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Monday Listen: River Giant – „River Giant“


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Es passiert ja oft genug, dass Künstlern oder Bands mit allerlei Vorschusslorbeeren bepackt der baldige große Durchbruch vorhergesagt wird. River Giant etwa. Über ebenjenes Dreiergespann aus dem US-amerikanischen Seattle schrieb etwa das Label Indigo vor einiger Zeit:

„Die Eckdaten lassen Großes vermuten: Indie-Rock, Folk, Americana, 70er-Jahre-Soul und Seattle. Letzteres nicht nur als Herkunft, sondern schon als musikalisches Selbstverständnis eines Trios, das mit ‚River Giant‘ sein Debüt vorlegt. Die drei Musiker – Sänger und Gitarrist Kyle Jacobson, Schlagzeuger Liam O’Connor sowie Bassist Trent Schriener – fanden sich Ende 2009 zusammen. Nach einer selbst produzierten EP im Frühjahr 2011 wurde Chris Early (Gold Leaves, Grand Hallway, Band Of Horses) auf sie aufmerksam und wollte unbedingt ihr Debütalbum produzieren, welches sehr viel reifer und ausgewogener daherkommt als die damalige EP. Schon der Opener ‚Out Here, Outside‘ zeigt ihre großartigen Harmoniegesänge, ‚Pink Flamingos‘ kommt mit Soul-Anleihen, das stark groovende ‚I Permute This Marriage‘ und das treibende ‚Taylor Mountain‘ geben neben all den harmonischen Gesängen die eigentliche Stoßrichtung vor. Ein tolles Debüt einer Band, von der noch viel zu hören sein wird.“

river-giant-142306Allein die Tatsache, dass diese lobenden Zeilen bereits gut sechs Jahre alt sind, zeigt, dass River Giants 2012 erschienenes selbstbetiteltes Debütwerk (welches knapp ein Jahr später in Deutschland nachgereicht wurde) zwar auch hierzulande die ein oder andere recht positive Review einheimsen konnte (etwa bei plattentests.de oder bei laut.de), der Band aus dem Nordwesten der US of A – aller tönenden Qualitäten zum Trotz – die breitere Aufmerksamkeit versagt blieb. Auch ich selbst bin erst vor ein paar Tagen aufgrund einer Erwähnung von River Giant durch Jörg Tresp, den Chef des deutschen Indie-Labels DevilDuck Records, der das Trio andernorts als „Fleet Foxes auf Grunge“ beschrieb (während sein Label anno 2013 ebenfalls kaum an warmen Lobesworten sparte), recht zufällig auf das zehn Songs starke Debütalbum gestoßen…

Und ein wenig schade ist es schon, dass Kyle Jacobson (Gesang, Gitarre), Trent Schriener (Bass) und Liam O’Connor (Schlagzeug) nach dem starken Erstling, der mit seinen Songs die „Flanellhemd-Fraktionen“ des Grunge mit ebenjenen des Indie-Rocks, Alt. Country oder Americana zusammenbrachte, nichts nachfolgen ließen. Sechs Jahre nach Erscheinen von Stücken wie „I Premute This Marriage“ oder „Pink Flamingos“ lassen sich über das Seattle-Trio – mal abgesehen von einer empfehlenswerten Live Session für den Radiosender KEXP (findet ihr weiter unten) – kaum noch digitale Fußspuren nachverfolgen – nicht einmal einen Facebook-Auftritt besitzt die Band (mehr). Nichtsdestotrotz sei allen, die schon immer stilistische Schnittmengen zwischen Nirvana, Pearl Jam, The Black Crowes, Band Of Horses oder Neil Young ausmachen konnten, das leider etwas unter dem Radar gelaufene, mit allerhand Herzblut zwischen den Karohemd-Stilen rockende Album definitiv empfohlen…

 

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Dorit Jakobs – „Erwarte nicht zu viel“


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„Ihr wart nie wirklich glücklich / Und ich traf nie wen, der es ist / Die Welt ist nicht richtig offen / Die Türen erstmal verschlossen / Die meisten Menschen sind nicht freundlich und nicht klug / Warum habt ihr mir nicht gleich gesagt / Warum habt ihr mir nicht gleich gesagt / Erwarte nicht zu viel“

Wer Zeilen wie diese vom Stapel lässt, dem wird schonmal gern gepflegter Lebenspessimismus unterstellt. Allerdings greift das vor allem bei „Erwarte nicht zu viel“, einem der ersten akustischen Lebenszeichen von Dorit Jakobs im weltweiten Netz, viel zu kurz. Dorit who? Nun, obwohl die gebürtig aus Bremerhaven stammende Anfangsdreißigerin in Vorprogrammsplätzen von Künstlern wie Kristofer Åström, Bernd Begemann, Maike Rosa Vogel, Patrick Richardt oder – jüngst – Kettcar-Fronter Marcus Wiebusch bereits das ein oder andere Hörerherz erobern konnte und dann und wann auch mal allein kleinere Hamburger Bühnen bespielt, dürfte ihr Name selbst im deutschsprachigen *hust* „Liedermacherkosmos“ bislang bei den Wenigsten ein Glöckchen zum Klingen bringen. Gut, dass sich ihr Label DevilDuck Records da schonmal in einer knappen Einordnung versucht: „Ihre Heldinnen waren die großen Frauen der 90er und 80er (Morissette, Vega, DiFranco), den Kick, auf Deutsch zu singen bekam sie von so verschiedenen Künstlern wie Wir sind Helden, Kettcar, Bernd Begemann, Die Höchste Eisenbahn.“ Denn in der Tat klingt Jakobs wie eine junge, weniger aufgedrehte Version von Helden-Frontfrau Judith Holofernes, hat ebenso deren Melodiegespür auf dem Kasten wie das persönlich-mildweise Sendungsbewusstsein der Hamburger Jungs von Kettcar. Und wenn Dorit Jakobs am Ende Zeilen wie „Was würd‘ ich heute anders machen / Hätte ich ein Kind / Wie ich es war / Wie ich es bin? / Ich würd‘ ihm sagen: / ‚Da gibt es so viel Reichtum / Da gibt es soviel Freude / Und etwas davon ist ganz bestimmt für dich / Doch um Himmelswillen, erwarte nicht zu viel'“ nachschiebt, verleiht sie „Erwarte nicht zu viel“ eine rationale Milde, die Song und Hörer – aller Fluffigkeit zum Trotz (Popaffinität war ja noch nie wirklich schädlich) – mit einem geerdeten Grundgefühl zurücklässt…

 

(EDITH: Das im April 2018 veröffentlichte Musikvideo habe ich nachträglich hinzugefügt…)

 

Wer übrigens mehr über Dorit Jakobs erfahren möchte, findet in dieser Künstlervorstellung auf pop-polit.com vom vergangenen Jahr einiges an Infos…

 

Rock and Roll.

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