Schlagwort-Archive: Dresden

Song des Tages: Die Arbeit – „Könige im Nichts“


30524

Ein zackiger, Breakbeat-artiger Unterbau, dazu flirrende, verhallte Gitarren, ein pulsierender Basslauf und eindringlicher, deutschsprachiger Sprechgesang der Güteklasse Dirk von Lowtzow – Die Arbeit haben all diese Elemente einer guten New-Wave-/Post-Punk-Platte in ihrem Song „Könige im Nichts“ vereint. Fans von Die Nerven, Karies oder Messer oder vergleichbaren internationalen Acts wie Preoccupations, Moaning oder den frühen (!) Editors dürften jedenfalls Gefallen an der 2018 gegründeten Dresdner Band finden.

Sich selbst ordnen Maik Wieden, Uwe Hauptvogel, Benjamin Rottluff und Marius Jurtz irgendwo zwischen „Diskurspop“ und „Postpunk“ ein. Oder eben etwas ausführlicher auf Facebook:

„Reduzierte Gitarren, Beats auf den Punkt, deutscher Text aus Poesie und Propaganda fügt sich ohne großes Brimborium zusammen zu einer erfreulichen Monotonie a la ‚Deutsch Amerikanische Freundschaft‘, ‚Joy Divison‘ und ‚Tocotronic‘. Ein oszillierendes Erweckungserlebnis irgendwo zwischen Aufbauen und Abreißen.“

Dem durchaus ansprechenden Vorab-Track des am 21. Februar via Undressed Records erscheinenden Debütalbums „Material“ haben Die Arbeit kürzlich auch ein Musikvideo spendiert, das einen angehenden Astronauten durch alte Industriehallen begleitet, bis er es zum Mond schafft – ansprechend und ästhetisch inszeniert zum treibenden Charakter der Musik.

 

 

82058987_2547362305313012_883877065193947136_o

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: TWINS – „Bathroom“


79281017_805386429905637_1850715156036714496_o

Foto: Facebook

Es ist noch keine zehn Lenze her, da galt eine Band aus der sächsischen Provinz als Newcomer-Speerspitze wenn es darum ging, juvenile Emo-Gefühligkeit mit ausreichend verqueren Elementen aus Punk, Indie Rock, Screamo und Post Hardcore zu einen: MIKROKOSMOS23. Im Jahr 2005 in der recht beschaulichen Porzellan-und-Hahnemann-Stadt Meißen gegründet, entwickelt sich das aus Peter Löwe (Gesang, Gitarre), Tom Pätschke (Schlagzeug), Mathias Starke (Gitarre) und Steffen Oks (Bass) bestehende Quartett schnell zum potenten Geheimtipp der bundesdeutschen Alternative Rock’n’HC-Szene, produziert bereits den 2010 erschienenen zweiten Langspieler „Memorandum“ mit niemand Geringerem als Blackmails Sechs-Saiten-Schwinger Kurt Ebelhäuser, tourt fleißig durch die Indie-Clubs und AJZs der Republik, schiebt alsbald, 2013, mit „Alles lebt. Alles bleibt.“ Album Nummer drei nach (beide Werke gibt’s übrigens via Bandcamp im Stream sowie als „name your price“-Download). Gerade jenes wusste mit seiner Mischung aus frühen Kettcar und Captain Planet, mit seiner klanglichen Melange aus Blackmail, Muff Potter oder Adolar und den mal persönlich anmutenden, mal intellektuell müffelnden Texten, bei denen sich damals nicht nur die VISIONS fragte, „was so schief gelaufen ist, dass man sich sein Leben von einem anti-altklugen Campuspoeten wie Löwe erklären lassen muss“ (obgleich die anderswo gezogenen Vergleiche zu Kettcar-Vorsteher Marcus Wiebusch wohl nicht allzu weit an den Emotional-Harcore-Härchen herbei gezogen waren), zu überzeugen. Ja, da war man sich allerorten unisono einig: MIKROKOSMOS23 dürfte eine vielversprechende Zukunft bevorstehen. Nur kam Löwe, Pätschke und Co., die ihre musikalische Homebase mittlerweile ins deutlich größere, deutlich bekanntere, indie-szenisch deutlich besser vernetzte Dresden verlagert hatten, wohl der schnöd-unrockenrollige Alltag dazwischen, was dazu führte, dass der Vierer zwar mal hier, mal da versprach, an Album Nummero vier zu werkeln, schließlich allerdings – eine One-Time-Show bei der Hochzeit ihres Schlagzeugers mal außen vor – ihre gemeinsamen Aktivitäten bis heute aufs kreative Abstellgleis schob. „Life is what happens to you while you’re busy making other plans.“ – das wusste schon der olle Lennon-John…

