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Schöne kranke Welt, reloaded – Gesellschaftskritische Kunst von John Holcroft


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Thematisch ganz ähnlich gelagert wie die Illustrationen von Steve Cutts, sind die Bilder des britischen freischaffenden Illustrators John Holcroft zwar alles andere als leicht verdaulich, dafür jedoch umso treffender ins Mark einer vom Kapitalismus zerfressenen Industrienationen-Gesellschaft schneidend und gerade deshalb umso wichtiger. Große Kunst, die zum Nachdenken anregen sollte…

 

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(gefunden bei Facebook)

 

Wer mehr über den Künstler erfahren möchte, der findet hier ein Interview mit John Holcroft aus dem Jahr 2013.

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Billy Bragg – „Why We Build The Wall“


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Was Bob Dylan für die US of A ist, ist Stephen William „Billy“ Bragg für England. Die gute intellektuelle Seele des nationalen Liedermachertums, der seit jeher alle anderen überragende Protestsänger der Nation, dessen kritische Zeilen jedem mit wachem Verstand aus Herz, Kopf und Seele zu sprechen scheinen. Doch anders als der enigmatische Zimmermann-Bob, der es in den letzten Jahren eher vorzog, einen Bohei um seine Literaturnobelpreis-Verleihung zu machen oder sich das Gestern vor die Haustür zu holen, um anschließend lieber Frank-Sinatra-Songs zu covern denn kritische Kommentare über Kriege oder die letzten US-Regierungen zu geben, ist Bragg, der im Dezember 60 Lenze jung wird, noch immer höchst politisch unterwegs: als überzeugter Labour-Anhänger (deren Vorsitzender Jeremy Corbyn ihm übrigens sehr ähnlich sieht), Antifaschist, Friedensaktivist oder Monarchie-Gegner. Den Text seines 1983 erschienenen Evergreens „A New England“ können wohl die meisten seiner Landmänner (und -frauen) von Leeds bis nach Southampton bierselig wie in- und auswendig mitgröhlen. Auch ohne Nummer-eins-Alben hat sich Billy Bragg während seiner mittlerweile vier Jahrzehnte langen Zeit im Musikgeschäft jedes Gramm Kredibilität einerseits hart verdient, andererseits auch erhalten und weiß immer noch, Kluges und Kritisches zu Welt- wie Zeitgeschehen beitragen.

61JzZi20qTLDas beweist der Londoner Working Class Hero einmal mehr auf seiner neusten, heute erscheinenden EP „Bridges Not Walls„, auf welcher der „britische Altmeister des Protestsongs“ (Amazon) erneut Schlaues über die „Leave“-Kampagne, welche zum Brexit führte, oder zur US-Präsidentschaft Donald Trumps (der Opener „The Sleep Of Reason“ – mehr zum Song hier), über Idealismus („Not Everything That County Can Be Counted„) oder sein Landleute („Full Brexit Now„) zu sagen hat. Das Herzstück des sechs Songs kurzen Mini-Albums bildet jedoch das Stück „Why We Build The Wall“ – und ebenjenes stammt weder aus der Feder Braggs, noch ist es ein Kommentar zu Trumps Androhung, einen hohen „Schutzwall“ an der US-mexikanischen Grenze errichten zu lassen. Verfasst wurde der Song bereits 2010 – also weit vor dem wahnwitzigen Amtsantritt des irren Geschäftsmannes – von der US-amerikanischen Folksängerin Anaïs Mitchell für deren als „Folk Opera“ angedachtes Album „Hadestown“ (welches wiederum die griechische Sage um Orpheus und Eurydice in die Zeit der Großen Depression transportiert). Bragg, der wohl nicht als einziger die beinahe erschreckend prophetische Botschaft des Songs bemerkte, nahm „Why We Build The Wall“ im vergangenen Jahr in sein Live-Repertoire auf und unterzog Mitchells Folk-Weise nun auch im Studio einer Neuinterpretation. Gut zu wissen, dass es auch heute noch Typen wie Billy Bragg gibt…

 

 

