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Sexismus, mal anders herum betrachtet – Eli Rezkallah entwirft alte Werbeanzeigen neu


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Das Frauenbild um die 1950er herum kennen die meisten von uns – ob nun aus Dokumentationen, Erzählungen oder eventuell sogar eigenen Erlebnissen – nur allzu gut: das fleißige, stets umsichtige und willige „Heimchen“ am Herd, das dem hart arbeitenden Ehemann tagtäglich die leckersten Gerichte auftischt (was ja damals auch die Werbeindustrie suggerierte), den gemeinsamen Nachwuchs umschwänzelt, sich stets adrett zu kleiden hat – und all das mit einem Lächeln tut (oder eben auch mal nachhilft).

Dass all das – wie feste Geschlechterrollen im Allgemeinen und zumindest in den meisten Ländern – sprichwörtlich Schnee von Vorgestern ist, weiß man(n) ebenso. Umso befremdlicher wirken Reklameanzeigen für Staubsauger, Bier und Co. aus den Vierzigern bis Sechzigern des letzten Jahrhunderts.

Und ebenjene nahm sich der 31-jährige, aus dem libanesischen Beirut stammende Fotograf und Video-Editor Eli Rezkallah für seine neuste, so simpel wie treffend „In A Parallel Universe“ benannte Kunstserie vor – und drehte die dargestellten sexistischen Geschlechterrollen mal eben um. Das Ergebnis sollte man mit einer Schippe Humor nehmen, schließlich werden die absurden Stereotype nur allzu deutlich…

Den Anstoß für die Serie gab Eli Rezkallah übrigens ein Ereignis innerhalb seiner Familie, wie er auf seiner Website erzählt:

“Last Thanksgiving, I overheard my uncles talk about how women are better off cooking, taking care of the kitchen, and fulfilling ‚their womanly duties.‘ Although I know that not all men are like my uncles and think that way, I was surprised to learn that some still do, so I went on to imagine a parallel universe, where roles are inverted and men are given a taste of their own sexist poison.”

 

 

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(via boredpanda.com)

 

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„Sorry, Sie haben leider eine Scheide“ – Der „Neo Magazin Royale“-Beitrag zur Gleichberechtigungsdebatte


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Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“-Team haben’s wieder getan: Nach dem #varoufake, #verafake, „Be deutsch!“ oder dem Erdogan-„Schmähgedicht“-Skandal, welcher lächerlicherweise haarscharf an einer bilateralen Staatskrise vorbei geschrammt ist, wurde in der neusten, gestern in der ZDF-Online-Mediathek veröffentlichten Sendung des „Neo Magazin Royale“ wieder ein wichtiges Stück kontroverse Unterhaltungsware, über welche sich nachzudenken lohnt, präsentiert…

Dabei hatte diesmal nicht Böhmermann selbst, sondern Giulia Becker, ihres Zeichens eine von zwei Gag-Schreiberinnen im Team des „Neo Magazin Royale„, ihren großen Auftritt: Mit ihrem Song „Verdammte Scheide“ spricht sie viele aktuell wichtigen Themen auf einmal an.

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„Geh‘ zum Fernsehen, haben sie gesagt, denn für eine Frau bist du irgendwie komisch“, steigt Becker zu sachtem Pianogeklimper in ihren Song übers Frausein ein. Lange rätselte sie, warum sie nur so anders behandelt werde im Böhmermann-Team. Wieso sie von ihren männlichen Kollegen gemieden wird und beim Mittag alleine essen muss. Wieso ihr nicht richtig zugehört wird, obwohl sie die besten Witze schreibt. Wieso sie nicht Boxen darf, oder sich an der Uni einschreiben.

Obwohl doch so viel mehr in ihr stecke als Gebäck, denkt sie, es liege an ihrem Bauch. Doch dann fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: Sie hat eine Scheide! Und genau an der muss es liegen, schlussfolgert sie.

In dem Song und dem dazugehörigen Video kommt vieles von dem zu Wort, was gerade Thema ist: Bodyshaming, Gleichberechtigung, Emanzipation, veraltete Frauenbilder, sogar der fahrlässige Umgang mit Wörtern, ist „Scheide“ doch ein zutiefst mittelalterlicher Begriff. Gemeint ist – im Wortsinn – damit, neben einer Aufbewahrung für Hieb- und Stichwaffen, nämlich auch „Trennen, Scheiden“ (siehe Wasserscheide). Mit diesem Wissen klingt es plötzlich doch sehr respektlos, ernsthaft so ein Wort für ein Geschlechtsteil zu verwenden. Dennoch ist der Begriff teilweise noch in den Köpfen der Menschen verankert.

Klar übertreibt Giulia, wenn sie uns laufend mit ihrer Scheide penetriert (sic!). Aber das ist auch der Plan – und in dem Fall unverzichtbar und eine gute Entscheidung:

„Was ist so schlecht an mir? Eine Scheide. Was mach ich falsch? Eine Scheide. Warum werde ich so schlecht bezahlt? Eine Scheide. Worüber wurde noch nie ein Witz gemacht? Eine Scheide. Woher haben die alten, weißen Männer im Fernsehen Angst? Eine Scheide. Wer hat den dritten Teil von Bridget Jones geschrieben? Eine Scheide. Wer hat John F. Kennedy erschossen? Eine Scheide. Wer hat an der Uhr gedreht? Eine Scheide. Was reimt sich auf eine Weide? Eine Scheide. Wer hat das Gras weggerraucht? Eine Scheide. Unsere Erde ist? Eine Scheide.“

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Darin liegt – wie so oft bei den Aktionen des „Neo Magazin Royale“ – die Stärke des Songs, in dessen dazugehörigem Video Giulia Becker Unterstützung von – natürlich – weiblichen TV-Größen wie Ina Müller oder Nora Tschirner erhält. Denn hinter der humorigen, satirischen Behandlung dieses ernsten Themas steckt eine wichtige Botschaft: Körperliche Reduzierungen sind eben tatsächlich nicht mehr als zwar weit verbreiteter, im Endeffekt jedoch willkürlicher, fortlaufender Blödsinn. Vielleicht lernen wir ja was draus…

 

Rock and Roll.

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