a1551146331_16Umso überraschender, dass MIKROKOSMOS23 nun irgendwie und ebenso unerwartet ihr Comeback feiern. Obwohl: mit Tom Pätschke und Steffen Oks sind lediglich zwei Viertel der einstigen Anfangszwanziger-Indie-Radau-Hoffnungsträger bei den Quasi-Newcomern TWINS mit am Start. Und ebenjenes Vierergespann mit Zentrale in der sächsischen Landeshauptstadt und weiteren kreativen Zelten in Leipzig und Berlin knüpft mit (s)einer Mischung aus Indie-, Noise- und Mathrock sowie Hardcore gleich auch bestens an die gesteckten Pfade der Vorgänger-Band an. Hinter jeder Ecke lauert eine weitere Ecke und dann noch eine und dann brüllt einer heiser und dann twinkeln die Gitarren ein bisschen und dann ist man bereits nach den ersten Vorboten „Library“ und „Bathroom“ schnell überzeugt: Mit dem für den 14. Februar angekündigten Debüt „Soon“  kommt eine der vielversprechendsten Platten des noch jungen Musikjahres auf die versammelte Post-Hardcore-Gemeinde zu. Bekannteste Verwandte: Blood Brothers, At The Drive-In, die alten Pianos Become The Teeth. Ja klar, meinetwegen könnte der Gesang ein bisschen cleaner sein, ansonsten gefällt’s: sehr.

 

Schlagzeuger Tom meint zur Entstehung des frisch veröffentlichten Musikvideos zu „Bathroom“: “Für unser erstes Musikvideo, welches wir komplett selbst geschrieben und produziert haben, sind wir 3 Tage voll beladen, mit Greenscreens unter den Armen zwischen unzähligen Locations hin und her gesprungen. Und dank all der Szenen, die dabei entstanden – irgendwo zwischen Supermärkten, Basketballfeldern, Clubs, Bibliotheken, Wäldern usw. – ist das ganze Video nun eine Art Kaninchenbau geworden, der letztlich wunderbar zu uns passt: alles ist wild und durcheinander – wie ein komischer, mitreißender Strudel. Und tatsächlich ist das sogar eine ganz gute Analogie für die gesamte Art wie wir als Band denken und schreiben: durchdenken, ausprobieren, verwerfen, von vorn anfangen, neu denken, wiederholen. Wie kreisende Gedanken – Viel. Zu. Kompliziert.”

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Song des Tages: Ezé Wendtoin – „Sage Nein!“


373b5a78c6bf5830c1a8249843a96dc5v1_max_635x357_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg

Over twenty years gone, still the same ol‘ song… – Im Jahr 1993 rief der Liedermacher Konstantin Wecker in seinem Lied „Sage Nein!“ dazu auf, sich gegen Diskriminierung zu wehren (übrigens im selben Jahr, als auch der ähnlich gelagerte Ärzte-Evergreen „Schrei nach Liebe“ erschien). Der aus dem westafrikanischen Burkina Faso stammende Musiker Ezé Wendtoin, der auch mit Wecker befreundet ist, hat das Stück neu interpretiert – und bekam dafür bereits vor einigen Wochen viel Beachtung in den sozialen Netzwerken. „Das Lied hat eine kräftige Botschaft und passt zu diesen Zeiten“, sagte der 27-jährige Wahl-Dresdner, welcher schon 2018 mit Reinhard Meys „Sei wachsam“ ein ähnlich tolles wie wichtiges Stück bundesdeutscher Liedermacherkunst gecovert hat, der Deutschen Presse-Agentur in München.

Im dazugehörigen Musikvideo sind neben zahlreichen unbekannten Männern und Frauen unterschiedlicher Hautfarbe auch mehrere bekannte Gesichter zu sehen, die die Zeilen des Protestsongs mitsingen, während Wendtoins Stimme zu hören ist. Zu ebenjenen Gesichtern zählen etwa der Komiker Atze Schröder, die Schauspieler Frederick Lau und Kida Ramadan („4 Blocks“), Aktivist Raul Krauthausen, Viva-Legende Nilz Bokelberg oder Moderator Micky Beisenherz. Inzwischen wurde das Video auf Youtube schon mehr als 60.000 Mal aufgerufen und bei Facebook vielfach geteilt.

4015698843569.jpgDas Lied habe er in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, aufgenommen, erzählte Wendtoin. Sein Freund Christian Suhr habe die Idee zu dem Video gehabt und „die meiste Arbeit geleistet“ – zum Beispiel die Prominenten kontaktiert. Das Stück ist Teil von Wendtoins im Juli erschienenen Albums „Inzwischen dazwischen„, auf dem sich der vielseitige Liedermacher, Musiker, Schauspieler, Moderator und Märchenerzähler, der aus einer Trommler-, Pfarrer- und Schmiedefamilie in Burkina Faso stammt, sich in seiner afrikanischen Heimat in „die Sprache von Goethe“ verliebte und daher begann, Germanistik zu studieren, nicht nur stilistisch zwischen Chanson, Afro-Folk, Latino und westafrikanischen Rhythmen bewegt und sich Themen wie Fremdenhass, Nächstenliebe oder Umweltschutz widmet, sondern seiner sächsischen Wahl-Heimat mit „Dresden Daheeme“ sogar eine kleine, gleichsam trotzig-direkte wie positiv gestimmte Hommage spendiert (und in diesem Porträt etwas mehr über seine Liebe zur „Elbmetropole“ gesprochen).

Und Konstantin Wecker? Der in München aufgewachsene, seit eh und je unbeugsame deutsche Liedermacher, der – beinahe logisch – auch selbst im Video auftritt, zeigte sich begeistert von Wendtoins Cover. Sein Song sei „nun schon über 20 Jahre alt, und Sie können mir glauben, ich würde das Lied gerne in die Mülltonne schmeißen, wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, in der es nicht mehr notwendig ist, gegen Diskriminierung, Rassismus und Faschismus anzusingen“, teilte der 72-Jährige der dpa mit. „In diesen gefährlichen Zeiten“ müssten Künstler aber „zusammenhalten und Farbe bekennen“.

 

91VWRuNdrtL._SS500_.jpg„Einigkeit und Recht und Freiheit für das kunterbunte Mutterland! Fürchtet Euch nicht! Traut Euch, ‚Nein‘ zu sagen! Ich hoffe durch dieses Video und die Beteiligung von vielen Menschen ein bisschen Mut und Funken Hoffnung an alle zu geben, die es zu diesen Zeiten brauchen. Ich denke an alle, die sich unermüdlich für die Freiheit, die Vielfalt, die Gerechtigkeit, die Demokratie in diesem Lande engagieren. Schweigen ist gerade nicht die Lösung. Jede/r muss etwas für eine bessere Zukunft tun. In ihrer/seiner engeren Umgebung, bei der Arbeit, auf der Straße, in der Familie, im Bus, im Freundeskreis. Überall! Jede/r muss mitentscheiden. Rassismus, Sexismus, Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit und jede Art von Diskriminierung dürfen nicht mehr blind in unserer Gesellschaft zugelassen werden. Mischt Euch ein! Die Zukunft liegt an Dir, an uns allen! Danke an meinen Freund Konstantin Wecker für die Bereitschaft und die ständige Verfügbarkeit. Danke an alle Mitwirkenden. Danke an meinen Energizer Christian Suhr und an alle Musiker.

Gerne könnt Ihr für das Schulprojekt @Fondation Warc-en-ciel spenden, um Fluchtursachen zu bekämpfen und Kindern sowie jungen Frauen Perspektiven vor Ort zu schaffen: http://atticus-dresden.de/schulprojek… Ostsächsische Sparkasse Dresden IBAN: DE21 8505 0300 0221 1149 12 BIC: OSDDDE81XXX Verwendungszweck: Schulprojekt Burkina Faso Natürlich können Sie auf Wunsch von uns eine Spendenquittung erhalten. Aufgenommen im Dezember 2017 in Ouagadougou, Schlagzeug: , Gitarre: Erick Yelkouni, Keyboard: Aristide Nikiema, Bass-Gitarre: Juan Carlos de Zabs, Gesang und Arr.: Ezé Wendtoin, Abmischung, Samples, Zusatzaufnahmen: Arne Müller, Zusatzaufnahmen: Jean Marc Jeano Guiebré, Mastering: Andreas Lammel, GaBo: Andreas O. Loff, Text und Musik: Konstantin Wecker, Kamera/ Schnitt und Videoidee: Ze Suhr“

(Ezé Wendtoi)

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Auf dem Radar: isolate + Interview mit Bassist Paul Riemer


isolate-e1544624262871

Ich gebe es gern zu: Wenn’s um gute Musik aus meiner sächsischen Heimat geht, dann bin ich von vollstem Hörerherzen und nur allzu gern Lokalpatriot. Klar kennt man mittlerweile die Chemnitzer Buben von Kraftklub längst über die Grenzen des Freistaates hinaus (während Indie-Connaisseure auf Playfellow schwören). Natürlich entwickelt sich in Leipzig so langsam aber sicher eine florierende Indie-Szene, die unlängst auch die Flensburger Punkrock-Größen von Turbostaat dazu veranlasste, ihr neustes (und erstes) Live-Album „Nachtbrot“ ausgerechnet im renommiert-speckigen, in jedem Falle grundsympathischen Conne Island aufzunehmen.

Und auch Dresden hat mittlerweile weitaus mehr zu bieten als die am Anfang interessant aus dem Boden geschossenen, gen Ende (bis zur Auflösung vor etwa sechs Jahren) mit einem guten Teil Fremdscham „Allein, allein“ daher trällernden Polarkreis 18. isolate etwa.

Das zwar noch junge, aber bereits seit 2014 gemeinsam in den Proberäumen in der (und rund um die) sächsische(n) Landeshauptstadt gemeinsam an neuen Sounds tüftelnde Trio hat vor Kurzem, im vergangenen Dezember, ihre schlicht „A“ betitelte Debüt-EP via Bandcamp ins weltweite Netz gestellt, deren sechs Songs experimentellen Indiepop ebenso streifen wie ProgRock – Radiohead meets Sigur Rós meets Agent Fresco meets Interpol meets… Oder, wie’s die Band selbst tituliert: „Progressive Pop“. Sehr jung, sehr frisch, sehr interessant – sollte man in Auge und Ohr behalten, diese drei von isolate!

 

Hier kann man die Debüt-EP „A“ in Gänze hören…

 

…und sich gleich noch das – im Übrigen (und gerade für eine „kleine Band“) äußerst professionell gelungene – Musikvideo zum Song „Asleep“ anschauen (zu dessen Entstehungsprozess ihr weiter unten mehr Informationen bekommt):

 

Und da es immer gut ist, mehr über die Hintergrunde einer noch unbekannten, jungen Band zu erfahren, hat ANEWFRIEND dem Bassisten und Tastenmeister von isolate, Paul Riemer, einige Fragen zukommen lassen:

Hallo Paul. Damit die Leser von ANEWFRIEND euch näher kennen lernen: Bitte stelle dich und deine aktuelle Band isolate doch einmal kurz näher vor…

Hallo! Wir sind eine dreiköpfige Band aus Dresden, die es seit Ende 2014 gibt. Wir bezeichnen unser Genre als „Progressive Pop“ aber wir weichen genauso gern auch der Frage nach dem Genre aus. Niklas spielt Drums, Johan spielt Gitarre und singt und ich spiele die Synthies, das Klavier und den Bass.

Lass uns über den Entstehungs- und Aufnahmeprozess eurer im vergangenen Dezember veröffentlichten Debüt-EP „A“ sprechen (oder, in diesem Fall wohl eher: schreiben). Wie, wann und wo entstanden die Songs dazu?

Die Songs von „A“ entstanden innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre. Unser Songwriting ist dadurch geprägt, dass wir zwar gern miteinander spielen, uns aber nur schlecht Songs beim gemeinsamen Jammen ausdenken können. Daher haben wir die Tracks Stück für Stück am Computer vorproduziert und so lange daran rumgebastelt, bis wir zufrieden waren. Das war vor allem bei den „Maintracks“ (Asleep, Adri!, Aglow) so. Das Intro und Outro (Anew, Alight) haben wir uns dann gezielt überlegt, um den anderen Songs einen sinnigen Kontext zu geben. “Afar” ist eine große Ausnahme gegenüber den Anderen: die Wahrheit ist, dass ich mir letztes Jahr einen neuen Synthesizer gegönnt habe und ich dann beim Rumklimpern und Kennenlernen des Instruments diesen Track nebenbei mitgeschnitten habe. Die beiden anderen haben den Mitschnitt dann auf unserem Computer gefunden und fanden ihn so passend, dass er es schlussendlich auch auf die Platte geschafft hat.

Wir haben die EP überwiegend bei uns im Proberaum aufgenommen. Die Gitarre hat Johan bei unserem Audio-Good-Guy Philip (Ex-Copy Of A Golden Sketch) aufgenommen. Mit ihm haben wir auch die Drums eingespielt und er war es auch, der die EP dann gemischt und gemastert hat (übelst geiler Typ). Um jeweils den Sound zu erzielen, den wir uns vorgestellt hatten, haben wir ganze vier verschiedene Klaviere aufgenommen. Einmal unser Stage-Piano im Proberaum, mein akustisches Piano zuhause, sowie einen Flügel und ein DDR-Klavier in einer Musikschule in der Nähe von Dresden. Im Outro “Alight” stellen wir auch mal zwei der Klaviere im Song direkt gegenüber. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Produktion ist die Verwendung von selbst aufgenommenen Samples. Wir haben mit unseren Handys viele einzelne Geräusche aufgenommen und bearbeitet, zum Beispiel Klänge aus einem Antiquariat. Am Ende von “Adri!” ist ein Juni-Käfer zu hören, dessen Brummen wir am Computer stark verfremdet haben.

Wo wir gerade bei „Entstehungsprozessen“ sind: Wie – und mit wem – ist das (im Übrigen sehr sehenswerte) Musikvideo zum Song „Asleep“ entstanden?

Danke! Das Video entstand in Zusammenarbeit mit Javier Sobremazas, einem spanischen Filmemacher, der in Dresden lebt und hier bereits für einige lokale Bands ein paar fantastische Musikvideos gedreht hat. Wir haben mit ihm Kontakt aufgebaut und gemeinsam das Video geplant. Die Story, Locations und Darstellenden haben wir dann gemeinsam gesucht. Schauspieler haben wir glücklicherweise in unserem Freundeskreis gefunden und so war unser kleines Filmteam schon komplett. Javier hat einen tollen Sinn für Bilder und Atmosphäre. Er hat ohne jedes künstliche Licht gefilmt und dadurch eine starke, natürliche Stimmung erzeugt. Oft hat er an den Orten, an denen wir gefilmt haben, auch einfach kleine „zufällige“ Details gefilmt und mit in das Video geschnitten. Das hat das Ganze zusätzlich abgerundet.

Wo findet ihr eure musikalischen Inspirationen? Habt ihr bestimmte Vorbilder, was das Klangbild eurer Songs sowie die Herangehensweise ans Komponieren betrifft?

Das ist wohl schwer zu definieren. Ich denke, da hat jeder von uns einen anderen Weg. Ich kann nur für mich sprechen und sagen, dass ich am liebsten einfach am Klavier sitze und drauf los spiele – teilweise stundenlang. Immer dann, wenn ich in dieser Situation einen für mich interessanten, am liebsten ungewohnten Schnipsel entwickle, versuche ich mir diesen zu merken und Stück für Stück weiter zu verfolgen.

Unsere Vorbilder im Klangbild sind auch sehr verschieden. Wir mögen die Härte und Präzision von Bands wie Agent Fresco und Arcane Roots. Aber ebenso die zerbrechlichen, ruhigen Momente, die Nils Frahm und Ólafur Arnalds erzeugen. Wir alle haben einen sehr breiten Musikgeschmack. Eben alles, was gut gemacht ist und was interessant und schön zu hören ist. Das reicht dann von Jazz und Funk über experimentelle Musik und Ambientkram bis hin zu Progressive Metal – aber auch cooler Popmusik. Unsere gemeinsamen Wurzeln liegen schlussendlich aber bei Postrockbands wie Sigur Rós und pg.lost, zu welchen wir auch von Zeit zu Zeit zurückkehren – denn unter dieser Flagge haben wir gemeinsam begonnen Musik zu machen.
Der wohl wichtigste Punkt in unserem Songwriting-Prozess ist wohl, dass wir nur sehr schwer zufrieden zu stellen sind. Immer wieder werden Stellen, teilweise ganze Songs, in Frage gestellt. Immer wieder fragen wir uns, ob alle Songs zueinander passen, ob wir die Spannung über die Dauer eines Konzertes halten können und so weiter. Entsprechend sind unsere Vorbilder dahingehend eben Künstler, bei denen einfach alles zueinander passt, wie etwa bei Sigur Rós, Agent Fresco oder The Contortionist. Solche, stellenweise schon konzeptionellen, Herangehensweisen interessieren uns, weil man so noch mehr Tiefe zwischen den Songs erreichen kann und es als Hörer noch mehr zu entdecken gibt.

Wie siehst du selbst als musikschaffender Indie-Künstler die derzeitige Lage der Musikindustrie? Kann man, insofern man Wert auf Integrität legt und nicht nur auf den „schnellen Euro“ anhand von ein, zwei „Hits“ schielt, aktuell überhaupt noch von seiner Musik leben?

Ich denke, man kann schon von seiner Musik leben, ohne seine Seele zu verkaufen. Man muss eben ein bisschen wissen, wie der Markt tickt. Und damit meine ich nicht, welches Genre angesagt ist, sondern dahingehend, dass man sich in gewisser Weise schon verkaufen können muss. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein, im Gegenteil. Networking, sowohl „offline“ als auch online, macht Spaß und wenn man sich Mühe gibt und Feedback von Leuten bekommt, die einen nicht aus dem direkten Freundeskreis kennen, kann das sehr motivierend sein!

Gleichzeitig sollte man immer das machen, auf was man Bock hat. Bock, Ausdauer, Pausen, viel Kaffee und eine Priese Kreativität, dann wird’s auch gut. Wenn man sich verstellt um erfolgreich zu sein, geht das schon irgendwie, aber man verliert seine Identität und es macht garantiert nach einiger Zeit nicht mehr so viel Spaß. Und Spaß ist das Wichtigste.
Man hat heutzutage die Freiheit, alles im Internet zu veröffentlichen. Diese Chance muss man nutzen und sein Glück selbst in die Hand nehmen. Zum Beispiel Labels und Veranstalter auf sich aufmerksam machen. Nur muss man sich auch bewusst darüber sein, dass man darin natürlich nicht der Einzige ist. Entsprechend braucht es ein Alleinstellungsmerkmal, etwas Originelles, das einen zwischen all den anderen Musikern sichtbar macht.

Was sind deine/eure nächsten Pläne mit isolate? Wird es in absehbarer Zeit ein erstes Album geben?

Ein Album ist vorerst nur sehr vage in weiterer Zukunft geplant. Wir wollen jetzt erstmal neue Songs schreiben um dann im Sommer und Herbst viel live zu spielen und unsere Musik präsentieren. Vor allem außerhalb von Dresden und im näheren Ausland. Wenn es dann genug neue Sachen gibt und diese auch live gut funktionieren, dann machen wir bestimmt ein Album.

Zum Abschluss noch ein paar allgemeinere Fragen…

Was sind deine frühesten musikalischen Erinnerungen?

Es gibt VHS-Kassetten, auf denen ich die Titelmelodie zur Trickfilmserie „Heidi“ zum Besten gebe. Ansonsten habe ich schon ab der 1. Klasse Instrumentalunterricht erhalten, Johan bekam seine erste Gitarre mit vier Jahren und hat damit versucht, die ABBA-Platten seiner Eltern zu ergänzen und Niklas hat schon in frühester Kindheit auf Töpfen rum getrommelt und Luftschlagzeug zu den Lieblingsbands seiner Eltern gespielt.

Welches sind deine – insofern es die gibt – größten „musikalischen Helden“?

Ich glaube konkrete, dauerhafte musikalische Helden habe ich gar nicht. Wir hören immer wieder neue Musik und entsprechend kommt auch immer mal wieder jemand dazu, während andere in Vergessenheit geraten (bzw. ihren Heldenstatus aberkannt bekommen :D).

Wenn du (oder ihr) die Möglichkeit hätte(s)t, mit einem bestimmten Musiker auf Tour oder ins Studio gehen zu können – welcher wäre das?

Ich denke ich spreche für uns alle, wenn ich sage, das ‘ne Tour mit Agent Fresco der Hammer wäre.

Was wären deine 5 Platten als Soundtrack für die Großstadt…

Ich glaube nicht, dass wir uns auf 5 einigen könnten, daher meine persönlichen:

Delta Sleep – Ghost City

Interpol – Turn On The Bright Lights

Erik Truffaz – Bending New Corners

Agent Fresco – A Long Time Listening

Golden Kanine – We Were Wrong, Right?

…und deine 5 Platten für die einsame Insel?

Totorro – Home Alone

Kings of Convenience – Riot On An Empty Street

Sigur Rós – Með suð í eyrum við spilum endalaust

Marker Starling – Anchors and Ampersands

Enemies – Embark, Embrace

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview mit ANEWFRIEND genommen hast!

