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Song des Tages: Smith & Burrows – „When The Thames Froze“


Smith & Burrows / Funny looking Angels

Auf den ersten Blick sind sie ein recht ungewöhnliches Gespann: Tom Smith, hauptberuflich Frontmann der Editors, und Andy Burrows, ehemals Mitglied von Razorlight und We Are Scientists. Zumal sich die beiden Freunde vor einigen Jahren dazu entschlossen haben, ein Weihnachtsalbum titels „Funny Looking Angels“ aufzunehmen und denn auch gleich – wenn schon nicht „funny“ dreinblickend – mit Engelsflügeln auf dem Cover der Platte zu posieren.

Ebenjenes “Funny Looking Angels” enthält zehn Songs, die – und das wohl nicht ausschließlich und allein für mich – seit nunmehr acht Jahren eine wunderbare Alternative zu verstaubten, totgespielt-kitschigen Weihnachtsliedern à la “Last Christmas”, „All I Want For Christmas Is You“ oder „Driving Home For Christmas“ bieten. Und wie es unter Freunden üblich ist, wurden auch zwischen Tom Smith und Andy Burrows die Zuständigkeiten geteilt und jeder darf mal die Leadvocals übernehmen. Trotzdem dürfte es keine allzu große Überraschung darstellen, dass dabei vor allem die Songs mit Smith am Mikro zu überzeugen wissen, schafft er es doch, die düstere Editors-Romantik (explizit die der Anfangsphase der Band aus dem englischen Birmingham, die der Electro-Kitschpop-Atmosphäre der letzten Werke doch um Einiges überlegen scheint) auch auf (s)ein etwas anderes Weihnachtsalbum zu übertragen.

5051083061230Das besinnliche und doch klagende “When The Thames Froze” beginnt mit den Worten “Goddamn this snow, will I ever get where I wanna go?” und schwingt sich mit weiteren lakonischen Textzeilen schnell zum ersten Highlight der Platte auf. Ähnlich stark ist auch “This Ain’t New Jersey”, in dem Smith den milde gestimmten Geschichtenerzähler gibt. Von den Coverversionen, die sich das Duo fürs gemeinsame Festtagsalbum vorgenommen hat, sticht Blacks “Wonderful Life” heraus, dem der Editors-Vorsteher mit seinem dunklen Bariton-Timbre eine ganz neue Dimension verleiht (und am Ende wohl etwas zu weit in frostigen Akustikgothic überführt). An Yazoos “Only You” arbeitet sich – ebenso wie beim Titelstück, welches im Original von der hippiesken Britpop-Band Delta stammt – dann Andy Burrows mit zuckriger Kopfstimme ab, bei “The Christmas Song” wirkt die wundervolle Dänen-Sirene Agnes Obel mit. Ebenfalls neu interpretiert: Gustav Holsts „In The Bleak Midwinter“ oder die Longpigs-Hymne „On And On„. Winterliche Gefühle kommen auch beim Instrumental „Rosslyn“ oder dem an Elliott Smith’sche Glanzlichter gemahnenden Folk-Charmeur „As The Snowflakes Fall“ auf – man scheint förmlich den ersten Schnee zu spüren, der dampfend auf der herausgestreckten Zunge schmilzt.

Wer bei “Funny Looking Angels” ein weiteres *gähn* langweiliges Weihnachtsalbum erwartet hat, dürfte von den (leider) gerade einmal gut 35 Minuten angenehm überrascht werden, denn Tom Smith und Andy Burrows bieten allen Bublé-zu-schalem-Glühwein-Geschädigten eine liebevolle Platte, die auch den weltgrößten Festtagsmuffeln unter den Musikfans gefallen dürfte. Schöne, dezent melancholische Folk-Pop-Songs mit weihnachtlichem Bezug, wenig Bombast, kein sülzig-süßlicher Kinderchor, kein nervig-pastorales Glockengebimmel… Eine ruhige und auch etwas besinnliche Platte für kalte Tage und fürs Jahresende, die sich das großartig Kitschige oder übermäßig Sentimentale spart. Da hängt wohl selbst der größte Grinch satt leuchtende Mistelzweige auf.

