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Song des Tages: Aimee Mann – „Drive“


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Aimee Mann ist eine von den ganz Großen.

Wie meinen?

Klar, nicht „groß“ im Sinne einer Taylor Swift, Rihanna oder Beyoncé. Aimee Mann kann – und will wohlmöglich auch gar nicht – mit deren erfolgreichem a-la-mode-Radiopop mithalten. Nicht deren Tabloid-Leben im Blitzlichtgewitter erdulden müssen. Hat Aimee Mann überhaupt einen Instagram-Kanal? Weiß irgendjemand Privates? (Wen es interessiert: Sie ist seit über zwanzig Jahren mit Michael Penn, dem Bruder von Schauspieler Sean Penn, verheiratet.)

Aimee-Mann_400-f4edffdf22Nein, die mittlerweile auch schon 57-jährige Musikerin ist eine Große, wenn es um tiefes, oft genug auch ergreifendes Songwriting geht. Man denke nur an das durch Mark und Bein gehende „Wise Up„, welches Mann – nebst vielen anderen Stücken – 1999 zum Soundtrack des starbesetzten Paul Thomas Anderson-Melodramas „Magnolia“ beisteuerte. An so tolle Alben wie das im gleichen Jahr erschienene „Bachelor No. 2 or, the Last Remains of the Dodo„, oder das drei Jahre darauf veröffentlichte „Lost In Space„. Dass Mann sich einerseits selbst – und auch ihrem Stil, in klein aufgezogenen Folk- und Alt.Countryrock-Songs große, bedeutende Geschichten vom Leben zu erzählen – treu blieb, mag ihr zwar mehrere potentielle Weltkarrieren gekostet haben, hat der US-Musikerin über die Jahrzehnte jedoch auch eine treue Fanbase beschert, die die Lieder der umtriebigen Songwriterin als grimmig lächelnde Lebensretter zu schätzen wissen. Und es könnte kaum ironischer und bezeichnender sein, dass Mann ausgerechnet für ihr neuntes, im März 2017 veröffentlichtes Album „Mental Illness„, welches sie selbst – wohl nur halb im Scherz – als ihr „saddest, slowest and most acoustic album“ beschrieb, kürzlich mit dem längst überfälligen Grammy für das „Beste Folk-Album“ ausgezeichnet wurde…

Dass Aimee Manns Diskografie neben so vielen großartigen eigenen Songs auch bereits die ein oder andere kaum minder tolle Coverversionen vorzuweisen hat, dürfte nicht erst seit „Magnolia“, in dem sie Harry Nilssons Trauerkloß-Hymne „Onezu neuen Ehren verhalf, klar sein. Oder seit dem Film „I Am Sam„, für dessen Soundtrack sie sich – gemeinsam mit Ehemann Michael Penn – die Beatles-Nummer „Two Of Usvornahm.

Dass sie die hohe Schule, einem Evergreen ihre ganz eigene Seele einzuhauchen, immer noch beherrscht, bewies Aimee Mann kürzlich erneut, als sie sich – dieses Mal für die TV-Reihe „The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story“ – ausgerechnet den 34 Jahre jungen verträumten Synth-Poprock-Schunkler „Drive“ von The Cars schnappte, und die Nummer allein mit ihrer Akustischen einerseits ins 21. Jahrhundert, andererseits auch in zeitlose Folk-Sphären transportiert (in einer Episode der Serie spielt sie ihre Version des Cars-Gassenhauers auch in einer Bar).

Auch ohne eine Weltkarriere, ohne große Villen und dicke Protzkarossen bleibt es dabei: Aimee Mann ist eine von den ganz Großen…

 

 

Rock and Roll.

 

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Das Album der Woche


Brutus – Burst (2017)

brutus_-_burst_400-erschienen bei Hassle/Soulfood-

Kleines Quiz gefällig? Dann: Hefte raus, Klassenarbeit! Und nun nennt mir mal bitte zehn singende Schlagzeuger! Auf die Plätze – fertig, los!

