Schlagwort-Archive: England

Song des Tages: George O’Hanlon – „The Storm“


„Mit seiner Debütsingle ‚The Storm‘ hat George O’Hanlon unter Fans und Kritikern sprichwörtlich einen Sturm ausgelöst, denn der 21-jährige Sänger, Songwriter und Musiker aus dem britischen Dorking überzeugt mit Talent, Leidenschaft und außergewöhnlichen Song-Kreationen.“

Klar, wenn man erst einmal eine solche Songtitel-Vorlage erhält, dann darf man diese, ganz Torjäger-like, im dazugehörigen Pressetext schon mal verwandeln, oder? Natürlich mag durchaus bezweifelt werden, dass George O’Hanlon mit „The Storm“, ebenjener Debütsingle von der gleichnamigen, im Juli erschienenen Erstlings-EP, tatsächlich „einen Sturm ausgelöst“ hat (oder doch vielmehr – pardon my sarcasm – ein laues Pop-Lüftchen). Auch die Label-Umschreibung des Dreiminüters als „ein schimmerndes, kathartisches Epos, das auf hellen Gitarren und himmelstürmenden Melodien aufbaut“ scheint bei näherer Betrachtung doch etwas zu prosaisch ausgeschmückt. Und wer’s böse meint, der mag in dem 21-jährigen englischen Newcomer so etwas wie den melancholischen jüngeren Bruder von Fließband-Pop-Troubadeuren wie Ed Sheeran sehen. Andererseits hört man mit dem wohlwollenden Engelchen auf der Kritikerschulter auch einen Hauch Jeff Buckley heraus – wenn auch freilich noch ohne dessen tief empfundenes Gespür für Jazz’n’Blues und dessen auf immer und ewig abgründige Grandezza. So oder so sollte man George O’Hanlon, der demnächst auch beim Reeperbahn Festival 2021 sein Talent unter Beweis stellen wird, auf dem Schirm behalten…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Wenn sich der Rassismus Bahnen bricht – Der schockierende Kurzfilm „The Long Goodbye“ von Riz Ahmed


Es sind nur etwa zehn Minuten Spielzeit – mehr jedoch brauchen Riz Ahmed und sein Team (zu dem unter anderem auch Regisseur Aneil Karia zählt) auch nicht, um dem Publikum einen mittelschweren Schock zu versetzen. Beim wie in jedem Jahr sehr gut kuratierten Berliner Kurzfilmfestival „British Shorts“ war es vor allem sein Film „The Long Goodbye„, der wohl noch lange nachhallte. Ahmed, der 2010 durch den Film „Four Lions“ bekannt wurde und zuletzt im Oscar-nominierten (und übrigens unbedingt sehenswerten!) Drama „Sound of Metal“ die Hauptrolle übernahm, ist Brite mit pakistanischen Wurzeln und erzählt hier eine im Grunde grimmige Dystopie, die jedoch erschreckend jetztzeitig wirkt. Man sieht dabei zunächst eine harmonische, lebhafte pakistanisch-britische Familie an einem ganz normalen Nachmittag. Bis plötzlich lautes Brüllen ertönt. Und jemand ruft: „They’re rounding people up! It’s happening!“.

Was dann kommt, ist eine schonungslose Darstellung von ausgelebtem und ungezügeltem Rassismus. Eine nationalistische, britische Skinhead-Gang stürmt das Haus, verfrachtet Frauen und Kinder in einen Lieferwagen und lässt die Männer auf der Straße knien, wo sie am Ende liquidiert werden. Die Nachbarn? Gaffen nur starr – und bleiben stillschweigend in ihren Häusern. Die Polizei? Steht untätig daneben und plaudert derweil entspannt mit den nur teilweise vermummten Rassisten. Am Ende teilt Riz Ahmed seine Gedanken in einer Art gerapptem Monolog, der um die Frage kreist: „Where are you really from?“. Darin gibt es grimmige, starke Zeilen wie diese: „My people built the west, we even gave the skinheads swastikas“

Natürlich zeigt der elfminütige Kurzfilm hier eine Dystopie – die allerdings weder allzu fern, noch – leider – allzu undenkbar erscheint (wie es die meisten Dystopien eben so an sich haben). Weil sie zum einen all den Schicksalen ähnelt, an die auch wir in Deutschland durch die zahlreichen Stolpersteine und die nahezu täglich durch die Nachrichten geisternden Fälle von Rassismus erinnert werden. Und weil sie zum anderen die oft rassistische Polemik der britischen Tabloids und auch die der britischen Regierung weiterdenkt. Traurigerweise berichten Menschen mit Migrationshintergrund häufig davon, dass die rassistischen Übergriffe in Post-Brexit-England häufiger geworden sind in den letzten Jahren, während auch außerhalb der britischen Inseln der Hass auf alles Fremde und Unbekannte – und das nicht nur anhand von Wahlergebnissen – kaum weniger wird. All das mögen lediglich Symptome für weitaus tiefergreifende Probleme sein, aber sie sollten uns allen zu denken geben…

Begleitend zum Kurzfilm erschien im vergangenen Jahr Ahmeds ebenfalls „The Long Goodbye“ betiteltes Album, das ähnliche Themen aufgreift.

(via Vimeo)

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Der Mann hinter dem Erfolg von Sigur Rós – Ken Thomas ist tot.


Ken Thomas ist tot. Wie via Facebook bestätigt wurde, verlor der britische Produzent, Toningenieur und Musiker vor wenigen Tagen (s)einen jahrelangen Kampf gegen eine Parkinson-Erkrankung.

Thomas‘ Karriere begann in den renommierten Londoner Trident Studios, wo er unter anderem mit Größen wie Queen und David Bowie zusammenarbeitete. Wenig später verschlug es den Engländer in etwas punkigere Gefilde, er arbeite in den Trident und Advision Studios als Assistent und Tontechniker bei Aufnahmesessions für Bands wie Public Image Ltd, die Buzzcocks, Wire, Alien Sex Fiend oder Rush und komponierte und nahm im Jahr 1980 selbst die Electronic-LP „Beat The Light“ auf. Nachdem er sich in der Punk- und Experimental-Music-Szene einen Namen gemacht hatte, arbeite Ken Thomas anschließend mit der sagenumwobenen isländischen Band The Sugarcubes, bei der damals eine gewisse Björk Guðmundsdóttir am Mikro stand, die später unter ihrem Vornamen die Musikwelt erobern sollte, und wirkte als Tontechniker an deren 1998er Debütalbum „Life’s Too Good“ mit.

Deren Gitarrist Þór Eldon Jónsson wiederum spielte Thomas einige Jahre später „Von“, das Debütwerk einer damals international noch gänzlich unbekannten isländischen Newcomerband namens Sigur Rós, vor. Der Produzent, der sich den Punk von anno dazumal wohl stets bewahrt hatte und stetig auf der Suche nach neuen, frischen Künstlern war, war schnell so angetan von dem (damaligen) Trio um Frontstimme Jón Þór „Jónsi“ Birgisson, dass er daraufhin Kontakt zur Band aufnahm und für das kommende Album „Ágætis byrjun“ nahezu sämtliche Produktions-, Engineering- und Mixing-Aufgaben übernahm. So ist es wohl auch ihm zu verdanken, dass Sigur Rós mit ebenjenem Werk erstmals über die isländischen Landesgrenzen hinaus bekannt wurden. Auch später fanden die Ambient-Post-Rocker aus Reykjavík und der britische Produzent noch kreativ zusammen, etwa für das kaum weniger erfolgreiche Album „Takk…“ sowie für die Performance-Aufnahmen zum Band-Dokumentarfilm „Heima„. Kaum verwunderlich also, dass Jónsi und Co. jenem Mann, dem sie so viel – eventuell sogar ihre ganze Karriere – verdanken, via Facebook nun zwar schmerzliche, jedoch auch ebenso herzliche Abschiedsworte widmen:

Und auch der Rest von Ken Thomas‚ Produzentenvita kann sich durchaus sehen lassen. So saß der passionierte Schlagzeuger und Live-Sound-Engineering-Spezialist über die Jahre außerdem für eine so vielfältige wie kreativ breit gefächerte Riege hinter den Reglern, angefangen bei den englischen Post-Industrial-Heroen Psychic TV über The Cocteau Twins, The Bongos, Yello, The Damned, Queen Adreena, M83, Gavin Friday, Depeche Mode-Frontmann Dave Gahan bis hin zu den Isländischen Hardcore-Alternative-Rockern Minús.