 

Hier gibt’s das Musikvideo zu „When The Thames Froze“…

 

…sowie den Song noch einmal in einer kaum minder tollen Live-Session-Variante:

 

„Goddamn this snow
Will I ever get where I wanna go?
And so I skate, across the Thames
Hand in hand, with all my friends

And all the things, that we planned
My son’s eyes in the outline of his hand
And even though I hate the cold
Constant reminder that I’m getting old
Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames . . . froze

Goddamn this government
Will they ever tell me where the money went?
Protesters march out on the street
As young nerds sleep amongst the feet

Another year draws to its close
Entire London slows
When I dream tonight, I’ll dream of you
When the Thames froze

So tell everyone
That there’s hope in your heart
Tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there’s nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last

So tell everyone that there’s hope in your heart
And tell everyone or it will tear you apart
The end of Christmas day
When there is nothing left to say
The years go by so fast
Let’s hope the next beats the last…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: mastersystem – „The Enlightenment“


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Vor etwa einem Monat waren mastersystem bereits auf ANEWFRIEND mit „Notes On A Life Not Quite Lived“, seines Zeichens die erste Single des Debütwerks „Dance Music„, welches wohl leider aus traurigem Anlass auf ewig das einzige Album der schottischen All-Star-Band aus den Geschwistern Scott Hutchison und Grant Hutchison (Frightened Rabbit), Justin Lockey (Editors) und James Lockey (Minor Victories) bleiben wird, zu Gast.

Und auch wegen „The Enlightenment“ ist „Dance Music“, dieses ruppige Biest aus selig tönend-shoegazendem Neunziger-Jahre-Indie-Rock, das nicht selten die Regler auf die moderate Elf dreht, auf dem besten Weg, sich in meine persönlichen Top 5 des Musikjahres zu spielen. Nuff said. Großartigst. Ein Statement als zu früher Schlussakkord unter der Albumdiskografie des Scott Hutchison…

 

 

„Turn the torch on the night I was born
The room I grew up in and grew into a new skin

The night will spark the enlightenment
And I know you, you made a difference
The dark will usher the light in
And I know this, this is different

Ten years perished the thoughts have been buried
They learned to escape me and now I don’t think
I lost my father, I’m not my brothers
They’re in there somewhere, you can’t choose your demon

The night will spark the enlightenment
And I know you, you made a difference
The dark will usher the light in
And I know this, this is different

I was wrong…“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: mastersystem – „Notes On A Life Not Quite Lived“


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Fast, aber nur fast, hätte ich glatt die Veröffentlichung dieser Platte vor einer Woche verpennt! Was eigentlich gar nicht passieren könnte, handelt es sich bei „Dance Music“ – nomen ist in diesem Fall einmal nicht omen und wohl vielmehr mit einem schottischen Augenzwinkern zu sehen – um das Debütalbum der neusten schottischen Supergroup, welcher darüber hinaus noch zur Hälfte aus Mitgliedern der seit eh und je auf diesem bescheidnen Blog verehrten Frightened Rabbit sowie zu je einem Viertel aus einem Mitglied der Editors und Minor Victories besteht. Holla, die Vorschusslorbeeren!

Diesen werden mastersystem für all jene gerecht, die musikalisch in den seligen Neunzigern sozialisiert wurden, denn die gerade einmal neun Songs des Debüts geben dem geneigten Hörer nichts weniger als den Glauben an den crunchy, direkt und ohne große Schnörkel auf Tape gebannten Indierock dieses Jahrzehnts zurück. Und wer die alte Schrammelschrabnelle – mit viel auf Radau gebürsteter Liebe und Herzblut fürs Detail im Gepäck – derart wieder zum Glühen bringt, kann wahrlich kein Schlechter sein…