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Auf dem Radar: The Slow Show


slow-show

„Es gab wohl noch nie eine Band aus Manchester, die sich mit The Slow Show vergleichen lässt. Ihre minimalistischen und dann doch epischen Songs schwingen sich von behutsamen Americana zu tosenden Hooks und Refrains mit Streichern und Trompeten auf. Schwer persönlich sind diese Songs über Liebe und Tod, die es immer wieder schaffen, ihr Publikum zu bedächtigem Schweigen, sogar zu Tränen zu rühren.“

So weit, so Pressetext. Für Schnellklicker ließe sich die fünfköpfige, seit 2010 bestehende Band sogar noch schneller einordnen: benannt nach einem Song der großen Pathetiker The National, das Album im selben Studio wie Elbow aufgenommen. Damit wären die Pole bereits abgesteckt…

TSS_white_water_480pxUnd obwohl der Pressetext einen Glauben lassen mag, dass es „wohl noch nie“ eine vergleichbare Band aus Manchester, jener 500.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Englands, gab, und The Slow Shows Sänger Rob Goodwin gar eine stimmliche Nähe zu Johnny Cash nahe legt, könnte beides falscher kaum sein. Denn zum einen eint The Slow Show und Elbow weitaus mehr als die Aufnahmen in den in einem der typischen Backsteingebäude von Manchester gelegenen Blueprint Studios (nämlich die gleiche detailversessene Herangehensweise an ihr melancholisches Liedgut, sodass es kaum verwunderlich ist dass Elbow die fellow Mancunians bereits in ihr Vorprogramm holten). Zum anderen dürfte Goodwins tiefes, Dark Wave-taugliches Bariton näher bei Lambchop-Frontmann Kurt Wagner stehen als beim großen Countryman Cash (hier und da ist auch eine Grabesstimme wie die von Nick Cave nur einen Spalt weit entfernt). Bewegt man sich jedoch nur ein kleines Stückweit weg von der Bodenständigkeit Manchesters – die Stadt wirft ja nicht erst seit Oasis, Elbow oder I Am Kloot hin und wieder tolle Bands in die Musikwelt (man denke auch an die Happy Mondays, The Stone Roses oder die Inspiral Carpets) -, so öffnen sich im deutlich mehr von US-Vorbildern gefärbten Klangbild von The Slow Show größere Weiten. Freilich mögen auch hier The National mehr als einmal Pate gestanden haben (etwa beim Song „Bloodline“, das mit seinem bedächtigen Aufbau, seiner Steigerung, seinen Fanfare dem The National-Evergreen „Fake Empire“ näher ist, als einem lieb sein mag), wer jedoch The Slow Show bloßen Ideenklau vorwirft, tut der Band unrecht. Vielmehr entwerfen Rob Goodwin und Co. kleine große Americana-Kleinode von spröder Schönheit, deren Kopf im Americana steckt, während das Herz den Northern Soul stolz in der Brust voran trägt. Da darf auch schonmal, wie in „Dresden“, dem Eröffnungsstück des dieser Tage erscheinenden Debütalbums „White Water„, ein sakraler Chor den Song eröffnen, während anderswo Streicher schwelgen, Pianoakkorde bedächtig vor sich her klimpern und die Band Goodwins weihevolle Stimme nie überfrachtet, sondern immer nur dienlichst unterstützt. Klar waten nahezu alle elf Albumsongs knietief im Moll, klar bewegen sich The Slow Show damit konsequent auf einem schmalen Grat zwischen Kitsch und Melancholie, während die Texte kleine Trauerweiden übers Leben, Lieben, Touren und Loslassen malen. „Herbstmusik“ würden wohl die Meisten dick mit Edding aufs Cover kritzeln – Musik, die im Sommer so fremd wirken würde wie ein Schneemann an der Copacabana. Freunde rotweingeschwängerten, melancholischen Liedguts dürften aber an der Band, deren Debütalbum in Deutschland bei „Haldern Pop„, dem Label des exquisiten nordrhein-westfälischen Festivals, zu dessen Rooster Bands und Künstler wie Friska Viljor, Dry The River oder William Fitzsimmons zählen, Gefallen finden…

slow-show-promo

 

Hier gibt’s die Musikvideos zu „Bloodline“…

 

…und „Dresden“…

 

…sowie selbigen Song noch einmal in einer Liveversion vom letztjährigen „Haldern Pop Festival“, bei dem die Band einen Chor zu sich auf die Bühne holte…

 

…und das bewegende „Brother“ in einer Live-Session-Variation:

 

THE SLOW SHOW LIVE:

21.05.15 – Köln (DE) / Luxor
22.05.15 – Haldern (DE) / Haldern Pop Bar
23.05.15 – Dortmund (DE) / Way Back When Festival
24.05.15 – Beverungen (DE) / Orange Blossom Festival
25.05.15 – Hamburg (DE) / Prinzenbar
26.05.15 – Berlin (DE) / Privatclub
27.05.15 – Dresden (DE) / Beatpol
28.05.15 – Wien (AT) / Chelsea
29.05.15 – München (DE) / Strom
31.05.15 – Zürich (CH) / Papiersaal

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Moment! Aufnahme.