Ringo Starr vielleicht? Nee, der hielt sich bei den Beatles ja tunlichst im Hintergrund, wurde von Lennon/McCartney ja – vielleicht zu recht – gar bewusst in den Hintergrund seiner kleinen Fell-Schießbude platziert. Der ewige Poppunker Bela B? Ja klar, der umtriebige Trommler der Ärzte ist aus der deutschen Musiklandschaft kaum mehr weg zu denken. Und Phil Collins natürlich – man hat fast vergessen, was der Mann zuerst mit Genesis in den Siebzigern für den Progrock und ab den Achtzigern und in den Neunzigern auch solo popmusikalisch geleistet hat und was der heute 66-Jährige – zumindest anno dazumal – für waghalsige Rhythmen am Drumkit zustande gebracht hat. Oder Josh „Father John Misty“ Tillman, der ja vor einiger Zeit noch als Taktgeber und Harmoniesänger der Fleet Foxes fürs nötige Hintergrundfeeling zuständig war. Und freilich Dave Grohl, der ja in den Neunzigern mit Nirvana erst dankenswerterweise dem dämlich-dumpfen Hair Metal den Garaus gemacht und flugs Grunge salonfähig in den Pop überführt hat. Aber der trommelt heute bei seiner Hauptband, den Foo Fighters, wie man weiß kaum noch, macht(e) das eher bei den Queens Of The Stone Age (das Jahrhundertwerk „Songs For The Deaf“) oder bei Nebenprojekten wie Them Crooked Vultures (da mit an Bord: QOTSA-Vorsteher Josh Homme und LedZep-Basser John Paul Jones). Wer trotzdem eine Ahnung davon bekommen möchte, was Grohl am Schlagwerk draufhaben mag, der dürfte sich das Gerücht, dass der Sympath einst für die bis heute einmalige Led-Zeppelin-Reunion-Show im Jahr 2007 als Ersatz für den legendären, 1980 verstorbenen Drummer John Bonham im Gespräch war, bis dessen Sohn Jason – statt Dave Grohl – die Stöcke in die Hand nahm, genüsslich auf der Zunge zergehen lassen… Ansonsten jedoch? Pophistorisch Fehlanzeige. Gerade wenn man versucht, nach singenden SchlagzeugerINNEN Ausschau zu halten. Und, Leute: Meg White von den seit 2011 auf Eis liegenden White Stripes scheidet natürlich aus, die Dame kann ja – bei aller Liebe – nicht einmal ordentlich trommeln…

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Umso erstaunlicher ist das, womit Brutus auf ihren jüngst erschienenen Debütalbum „Burst“ um die Ecke biegen. Brutus? Gemeint sind hier natürlich weder die 2000 gegründete niederländische Death-Metal-Band noch die seit 2007 bestehende norwegische bluesende Hard-/Stoner-Rock-Formation. Nein, diese Brutus stammende aus dem belgischen Leuven und haben sich als Trio einst zusammengefunden, um den legendären Hardcore-Punk-Schweden von Refused als Tribute-Coverband ihre Ehre zu erweisen.

Mittlerweile sind Stefanie Mannaerts (Schlagzeug, Gesang), Stijn Vanhoegaerden (Gitarre) und Peter Mulders (Bass) den Coverband-Schuhen entwachsen und haben – wenn auch unter reichlich unkreativem Bandnamen, der geradezu zu Verwechselungen einlädt – ihren ganz eigenen Sound entwickelt, der Grenzen sprengt, sich allerhand Eigenwilligkeiten herausnimmt und gerade auf Albumlänge zu einem wahren Höllenritt zwischen den Genres gerät. So werfen Brutus Punkrock, (Post-)Hardcore, Shoegaze, Post-, Math- und Progrock in einen Topf und garnieren das Ganze auch noch mit einem Sträußchen sinistrem Black Metal. Ganz richtig: was sich so vogelwild liest, ist es auch. Dass diese Mischung dennoch aufgeht wie ein Hefezopf, ist das Verdienst von drei technisch höchst versierten Musikern, die mit allerhand frischem Herzblut an ihre Song gewordenen Kinder heran gehen und den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn bestens zu beherrschen scheinen.