51guWedpEXLSchon unglaublich gut, wie die mit den Geschwistern Scott Hutchison und Grant Hutchison (Frightened Rabbit), Justin Lockey (Editors) und James Lockey (Minor Victories) dezent prominent besetzte Band, deren Grundstein der Legende nach an einem übelwettrigen Tag in Berlin anno 2016 gelegt wurde, die alte Indie-Flamme wieder zum Lodern bringt und auch das Spiel mit dem langsamen Distortion-Schrammelaufbau zu gesanglichem Lament ebenso beherrscht wie eindrucksvolles Laut-Leise-Stop’n’Go mit Bratzgitarren im Wechselspiel mit Scott Hutchisons zuweilen einsam Raum stehendem Gesang. Die Gitarren haben oft den unwiderstehliche wogenden Klangwucht-Punch der frühen Smashing Pumpkins, gepaart mit Wall-of-Sound-Shoegazer-Anleihen á la Slowdive oder My Bloody Valentine, und einem allzeit wummernden Bass im Stile von Nirvanas „In Utero“. In nicht wenigen der Songs ergeben sich dank der Kombination mit Hutchisons prägnanter Stimmfarbe Momente, in denen einem Sebadoh in den Sinn kommen könnten, in anderen Momenten denkt man wohl an atonale Noise-Indierocker der Sonic Youth’schen Duftmarke, wobei einmal mehr die Gesangsmelodien hängen bleiben und die Scheibe eindrucksvoll über die leider lediglich 35 Minuten tragen. Erstklassige Wiederbelebung der Neunziger gefällig? So und nicht anders, bitte!

 

Hier gibt es das Musikvideo zur ersten – und dezent großartigen – Single „Notes On A Life Not Quite Lived“:

(oder via YouTube…)

 

Mehr Infos aus den Mündern der Band zu den einzelnen Songs von „Dance Music“ gefällig? Auf GoldFlakePaint findet man ein Track-by-Track-Interview mit mastersystem…

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Beatsteaks vs. Dirk von Lowtzow – „French Disko“


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Wenn sich die Berliner Beatbuletten und Dirk von Lowtzow, hauptberuflich und bekanntlich Frontmann von der Hamburger Band Tocotronic, zusammentun, dann wohl nur aus gutem Grund. Nun, derer gibt es wohl gleich mehrere.

No. 1: Sowohl die seit jeher nie um Eingängigkeit und Festivaltauglichkeit verlegene Punkrock-Institution aus der Hauptstadt als auch von Lowtzow, dessen Band in den Neunzigern mal als heißestes Eisen der „Hamburger Schule“ (übrigens ein Musikrichtungslabel, das ebenso viel- wie nichtssagend ist wie etwa „Grunge“) verschrieen war, in den letzten Jahren und von Album zu Album (zuletzt erschien 2015 das selbstbetitelte „Rote Album“) jedoch qualitativ mehr und mehr abgebaut hat und heutzutage mehr Feuilleton- denn Publikumsliebling ist, sind Fans des 2010 erschienenen Romans „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Nie gehört? Nun, in dem Bestseller, welcher sich bislang mehr als zwei Millionen Mal verkaufte, schildert der 2013 verstorbene Autor die Erlebnisse zweier 14-Jähriger aus Berlin, die mit einem gestohlenen Lada durch die ostdeutsche Provinz fahren. Die Handlung spielt in den Sommerferien und wird aus der Perspektive von Maik Klingenberg, einem der beiden Protagonisten, erzählt.

No. 2: Fatih Akin. 43-jähriger  Filmregisseur, Drehbuchautor, Darsteller und Produzent in Personalunion und spätestens seit den Nuller-Jahren und Filme wie „Gegen die Wand“, „Solino“, „Chiko“, „Soul Kitchen“ oder „Blutzbrüdaz“ einer der besten und angesagtesten Filmemacher, die das deutsche Kino zu bieten hat. Genau dieser Fatih Akin, gebürtiger Hamburger türkischer Abstammung, hat sich nun eben – da er selbst ebenfalls zu den Bewunderern des verstorbenen Autors, welcher wie er aus Hamburg stammte, zählt – „Tschick“ vorgenommen und den Herrndorf-Jugendroman für die große Leinwand umgesetzt. Und da beim bekennenden Musikfan Akin seit jeher die Soundtracks seiner Filme einen gewichtigen Teil zum Gesamtkunstwerk beitragen, hat sich dieser – neben Songs von K.I.Z., den Beginnern, Courtney Barnett, Richard Clayderman, Bilderbuch, Seeed oder Royal Blood (allein diese Mischung verrät schon Vieles) – auch die Beatsteaks und Dirk von Lowtzow ins Boot geholt. Eigenartige Mischung? In der Tat. Aber wer kann einer arschcoolen hanseatischen Socke wie Akin schon eine Bitte abschlagen? Eben.