Foto: twitter/Debbie_Anna

Foto: twitter/Debbie_Anna

Um eines klarzustellen: Es gibt durchaus tausendundeinen Grund, gegen PEGIDA als solches, deren Aussagen und Außenwirkung zu sein. Mein Gott, man darf ja auch gegen die nicht abschätzbare Eigendynamik von Massendemonstrationen sein, gegen Angst vor Fremdem, gegen die Angst vor der Angst, gegen wasauchimmer – jedem seine, jeder ihre Meinung, verdammt. Wir alle sind frei, zu denken, was wir wollen – und wir (oder zumindest etwa jene Menschen in Dresden oder Leipzig) können all denen dankbar sein, die Ende der Achtziger die Traute hatten, dort auf die Straße zu gehen und ihren Unmut gegenüber einem offensichtlichen Unrechtssystem zu äußern (womit ich eben nicht sagen möchte, dass die PEGIDA- und LEGIDA-Schwachmatenanführer – siehe Ex-PEGIDA-Fronter Lutz Bachmann, der sich wirklich, nebst all seinen dümmlichen Aussagen, allen Ernstes einst als Hitler-Doppelgänger fotografieren ließ – auch nur das Geringste mit diesen mutigen Menschen gemein haben). Demonstrationen sind ja was Gutes – aber, liebe demowütige Leserschaft: Seid doch bitte ein Mal für und nicht gegen etwas! Und: Angst und Hass hat noch nie zu etwas Gutem geführt – und genau das strahlen eure Massenmärsche nach Außen, nichts anderes (glaubt es einem, der die Meinungen zu PEGIDA & Co. im Ausland direkt mitbekommt).

Und wie jede(r) andere auch hat auch die ehemalige Piraten-Politikerin Mercedes Reichstein ganz offensichtlich ihre ganz eigene Meinung zu PEGIDA. Diese macht sie mit einem deftigen Spruch, gekrakelt über ihren barbusigen Leib, deutlich: „Bomber Harris do it again! #NOPEGIDA“ (mehr Infos gibt’s hier). Freilich geht es bei diesem Foto-Post der 23-jährigen „Antifa“-Aktivistin vor allem und ausschließlich darum, Aufmerksamkeit zu erregen, zu provozieren. Und: genau das hat sie auch erreicht. Kommentare auf Facebook (etwa hier), dem letzten ungefilterten Sammelbecken der Meinungsäußerung, reichen von „Als Würzburger, eine Stadt die von dieser Bomberstaffel zerstört wurde, möchte ich nur noch kotzen. Ich kann meine Wut über so einen Beitrag kaum in Worte fassen…“ über „Noch nichts für Deutschland geleistet, nur in der sozialen Hängematte gelegen! Aber pisst einen dicken Strahl als hätte sie sich schon 100 Jahre für Deutschland aufgeopfert! Man man man, die Krönung ist noch das die auch noch Politik studiert!“ bis hin zu „Ich werde Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Aufforderung zum Angriffskrieg und Massenmord gegen sie stellen. Ist laut StGB keine Straftat sondern ein Verbrechen, und das dementsprechende Urteil ist daher nicht zur Bewährung auszusprechen!“. Fakt ist, dass die Studentin – ganz gleich, wie ernst gemeint ihre „Aufforderung“ denn sein mag – offen zur Gewalt aufruft und mit ihrem Foto-Post ebenso direkt wie gedankenlos jene 25.000 Menschen verhöht, die 1945 bei der vom englischen Luftwaffen-General Arthur „Bomber“ Harris befohlenen Bombardierung Dresdens ihr Leben verloren. Damit stellt sie sich auf eine Stufe mit eben jenen Lutz Bachmanns, die sie wohl am liebsten verhindert und vergessen wissen möchte. Ganz zu schweigen davon, dass Reichstein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie in ihrem so unbeschwert kriegsfreien Leben etwas von „Pietät“ gehört hat. Oder von Respekt. Leben – und leben lassen. Oder, um’s frank und frei zu sagen: Scheiße gehört noch immer ins spülbare Porzellan, auf beiden Seiten.

Gott ist jedenfalls not amused vom jetzigen Zustand der Welt – zumindest laut diesem herrlichen „SPAM“-Satire-Beitrag auf spiegel.de, mit dem ich diesen Post augenzwinkernd beenden möchte…

 

Peace out, and…

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: