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Song des Tages: Hooligans Gegen Satzbau – „Keine Angst“


Die Hooligans gegen Satzbau (#HoGeSatzbau) sind eigentlich als Netz-Aktivist(innen) bekannt, die sich seit einigen Jahren in den sozialen Medien gegen rechte und andere (Cov)Idioten einsetzen – man denke etwa an ihren humorig-augenzwinkernden Brief an Reichsschwurbler Attila Hit… ähm Hildmann. Jetzt macht die Anti-Nazi-Satire-Bande, deren oberstes Motto seit eh und je „Stets politisch, nie parteiisch.“ ist, auch Musik – und bekommt dabei nicht von ungefähr eine ganze Menge prominente Unterstützung.

Der vordergründige Zweck wird schnell klar: Anlässlich eines vollkommen irren Jahres 2020, das so ziemlich jede(n) von uns bereits in irgendeiner Weise bis an den Rand der Verzweiflung und Angst gebracht haben dürfte, möchten die „Hools“ den Menschen wieder etwas Mut zusprechen. Und haben sich dazu einiges an bemerkenswerter Unterstützung an Bord geholt.

In dem von Olli Bockmist (Band ohne Anspruch) produzierten „Power-Pop-Rock-Song“ der „Hools“ geben sich so einige aus Deutschrock- und Deutschpunk-Gefilden bekannte Künstler die musikalische Klinke in die Hand. Mit dabei sind: Jan Plewka (Selig), Vito C. (J.B.O.), Tiger Lilly Marleen (Bonsai Kitten), Max Buskohl, Band ohne Anspruch, Julia Gámez Martín (Suchtpotenzial), Eugen Balanskat (Die Skeptiker), Kai Lüftner, Bluthund, Banda Internationale und die älteste Newcomerband Deutschlands – Elfmorgen.

Zusätzlichen Support erhält der stilistisch recht breit aufgestellte Gute-Laune-Mutmache-Vierminüter im dazugehörigem Musikvideo unter anderem durch über 120 Fans der „Hools“: Farin Urlaub und Bela B. von Die Ärzte (Aus Berlin! Auuuus Berlin!), Klaas Heufer-Umlauf, Ole Plogstedt, Radikale Töchter, Uli Sailor (Tusq, Terrorgruppe), Stephan Anpalagan, Tom Laschyk (Volksverpetzer), Giulia Silberberger (Goldener Aluhut), Ali Can, u.v.a. 

„Wir freuen uns wahnsinnig darüber, dass wir so viele tolle Leute, prominent oder unbekannt, für unsere Idee begeistern konnten, die uns dabei helfen, zu kaschieren, dass wir selbst gar nicht singen können“, feixen sich die „Hools“ ins Fäustchen. Am Ende – und da ist’s plötzlich recht egal, ob einem das entstandene Stück wirklich zu 100 Prozent zusagt – geht es nämlich um eine wirklich gute Sache: Der komplette Gewinn des Songs kommt „EXIT-Deutschland„, einem Aussteigerprogramm für Neonazis, zugute.

Veröffentlicht wurde das Stück über das Label Bockmist Räcordz und ist auf allen gängigen Musikportalen sowie exklusiv über die HoGeSatzbau (www.hogesatzbau.de/keineangst) und den Labelshop zu beziehen.

Rock and Roll.

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Song des Tages: Pascow – „Wunderkind“


Foto: Promo / Andreas Langfeld

Schon seit dem zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt wissen wir, dass Jade wie folgt umschrieben wird: „Jade ist Schönheit im Stein mit fünf Tugenden: Ihr warmer Glanz steht für Menschlichkeit, ihre makellose Reinheit für sittliche Lauterkeit, ihr angenehmer Klang für Weisheit, ihre Härte für Gerechtigkeit und ihre Beständigkeit für Ausdauer und Tapferkeit.“

