Schlagwort-Archive: Dokumentation

Song des Tages: Matt McGinn & Ciara O’Neill – „Bubblegum“


Lessons-Of-War-Matt-McGinn-807x454

„WAR! Huh, yeah! What is it good for? Absolutely NOTHING!“

So sang Edwin Starr damals im Jahr 1970… Der US-Soulman traf mit dieser Anti-Vietnam-Kampfansage, welche im Nachhinein auch von Größen wie Bruce Springsteen in deren Live-Repertoire übernommen wurde, damals genau den kriegsmüden, spät-hippie’esken Nerv der Zeit, und rang der scheinbar grenzenlos abgründigen Fähigkeit des Menschen, seinen Mitmenschen immer neue, immer unvorstellbarere Grausamkeiten zuzufügen, zumindest eine ikonische Melodie ab. Starrs seelenvolle Kriegsklage ist dabei zweifellos eines der wenigen Protestlieder, die berechtigterweise auch heute noch von sich behaupten können, „funky“ zu sein.

Die Beschreibung „funky“ dürfte Matt McGinn in der Tat keinesfalls für sich verbuchen. Macht auch nichts, schließlich stammt der Mann nicht Motown-like aus Detroit, sondern aus dem nordirischen Hilltown. Dafür würde der Singer/Songwriter-Bart-Barde Edwin Starrs Kernaussage wohl ohne viel nachzudenken unterschreiben, schließlich kann auch er – leider und aus eigenem Erleben – das das ein oder andere Lied vom Krieg singen – und tut das nun auch…

Matt-McGinn-300x300Down ist eine der sechs historischen Grafschaften (Countys) Nordirlands – und blieb über Jahre hinweg – vom Ende der Sechziger bis tief in die Neunziger – wie große Teile des Landes nicht von den Unruhen des Nordirlandskonflikts verschont. Matt McGinn, der ebenda, in Hilltown, einem kleinen Dorf in den Mourne Mountains aufwuchs, erfuhr all die gewalttätigen, schlussendlich freilich sinnfreien Konflikte zwischen englisch- und schottischstämmigen, unionistischen Protestanten und überwiegend irisch-nationalistischen Katholiken somit aus erster Hand. Und macht nun das Beste aus den weniger schönen Seiten seiner Biografie: er vertont sie. Mehr sogar noch: „Lessons Of War„, sein neues, viertes Album, untersucht, wie Krieg nicht nur die Bewohner in seiner nordirischen Heimat, sondern auch die von Konflikten betroffenen Menschen auf der ganzen Welt verändert, beeinflusst hat. Die Idee zu etwas Größerem, Ausführlicherem begann mit dem fixen Gedanken, einen Song über die Sinnlosigkeit des Krieges aufzunehmen. Eines führte zum anderen, und über die Zeit der letzten drei Jahre führte ein Stück zu ebenjenem Album, gar einer Dokumentation und der Zusammenarbeit mit einer großen Zahl anderer Musiker.

Laut Matt McGinn „wollte ich kein Album mit Anti-Kriegs-Liedern schreiben, es ist einfach irgendwie passiert. Als ich zum ersten Mal das Bild des jungen Flüchtlings sah, der an die Küste gespült wurde, löste es etwas in mir aus. Ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen, und das Schreiben war alles, was ich tun konnte.“ (Wer allen Nachrichten aus dem Weg geht: McGinn meint die Geschichte über den syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi.)

artworks-000619360387-i7cywm-t500x500Große, gute Ideen? Natürlich. Doch nichts davon würde eine Rolle spielen, wenn die dazugehörige Musik nicht etwas wirklich Besonderes wäre. Bereits die erste, vordergründig wunderschön wie weiland Damien Rice und seine Muse Lisa Hannigan tönende Single „Bubblegum“ ist von den Unruhen Nordirlands inspiriert. Dabei tritt McGinn, der den Song gemeinsam mit dem befreundeten Singer/Songwriter-Kollegen Mick Flannery schrieb, zurück und erlaubt Ciara O’Neill, die stimmliche Hauptrolle in diesem Stück zu übernehmen, welches vom Tagebuch eines Teenager-Mädchens namens Bronagh McAtasney inspiriert ist, dessen Achtzigerjahre-Alltagsrealität sich eng mit den Schrecken des Krieges verknüpft. Balladesk gebettet in Gitarre und Klavier beschreibt O’Neill eine Welt, in der sie zum ersten Mal Kaugummi (also „Bubblegum“) probiert, während ihr Vater vor der Sperrstunde nach Hause kommt, und später singt: “Daddy pinned up Bobby Sands for me right next to my Madness poster / In our house in the middle of the street / They blew up another bar last night / Heard the soldiers searching / Johnny says they might call off school…” – Diese beiden gegensätzlichen Welten – das Kindlich-Heranwachsende, die sinnentleerten Konflikte der Erwachsenen – bildeten über Generationen hinweg eine nordirische Realität.

Doch anstatt den Kriegsgegner-Moralapostel zu geben, singt McGinn aus (s)einem Blickwinkel, den er so tatsächlich gesehen und gefühlt hat. Den mahnend-salzenen Zeigerfinger muss er im Grunde auch gar nicht in zwischenmenschliche Wunden drücken, schließlich sprechen die Textzeilen von so unverblümt vertonten Stücken wie „Writing On The Wall“ quasi eine klare Sprache. Der Vergleich verschiedener Zeitabschnitte macht deutlich, dass im Grunde, im Krieg niemand unschuldig ist – eine Welt voller Ungerechtigkeiten, überall, wohin man schaut. Wir alle schauen irgendwann, irgendwo weg, stumpfen ab. Wir alle haben Blut an unseren Händen.

Dabei hat die Musik selbst nichts Schwerfälliges an sich. Sie macht sich federleicht, wenn es denn sein soll, und lässt den liedermachenden Folk-Muskel spielen, wenn es nötig ist (jedoch ohne überheblich oder allzu plakativ zu wirken). Das titelgebende „Lessons Of War“ ist dabei vielleicht das beeindruckendste Stück des Albums, arbeitete Matt McGinn doch mit den Stimmen des Citizens of the World Choir, einem in London ansässigen Chor, der sich aus Flüchtlingen aus Kriegsgebieten zusammensetzt, sowie mit Anthony Seydu aus Sierra Leone (Gesang und den Perkussion) zusammen. An anderer Stelle trugen etwa der aus Derry stammende Musiker und „Children In Crossfire„-Gründer Richard Moore, der im Alter von elf Jahren durch eine Plastikgeschoss erblindete, der Belfaster Bandmanager und Ingenieur Mark Kelly, der im Alter von 18 Jahren bei einem Bombenangriff seine Beine verlor, oder der virtuose Flamenco-Gitarrist Yazan Ibrahim von den umkämpften Golan-Höhen ihren musikalischen Teil zum Ganzen bei. Sie alle mögen aus verschiedensten (kreativen) Ecken der Welt stammen, die Botschaft eint sie jedoch.

Ganz klar: Gleich, ob es sich nun um einen ganzen Chor oder nur um einen Mann und seine Gitarre handeln mag, die Leidenschaft, die Absicht von „Lessons Of War“ lässt sich nicht leugnen. Matt McGinns Song-Sammlung verdient es, immer wieder gehört zu werden, bis wir endlich die Lektion, unsere Lektion lernen und beginnen, neue, gewaltfreie Wege zur Lösung unserer Probleme zu finden, mit denen wir alle – wenn auch in recht unterschiedlichem Maße – konfrontiert sind. Bis sich Geschichte eben nicht (mehr) wiederholt. Denn schon Edwin Starr wusste: Krieg ist zu nichts nutze. Oder, wie McGinn zum Ende des Albums, in „When Will We Learn“, singt: „Every man has a choice if their fists or their voice will lead them on their way…“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Almost Famous“ – Nie von den weiblichen Beatles gehört?


the-liverbirds-cf1a5913-673f-4e95-971a-247438f4430-resize-750

Schwer zu sagen, was da genau vom wem in den frühen 1960er Jahren in Liverpool ins Trinkwasser gemischt wurde, das schließlich den Merseybeat-Sound und Hunderte von Gruppen mit schlussendlich recht unterschiedlichem Erfolg hervorbrachte. Die Beatles – klar. Biggest band in history. Doch etwas abseits von Lohn, Paul, George und Ringo überraschten vier Teenager die Szene und fanden, ebenso wie die allseits bekannten  Pilzköpfe, schnell auf Schritt und Tritt schreiende Fans vor. Sie hießen: Mary, Sylvia, Pam und Val.

Es war nicht nur ihr für die damalige Zeit recht typischer Beat-Sound, mit dem das Quartett mit Songs wie „Peanut Butter“ die Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie waren The Liverbirds, Großbritanniens erste rein weibliche Rock’n’Roll-Band. Wenn man heute den überlebenden Mitgliedern Mary McGlory und Sylvia Saunders gegenüber sitzt, würde man kaum vermuten, dass die beiden überaus charmanten Scouse (meint: sie kommen aus Liverpool) Matriarchen einst Bühnen mit den Rolling Stones rockten. Oder den Kinks ihre Instrumente liehen. Oder im damals sündig-verruchten Hamburg Joints für Jimi Hendrix rollten. Oder beinahe ebenso Big In Japan wie in Deutschland waren.