tschick-ost-misc_gallery_big_retinaNo. 3: „French Disko“. Die Idee, ein Coverversion des 1993 erschienenen Stücks der britischen Indie-Band Stereolab aufzunehmen, kam aus Berlin (also von den Beatsteaks). Mag sein, dass sich Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß und Co. bei ihrer Wahl ein klein wenig von den Editors inspirieren ließen, die den Song bereits vor zehn Jahren fulminant (seinerzeit als B-Seite) gecovert haben. Dass man sich ausgerechnet mit dem nicht unbedingt naheliegenden von Lowtzow zusammentat, der daraufhin den Text – freilich – auf Deutsch umschrieb, ist jedoch mehr als mutig. Besser noch: das Experiment geht vollends auf. Der erste neue Beatsteaks-Song seit zwei Jahren klingt im besten Sinne durchgerockt und treibend, und so gut und zupackend hat man Dirk von Lowtzow, der mit den Tocos – seien wir ehrlich – immer mehr ins Egale abdriftet, schon lang nicht mehr gehört. Da wünscht man sich sich doch, dass es nicht bei der einmaligen Soundtrack-Zusammenarbeit bleiben wird (zumal ich mir speziell von den Beatsteaks mehr in deutscher Sprache gesungene Songs erhoffen würde).

No. 4: Auch das Musikvideo zur Neuinterpretation des Stereolab-Klassikers, in welchem Teutoburg-Weiß und von Lowtzow zwei suffköpfige Automechaniker spielen, die von einem der beiden jungen Film-Hauptdarsteller erst betrunken, dann um ein halb schrottreifes Auto ärmer gemacht werden, ist absolut sehenswert und macht schonmal Lust auf Akins neusten Kinofilm.

 

 

Hier gibt’s den Trailer zur Fatih-Akin-Verfilmung von „Schick“, welche ab dem 15. September – bestenfalls – im Kino Ihres Vertrauens zu sehen sein wird:

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Video- und Songneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

Johnny Cash – She Used To Love Me A Lot

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Johnny Cash – da haben die meisten sicherlich das gebrechliche Bild jenes Mannes in Erinnerung, der sich im Musikvideo zur großartigen Nine Inch Mails-Coverversion von „Hurt“ über die Tasten des vor ihm stehenden Pianos schaut und auf (s)ein langes Leben zurückblickt… Nicht umsonst gelten Cashs letzte Jahre, für die er sich mit Erfolgsproduzent Rick Rubin zusammentat, um mit der Aufnahmereihe der „American Recordings“ sein eigenes, in all den Jahren leicht country’esk angestaubtes Image aufzupolieren, als seine wohl besten und produktivsten.

Doch der „Man in Black“ war auch vor (und nach) seiner Zeit der Alternative Credibility äußerst umtriebig und veröffentlichte in seiner Karriere zwischen 1954 und 2003 nahezu 100 Alben auf diversen Labels. Dass bei dieser Masse freilich so einiges unters Mischpult rutscht, dürfte nicht verwundern. Dass nun, elf Jahre nach Cashs Tod im Alter von 71 Jahren, nach und nach all die „verschollenen Aufnahmen“ plötzlich (?) das Licht der Plattenläden entdecken, gehört wohl dazu. „Out Among The Stars„, das in Deutschland am 21. März, erscheint, enthält nun Songs, die Johnny Cash zwischen 1981 und 1984 (also in den Jahren seiner Popularitätsflaute) mit dem Country-Produzenten Billy Sherrill aufgenommen hatte. Weil sich sein damaliges Label Columbia Records jedoch weigerte, das Album zu veröffentlichen, verschwanden die Songs und tauchten erst kürzlich wieder auf, als sich Cashs Sohn John Carter Cash deren annahm und ein wenig auf Zeitgeist „polierte“.