Neunzehn Jahrhunderte später wissen wir aber:  „Jade“ steht auch für das 2019 erschienene sechste Album von Pascow. Und wir sollten festhalten, dass sich über die Jahrhunderte recht wenig verändert hat – obwohl manch eine(r) mit der „sittlichen Lauterkeit“ noch immer so seine (oder ihre) Probleme haben dürfte… Natürlich lässt, großzügig ausgelegt, der Text aus dem großartigen „Schmutzigrot„, einen tatsächlich Pop-infizierten Beziehungssong,  genügend Raum für Interpretationen: „Gut war der Wind, wir haben‘s einfach nicht geschafft“ – ein bisschen mehr Fantasie, bitteschön! Attribute wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit oder Weisheit finden sich neben Gesellschafts- und Kapitalismuskritik gleich mehrfach in den Songs des bereits seit 1998 bestehenden Punkrock-Viergespanns aus dem beschaulichen rheinland-pfälzischen Gimbweiler wieder. „Kriegerin“, „Track der Toten“ oder auch „Heute Jäger, morgen Taucher“ kommen satte fünf Jahre nach dem vielerorts gefeierten Album-Achtungserfolg „Diene der Party“ mit gewohnt-rotziger Wucht rüber, lassen keinerlei Lethargie zu, schlagen vielmehr eine derbe Schneise direkt ins Hörerhirn. Aber wer die Vorgänger kennt, der durfte von Alex, Swen, Flo und Ollo, die – in bester Ramones-Manier – natürlich alle den Nachnamen „Pascow“ tragen, auch kaum etwas anderes erwarten. Eher ungewöhnlich dagegen für Pascow: das Einbeziehen persönlicher Inhalte. Die Liebeserklärung „Marie“ etwa birgt die Gefahr, dass du nachts, wenn du Schlaf suchst, im Stillen von einer anderen Frau summst als von der, die da gerade neben dir liegt. So selbstzerstörerisch wie die depressive Geige zu Beginn, die Grenzen des Punkrocks großzügig gedehnt bis hin zu Ska mit russisch anmutendem Folk.

Und dann kommt kurz vor Schluss noch eine formvollendete Überraschung. Als alter Hippie weiß man freilich, dass diese Generation der Jade eine gewisse Magie zugeschrieben hat. Und jene „Magie“ findet sich in dem ungewöhnlichen, jedoch gänsehautwundervollen „anderen“ Song „Wunderkind“ wieder, schließlich wagen sich hier vier Punks an eine persönliche Piano-meets-einsame-E-Gitarre-Ballade (die wiederum kaum zu verkennende Ähnlichkeit zu Bushs “Glycerine” aufweist). Leise, mit Bedacht, greifen die stillen Töne dieser Außenseiter-Hymne ohne Umschweife nach deiner Seele. Und du? Du weißt eigentlich nicht, warum. Verdammt! Dunkle Edelsteinmagie, anyone?

Unterm Strich ist das zusammen mit Ex-Blackmail-Gitarrist Kurt Ebelhäuser produzierte „Jade“ die wohl bislang interessanteste Produktion von Pascow, die allen, die im Plattenregal zwischen Kapellen wie Frau Potz und Muff Potter noch ein wenig Platz frei haben, bestens munden dürfte. Eine gelungene Punkrock-Einheit und doch voller Abwechslung – sowohl im Songwriting, als auch in der Textgestaltung, werden hier doch kleine Geschichten erzählt, von einer Punk-Jugend, von Liebe und dem Ausbrechen aus der piefigen Kleinstadt-Idylle.

„Wunderkind“ war im vergangenen Jahr – zwischen „Silberblick & Scherenhände“ und dem Titelstück – die zweite Singleauskopplung aus „Jade“. Einerseits mutig, andererseits jedoch irgendwie auch konsequent, dass eine Punkrock-Band ausgerechnet eine gefühlige Stinkfinger-Ballade als eines der Aushängeschilder ihres Albums wählt…

„Du hast Wunden und Narben
Durchs Leben getragen
Wie die meisten auch
Nur schlechter versteckt

Echte Wunden heilt die Zeit nicht
Und meistens fragt die Welt nicht
Was du schaffst
Und was nicht

