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Song des Tages: Jimmy Eat World – „Firestarter“


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The-Prodigy-Frontderwisch Keith Flint ist tot. Der englische Tänzer und Musiker, den der „Rolling Stone“ – wohl im leichten Überschwang der schlechten Nachricht – als den „vielleicht berühmtesten Rave-Sänger“ bezeichnete, wurde nur 49 Jahre alt. Medienberichten zufolge wurde Flint heute in seinem Zuhause in Dunmow, Essex, aufgefunden und habe, schenkt man seinem Bandkumpel Liam Howlett Glauben, Suizid begangen:

„The news is true , I can’t believe I’m saying this but our brother Keith took his own life over the weekend , I’m shell shocked , fuckin angry , confused and heart broken ….. r.i.p brother Liam“

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Wenn ich selbst an The Prodigy denke, kommt mir meine eigene Jugend wieder in den Sinn, in welcher das dritte, 1997 erschienene Album „The Fat Of The Land“ lautstark so manchen heißen Sommer beschallen durfte. „Smack My Bitch Up“! (Gerade mit dem ikonischen Musikvideo von Jonas Åkerlund, welches mit all seinen explizit nicht jugendfreien Szenen damals, als MTV noch Musikvideos spielte, nur des nachts laufen durfte und deshalb freilich einen zusätzlichen Reiz besaß!) „Firestarter„! „Breathe„! Instant Hits, die damals (wie wohl auch heute) in jedes gute Indie-DJ-Set gehör(t)en…

Als erstes kam mir jedoch die ebenfalls auf ewig tolle „Firestarter“-Coverversion von Jimmy Eat World ins imaginative Ohr. Auch im Rückblick, stolze 14 Lenze nach der Veröffentlichung auf der EP gleichen Titels anno 2004, traf die vierköpfige Alternative-Rock-Band aus dem US-amerikanischen Mesa, Arizona damit eine spannende Wahl, schließlich hätte man von Jim Atkins und Co. Vieles erwartet – nur wohl nicht, dass sich Jimmy Eat World einen Electropunk-Breakbeat-Partykiller einverleiben. Und gerade deshalb gerät diese Version so toll, so still, so abgründig tief…

Mach’s gut, Keith Flint.

(Jedem Interessierten sei etwa der Nachruf von „Spiegel“-Autorin Jenni Zylka empfohlen…)

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: The Moth & The Flame – „The New Great Depression“


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Ja doch, wenn man die Songs von „Ruthless„, dem dritten, kürzlich erschienenen Album von The Moth & The Flame, so hört, kann man sich das aus dem US-amerikanischen Provo, Utah stammende und mittlerweile – wie so viele Künstler – in Los Angeles beheimatete Indierock-Quartett schon gut in der Nachmittagssonne auf der Indie-Stage eines Sommer-Festivals oder im Vorprogramm von, meinetwegen, Gang Of Youths, Imagine Dragons oder 30 Seconds To Mars vorstellen – freilich ohne all die despektierlich zu meinen.

718c4YfK-gL._SS500_Schließlich geht ein Großteil der Stücke, die beständig ihre Zutaten aus milde polterndem Indierock, zeitweise hypnotischem Elektropop und schmeichelnd-melancholischen Piano-Balladesken ziehen, während Frontmann Brandon Robbins mal von Zwischenmenschlichkeiten, mal von den kleinen wie großen Ängsten singt (mehr dazu etwa hier), recht gut ins Ohr – wenn auch die wenigsten der Songs des Nachfolgers zum ebenfalls empfehlenswerten 2016er Werk „Young & Unafraid“ kaum lange da verbleiben. Radiotauglicher Befindlichkeits-Indie, meinen die Spötter. Andererseits noch immer besser als jede einzelne Note von all den Coldplays, meint der gute Geschmack…

 

In jedem Fall toll ist Brandon Robbins (Gesang, Gitarre), Mark Garbett (Keyboard, Gesang), Michael Goldman (Bass) und Andrew Tolman (Schlagzeug) der Albumopener „The New Great Depression“ gelungen, welcher – wenn auch nicht tiefergehend – von Depressionen und Ängsten handelt, und all dies besonders anschaulich im dazugehörigen Musikvideo umsetzt, welches wohl schon jetzt eines der Feinsten des Musikjahres sein dürfte.
Selbiges gibt es hier zu sehen…

 

…während The Moth & The Flame in dieser Live Session beweisen, dass das Stück auch das Zeug zur amtlichen Akustik-Nummer hat:

 

„Breathe it in, let it out, so familiar now
Welcome home, been a while
Since you came around
I was young, saw your face
When the lights went out
When the lights went out

I’m fine, don’t ask, the truth is
I’m nightmares underneath, it’s useless
Oh well, who cares, the proof is
The monster in my head is ruthless

