krank aus! Tu was gegen deine Falten! Push deine Brüste!“

All diese Forderungen rattert die Schauspielerin und Politikerin Cynthia Nixon („Sex And The City“) im Video „Be A Lady They Said“ herunter. Sie rezitiert das gleichnamige Gedicht von Camille Rainville. Was Nixon mit den bereits 2017 veröffentlichten Worten der 22-jährigen US-Bloggerin deutlich machen will: An Frauen werden auch im Jahr 2020 die unterschiedlichsten Anforderungen gestellt, die sich oft widersprechen und daher nicht alle erfüllbar sind. Dennoch hat das weibliche Geschlecht irrationalerweise das Gefühl, diese erfüllen zu müssen.

Das knapp dreiminütige Video wurde wenige Tage nach Veröffentlichung bereits millionenfach geklickt, tausendfach geteilt und kommentiert, weltweit gefeiert – obwohl es doch eigentlich keinerlei Neuigkeiten enthält. Fast alle Frauen dürften zumindest manch einen dieser Sätze im Laufe ihres Lebens schon gehört und gelesen haben. Sie hören sie von Männern, lesen sie in Magazinen, bekommen sie vielleicht auch von anderen Frauen gesagt, kriegen sie in der Werbung, in Filmen oder Serien nur allzu deutlich vor Augen geführt… Das Video ist daher vor allem eines: frustrierend wahr.

Der Clip, produziert – ausgerechnet? – als Werbevideo vom High-Fashion-Magazin „Girls Girls Girls“, welches sich sonst vor allem mit teurer Mode und passenden Accessoires beschäftigt, wird nun – im Zuge von #MeToo und wenige Stunden nach dem US-Urteil gegen den ehemaligen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein – als feministisches Statement gefeiert. „Sei eine Lady, haben sie gesagt“ – dieser Satz fällt im Video immer wieder. Cynthia Nixon spricht ihn in die Kamera. Sie sieht dabei verdammt ernst aus. Und wird im Laufe der drei Minuten zunehmend wütend. „Sei top gepflegt! Sei sexy! Zieh‘ High Heels an! Hab‘ manikürte Fingernägel! Hab‘ bloß keine grauen Haare – ABER FÄRB‘ DIE HAARE DOCH NICHT BLAU! Sei natürlich!“ – Dass Frauen einfach ganz natürlich wunderschön sein sollen, ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, das implizieren all diese Forderungen…

Ist es eben doch. An dem Ideal, das Frauen vermittelt wird, hat die Body-Positivity-Bewegung zwar gekratzt. Wirklich etwas geändert hat sich – auch dank Heidi Klum und ihrer Selbstvermarktungsjungfrauenfleischbeschau „Germany’s Next Topmodel“ – dadurch leider nicht. Dass so viele sich in dem Video wiederfinden, beweist, dass immer mehr Frauen die Ansprüche, die die Gesellschaft an ihr Äußeres stellt, zunehmend hinterfragen und kritisieren. Sie wissen eigentlich tief in sich drin, dass sie diese Ansprüche nicht erfüllen müssen. Und schaffen es oft doch nicht, sich von den Erwartungen zu lösen.

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Doch in dem Video geht es nicht nur ums bloße Aussehen: „Bitte sei nicht zu streng… Aber auch nicht zu soft! Durchsetzungsfähig! Aber nicht zickig! Nicht zu laut! Aber auch nicht ganz still…“ Thematisiert wird auch die weibliche Sexualität: „Sei nicht prüde! Nicht zu willig! Lächle mehr! Hab‘ Erfahrung im Bett! Sei unschuldig… MÄNNER WOLLEN DAS, WAS SIE NICHT HABEN KÖNNEN. Also halt dich dran! Werd‘ nicht vergewaltigt! Pass halt ein bisschen auf… Trink nicht zu viel! Sag‘ nicht ja! Sag nicht nein! Vertraue niemandem!“

Das Video ist – ganz Fashion-Industrie (gegen die es im Grunde ja auch wettert, welch‘ Janusköpfigkeit!) – professionell produziert, es ist stark, es zieht einen mit allerhand schnellen Schnitten in sich und seine audiovisuellen Aussagen hinein – es funktioniert (was ja auch dessen viraler Erfolg belegt). Ein bisschen schmerzt es beim Zusehen dennoch, dass fast alle gezeigten Frauen aussehen wie Topmodels und all die Forderungen verkörpern, die Cynthia Nixons Stimme doch anprangert: schlank, perfekt geschminkt und wunderschön. Makel? Keiner. Nirgends.

Dennoch ist der Clip von Regisseur Paul McLean wichtig, das zeigt allein die Resonanz, die er bereits innerhalb kürzester Zeit hervorruft. Eine Resonanz, die gleichzeitig nachdenklich machen sollte: Es ist frustrierend, dass sich auch heute noch so viele Frauen jeglichen Alters in diesem Video wiedererkennen, dass sie das Gefühl haben, sich selbst und der Gesellschaft nicht gerecht werden zu können. Dass sie zerbrechen zwischen allem, was sie tun, was sie sein sollen. Feministinnen prangern die genannten Missstände bekanntermaßen schon lange an. Geändert hat sich offenbar immer noch viel zu wenig. Auch, weil jede (und jeder!) bei sich selbst anfangen muss. Wie hieß es damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, eine der Losungen der Frauenrechtlerinnen: „Nicht Worte zählen, sondern Taten.“

 

(oder via Vimeo)

 

Rock and Roll.