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Und das Dargebotene ist wirklich… besonders! Da ist zum einen diese rotzig-freche Stimme der – jawollja! – singenden Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts, welche wie die belgische Schwester von The-Joy-Formidable-Frontfrau Ritzy Bryan klingt. Oder wie die wütende Nichte von Cranberries-Grand-Dame Dolores O’Riordan. Oder wie die exotisch-europäische Ausgabe von Ex-Distillers-Derwisch Brody Dalle, als diese noch Punkrock im Blut und Gift und Galle in den Mundwinkeln hatte. Man versteigt sich keineswegs mit der Aussage, dass Mannaerts in den lichten Momenten von „Burst“ ohne Aufhebens auch in eine unangepasst-angepunkte Alternative-Band passen würde. Voller Inbrunst changiert sie zwischen den Tonlagen, wechselt beinahe schon spielend zwischen aggressivem, fast nöligem Shouten und verträumten, leidenschaftlichen Momenten hin und her (man höre „Bird“!) und skandiert Textzeilen, die eher wie Parolen daherkommen, während sie ihr Schlagzeug bis hin zu Black-Metal-Blastbeat-Parts variantenreich bearbeitet (der Abschluss „Child“!). Zum anderen ist es vor allem die wirklich entfesselte Gitarrenarbeit, die wichtige Akzente setzt. Gitarrist Vanhoegaerden lässt sein Instrument flirrend für zwei singen, baut epische, turmhohe Soundkathedralen, entlockt ihm wild gefrickelte Solo-Kaskaden oder rifft auch einfach nur mal kräftig drauf los.
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Auch die Songstrukturen der elf Songs sind irgendwie… ungewöhnlich. Die Parts purzeln nur so durcheinander, dass dem geneigten Hörer bei all der Dynamik fast schon schwindelig wird. Der große Pluspunkt bei Brutus ist jedoch, dass die drei es dennoch verstehen, mitreißende Songs zu komponieren, denen es bei aller Härte keinesfalls an Melodien und Eingängigkeit fehlt. Im Gegenteil, die Stücke fesseln einen mit ihrer dichten Produktion, für welche sich Jesse Gander (Japandroids, White Lung, Comeback Kid), in dessen Studio im kanadischen Vancouver das belgische Trio an den Songs feilte, verantwortlich zeichnet, von der ersten Minute an, auch wenn es vielleicht ein paar Hördurchläufe braucht, bis man den ganzen Wahnsinn vollends begreift. Geduld wird in jedem Fall belohnt, denn Brutus haben ein unfassbares Talent und Gespür dafür, spannende, mitreißende Songs zustande zu bringen, die zu gleichen Teilen unvorhersehbar aber trotzdem äußerst eindringlich sind. Ein Höllenritt zwischen den Stilen, fürwahr. Aber einer, den man so seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hat!

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Mein Erstkontakt mit Brutus vor weniger Tagen war diese Live-Session-Version des Albumsongs „Horde II“. Mein erster Gedanke, ganz simpel: „Geil.“. Kann ich noch immer so unterschreiben…

 

Auch toll: diese live in den Pariser Red Bull Studios eingespielte Version des beinahe schon poppigen „All Along“…

 

…zu dem man sich hier auch das Musikvideo anschauen kann:

 

Ebenfalls „geil“ ist das bei aller Punk-Abfahrts-Härte verdammt eingängige „Drive“…

 

Rock and Roll.

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Covered in Female Folk – Songs von den Queens Of The Stone Age, Backstreet und Kavinsky in neuem Gewand…


Farao

Kari Jahnsen, eine 21-jährige, in London lebende Norwegerin, die unter ihrem Künstlernamen Farao Musik veröffentlicht, hat sich „Go With The Flow“ von den Queens Of The Stone Age vorgenommen. Wo das 2002 auf dem oft – und wohl völlig zu recht – als „Meilenstein“ gepriesenen Queens-Album „Songs For The Deaf“ erschienene Stück mit ordentlich Zug und Fahrtwind über den gefühlten Alternative Desert Rock-Freeway brettert, verleiht Faraos Akustikgitarrenversion dem Song – und vor allem dem Text! – einiges an Gefühl und Verletzlichkeit…

„I want something good to die for / To make it beautiful to live…“

Feine, interessante Neuinterpretation, oder? Und alle, die nun mehr von Jahnsen hören möchten, sollten sich ihre kürzlich veröffentlichte Debütsingle „Skin“ zu Gemüte führen – im besten Sinne verträumter Indiefolkpop, der auch Leslie Feist gut zu Gesicht gestanden hätte…