Im Musikvideo zur Auskopplung „She Used To Love Me A Lot“ stellt der verantwortliche Film- und Musikvideoregisseur John Hillcoat in eleganten, schwarzweiß und matt farbig gehaltenen Bildern der romantischen Vorstellung des amerikanischen Traumes die Entfremdung und soziale Zwiespältigkeit der Realität entgegen: Ur-amerikanische Landschaftsaufnahmen reihen sich an Bilder von Naturzerstörung, Symbolen des Kapitalismus – auf zwei kämpfende Bisons in der Steppe folgt beispielsweise der Stier der New Yorker Wall Street – und vom Leben gezeichneten und geprüften Menschen mit traurigen Augen. „Der Text des Liedes klang für mich, als hätte er ihn an das heutige Amerika gerichtet“, erklärt Hillcoat seine Interpretation des Cash-Songs. „An die Nation, die ihn liebte, und gegen deren Spaltung er immer gekämpft hat. Diese Spaltung hat sich seit seinem Tod nur noch extrem verstärkt, deshalb wollten Amerika in diesem krassen Licht zeigen, als Hommage an den Grund, aus dem Cash immer schwarz getragen hat: weil es beschämenderweise immer mehr Entrechtete und Ausgeschlossene gibt.“

Gleichzeitig ist das Musikvideo laut Hillcoat auch ein Kommentar zu Cashs persönlichem Leben – nicht umsonst sind immer wieder Bilder des Musikers im Hintergrund auf Wänden zu sehen. „Wir wollten auch den Kampf und die Reise dieses großen Mannes zeigen, von der Liebe seines Lebens hin zu den verbrannten Ruinen seines berühmten Hauses am See, persönliche Fotos, die Höhle, wo er versuchte, sich das Leben zu nehmen und dann sein Leben umkrempelte, den Ort wo er zuletzt aufnahm und das letzte Foto von ihm vor seinem Tod.“ Letzteres bildet denn auch eindrucksvollen Schluss des Videos…

 

 

 

Editors – Sugar

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Im krassen Gegensatz zu den weiten Landschaften des Cash-Clips stehen die Bilder des neuen Musikvideos zu „Sugar“, der aktuellen Singleauskopplung aus dem im vergangenen Juni veröffentlichten vierten Editors-Studioalbum „The Weight Of Your Love„. Darin finden sich Sänger Tom Smith & Co. inmitten grauen Betons und kühler Neonbeleuchtung wieder. Und während geradezu aggressive Basslinien und Textzeilen wie „You swallow me whole / With just a mumbled hello / And it breaks my heart to love you / It breaks my heart to love you“ mal wieder ordentlich Melancholie ins Hörerherz pumpen, verlieren Schwerkraftgesetze ihre Gültigkeit und kommen die Wände immer näher…

 

 

 

Yesterday Shop – Trees & Games

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Ähnliches Setting inmitten verlassener Industriebauten und den nagenden Zähnen der Zeit, identisches Gespür für schwebende Indie-Schwermütigkeit: Das aus dem schwäbischen Reutlingen stammende und sich mittlerweile auf Hamburg und Berlin verteilende Quintett Yesterday Shop gewährt mit „Trees & Games“ einen ersten Vorgeschmack aufs kommende Album „Parodos“, welches ab dem 9. Mai in den Plattenläden stehen wird. Ob das ähnlich gut wird wie der Ende 2012 erschienene selbstbetitelte Erstling? ANEWFRIEND bleibt am Ball!