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„Girls to the front!“ – Die Dokumentation „The Punk Singer“ über „Riot Grrrl“-Sprachrohr Kathleen Hanna


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Sie gilt als „Rebel Girl“ und „Punk Feminist“. Als die Symbolfigur der Riot Grrrl-Bewegung Anfang der Neunzigerjahre und vereint feministische „Pro Choice!“-Revolution mit lautstarkem Punk Rock: Kathleen Hanna. Die 2013 erschienene Dokumentation „The Punk Singer“ zeichnet ein gleichsam persönliches wie einzigartiges Bild der Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre und The Julie Ruin.

 

„I’ve always thought that ‚punk‘ wasn’t really a genre. My band started in Olympia where K Records was and K Records put out music that didn’t sound super loud and aggressive. And yet they were punk because they were creating culture in their own community instead of taking their cue from MTV about what was real music and what was cool. It wasn’t about a certain fashion. It was about your ideology, it was about creating a community and doing it on your own and not having to rely on, kinda, ‚The Man‘ to brand you and say that you were okay.“

(Kathleen Hanna)

 

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Zwanzig Jahre Filmmaterial visualisieren mit collagenhaften Rückblenden sowie zahlreichen Interviews und Konzertausschnitten den Kampf für Frauenrechte und weibliche Selbstbestimmung sowie gegen Gewalt, Sexismus und männlichen Machismus. Die via Kickerstarter finanzierte Dokumentation von Regisseurin Sini Anderson taucht noch einmal ein in den DIY-Zeitgeist der frühen Neunziger und in eine ebenso wilde wie kreative Keimzelle, welche während dieser Zeit im US-amerikanischen Nordwesten um Portland, Olympia und Seattle herum entstand, und aus der eben nicht nur Bands wie Pearl Jam, Soundgarden oder Nirvana hervorgingen, sondern eben auch Bikini Kill. (Übrigens: Der Legende nach hätte es Nirvanas Grunge-Evergreen „Smells Like Teen Spirit“ ohne Kathleen Hannas Zutun so nie gegeben, schließlich entstand der Songtitel, als Hanna, die damals gut mit Frontmann Kurt Cobain befreundet war, den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ – auf deutsch: „Kurt riecht nach Teen Spirit“ – an eine Wand in dessen Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, welches seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, also verwendete er ihn schließlich als Songtitel. Der Rest? Ist allseits bekannte Musikgeschichte.) Und obwohl gerade Bikini Kill zwar einflussreich, bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1997 jedoch lediglich leidlich kommerziell erfolgreich waren, machte gerade ihr Wirken Bands wie Pussy Riot (gerade bei den radikalen russischen Aktivistinnen ist der Einfluss unverkennbar), Gossip, Petrol Girls, War On Women oder Screaming Females erst möglich, während auch bei mit Lust die Grenzen der Konventionen sprengenden Künstlerinnen wie Amanda Palmer, Kate Nash und Miley Cyrus Hanna’sche Einflüsse deutlich erkennbar sind…

MV5BMjEzNzQxNzUxNF5BMl5BanBnXkFtZTgwMDY5MTY1MDE@._V1_UY1200_CR90,0,630,1200_AL_.jpgNeben Hanna selbst lässt Regisseurin Sini Anderson in ihrer 80-minütigen Dokumentation auch Freunde und Wegbegleiter wie Kim Gordon (Sonic Youth), Joan Jett (The Runways, Joan Jett & the Blackhearts), Carrie Brownstein und Corin Tucker (Sleater-Kinney), Johanna Fateman (Le Tigre) oder Ehemann Adam Horovitz (Beastie Boys) zu Wort kommen. Kathleen Hanna selbst nutzte vor einigen Jahren den Film, um ihr langjähriges Schweigen zu beenden und den tatsächlichen Grund ihres Rückzugs aus dem Rampenlicht im Jahr 2005, als sich ihre neue Electropunk-Band Le Tigre anschickte, größere Erfolge zu feiern und als neues Sprachrohr der LGBTQ-Bewegung zu etablieren, zu erklären. Denn obwohl es um das einstige Gesicht der Riot Grrrls still geworden sein mag (ihr letztes kreatives Lebenszeichen war 2016 das The Julie Ruin-Album „Hit Reset„), macht „The Punk Singer“ eines deutlich: heute wie damals nimmt die mittlerweile 50-jährige Ex-Bikini Kill-Frontfrau (politisch) kein Blatt vor den Mund. All girls to the front!

(Übrigens: Für all diejenigen, denen der Name Kathleen Hanna bislang rein gar nichts sagte, haben die Kollegen des ByteFM Blog eine musikalische Übersicht von „Kathleen Hanna in fünf Songs“ zusammengestellt. Feine Sache, das. Allen anderen sei so oder so der Soundtrack zu „The Punk Singer“ empfohlen.)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…und hier „The Punk Singer“ komplett im Stream:

 

 

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Foto: Allison Michael Orenstein

 

Rock and Roll.

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