John Lennon höchstselbst sagte ihnen dereinst, dass Mädchen nicht Gitarre spielen. Nun, John, das taten sie aber – und wie! Man stelle sich das mal vor…

 

Die Mini-Doku-Reihe „Almost Famous“ der New York Times hat den „Other Fab Four“ einen durchaus interessanten, gut viertelstündigen Beitrag gewidmet:

(via YouTube schauen)

 

Im vergangenen Jahr wurde dem wegbereitenden All-Female-Rock’n’Roll-Quartett im heimatlichen Liverpool mit „Girls Don’t Play Guitar“ gar ein eigenes Musical gewidmet. Und auch ein Film über Pamela Birch, Valerie Gell (beide Gesang, Gitarre), Mary McGlory (Gesang, Bass) und Sylvia Saunders (Schlagzeug) soll in Planung sein. Tja, sieht ganz so aus, als hätte sich John Lennon mindestens einmal mächtig geirrt…

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Retro-Swag auf Anschlag – Die Arte-Doku „VHS – Eine Kassette revolutioniert die Welt“


069798-000-A_2903381

Arte dreht den Retro-Swag – freilich künstlerisch distinguiert – auf Anschlag und kramt aus einem verstaubten Karton auf dem Dachboden die guten alten VHS-Kassetten wieder hervor, um den schwarzen Plastikbildundtonträgern eine eigene Doku zu widmen.

Wie vermutlich so ziemlich jede(r) in meinem Alter habe auch ich einen nicht gerade unbeträchtlichen Teil meiner Kindheit und Jugend mit Videokassetten verbracht, die man sich in den heute auch langsam aber sicher ausgestorbenen Videotheken besorgt hat (oder eben Sendungen und Filme mal mehr, mal weniger mühsam auf Leer-Videokassetten aus dem Fernsehprogramm heraus mitgeschnitten hat) – das analoge Netflix von damals, wenn man so mag. Ein Ausflug mit nostalgischen Einblicken. Ein knapp einstündiger Film über eine Zeit, in der man YouTube-Videos noch auf MTV, Viva und – vor allem und *hach*! – Viva2 fand, und jedes verdammte Mal vor- und zurückspulen musste…

 

Eine ganze Generation, die mit Videokassetten groß geworden ist, schwelgt heute in VHS-Nostalgie. Doch nur wenigen ist bewusst, welche enormen gesellschaftlichen und politischen Folgen die Einführung dieser Technologie hatte. Von den 1970er bis zu den 1990er Jahren erzählt die Dokumentation die Geschichte des ersten wahrhaft demokratischen audiovisuellen Mediums.

 

 

giphy2

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Bad Reputation“ – Die Dokumentation über Punkrockerin Joan Jett


badreputation

Joan Jett? Fair enough, denn natürlich kommt sicherlich jeder und jedem zuerst ihr 1981er Nummer-eins-Hit „I Love Rock’n’Roll“ in den Sinn. Aber: Joan Jett ist so viel mehr als ebenjene Nummer, die derb-feministische Lederjacken-Attitüde mit beinahe zuckersüßem Bubblegum-Pop vereint (und später noch einmal von einer gewissen Britney Spears hervor gekramt wurde). Die heute 61-Jährige war in den wilden Siebzigern  erst federführende Gitarristin, dann Stimme und Rückgrat der All-Female-Hard-Rock-Band The Runaways (hier sei allen das sehenswerte 2010er Biopic „The Runaways“ empfohlen), nach deren Auflösung Anfang der Achtziger einflussreiche Solo-Heroin, die mit Songs und Gestus einen großen Anteil an einer ganzen Reihe von Musikstilen und Bewegungen von den „Riot Grrrls“ bis hin zum Grunge hat. Gemeinsam mit Partner und Produzent Kenny Laguna startete Jett einst ihr eigenes Label aus ihrem Kofferraum heraus, wurde von ganzen 23 Labels abgewiesen – und ging trotzdem unbeirrt ihren Weg getreu des Mottos „No bullshit, man!“. Heute gilt die engagierte und überzeugte Feministin, Menschen- und Tierrechtlerin und Punkrockerin by heart, die 2015 mit ihrer Begleitband The Blackhearts verdientermaßen in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurde, als Vorbild für ganze Generationen von Kollegen und Musiker und Musikerinnen!), von Kathleen Hanna (Bikini Kill, Le Tigre) über Laura Jane Grace (Against Me!) bis hin zu Iggy Pop, Debbie Harry (Blondie), Billie Joe Armstrong (Green Day), Pat Smear (Foo Fighters, Ex-Germs) oder Miley Cyrus. Unvergessen auch ihr Gastspiel als Kurt-Cobain-Ersatz bei „Smells Like Teen Spirit“ anlässlich Nirvanas Aufnahme in die „Rock and Roll Hall of Fame“ im Jahr 2014:

MV5BMjUwNTIzMDY5OF5BMl5BanBnXkFtZTgwMTMzMjg5NTM@._V1_SY1000_CR0,0,674,1000_AL_Die 2018 erschienene Musik-Dokumentation „Bad Reputation“ nimmt den interessierten Zuschauer mit auf einen wilden Ritt entlang des steinigen Weges, den Joan Marie „Jett“ Larkin zuerst mit den Runaways in den Siebzigern, in einem Los Angeles zwischen Disco und wilder, aufkeimender Punk-Szene, nehmen musste, dann mitten hinein in ihren Kampf um Akzeptanz und Relevanz in den Achtzigern und Neunzigern. Zusätzlich zu Interviews mit Wegbegleitern und prominenten Fans sammelte Regisseur Kevin Kerslake für die kurzweiligen 90 Minuten allerhand großartiges Archiv-Material aus Jetts Karriere zusammen. Der Tenor ist klar: Obwohl die (meist männlichen) Leute versuchten, Joan Jett nach ihrem Gusto zu formen und zu definieren, hat sie selbst kaum Kompromisse gemacht. Joan Jett ist Punkrock. Joan Jett ist das Role Model aller weiblichen Rockstars. Joan Jett ist eine der ganz Großen der Musikhistorie. Und nicht ohne Grund meint selbst Blondie-Grand-Dame Debbie Harry: „Rock n Roll Animal – I mean, if there’s ever anyone that fit that description, it’s Joan – through and through.“

 

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Girls to the front!“ – Die Dokumentation „The Punk Singer“ über „Riot Grrrl“-Sprachrohr Kathleen Hanna


e9d992a8851fa794f4400265c8d354bf5d4c462c

Sie gilt als „Rebel Girl“ und „Punk Feminist“. Als die Symbolfigur der Riot Grrrl-Bewegung Anfang der Neunzigerjahre und vereint feministische „Pro Choice!“-Revolution mit lautstarkem Punk Rock: Kathleen Hanna. Die 2013 erschienene Dokumentation „The Punk Singer“ zeichnet ein gleichsam persönliches wie einzigartiges Bild der Frontfrau von Bikini Kill, Le Tigre und The Julie Ruin.

 

„I’ve always thought that ‚punk‘ wasn’t really a genre. My band started in Olympia where K Records was and K Records put out music that didn’t sound super loud and aggressive. And yet they were punk because they were creating culture in their own community instead of taking their cue from MTV about what was real music and what was cool. It wasn’t about a certain fashion. It was about your ideology, it was about creating a community and doing it on your own and not having to rely on, kinda, ‚The Man‘ to brand you and say that you were okay.“

(Kathleen Hanna)

 

5558a8d3351bc

Zwanzig Jahre Filmmaterial visualisieren mit collagenhaften Rückblenden sowie zahlreichen Interviews und Konzertausschnitten den Kampf für Frauenrechte und weibliche Selbstbestimmung sowie gegen Gewalt, Sexismus und männlichen Machismus. Die via Kickerstarter finanzierte Dokumentation von Regisseurin Sini Anderson taucht noch einmal ein in den DIY-Zeitgeist der frühen Neunziger und in eine ebenso wilde wie kreative Keimzelle, welche während dieser Zeit im US-amerikanischen Nordwesten um Portland, Olympia und Seattle herum entstand, und aus der eben nicht nur Bands wie Pearl Jam, Soundgarden oder Nirvana hervorgingen, sondern eben auch Bikini Kill. (Übrigens: Der Legende nach hätte es Nirvanas Grunge-Evergreen „Smells Like Teen Spirit“ ohne Kathleen Hannas Zutun so nie gegeben, schließlich entstand der Songtitel, als Hanna, die damals gut mit Frontmann Kurt Cobain befreundet war, den Satz „Kurt Smells Like Teen Spirit“ – auf deutsch: „Kurt riecht nach Teen Spirit“ – an eine Wand in dessen Wohnung schrieb, da Cobain nach dem Deodorant namens „Teen Spirit“ roch, welches seine damalige Freundin Tobi Vail benutzte. Cobain gefiel die Implikation des Satzes, also verwendete er ihn schließlich als Songtitel. Der Rest? Ist allseits bekannte Musikgeschichte.) Und obwohl gerade Bikini Kill zwar einflussreich, bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1997 jedoch lediglich leidlich kommerziell erfolgreich waren, machte gerade ihr Wirken Bands wie Pussy Riot (gerade bei den radikalen russischen Aktivistinnen ist der Einfluss unverkennbar), Gossip, Petrol Girls, War On Women oder Screaming Females erst möglich, während auch bei mit Lust die Grenzen der Konventionen sprengenden Künstlerinnen wie Amanda Palmer, Kate Nash und Miley Cyrus Hanna’sche Einflüsse deutlich erkennbar sind…

MV5BMjEzNzQxNzUxNF5BMl5BanBnXkFtZTgwMDY5MTY1MDE@._V1_UY1200_CR90,0,630,1200_AL_.jpgNeben Hanna selbst lässt Regisseurin Sini Anderson in ihrer 80-minütigen Dokumentation auch Freunde und Wegbegleiter wie Kim Gordon (Sonic Youth), Joan Jett (The Runways, Joan Jett & the Blackhearts), Carrie Brownstein und Corin Tucker (Sleater-Kinney), Johanna Fateman (Le Tigre) oder Ehemann Adam Horovitz (Beastie Boys) zu Wort kommen. Kathleen Hanna selbst nutzte vor einigen Jahren den Film, um ihr langjähriges Schweigen zu beenden und den tatsächlichen Grund ihres Rückzugs aus dem Rampenlicht im Jahr 2005, als sich ihre neue Electropunk-Band Le Tigre anschickte, größere Erfolge zu feiern und als neues Sprachrohr der LGBTQ-Bewegung zu etablieren, zu erklären. Denn obwohl es um das einstige Gesicht der Riot Grrrls still geworden sein mag (ihr letztes kreatives Lebenszeichen war 2016 das The Julie Ruin-Album „Hit Reset„), macht „The Punk Singer“ eines deutlich: heute wie damals nimmt die mittlerweile 50-jährige Ex-Bikini Kill-Frontfrau (politisch) kein Blatt vor den Mund. All girls to the front!

(Übrigens: Für all diejenigen, denen der Name Kathleen Hanna bislang rein gar nichts sagte, haben die Kollegen des ByteFM Blog eine musikalische Übersicht von „Kathleen Hanna in fünf Songs“ zusammengestellt. Feine Sache, das. Allen anderen sei so oder so der Soundtrack zu „The Punk Singer“ empfohlen.)

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…und hier „The Punk Singer“ komplett im Stream:

 

 

3aea7e27-65df-4ed9-96c3-9302446aa747

Foto: Allison Michael Orenstein

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

„Tiny Changes“ – eine Dokumentation zum Frightened Rabbit-Tribute-Sampler


FrightenedRabbit-StJohnAtHackney-140416-LauraHarvey-16_768_513_80gaus-20

Recht oft war und en letzten Wochen von „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, dem feinen Tribute-Sampler zu Ehren des zehnten Geburtstages des zweiten Frightened Rabbit-Albums „The Midnight Organ Fight“ (welcher ja, genau genommen, allerdings bereits im April 2008 war), auf ANEWFRIEND die Schreibe.

Nun haben die verbliebenen Bandmitglieder der „Angsthasen“ (Frontmann Scott Hutchison verstarb im vergangenen Mai bekanntermaßen viel zu früh) eine 24-minütige Mini-Dokumentation zur Tribute-Compilation, auf der zahlreiche befreundete Künstler und Bands wie The Twilight Sad, Manchester Orchestra, Julien Baker, Biffy Clyro, Josh Ritter, Craig Finn (The Hold Steady), Benjamin Gibbard (Death Cab For Cutie), Aaron Dessner (The National), Daughter oder Wintersleep die Songs des Albums, mit welchem der schottischen Indierock-Band damals der Durchbruch hin zu einem größeren Publikum gelang, neu interpretieren, veröffentlicht. Diese zeichnet den Werdegang des Albums vom Konzept über die Songauswahl bis hin zu den Aufnahmen nach und lässt auch die teilnehmenden Künstler selbst zu Wort kommen.

Wer also weiter in die persönlichen wie kreativen Geschichten rund um „Tiny Changes: A Celebration of Frightened Rabbit’s ‚The Midnight Organ Fight‘“, deren Einnahmen an die von Scott Hutchisons Familie ins Leben gerufenen Organisation „Tiny Changes“ gehen, hinein horchen mag, der nehme sich das knappe halbe Stündchen Zeit…

 

 

66649083_10157487770667082_4350695170975465472_n.jpg

 

Rock and Roll.

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: