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„Warum ich meine Musik verschenke“ – offene Worte von Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer


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Foto: von der Homepage

Dem regelmäßigen Leser von und auf ANEWFRIEND dürfte Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer durch den ein oder anderen Post und Song hier wie da ein musikalischer Begriff sein.

Nach einer längeren musikalischen Pause (das bislang letzte Spaceman-Spiff-Werk „Endlich Nichts“ erschien 2014) sowie dem kürzlichen Entschluss, fortan nicht mehr unter dem Calvin-and-Hobbes-Pseudonym, sondern unter seinem richtigen Namen Musik machen zu wollen, hat Wittmer sich nun zu einem – zumindest aus künstlerischer Sicht – weitaus radikaleren Schritt entschlossen und gestern – sowohl via Facebook als auch über seine neue Homepage – die unten stehenden Zeilen mit der Welt geteilt. Ein mutiger Schritt, wie ich selbst finde. Und: ein absolut ehrlicher, konsequenter. Als Singer/Songwriter mit Botschaft und Sendungsbewusstsein hat man’s in Deutschland heutzutage (eventuell sogar im globalen Musikgeschäft) ohnehin schwer – vom „Leben von der Musik“ mal ganz zu schweigen… Von daher: Chapeau, Herr Wittmer! Ich ziehe mein Basecap und werde natürlich weiter unterstützend berichten…

 

„UM KEINEN PREIS – WARUM ICH MEINE MUSIK VERSCHENKE

Hallo ihr lieben Menschen,

ich habe mich dazu entschlossen, mein nächstes Album zu verschenken. Es wird also weder im Handel, noch bei den gängigen Streaming- und Downloadplattformen zur Verfügung stehen. Zusätzlich möchte ich auch meine Konzerte (soweit möglich) auf Pay-What-You-Want-Basis spielen. Es ist für mich sowas wie eine Radikalkur von der Musikwirtschaft, ihren Mechanismen und Widersprüchen.

Als „Indie-Musiker“ hatte ich immer das Gefühl mit meinem Beruf in einer Blase, relativ abseits der großen Konzerne, existieren zu können. Bei genauerer Betrachtung stellt sich das leider als eine ziemlich naive Vorstellung heraus. Sobald ich eine Platte veröffentliche, verdienen Firmen, mit denen ich, zumindest beruflich, eigentlich möglichst wenig zu tun haben möchte, Geld mit meiner Musik. Amazon, Apple, Google, Eventim, Spotify und co. freuen sich mit mir über verkaufte Tickets, Streams, Downloads und CDs. Sogar das Majorlabel Sony Music hat im letzten Jahr den digitalen Indie-Vertrieb finetunes aufgekauft und macht seitdem zusätzlich auch mit Spaceman Spiff und hunderten weiteren deutschen Indie-Musiker*Innen und Bands Profite.

Die Strukturen in der Musikindustrie sind keinen Deut besser als in jedem anderen Wirtschaftszweig. Monopole werden angestrebt, die Konkurrenz an allen Ecken und Enden aufgekauft. Man macht sich unabdingbar und kann im Idealfall als Zwischenhändler überall mitverdienen. Auch die kleinen, sympathischen Labels sind dazu gezwungen, entweder mit den Methoden der „Großen“ zu arbeiten oder eben früher oder später dicht zu machen.

Ich will mit meiner Musik kein Teil davon sein … oder zumindest nicht mehr.

Aber warum dann gleich alles verschenken?
Nunja … die Kritik an der Musikwirtschaft ist eigentlich nur die Spitze des Eisberges. Es würde den Rahmen sprengen jetzt auf alles einzugehen, was mir dabei so durch den Kopf geht und ich werde euch in den kommenden Monaten immer mal wieder im Blog Gedanken und Erklärungen nachliefern. Wahrscheinlich ist unschwer zu überlesen, dass ich mich in letzter Zeit nicht unbedingt durch die Kategorie „Romantische Komödien“ bei Netflix geguckt habe (jedenfalls nicht durchgehend). Mich hat vor allem beschäftigt, was der entfesselte Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken mit unserer Gesellschaft anstellt.