Einen der – nebst Sigur Rós, freilich – prägendsten Eindrücke hinterließ Thomas jedoch wohl bei den (leider recht kurzlebigen) englischen Indie-Post-Rockern Hope Of The States, deren unter nicht eben untragischen Umständen entstandenes und 2004 erschienenes Debütalbum „The Lost Riots“ er nicht nur als Produzent begleitete. Sänger Sam Herlihy brachte es damals folgendermaßen zum Ausdruck: „In der ersten Woche mit Ken haben wir uns auf diesen Weg eingelassen, auf dem nichts heilig war, was die Ideen zu den Songs anging. Nach dieser ersten Woche hatten wir eine klare Vorstellung davon, wie das Album klingen sollte, wenn es fertig war. Ken war das siebente Mitglied der Band und wird es immer bleiben. Der Typ ist eine Legende. Wir haben das mit ihm gemacht und haben das alles mit ihm durchgestanden. Er war an unserer Seite; dennoch hat er weder uns geführt noch wir ihn.“

Nun darf sich Kenneth „Ken“ Vaughan Thomas, dessen Sohn Jolyon in seine Fußstapfen trat und ebenfalls als erfolgreicher Produzent (unter anderem für Royal Blood, U2, Kendrick Lamar, Another Sky, Slaves oder Daughter) arbeitet, hinter die Regler und Knöpfe des Aufnahmestudios im Musikhimmel setzen. Mach’s gut, Ken!

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Sam Fender – „Seventeen Going Under“


Foto: Promo / Jack Whitefield.

Fast zwei Jahre sind vergangen, seit Sam Fender aus dem beschaulichen North Shields, UK mit seinem Debüt-Album „Hypersonic Missiles“ die Spitze der UK-Charts (und auch der ANEWFRIEND’schen Jahrescharts) stürmte. Sein Leben ist seitdem ein anderes. Als Opener für große Namen wie Hozier oder Michael Kiwanaku sammelte der 27-jährige britische Musiker Bühnenerfahrung, reiste – so es denn möglich war – durch die Weltgeschichte und arbeitete an neuer Musik.

Mit seinem kommenden Album „Seventeen Going Under“ blickt Fender nun zurück auf seine Vergangenheit. Auf einen Lebensabschnitt, in dem die Welt gleichzeitig so offen und so verschlossen wirkt wie in kaum einem anderen. Auf eine endende Jugend in einer Stadt, in der er sich nicht selten gefangen gefühlt hat. In „Seventeen Going Under“ hält der Musiker, dessen Songs ANEWFRIEND seinerzeit als „die Frontmänner von The Gaslight Anthem und The Killers treffen sich im englischen Pub zum schwarzhumorigen Springsteen-Tribute-Abend“ beschrieb, sich radikal den Spiegel vor und zelebriert den Übergang von der Jugend ins Erwachsenenleben.

Nach einer durchaus interessanten Metallica-Coverversion gibt es bereits jetzt das Titelstück des zweiten Langspielers zu hören. Dass North Shields, Fenders im englischen Nordosten gelegener Heimatort, auch als Schauplatz für das Video des namensgebenden Albumtitels dient, verwundert dabei kaum, bildet die 10.000-Einwohner-Stadt doch einen ständigen Bezugspunkt für die Musik des jungen Songwriters. Hier verbrachte er seine eigene Jugend, sammelte seine eigenen Geschichten und Erfahrungen. Und um genau die geht es in „Seventeen Going Under“. Der Song handelt von verlorener Unschuld und gewonnener Freiheit, von Drogen und Faustkämpfen, von Liebe, Wut und Verzweiflung. Eine explosive Hymne auf die ambivalente Nostalgie der Adoleszenz.

„Seventeen Going Under“, das für den 8. Oktober 2021 angekündigte Album (dessen Coverartwork – ob nun gewollt oder nicht – optisch eine recht deutliche Reminiszenz an Springsteen’sche Großtaten darstellt), dürfte persönlicher ausfallen als der nicht selten unverhohlen gesellschaftskritische 2019er Vorgänger „Hypersonic Missiles“. Nicht zuletzt durch die Zeiten der Isolation während der Pandemie, sagt Fender im Interview mit „Radio X“, hinterfragte er, wo er steht, wo er herkommt, und wohin es weiter geht. Als „eine Coming-of-age-Story“ beschreibt er sein neues Album. Als einen „Lobgesang auf das Leben nach der Not, einen Lobgesang auf das Überleben“. Passend dazu hat hat er einen offenen Brief an sein 17-jähriges Selbst geschrieben, in dem es unter anderem heißt:

“Hey Sam, it’s Sam from the future. You’re probably wondering how I’ve mastered the art of time travel, and you’re definitely fantasizing about some neo-futuristic alternate universe that looks like a cross between Star Wars and Blade Runner. Don’t build your hopes up – phones get a bit better and the internet is an even bigger cesspit than it was then.