Konntest nie sein, wie alle sind
Selbst wenn du es wolltest
Zehntausend Mal
Zehntausend Mal

Echte Wunden heilt die Zeit nicht
Und meistens weißt du selbst nicht
Was du schaffst und was nicht
Was du schaffst und was nicht

Weil du weißt
Dass du alleine stirbst
Wie es all die Deinen tun
Sacred Wunderkind
Das raucht und hurt und trinkt

Weil du weißt
Dass du alleine stirbst
Wie all die andern auch
Und die Spinner sind nicht besser
Nur weil einer mehr sie braucht

Wurdest geboren als Geist
Und solltest so leben
Doch wer nichts hat
Dem kann man auch nichts nehmen

Und die Deppen auf der Straße
Die sich nie nach dir umdrehen
Die kennen nicht dein Strahlen
Und werden‘s niemals, niemals sehen

Was sie in hundert Liedern singen
Dieses Leben kennst du nicht
Doch niemand wird je glücklicher
Als du‘s gerade bist

Weil du weißt
Dass du alleine stirbst
Wie es all die Deinen tun
Sacred Wunderkind
Das raucht und hurt und trinkt

Weil du weißt
Dass du alleine stirbst
Wie all die andern auch
Und die Spinner sind nicht besser
Weil du sie jetzt nicht mehr brauchst

Rock and Roll.

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Song des Tages: Celina Bostic – „Nie wieder leise“


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Foto: Matt Frik / Promo

„Ich schau‘ in den Spiegel und will jemand anderes sein“ – so beginnt der neue Song von Celina Bostic. Es geht um den Kampf des Aufwachsens in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Und um das Hadern mit dem eigenen Spiegelbild. Die Zeilen ihres Songs sind ehrlich, sie sind verletzlich, sie sind stark. Aber der Song ist auch ungewöhnlich ernst für die sonst eher heitere Berliner Pop-Singer/Songwriterin.

Celinas Karriere begann als festes Bandmitglied vom Farin Urlaub Racing Team und als Backgroundsängerin von Max Herre, Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer. Als Solokünstlerin wurde sie bekannt mit der eher humorvollen Single „Papa“ (vom 2014 erschienenen Debütalbum „Zu Fuss„). Doch seitdem hat sich vieles verändert…

celina-bostic_nie-wieder-leise_cover_final_credit_janvonholleben_jenbender-992x992Der eigentliche Wendepunkt kam mit der Geburt ihrer beiden Kinder. Celina Bostic, die als Tochter einer deutschen Mutter und eines afro-amerikanischen Vaters in Berlin-Charlottenburg aufwuchs und eigenen Angaben zufolge schon früh lernte, „Menschen immer freundlich und lächelnd zu begegnen, um nicht als ‚schlechter Ausländer‘ zu gelten“, wollte nicht die Künstlerin und Mutter sein, die alles Unangenehme weg lächelt. Die 40-jährige Musikerin wollte auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen und sie in ihren Songs verarbeiten. „Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, wenn die Leute nach meinen Konzerten irgendwie so glücklich waren, dass ich gar keine Lust mehr hatte, sie mit so einem guten Gefühl zu entlassen“, sagt Celina. Also entschloss sie sich, laut zu sein.

Das Ergebnis ist die Single „Nie wieder leise“, eine empowernde Hymne für Schwarze Menschen im Konkreten und People of Color im Allgemeinen. Aber auch ein Plädoyer für Zusammenhalt: „Mein Fokus war fast mein ganzes Leben lang die weiße Mehrheitsgesellschaft. Ich habe mich beim Schreiben der Songs für mein neues Album ganz bewusst dafür entschieden, sie für marginalisierte Menschen zu schreiben“, so Celina.

In ihrer Single singt sie sehr persönlich: „Ich bin doch so klein, warum fall‘ ich trotzdem auf? Ich fühle mich so, so unwohl in meiner Haut.“ Sie beschreibt ihre Entwicklung vom verunsicherten Mädchen zur selbstsicheren Frau, die sich nicht mehr „auf die Zunge beißt“ während ihr eigentlich „nach Schreien ist“.