In Zeiten der Digitalisierung werden wir rund um die Uhr als wirtschaftliche Einheiten gesehen. Algorithmen stufen uns ein und ballern uns mit der entsprechenden Werbung zu, während wir selbst in unseren Köpfen immer mehr wie genau die Konsumenten denken, als die wir auch gesehen werden. Wir „investieren“ in Freundschaften und Beziehungen, bewerten alles nach Kosten und Nutzen, wägen ab, nicht selten zwischen unserem Gewissen und dem Preis, den wir bereit sind zu zahlen.

Ich möchte versuchen, davon ein Stück weg zu kommen und euch gerne kein Produkt anbieten … kein Preisschild, keinen Kaufvertrag, kein Crowdfunding, keine Ticketgebühren, keinen exklusiven Content.

Mir ist bewusst, dass ich mich von der Welt, wie sie gerade nunmal ist, nicht abkoppeln kann und auch den Kapitalismus werde ich wohl nicht stürzen (jedenfalls nicht in absehbarer Zeit). Ich kann aber aus meiner Lebenswirklichkeit heraus aktiv werden und eine Alternative ausprobieren. Dieser Gedanke fühlt sich befreiend an und scheint mir auch wirksamer zu sein, als mich nur über das Bestehende zu beschweren oder eine konsumkritische Platte aufzunehmen, die man sich dann bei Media Markt kaufen kann.

Wenn ihr mir dabei helfen möchtet, weil ihr mein Experiment gut findet, weil euch die Musik etwas bedeutet oder ihr eh noch ein schlechtes Gewissen habt, nachdem ihr damals die Spaceman Spiff-CD von eurem Kumpel gebrannt habt, könnt ihr das gerne auf der Homepage unter „Unterstützen“ tun.

So oder so freue ich mich übers Zuhören. Als kleine Vorschau hab ich in der Kategorie „Album“ meine allererste Demoaufnahme von „Fragen“ online gestellt, dem Opener der kommenden Platte.

Danke!

Euer

Hannes“

 

 

Rock and Roll.

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Sunday Listen: Spaceman Spiff – live beim Autumn Leaves Festival 2017


Spaceman Spiff

Foto: Wikipedia

Satte drei Jahre liegt das letzte Spaceman Spiff-Album „Endlich Nichts“ nun schon zurück. Und dass man die Hoffnungen auf ein neues Werk nicht zu hoch hängen sollte, erwähnte ich an anderer Stelle bereits vor ein paar Monaten

Trotzdem war Hannes Wittmer, seines Zeichens Kopf, Hirn, Herz und Stimme hinter dem nach einer Comic-Figur benannten Liedermacher-Pseudonym, freilich auch in der letzten Zeit nicht untätig und spielte etwa mit Cellistin Clara Jochum einige Spaceman Spiff-Shows.

Eine davon, das Gastspiel beim diesjährigen Autumn Leaves Festival im österreichischen Graz, hat Niko Springstein für einen Blog auf (digitalem) Tonband gebannt (sic!) und kürzlich in bester Soundboard-Qualität zum Download verfügbar gemacht. Merci dafür auch noch einmal von ANEWFRIEND, welcher den Konzertmitschnitt hiermit allen Freunden der gepflegten deutschsprachigen Singer/Songwriter-Unterhaltungskunst ans Hörerherz legt…

Edith (28.12.2017): Der Spaceman hat den Download zunächst auf Niko Springsteins Blog entfernen lassen, ihn jedoch mittlerweile selbst auf der eigenen Seite zum kostenfreien Download bereit gestellt… Dann eben so.

 

Setlist:
01 Strassen
02 Egal
03 Intro
04 Hier Und Der Wahnsinn
05 Irgendwo Ist Immer Woanders
06 Milchglas
07 Wände
08 Intro
09 Oh Bartleby
10 Intro
11 Teesatz
12 Han Solo
13 Intro
14 Photonenkanonen
15 Vorwärts Ist Keine Richtung
16 Encore
17 Nichtgeschwindigkeit

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Spaceman Spiff – „Vorwärts ist keine Richtung“


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Seit fast zwei Jahren legt der wunderbare Spaceman Spiff nun eine Pause ein. Dass Hannes Wittmer, der Mann hinter dem nach einer Comic-Figur benannten Singer/Songwriter-Pseudonym, die Gitarre in den vergangenen Monaten nicht gänzlich zur Seite gelegt hat, bewies der 31-jährige Würzburger etwa im März, als er das erste, selbstbetitelte Album seines neuen Bandprojektes OTAGO veröffentlichte (gibt’s hier via Bandcamp im Stream). Darauf enthalten: elf Songs, die aus der Stille heraus melancholische Fragen zum Sinn und Sein stellen, und manchmal, ja manchmal auch beantworten. Würde Wittmer nicht erstmals auf Englisch singen, könnte man die Stücke auf „OTAGO“ beinahe für ein neues Album des Spaceman halten…

„I’ll be honest, if you let me

But if you need me to lie, I’ll try…“

Dass Spaceman Spiff so bald mit neuen Songs zurückkehrt, scheint übrigens nicht abzusehen, denn auch aktuell scheint Hannes Wittmer gut beschäftigt: Anfang Mai 2016 gab der umtriebige Künstler auf seiner Facebook-Seite bekannt, dass er zusammen mit Finn-Ole Heinrich am Theater Freiburg an einer Theater-Musik-Lesungs-Performance arbeite (die beiden kennen sich bereits seit dem gemeinsamen Hörspiel-Projekt „Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf “ von 2010).

Und wie ließe sich die Wartezeit besser überbrücken als mit dem ein oder anderen Song der bislang drei Spaceman Spiff-Alben? Man nehme etwa „Vorwärts ist keine Richtung“, den Opener vom 2014er Werk „Endlich Nichts“ und stelle fest: immer noch toll.

(Wer mehr über Spaceman Spiff erfahren mag, dem sei dieser schöne Artikel des „TONIC Magazins“ von 2014 ans Herz gelegt…)

 

 

„Auf der Suche nach Wahrheit
Wie es wirklich ist
Findet man endlich Klarheit
Bis man sie wieder vergisst

Wir fallen in tiefe Löcher
Und klettern wieder hinauf
Und die Sonne geht unter
Und die Sonne geht auf

Wir hängen Dinge an große Glocken
Wir pfeifen Töne in den Wind
Und wundern uns am Morgen
Warum wir noch nicht
Angekommen sind

Denn woanders ist auch immer
Nur ein weiteres Hier
Und immer viel zu viel die Andern
Immer viel zu wenig wir

Aber nur weil’s uns nicht gut geht
Heißt das nicht es geht uns schlecht
Nur weil alle anderen reden
Heißt das nicht sie haben recht
Wir sind lange schon auf Reisen
Und kommen immer nur so weit
Wie die Ideen uns tragen
Wie der Mangel uns treibt

Vowärts ist keine Richtung
Aber alle rennen mit
Das hier ist nicht El Dorado
Das ist nur ein kleiner Schritt

Rückwärts ist keine Richtung
Aber alle schau’n zurück
Das hier ist nicht Gotham City
Das ist nur ein kleines Stück

Und die Sonne geht unter
Und die Sonne geht auf
Wir klettern Löcher hinunter
Und fallen wieder hinauf…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Spaceman Spiff – „Norden“


bands_spiff

Vor wenigen Tagen postete Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer folgende Zeilen via Bandcamp:

„hallo ihr lieben menschen,

ich mache bis auf weiteres erstmal pause mit spaceman spiff.
in den letzten monaten oder sogar jahren durfte ich euch auf konzerten lieder vorsingen, wg-küchen beschallen oder auf s-bahn-fahrten in euren kopfhörern sitzen. als dankeschön dafür hab ich das unveröffentlichte lied „norden“ aufgenommen und auf diese seite gestellt.

der download ist umsonst.
wenn ihr möchtet, habt ihr aber die möglichkeit, per „pay what you want“ einen beliebigen betrag zu zahlen. den kompletten gewinn werde ich dann direkt an pro asyl weiterleiten. ladet umsonst down und verteilt weiter oder spendet 1, 5, 13 oder 100 euro weil ihr sowieso irgendwie helfen wolltet.

in jedem fall: habt dank!

hannes / spiff“

spaceman-spiff-endlich-nichts-151358Eine Pause also? Sieht so aus – und eine verdiente noch dazu. Immerhin war der „Spaceman“ – mal allein, mal in Begleitung von Piano-Mann Enno Bunger, mal mit Cellistin Clara – seit dem Erscheinen seines noch immer feinen dritten Albums „Endlich Nichts“ im Januar 2014 (welches noch dazu beim stets auf formidable Veröffentlichungen geeichten Hamburger Indie-Label Grand Hotel Van Cleef veröffentlicht wurde) quasi non-stop auf Achse und Tournee, reiste mit Kulturauftrag und Gitarre sogar bis ins ferne Neuseeland, um dort seine Lieder zu spielen. Vieles erlebt hat er also, der Hannes – und all das gilt es wohl zunächst einmal, sacken zu lassen.

Um allen Freunden seiner Musik – und das werden wohl in den letzten Jahren kaum weniger geworden sein (auf Facebook haben ihm bislang gut 11.000 Nutzer ein „Gefällt mir“ gegeben) – die Wartezeit ein klein wenig zu versüßen, hat der „Spaceman“, der sich von Album zu Album zu einem der besten deutschen Singer/Songwriter gemausert hat, mit „Norden“ noch ein letztes tolles Drei-Minuten-Stück via Bandcamp ins weltweite Netzrund entlassen. Und da der Song ebenso gut zu nahenden Herbst passt wie der Gedanke, allen Hörern die Wahl zwischen „Pay what you want“ und einer Spende an „Pro Asyl“ zu überlassen, großartig ist, zeigt mein Daumen in diesem Fall klar nach oben – ohne Einschränkungen, dafür mit den besten Grüßen an Hannes, dem auch von dieser Seite eine angenehme, erholsame Pause gewünscht sei, aus der er sich hoffentlich nach nicht allzu langer mit neuen, großartigen Liedern zurück meldet. Bis dahin darf „Endlich Nichts“ sicher noch viele, viele Runden in den Kopfhörern während S-Bahn-Fahrten drehen. Oder WG-Küchen beschallen. Oder am anderen Ende der Welt Spuren hinterlassen.

„Bitte raub‘ mir den Atem
Gib‘ ihn nie wieder her
Bis ich vergesse wie Luft schmeckt
Bleib‘ ich bei dir
All die offenen Türen und
Diese Sucht nach mehr
Mit ihren turmhohen Fragen
Fallen über mich her

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Bind‘ sie irgendwo an
Auf dass ich noch bleibe

Die Welt ist aus Glas und ich
Ich bin ein Magnet
Ein gebogener Körper
Auf der Suche nach Halt
Ich bin eine Kompassnadel
Die sich pausenlos dreht
Bist du mein Norden
Bist du Wiesen und Wald

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Komm‘ wir binden sie fest
Auf dass ich noch bleibe

Meine elende Freiheit
Ist zu groß für uns beide
Bind‘ sie irgendwo an
Auf dass ich noch bleibe
Komm‘ wir binden sie fest
Auf dass ich noch bleibe

Bis ich irgendwann
Meine Freiheit vertreibe

Bitte raub‘ mir den Atem
Gib‘ ihn nie wieder her
Bis ich vergesse wie Luft schmeckt
Bleib‘ ich bei dir“

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Elbow – New York Morning

new york morning

Das im März erscheinende sechste Elbow-Studioalbum „The Take Off And Landing Of Everything“ wirft weiter seine Schatten voraus. Nach „Fly Boy Blue / Lunette“ hat die Band aus Manchester mit „New York Morning“ nun einen zweiten Song vorab ins Rennen geschickt. Im dazugehörigen Musikvideo finden, dem Titel gemäß, zwei Dinge zusammen: Einerseits stellte der nie zur Ruhe kommende „Big Apple“ laut Elbow-Frontmann Guy Garvey für ihn und seine Bandkollegen eine der größten Inspirationsquellen der neuen Platte dar, andererseits begleitet der knapp fünfminütige Clip im Dokustil die beiden Punkrock-Fans Lois und Dennis aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, die seit ihrer ersten Begegnung im Jahr 1975 – der Blütezeit von Bands wie den Ramones – quasi  eine untrennbare Leidenschaft zu den krachigen drei Power-Akkorden verbindet und denen die Happy Mondays im Jahr 1990 gar einen eigenen Song namens „Dennis and Lois“ widmeten, bei Betrachtungen ihrer New Yorker Heimat im Gestern und Heute: „Hier war die Musik, hier waren die intelligenten Leute, hier war einfach das Leben. Die meisten der Dinge, die wir kannten und liebten, sind inzwischen weg, aber wir sind immer noch da“. Und wieder einmal kann man fast gar nicht anders, als Elbow für ehrlich empfundene Sentimentalitäten wie diese einfach zu lieben…

 

 

 

William Fitzsimmons – Fortune

william fitzsimmons - fortune

Auch der singende klingende Zauselbart William Fitzsimmons hat, wie bereits auf ANEWFRIEND zu sehen und zu hören war, ein in zwei Wochen erscheinendes neues Album in den Startlöchern. Nach Akustikversionen von „Centralia“ und „Sister“ schickt der US-Singer/Songwriter mit „Fortune“ einen dritten neuen Song seines fünften Albums „Lions“ ins weltweite Netzrund, zu dem ihr euch nun das Musikvideo und die Akustikvariante anschauen und anhören könnt…

 

 

 

Elliott Smith – neue Songs mit UUL

elliott

Auch über zehn Jahr nach seinem tragischen (Frei)Tod sind Elliott Smith und seine Musik freilich weit davon entfernt, in Vergessenheit zu geraten. Auch bezweifelt kaum einer, dass sich auf der ein oder anderen Tonspule oder der ein oder anderen Schublade von befreundeten Produzenten und Musikern noch so einige bislang unveröffentlichte Schätze in Form von unvollendeten Elliott Smith-Aufnahmen befinden könnten…

Trotzdem dürften Fans der 2003 verstorbenen Singer/Songwriter-Ikone anhand drei „neuer“ Stücke sich verwundert die Augen gerieben (respektive: Ohren geputzt) haben: In den späten neunziger Jahren schrieb und komponierte Elliott Smith Stücke für den Gus van Sant-Kinofilm „Good Will Hunting“ in Los Angeles. Als der ehemalige Soul Coughing-Frontmann Mike Doughty von Smiths Aufenthalt in der Stadt der Engel Wind bekam, wollte dieser unbedingt mit dem sensiblen Musiker ins Studio: „Er [Smith] sagte: ‚Ich mache da diese Sache für einen Film. Ich kann nicht glauben, dass ich das tue‘. Aber ich glaube, er hat nur auf cool gemacht. Er dachte bestimmt, dass ich sagen würde: ‚Das ist so langweilig, Mann. Es ist ein verdammter Film.‘ Aber so etwas hätte ich niemals gesagt.“

Die beiden verstanden sich gut und gingen tatsächlich gemeinsam ins Studio. Völlig ohne Instrumente sang Smith dort ein paar Gesangsparts ins Mikrofon. Dabei entstanden sogenannte binaurale Tonaufnahmen, die einen möglichst realistischen Stereoklang erzeugen sollten. Ärgerlicherweise kam es bisher nie zu einer Veröffentlichung, noch im Oktober sagte Doughty: „Ich wüsste zu gerne, wo ich die Aufnahmen hingetan habe.“

Einen Monat später, im November des vergangenen Jahres, tauchten die alten Tonbänder dann doch noch auf. Doughty verschwendete keine Zeit und bastelte aus dem mehr als 15 Jahre alten Material neue Songs. Eine „reine“ Rock-Kollaboration erschien beiden Künstlern schon damals als zu langweilig, etwas Spannenderes sollte es sein. Unter dem Künstlernamen UUL entstanden aus dem A-Capella-Gesang Smiths drei tanzbare Elektro-Tracks (!). Und weil das Material lange genug verschollen auf Halde lag, stellt Doughty die Songs nun via Soundcloud als Gratis-Downloads (im *.wav-Format) zur Verfügung.

 

 

 

Clare Maguire – MixTape

Clare Maguire

Apropos „kostenlos“: Auf die stimmlichen Qualitäten der 26-jährigen britischen Musikerin Clare Maguire wies ANEWFRIEND bereits im vergangenen Jahr hin, als ihre Version des gut 50 Jahre jungen Peggy Lee-Jazzstandards „Black Coffee“ hier als „Song des Tages“ Erwähnung fand. Dieses Stück bietet Maguire – nebst acht weiteren Songs (unter anderem ihre wunderschöne Interpretation von Joni Mitchells „The Last Time I Saw Richard“ und die des Jeff Buckley-Klassikers „Lilac Wine„) auf ihrer Homepage als kostenfreies „MixTape“ zum Download an. Zuschlagen und herniederladen, Lädiletten und Dschäntelmänner, bitte!

 

 

 

Spaceman Spiff – Akustik Session für lamosiqa.com

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..und weil Spaceman Spiffs kürzlich erschienenes drittes Album „Endlich Nichts“ in letzter Zeit immer öfter den Weg in die ANEWFRIEND’schen Gehörgange gefunden hat, gibt es zum Abschluss der „Bild und Ton“-Woche noch „Teesatz“ und „Wände“, im Original beide auf dem neuen Album zu finden, die Hannes „Spaceman Spiff“ Wittmer und Band während ihrer vor wenigen Tagen beendeten Tournee für lamosiqa.com in reduzierten Akustikvarianten darboten…

 

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Bruce Springsteen – Gov. Christie Traffic Jam (mit Jimmy Fallon)

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Irgendwas war anders beim kürzlichen Auftritt Springsteens bei „Late Night with Jimmy Fallon„. Lag es am dezent an die Achtziger-Phase des US-Musikers erinnernden Outfit aus Stirnband, Sonnenbrille und Jeanshemd? Oder etwa an der Stimmlage, die irgendwie nicht ganz so rauchig-knödelig ins Mikro schallte wie sonst? Schnell wird klar: hier versucht sich der Gastgeber selbst als Bruce-Imitator! Noch besser wird’s, als nach knapp einer Minute der „Boss“ selbst ins Scheinwerferlicht tritt und beide als Springsteen-Doppel den Evergreen „Born To Run“ textlich zum nicht eben ironiefreien Spottgesang auf den konservativen US-Politiker Chris Christie ummünzen, der in New Jersey unlängst für ein Verkehrschaos sorgte und so durch den „Chris Christie Bridge Skandal“ nicht eben für Eigenwerbung sorgte…

 

 

Dass zumindest Jimmy Fallon noch weitere Imitationen drauf hat, beweist er unter anderem als Neil Young. Und auch bei dieser Gesangseinlage hat es sich der „Boss“ nicht nehmen lassen, ihn zu begleiten:

 

 

Elbow – Fly Boy Blue / Lunette

Elbow

Die Vorfreude auf das im März erscheinende sechste Studioalbum „The Take Off And Landing Of Everything“ der fünf Mancunians von Elbow dürfte der erste Songvorbote „Fly Boy Blue / Lunette“ nicht eben drücken. Mehr noch: Der Sechseinhalbminüter lässt mit seiner Jam-Atmosphäre, die ab und an jäh von wild aufspielenden Bläsersätzen durchbrochen wird, auf eines der Highlights des Musikjahres hoffen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es Frontmann Guy Garvey und seinen Jungs sogar, an Albumgroßtaten vor dem letzten, etwa drei Jahre zurückliegenden Werk „Build A Rocket Boys!“ anzuknüpfen…

Allen, denen die Vorfreude ähnlich hartnäckig wie mir im Nacken sitzt, können diese derweil mit dem feinen, unlängst erschienenen audiovisuellen Livealbum „Live at Jodrell Bank“ stillen und sich neben dem neuen Song schon einmal die Tracklist zu „The Take Off…“ zu Gemüte führen:

the take off

 

 

 

La Dispute – Stay Happy There

La Dispute 2014

Nur wenige Tage nach Elbow stellen die Jungs von La Dispute mit „Rooms Of The House“ ihr drittes Album in die Plattenregale. Und auch wenn mit „Stay Happy There“ der erste brachiale Eindruck eher auf eine Rückkehr zum sechs Jahre zurückliegenden Debüt „Somewhere At the Bottom of the River Between Vega and Altair“ hinweist, so darf man doch schon gespannt sein, ob Sprachrohr Jordan Dreyer auf dem neuen Album eine ähnliche wortgewandte Intensitätskerze abfackeln kann wie auf dem 2011 erschienenen Post Hardcore-Meilenstein „Wildlife„… Zu wünschen wäre aus der Band aus Grand Rapids, Michigan in jedem Falle!

 

 

 

We Were Promised Jetpacks – Peace Sign (live)

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Etwas weniger brachial, dafür mit feinstem Schotten-Akzent und ordentlich Rhythmus zwischen Becken und Backen geht das aus Edinburgh stammende Vierergespann von Were Were Promised Jetpacks zu Werke. Dass die Band, deren letztes Album „In The Pit Of The Stomach“ nun auch schon wieder knapp drei Jahre auf dem musikalischen Buckel hat, auch live und auf den Konzertbühnen der Welt eine sicher rockende Bank ist, dürfte dem ein oder anderen bekannt sein. Alle anderen bekommen in gut einem Monat den konservierten Beweis, wenn die Band ihr erstes Livealbum „E Rey: Live in Philadelphia“ auf die geschätzte Hörerschar loslässt. Hier kann man sich anhand des neuen Songs „Peace Sign“ schon einmal einen ersten Eindrück verschaffen:

 

 

 

ClickClickDecker – Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde

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Kevin Hamann covert Hannes Wittmer. Gut, was sich zunächst liest wie die Überschrift zu einem dieser Allerwelts-Youtube-Videos, in denen jemand vor einer schief sitzenden Laptopkamera hockt, um zur Akustischen seine Version eines Chartshits ins semioptimale Mikrofon zu singen, ist in diesem Falle doch deutlich interessanter, denn die beiden oben genannten Herren treten seit Jahren vor allem als ClickClickDecker (Hamann) und Spaceman Spiff (Wittmer) in Erscheinung und bereichern unter diesen Pseudonymen die bundesdeutsche Singer/Songwriterlandschaft. Und da jüngst die Veröffentlichungstermine ihrer neuen Alben – Spaceman Spiffs drittes Album „Endlich Nichts“ erschien vor knapp einer Woche, ClickCkickDeckers neustes Werk „Ich glaub dir gar nichts und irgendwie doch alles“ am gestrigen Freitag – passenderweise so eng beieinander lagen, nahm Kevin „ClickClickDecker“ Hamann dies als Anlass, seine elektronisch angereicherte Variante des neuen Spaceman Spiff-Stückes „Der Tag an dem ich nicht verrückt wurde“ zum Besten zu geben.

„Heute ist der Tag / An dem ich / Verrückterweise wieder nicht verrückt wurde / Heute ist der Tag / An dem ich / Bedrückterweise hilflos durch die Straßen irrte / Und all die Menschenhände / Sie tragen Gegenstände / Durch all die Häuserwände / Irgendwo hin / Aber keiner trägt den Sinn…“

 

 

 

Coeur de Pirate – Trauma

coeur de pirate

Coeur de Pirate, zu deutsch „Piratenherz“, ist der Künstlername, unter welchem die 24-jährige Frankokanadierin Béatrice Martin seit 2008, als ihr selbstbetiteltes Albumdebüt veröffentlicht wurde, in immer größerem Rahmen für Aufsehen sorgt. Dass ihr Erfolg in deutsch- und englischsprachigen Ländern bislang überschaubar ausgefallen ist, dürfte nicht eben verwundern, immerhin findet ihr Indiefolkpop bei aller Lieblichkeit und Melodieseligkeit bislang ausschließlich mit französischen Texten statt. In heimatlichen Kanada konnte die Musikerin jedoch bereits eine Jun Awards-Niminierung als „bestes französischsprachiges Album“ einheimsen, während  ihr erstes Album – wie auch in Frankreich – bis in den vorderen zehn Plätzen der Albumcharts kletterte.

Mit dem nun erscheinenden dritten Werk „Trauma“ betritt Martin textliches Neuland. Denn zum ersten Mal singt sie die darauf zu findenden zwölf Stücke komplett in Englisch. Und: Die Songs stammen nicht von ihr, sondern sind Coverversionen mal mehr (Amy Winehouse, Bill Withers, Rolling Stones, The National, Bon Iver), mal weniger (Patrick Watson) bekannter Musikkollegen, deren Gesamtheit den Soundtrack zur TV-Serie „Trauma“ bildet…

 

Wer mag, der kann sich auf Coeur de Pirates Bandcamp-Seite auch ihre bislang erschienenen weiteren Alben in Gänze anhören…

 

 

Und zum Schluss noch einen Schnappschuss, den Dave Groll und seine Foo Fighters in dieser Woche auf Facebook posteten. Schenkt man dem Schwarz-weiß-Foto, welches ganz oldschool aufgereihte und mit „Foo Fighters LP8“ beschriftete Masterrollen von Magnetbändern zeigt, Glauben, so dürfte das neue – und, natürlich, achte – Album der Foo Fighters nicht mehr all zu lang auf sich warten lassen…

Foo Fighters LP8

 

 

Rock and Roll.

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