Up at night, feeling down, and am I all alone
Hide away from it all, in a stranger’s home
Is it me? Is it you? Can I trust myself?
I need some help

I’m fine, don’t ask, the truth is
I’m nightmares underneath, it’s useless
Oh well, who cares, the proof is
The monster in my head is ruthless

Welcome the new Great Depression…

I’m fine, don’t ask, the truth is
I’m nightmares underneath, it’s useless
Oh well, who cares, the proof is
The monster in my head is ruthless

Welcome the new Great Depression…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Ex:Re – „Romance“


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Foto: Marika Kochiashvila / Promo

Elena Tonra, hauptberuflich Frontfrau (also Sängerin, Gitarristin und Songwriterin in Personalunion) der englischen Indierock-Melancholiker Daughter, veröffentlicht ohne großes Vorab-Promo-Ankündigungs-Wartezeit-Tamtam sowie unter dem enigmatischen Namen Ex:Re am kommenden Freitag mal eben ihr Solodebüt. Feine Sache, das…

515VPBsEM+L._SS500Auf dem selbstbetitelten Album lässt uns die 28-jährige Musikerin tief in ihre Seele blicken. Die zehn Songs entstanden nach dem Ende einer Beziehung und sind textlich eine Art Brief an sich selbst und ihre Umwelt. Der Name Ex:Re leitet sich sowohl von den Begriffen „regarding ex“ als auch „X-Ray“ ab – das passt, gibt Elena Tonra doch einmal mehr einen recht offenherzigen Einblick in ihr Innerstes. Break up songs.

Aufgenommen wurde das Album zusammen mit dem 4AD-Studio-Chef und Produzent Fabian Prynn am Schlagzeug und der Komponistin Josephine Stephenson am Cello.

Elena Tonra über ihr Album: „Although the record is written for someone, a lot of the time it’s about the space without that person in it.In every scenario, there’s either the person in memory or the noticeable absence of that person in the present moment. I suppose it is a break-up record, however I do not talk about the relationship at all, and he hardly features in the scenes. He is onlyfelt as a ghostly presence.

Die erste Single heißt “Romance“ und ist eine wunderschöne, sanft-melancholische Elektro-Pop-Ballade, durch die uns die zart gehauchten, in klassischer Daughter-Manier und mit bittersüßen Melodien an Bord vorgetragenen Vocals der zierlichen Sängerin führen. Solche Songs können eigentlich nur durch ein gebrochenes Herz entstehen…

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Barbarossa – „Home“ (Piano Version)


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Foto: Facebook

Bereits seit Mitte der Nullerjahre macht der Londoner Musiker James Mathé unter dem Projektnamen Barbarossa mit (s)einem durchaus charmanten Mix aus Folk, Soul und elektronischen Klängen auf sich aufmerksam. Allerdings hat Mathé/Barbarossa im Lauf der Zeit einen deutlichen musikalischen Wandel vollzogen und sich vom bärtigen Folkmusiker zum entspannten, ambienten Elektroniker entwickelt – artverwandte Kollegen wie Nick Murphy (fka Chet Faker) lassen grüßen… Immer geblieben ist sein schöner (Falsett)Gesang, welcher ab und zu an José González erinnert (den er wiederum – passenderweise – aktuell auf Tournee begleitet), mal Gitarre, oft (s)ein Piano –  und ganz viel Atmosphäre.

Übrigens: Aufmerksame Netflixer und Serien-Binger dürften das ein oder andere von Barbarossas Stücken durchaus aus Serien wie „How I Met Your Mother“, „Elementary“ und „Suits“ kennen. Das im März veröffentlichte SlowMo-meets-TripHop-meets-Soul-Album „Lier„, das wie seine Vorgänger („Bloodlines“ von 2013 sowie „Imager“ zwei Jahre darauf) bei beim Label „Memphis Industries“ erschien, produzierte Mathé in seiner englischen Heimatstadt Margate. Unterstützung erhielt er dabei vom Elektroniktüftler Ghost Culture und dem Schlagzeuger Joel Wästberg, der gemeinhin unter dem Alias Sir Was und durch City Slang bekannt ist.

Dass seine Songs auch ohne elektronisches Gerüst und im reduzierten Piano-Gewand ihre entsprechende Wirkung nicht verfehlen, zeigt James Mathé mit einer Neuaufnahme von „Home“, welches ursprünglich auf dem Zweitwerk „Imager“ erschien.