 

 

 

Alice Jemima

A propos „feine, interessante Neuinterpretation“, a propos England: In diesen Punkten kann nämlich die 19 Jahre junge, aus New Abbot, Devon stammende Singer/Songwriterin Alice Jemima durchaus mithalten (gut, für die geografische Verortung kann sie vielleicht weniger). In ihrer Heimat hat sich Jemima durch das ein oder andere Stück, welches dann etwa von ihrer Debüt-EP „All The Boyfriends“ stammt oder via Soundcloud auf die virtuelle Hörerschar „losgelassen“ wurde, bereits einige Beachtung erspielt. Und Vergleiche mit Emiliana Torrini, Lisa Mitchell oder Nina Persson (The Cardigans) bekommt man auch nicht so ohne Weiteres und nebenher, oder?

Hier kann man sich anhören, wie Alice Jemima den fast 17 Jahre alten Backstreet-Klassiker „No Diggity“ vom US-R’n’B mal eben in einen The xx-mäßigen, puristisch gechillten Indiepop-Kosmos überführt…

„I like the way you work it / No diggity, I got to bag it up, bag it up…“

…oder das aus dem Film „Drive“ bekannte Stück „Nightcall“, welches im Original von dem französischen House-DJ Kavinsky stammt, komplett für sich einnimmt. Ganz klar: auch kleine Songs können große Momente haben. Da braucht’s keinesfalls immer den Hüftschwung einer Beyoncé, die überdrehten Kunstform-Auftritte einer Lady Gaga oder die Privatskandälchen einer Rihanna…

 

Rock and Roll.

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Der Jahresrückblick 2012 – Teil 2


(Eine kleine Anmerkung gleich zum Anfang: wie in den meisten meiner „Jahreslisten“ spielen auch hier Jahreszahlen und Erscheinungsdaten eine eher untergeordnete Rolle. Wenn ich etwas toll, erwähnenswert oder empfehlenswert finde, dann ist es für mich nicht wichtig, ob – wie hier – der Film 2012 oder 2006 erschienen ist.)

 

So langsam aber sicher neigen sich auch die Zelluloidbahnen meines „Filmjahres 2012“ dem Ende. Und obwohl doch einige kleinere (wie „The Dark Knight Rises„, der letzte Teil von Christopher Nolans „Batman“-Trilogie) und größere Enttäuschungen dabei waren, gibt es doch so einige Filme, die ich euch auch in diesem Jahr nur wärmstens empfehlen kann…

Hier meine Top 6:

 

Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)

The Hobbit (Poster)Kurz bevor ich das diesjährige Kinojahr mit dem Prädikat „höchst mittelmäßig“ ad acta legen konnte, durfte ich mit dem ersten von drei Teilen der Vorgeschichte zum „Herrn der Ringe“ noch eine positive Überraschung erleben. Und was für eine! Egal in welchem Punkt, Regisseur Peter Jackson übertrifft sich und sein erfolgreiches Vorgänger-Epos noch einmal selbst: Geschichte, Figuren, Besetzung, Erzählweise, Bildgewalt – alles, was einen unterhaltsamen Kinoabend ausmacht, wird hier aufgeboten. Mehr als einmal besteht bei diesem komplett in 3D dargebotenen Film ob der – inhaltlich wie bildlich – mit viel Liebe zum Detail gestalteten Szenen (bei denen man deutlich merkt, dass kein Geringerer als Guillermo del Toro am Drehbuch mitgewirkt hat) und atemberaubenden Kamerafahrten die Gefahr tiefer gelegter Kinnladen. Man freut sich, dass der aus der BBC-Serie „Sherlock“ bekannte Martin Freeman als Hobbit Bilbo Beutlin seine nicht eben einfache Aufgabe so hervorragend meistert, ebenso wie über das Wiedersehen mit Andy Serkis (als Gollum), Ian McKellen (Gandalf), Cate Blanchet (Galadriel) oder Christopher Lee (Saruman). Jackson schickt hier mal eben komplett überbewertete Nichtunterhaltung wie „Avatar“ zum Schämen auf die stille Treppe und wälzt J.R.R. Tolkiens beinahe 80 Jahre alte und lediglich knapp 350 Seiten kurze Romanvorlage „Der kleine Hobbit“ auf geschätzte 9 Stunden (!) aus. Und obwohl bereits Teil eins auf stolze 169 Minuten kommt, ist er doch keine Sekunde zu lang, denn die Vorspeise zum im Winter 2013 erscheinenden zweiten Teil mundet mit ihrem grandiosen Mix aus abenteuerlicher Action, purer Bildgewalt und nostalgischen Anspielungen auf die Vorgänger – welche erzähltechnisch dieser Geschichte erst nachfolgen – bereits hervorragend kurzweilig. Hier gilt: unbedingt anschauen! Und zwar im Kino. Denn genau dafür wurde es erfunden.