Im Musikvideo zur Single lässt Celina Bostic prominente Gesichter ihre Hymne mitsingen: Samy Deluxe, Teddy Teclebrhan, Tyron Ricketts, Aminata Touré, Annabelle Mandeng, Tupoka Ogette, Alice Hasters, Aminata Belli, Tarik Tesfu oder Thelma Buabeng sind dabei. In einem Statement zum Video der Single meint Antirassismus- und Diversity- Trainerin Tupoka Ogette: „Schwarzsein ist nicht eine Stimme, sondern ganz, ganz viele verschiedene Stimmen, intersektional – und all diese Stimmen sollten gehört werden.“ ✊

 

 

Rock and Roll.

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Song des Tages: Sperling – „Baumhaus“


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Na da horcht mal, was die Vögel da bei Sonnenschein und Spätsommerhitze von den Dächern krakeelen…

Ein Wortspiel sollte bei einem Bandnamen wie Sperling doch drin sein, oder?

sperling-baumhaus_s KopieAber nun mal Krümel bei die Piepmätze, denn das Newcomer-Fünfergespann aus Mannheim und Koblenz sollten sich alle jene ganz oben zu ihren künftigen Playlists hinzufügen, die bislang vergeblich nach einer musikalischen Schnittmenge aus Fjørt, Casper, Heisskalt, The Hirsch Effekt oder Fabian Römer gesucht haben. In der Tat könnten Sperling tatsächlich genau die musikalische Mitte zwischen Indie-Emo-Rapper Casper und den Aachener Post-Hardcore-Erneuerern Fjørt darstellen, die unlängst etwa 8kids mit ihrem zweiten, im vergangenen Jahr erschienenen Album „Blüten“ gesucht haben, in Gänze – großartige Ausnahmen wie den Song „Dein Zuhause“ mal außen vor – jedoch nie so richtig überzeugend verpacken konnten.

Dass die neuste Single „Baumhaus“ die Schnittpunkte beider Sounds so verdammt gut und spannend einfangen kann, liegt einerseits an der progressiv drückendem, aber dennoch jederzeit sphärischen instrumentalen Melange aus Post Hardcore-Instrumentarien (GitarreSchlagzeugBass – im Zweifel alle Regler auf der Elf!) sowie einem prominent tönenden Cello, vor allem jedoch an der organischen Leichtigkeit, mit der sich rau schmetternde Raps und schweifende Gitarren-Orgien hier mal umtänzeln, mal beinahe duellieren. Noch dazu liefert die Band nachdenkliche, nicht selten gesellschaftskritische Texte (man höre etwa „Lass sie in dem Glauben“ – von der 2015 veröffentlichten Debüt-Single „Pssst“ – oder „Über Regen“ von der zwei Jahre darauf erschienenen „Stille Post EP„), die manchmal beißen, jedoch nie über den Emo-Pegel hinaus jammern.

„Baumhaus“, bei dem sich Beray Habip für die massive Produktion, Alex Kloos für den Mix und Simon von der Gathen für das dazugehörige Musikvideo verantwortlich zeichneten, ist seinerseits der erste tönenden Vorbote aus Sperlings kommendem Debüt-Langspieler „Zweifel“, welcher im kommenden Jahr bei Uncle M erscheinen soll…

 

 

Rock and Roll.

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Zitat des Tages


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(gefunden bei Facebook)

 

(Christian Johann Heinrich Heine, 1797-1856, einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts)

 

Rock and Roll.

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Ein verbrieftes Hörspiel: „Die drei Hakenzeichen – Der verrückte Koch“


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Foto: DPA

Einfach nur großartig, dieser recht offene, jedoch stets humorige Brief an den Hirse-Hitler, den Rohkost-Rommel, den Gemüse-Goebbels, den Hafer-Heydrich, den Brokkoli-Bormann, den Spargel-Speer, den Reiskanzler, den Avocadolf, die SSiggurke… Den so ernst man doch die Bedrohung durch Wirrköpfe wie ebenjenen Vegan-Hetzer, aber auch durch Soulpop-Schwurmelbirne Naidoo oder meinetwegen auch Ken Jebsen (der schon vor seiner zweifelhaften Aufklärer-Karriere vor allem einen eindeutigen Ruf als glatt gegelter Radio-Unsympath inne hatte) nehmen sollte, so sehr sollte man ihnen jedoch nicht mit dem Hass, den sie alle schüren wollen, begegnen, sondern: mit einem herzhaften, allen Irrsinn übertönenden Lachen. Und dann? Weiterlaufen, nicht zuhören. Denn, liebe Kinder, die Trolle sterben erst, wenn keiner sie mehr füttert.

Deshalb und dennoch: Chapeau, verehrte Hogesatzbau… Nichts, aber auch nichts als Liebe für diese gut 13 Minuten!

— Hier als Text zum (Mit)Lesen —

Lieber Attila Klaus Peter Hildmann,

an dieser Stelle möchten wir einmal nicht auf das eingehen, was du so tagtäglich von dir gibst. Wir möchten nicht über deine „politischen“ Ansichten, deine wirren Thesen und Behauptungen sprechen. Es ist uns sogar an dieser Stelle egal, ob du damit Straftatbestände erfüllst, denn darum kümmert sich ohnehin nun die Staatsanwaltschaft.

Eigentlich ist es keine einzige deiner Äußerungen wert, sich inhaltlich mit ihr auseinanderzusetzen. Wohl aber lassen sich daraus Schlüsse ziehen, und um die soll es uns nun gehen. Also mach dir ’nen Daisho auf, du solltest nach Produzenten- und Händlerboykott ja gerade genug davon haben, kuschel dich an Akira, das einzige Lebewesen, was dir noch ehrlich, treu und liebevoll zur Seite steht, und lies.

Du bist ein kleiner, unbedeutender Wicht, und das weißt du auch. Tief in dir drin, spät Abends, wenn du nach einem langen Tag im Bett liegst und deinen Matcha-Pinsel streichelst, wissen wir, nagt es an dir. Es bohrt sich in dein (Rest-)Hirn wie eine Zecke (oh, wie passend), und dort saugt es sich fest: Das Gefühl, dass du ein Niemand sein könntest.

Ein Versager auf ganzer Linie, der droht in der Bedeutungsloskeit zu verschwinden, und dort noch den Rest seines einst mühsam erarbeiteten Seins zu verlieren. Ein Sein, das du bereits jetzt zum Großteil selbst zerstört hast und das dir unwiederbringlich abhandengekommen ist. Und während dir diese Zecke namens Angst im Nacken sitzt und sich die Selbstzweifel immer weiter ausbreiten, arbeitest du umso eifriger daran, dieses bedeutungslose Nichts aufzuhalten.

Jede deiner Veröffentlichungen schreit es förmlich heraus. „Seht her, ich bin Attila Hildmann! Seht alle her, los seht doch her! Wie könnt ihr es wagen, nicht herzusehen?!?“ Und du wirst lauter und lauter und unkontrollierter, Tag für Tag. Nicht, weil du besonders Wichtiges, Richtiges oder Interessantes zu sagen hättest (kurzer Einschub: Der ganze Unsinn, den du verbreitest, wurde ja nicht nur ein Mal faktisch und argumentativ widerlegt), sondern weil du dir beinahe in die fluffige Army- oder Jogginghose pinkelst, aus Angst, morgen nicht mehr beachtet zu werden.

Und darum kramst du alles Erdenkliche raus, womit du meinst, irgendwen beeindrucken zu können. Solche Typen nannte man früher in der Schule „Angeber“. Sie waren nie wirklich beliebt und es wurde sich höchstens an sie rangewanzt, weil man sie wunderbar ausnutzen und verarschen konnte. Wir würden dich zwar nie ausnutzen, aber verarschen war ja auch schon drin, ne? Das ist nicht wirklich nett – war es damals schon in der Schule nicht – aber irgendwie hat sich das mit Angebern eben so eingebürgert im Laufe der Evolution. Und das „Witzigste“ daran ist, dass fast alle diese Angeber der Geschichte irgendwann ganz und gar nichts mehr hatten, womit sie noch angeben konnten, und auch niemand mehr da war, der ehrlich an ihrer Seite stand.

All das „Schaut mich an, wie geil ich bin!“, „Bewundert, was ich alles habe!“, „Ich bin der geilste Ficker von allen!“ ist doch am Ende nichts wert, wenn man Abends allein in der traurigen, einsamen und stillen Wohnung (oder im Haus) sitzt und maximal zusehen kann, wie sich Akira selber im Schritt leckt, dass man neidisch werden könnte, auf diese göttliche Begabung. Siehst du, selbst dein Hund kann mehr für sein eigenes Wohlbefinden tun, ohne dabei den großen Zampano zu spielen, als du es je können wirst. (Kann er denn auch den Hitlergruß?)

Und dann kann man fast seine Uhr danach stellen, wann du wieder anfängst, deine unterdrückten Fantasien rauszulassen. Während die Zecke in deinem Nacken fleißig weiter an deinem Selbstbewusstsein saugt, musst du, getrieben vom Nicht-Wahrhaben-Wollen, der Welt versuchen, das Gegenteil zu beweisen. Dann postest du Bilder (angeblich) aktueller Bettgeschichten, Fotos aus vergangenen Fotoshootings deiner damals schon sexistischen Produktvermarktung und präsentierst deiner „Fan“-Gemeinde, wie geil doch alle deine „Bitches“ auf dich sind. Dann fällt dein Blick wieder auf Akira und dir kommen fast die Tränen, weil sie dich trotz deines aufgeblasenen Schein-Egos liebt, obwohl dir klar ist, dass du das in deinen eigenen Augen gar nicht wert bist.

Und da ist die Zecke wieder, und sie saugt und saugt und saugt.

Mmhhh… Saugen. „Habe ich da eben gerade an Schwänze gedacht? Nein! Das darf nicht sein! Ich… ich… ich bin doch keine Schwuchtel!“ Also schnell noch irgendetwas so dermaßen übertrieben Heterosexuelles und nach Möglichkeit Trans- oder Schwulenfeindliches veröffentlichen, dass niemand auf diese absurde Idee kommen könnte. Eier, Schwänze, irgendwas in den Arsch schieben. Deine Fantasie scheint da wirklich sehr rege zu funktionieren. Das verurteilen wir in keiner Weise (!) – aber dein Umgang damit ist wirklich erschreckend. Versuchst du doch offensichtlich irgendetwas zu kompensieren, was so tief und fest in dir verwurzelt ist, dass es dir sehr weh tun muss. Deine Versuche, deinen inneren Krieg gegen die Bedeutungslosigkeit, die Angst und Liebesentzug zu gewinnen, führst du dann mit den schmutzigsten Mitteln. Frauenverachtend und reduzierend, menschenfeindlich, vulgär und… niveaulos.

Und wieder ein Punkt, der so gar nicht zum Bild des großen, mächtigen, über allen Dingen stehenden Attila Hildmann passt, wie du es dir selbst ununterbrochen vorlügst. Wir bedauern dich wirklich sehr, denn es ist eine schier unfassbare Anstrengung, gegen sich selbst zu kämpfen und so einen Schein aufrecht zu erhalten.

Dabei hältst du doch andauernd Scheine in die Kamera. Ob es die letzten Scheine sind, die dir nach all den weggebrochenen Verträgen geblieben sind, interessiert uns nicht (höchstens das Finanzamt), aber auch hier musst du wieder mit aller Macht das Bild des Big Players zeichnen. Ein so unglaublich lächerliches und armseliges Bild, dass es uns schier das Herz zerreißt. Wie du deine Scheine zählst und deine Produkte in den Himmel lobst, alles eine einzige traurige Vorstellung im Theater des Attila Hildmann, für die sich niemand wirklich interessiert, weil sie eintönig und traurig ist.

Die einzigen Menschen, die sich noch wirklich für dich „interessieren“, sind die, die dir dein letztes Geld und deinen einstigen Fame abgreifen wollen. Seien es die „Bitches“, die „Bullterrier“ oder irgendwelche politischen Versager aus den Reihen der AfD, die meinen, über dich noch etwas Reichweite erhaschen zu können. Niemand sonst, wirklich niemand, gibt sonst einen feuchten Kehricht auf dich und deine möchtegern staatstragende Meinung.

Der Angeber ist einfach allen zu peinlich geworden. Selbst den Hardcore-Nazis bist du nicht arisch genug und ziehst dir ihren Hass auf dich (da würden dir dann im Zweifelsfall auch Leute helfen, wenn es da mal Ärger gibt), weil du Blödsinn mit Fantasieflaggen verbreitest und dich für das Zentrum dieses Landes hältst. Im Grunde machst du dich immer mehr zum Narren, doch es wird auch dir irgendwann das Licht aufgehen, dass es hier keine Narrenfreiheit gibt. Wenigstens nicht eine solche, die deine öffentlich aufgeführte Tragödie in Gänze abdeckt.

Zum Beispiel dann, wenn deine hasserfüllten, beleidigenden und aufheizenden Worte andere dazu bemächtigen, schlimme Dinge zu tun. Dann ist das Saubermann-Image doppelt im Eimer und du trägst nicht nur Selbstzweifel, sondern auch eine untilgbare Schuld auf deinen Schultern.
Spätestens dann wird die Zecke in deinem Nacken dir den letzten Funken Selbstwertgefühl ausgesaugt haben und du wirst zusammenbrechen. Zusammenbrechen, genau wie dein Selbstbild.

Wir wünschen dir, genau wie niemand anderem auf dieser Welt, etwas wirklich Schlechtes. Ok, ein Ordungsgong (manchmal helfen Schellen) hat noch niemandem, der es sich so hat erarbeitet, wirklich geschadet – aber muss es soweit wirklich kommen? Muss wirklich noch Schlimmeres passieren, bis du „aufwachst“?

Attila, such dir Hilfe! Das meinen wir ehrlich und ernst. Die Welt (und unseretwegen auch Deutschland, wenn es dir wichtig ist) werden dir vergeben und dich mit offenen Armen empfangen, denn jeder Mensch macht Fehler. Jeder Mensch muss sich selbst finden. Jeder Mensch verdient es, eine faire zweite… dritte… vierte Chance zu bekommen. Auch du! Lass dir dabei helfen, lass dich beraten oder einweisen – das ist alles keine Schande!

Eine Schande ist es, was du aktuell abziehst, und wir rufen all den Medien zu:

Hört auf, Attila und seine Äußerungen zu überhöhen! Hört auf, seinen Scheinriesen noch größer zu machen! Hört auf, dieses kaputte und tieftraurige Ego zu befeuern, indem ihr ihm Macht zusprecht, die er nicht hat! Fangt an, kritisch zu sein, seine Egomanie und seine Armseligkeit in die Headlines zu setzen! Liefert ihm die „Argumente“, von denen er vorheuchelt, dass wir sie nicht hätten! Liebe investigativen Journalist:innen, steigt ins Thema ein und forscht nach: WAS genau sagt die Polizei, WIEWEIT gehen bisher die Ermittlungen, WIE sieht es mit seinen geschäftlichen Partner:innen aus, wie hoch waren seine Einnahmen, was sagen die Bilanzen? Schreibt über das Häufchen Elend und gebt euren Überschriften diese Namen.

Denn im Grunde ist er noch nicht mal eine arme Wurst, selbst zu der reicht es bei ihm nicht, sondern nur ein armseliger Tofu-Wurstersatz…

Alles Gute und gute Besserung wünschen dir deine

Die drei Hakenzeichen von #HoGeSatzbau

 

Rock and Roll.

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