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Song des Tages: Moaning Lisa – „Carrie (I Want A Girl)“


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Moaning Lisa… Moaning Lisa… Da war doch was… Stimmt, (bisher) sogar zweierlei: einerseits ist dies der Titel der sechsten Folge der „Simpsons“, andererseits ein Song vom ersten, 2015 erschienenen Album der britischen Indierocker Wolf Alice (der Exaktheit halber sei jedoch erwähnt, dass erwähnter Song noch ein „…Smile“ hintenan trägt). Und nun auch: eine junge, vierköpfige Newcomer-Band aus dem australischen Canberra.

Ob Charlie (Gesang, Bass, Gitarre), Hayley (Gitarre, Bass, Gesang), Ellen (Leadgitarre) und Hayden (Schlagzeug), die seit 2016 gemeinsam Musik machen, eher den neurotisch-intelligenten Part von Matt Groenings gelber Zeichentrick-Familie aus Springfield oder den UK-Indierock der Band, die in diesem Jahr etwas überraschend mit dem renommierten „Mercury Prize“ ausgezeichnet wurde, als Inspiration heran gezogen haben? Wer weiß – eventuell ja beides?

a0164896072_16Die Songs des Vierers aus der Down-Under-Hauptstadt fühlen sich im Spannungsfeld zwischen Grunge, Shoegaze und Alternative Rock der späten Neunziger am wohlsten, lassen hier und da jedoch auch starke Frühneunziger-Riot-Grrrl-Tendenzen erklingen. Auf ihrer kürzlich (in Europa mangels Vertrieb bislang lediglich digital) erschienenen Mini-Konzept-EP „Do You Know Enough?“ erzählen Moaning Lisa in fünf Song-Akten die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach der Liebe. Und der Opener „Carrie (I Want A Girl)“ ist gleich eine amtliche, waschechte Queer-Hymne, in der Charlie und Co. euphorisch namedroppend singen: „Give me a Kim Deal, a Courtney Barnett! / A Florence Welch, an Annie Clark! / Give me an Ellen Page, an Ellen DeGeneres! / Give me, give me, give me a Carrie Brownstein!“ Die Titel danach verhandeln Liebeskummer, gebrochene Herzen und die Krux, wieder auf die Beine zu kommen. Mit ihrem Sound kitzeln Moaning Lisa ebenso Fans der Pixies wie von Slowdive, Sleater-Kinney, Hole oder Sonic Youth (nebst den bereits erwähnten potentiellen Namensgebern von Wolf Alice, freilich) – die „SZ“ möchte beim noch recht jungen Indierock-Quartett gar „eine feministische Version von Coldplay“ ausgemacht haben. Trügerische Dreampop-Klangwolken wie in „Lily“ werden alsbald von bauschigen Fuzz-Bässen weggeblasen, verspielte Gitarrenleads dominieren das feine „Good„. Und wer meint, „Comfortable“ perfekt versteckt in einer Liz-Phair-Playlist unterbringen zu können, bekommt zum Schluss des Songs (s)einen kräftig lärmenden Grunge-Kick in den Allerwertesten. Für lediglich fünf EP-Songs bereits ein recht wilder Ritt, der beweist, dass man Moaning Lisa im Auge (und Ohr) behalten sollte…

 

 

„I want a Kim, I want a Courtney
I want a Florence, I want an Annie
I want a Syd, I want an Ellen
I want an Ellen and a Carrie

I want a girl who’s serious
I want a girl who’s an activist
I want a girl who eats cereal
I want a girl, I want a girl

I want a girl who takes no time
I want a girl who is all mine
I want a girl who’s seen the whole world
I want a girl, I want a girl

I want a girl to take my hand!
I want a girl who sticks it to the man!
I want a girl with big big dreams!
I want a girl more like me

I want a girl who doesn’t use me
I want a girl who plays the tambourine
A girl who knows her sexuality
I want a girl, I want a girl

I want a girl, unlike you who wants a boy with dumb tattoos,
low self esteem and untied shoes,
and greasy hair and won’t sing to you

I want a Kim! I want a Courtney!
I want a Florence! I want an Annie!
I want a Syd! I want an Ellen!
I want an Ellen and a Carrie!

Give me a Kim Deal, a Courtney Barnett!
A Florence Welch, an Annie Clark!
Give me an Ellen page, an Ellen Degeneres!
Give me, give me, give me a Carrie Brownstein!“

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Twin Oaks – „Eighteen Minutes“


Twin-Oaks

Wer den Schnellschuss im Assoziationsurteil bevorzugt, und lediglich den vorzüglichen Song „Eighteen Minutes“ als Grundlage nimmt, der könnte mutmaßen, dass es sich bei Twin Oaks um Wiedergänger von Daughter handelt. Und würde gar nicht mal so falsch liegen, denn auch die Band aus Upland, Kalifornien macht sich – zumindest in diesem Stück, welches von der im vergangenen Jahr erschienenen „Collapse EP“ stammt – typische Daughter’sche Stilmittel zueigen: die ruhige, melancholische Soundbrise zum Einstieg, bevor GitarreSchlagzeugBass Anlauf nehmen und den Song gegen Ende in einen amtlichen, urplötzlich verebbenden Shoegaze-Klangorkan verwandeln. Und auch der Stimme von Twin-Oaks-Frontfrau Lauren Brown kann man nicht ganz absprechen, wie Elena Tonras sister from another mister zu klingen…

a1013610861_10Auch andere Referenzbands wie London Grammar (der elektronischen Unterfütterung mithilfe von Beats und Loops wegen, welche vor allem das 2015 veröffentlichte Twin-Oaks-Album „White Noise“ auszeichneten) oder Lamb (auch von den Folk-meets-Indietronic-Großtaten der britischen Trip-Hop-Koryphäen sind die Kalifornier nie weit entfernt, während Louise „Lou“ Rhodes als weitere stimmliche Schwester zu Lauren Brown nur allzu nahe liegt) lassen beim Twin Oaks’schen Indie-Dreampop eher melancholische Großstadt-Nebelschwaden denn kalifornische Feelgood-Strandatmosphäre vor dem inneren Auge vorbei ziehen. Dass Twin Oaks, die einst als Duo aus Lauren Brown und Aaron Domingo (Gitarren, Keys, Programming) an den Start gingen, mittlerweile jedoch zur vierköpfigen, um Marilyn Beltran (Schlagzeug) und Aroldo Rios (Bass) erweiterten Band angewachsen sind, bei all diesen Assoziationen und – freilich hilfreichen – Referenzen genug interessante Alleinstellungsmerkmale besitzen, dürfte jedem klar sein, der auch der jüngsten „Living Rooms EP“ (welche die Band via Bandcamp zum wahlweise kostenfreien Download anbietet) eine Chance gibt.

(Leider wurde Twin Oaks – gerade im deutschsprachigen Teil des weltweiten Netzes – bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Wer mehr zur Band und ihren Ursprüngen wissen mag, der findet hier ein interessantes Interview aus dem Jahr 2016…)

 

 

„Eighteen minutes ago, I was standing in a dark room
Eighteen minutes ago, I was searching for a face I knew
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into the sea of overbearing dreams

Eighteen minutes ago, I was searching for something real
Eighteen minutes ago, I was wanting somewhere to feel
And my hands, they shake
And my mind, it quits
As I look into me, I’ll keep searching
Even if it kills me…“

 

Rock and Roll.

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