„I first heard Anais Mitchell sing ‘Why We Build The Wall’ at Occupy London in November 2011, standing on the steps of St Paul’s Cathedral. The power of the lyrics struck me then and, in the intervening years, the song has become even more powerful as the mass movement of people from Africa and Asia into Europe, North America and Australia has forced migration onto the political agenda.   In 2016, matters came to a head when anti-immigrant sentiment was identified as a prime mover in Britain’s vote to leave the European Union and Donald Trump was elected president after promising to build a wall along the Mexican border. In the coming years, driven by climatic changes in their home countries, more and more people are going to be on the move, looking for a better life for their families. Our children and our grandchildren will judge us on our response to those who come to our door looking for shelter.“

(weitere Infos zur EP und den einzelnen Songs findet ihr hier…)

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Philip Selway – „Let Me Go“


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Klar, wird man über die Nebenprojekte der einzelnen Radiohead-Mitglieder gefragt, dann lassen sich die meisten freilich zunächst einmal über Frontmann Thom Yorke sowie dessen knietief in elektronischen Spielereien verortete Soloalben „The Eraser“ oder „Tomorrow’s Modern Boxes“ aus (eventuell gar Yorkes „Supergroup“ Atoms For Peace, welche er gemeinsam mit Red Hot Chili Peppers-Bassist Flea, Produzent Nigel Goodrich und Schlagzeuger Joey Waronker bespielt). Wohlmöglich weiß der ein oder andere Radiohead-Aficionado auch noch um die Umtriebigkeit von Gitarrist Jonny Greenwood, der seit der Jahrtausendwende mal den ein oder anderen Hollywood-Film mit seinen Soundtrack-Ideen veredelt (etwa Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ oder „The Master“), mal sein Equipment um das ein oder andere – vornehmlich elektronische – Tasten- oder Saiteninstrument erweitert – beide Betätigungsfelder Greenwoods haben die letzten Radiohead-Alben – mit all ihren elektronischen Experimenten („The King Of Limbs“) und der erhöhten Schlagzahl an Streichern („A Moon Shaped Pool“) – hörbar stark geprägt. Was Jonnys Bass spielender Bruder Colin Greenwood, der zweite Gitarrist Ed O’Brien oder Schlagzeuger Philip Selway in ihrer Freizeit so machen? Nichts genaues weiß man nicht…

Nicht ganz. Vor allem letzterer – also Philip Selway – tritt seit einigen Jahren ebenfalls solo in Erscheinung und hat seit 2010 mit „Familial“ und „Weatherhouse“ zwei durchaus hörenswerte Soloalben in die Plattenläden gestellt, die zwar mit den Klangeskapaden seiner wuseligen Bandkumpane Yorke und Greenwood zu keiner Zeit mithalten können (geschweige denn wohl wollen), sich jedoch anhören, als hätte Brian Eno verschollen geglaubte Tonaufnahmen von Nick Drake, auf denen er Songs von Simon & Garfunkel neu interpretiert, durchs heimische Mischpult gejagt. Sophistikatierte Leisetreterei, die sich einer wohl nur dann leisten mag, wenn er im Hauptjob das Schlagwerk bei der ambitioniertesten Rockband des Planeten bedient…

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Nun jedoch scheint es Philip Selway seinem Radiohead-Kollegen Jonny Greenwood gleichtun zu wollen und ist ebenfalls unter die Score-Bastler gegangen: Der 50-jährige Engländer zeichnet sich für den im September anlaufenden Film „Let Me Go“ verantwortlich, welcher die wahre Geschichte der Helga Schneider erzählt, einer Frau, welche 1941 von ihrer Mutter im Stich gelassen wurde, damit diese zur Waffen-SS gehen und alsbald als Aufseherin in einem der Konzentrationslager „Karriere machen“ konnte. Der Film spielt im Jahr 2000, als Helga, ihre Tochter und Enkeltochter der eigenen, mit Makeln behafteten Vergangenheit nachspüren.

Bereits jetzt lässt Philip Selway den Titelsong des Soundtracks, welcher digital am 15. September und physisch am 27. Oktober via Bella Union erschienen und vornehmlich Instrumentalstücke enthalten wird, hören. Und bereits dieser ist – wie wohl auch auch der Film – ein emotionaler Haken in die Magengegend: Zu Pianobegleitung singt Selway Zeilen wie „I waited for you to come back, you never came / I called out for you, you pushed me away“, bevor (sein) Schlagzeug und eine Trauerweide aus Streichern das Stück von Dannen tragen…

 

 

Rock and Roll.

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Schöne kranke Welt – gesellschaftskritische Kunst von Steve Cutts


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Dummheit, Korruption, Ausbeutung, Gier – es gibt viele Worte, mit denen man unsere heutige Gesellschaft beschreiben könnte. Zumindest ihre Schattenseiten. Doch am Ende sind Bilder immer mächtiger als Millionen von Buchstaben.

Deshalb lässt ANEWFRIEND hier die Illustrationen des Londoner Künstlers Steve Cutts für sich sprechen. Auch wenn Cutts‘ dystopisch anmutende Kunstwerke rundum pessimistisch auf die Welt und ihre Gesellschaft(en) blicken mögen und es ist nicht leicht fallen mag, sie anzusehen, so kann doch niemand abstreiten, dass ihre Botschaft im Kern wahr ist…

 

„Das Gehetze“

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„Arrgh! Es ist schon wieder Montag“

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„Jessica und Roger entspannen sich zu Hause“

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„Der Bonze“

fatcat

„Die Evolution“

evolution

„Das Essen ist angerichtet…“

dinner

„Ein Bulle präsentiert die täglichen Nachrichten“

dailybullshit

„Der ewige Kreislauf“

circle of life

„Noch ein Tag im Büro“

office

„Handy-Sklaven“

phone slaves

„Die Umweltzerstörung durch die Menschheit“

recycling

„Die echte Weihnachtswerkstatt“

santa

„Schrei-Königin“

scream

„Eine Kritik am Konsum“

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„Die Falle“

mouse

„Der letzte Händedruck“

handshake

„Der König“

king

 

 

Dass Steve Cutts auch tolle, thematisch ganz ähnlich gelagerte Animationsfilme, von denen einer im vergangenen Jahr sogar als Musikvideo des Moby & The Pacific Choir-Songs „Are You Lost In The World Like Me?“ verwendet wurde, kann, könnte dem ein oder anderen bereits in den letzten aufgefallen sein, als Kurzfilme wie „MAN“ oder „This Is Our World“ in den sozialen Netzwerken die Runde machten. Der Rest kann (s)ein Versäumnis nun hier nachholen…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Radiohead – „Man Of War“


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Erinnert alles ein bisschen an ihren guten alten Mini-Hit „Just“: Radiohead haben ein neues Musikvideo zum eigentlich gar nicht mal so neuen, nun jedoch erstmals veröffentlichten Song „Man Of War“ gedreht. Und darin ist, ähnlich wie im Video zu „Just“, ein Mann auf einer unerklärlichen inneren Mission unterwegs. In „Just“, dem Stück vom 1995 erschienenen zweiten Album „The Bends„, legt er sich auf die Straße, in „Man Of War“ ist der Herr auf der Flucht. Wovor? Das weiß man freilich nie so genau (schließlich sind hier die musikalischen Ober-Enigmaten von Radiohead am Werk!) – und bekommt am Ende der viereinhalb Video-Minuten doch eine leise Ahnung davon…

OKNOTOKAuch musikalisch hat „Man Of War“ nicht viel mit der Band Radiohead zu tun, wie wir sie seit über 15 Jahren – und spätestens mit dem wegweisenden Album-Doppel aus „Kid A“ und „Amnesiac“ – kennen. Das Stück ist ein für Band-Verhältnisse relativ konventioneller Rocksong, der eher an britpoppige Anfangstage erinnert, und das hat einen guten Grund: Es ist mindestens 22 Jahre alt, wurde damals von Radiohead hin und wieder live gespielt, aber nie (offiziell) aufgenommen, geschweige denn veröffentlicht. Und doch erschien der Fanfavorit, der jahrelang als „Big Boots“ oder „Man o‘ War“ durch Foren und das weltweite Netz geisterte, dieser Tage erstmalig auf „OKNOTOK„, der Jubiläumsedition von Radioheads zwanzig Lenze jungem Meilenstein „OK Computer“. Interessant, auch für Fans: Neben etlichen B-Seiten sind darauf drei zu unrecht fast vergessene Radiohead’sche Songperlen zu hören. Und so bekommen, nebst „Man Of War“, auch die Outtakes „I Promise“ sowie „Lift“ zwei Dekaden später die verdiente Aufmerksamkeit. Über letzteres Stück sagte Gitarrist Ed O’Brien zuletzt Folgendes:

„We played that live with Alanis Morissette. It was a really interesting song. The audience, suddenly you’d see them get up and start grooving. It had this infectiousness. It was a big anthemic song. If that song had been on that album, it would’ve taken us to a different place, and probably we’d have sold a lot more records — if we’d done it right. And everyone was saying this. And I think we subconsciously killed it. If ‚OK Computer‘ had been like ‚Jagged Little Pill‘, it would’ve killed us. But ‘Lift’ had this magic about it. But when we got to the studio and did it, it felt like having a gun to your head. There was so much pressure. But saying that, I’ve got a monitor mix, and it is pretty good.”

 

 

„Drift all you like
From ocean to ocean
Search the whole world
But drunken confessions
And hijacked affairs
Will just make you more alone

When you come home
I’ll bake you a cake
Made of all their eyes
I wish you could see me
Dressed for the kill
You’re my man of war

You’re my man of war

And the worms will come for you
Big Boots
Yeah, yeah, yeah

So unplug the phones
Stop all the tapes
It all comes flooding back
From poisoned clouds
To poisoned dwarves
You’re my man of war

You’re my man of war

And the worms will come for you
Big Boots
Yeah the worms will come for you
Big Boots
For you
Big Boots…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The xx – „Brave For You (Marfa Demo Version)“


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Ich geb’s zu: Zwar mag ich The xx, für die spannendste Band halte ich das Londoner Trio jedoch kaum – das hat sich auch mit dem im Januar erschienenen dritten Album „I See You“ nicht geändert. Wenn’s um verträumt-melancholischen, von Electronica und Minimal durchzogenen Indie-Dreampop geht, bekommen bei mir im Zweifel oft die aus dem englischen Nottingham stammenden London Grammar den Vorzug. (Dass beide Bands nicht zu einhunderundein Prozent deckungsgleich sein mögen, weiß ich selbst. Aber hey – beides junge Bands aus Brexitannien mit je zwei Mannen und einer Frontdame mit ganz und gar bezaubernder Stimme! Für mich kann juveniler Herzschmerz aktuell kaum schöner klingen als aus dem Mund von London Grammars Hannah Reid – man höre einfach das neue Album „Truth Is A Beautiful Thing„…)

XX_ISEEYOU_4000Nichtsdestotrotz haben auch Romy Madley Croft, Oliver Sim und 
Jamie xx, die seit dem Erscheinen ihres ganz simpel „xx“ betitelten Debüts 2009 einen ganz eigenen, charismatischen, international erfolgreichen Sound etabliert haben, auch 2017 den ein oder anderen tollen Song vorzuweisen. Etwa die reduziert daher schwebende und aufs Nötigste herunter gebrochene Demo-Version von „Brave For You“ (erschienen auf dem Deluxe Box Set von „I See You“), zu der es nun auch ein Musikvideo gibt. Anschauen, anhören – und dahinschmelzen…

 

 

 

„In all I know
And what I’ve done
I take you along
Though you’re not here
I can feel you there
I take you along

And when I’m scared
I imagine you’re there
Telling me to be brave

So I will be brave for you
Stand on a stage for you
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to
I will be brave
I know you’d want me to

I see things change
And now watch them grow
And I know you do, too
When the things don’t make sense
I have courage
Because of you

And when I’m scared
I imagine you’re there
Telling me to be brave

So I will be brave for you
Stand on a stage for you
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to
I will be brave
I will be brave
Do the things that I’m afraid to do
I know you want me to

There are things I wish I didn’t know
I try my best to let them go“

 

Rock and Roll.

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