Und weiter schreibt Fender:

“17 is when all the challenges begin: you’re not a baby, but you’re definitely not an adult (turns out that bit takes a lot longer than you think). I’m not even sure it’ll happen at all for you, but growing up is for fools and the near dead, so stop being so serious all the time. Right now I’m imagining you on the back step of Mam’s flat on Verne Road in North Shields, smoking some shite baccy, blasting Revolver out of that sketchy CD player at such an obnoxious level that it reaches you in the backyard – and every neighbour in a square mile (if you look hard enough through your brother’s collection you’ll find a copy of Revolver where ‘She Said She Said’ doesn’t skip).”

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Holly Humberstone – „Haunted House“


Holly Humberstone ist gerade mal 21 Jahre alt und wird – ihrer noch jungen Karriere zum Trotz – im heimischen UK bereits mit Musikgrößen wie Taylor Swift, Phoebe Bridgers und HAIM verglichen. Nach der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Falling Asleep At The Wheel“ begleitete die Newcomerin Anfang des vergangenen Jahres Lewis Capaldi als Support auf dessen Europa-Tournee (also gerade noch rechtzeitig, bevor die Pandemie jeglichen Konzertbetrieb stilllegte). So stand sie etwa im Münchner Zenith in Blue Jeans und Oversize-Hoodie mit nichts Weiterem als einer E-Gitarre um den Hals vor knapp 6.000 Menschen auf der Bühne und spielte eine halbe Stunde lang ihre Lieder. Capaldi, die schottische Babyface-Sensation, bot der jungen Engländerin damit die perfekte Karriere-Sprungschanze.

Nun veröffentlichte Humberstone im April ihre neue Single „Haunted House“ mitsamt Musikvideo. Klar, nachdem sie dieses Jahr auf nahezu jeglichen „Artists to Watch 2021“-Listen landete (und selbst vom ehrwürdigen „Guardian“ als “most hyped new artist” bezeichnet wurde), waren die Erwartungen nicht eben gering. Doch mit ihrer sanfter Stimme sowie ihrer durchaus talentierten Art zu texten, die vielerwebs aus gutem Grund als „Tattoo Lyric Songwriting“ beschrieben wird, schaffte sie es auch mit dem neuen Song, von sich zu überzeugen.

„Haunted House“ handelt von Hollys Elternhaus und dem Abschied davon. Beinahe liest es sich wie eines dieser Gruselfilm-Klischees, denn jenes Elternhaus ist der Inbegriff eines gruseligen, seltsamen Hauses, diente es doch früher als Dienstbotenhaus für ein nahegelegenes Schloss – und wurde nun derart baufällig, dass die Familie es verlassen musste. Jedoch verabschiedet sich die Senkrechtstarterin in ihrer neuen Single nicht nur von den so lieb gewonnenen vier Wänden, sondern gleichzeitig von einem Teil ihrer Kindheit. Das Musikvideo fängt den morbiden Charme des Hauses ein und unterstreicht die schaurig-schöne Deep-Pop-Ballade. Sie selbst sagt:

„Obwohl Veränderungen notwendig sind, hat es sich oft so angefühlt, als würde mir meine Kindheit entgleiten. Mein Elternhaus ist ein seltsames altes Haus auf dem Lande, das um uns herum in sich zusammenfällt. ‚Haunted House‘ habe ich geschrieben, kurz nachdem uns gesagt wurde, dass wir es verlassen müssen. Der Song fühlte sich wie eine Art Abschied und eine Hommage an all die Erinnerungen, die ich dort über die Jahre gesammelt habe, an.“

Doch bekanntlich ist es ja so: wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. „Haunted House“ kann also durchaus als Beginn einer blühenden Karriere verstanden werden…

„They say this house is haunted
But all these ghosts I’ve grown with
As it slips away from me
I still hold on hopelessly
I lay my head to sleep and say goodnight

Bringing up four daughters
Made a house a fortress
Dirty knees and honey bees
Nowhere else would sting as sweet
Can’t believe we’re turning off the light

And one day I’ll drive past you
If I recognize you
I’ll try not to stay too long
See the soil I grew upon
In a couple years I’ll be alright

So darling, pull the curtains
And in the morning
Let me lie here with you
Don’t say that I’m leaving
In the morning
Let me lie here with you“

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Moment! Aufnahme.


Erst rechts, dann links, dann nochmal kurz nach rechts schauen…. Straße frei? Los geht’s! (Den heimlichen Star des legendären Beatles-Covers kann man hier übrigens noch immer im 24/7-Live Stream beobachten…)

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: