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Song des Tages: die ärzte – „Noise“


Keine Frage – BelaFarinRod mochten es schon immer ein wenig unkonventionell. Nicht umsonst vereint das Punkrock-Trio aus Berlin (Auuuuus Berlin!) stets so viele Fan-Generationen in ihrem Publikum wie kaum eine andere Band in Deutschland. Eine musikalische Institution, auf die sich längst (fast) alle einigen können? Abersowasvon! Trotzdem schien es bemerkenswert, dass schlappe acht Jahre vergehen mussten, bis sich die ärzte im vergangenen Oktober mit „HELL“ und einem neuen Langspieler zurückmeldeten. Und bestanden damals noch Interpretationsfreiräume hinsichtlich der Deutung ebenjenen Titels (War nun ein Überfluss an Licht gemeint? Oder doch eher die Wohnstätte des Teufels?), herrscht seit kurzem Klarheit, denn in wenigen Tagen wird bereits der komplementäre Nachfolger, welcher schlicht „DUNKEL“ heißen wird, erscheinen. Ging ja fix? Tja, so isses eben manchmal im bandeigenen Kosmos von Bela B, Farin Urlaub und Rod González, die mit „Noise“ nun auch einen ersten Vorgeschmack aus dem neuen Album präsentieren…

„Es wird Zeit für etwas Noise“, singen die ärzte darin – und „Noise“ klingt eben auch wie „Neues“. Wer nun Angst hat, dass sich die drei Hauptstadt-Musiker jetzt musikalisch in ganz noisiges Territorium begeben, bekommt sie jedoch gleich wieder genommen: „Noise“ ist tatsächlich eines der rockigsten, klassischsten ärzte-Stücke seit langem, „mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Tempo, Melodie, Hookline. Ordentlich laut“, wie die Band, die im kommenden Jahr das – mehr oder minder – 40. Jahr ihres Bestehens feiern darf, selbst feierlich verkündet.

Im Video zum Song, das visuell an die letzte Single „Ich am Strand“ anknüpft, spielen die drei – ganz Corona-konform – ein Garagenkonzert – und haben ihren Schuppen offenbar direkt neben ihren vermeintlichen Düsseldorfer Erzrivalen angemietet. Denn während Bela B große Teile des Songs singt, erscheint am Steh-Schlagzeug hinter dem Schwingtor plötzlich Vom Ritchie von den Toten Hosen, natürlich standesgemäß vor „Bis zum bitteren Ende“-Adler-Backdrop. Und damit nicht genug, denn die (eher lasche) Garagen-Security übernimmt mit „Tatortreiniger“-Star Bjarne Mädel ein weiteres prominentes Gesicht.

Noch etwas scheint recht ungewöhnlich: „Noise“ wurde von Farin Urlaub und Bela B gemeinsam geschrieben – ein eher seltenes Phänomen bei die ärzte, die die Songwriting-Credits ansonsten fein säuberlich unter sich aufteilen. In jedem Fall präsentiert sich der Song deutlich gelungener als vieles andere auf „HELL“ und damit als feiner erster Vorgeschmack auf „DUNKEL“, dem Kompagnon zum erst ein knappes Jahr jungen dreizehnten Studioalbum, der am 24. September erscheinen wird.

Gute Laune allenthalben, Aufbruchsstimmung und der hochverdichtete Esprit der Besten Band der Welt in knapp dreieinhalb Minuten. So geht’s doch auch. Was allerdings eine gute Band wirklich ausmacht, erklären mit ‚Auserzählt‘ und ‚Dobly‘ außerdem zwei (Besserfans aufgemerkt!) ‚echte B-Seiten‘, also: Die einen sagen so, der andere so … Es wird jedenfalls wieder Zeit für die ärzte – jetzt auch mit Fax und Yeah, Yeah, Yeah.

Wer nicht bis dahin warten mag, bekommt unter anderem im Bademeister-Shop eine „Noise“-Seven-Inch, die zwei weitere „echte B-Seiten“ enthält. Damit meinen die ärzte höchstwahrscheinlich, dass die Stücke „Auserzählt“ und „Dobly“ nur auf diesem Release erhältlich sein werden (was allerdings das Digital-Segment mit einschließt) – auf der üppigen, 19 Songs umfassenden „Dunkel“-Tracklist sind sie jedenfalls nicht zu finden. Oder doch eher das Qualitative? Während „Auserzählt“ an den „Noise“-Sound anknüpft, tauscht Farin Urlaub auf „Dobly“ seine Gitarre gegen einen Synthesizer ein – und genau davon handelt der Song auch. Unkonventionell? Tja, BelaFarinRod eben…

Rock and Roll.

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Song des Tages: Hooligans Gegen Satzbau – „Keine Angst“


Die Hooligans gegen Satzbau (#HoGeSatzbau) sind eigentlich als Netz-Aktivist(innen) bekannt, die sich seit einigen Jahren in den sozialen Medien gegen rechte und andere (Cov)Idioten einsetzen – man denke etwa an ihren humorig-augenzwinkernden Brief an Reichsschwurbler Attila Hit… ähm Hildmann. Jetzt macht die Anti-Nazi-Satire-Bande, deren oberstes Motto seit eh und je „Stets politisch, nie parteiisch.“ ist, auch Musik – und bekommt dabei nicht von ungefähr eine ganze Menge prominente Unterstützung.

Der vordergründige Zweck wird schnell klar: Anlässlich eines vollkommen irren Jahres 2020, das so ziemlich jede(n) von uns bereits in irgendeiner Weise bis an den Rand der Verzweiflung und Angst gebracht haben dürfte, möchten die „Hools“ den Menschen wieder etwas Mut zusprechen. Und haben sich dazu einiges an bemerkenswerter Unterstützung an Bord geholt.

In dem von Olli Bockmist (Band ohne Anspruch) produzierten „Power-Pop-Rock-Song“ der „Hools“ geben sich so einige aus Deutschrock- und Deutschpunk-Gefilden bekannte Künstler die musikalische Klinke in die Hand. Mit dabei sind: Jan Plewka (Selig), Vito C. (J.B.O.), Tiger Lilly Marleen (Bonsai Kitten), Max Buskohl, Band ohne Anspruch, Julia Gámez Martín (Suchtpotenzial), Eugen Balanskat (Die Skeptiker), Kai Lüftner, Bluthund, Banda Internationale und die älteste Newcomerband Deutschlands – Elfmorgen.

Zusätzlichen Support erhält der stilistisch recht breit aufgestellte Gute-Laune-Mutmache-Vierminüter im dazugehörigem Musikvideo unter anderem durch über 120 Fans der „Hools“: Farin Urlaub und Bela B. von Die Ärzte (Aus Berlin! Auuuus Berlin!), Klaas Heufer-Umlauf, Ole Plogstedt, Radikale Töchter, Uli Sailor (Tusq, Terrorgruppe), Stephan Anpalagan, Tom Laschyk (Volksverpetzer), Giulia Silberberger (Goldener Aluhut), Ali Can, u.v.a. 

„Wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass wir so viele tolle Leute, prominent oder unbekannt, für unsere Idee begeistern konnten, die uns dabei helfen, zu kaschieren, dass wir selbst gar nicht singen können“, feixen sich die „Hools“ ins Fäustchen. Am Ende – und da ist’s plötzlich recht egal, ob einem das entstandene Stück wirklich zu 100 Prozent zusagt – geht es nämlich um eine wirklich gute Sache: Der komplette Gewinn des Songs kommt „EXIT-Deutschland„, einem Aussteigerprogramm für Neonazis, zugute.

Veröffentlicht wurde das Stück über das Label Bockmist Räcordz und ist auf allen gängigen Musikportalen sowie exklusiv über die HoGeSatzbau (www.hogesatzbau.de/keineangst) und den Labelshop zu beziehen.

Rock and Roll.

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Opas schauen Musik: KRAFTKLUB


Kraftklub-2017

Insgesamt und in Albumform kann ich eher wenig mit Kraftklub anfangen. Ehrlich, ich hab’s probiert, oft genug. Ist wohl einfach so.

Trotzdem muss man Felix „Brummer“ Kummer, Till „Brummer“ Kummer, Steffen „Israel“ Tidde, Karl Schumann und Max Marschk Einiges zugute halten:

  1. Die Band hat – zumindest auf Bühnenbrettern – ordentliche Entertainerqualitäten. Das haben die fünf nicht zuletzt bei der diesjährigen Ausgabe von „Rock and Ring“ bewiesen, wo sie als „Latenight-Special“ auftraten (ein Videomitschnitt der Show geisterte zwar in den letzten Tagen durchs weltweite Netz, wurde jedoch – bis auf eine Performance des Songs „Fenster“ – leider wieder entfernt…).
  2. Die Band hat Chemnitz (oder, in Hipster-Deutsch: Karl-Marx-Stadt) wieder zurück (?) in die oberen Chartregionen der bundesdeutschen Musikszene gehievt: jedes ihrer bislang drei Album sicherte sich den ersten Platz der Albumcharts. Was wiederum dazu geführt hat, dass ein Kultursender wie arte die Berliner *hust* „Rüpelrapcombo“ K.I.Z. in die beschauliche sächsische 250.000-Einwohner-Stadt einlud, um eine durchaus amüsante Ausgabe von „Durch die Nacht mit“ zu drehen…
  3. Die Band hat bereits 2013 selbst ein ansehnliches Festival aus dem Boden gestampft: das „Kosmonaut Festival“ findet seitdem alljährlich am Stausee Oberrabenstein unweit von der heimischen Fanbase Chemnitz statt, und hatte mit Künstlern wie Frittenbude, Casper, Bosse, AnnenMayKantereit, Fettes Brot, Materia, den Beatsteaks, Thees Uhlmann, den Fantastischen Vier, Haftbefehl, K.I.Z. (was sich wohl auch aus Punkt 2 ergab), Turbostaat, Prinz Pi, Olli Schulz, Boy oder Alligatoah bereits fast das komplette Who-is-Who der bundesdeutschen Musikszene zu Gast.
  4. Die Band mag zwar im Gros auf durchweg tanzbare Indiediskogutelaunestampfer setzen, traut sich jedoch ab und an auch etwas. Etwa auf dem aktuellen, jüngst erschienenen dritten Album „Keine Nacht für Niemand“ (jaja, schon der Albumtitel fängt mit einer nur eben halb witzigen Hommage an Ton Steine Scherben an): so ist der zuerst vorgeschobene Song „Dein Lied“ eine zwar böse, jedoch unterhaltsame Abrechnung mit der Ex, die Frontmann Felix Brummer gleich mal eben – Rap-Cred wollen auch gesammelt sein – als „verdammte Hure“ bezeichnet – unterstützt von einem Piano und einer Armada aus Streichern. Und auch die erste offizielle Singleauskopplung „Fenster“ lässt sich durchaus hören, hat diese doch als bittersüße Abrechnung mit all den verschworbelt-hasserfüllten Paranoiker-Gedankenwelten all der sogenannten „Wutbürger“ und „Verschwörungstheoretiker“ einen recht ernsthaften Hintergrund, welcher zum Nachdenken anregt. Plus: das gut versteckte Bonusfeature vom potentiell besten bundesdeutschen Freizeit-Musikarzt (aus Bärlin! auuuus Bärlin!) gegen Ende des Songs.

 

Komplett ernst nehmen kann ich Kraftklub trotzdem nicht. Liegt es daran, dass ich mich mit Ü30 knapp außerhalb der potentiellen Zielgruppe befinde? Liegt es daran, dass ich einen Teil der Band noch kenne, als diese als schulpflichtige Dreikäsehochs durch den elterlichen Chemnitzer Musikclub „Atomino“ hüpften? (Zur Erklärung: Die Eltern von Felix und Till Kummer, Jan und Ina Kummer, spielten zu DDR-Zeiten in der *hust* „kultigen“ Elektropop-Band AG. Geige. Der Vater, Jan Kummer, ist heute Leiter des „Atominos“, welches gerade in Chemnitz auch 2017 noch einen ausgezeichneten Ruf als schmissige Indie-Disse und Konzertlocation besitzt.) Liegt es daran, dass mich durchgängig auf Tanzbarkeit und Hurra geklöppelte Indiediskostampfer generell schnell kalt lassen? Oder: bin ich auch einfach zu alt?!?

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Und: wenn ich mich schon „zu alt“ für die Musik und das Gehabe von Kraftklub fühle, wie fühlen sich dann erst die grauhaarigen Semester?

Diese Frage beantwortet der YouTube-Kanal „Digster OnFleek“ in der neusten Ausgabe der Reihe „Opas scheuen Musik“, in welcher sie älteren rüstigen Herrschaften, die sich oftmals bereits erfolgreich für die Dritten, für Gehhilfen und Zivildiensthelfer qualifiziert haben, die „Musik der Jugend“ vorsetzen. Und dieses Mal eben Kraftklub. Aber schaut am besten selbst…

 

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden auf Facebook / blogrebellen.de)

 

Diese durchaus treffende Aussage von Ein-Drittel-Arzt Farin Urlaub lasse ich einfach mal so stehen. Klar ist die Thematik weitaus komplexer als dieses kurze Zitat. Klar reißt Herr Vetter (so Urlaubs richtiger Name) das ganze Problem nur im Ansatz an. Wer jedoch denken kann, der kennt den Rest – und kann sich selbst seinen Reim daraus machen. Und gerade emotional spricht der Mann mir mit dem Gros seiner Worte aus der Seele (Stichworte: Arschgeigen, Scham/Fremdscham etc. pp.).

 

Rock and Roll.

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