 

 

Hasta La Vista (2011)

Hasta La Vista (Poster)Philip, Lars und Jozef – drei Männer Anfang Zwanzig. Alle drei sind „oversexed and underfucked„, alle drei haben ihren Alltag und die enge belgische Einöde satt. Ganz normal? Keineswegs! Denn Philip (Robrecht Vanden Thoren) ist vom Halswirbel abwärts gelähmt, Lars (Gilles de Schryver) unheilbar an Krebs erkrankt und bereits an seinen Rollstuhl gefesselt und Jozef (Tom Audenaert) ein nahezu blindes Muttersöhnchen. Und doch – oder gerade deshalb – wünscht sich das im Handicap vereinte Trio nicht sehnlicher als eins: zum ersten Mal Sex haben! Die Lösung: ein auf Behinderte spezialisiertes Bordell in Punta del Mar, Spanien. Doch wie sollen sie diesen so delikaten wie natürlichen Wunsch ihren besorgten Eltern erklären? Und wie schafft ein bisher stets auf fremde Hilfe angewiesenes Dreiergespann trotz aller Widerstände die lange Reise, gerade weil nicht mehr viel Zeit bleibt?

Hasta La Vista“ ist ein ebenso komisches wie todernstes Rührstück, welches zu gleichen Teilen von Story, Darstellern und Bildern lebt und mehr oder weniger als belgisches Pendant zu „Ziemlich beste Freunde“ gesehen werden darf. Weder der Erfolg im eigenen Land noch der im Ausland (so hoffe ich zumindest) überraschen hier, denn Taschentücher dürfen bei diesem Film zum Lachen und zum Weinen in Reichweite parat gelegt werden.

 

 

Mein bester Freund (2006)

Mein bester Freund (Plakat)Ich liebe Dany Boon! Der Mann ist einer der begnadetsten Komiker und Schauspieler Frankreichs und sorgte – auch bei mir – 2008 mit „Willkommen bei den Sch’tis“ auch außerhalb der Landesgrenzen für berechtigte Furore. Dass der bereits zwei Jahre zuvor erschienen Film „Mein bester Freund“ weitaus weniger Cineasten bekannt sein dürfte, muss trotzdem kein schlechtes Zeichen sein…

Der erfolgreiche Antiquitätenhändler François Coste (Daniel Auteuil) ist derart auf berufliche Meriten und Ansehen versessen, dass er darüber hinaus sein Privatleben komplett vernachlässigt. Erst seine Geschäftspartnerin Catherine (Julie Gayet) muss ihn darauf aufmerksam machen, dass wohl niemand zur Beerdigung des oberflächlichen Workaholics erscheinen würde. Da der erfolgsverwöhnte François jedoch ein schlechter Verlierer ist, wie er im Buche steht, nimmt er Catherines vorgeschlagene Wette ohne Bedacht an. Nun muss er innerhalb von zehn Tagen seinen besten Freund präsentieren, andernfalls wandert die soeben ersteigerte antike Vase von immensem Wert in den Besitz seiner Geschäftspartnerin über. Das Problem nur: er hat tatsächlich keinen. In Zeitnot legt er alle Hoffnungen in den aufgeschlossenen Taxifahrer Bruno (Dany Boon), welcher ein chaotisch-bodenständiges Leben führt und von der Teilnahme an einer Quizshow träumt. Dieser soll ihm im Expressverfahren zeigen, wie man Freunde findet…

Der Film von Regisseur Patrice Leconte zeigt, dass Geld eben nicht alles ist und man sich zwar Aufmerksamkeit auf Zeit erkaufen kann, jedoch keine wahre Freundschaft. Dany Boon brilliert hier, obwohl er höchstens die nebengeordnete Hauptrolle spielt, einmal mehr in einem Film, der – als Komödie getarnt – zum Nachdenken anregt. Geheimtipp, welcher eigentlich keiner sein sollte!

 

 

Dein Weg (2012)

Dein Weg (Kinoplakat)Emilio Estevez. Nie gehört? Kein Wunder, erlebte der US-Amerikaner doch, obwohl er Mitte der Achtziger als eins der hoffnungsvollsten Talente des „Brat Packs“ galt, als Schauspieler einen frühen empfindlichen Karriereknick. Rückblickend war das jedoch auch gut so: fortan fokussierte sich Estevez auf die Arbeit hinter der Kamera und lieferte etwa mit dem starbesetzten Kennedy-Drama „Bobby“ eine hervorragende Arbeit ab. Weitere Familienmitglieder dürften weitaus mehr Leuten geläufig sein, etwa sein Vater Martin Sheen oder sein Bruder Charlie Sheen (ganz genau, der selbstdestruktive „Two And A Half Man“-Trunkenbold!). Und Martin Sheen spielt nun auch die Hauptrolle in Estevez‘ neustem Film…

Auch ein bisher auf der sonnigen Erfolgsseite geführtes Leben kann unerwartete Überraschungen bereit halten. Auch aus Schmerz und Verlust können wunderbare Dinge erwachsen. Diese gefühlt labidaren Weisheiten bekommt der erfolgreiche und angesehene amerikanische Augenarzt Thomas „Tom“ Avery (Martin Sheen) am eigenen Leib zu spüren. Sein Sohn David (Emilio Estevez), zu dem er seiner rebellischen und freiheitsliebenden Gedankenspiele wegen ein zwar liebevolles, jedoch auch distanziertes Verhältnis hatte, ist in Frankreich ums Leben gekommen. Hals über Kopf und unter Schock reist Tom in die Pyrenäen, um den Körper seines toten Sohnes zu identifizieren und in die USA zu überführen. Schon bald findet er heraus, was sein Sohn, dem das Bereisen der Welt wertvoller erschien als Erfolg und Doktorwürden, vorhatte: er wollte den Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern. In einer Art sentimentaler Hauruckaktion beschließt Tom, das Vorhaben des Sohnes, der bereits am ersten Tag der Pilgerwanderung ums Leben kam, mit der Asche des Verstorbenen im Gepäck zu Ende zu führen. Auf seiner Reise trifft der grantige und verschlossene ältere Herr einige andere Pilger, welche den „Camino“ aus unterschiedlichsten Gründen bepilgern: etwa die innerlich gebrochene Kanadierin Sarah, den scheinbar oberflächlichen Holländer Joost oder den Iren Jack, ein Schriftsteller, welcher sich in Spanien Erlösung von seiner Schreibblockade erhofft. Zusammen macht sich das ungleiche Quartett auf den Weg und lernt dabei mehr über das Leben und sich selbst, als es am Anfang auch nur im Entferntesten zu Hoffen gewagt hätte.

Dein Weg“ ist ein toller, ein ruhiger, ein komischer, aber auch trauriger Film, der zeigt, dass das Leben stets am seidenen Faden hängt und man es vor allem für zwei Dinge schätzen sollte: für das Geschenk derjenigen, die einem am Herzen lieben und für die besonderen Momente.

 

 

Drive (2011)

Drive (Poster - France)Bei nicht wenigen Filmfreunden geniesst Ryan Gosslings Darstellung des namenlosen „Fahrers“, welche tagsüber als Stuntman für Hollywood-Produktionen sein Leben riskiert und des Nachts mit eiskalter Präzession als Fluchtwagenfahrer für Bankräuber arbeitet, bereits Kultstatus. Logischerweise gilt Gossling mittlerweile – nicht nur wegen dieser Rolle, in der er Herz und Gesundheit für die schöne Nachbarin (gespielt von Carey Mulligan, übrigens die Angetraute von Mumford & Sons-Frontmann Marcus Mumford) aufs Spiel setzt – als eines der hoffnungsvollsten Talente der „Traumfabrik“ und bringt reihenweise Frauenherzen zum Dahinschmelzen. Ich selbst habe langer mit mir gerungen, ob ich „Drive„, den nächsten „Schweiger“-Film des dänischen Filmemachers Nicolas Winding Refn, nun banal oder toll finden soll – und mich letzten Endes für Zweiteres entschieden. Dafür machen die Mischung aus unbedingter Ruhe und schockierender, plötzlicher Brutalität in Verbindung mit dem komplett ironielosen Achtziger-Jahre-Soundtrack einfach zu viel her.

 

 

Hesher – Der Rebell (2010)

Hesher (Poster)Hoffnungsvolles Talent, die Zweite: Joseph Gordon-Levitt ist „Hesher„, ein nach Außen ultracooler, metalaffiner Herumtreiber, der selbst Anarchisten aufgrund ihrer Spießigkeit verlachen würde und dessen Astralkörper Tattoos eines sich selbst einen Kopfschutz verpassenden Strichmännchens sowie eines Stinkefinger zieren. Und „Hesher“ steht plötzlich vor der Tür von T.J. (Devon Brochu), der seit dem Tod seiner Mutter zusammen mit seinem depressiven Vater (Rainn Wilson) bei der Großmutter lebt. Und: „Hesher“ zieht ein und macht zunächst so gar keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Natürlich macht das die verwirrende Welt des Teenagers T.J., der seit Neustem heimlich in die chaotische Supermarktkassiererin Nicole (Natalie Portman) verliebt ist, und in der Schule als Außenseiter ständiger Drangsalierung ausgesetzt ist, keineswegs einfacher…

Ein feiner, kleiner Film, der zeigt, dass dich das Leben zwar manchmal bei den Eier packt, aber nur selten loslässt – wenn du selbst daran festhältst.

 

 

…und auf den weiteren Plätzen:

Looper (2012)

Joseph Gordon-Levitt, die Zweite: Auftragskiller erledigen im Jahr 2044 unter Zuhilfenahme von Zeitreisen die Drecksarbeit von morgen. Doch dann steht Joseph Simmons (Gordon-Levitt) plötzlich seinem älteren Ich (Bruce Willis) gegenüber… „Looper“ – interessante Thematik, gute Umsetzung, tolle Schauspieler. Sehenswert.

 

 

Starbuck (2011)

Der 42-jährige Versager und selbsterklärte Berufsjugendliche David Wozniak (Patrick Huard) erfährt, dass er per unter dem Pseudonym „Starbuck“ vor vielen Jahren aus Geldnot getätigter Samenspende mittlerweile Vater von 533 Kindern ist. Und 142 davon möchten ihn nun gern kennenlernen – und das, wo er doch schon Panikattacken schiebt, als ihm seine derzeitige Freundin offenbart, dass sie schwanger ist…

Die Komödie des kanadischen Regisseurs Ken Scott unterhält mit einem Übermaß an Witz und Herzlichkeit und schrammt nahe an der Kitsch-Messlatte vorbei. Deshalb: Daumen hoch!

 

 

The Man With The Iron Fists (2012)

Ein Martial Arts-Spektakel, welches vor unglaubhaft tollen Kampfszenen mit Lust an Überspitzung und Splatter nur so strotzt. Klar, Wu-Tang-Clan-Rapper RZA hat schließlich Regie geführt (und auch gleich noch die Titelrolle übernommen) und Eli Roth am Drehbuch mitgeschrieben. Dass da mehr an „Kill Bill“ oder „Inglorious Basterds“ erinnert als Lucy Liu in einer der Hauptrollen oder Quentin Tarantinos Name auf den Filmplakaten, ist klar. Und wenn auch die Story arg zu wünschen übrig lässt, wird der Kampfkunstfan während der herrlich überdrehten 95 Minuten mit einem Augenzwinkern auf’s Feinste unterhalten. Ein potentieller Genre-Klassiker, mit kleinen Abstrichen in der B-Note und einem tollen Soundtrack.

 

 

The Music Never Stopped (2011)

Mehr dazu hier

 

 

Who Killed Marilyn? (2011)

Mehr dazu hier

 

Rock and Roll.

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