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Twin Oaks – „Eighteen Minutes“


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Wer den Schnellschuss im Assoziationsurteil bevorzugt, und lediglich den vorzüglichen Song „Eighteen Minutes“ als Grundlage nimmt, der könnte mutmaßen, dass es sich bei Twin Oaks um Wiedergänger von Daughter handelt. Und würde gar nicht mal so falsch liegen, denn auch die Band aus Upland, Kalifornien macht sich – zumindest in diesem Stück, welches von der im vergangenen Jahr erschienenen „Collapse EP“ stammt – typische Daughter’sche Stilmittel zueigen: die ruhige, melancholische Soundbrise zum Einstieg, bevor GitarreSchlagzeugBass Anlauf nehmen und den Song gegen Ende in einen amtlichen, urplötzlich verebbenden Shoegaze-Klangorkan verwandeln. Und auch der Stimme von Twin-Oaks-Frontfrau Lauren Brown kann man nicht ganz absprechen, wie Elena Tonras sister from another mister zu klingen…

a1013610861_10Auch andere Referenzbands wie London Grammar (der elektronischen Unterfütterung mithilfe von Beats und Loops wegen, welche vor allem das 2015 veröffentlichte Twin-Oaks-Album „White Noise“ auszeichneten) oder Lamb (auch von den Folk-meets-Indietronic-Großtaten der britischen Trip-Hop-Koryphäen sind die Kalifornier nie weit entfernt, während Louise „Lou“ Rhodes als weitere stimmliche Schwester zu Lauren Brown nur allzu nahe liegt) lassen beim Twin Oaks’schen Indie-Dreampop eher melancholische Großstadt-Nebelschwaden denn kalifornische Feelgood-Strandatmosphäre vor dem inneren Auge vorbei ziehen. Dass Twin Oaks, die einst als Duo aus Lauren Brown und Aaron Domingo (Gitarren, Keys, Programming) an den Start gingen, mittlerweile jedoch zur vierköpfigen, um Marilyn Beltran (Schlagzeug) und Aroldo Rios (Bass) erweiterten Band angewachsen sind, bei all diesen Assoziationen und – freilich hilfreichen – Referenzen genug interessante Alleinstellungsmerkmale besitzen, dürfte jedem klar sein, der auch der jüngsten „Living Rooms EP“ (welche die Band via Bandcamp zum wahlweise kostenfreien Download anbietet) eine Chance gibt.

(Leider wurde Twin Oaks – gerade im deutschsprachigen Teil des weltweiten Netzes – bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Wer mehr zur Band und ihren Ursprüngen wissen mag, der findet hier ein interessantes Interview aus dem Jahr 2016…)

 

 

„Eighteen minutes ago, I was standing in a dark room
Eighteen minutes ago, I was searching for a face I knew
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into the sea of overbearing dreams

Eighteen minutes ago, I was searching for something real
Eighteen minutes ago, I was wanting somewhere to feel
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into me, I’ll keep searching
Even if it kills me…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Fever Ray – „Keep The Streets Empty For Me“


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Zwar keineswegs neu ist dieser Song von Karin Dreijer Andersson aka. Fever Ray. Trotzdem ist es immer wieder erstaunlich, zu welchen Gelegenheiten einem das Stück vom 2009 erschienenen Debütalbum gleichen Namens über den musikalischen Weg läuft. Etwa zwei Jahre darauf in der kanadischen Horror-Romanze „Red Riding Hood“ (welche wohl allein schon wegen Amanda Seyfried als Möchtegern-Rotkäppchen lohnenswert sein dürfte).

FeverrayOder nun wieder in der kürzlich veröffentlichten ersten Staffel der Netflix-Mystery-Serie „Dark„, die zwar in dem ein oder anderen Moment an das – zumindest von den meisten Kritikern ins Vergleichsfeld geführte – US-Vorbild „Stranger Things“ (oder meinetwegen auch „Twin Peaks“) erinnern mag, mit ihrer beklemmend-mysteriösen Atmosphäre, zu der die hervorragende Darstellerriege und das regengraue Setting im deutschen Hinterland nur noch erschwerender mit beitragen, durchaus überzeugt – und definitiv Bock auf eine zweite Staffel macht…

Eine bessere Wahl als die Musik von Karin „Fever Ray“ Dreijer Andersson, die ja ansonsten mit ihrem Bruder Olof das schwedisch-verquere Electro-Duo The Knife bildet, hätten die Serien-Macher um Regisseur Baran bo Odar und die Drehbuch-Autoren Jantje Friese und Martin Behnke übrigens kaum treffen können, schließlich ist auch das komplette 2009er Fever-Ray-Debüt von einer ganz ähnlichen atmosphärischen Bedrohlichkeit, die sich nie ganz Bann bricht, jedoch stets ums Eck lugt, gekennzeichnet (und ganz nebenbei im Längen besser als das kürzlich überraschend veröffentlichte zweite Album „Plunge„).

 

 

 

Rock and Roll.

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