 

 

 

Warpaint – Love Is To Die (live at Conan O’Brien)

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Indie? Melancholisch? Schwebend? Faszinierend? All diese Attribute treffen freilich auch auf den All-Female-Vierer von Warpaint und deren aktuelles Album zu. Dass die Band aus Los Angeles bei allem Touren rund um die Welt und all den Vorband-Aufritten für The National, Nick Cave & The Bad Seeds oder die Queens Of The Stone Age das heimische (TV-)Publikum nicht vergessen hat, bewiesen Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa kürzlich bei Late Night-Talker Conan O’Brien, bei dem sie eine tolle Live-Version der aktuellen Single „Love Is To Die“ zum Besten gaben…

 

 

 

Joan As Police Woman – Holy City

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Für den hartnäckigsten Ohrwurm in den ANEWFRIEND’schen Gehörgängen sorgte in der vergangenen Woche übrigens Joan „Joan As Police Woman“ Wasser mit „Holy City“, der aktuellen Single aus dem neuen Album „The Classic„. Dabei sei betont, dass sich der dazugehörige Rest von Platte Nummer fünf der 43jährigen Wahl-New Yorkerin ebenso lohnt, immerhin lässt sich laut.de in seiner knappen Review zu dem euphorischen Urteil hinreißen, das in den zehn neuen – und absolut zeitgemäß mit Elementen aus Soul, Blues, Swing und Sixties-Doo-Wop spielenden – Stücken „das echte Leben tobt“…

 

 

 

Die Coverversion(en) der Woche…

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…stammt von der jungen Musikerin Kawehi, die im Rahmen ihrer Kickstarter-Kampagne für das Musikprojekt Robot Heart Cover-Wünsche annahm. Einer dieser Unterstützer-Vorschläge war Nirvanas „Heart-Shaped Box“, das die Künstlerin mit Beatboxing intoniert und nach und nach – mittels Loop-Maschine – Gesangs- und Keyboard-Schleifen einfügt, bis am Ende eine komplett eigene Variante des Kurt Cobain-Angstkleinodes entsteht.

Auch gut ist Sarah Stones A Capella-Handclap-, Tischklopf- und Becherknall-Variante von „Royals“ (das Original von Neuseelands 17-jährigem Shooting Star Lorde dürfte wohl hinlänglich bekannt sein), während Meytal Cohens Drum-Cover des Tool-Evergreens „Forty Six & 2“ beweist, wie *hust* ansehnlich und leichtfüßig weibliches Schlagzeugspiel inmitten schöner Sonnenlandschaften daher kommen kann. Das Auge hört ja bekanntlich auf YouTube mit, oder?

 

 

Rock and Roll.

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Die Woche in Bild und Ton…


Damit ihr nicht vollkommen den Überblick über alle hörens- und sehenswerten Neuerscheinungen der letzten Woche(n) verliert, hat ANEWFRIEND hier wieder einige der Videoneuerscheinungen der letzten Tage für euch aufgelesen…

 

 

Thees Uhlmann – Die Bomben meiner Stadt

Thees

Ob’s mit Tomte irgendwann noch weitergeht? Die einen verkünden die Trennung (um Namen zu nennen: der letzte Schlagzeuger Max Schröder), die anderen (Frontmann Thees Uhlmann) lassen die Dinge gern offen… Nichts Genaues weiß keiner. Fakt ist: Jeder macht derzeit sein eigenes Ding. Und im Fall von Thees Uhlmann könnte dieses mit der dicken Aufschrift „Solokarriere“ auch kaum besser laufen. Am 30. August erscheint endlich der Nachfolger zum 2011 veröffentlichten, selbstbetitelten Solodebüt des norddeutschen Wahlberliners. Und auch 2013 hält es Uhlmann beim Titel recht simpel und knapp – Album Nummer zwei wird „#2“ heißen, Punkt, aus, fertig. (Wer Zugaben mag, der sollte sich die Digipack-Version sichern, welche neben der 2-CD-Variante inkl. Livemitschnitt auch noch eine Bonus-DVD sowie ein eventuell gewinnbringendes Rubbelllos enthält… Der Uhl hat Ideen…)

Hier kann man sich mit „Die Bomben meiner Stadt“ bereits einen ersten Song aus „#2“ anhören, der im dazugehörigen Video die ein oder andere Impression von den Albumaufnahmen und den letzten Konzerten bietet… Ein feines Stück, das wohl auch live – Thees Uhlmann und Band gehen im November auf ausgedehnte Tournee zur neuen Platte – für reichlich Stimmung sorgen wird. „Die Bomben meiner Stadt machen boom, boom boom…“

 

 

 

Mumford & Sons – Hopeless Wanderer

Szene aus "Hopeless Wanderer"

Vier Typen in Cordhose und Jeanshemd, die zu idyllischer Landromantikkulisse herzerwärmende, von Banjo, Piano und Standbass angetriebene Melodien für Millionen spielen? Na klar, Mumford & Sons!

Doch halt, irgendwas an diesen vier Typen im Video zu „Hopeless Wanderer“, der neuen Single aus dem Erfolgsalbum „Babel„, ist anders… Richtig! Denn dieses Mal lassen sich Marcus Mumford und seine Bandkollegen optisch von den US-Komikern Ed Helms, Jason Sudeikis, Will Forte und Jason Bateman, welche der ein oder andere eventuell aus Filmen wie „Hangover“ oder „Kill The Boss“ kennen mag, vertreten. Und die machen ihre Sache recht gut… Pathetische Posen? Check! Mimische Beteuerung der eingeschworenen Gemeinschaft? Check! Ausdruckstanz? Check! Rockstar-Attitüden? Check! Wohl dem, der Selbstironie besitzt…

 

 

 

Portugal. The Man – Modern Jesus

Modern Jesus

A propos „Selbstironie“: Die scheinen auch Portugal. The Man zu besitzen. Denn im neusten Video der Band, welche mit „Evil Friends“ im Juni noch ANEWFRIENDs „Album der Woche“ abgeliefert hat, sieht man all jene Dinge, die man bislang eher nicht mit der ursprünglich aus dem kalten Alaska stammenden Band in Verbindung brachte: Beten, Ballern und Bootyshaken. Hat da etwa auch Produzent Danger Mouse seine Finger im Spiel gehabt?

 

 

 

Editors – Formaldehyde

Editors

Wer hätte das gedacht? Da machen die Editors mit ihrem neusten Studioalbum mehr als zehn Schritte zurück in Richtung Rocksound und Bandgefühl, und schon werfen eben jene Kritiker, die beim letzten, vor vier Jahren veröffentlichten Album „In This Light And On This Evening“ noch die Kälte und Sperrigkeit bemängelten, Sänger Tom Smith und seiner zum Quintett angewachsenen Band Anbiederung und Belanglosigkeit vor. Natürlich ist an „The Weight Of Your Love“ nicht alles rund und großartig, aber als Ganzes funktioniert das Album in der Tat. Und mal ganz ehrlich: Was bitteschön ist langweiliger als eine Band, auf die sich alle einigen können? Die Editors polarisierten 2005, als das Debütalbum „The Back Room“ für Furore sorgte. Die Editors polarisieren auch 2013. Lediglich die Bühnen sind groß und lichtdurchfluteter – und Ian Curtis‘ Schatten deutlich kleiner…

Hier gibt’s das Video zur neuen Single „Formaldehyde“, bei welchem der Brite Ben Wheatley (u.a. Sightseers, Kill List) auf dem Regiestuhl saß, und das die aus dem englischen Birmingham stammende Band mal eben in eine Wildwestszenerie versetzt:

 

 

 

Jupiter Jones – Denn sie wissen, was sie tun

Jupiter Jones

A propos „Polarisieren“, a propos „Wildwest“: Beide Fakten könnte man derzeit auch beinahe eins zu eins auf die vier Jungs von Jupiter Jones übertragen. Dabei sind all die Vorwürfe von Pathos und Pop längste alte Hüte für Nicholas Müller, Andreas Becker, Sascha Eigner und Marco Hontheim, denn bereits das 2004 erschienene – und im Übrigen noch immer ganz großartige – Debütalbum „Raum um Raum“ war dem Punklager zu sehr Pop, für’s Poplager war’s jedoch zu viel Punk. Und auch wenn das letzte, selbstbetitelte Album den Kenner und Fan der Band vor zwei Jahren doch mehr als ein Mal müde gähnen ließ, darf sich, wer will, gern auf’s neue Album „Das Gegenteil von Allem„, welches ab dem 11. Oktober in den Regalen stehen wird, freuen… Ich zumindest tue das, und sei es nur, weil ich die Band vor langer Zeit ins Herz geschlossen habe.

Und da war doch noch das Stichwort „Wildwest“… Richtig! Denn ebenso wie das neuste Musikvideo der Editors spielen auch Jupiter Jones im ersten Albumvorboten „Denn sie wissen, was sie tun„, welchen man sich aktuell kostenlos (!) bei Amazon herunterladen kann, groß im Saloon auf. Mit dabei: Ex-Rapper und Deichkind-Chaot Ferris MC sowie Jennifer Rostock-Frontfrau Jennifer Weist. Am Ende lässt diese Konstellation alle wohlmöglich genauso fragend dastehen wie der Fakt, dass Jupiter Jones zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder richtig aufs musikalische Gaspedal treten… Mutig ist der Zug, all jene, die Songs wie „Still“ (dessen niederländische Coverversion ich hier in Maastricht übrigens vor ein paar Tagen in einem örtlichen Elektronikdiscounter unvermittelt kennen lernen „durfte“) vor ein paar Jahren ins Boot geholt hatten, nun so vor den Kopf zu stoßen, allemal. Steht also auf Album Nummer fünf eine Rückbesinnung auf den Bandsound der Anfangstage an? Oder gar ein noch größerer Spagat zwischen Punk, Rock und Pop? Es bleibt spannend im Hause Jupiter Jones…

 

 

 

Oh Land – Renaissance Girls

Oh Land

Verdammte Popmusik, verdammte Ohrwürmer! Eigentlich will man „Renaissance Girls“, den neusten Vorboten des kommenden Oh Land-Albums „Wish Bone“, gar nicht toll finden… Zu billig produziert und poplastig platt scheint der Song im ersten Moment, zu trashig und Eighties-like sind die Kostüme im dazugehörigen Video. Doch dann: Diese Stimme! Diese Melodie! Dieser um die Ecke gedachte, selbstironische Text! Und Nanna Øland Fabricius, die aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen stammende Dame, welche seit 2008 unter dem Pseudonym Oh Land (eine Anspielung auf ihren Zeitnamen) feine Elektropopsongs veröffentlicht, ist ja auch ganz nett anzuschauen…

Bevor am 24. September das dritte, von TV On The Radio-Kopf Dave Sitek produzierte Album „Wish Bone“ erscheint, bekommt man hier schon einmal einen Vorgeschmack, welcher sich bei mir bereits als hartnäckiger Ohrwurm erwiesen hat. Pop as Pop goes, mit Herz, feministischem Augenzwinkern und Hirn:

„I can be an engine buzzing like a bee, I’m a real independent / Doing the laundry and planning for the future / It’s the nature of a renaissance girl / I can be your darling cooking you dinner and soothing your heartache / Having three kinds and still remain a virgin / It’s my version of a renaissance girl…“

 

 

 

Queens Of The Stone Age – live beim Lollapalooza 2013

Foto: Ian Witlen

Foto: Ian Witlen

Ganz kurz: Alle jene, welche den Auftritt von Josh Homme und seinen Queens Of The Stone Age am 2. August beim diesjährigen Lollapalooza Festival in Chicago verpasst haben, können sich hier die 70-minütige Show im Stream anschauen. Und danach dem aktuellen Album „...Like Clockwork„, welches wohl auch Ende 2013 zu den diesjährigen Veröffentlichungshighlights zählen dürfte, einen neuen Anlauf in der persönlichen Heavy Rotation gönnen…

 

 

 

Rock and Roll.

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