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Song des Tages: Norah Jones – „Black Hole Sun“


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Eine Woche nach Chris Cornells Tod trat Norah Jones im Fox Theatre in Detroit und damit genau an jenem Ort auf, an dem Cornell mit Soundgarden am 17. Mai, wenige Stunden vor seinem Tod, sein letztes Konzert spielte. Zu dessen Ehren coverte die vielseitige Soul-Jazz-Sängerin mit „Black Hole Sun“ den Hit von Soundgarden, dem sich in den vergangenen Tagen schon viele Künstler vor ihr annahmen – die einen mehr, die anderen weniger gut (unter anderem versuchten sich auch Ryan Adams, Bush, Incubus, Metallica oder Aerosmith am Soundgarden-Klassiker, in Toronto sang gar ein 225-köpfiger Chor „Black Hole Sun“ ein). Jones aber ist viel mehr als „nur“ ein Cover, sondern eine ganz eigene, ergreifend entschleunigte Interpretation gelungen. Soulful.

 

 

 

Rock and Roll.

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High and lonesome sounds – zwei Download-Tipps für Freunde von The Gaslight Anthem und Brian Fallon zur angekündigten Bandpause


Foto: Danny Clinch

Foto: Danny Clinch

„Wir wollten euch mitteilen, dass wir mit The Gaslight Anthem nach unserer Europa-Tour im August eine Pause einlegen werden. Wir werden in der Zwischenzeit andere Projekte verfolgen, auch musikalischer Art, der Band aber eine Pause gönnen, bis wir entschieden haben, was wir als nächstes tun wollen.

Anstatt eine neue Platte aufzuznehmen, nur um eine neue Platte zu haben, wollen wir lieber unsere Batterien aufladen und abwarten, bis wir uns wieder richtig inspiriert fühlen. Wir denken, das ist zum jetzigen Zeitpunkt die beste Entscheidung, die wir treffen können.“

Foto: Joey Maloney

Foto: Joey Maloney

Mal ehrlich: Diese Meldung, die The Gaslight Anthem vor gut zwei Wochen über ihre Facebook-Seite verbreiteten, überraschte wohl die Wenigsten. Immerhin wurden die letzten Alben der Band – angefangen beim dritten Werk „American Slang“ (2010) über  „Handwritten“ (2012) bis hin zum bisher letzten Studiozeugnis „Get Hurt“ (2014) – von Kritikern wie auch Fans immer zwiespältiger aufgenommen. Klar war nicht alles auf diesen Alben schlecht. Klar muss keine Band – auch nicht der Punkrock-Vierer aus New Brunswick, New Jersey – seine Meilensteine (in diesem Falle „Sink Or Swim“ und „The ’59 Sound„, 2007 und ein Jahr darauf erschienen) immer und immer wieder in unterschiedlichsten Variationen wiederholen. Aber wie viel hatten die jüngsten Songs noch mit Gassenhauern für die ewigen Rock-Jagdgründe, die einem noch immer Entenpelle auf die Unterarme zaubern, mit Stücken wie „Great Expectations“, „We Came To Dance“, „Blue Jeans And White T-Shirts“, „1930“ oder „Old White Lincoln“ gemeinsam? Oftmals: zu wenig, um einem Tränen der Begeisterung in die Augen zu zaubern – leider. Trotz all der Liebe, die der Band (auch meinerseits) noch entgegenschlägt, scheint zunächst einmal die Luft raus…

Trotzdem werden die einzelnen Teile von The Gaslight Anthem – Frontmann Brian Fallon, Gitarrist Alex Rosamilia, Bassist Alex Levine und Schlagzeuger Benny Horowitz – kaum stillstehen. Fallon – für mich seit jeher der einzig kredible Anwärter auf den Thron vom „Boss“ Bruce Springsteen – hatte ja auch in den letzten Jahren bereits das ein oder andere Betätigungsfeld abseits seiner Hauptband, etwa The Horrible Crowes, bei dem ihm TGA-Gitarrentechniker Ian Perkins zur Seite stand, oder das bislang vielversprechende Bandprojekt Molly and the Zombies. Es bleibt also trotz allem spannend…

11787320_10207551032240545_252736424_nWer auch in der Bandpause auf unbestimmte Zeit nicht auf The Gaslight Anthem und Brian Fallon verzichten möchte, dem seinen zur Minute zwei Konzertmitschnitte ans Hörerherz gelegt. Ersterer stammt von einer Show von The Gaslight Anthem in der Saint Andrew’s Hall in Detroit, MI, welche die Band am 1. April 2009 spielte (also noch bevor das dritte Werk „American Slang“ erschien und die Punkrocker in größere Venues überwechselten). Hit folgt auf Hit folgt auf Hit folgt auf Hit – 18 Stücke lang. Zweiterer Mitschnitt ist deutlich neuer und präsentiert den TGA-Frontmann a.D., Brian Fallon, (beinahe) solo und akustisch und bestens aufgelegt beim diesjährigen „Newport Folk Festival“ in Newport, Rhode Island im Juli diesen Jahres. Unterstützt von einigen Freunden (etwa Gaslight-Gitarrist Alex Rosamilia und Horrible-Crowes-Kumpan Ian Perkins) gibt Fallon während der 45-minütigen Show insgesamt neun Songs zum Besten, welche vor allem vom 2011 veröffentlichten Horrible-Crowes-Debüt „Elsie“ stammen, mit „Steve McQueen“ und „Smoke“ sind gar zwei neue Stücke dabei. Rein qualitativ handelt es sich bei beiden Bootlegs um Soundboard-Mitschnitte, welche in Bootlegger-Kreisen wohl die Note A- oder B+ bekommen würden (bei der Gaslight-Show sind die Fallon’schen Vocals, welche vor sechs Jahren noch etwas windschief-punkiger ums Eck kamen als etwa heute, wohl etwas zu sehr in den Vordergrund und der Rest der Band zu sehr in den Hintergrund gemischt, bei der von der Festival-eigenen „Newport Folk Festival“-Internetradiostation mitgeschnittenen Solo-Show gibt es die ein oder andere kleine Übertragungsinterferenz). Alles in allem zwei feine geschenkte Gäule, die die Wartezeit fürs Erste überbrücken sollten – Für den Rest gibt es (mindestens) zwei Alben für die Ewigkeit…

 

 

 

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Flimmerstunde – Teil 25


„A Band Called DEATH“ (2012)

A BAND CALLED DEATH (Plakat)Detroit, Anfang der Siebziger. Die US-amerikanische Stadt direkt an der kanadischen Grenze boomt. „Motor City“ sorgt in den Fabriken des als „Big Three“ bekannten US-Autobauerdreigestirns aus General Motors, Ford und Chrysler (noch) für massig Arbeitsplätze (wobei sich der Abstieg alsbald erahnen ließ), und auch der nationale wie internationale Musikmarkt wird durch freshe neue Klänge direkt aus den Hitfabriken von „The D“ aufgemischt: „Motown„, diese zeitlos großen Soulpopwunderwerke von Diana Ross, Marvin Gaye, Stevie Wonder bis hin zu den Jackson 5, und die aufkeimenden, zeitgemäßen Dikokugeltanzflächenschubser sind die Musiktrends der Stunde. Und auch David, Bobby und Dannis Hackney, drei halberwachsene Teenager aus gutgläubigem, einfachem, aber rechtschaffenem Pastorenhause, wollen eine Band gründen. Und nur vom Äußeren her wäre die Sache eigentlich klar: schwarze Hautfarbe, Schlaghosen, amtliche Afros. Was soll’s sein? Soul? Funk? Disco? Tja: eigentlich! Denn die drei Brüder hegen gänzlich andere musikalische Vorlieben, seit sie in den Sechzigern den Auftritt einer weltberühmten Pilzkopf-Kombo in der Ed Sullivan Show sahen. Laut und aufrüttelnd wie Alice Cooper sollte ihr Bandsound sein, melodiös wie der der Beatles, energetisch wie die Bühnenpräsenz von The Who. Und auch die Rollen sind schnell verteilt: David übernimmt die Gitarre und prügelt sich wie ein Berserker in jeder freien Minute Riffs und Techniken von Jimi Hendrix, Queen oder MC5 in die geschundenen Finger, Bobby übernimmt den Bass und Gesang, während sich Dannis hinters Schlagzeug setzt. Zudem haben die Geschwister das Glück, aus einem eh schon musikalisch offenen Elternhaus zu stammen, und von ihren Eltern dazu noch jegliche Unterstützung zu erfahren (die Instrumente bekommen sie etwa von der Musiker „gesponsert“, nachdem diese nach einem Unfall einen verhältnismäßig größeren Geldbetrag von der Versicherung erhielt). Dazu liefert der feingeistige David noch ein Bandkonzept, inklusive Haltung, Design und einem so verqueren wie stigmatisierendem Bandnamen: DEATH (mit Dreieck anstelle des „A’s“!). Also, noch einmal: drei schwarze Afro-Teenager aus Detroit, denen zu Zeiten von „Motown“ der Sinn nach schneller, lauter Gitarrenmusik steht? No way, José… Das denken sich zumindest alle Plattenfirmen, bei denen DEATH mit ihrer ersten, 1975 aufgenommenen Seven Inch-Single „Politicians In My Eyes“ alsbald hausieren gehen. Keiner will sich mit dieser höchst ungewöhnlichen, auch textlich grüblerischen Band die Finger am florierenden Musikmarkt verbrennen. Und als Columbia Records, das wenigstens die Aufnahmesessions zum potentiellen Debütalbum finanziert, dem Trio nahelegt, den Bandnamen in etwas „Positiveres“ zu ändern, schiebt Bandkopf David Hackney dem Ganzen einen Vetoriegel vor. Enttäuscht, und ohne einen Plattenvertrag in der Tasche, werfen DEATH zwei Jahre später das Handtuch. Die Masterbänder des Debüts wandern auf den Dachboden, die drei ziehen nach Burlington, Vermont, gründen Familien, nehmen erst gemeinsam als „The 4th Movement“ zwei Gospelrockalben auf, bevor es David nach Detroit zurück zieht und Bobby und Dannis, die verbliebenen zwei Hackneys, sich mit konventionellen Tagesjobs und als Köpfe der Reggaeband „Lambsbread“ über Wasser halten…

A band called DEATH

Und keiner hätte wohl je von DEATH erfahren, wäre da nicht die einzige, in geringer Stückzahl erschienene Single der Band gewesen. Diese fällt fort einigen Jahren einem findigen, musikbegeisterten Plattensammler in die Hände, der darüber im Internet schreibt und „Politicians In My Eyes“ sowie dessen B-Seite „Keep On Knocking“ als mp3’s bereitstellt. Flux verbreiten sich die Stücke per Foren und Tastatur-zu-Tastatur-Propaganda im weltweiten Netz, mehr und mehr Leute interessieren sich für die Hintergründe und die wenigen Originale der Seven Inch gehen für hohe Summen bei Ebay über den digitalen Ladentisch. 2009 erscheint schließlich das Debütalbum „…For The Whole World To See“ beim US-amerikanischen Indielabel Drag City, während DEATH wenig später auf umjubelte Tournee gehen.

A Band Called DEATH (Documentary)

A Band Called DEATH“ erzählt in 98 äußerst kurzweiligen Minuten die Geschichte einer Band, die von Vornherein erst einmal zu unglaublich klingt, um wahr zu sein. Dabei steht die Dokumentation von Mark Christopher Covino und Jeff Howlett ganz in der Tradition der ähnlich gelagerten musikalischen Zelluloiderzählungen „Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft“ oder „Searching For Sugar Man„. Auch die Geschichte der Afroprotopunks von DEATH ist ein Rührstück, das von viel Liebe, Haltung und Hingabe erzählt, und dabei (beinahe) gänzlich ohne Sentimentalitäten auskommt. Und: „A Band Called DEATH“ ist vor allem der Tribut von Bobby und Dannis an David, der 2000 an Lungenkrebs verstarb und so den späten Ruhm seiner Herzensband nie mitbekam. Dabei war er es, der seinen Brüdern noch kurz vor seinem Tod die Masterbänder des Debütalbums in der festen Überzeugung in die Hände drückte, dass „irgendwann“ die Zeit reif sei für diese Art von Musik – wie recht er hatte… DEATH waren Punk, bevor dieser mit Bands wie den Ramones oder Sex Pistols salonfähig wurde. DEATH waren ihrer Zeit weit voraus – leider im absolut brutalsten Wortsinn… Heute zählen die altersweisen Rastafari-Protopunks Größen wie Jack White (The White Stripes), Henry Rollins, Kid Rock, Questlove (The Roots) oder Elijah „Frodo“ Wood zu ihren Bewunderern. Und die standen angesichts der Sounds, die DEATH bereits Mitte der Siebziger aufnahmen, ebenso verständnislos kopfschüttelnd da wie manch anderer. DEATH, die mittlerweile stolz das Zepter an Bobby Hackneys ebenfalls punklastig musizierende Söhne Julian, Urian und Bobby Jr. (aka. Rough Francis) weitergegeben haben, beweisen mit ihrer Geschichte: Alles hat und findet seine Zeit… Keep on knockin‘, keep on knockin‘ on the door.
DEATH (Logo)

 

 

Hier gibt’s den Trailer…

 

…eine kurze Filmvorstellung…

 

…und die beiden ersten, mehr als dreißig (!) Jahre alten Singles der Band, „Keep On Knocking“…

 

und „Politicians In My Eyes“, in Liveversionen:

 

Und jetzt: Kinnlade hoch, anschauen!

 

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Flimmerstunde – Teil 23


„Searching For Sugar Man“ (2012)

Searching For Sugar Man (poster)Kein noch so fantasiereicher Autor könnte je so wunderbar unglaubliche Geschichten schreiben wie das Leben… Mitte der siebziger Jahre erlangt ein Mann in Neuseeland und Australien, jedoch vor allem in Südafrika Kultstatus – und das, obwohl er lange Zeit davon nichts weiß. Die Songs des Musikers Rodriguez werden von Radiostationen von Kapstadt bis Johannesburg rauf und runter gespielt, ihre gesellschaftskritischen Inhalte dienen schwarzer wie weißer Bevölkerung quasi als Soundtrack zu ihrem persönlichen Kampf gegen die Apartheit. Und der Künstler? Nun, über den wussten südafrikanische Musikjournalisten viele Jahre wenig bis nichts, und selbst die Verantwortlichen der nationalen Plattenfirma, auf der eine eigens zusammengestellte Werkschau von Rodriguez erschien, konnten nur mit den Schultern zucken. Schnell machten Gerüchte die Runde: der Mann habe sich noch während eines Konzertes eine Waffe an die Schläfe gehalten und abgedrückt! Nein, er ist an einer Drogenüberdosis gestorben! Nichts genaues blieb für Jahrzehnte im Dunkeln – und Rodriguez international ein „man of mystery“

Rodriguez #1

Tatsächlich war er noch am Leben, nur wusste das auf der anderen Seite des Ozeans niemand. Erst als Craig Bartholomew-Strydom, ein südafrikanischer Musikjournalist, im Jahr 1996 tiefer zu bohren begann und sich anhand von Textzeilen des Musikers auf eine wahre Schnitzeljagd begab, stieß er auf die ebenso unglaublich wahre wie herzzerreißende Lebensgeschichte von Rodriguez.

Der 1942 in Detroit als Sohn mexikanischer Einwanderer geborene Sixto Díaz Rodriguez zog nach Abschluss der High School durch die örtlichen Bars, lauschte den Lebensgeschichten des einfachen Mannes und machte diese zum Inhalt seiner Lieder – gesellschaftskritische Texte, die vom harten Leben auf der Straße und (insofern man Glück und eine Arbeit hatte) am Fließband, aber auch vom Hängenbleiben am Tresen und von den von der Gesellschaft Vergessenen erzählten, auf der anderen Seite jedoch auch sehr poetisch waren. Bald schon wurde der in der „Motown“-Stadt Geborene von Produzenten entdeckt, nahm zuerst eine Single, danach zwei Alben auf, und seine Fürsprecher wähnten sich bereits in der Sicherheit, hier den „neuen, noch besseren Bob Dylan“ unter Vertrag genommen zu haben – doch obwohl sogar die Kritiken zu den Alben „Cold Fact“ (1970) und „Coming From Reality“ (1971) positiv ausfielen, blieb der Ansturm auf die Plattenläden aus. Schlimmer noch: laut Aussagen ließen sich die Verkaufszahlen gar an zwei Händen abzählen! Kaum einer kann auch heute noch eine Ursache nennen. Waren Rodriguez‘ Texte zu kritisch (konnte kaum sein, denn Dylan war seinerzeit mindestens ebenso rücksichtslos aufrührerisch, und die Siebziger keinesfalls als kritikfernes Jahrzehnt bekannt)? Passte die Farbe oder die Gestaltung des Covers nicht, die Tourdaten, die Promotion, das Timing? Keiner hatte eine Antwort, und das Label ließ den hoffnungsvollen Künstler schnell wieder fallen… Fortan ging Sixto Rodriguez wieder einem Nine-to-Five-Broterwerb in Detroit nach, um seine Familie durchzubringen, und geriet in den USA in Vergessenheit, obwohl auch vorher niemand von ihm Notiz genommen hatte.

Rodriguez #2

Umso erfreulicher – und erstaunlicher! – war es für ihn, als er im Jahr 1998 erfuhr, dass er, der im heimatlichen Musikgeschäft Gescheiterte, im fernen Südafrika eine sagenumwobene, für tot gehaltene Kultfigur, ja gar ein Star – größer und beliebter noch als Elvis, Hendrix, Dylan, die Beatles oder Rolling Stones – war. Bartholomew-Strydom und der südafrikanische Fan und Plattenladenbesitzer Stephen „Sugar“ Segerman nahmen über dessen Töchter Kontakt zu Rodriguez auf und baten ihn, nach Südafrika zu kommen und dort einige Konzerte zu spielen. Und was er dort erlebte, erfüllte ihn nach Jahrzehnten des sicher geglaubten musikalischen Scheiterns endlich mit Genugtuung und Seelenfrieden, verschlug ihm und seinen mitgereisten Töchtern aus Dankbarkeit jedoch auch ein ums andere Mal die Sprache: jubelnde, ausverkaufte Hallen, die dem damaligen Endsechziger noch vor dem ersten Ton Standing Ovations spendierten! Limousinen am Flughafen, feine Hotels, Radiointerviews und Fernsehauftritte! Später Ruhm in einem fernen Land…

Searching For Sugar Man„, die kürzlich Oscar-prämierte Dokumentation des schwedischen Dokumentarfilmers Malik Bendjelloul, begibt sich für 86 Minuten noch einmal auf die Schnitzeljagd nach einem Totgeglaubten, und spürt am Ende eine Geschichte auf, die beinahe zu unglaublich ist, um nicht dem Hirn eines Hollywood-Schreiberlings zu entstammen. Dabei kommen alle Beteiligten in Südafrika und den USA – von Bartholomew-Strydom über Segerman, ehemalige Produzenten, aber auch Rodriguez‘ Töchter und der Künstler selbst – zu Wort, und zeichnen das Bild eines Mannes, dem – zumindest in finanzieller Hinsicht – nie das Glück zuteil wurde, das weitaus weniger talentierte Berufskollegen im Überfluss hatten, der darüber hinaus aber nie den Mut und das Ohr für den „kleinen Mann am Rinnstein“ verlor. Ein Mann, der in einem anderen Universum wohl der „bessere Dylan“ geworden wäre – denn hört man die Stücke seiner bis zum heutigen Tag einzigen beiden Alben, so vereinen diese die Qualitäten von His Dylaness mit den Schattenseiten des „Motown“-Sounds eines Marvin Gaye. Doch der Ruhm in der Heimat wird dem mittlerweile 70-jährigen Sixto Rodriguez, der auch nach den „Erfolgen“ in Südafrika, wo sein Debütalbum „Cold Fact“ Goldstatus erreichte, nie von seiner Musik leben konnte, erst heute – durch die tolle, spannend aufgemachte und erzählte Dokumentation „Searching For Sugar Man“ zuteil – und er, der seit 40 Jahren im selben Haus lebt und einen Großteil der Einnahmen aus Südafrika seiner Familie schenkte, hat ihn sich mehr als verdient. Denn Sixto Díaz Rodriguez weiß endlich: seine Lieder, seine Geschichten von der Straße, sie werden gehört. Und das Leben, dieser verrückte kleine Bastard, hat ihm eine Geschichte geschrieben, auf die selbst er nie gekommen wäre…

Rodriguez #3

 

 

In jedem Falle sollte spätestens jetzt jeder den Songs von Rodriguez eine Chance im Gehörgang geben und aufmerksam zuhören (sehr zu empfehlenden ist hierbei der Soundtrack zur Dokumentation, welcher einen Querschnitt durch das leider zu geringe Schaffen des Künstlers bietet), denn –  so viel sei versichert: es lohnt sich! „Searching For Sugar Man“ ist eine große Dokumentation über einen großen, unentdeckten Künstler namens Rodriguez, die den diesjährigen Oscar völlig zu recht für sich beansprucht hat. Punkt. Und nun: hört zu!

 

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